Gastbeitrag von Jochen, 19.04.2006

Vision

Als ich neulich auf der Couch lag und mich ohne größere Konzentration vom Fernseher berieseln ließ, erschien mir eine Vision. Diese möchte ich euch, Freundinnen und Freunde gepflegten Ballsports, natürlich nicht vorenthalten. Dazu machen wir einen kleinen Zeitsprung ins Jahr 2010 und schauen, was die Presse über das letzte Spiel der Eintracht geschrieben haben wird. Ziemlich ungewohntes Gefühl übrigens, beim Schreiben den Futur II im originalen Sinn und nicht als Möglichkeitsform der Gegenwart zu verwenden. Aber egal, zum Spiel.

32. Spieltag, Saison 2009/2010

Am Wochenende stieg in der Allianz Arena das Spitzenspiel Bayern München gegen Eintracht Frankfurt. Vor vier Jahren entgingen die Gäste nur knapp dem Abstieg, seit dem ging es in der Liga kontinuierlich bergauf. Als ursprüngliches Saisonziel wurde die abermalige Qualifikation für den UEFA-Pokal ausgegeben (2008/09 wurden die Adlerträger bekanntermaßen Vierter), doch nun ging es für die Hessen um mehr. Tabellenführer waren sie mit einem Punkt Vorsprung vor den Bayern, für die natürlich am Samstag nur ein Sieg zählte.
Friedhelm Funkel setzte vor Torhüter Zimmermann auf die bewährte Viererkette mit Reinhard, Russ, Vasoski und Chaftar. Im Sturm kamen gegen die körperlich relativ kleine Bayern-Abwehr die kopfballstarken Stroh-Engel und Amanatidis zum Zuge. Gefüttert werden sollten sie mit Flanken von Streit, der diesmal den Vorzug vor Köhler erhielt, sowie Ochs. Im Mittelfeld zogen Jones, Meier und Fink die Fäden.
Die Hausherren waren während der ersten Halbzeit optisch überlegen, ohne jedoch zu klaren Torchancen zu kommen. Im immerjungen Duell (zum zehnten Mal standen sich die beiden bereits gegenüber) hatte Vasoski den letztjährigen Torschützenkönig Podolski klar im Griff. Einzig zwei Freistöße von Deisler brachten Gefahr, doch Zimmermann war auf dem Posten und konnte sicher klären. So blieb es zur Pause torlos.
In der zweiten Hälfte spielten die Bayern offensiver, was natürlich Platz für Konter schaffte. Und in der 72. Minute war es soweit: nach einem Ballverlust der Münchner kam Meier an den Ball, der schlug einen langen Pass auf die linke Seite zu Streit, dieser flankte schön auf Amanatidis, der unbehindert gegen den chancenlosen Rensing einköpfen konnte. Bereits der 17. Saisontreffer für den Griechen, ärgerlich, dass seine Nationalmannschaft abermals in der Qualifikation für die WM-Endrunde scheiterte. Sollte dies die Vorentscheidung in Sachen Meisterschaft sein? Nein, die Bayern gaben Gas und kamen in der 85. Minute durch einen abgefälschten Schuss von Dos Santos doch noch zum glücklichen Ausgleich. 1:1 der Endstand; die Frankfurter haben mit den mal wieder abgestiegenen Kölnern und Braunschweig das etwas leichtere Restprogramm als die Bayern (Freiburg und Schalke), doch mit der Tradition, gerade die leichten Spiele zu verschustern, haben die Frankfurter noch nie so richtig gebrochen. Man darf also gespannt sein.
Gespannt darf man auch darauf sein, wie sich die Nationalmannschaft in Südafrika schlagen wird. Mit Russ, Ochs und Ersatztorwart Zimmermann sind immerhin drei Frankfurter dabei – und wie die Vergangenheit gelehrt hat, kann Deutschland ohne Eintrachtspieler nicht Weltmeister werden. In Kürze wissen wir mehr….