Gastkommentar von Jörg, 14.04.2006

Die magische Grenze 40 Punkte

Es soll in den letzten Wochen zahlreiche Löwen-Fans gegeben haben, die immer noch mit
dem Aufstieg spekulierten. Mit Hilfe des Spielplanes sagten sie anhand der verbleibenden
Paarungen blendende Prognosen für den TSV 1860 vorher: Pro Spiel drei Punkte, lediglich für das Auswärtsspiel bei der SpVgg Unterhaching sicherheitshalber nur ein Remis eingeplant, macht am Ende Platz 2. Oder mit anderen Worten: Das ist der sichere Aufstieg.

Das die Realität komplett anders aussieht, konnte man am vergangenen Sonntag beim Derby gegen Wacker Burghausen verfolgen. Die Rahmenbedingungen waren optimal: Die Zuschauerkulisse kletterte wieder über 55.000 Fans und der Gegner schien bezwingbar.
Dazu veranstaltete der TSV 1860 einen sogenannten Juniortag - in der freien Wirtschaft würde man diese Aktion wohl als Kundenbindungsmaßnahme bezeichnen: Jedes Kind unter 14 erhielt eine Tüte mit Kleinigkeiten aus dem Fanshop, darunter eine kleine Fahne.
Unterstützt von zahlreichen (Junior-) Fans, die in ein Fahnenmeer eingebettet waren, versuchten die Sechzger während der gesamten Begegnung, die Burghausener massiv unter Druck zu setzen. Schade nur, daß diese ihre angedachte Rolle nicht bis zum Schluß mitspielen wollten, sondern den Gastgebern kurz vor Ende des Spiels die Party mit dem Ausgleichstreffer verdarben. Wieder einmal spielten die anderen Abstiegskandidaten für 1860, wieder einmal konnten sie selbst ihre Chancen nicht nützen. Lediglich ein 1:1 sprang heraus - viel zu wenig für den Abstiegskampf der Löwen. Nicht an Löwen, eher an Eichhörnchen erinnern derzeit die Sechzger, die Pünktchen um Pünktchen sammeln, um die endlich die 40 Punkte einzufahren, die auch dieses Jahr ausreichend sein sollten, um sicher die Klasse halten zu können.

1860-Manager Stefan Reuter stellte nach den letzten Auftritten seiner Mannschaft fest, daß diese mit "zu wenig Herz" spiele. Wie wäre es statt dessen mit "Einsatzbereitschaft"? Gegen Burghausen stimmte die Einstellung, aber was war mit den vielen Begegnungen zuvor? Konnte da wirklich jeder Spieler von sich behaupten, alles aus sich heraus geholt zu haben? Oder kickte da ein demotivierter Haufen vor sich hin, der in Gedanken bei Vertragsverhandlungen mit anderen Klubs war? Spieler, die vergessen haben, daß sie noch im Herbst auf den Aufstiegsplätzen standen; nun aber nur noch einen Schatten ihrer selbst abgeben?

Wie dem auch sei, die immer noch optimistischen Löwen-Fans jedenfalls nahmen das Remis achselzuckend zur Kenntnis und errechneten anhand des Spielplanes wenige Minuten später, daß es immer noch für den Aufstieg reichen könnte. Dazu müßte allerdings unbedingt das Derby gegen Haching gewonnen werden. Einen weiteren Sicherheitspuffer wollten sie allerdings nicht mehr zugestehen.