Janus goes WM


Was ist nicht alles geschrieben worden über diese Fußball-WM! Und was wird nicht noch alles geschrieben werden! Nur gerecht, dass auch ich meinen Senf dazu gebe. Schließlich hatte ich mich im Vorfeld auch um Tickets bemüht. Es war mir auch so ziemlich egal, welche Spiele ich bei glücklichem Los-Ausgang erhalten würde, daher hatte ich mich bewusst für sogenannte „Exoten-Spiele“ entschieden. Dem lag eine einfache Logik zugrunde: Niederlande, Brasilien, Argentinien – klar, wäre alles toll, aber über kurz oder lang werden die alle mal wieder zu Spielen in diesem Land aufschlagen. Wann aber kann man noch einmal in den Genuss kommen, Teams wie Südkorea oder Costa Rica in diesem unserem Land live im Stadion erleben zu können? Ob das nun für jeden ein „Genuss“ wäre, lass ich mal dahin gestellt, für mich auf jeden Fall schon. Und deshalb war ich über meine Ticket-Zuteilungen in der ersten WM-Woche auch hocherfreut. Und das zu Recht, denn es lohnte sich für mich. Ob das für andere auch der Fall gewesen wäre, mag jeder für sich entscheiden.

Dienstag, 13.06.2006: Südkorea – Togo

Dieses Spiel steht zunächst unter dem Motto: endlich mal auch bei einer WM ein 0:0 gesehen. Denn kurz nach der Ticket-Zuteilung erhalte ich die Nachricht, dass die beiden Mädels von www.fussball-und-titten.de zu diesem Spiel auch im Stadion sein werden. Die sind nämlich Volunteers im Bereich der Presse für die Spiele im Frankfurter Stadion. Und wer schon mal den ein oder anderen älteren Bericht von mir gelesen hat (Island – Deutschland aus 2003 oder Deutschland – Lettland aus 2004), der weiß, dass Spiele, bei denen wir zu dritt vor Ort sind, grundsätzlich torlos enden. Egal, Hauptsache Spaß dabei, also mache ich mich am Dienstag Morgen frohgemut von meiner Wohnung auf, um zunächst zum Bonner Hbf zu gelangen. Hier wird bereits der erste aufregende Akzent gesetzt, der Tagesausflüge so unvergesslich macht: die Buslinie 638, die mich zum Zentralen Omnibusbahnhof bringen soll, der dem Hbf gegenüber liegt, hält nämlich plötzlich am Hinterausgang des Bahnhofs, ohne dass dies im Fahrplan vorgesehen wäre. Kleine Abweichung von der geplanten Route, da der Fahrer, wahrscheinlich auch schon im WM-Fieber, die Fahrstrecken verwechselt hat. Ich schicke ein Stoßgebet zum Himmel, dass er nicht normalerweise die Straßenbahnlinie 66 steuert, dann wären wir nämlich in Königswinter gelandet, und steige flugs aus. Ich weiß wieder einmal genau, was so anfängt, kann nur ein magischer Tag werden.
Mein Zug fährt um 10.13 Uhr ab, er ist sogar pünktlich, und ich steige frohgemut mit einem „Weltmeister-Ticket“ zu. Ich sage es ungern, aber da hat die Bahn mal eine gute Idee gehabt. Fahrten in die Städte mit WM-Stadien gibt es in Verbindung mit einer Eintrittskarte nämlich zum Pauschalpreis von 54, 74 oder 90 Euro, je nach Entfernung. Und über Bonn-Frankfurt-Bonn mit freier Zugwahl, also auch ICE und IC, für 54 Euro kann man wirklich nicht meckern. Das kommt erst später.

Die Fahrt nach Frankfurt Hbf verläuft dann ohne weitere Zwischenfälle. Nachdem ich schon am Bonner Hauptbahnhof über einige Fans im Togo-Trikot gestaunt habe, gestaunt deswegen, weil sie definitiv Deutsche sind, gibt es in meinem Abteil dann noch jemanden zu bewundern, der sich zum Südkorea-Trikot einen Fanschal von...RW Essen modisch um die Hüften geschlungen hat. Als der dann auch noch eine Station vorher, nämlich am Frankfurter Flughafen, aussteigt, bin ich versucht, ihm nachzurufen, dass die WM tatsächlich in Deutschland stattfindet, und er deshalb jetzt nicht nach Südkorea fliegen müsse. Aber natürlich bin ich WM-Neuling, wie ich bei einem Blick in den Fahrplan feststelle, denn man kann auch vom Flughafen mit einer S-Bahn zum Stadion gelangen. Na, wenn er will...we do it harder!
12.30 Uhr, Ankunft Frankfurt Hbf. Es ist knallheiß. Dass die Frisur sitzt, wage ich zu bezweifeln, schließlich habe ich mir sofort ein Fortuna-Käppi aufgesetzt. Die Luft steht, es sind an die 30 Grad. Der Bahnhof ist proppenvoll und laut. Eine Lautsprecher-Durchsage kämpft dagegen an. Hierzu muss man wissen, dass die vier Seiten eines Stadions auf der Eintrittskarte in farbliche Sektoren aufgeteilt sind, rot, grün, gelb, blau. Um eine möglichst verzugslose Heranführung der Fans an die ihnen zugewiesenen Plätze zu ermöglichen, hat man sich auch in Frankfurt etwas ausgedacht: per Durchsage werden die Fans, die Tickets für den roten oder blauen Sektor haben, aufgefordert, die Straßenbahn vor dem Hauptbahnhof zu benutzen, Besucher mit gelben oder grünen Sektoren können direkt im Hauptbahnhof mit einer S-Bahn weiterfahren. Ich muss demnach meine Weiterreise mit der Straßenbahn antreten.
Auf dem Bahnhofsvorplatz ist auch schon mächtig etwas los. Hier wird schon klar, dass die koreanischen Fans auch im Stadion wohl in der Überzahl sein werden. Kein Wunder, allein in Frankfurt leben 9.000 Koreaner. Aber auch aus der Heimat sind so einige eingeflogen. Überall sieht man nur rote Shirts mit der weißen Aufschrift „Go, Reds!“ „Reds“, das ist der Name der koreanischen Nationalmannschaft, die vor vier Jahren so überraschend bis ins Halbfinale vorstieß und dort erst an Deutschland scheiterte. Hier höre ich auch zum ersten Mal den Schlachtruf der Koreaner, der mich den Rest des Tages begleiten soll, den ich aber leider nicht mehr zusammenbekomme, „Tae-An Minh-Gook“ oder so ähnlich, sorry für diese Kulturschande, aber irgendjemand wird mich schon korrigieren können. Da auch ein paar gelbe Shirts von Togo gesichtet werden können, sowie noch einige andere Nationalitäten, ist es ein farbenfroher Anblick. Dann wollen wir mal. Straßenbahnlinie 20 zum Stadion wartet.

Hiermit hat es eine Besonderheit, wie ich sofort feststelle. Zwar erklingt andauernd die Durchsage, man möge doch bitte die „Sonderbahnen zum Stadion“ benutzen. Es kommen auch wirklich alle 5 Minuten neue Straßenbahnen, um die Leute aufzunehmen. „Sonderbahnen“ heißt jedoch nicht, dass diese zusätzlichen Gefährte auch nonstop zum Stadion durchfahren. Nein, weit gefehlt! An jeder Haltestelle wird brav angehalten, um noch ein paar Versprengte aufzunehmen. Aussteigen kann eh niemand mehr, dazu ist es viel zu voll. Aber Platz ist noch in der kleinsten Hütte. So nimmt der Fahrer an einer roten Ampel kurzerhand noch einen Trupp versprengter Koreaner auf, der es nicht mehr rechtzeitig zur Haltestelle geschafft hat. Unsere Sardinenbüchse erreicht Höchstwerte bei der Temperatur, aber leider nur kriechend das Ziel, weil sie alle zwei Minuten an der nächsten Milchkanne hält. Nach über 20 Minuten erreichen wir unser Ziel – mit der S-Bahn hätte es übrigens laut Fahrplan sechs Minuten gedauert. Schweißgebadet steigt man aus und steht direkt vor einem Wunder, man sieht nämlich etwas, das es laut FIFA gar nicht geben dürfte – den Schwarzmarkt. Noch am Bahnsteig stehen die ersten Leute mit Papptafeln: „Need Ticket“. Darunter sind auch einige Engländer, zwei von ihnen haben ihr Täfelchen etwas ausführlicher gestaltet, um gleich klarzumachen, wo es langgehen soll: „Need Tickets, want to support Korea!“ Klare Ansage. Zehn Meter dahinter stehen die ersten Leute, die das haben, was die davor wollen, aber jetzt, zweieinhalb Stunden vor dem Spiel, wohl noch zu teuer ist. Natürlich tragen sie keine Pappschilder, raunen aber immer das entscheidende Wort: „Tickets?“ Einer zeigt kurz, dass er hier wirklich nicht umsonst steht, fünf Tickets werden mit flinker Hand als Fächer präsentiert und verschwinden ebenso schnell wieder. Preis (noch) 80 Euro für Kategorie 4, danach nur noch gnadenlos aufwärts. Vollends verschlägt es mir die Sprache, als ein pfiffiges Chamäleon – erkennbar Deutscher, aber mit Togo-Shirt und Korea-Schal, das erschwert die Identifizierung, wird er wahrscheinlich denken – auch Hospitality-Tickets feil bietet, diese VIP-Karten mit all inclusive, wahrscheinlich sogar mit eigenem Volunteer, der einem während des Spiels Luft zufächelt. Hier auf diesem kleinen Bahnsteig ist alles zu haben. Ich beglückwünsche mich innerlich, bereits über ein Ticket zu verfügen, ansonsten hätte ich jetzt zwei Stunden mit den Jungs in der prallen Sonne verbringen müssen, bis die Preise auf ein halbwegs erträgliches Maß fallen würden. So aber kann ich die freie Marktwirtschaft ignorieren und locker voranschreiten.

Es geht durch eine Unterführung auf einen kleinen Vorplatz vor dem Zugang zum Stadion. In der Unterführung werden mehrere Flyer verteilt, ein Typ mit Eintracht-Frankfurt-Trikot schaut nur kurz auf mein Käppi und grölt fachmännisch: „Fortuna!“, obwohl dort nur das Logo mit dem „F“ zu sehen ist. Man kommt kurz ins Gespräch, er wünscht uns alles Gute, und dass wir bald wieder da sind, wo wir hingehören. Erstaunlich und erfreulich, dass man sich in höheren Kreisen noch an uns erinnert, man darf nicht vergessen, dass wir vor neun Jahren aus der Ersten und vor sieben Jahren aus der Zweiten Bundesliga abgestiegen sind. Beschwingt von diesem fruchtbaren Meinungsaustausch gehe ich weiter auf den Vorplatz, auf dem sich auch schon erste Würstchen- und Getränkestände breit machen. Hier ist die Hitze nahezu unerträglich, die Sonne knallt voll auf den Platz, hinzu kommt der aufgewirbelte Staub, da es sich um normalen, festgestampften Boden mit kleinen Steinchen handelt. Es ist wirklich drückend.
Das heißt aber noch lange nicht, dass auf diesem Vorplatz nichts los wäre. Im Gegenteil, hier fliegt grad richtig die Kuh, und zwar die koreanische. Neugierig trete ich an den Kreis heran, der sich um den infernalischen Lärm gebildet hat und sehe, was abgeht: ein gutes Dutzend Koreaner, zum Teil in traditionelle Gewänder gehüllt, zum Teil einfach in diese weißen Karate-Anzüge geschlüpft, veranstaltet ein Riesen-Tamtam mit Trommeln, Zimbeln, etwas, das sich nach einer rostigen Klarinette anhört sowie einigen Instrumenten, die ich noch nie gesehen habe, geschweige denn benennen könnte. Ein anderes Dutzend wagt unverdrossen ein Tänzchen und läutet jetzt sogar eine Polonäse ein! Ich weiß natürlich nicht, was die Umstehenden da singen, aber sie tun es laut und voller Begeisterung. Als das Lied zu Ende ist, wird auf dem Platz gejubelt, als ob sie soeben Weltmeister geworden wären, gefolgt von minutenlangen Sprechchören „Tae-An Minh-Gook“. Hier ist richtig Party. Und jetzt, unglaublich aber wahr, spielen sie mit ihren Instrumenten das Lied sämtlicher Tribünen, „Go West“, und man kann sogar die Melodie erkennen. Die ganze Bagage macht sich auf den Weg zum Eingang, sodass man mit Fug und Recht behaupten kann, die ziehen mit klingendem Spiel ein. Also, die Temperaturen sind vielleicht noch nicht ganz am Siedepunkt, die Stimmung schon längst. Zeit, ins Stadion zu gehen.
Jetzt wird es natürlich interessant, die allseits gefürchteten Einlasskontrollen stehen an. Vielleicht liegt es an der frühen Uhrzeit, zu der noch verhältnismäßig wenig los war, vielleicht ist dem Personal genauso warm wie mir, auf jeden Fall bin ich in dreißig Sekunden auf dem Stadiongelände. Mein Rucksack wird zwar in Augenschein genommen, es wird allerdings nur geschaut, ob ich etwas Trinkbares dabei habe, das dürfte ich nämlich jetzt sofort austrinken oder gleich wegwerfen, Getränkeverpackungen werden rigoros einkassiert. Da ich Selbiges nicht vorweisen kann, werde ich durchgelassen, am elektronischen Drehkreuz brauche ich auch keinen Finger krumm machen, einer der Ordner nimmt mir das Ticket ab und steckt es in den Leseschlitz, die Lampe zeigt grün, ich gehe durch und erhalte das Ticket zurück. Das war’s. Nix anderes als bei jedem Bundesliga-Spiel und sehr viel weniger als bei jedem Regionalliga-Kick, das darf ich aus vielfacher Erfahrung sagen. Ich bin drin!

Zunächst geht es ein ganzes Stück geradeaus, bald schon tauchen rechts und links große weiße Zelte auf, die mit Bauzäunen zum Weg hin abgesichert sind, an jeder Stelle, an der so ein Gitter endet und ein neues anfängt, steht ein Ordner. Das sind wohl die Zelte der Fernsehanstalten, die großen Satellitenschüsseln vor dem Eingang lassen mich dies vermuten Dann folgen Stände der Hauptsponsoren, die ich nicht weiter begutachte, da bin ich aber fast der Einzige, die Stände sind dicht umlagert. Auf einer kleinen Bühne wird grad mit Fans ein Fußballquiz durchgeführt, als ich vorbei schlendere, kommt grad die Frage: „Welches Team hat bei der WM 1974 kein einziges Spiel verloren?“ Donnerwetter, das ist mal was anderes als die Intelligenzfragen beim DSF à la „Wie heißt der Verein: a) Dynamo Dresden oder b) 1.FC Dresden?“ (Richtige Lösung übrigens: falsche Frage, der Verein heißt offiziell 1.FC Dynamo Dresden, beim DSF benötigten sie zehn Minuten, um das zu merken und die Frage auszutauschen). Ich gebe zu, die Frage von der Bühne hat es in sich, aber ich als alter WM-Hase, und bei der WM 1974 schon volle fünf Jahre alt, weiß es nach einigem Überlegen ebenso wie der Herr auf der Bühne: Schottland. Die blieben damals tatsächlich in ihren Gruppenspielen ungeschlagen, schieden aber aufgrund der schlechteren Tordifferenz aus.

Als letztes Zelt vor der Haupttribüne glänzt jedoch ein Traum in weiß mit eingelassenen Fenstern und einem Mädel vor dem Eingang, das so schick gekleidet ist, dass ich es niemals für die Kabelhilfe der ARD halten würde. Dürfte wohl ein VIP-Zelt sein. Die Vermutung liegt umso näher, als dass sich in unmittelbarer Nähe des Zeltes, nur ca. 20 Meter vom Zelt entfernt, der VIP-Eingang der Haupttribüne befindet, als solcher deutlichst über dem Eingang ausgeschildert. Davor residiert eine etwas kompaktere Frau, die uns ordinäre Normalos mit dem bösen Blick verscheuchen will. Ich riskiere trotzdem einen Blick und staune nicht schlecht: hinter der Eingangstür befindet sich etwas, das verdammt nach diesem Durchgang auf dem Flughafen aussieht, den man durchschreiten muss, wenn das Handgepäck durchleuchtet wird. Donnerwetter, wenn man hier als VIP ankommt, darf man sich erst mal prüfen lassen, ob man auch unbewaffnet ist! Nun ja, da quasi in letzter Sekunde vor dem Turnier die Hospitality-Tickets auch noch personalisiert werden mussten, wer weiß, was die festgestellt haben, wer da heute anrücken wird, vielleicht das halbe Bahnhofsviertel? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Die ganz wichtigen Leute erkennt man übrigens daran, dass sie ihre entsprechenden Akkreditierungen bzw. die Angabe zu ihren Funktionen um den Hals hängen haben, kein ungewöhnlicher Vorgang, aber die Dinger sind so groß, es wirkt, mit Verlaub, etwas lächerlich.
Ich wende mich nunmehr nach links, denn meine Karte ist für den Block, der bei regulären Heimspielen der Eintracht als Gästeblock genutzt wird, deshalb muss ich noch eine Viertelrunde um Stadion drehen. So weit komme ich aber erst mal nicht.
Genau an dieser Ecke der Tribüne hat sich nämlich ein Menschenauflauf eingefunden, vornehmlich von Koreanern, die alle eine Gasse freihalten, das Kopfende der Gasse wird von Polizei und Ordnern mit Funkgeräten freigehalten. Das sieht nach der Zufahrt für die Mannschaftsbusse aus. Sollten die etwa jetzt gleich ankommen? In der Tat, so ist es. Flankiert von Motorradpolizei rollt kurz darauf der togolesische Bus heran, begrüßt mit freundlichem Applaus, einige Togo-Fahnen werden geschwenkt, die „Sperber von Afrika“, wie man das Team nennt, können sich über einen herzlichen Empfang freuen.

Das ist aber nichts gegen die beiden Busse der Südkoreaner, die fünf Minuten später ankommen. Dazu muss man wissen, dass in Südkorea (wie auch in Japan) die Spieler verehrt werden wie Popstars, auch deshalb, weil sich dort ungewöhnlich viele junge Mädchen für Fußball interessieren, was hier und jetzt auch deutlich zu sehen ist. Eine Anekdote hierzu: von Mittelfeldspieler Kim Nam Il wird berichtet, dass 1.000 weibliche Fans zum Spiel seines früheren Klubs, der Cheonam Dragons, einen Sonderzug organisierten. Das Verrückte daran: Kim spielte gar nicht, er war verletzt, sondern schrieb das ganze Spiel über Autogramme. Ja, solche Fans sind das! Und deshalb hebt jetzt, als die Busse kommen, auch ein infernalischer Jubel inklusive sehr helltönigem Gekreisch an. Wer grad nicht kreischt, hat zumindest Videokamera, Fotoapparat oder Kamera-Handy in Betrieb und filmt die Ankunft. Durch die getönten Scheiben des ersten Busses kann man sehen, dass einige Spieler gnadenlos zurückfilmen. Die Ordner haben hier und da wirklich Mühe, die Teenies im Zaum zu halten! Es herrscht ein Rummel wie sonst nur bei „The Dome“, und ich schaue vorsichtshalber noch einmal auf meine Eintrittskarte: doch, doch, da steht „Korea Republic-Togo“ drauf, nicht „Tokio Hotel“. Für einen Moment dachte ich, bei der falschen Veranstaltung gelandet zu sein.

Anschließend muss ich auf der Treppe noch einer Raupe den Vortritt lassen, bestehend aus ca. zehn Koreanern, die ein zusammengerolltes riesiges Blockbanner die Stufen hochwuchten, mit militärischer Präzision schreiten sie voran. Dann erst kann ich meinen Block suchen. Er befindet sich natürlich ziemlich weit oben, dafür aber schön hinter einem Tor. Die Sicht ist gut, die Temperatur auch: auf Bitten der FIFA wurde für dieses Spiel nämlich das Dach geschlossen, weil es bei der ersten Übertragung eines Spiels aus dem Stadion, England-Paraguay, Klagen gegeben hatte, da die TV-Übertragung durch den Licht-Schatten-Kontrast auf dem Rasen beeinträchtigt wurde. Das geht natürlich nicht, deshalb wird einfach mal bei über 30 Grad am frühen Nachmittag das Dach zugemacht. Naja, Hauptsache, am Fernseher sieht man etwas, da ist der ein oder andere Kreislaufkollaps im Stadion wirklich zu verkraften. Wie sagte der Gichtgestalt-Scherge Wolfgang Niersbach noch im letzten Jahr kopfschüttelnd, als Kritik an der Ticket-Vergabe laut wurde: „Wir haben doch niemanden gezwungen, ein Ticket zu bestellen!“ Recht hat er, und ich bin ein Jammerlappen!
Der seine Schweißausbrüche jetzt erst einmal mit einem Getränk ausgleichen will. Im Obergeschoss der Tribüne sind die Schlangen an den Ständen auch noch annehmbar kurz. Zum Glück ist der Hersteller meines Stadion-Getränks gleichzeitig Hauptsponsor, damit habe ich also kein Problem. Es kostet 3,50 Euro plus einen Euro Pfand, den ich eh nie wieder sehe, denn der Becher ist natürlich Souvenir. Sodann wird zum Diner geschritten, das Angebot ist reichhaltig, ich gönne mir eine Rindswurst zu drei Euro, die durchaus okay ist. Pizza habe ich noch gesichtet, sowie Schnitzel, Bratwürste und etwas, das verdammt nach einer 5-Minuten-Terrine aussieht, so ein Nudelsuppen-Becher. Stark, dass man so etwas jetzt auch schon im Stadion bekommt. Oder ist das ein Extra-Snack für die koreanischen Gäste?

Langsam füllt sich die Tribüne, und ich komme mit meinem Sitznachbarn ins Gespräch. Bei ihm kann man sehen, dass das Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ wirklich von jedem umgesetzt wird, er ist nämlich in einem Stadion, das er ansonsten nicht einmal von weitem anschauen würde. Klar, als Fan der Offenbacher Kickers...aber was tut man nicht alles, wenn WM ist! Er ist übrigens beim Einlass zuvor kontrolliert worden. Da hatten sie auch gleich den Richtigen erwischt, es war nämlich das Ticket seines Kumpels, das er dabei hatte, der war „leider kurzfristig krank“ geworden. Aber er erzählt, dass auch dies kein Problem war, er musste nur zum Ticket-Center, welches sich am Haupteingang befindet, und nach Erläuterung des Sachverhalts bekam er ein neues Ticket. Etwas verwirrend allerdings, dass dieses per Hand ausgefüllt wurde, was ihm bei jedem Ordner erheblichen Erklärungsbedarf einbringt. Vielleicht hätte man denen bei der Einweisung auch mal erklären sollen, dass es so etwas gibt. So gerät jeder Weg aufs Klo zum Spießrutenlauf, aber wie gesagt: was tut man nicht alles, wenn WM ist.

Die Zeit bis zum Anpfiff vergeht wie im Fluge, die Koreaner sorgen für ordentlich Stimmung. Es sind bestimmt 15 bis 20.000 im Stadion, überall komplette Blöcke, die in Rot gehüllt sind. Sie veranstalten weiter ein Mordsspektakel, insbesondere erfreut sich wohl der deutsche Klassiker „Freude schöner Götterfunken“ unfassbarer Beliebtheit, alle paar Minuten wird er neu angestimmt, natürlich mit koreanischem Text. Die Kolonie Togolesen ist erheblich kleiner, mir direkt gegenüber, am anderen Ende des Stadions, können einige im Unter- und noch mal welche im Oberrang gesichtet werden, insgesamt keine 1.000. Vielleicht auch deshalb haben sich viele Deutsche im Stadion Togo-Shirts oder entsprechende Fähnchen gekauft und unterstützen die Afrikaner. Auch ich bin geneigt, ein Herz für den Underdog zu haben. Schließlich ist Südkorea haushoher Favorit. Togo ist erstmalig bei einer WM dabei, das Team war neben Angola die Sensation bei der Afrika-Qualifikation. Von den Spielern kenne ich nur Adebayor vom AS Monaco, der Rest ist größtenteils unbekannt. Natürlich kennen wir alle noch Bachirou Salou, der für Mönchengladbach, Duisburg, Rostock und Aachen in der Ersten und Zweiten Liga am Ball war und in der letzten Saison beim SC Kapellen/Erft in der Verbandsliga Niederrhein kickte, mehr so zum Spaß, da er in der Nähe wohnt. Der ist tatsächlich auch da, allerdings nur als Betreuer. Außerdem gab sich Togo neben seiner „natürlichen“ Außenseiterrolle vor dem ersten Spiel auch Mühe, sämtliche Klischees vom chaotischen Fußball in Afrika zu bestätigen. Der Trainer, der die sensationelle Qualifikation schaffte, ist ja schon längst nicht mehr im Amt, den Job übernahm Otto Pfister, ein Kölner Weltenbummler, der schon über 20 Jahre Trainer-Tätigkeit in Afrika auf dem Buckel hat. In der Woche vor dem Spiel trat Pfister zurück, wegen eines Streits um die Prämien. Ich dachte auch erst, jetzt wären sie größenwahnsinnig geworden, aber hierbei handelte es sich um die Prämien für die Qualifikation, die anscheinend bis heute nicht ausbezahlt worden sind, und das, obwohl die FIFA dem togolesischen Verband für die erfolgreiche Quali bereits 7,3 Mio. Euro überwiesen hatte. Tja, wo das Geld wohl hin ist...? Dann wollte ein Teil der Funktionäre Winnie Schäfer als Nachfolger, ein anderer Teil wiederum nicht, die Mannschaft wollte ihren Otto wieder zurück, und weil die Herren Krawattenträger sich nicht einigen konnten, nahm Pfister einen Tag vor dem Spiel tatsächlich wieder auf der Trainerbank Platz. Wobei der Verbandschef Togos ihn auch weiter behalten, der Generalsekretär ihn aber möglichst verzugslos in die Wüste schicken will. Fortsetzung garantiert. Eine ziemlich traurige Posse, die zeigt, dass die bekannten Klischees bei einigen Verbänden wohl tatsächlich zutreffen. Eine gezielte Vorbereitung war unter diesen Umständen ziemlich ausgeschlossen, zumal es heißt, dass die Spieler das ein oder andere Training auch bestreikt haben sollen. Da darf man gespannt sein, ob für sie Fußballspielen überhaupt noch im Vordergrund steht. Ich als Oberliga-Kenner darf daher sagen: wenn die koreanischen Fans sich so benehmen, als sei Südkorea „nur ein Karnevalsverein“, dann ist Togo das Yurdumspor Köln des Weltfußballs.
Beide Teams werden zum Aufwärmen mit Jubelstürmen begrüßt. Das ist allerdings gar nichts gegen das Verlesen der Mannschaftsaufstellung. Star der koreanischen Mannschaft ist Park Ji Sung von Manchester United. Als dessen Name verlesen und sein Konterfei auf dem großen Videowürfel gezeigt wird, gibt es besonders bei den weiblichen Korea-Fans kein Halten mehr, es wird gekreischt, was die Lunge hergibt. Ich fange an, mir zu wünschen, dass nicht ausgerechnet Park nach dem Spiel auf die Idee kommen könnte, sein durchschwitztes Trikot in die Menge zu werfen, das würde wohl in eine Massenschlägerei ausarten. Aber anders als ich ist der das wahrscheinlich gewohnt und weiß schon, was er lieber lassen sollte...
Dieser Videowürfel ist übrigens ein schmuckes Ding, auf dem man sehr gut sehen kann. Hoch oben über dem Spielfeld hängt er, was Englands Torwart Robinson im Spiel gegen Paraguay allerdings nicht daran hinderte, einen Abschlag dagegen zu donnern, sodass die Partie mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt werden musste. Die Tommies haben aber auch immer Typen dabei...kann keine Flanke fangen, aber ca. dreißig Meter hoch abschlagen, Respekt!

So, nun kommen beide Teams mit den kleinen Kindern an der Hand aufs Feld, und für mich gibt’s richtig was zu lachen, nämlich über die Fotografen. Die werden auf zwei eigens herangeschleppte Podeste rechts und links vom Spielertunnel geführt, und dürfen von dort aus die Mannschaften fotografieren. Vor den Podesten, auf der Seitenlinie des Spielfeldes, stehen jeweils zwei Volunteers an jedem Ende und spannen ein Seil zwischen sich, damit keiner der Herrschaften auf die Idee kommt, zufällig den Heiligen Rasen zu betreten! Großartig! Vielleicht kann die FIFA für das nächste Turnier noch reglementieren, dass die Damen und Herren in Zweierreihen Aufstellung nehmen und sich am Händchen halten müssen. Da schimpf noch einer über unseren Bürokratenstaat!
Dann ist diese Posse auch erledigt, jetzt nur noch die Nationalhymnen, und es kann endlich losgehen! Zunächst die koreanische Hymne, textsicher aus ca. 20.000 Kehlen vorgetragen. Jetzt noch die von Togo und...halt, was ist das? Die Töne kommen mir sehr bekannt vor. Und nicht nur mir. Nach einigen Sekunden wird klar: die Organisatoren, die alles so wunderbar im Griff haben, die bis auf den letzten Zentimeter festlegen, wer sich wo wann und warum bewegen darf, die den Spielern verbieten, während des Spiels Wasser zu sich zu nehmen, es dürfen nur Trinkflaschen mit einem Elektrolytgetränk eines Hauptsponsors gereicht werden, diese Fußball-Bürokraten bringen es fertig, die koreanische Hymne ein zweites Mal abzuspielen! Das ist schon ein Hammer. Man stelle sich vor, man steht ganz klein da unten auf dem Rasen, es ist das allererste WM-Spiel eines winzigkleinen Landes, 6 Mio. Einwohner nur, man ist stolz wie Oskar, zu den Auserwählten zu gehören – und dann kriegt man die Hymne des Gegners um die Ohren gehauen. Unglaublich. Ich persönlich bin ja kein Freund dieser albernen Nationalhymnen, aber wenn man es macht, dann bitte auch richtig. Diese Nummer ist auf jeden Fall noch peinlicher als Sarah Connor. Zumal es ja noch weitergeht. Nach anderthalb Minuten durchdringendem Pfeifkonzert von den Rängen bemerkt auch der Obermotz am CD-Spieler seinen Irrtum und lässt die koreanische Hymne langsam ausklingen. Dann dauert es allerdings ein wenig, bis er die aus Togo zur Hand hat. Die Volunteers, die die Landesfahnen auf dem Spielfeld präsentieren, und die kleinen Jungs an den Händen der großen Spieler denken folgerichtig, das war’s und hauen ab. Dann erst erklingt die richtige Hymne, die die Spieler aus Togo somit quasi ganz allein entgegen nehmen müssen. Was für eine Farce!

Aber egal, jetzt kann es losgehen. Und es gibt Hoffnung, just während dieser Hymnen-Lachnummer erreicht mich eine SMS des einen F&T-Mädels, das zuvor unter anderen dafür zuständig war, dass die Fotografen ordentlich aufgereiht wurden. Und diese SMS besagt, dass ihre Schwester, die ja eigentlich auch im Stadion wäre, für dieses Spiel zum Dienst in der Medienzentrale abkommandiert wurde. Die ist zwar auch im Stadion, aber ohne direkten Blick aufs Spielfeld, das Spiel kann dort nur vor dem Fernseher verfolgt werden. So gesehen sind wir nicht alle drei gleichzeitig im Stadion. Die Chance ist da! Es können Tore fallen! Der Schiri hat die Tragweite des Geschehens anscheinend ebenfalls erfasst, blickt noch einmal kurz auf die Uhr und – Anpfiff! Mein erstes WM-Spiel hat begonnen!
Nun muss man ehrlich sagen, dass das Spiel nicht besonders gut ist. Hinter mir murmelt jemand etwas von „Regionalliga-Niveau“, das ist sicherlich etwas übertrieben, aber auch nur etwas. Togo ist spielerisch ein wenig limitiert, außerdem scheinen sie nervös zu sein. Südkorea fällt allerdings auch nicht viel ein. Vielleicht sind sie ja doch ein wenig abgelenkt, dass bei jeder Balleroberung gekreischt wird, was das Zeug hält. Wahrscheinlich suchen sie dann immer unwillkürlich nach dem Stift in der Hosentasche, um Autogramme zu schreiben, das hemmt natürlich den Spielfluss ein wenig. Allerdings verstecken sich beide Teams auch nicht, deshalb geht es munter hin und her, nur am gegnerischen Sechzehner ist meistens Schluss. Das Publikum hat übrigens schon vor dem Spiel entschieden, dass das völlig schnuppe ist, und kurzerhand die La Olà gestartet. Sie schafft erstaunlich viele Runden, alle machen mit, auch wenn es bei den VIPs zunächst naturgemäß ein wenig hakt, aber nach dem dritten Versuch haben die es auch raus. Die Stimmung ist also uneingeschränkt prima, egal, was unten auf dem Rasen gerade zelebriert wird. Und die Ränge sind auch voll, das erstaunt bei dieser Partie und dieser Anstoßzeit doch ein wenig. Als das Spiel angepfiffen wurde, konnten zwar sehr wohl noch einige freie Plätze gesichtet werden, die dann aber mit bemerkenswerter Schnelligkeit besetzt werden. Also entweder sind die Besucher in verschiedenen Bereichen des Stadions absolut gleichzeitig zu spät gekommen, oder aber die FIFA hat schnell noch ein paar Volunteers abkommandiert, um das Gesamtbild zu vervollständigen. Dafür sollten ja erst Bundeswehrsoldaten herhalten, den offiziellen Antrag gab es ja, aber als das Verteidigungsministerium mitteilte, dies sei kein Problem, allerdings nur in Uniform, da es sich für die Soldaten schließlich um Dienst handele, hat man sich doch überlegt, dass das wohl ein wenig komisch aussehen würde. Wie dem auch sei, der Videowürfel meldet „Sold out“, und im Großen und Ganzen stimmt es auch.

Gegen Ende der ersten Halbzeit wird Togo ein bisschen mutiger, und schon schlägt es ein. Einen langen Pass aus dem Mittelfeld verschläft die koreanische Abwehr total, der Togolese Kader eilt rechts im Strafraum auf und davon und hat endlich mal Zeit, genau zu zielen, wohin die bei ihren ersten Schussversuchen die Bälle gedroschen haben, war teilweise schon nicht schön anzusehen. Diesmal macht er alles richtig und setzt den Ball flach ins lange Eck, vom Innenpfosten prallt die Kugel ins Netz, 1:0 – das erste WM-Tor für Togo! Nun ist die Hölle los, die „Sperber“ zelebrieren ein Tänzchen rund um den Torschützen an der Seitenauslinie, was allerdings vom Schiri-Assistenten sofort gerügt wird, wahrscheinlich weil die Spieler 5 cm außerhalb des Spielfeldes hüpfen. Auch das eher neutrale Publikum freut sich mit, während die Koreaner endlich mal still sind. Auf der Trainerbank gestattet sich Otto Pfister – Hemd halboffen, Goldkettchen – ein triumphierendes Lächeln, so als wolle er sagen, ich habs doch schon immer gewusst. Die Führung ist nicht unverdient, denn den Koreanern fällt nichts ein, um das Abwehrbollwerk der „Sperber“ ernsthaft in Gefahr zu bringen. Und das ist auch gut so für Togo, denn die haben einen echt afrikanischen Fliegenfänger zwischen den Pfosten, bei dem Genie und Wahnsinn eine sehr schmale Gratwanderung eingehen, man kennt das ja. Aber bis zur Pause geht es gut, Togo führt 1:0, und im Stadion schaut man sich verdutzt an, denn damit haben nicht viele gerechnet. Einigen Togolesen reicht dies schon, um eine zünftige Polonäse durch den Block zu starten, der Frontmann wird mit Fahne und Tröte ausgerüstet, und los geht’s. Ein schöner Anblick.

In der Pause zünde ich mir vor dem Block eine Zigarette an. Im Stadion ist das Rauchen nicht erwünscht. Es ist nicht ausdrücklich verboten, das sei hier gesagt, die Schilder, die man überall sieht, sagen denn auch nur „No smoking please“. Aber ich habe absolut keine Lust auf Diskussionen mit irgendwelchen militanten Nichtrauchern, die ich mittlerweile zum Übelsten zähle, was dieser Planet imstande ist, hervorzubringen. Allein schon im dichten Verkehr vor dem Hauptbahnhof beim Warten auf die Straßenbahn das Zehnfache von dem einatmen, was ich ihnen zufügen könnte, wenn ich auf Kettenrauchen umsteigen würde, aber dann die große Welle starten, wenn nebenan geraucht wird. Ist wohl einmalig, dass eine Gruppe eine andere dermaßen in eine Ecke stellen darf, nur weil sie sich vom Geruch gestört fühlt. Das ist gelebte Demokratie! Und da ich eben keine Lust habe, mir von diesen Herrschaften etwas predigen zu lassen, beherrsche ich mich denn auch auf der Tribüne. Ist eh nur für die WM. Bei normalen Bundesligaspielen sieht man diese Herrschaften sowieso nicht, geschweige denn, dass sie ihren Mund aufbekommen würden.
Die zweite Halbzeit ist grad mal fünf Minuten alt, da geht es rund. Zunächst wird ein Togolese des Feldes verwiesen, gelb/rot nach wiederholtem Foulspiel, völlig zu Recht. Den anschließenden Freistoß hauen die Koreaner aus ca. 18 Meter zum Ausgleich in die Maschen, klarer Torwartfehler, der Ball kommt hoch, aber ziemlich genau auf Mann, der Keeper reißt zu früh die Arme hoch und nimmt sie daher grad wieder runter, als der Ball über ihm im Netz einschlägt. Ca. zwei Minuten lang habe ich den Eindruck, dass nunmehr das Stadion akustisch abgerissen wird, Jubel, Kreischen, Trommelschläge, Gesänge, und alles geht von vorn los, sobald auf dem Videowürfel drei Wiederholungen des Treffers gezeigt werden. Korea kocht!

Zunächst haben sie Zeit, sich wieder abzukühlen, denn ihrer Mannschaft fällt weiterhin nichts ein, Togo kontert mit zehn Mann gar nicht mal unflott, aber die Abschlussschwäche lässt nicht nur den Otto auf der Bank verzweifelt den Kopf schütteln. Überall schießen sie hin, nur nicht aufs Tor. Und so kommt es, wie es kommen muss, ein einziger Gedankenblitz entscheidet das Spiel, ein schnelles Anspiel auf Jung Hwan Ahn am Strafraum, und der Spieler, der noch beim MSV Duisburg unter Vertrag steht, handelt endlich mal fix, zieht ab, drin. Sah ähnlich aus wie das erste Tor, auch ähnlich haltbar. Dies ist aber auch die Entscheidung, denn Togo ist erkennbar platt, da läuft nichts mehr. Die Koreaner ziehen sich dann noch den Unmut der eher neutralen Zuschauer zu, weil sie den Sieg in den letzten zehn Minuten mit Ballgeschiebe und Rückpässen über die Zeit schaukeln, was sie auch deshalb machen können, weil niemand mehr angreift, Togo kann nicht mehr. Okay, sieht nicht schön aus, aber man muss Verständnis für Südkorea haben, es war schwerer als erwartet, und wenn man jetzt noch losstürmt und sich gegen zehn Mann einen Konter zum 2:2 einfängt, sind sie die Deppen der Nation. Also gähnen sie den Sieg nach Hause, was ihren Fans nach dem Schlusspfiff natürlich herzlich egal ist.
Für den Rückweg beschließe ich, die S-Bahn auszuprobieren. Dies beinhaltet zunächst einen etwas längeren Fußmarsch zur Station, zwischendurch kommen wir an einem Trainingsplatz vorbei, auf dem ein Hubschrauber steht, flankiert von massig Bundespolizei. An den Zäunen drücken sich Zuschauer die Nasen platt. Aha, des Kaisers Gefährt, der muss ja gleich weiter zum nächsten Spiel. Der Mann, der 48 WM-Spiele besuchen will, und im Gegensatz zu uns dafür sogar noch bezahlt wird, hat sich ein schweißtreibendes Programm vorgenommen. Und alles ohne Ticket! Schließlich bügelte er im letzten Jahr noch die Klagen, es stünden zu wenig Tickets für Fans zur Verfügung, locker mit den Worten ab: „Ich habe auch keine Tickets, ich werde mich auch irgendwo dazwischen quetschen müssen!“ Jo mei, dafür hat er uns schließlich auch die WM gebracht, hat alle Teilnehmerstaaten bereist und wahrscheinlich jedem erzählt, wie toll es sei, dass ausgerechnet sie dabei wären, und überhaupt, der Franz ist der Allergrößte, da kann doch mal ein paar Fans verarschen! Wer angeblich etwas leistet, darf sich auch etwas leisten. Ist halt so in diesem Land.

Vorbei an Franzls Hubschrauber geht es weiter durch eine Wohnsiedlung, nachdem übrigens der Anfang einer Straße passiert wird, die „Otto-Fleck-Schneise“ heißt. Meines Wissens hat hier der DFB seine Zentrale, also wenn ihr den Herren mal persönlich etwas sagen wollt – vom Stadion zu Fuß zur S-Bahn, und dann links. In der Wohnsiedlung ist niemand von den Bewohnern zu sehen, mit Ausnahme der beiden, die hinter ihren Fenstern stehen und den Aufmarsch der Fans mit einer Videokamera filmen. Wahrscheinlich damit man direkt Beweismaterial hat, sollte einer in den Vorgarten pinkeln. Schließlich wird die S-Bahn erreicht, auf Gleis 6 soll die Bahn zum Hauptbahnhof einlaufen. Kaum angekommen, stelle ich verblüfft fest, dass man von liebgewonnen Gewohnheiten auch nicht lassen kann, wenn die Welt zu Gast ist: auf der elektronischen Anzeige wird der Zug zwar angekündigt, darüber läuft jedoch eine Schrift, die besagt, dass die Bahn heute ausnahmsweise auf Gleis 5 ankommen wird. Keine Durchsage! Ich verzichte darauf, dies jetzt den Hunderten Koreanern zu erklären, die sich am Gleis versammelt haben, sondern wende mich flink um und wechsle den Bahnsteig. Und deshalb bekomme ich die Bahn auch noch, zusammen mit nur ca. 300 anderen. Also in meinem Waggon, meine ich. Die Bahn ist gerammelt voll, man könnte die Leute auch noch in der Gepäckablage unterbringen. Es ist übrigens wieder keine „Sonderbahn“, man fährt halt nur nach Plan. Die S-Bahn hält in Niederrad und rollt dann langsam, ganz langsam weiter – kurz vor dem Frankfurter Hbf ist Feierabend. Wir stehen. Und stehen. Und stehen. In der prallen Sonne, mit rappelvollen Waggons. Den ersten wird schon schlecht, da ertönt die Durchsage. Aha, die weltberühmte „Störung im Betriebsablauf“. Auch der böse Spruch „Wir bitten um ein wenig Geduld.“ fällt. Dieses „ein wenig“ wird jetzt gnadenlos ausgereizt. Zwischendurch blökt die Lautsprecherstimme immer mal wieder in äußerst unfreundlichem Ton, man solle gefälligst die Türen geschlossen halten, ansonsten könne es nicht weitergehen. Da ist etwas dran, aber es geht ja auch mit geschlossenen Türen nicht weiter. Und die Fenster in der Bahn lassen sich nicht öffnen. Die Temperatur steigt immer weiter, zwei englische Fans fragen verblüfft, ob man hier immer so behandelt wird, es kann nur noch eine Frage der Zeit sein, wann die erste Person umfällt, und für diesen Fall haben einige Mitleidende schon lautstark angekündigt, die Scheiben einzuschlagen, um wenigstens etwas Frischluft hereinzulassen, kurzum: die Welt zu Gast bei der Bahn (denn die hat die Zufahrt zum Hbf gesperrt) – business as usual. Als es langsam wirklich kritisch zu werden droht, dürfen wir endlich einrollen. Wir haben 55 Minuten anstelle der im Fahrplan versprochenen sechs benötigt. Macht ja nix, schließlich kann ich auf dem übervollen Bahnsteig (denn auf dem Nachbargleis läuft gleichzeitig auch eine Bahn mit zufriedenen Kunden ein) mein Repertoire an internationalen Schimpfworten beträchtlich erweitern.

Auch die weitere Organisation lässt mich, gelinde gesagt, die Stirn runzeln. Ich möchte nunmehr zum Fan-Fest ans Main-Ufer gelangen. Also gehe ich ein Stockwerk tiefer zu den U-Bahn-Gleisen. Dort hängt auch ein Schild, das verspricht: „Zur MainArea alle Linien der Gleise 101 und 102!“ Das ist doch mal eine Auskunft. Ich bekomme auf einem der Gleise auch sofort die nächste Bahn – leider ist nirgendwo vermerkt, wo man denn bitte aussteigen müsste. Auch gibt es keine dementsprechenden Durchsagen. Also laufe ich einfach mal ein paar Trikots hinterher, die an der Hauptwache aussteigen, in der Hoffnung, dass die es wohl wissen werden. Tun sie aber nicht. Fast glücklich bin ich, als ich an der Hauptstraße einen Orientierungsplan sehe. Aber nur fast. Der Plan ist wohl von besonders rachsüchtigen Frankfurtern ersonnen worden, die es den ganzen Touristen mal ordentlich zeigen wollen. Zwar ist der eigene Standort schön mit einem roten Punkt markiert, das nützt aber nichts, weil man nicht erkennen kann, in welche Richtung man gehen muss, zumal rund um den Plan die Straßenschilder zur Orientierung, ähm, rar gesät sind. Endgültig gebe ich auf, als ich bemerke, dass die Hauptstraße vor dem Plan auf selbigem gar nicht eingezeichnet ist. Na gut, bin ich halt zu blöd dafür. Immerhin weiß ich, dass der Eingang zur Fan-Meile in der Nähe des Römers zu finden ist. Und den wiederum anzusteuern, ist kein Problem. Einfach rot-weiß folgen.
Ja, der Platz am Römer, auf dem die Deutschen am 10.07. nur zu gerne Klinsis Kameraden als neue Weltmeister begrüßen wollen, ist fest in koreanischer Hand. Dasselbe Bild wie mittags vor dem Eingang zum Stadion: eine koreanische Trachtengruppe trommelt und trötet, was die Instrumente hergeben, und alle rocken mit. Frankfurt ist rot-weiß! Ein tolles Bild.

Durch eine Gasse am Römer gelangt man dann auch zum Main-Ufer und zum Eingang der Fan-Meile. Hier ist die Großbild-Leinwand der Star, man hat die Apparatur einfach auf dem Main verankert, das sieht klasse aus, und hat den Vorteil, dass man die Fan-Meile an beiden Ufern gestalten kann. Dies ist auch dringend nötig, weil der Platz zu beiden Seiten des Ufers natürlich in der Breite begrenzt ist, da unmittelbar ans Ufer Straßen anschließen. Man hat das Fan-Fest hier also beiderseits des Mains in die Länge gezogen und zwischen zwei Brücken verteilt. Am Eingang gibt es zunächst keine Kontrollen, jedoch bilden sich im Bereich des Zugangs zum Public Viewing lange Schlangen, da auch hier Taschen- und Personenkontrollen durchgeführt werden. Die Tribünen sind schon gut gefüllt, ich suche mir ein Plätzchen im Schatten und schaue ein wenig Frankreich-Schweiz. Dies entpuppt sich jedoch als etwas langweilig mit der Zeit. Auch vermeldet die F&T-Volontärin per SMS, dass sie das Spiel Brasilien-Kroatien in einer Eintracht-Fan-Kneipe in Bornheim zu schauen gedenkt. Also wieder zurück über den Römer zur Straßenbahnhaltestelle. Hier bekommt man auch gleich Kultur geboten, die Straßenbahnlinie 12, die vom Hbf nach Bornheim führen soll, fällt nämlich ohne Angabe von Gründen aus, sodass ich 30 Minuten Zeit habe, nicht nur den Römer zu bestaunen, sondern auch die Paulskirche auf der anderen Straßenseite, immerhin der Ort, an dem die erste deutsche Verfassung 1848 das Licht der Welt erblickte. Auch wenn dies eher einen Totgeburt war, historisch bleibt historisch. Zwischendurch erscheint immer mal wieder die Linie 11 und spuckt noch mehr Koreaner aus, die auf den Römer eilen, keine Ahnung, wo die alle herkommen. Es können auch immer mehr Schachbrett-Trikots der Kroaten gesichtet werden, aber das macht farblich keinen Unterschied, die sind ja auch rot-weiß.

Nachdem sich dann doch irgendwann die Linie 12 erbarmt, zu erscheinen, fahre ich bis Rothschildallee und verbringe noch einige nette Stunden in angenehmer Begleitung in einem Frankfurter Biergarten. Als sich Brasilien endlich zum 1:0 gegen Kroatien gemogelt hat, ist es Zeit aufzubrechen. Die Straßenbahn bringt mich pünktlich zum Hbf, was nicht selbstverständlich ist, denn rund um den Römer ist auf den Straßen die Hölle los, überall Kroaten, die die gute Leistung ihres Teams feiern und ganze Autos mit riesigen Schachbrett-Bannern eindecken, dazwischen immer noch Koreaner, von denen wohl keiner heute nach Hause gehen wird. Zum Glück verfügt die Straßenbahn hier über ein eigenes Gleisbett und muss nicht auf derselben Straße wie die Autos fahren, das könnte dann wirklich noch knapp werden. Aber alles geht gut, und ich bin pünktlich am Bahnhof.

Mein Zug fährt um 0.03 Uhr gen Heimat. Er kommt schon um zwanzig vor zwölf an, denn der Kenner weiß, Frankfurt Hbf ist ein Sackbahnhof, da muss die Lok vorn ab- und hinten eine neue wieder angekoppelt werden. Anscheinend beeilen sich die Jungs mit dieser Arbeit nicht sonderlich, denn wir fahren mit zehn Minuten Verspätung los. Begründung logischerweise: keine. Um kurz vor eins laufen wir in Mainz ein. Hier ist mal wirklich der Bär los, ca. 3 Leute auf dem Bahnsteig. Das ist der Bahn wohl zu langweilig, sie möchte auch die Rückfahrt zu einem bleibenden Erlebnis machen. Prompt wird verkündet, dass der Zug hier einige Minuten stehen bleiben wird, da man noch auf einen ICE aus Stuttgart wartet, der Fußball-Fans vom Spiel Frankreich-Schweiz an Bord hat. Na großartig! Wir warten 20 Minuten, bis der ICE auf dem Nachbargleis eintrudelt. Da ich einen hervorragenden Ausblick habe, zähle ich mal mit: es sind genau sieben Leute, die aus dem ICE in unseren IC wechseln. Toll. Und fünf davon sind noch nicht mal Fans, sondern haben wieder diese riesigen Akkreditierungen um den Hals hängen, also entweder Presse oder ganz wichtige Persönlichkeiten. Für die lohnt es sich schon mal, einen ganzen Zug anzuhalten! Und nachdem der ICE aus Stuttgart natürlich vor uns den Bahnhof wieder verlassen darf, geht es tatsächlich weiter. Die Fahrt nach Bonn verläuft störungsfrei, um halb drei nachts läuft der Zug ein – mit über 30 Minuten Verspätung. Die Bahn bringt einen halt auch nachts, wenn überhaupt nichts los ist, auf die Palme. Aber okay: ich hab bezahlt, ich will was sehen – hier gilt es noch. Vielleicht sollte ich dankbarer sein.

Alles in allem jedoch ein toller Tag mit überwältigenden Eindrücken. Die Stimmung war top, alles war friedlich, es wurde eigentlich überall nur gefeiert. Das Wetter hat auch mitgespielt, wenn auch teilweise etwas zu gut, und sogar Tore gab es zu sehen. Was will man mehr? Ein funktionierendes Beförderungssystem? Aber bitte, wir sind doch hier in Deutschland. Das genügt als Erklärung, man kann sich zwar noch aufregen, wie es gerne tue, aber wundern bestimmt nicht mehr.
Somit durfte ich gespannt sein, wie es beim nächsten Spiel werden würde. Denn da stand die Anreise mit dem Auto auf dem Programm. Und dass man auch hier keine Gnade erwarten kann, zeigte mir dann der

Donnerstag, 15.06.2006: Ecuador – Costa Rica

Ein Bekannter von mir hat sich in der Woche zuvor eine Karte für dieses Spiel bei eBay geschossen, für einen dreistelligen Betrag. Für mich birgt dies den Vorteil, dass wir mit seinem Wagen nach Hamburg reisen können. Der Nachteil ist, dass dieser Spontankauf ein wenig spät kommt, um meine Unterkunft noch kostengünstig zu gestalten. Da ich meine Ticketzuteilung bereits im März erhielt, hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt auch direkt um eine Hotelunterkunft bemüht. Viel gab es eh nicht mehr für den entsprechenden Zeitraum, ich fand noch eine kleine Klitsche direkt am Bahnhof Hamburg-Altona, natürlich zu „Messepreisen“, die wären ja schön doof, wenn nicht. Ich hätte auch ein kostenlose Unterkunft bei meinem Dienstherrn antesten können, allerdings befindet sich diese außerhalb Hamburgs in Appen, was verkehrstechnisch etwas ungünstig liegt, wenn man auf Bus und Bahn angewiesen ist, daher sah ich von einer Anfrage ab. Nun hätte der Wagen zur Verfügung gestanden, und der Kollege hat sich natürlich auch sofort in Appen einquartiert. Zu spät für mich. Aber was soll’s – ist ja WM! Da tut man so einiges.
Zum Beispiel um 6.45 Uhr in Bonn loszufahren, mit einem Wagen, auf dessen Heckscheibe unübersehbar ein Geißbock prangt. Naja, ich muss ja nicht die ganze Zeit draufgucken, und immerhin, es ist die perfekte Tarnung, sollte ich unterwegs mal Lust haben, die Sau rauszulassen. Also, ab geht’s!

Es haben mich verschiedentlich Leute sehr merkwürdig angesehen, als ich die Abfahrtszeit ansprach. Der Donnerstag ist in NRW ein Feiertag (Fronleichnam), das Spiel ist erst um 15.00 Uhr, warum dann in aller Herrgottsfrühe losfahren? Nun, nach einiger Zeit wird uns eindrucksvoll klar, dass das eher zu spät war. In NRW Feiertag heißt – die Leute haben sich den Freitag als Brückentag freigenommen und fahren nunmehr mit ihren Wohnmobilen an die Nordsee. Ja, es sind Deutsche, das schöne Klischee vom autobahnverstopfenden Holländer mit Wohnwagen ist an diesem Tag leider nicht haltbar. Und wage noch einer, zu behaupten, der deutsche Wohnmobilfahrer würde sich in irgendeiner Weise von seinen holländischen Kollegen unterscheiden, zum Beispiel, was das Fahren auf gewissen Spuren betrifft. Hinzu kommt, dass dieser Tag in Niedersachsen und Umgebung leider kein Feiertag ist. Zur Karawane der Caravans auf der linken Spur gesellt sich somit ein nicht enden wollender Strom Lkw auf der rechten Seite der Bahn. Das kann nicht lange gut gehen, und nachdem wir erst durch permanenten Regen über die A 3 und A 1 hochfahren, ist vor Bremen dann auch Schluss: ein lustiger Stau, schlappe 12 km lang. Tapfer fahren wir in Wildeshausen von der Bahn und genießen die Landschaft. Nach einigen Orientierungsschwierigkeiten erreichen wir Harpstedt, von dort geht es über Land weiter, bis wir in Bremen/Brinkum wieder auf die Bahn fahren. Den Stau haben wir erfolgreich umgangen, sind daher rechtzeitig für den nächsten wieder an Deck. Nochmals mehrere Kilometer zwischen Bremen und Hamburg. Vor dem Elbtunnel sollen es dann „8 km stockend“ sein, aber wir haben so lange im Stau gestanden, dass wir Hamburg erst zur Mittagszeit erreichen, und da geht es relativ flott weiter. Gegen ein Uhr parken wir vor dem Bahnhof in Pinneberg, weil dies für den Kollegen günstiger ist, um nach dem Spiel in Appen einzuchecken. Wir entern die S 3 Richtung Neugraben und stellen sofort fest, dass es sich hierbei um die „S-Bahn der Herzen“ handelt. Sie fährt tatsächlich sämtliche Stationen an, die wir heute brauchen – Stellingen, für die Arena, Altona, um zu meinem Hotel zu gelangen, die Reeperbahn für das anschließende Fan-Fest, ja sogar der Hauptbahnhof wäre noch mit auf dem Plan , falls wir ihn brauchen würden. Fußballherz, was willst du mehr?
Zunächst rauschen wir an Stellingen vorbei, wo sich schon eine stattliche Menschenmenge versammelt hat. In Altona steigen wir aus und suchen das Hotel, welches sich angeblich direkt am Bahnhof befinden soll. Tut es auch, allerdings an der falschen Seite, was uns einen kompletten Rundgang um den Bahnhof einbringt. Schnell checke ich ein und bringe meine Sachen aufs Zimmer, natürlich Dachgeschoss, 5. Stock und kein Aufzug, selbstverständlich steht die Luft im Zimmer, es ist zwar bewölkt in Hamburg, aber es regnet nicht, sondern ist eher drückend schwül. Egal, wieder die fünf Stockwerke runter, und schweißgebadet geht es zur S-Bahn der Herzen zurück, Richtung Stellingen.
Als wir dort ankommen, ist auch nicht weniger los als zuvor. Der Vorplatz ist gerammelt voll mit Leuten. Von hier aus kann man entweder mit dem Bus Shuttle zur Arena fahren, oder zu Fuß gehen. Wir entscheiden uns für den Spaziergang durch den Volkspark, obwohl man hier auch noch veräppelt wird: der Wegweiser am Bahnhof sagt eindeutig „1300 Meter“, zwischendurch erscheinen auf dem Weg jedoch Schilder, die zum einen in Richtung Arena deuten, Angabe „1000 Meter“ als auch zurück zum S-Bahnhof, Angabe „600 Meter“, was meines Wissens 1600 Meter insgesamt ergibt. Naja, Deutschland, einig PISA-Land, es ist ja auch nicht schlimm, es fällt bloß auf.

Wir erreichen die Arena nach Passieren des angeblich nicht vorhandenen Schwarzmarktes um 14.00 Uhr. Der Kollege hat eine Karte für die Haupttribüne, ich für die Nordtribüne, beim HSV immer Nordtribüne, selbst wenn Ecuador gegen Costa Rica spielt. Die beiden Sektoren verfügen über einen gemeinsamen Zugang noch vor dem Zugang zur Arena, und hier staut sich alles. Gnadenlos werden die Leute auf relativ engem Raum zusammengepresst und je nach den Sektoren in verschiedene Laufgitterwege zu den Ordner geschleust. Das Tolle daran ist, wenn man die Kontrollen passiert hat, hinter den Ordnern, gehen alle auf demselben Weg weiter zum Eingang. Hier wird eindeutig übertrieben. Die Ordner konfiszieren alles, was größer ist als ein Knirps-Regenschirm, die Durchsuchungen dauern lange. Besonders freundlich sind sie auch nicht. Mein Ordner weist mich beim Anblick meiner Zigarettenpackung darauf hin, dass das Rauchen im Stadion verboten ist. Nein, ist es nicht, aber ich verzichte darauf, dies mit ihm auszudiskutieren und gehe durch. In Frankfurt habe ich zwei Minuten gebraucht, um reinzukommen, hier waren es dreißig. Der Kollege, der dem roten Sektor zugeteilt ist, braucht noch mal eine Viertelstunde länger, in seiner Schlange waren die Ordner wohl noch etwas gründlicher. Nun schnell zum eigentlichen Eingang geschritten und mit dem Ticket durchs Drehkreuz gegangen – um halb drei bin ich in der Arena. Das war leider alles etwas stressig, es blieb keine Zeit zum Gucken. Zumal ich ja wieder in den Oberrang muss. Hier wartet das nun schon bekannte Verpflegungsangebot, mit einer Erweiterung: da wir hier in Hamburg sind, gibt es zum Glück auch Fischbrötchen. Da dies einigen ausländischen Besuchern wohl nicht ganz geheuer ist, erhasche ich tatsächlich noch ein Krabbenbrötchen, was bei normalen Spieltagen um diese Uhrzeit schon eher ein Kunststück ist. Ich esse es am Eingang zum Block, um ein wenig Sicht aufs Spielfeld zu haben. Das geht natürlich nicht, weshalb mich eine Ordnerin anspricht, ich möge mich doch bitte auf meinen Platz begeben. Das ist allerdings hanebüchener Unsinn, da ich noch eine gewisse Örtlichkeit aufsuchen muss. Das würde bedeuten, ich soll erst meinen Platz im Oberrang erklimmen, dort zu Ende essen, und dann wieder runter steigen. Und zwar gleich zwei Stockwerke. Denn eigentlich liebe ich die AOL-Arena ja, mit einer Ausnahme: warum man es bis heute nicht geschafft hat, auch im Oberrang Toiletten einzubauen, werde ich nie verstehen. Dafür muss man immer ein Stockwerk hinab steigen. Also, dies alles nur, weil die Dame der Meinung ist, mein Herumstehen gefährde die öffentliche Ordnung im Stadion? Auch hier sei gesagt: man kann es auch übertreiben.

Nachdem ich alles getan habe, was man so vor dem Spiel erledigt, und endlich auf meinem Platz sitze, werden bereits die Nationalhymnen gespielt. Und diesmal sogar die richtigen, Respekt! Das Stadion ist sehr gut gefüllt, Ecuador ist eindeutig in der Überzahl, sehr viel Gelb ist zu sehen, ca. 12.000 Ecuadorianer sind im Stadion. Costa Rica hat aber auch ungefähr 3.000 Leute dabei, die eine rote Kurve bilden. Die Stimmung ist prächtig, die „Ticos“ aus Costa Rica singen andauernd etwas, das sich verdammt nach „Bielefeld, Bielefeld“ anhört, aber das kann es nun wirklich nicht sein, zumal der Kenner weiß: Bielefeld gibt’s ja gar nicht. Die Südamerikaner hingegen singen ein Lied, dessen Melodie mir aus finsteren Kindertagen bekannt vorkommt: unzweifelhaft die spanische Version von „Ich glaub, es geht schon wieder los“, damals dargeboten von Roland Kaiser. Ich hoffe nur, dass das ein Zufall ist. Und wenn nicht, dann ist hoffentlich der spanische Text intelligenter als das deutsche Pendant.

Das Spiel beginnt. Eigentlich bin ich für Costa Rica. Die haben mir vor vier Jahren sehr gut gefallen, als sie in ihrer Gruppe nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gegenüber dem späteren WM-Dritten Türkei ausscheiden mussten. Leider scheinen sie diesen Teilerfolg in den vergangenen vier Jahren ausschließlich gefeiert zu haben, ohne mal etwas Arbeit in Fußball zu investieren, sie sind nämlich grottenschlecht. Das ist teilweise wieder so harmlos, dass die mich, auch wegen der roten Farbe ihrer Fans, irgendwie an Fortuna erinnern. Nicht, was das Spiel an sich betrifft, Fortuna hat ja beileibe keine schlechte Saison gespielt, sondern was die Spielklasse angeht. Ecuador ist auch nicht besonders gut, gewinnt aber locker mit 3:0, ein deutlicher Hinweis darauf, wie schlecht Costa Rica sein muss. Wobei das erste und dritte Tor der „Tri“, wie die Nationalmannschaft Ecuadors genannt wird (nach der dreifarbigen Landesflagge), schön herausgespielt sind. Das zweite schenkt ihnen der Torwart der „Ticos“, der sich einen Ball aus sehr spitzem Winkel ins kurze Eck einschenken lässt. Die Fans aus Costa Rica haben denn auch die Nase voll und verweigern beharrlich die Welle, die von deutschen Fans in der Kurve neben mir immer wieder angezählt wird. Die reagieren daraufhin mit „Ihr könnt nach Hause fahr’n!“-Gesängen. Und in der Tat, als der Schiri abpfeift, ist Costa Rica ausgeschieden, und Ecuador steht im Achtelfinale. Da Gelb die eindeutig dominierende Farbe im Stadion ist, wird der Sieg entsprechend lautstark gefeiert.
Beim Abmarsch entscheide ich mich spontan, es doch mal mit dem Bus Shuttle zu versuchen. Es geht auch alles glatt, in noch nicht mal zehn Minuten kommt man zum S-Bahnhof Stellingen zurück. Hier muss ich leider etwas länger auf eine S-Bahn warten, die auch in Altona hält, aber insgesamt geht es wesentlich schneller als in Frankfurt.

Im Hotelzimmer schaue ich mir dann in aller Ruhe an, wie die Engländer mit viel Glück gegen Trinidad & Tobago gewinnen, denn wenn der Schiri das Zopfziehen von Crouch beim 1:0 sieht, gibt er das Tor nicht, und ich glaube irgendwie nicht, dass die Engländer noch ein reguläres Tor erzielt hätten, dafür waren sie viel zu schwach. Das erste Spiel nur durch ein Eigentor gewonnen, beim zweiten durch einen regelwidrigen Treffer auf die Siegerstraße gelangt, beide Male schlecht gekickt – ja, zum Kuckuck, so spielen Weltmeister! Wer aus solchen Partien mit sechs Punkten wieder rauskommt, der hat das Zeug für mehr. Effektivität ist Trumpf!

Nach dem Spiel wird wieder die S 3 bestiegen, das Fan-Fest an der Reeperbahn wartet. Auf dem Heiligengeistfeld, unmittelbar vor dem Stadion Millerntor des FC St. Pauli, dort, wo sonst der Hamburger Dom stattfindet, hat man sich eingerichtet. Und im Gegensatz zu Frankfurt hat man hier auch richtig viel Platz, um sich zu präsentieren. Und der wird gut genutzt. Eine tolle Idee ist der „Boulevard der Nationen“, an dem sich alle 32 teilnehmenden Länder mit einem eigenen Stand präsentieren. Das macht richtig Spaß, sich mal durch landestypische Getränke oder Speisen zu probieren. Da nimmt man die kleinen Skurrilitäten auch gerne hin. So werden am Stand des Iran ausgerechnet Caipirinha und Smirnoff Wodka offeriert – wenn das der Präsident wüsste. Und auch der Gastgeberstand präsentiert sich landestypisch – es gibt Bier, Bratwurst, Brezeln und einen Schwarzafrikaner als Bedienung hinterm Tresen. Typisch deutsch halt.
Einen Public Viewing-Bereich mit Tribünen gibt es natürlich auch, neben der Großbildleinwand ist noch eine Bühne aufgebaut, dort gibt es musikalische Auftritte oder einfach nur einen DJ, der die Meile rockt. All das lädt zum Verweilen ein, und deshalb schauen wir uns noch die Partie Schweden-Paraguay an. Es sind einige Schweden auf der Tribüne, die unverdrossen alle paar Minuten zur La Olà aufrufen. Schlussendlich behalten sie mit ihrer Feierlaune Recht, denn Freddie Ljungberg erzielt in der 89. Minute den Siegtreffer für sein Land. Nun ist natürlich schwedische Party auf der Meile angesagt, die harmonieren farbtechnisch auch gut mit den Hunderten von Ecuadorianern, die immer noch feiern. Zusammenfassend kann man sagen, dass auch die Fan-Meile in Hamburg unbedingt einen Besuch wert ist. Man hat sich wirklich etwas einfallen lassen, die Stimmung ist toll und absolut friedlich. Halt einfach eine große Party. Es ist eigentlich schade, dass wir schon wieder gehen müssen.

Zum Schluss kaufe ich doch noch ein Souvenir am offiziellen FIFA-Merchandise-Stand. Nämlich ein Costa Rica-Shirt. Die Jungs waren so schlecht, die haben Unterstützung verdient. Ihre Fans zeigten zumindest am Abend, wie man trotz des Ausscheidens aus dem Wettbewerb noch ordentlich feiern kann.
Die Nacht im Hotel wird, wie nicht anders zu erwarten, etwas wärmer, ganz oben unter dem Dach. Am nächsten Morgen geht es mit der S-Bahn wieder nach Pinneberg und von dort mit dem Auto heimwärts. Wir schaffen es auf der A 1 bis Hagen, dann ist Schicht. Kleiner Unfall auf der Strecke, die Polizei sperrt die Bahn komplett, um ordentlich aufräumen zu können. Immerhin bringt mich das in den Genuss, mich mitten auf der Autobahn im Freien sonnen zu können, es bewegt sich ja nichts mehr. Das Ganze dauert gut anderthalb Stunden, dann geht es weiter. Und nachmittags um vier bin ich auch wieder in Bonn.

Zusammenfassend kann man sagen: ein tolles Erlebnis, egal, ob in Frankfurt oder in Hamburg. Wenn man denn erst mal da ist. Die Welt zu Gast bei Freunden – wenn man irgendwann mal ankommt. Und berichten kann man auch erst, wenn man es wieder nach Hause schafft. Beides scheint in diesem Land nicht so einfach zu sein, egal, welchen Weg man wählt.

Ich persönlich finde die WM bislang prima (Stand:18.06.06). Man sollte sie vielleicht nicht ganz so Ernst nehmen, dann wäre vieles leichter. Wenn man sieht, wie die Leute aus anderen Staaten feiern, auch wenn ihr Team grad ausgeschieden ist, dann relativiert sich vieles. Was wird bei uns los sein, wenn wir mal 0:3 verlieren sollten? Man wagt es sich ja gar nicht vorzustellen...Hier wird soviel geschwätzt und diskutiert, über Dinge, die eigentlich niemanden interessieren, es ist lächerlich. Zum Beispiel die Frage nach den Fahnen. Ich persönlich find’s ja reichlich albern, sich jetzt Fahnen auf den Balkon zu hängen oder ans Auto zu stecken. Ich kann darüber prima lachen. Da man in diesem Land aber nichts unbeobachtet und unkommentiert machen kann, gelte ich damit wahrscheinlich schon wieder als schlechter Patriot. Als jemand, der sich nicht traut, zu seinem Vaterland zu halten, jemand, der zum „Deutschland, Deutschland!“ rufen in den Keller geht, um nicht dumm aufzufallen. Das ist dermaßen lächerlich, dass es fast schon wieder gut ist. Andererseits: wer sich die Fähnchen ans Auto stecken will, der soll’s doch machen. Kann er aber auch nicht ungestraft tun, denn so etwas hat hierzulande eine riesige Diskussion zur Folge, ob Deutschland endlich wieder patriotischer wird. Mit so was sind ja gerade Politiker schnell an der Hand, besonders, wenn es ein Sommerloch zu füllen gibt. Da kann man sich endlich mal wieder richtig profilieren. Und so stammt auch einer meiner Lieblingssätze bisher tatsächlich aus der Tagesschau: „Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einem ‚positiven Patriotismus’!“ Aha? Wer sagt das denn? Wer sind denn diese „Experten“? Namentlich genannt wird keiner. Aber Hauptsache, ich befinde mich anscheinend in einem Land, das für alles hochqualifiziertes Personal hat, sogar „Experten für positiven Patriotismus“. Ganz toll. Falls wir jetzt zufällig noch Weltmeister werden, sind wir dann auch wieder wer? Bestimmt.

Schön ist, wenn Deutschland dann wenigstens demonstriert, wie toll es doch ist. Franzl schwärmte schon im Interview, Deutschland sei wunderschön – vom Hubschrauber aus gesehen. Der weiß wohl schon, warum. Auch nicht zu verachten unsere Ballgötter. PISA-Weltmeister werden wir mit dieser Truppe auch nicht mehr. Die verfügen nur noch über rhetorische Standardfloskeln, die zu jeder Tages- und Nachtzeit abgespult werden können, auch wenn es mal haarscharf an der Realität vorbei geht. So sagte Bastian Schweinsteiger nach dem 1:0 gegen Polen auf die Frage, woher die deutsche Mannschaft diese Kraft und diese Konzentration auch in den letzten Minuten genommen habe: „Wir wissen halt, dass ein Spiel 90 Minuten dauert!“ In dem Spiel, das soeben zu Ende gegangen war, war das einzige Tor zwar in der 92. Minute gefallen, aber egal, es hört eh niemand hin. Denn wenn ich „dieser Truppe“ unterstes PISA-Niveau attestiere, dann meine ich damit genauso die sogenannten Reporter und Berufs-Fragesteller. Was die manchmal zum Besten geben, ist auch nicht auszuhalten. So fragte ein Reporter nach dem Polen-Spiel Lukas Podolski, welcher Gegner ihm für das Achtelfinale lieber wäre. Die Antwort ist natürlich auch nur eine Phrase, aber eine, die ausnahmsweise am richtigen Platz war: „Ist uns egal, wir nehmen’s, wie es kommt!“ Damit wäre eigentlich alles gesagt, aber der Reporter hatte wohl noch zehn Sekunden Sendezeit und fragte tatsächlich nach: „Warum?“ Zu so etwas fällt mir auch nicht mehr viel ein. Da spielt man gegen Polen, und sämtliche Medien haben nix anderes zu tun, als tagelang herauszukramen, dass die deutschen Stürmer Klose und Podolski in Polen geboren sind. Na und – interessiert das irgendjemanden? Die spielen für Deutschland und wollen auch für Deutschland ihre Tore schießen, fertig, aus! Das durften sie dann aber tagelang wirklich jedem Reporter auch noch des letzten Käseblatts erklären, es hätte wirklich nur noch die Eidesstattliche Versicherung gefehlt. Wozu? Weil die Schlagzeilen kommen müssen, seien sie auch noch so unwichtig, weil die Sendezeit voll gepackt werden muss, egal, mit was für einem Schrott. Dann sagt der Beckmann noch im Spiel Brasilien-Kroatien einen echten Hammersatz, nämlich „Da, haben Sie das gesehen? – ach, nein, das konnten Sie ja gar nicht sehen!“, und die ARD hat extra für das Polen-Spiel noch die Hebamme von Michael Ballack in seinem Geburtsort Görlitz ausgegraben. Da weiß ich dann endgültig, was ich von der Berichterstattung zur WM zu halten habe. Alles aufgeblasene Wichtigtuer, die auch mal im Rampenlicht stehen wollen, obwohl es doch eigentlich nur um Fußball geht.

Ich werde die WM weiter genießen, werde mir auch nicht zu schade sein, zu irgendwelchen Teams zu halten, die mir einfach nur sympathisch sind, warum auch nicht, mein Verein spielt ja schließlich nicht mit. Und wenn mein Land Weltmeister wird? Dann freue ich mich auch. Wenn nicht...nun, ich nehme an, auch am Tag danach wird die Sonne wieder aufgehen, und das Leben ist auch nicht automatisch vorbei. Und wenn man dann noch drei Wochen jeder Zeitung und jeder Nachberichterstattung im Fernsehen aus dem Weg geht, dann ist auch bald alles wieder normal. Zum Glück. Die ausgelassene Stimmung an den Spielorten werde ich vermissen, aber sonst auch nichts.
Ich schätze mal, dann wird sich auch das megawichtige Thema mit den Fähnchen erledigt haben. Wenn das Turnier für Deutschland beendet ist, egal wann, werden 90% davon wieder verschwunden sein. Und ihre Besitzer werden dann immer noch so ‚positive Patrioten’ sein wie vorher.

Es war halt nur mal vier Wochen Karneval.


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