von Janus, 12.7.2010

 

 

WM 2010

Wieder einmal ist eine WM ins Land gegangen. Und da nach Ende der Weltmeisterschaft in Südafrika noch so viel Sommerpause bis zum Saisonstart übrig ist, dachte ich mir, ich könnte mal wieder eine Zusammenfassung des Turniers hinlegen, mit allen Aspekten, die mich bewegt haben, was natürlich auch den Nachteil hat, dass ich das ein oder andere Meinungsbild exklusiv haben könnte. Aber so etwas hat mich bekanntlich noch nie abgehalten. Und da auch dieser Beitrag natürlich wieder „bestimmte Länge“ hat, halte ich mich auch nicht mit Vorreden auf. Los geht es mit der WM 2010 – wie es sich gehört, natürlich ganz am Anfang.

Vorrunde

In der Gruppe A war es definitiv am lustigsten. Wenn Südafrika spielte, tröteten 80.000 Zuschauer im Stadion auf ihren Vuvuzelas, der erste Torschütze hörte auf den herrlichen Namen Tsabalala – er eröffnete die WM gleich mal mit einem Tor des Monats –, und die Franzosen waren eh mit Abstand die fidelste Truppe des Turniers. Was bei denen nicht alles los war! Zunächst ein Grottenkick des Monats beim ersten Auftritt gegen Uruguay, immerhin noch ein 0:0. Dies war in der zweiten Partie gegen Mexiko steigerungsfähig, diesmal wurde sogar verloren. In der Pause dieses Spiels war Stürmer Anelka anscheinend nicht ausgelastet, was nicht sehr verwunderte, wenn man seinen vorherigen Arbeitsnachweis auf dem Platz in Betracht zog. Dergestalt unzufrieden mit dem eigenen Bewegungsablauf, schlug er dem Trainer Raymond Domenech vor, er könne...wie soll man sagen...doch gerne sich selbst befriedigen und zwar dort, wo die Sonne niemals scheint. Des weiteren leistete er sich eine bedenkliche Schmähung gegen Domenechs direkte Vorfahrin, frei nach dem Motto: „Ohne Mutti wäre dies alles nicht möglich gewesen.“ Das Ganze dann schön lautstark in der Kabine und von dort aus direkt auf die Titelseiten der Tageszeitungen. Anelka flog aufgrund seiner Beleidigungen aus dem Kader und war damit nur unwesentlich schneller als der Rest des Kaders wiederum aus dem Turnier. Aber wenn schon Scheiße, dann auch richtig. So legte sich am Tag nach dem Spiel bei einem offiziellen Training der „Equipe tricolore“ deren Mannschaftskapitän Evra mit dem Konditionstrainer an, in dem die Mannschaft offenkundig den „Maulwurf“ vermutete, der die Äußerungen Anelkas aus dem Kabinentrakt in die französische Presse getragen hatte. Letztere konnten anschließend live vor Ort bewundernd zusehen, wie der Trainer die beiden Streithähne nur mühsam auseinander brachte, wie der Konditionstrainer zornentbrannt den Trainingsplatz verließ, dabei noch seine Stoppuhr mit Schwung von sich schleuderte (hätte auch als Anschlag ausgelegt werden können), wie der Mannschaftskapitän anschließend einen Trainingsboykott der Spieler anzettelte und den hilflosen Trainer eine Erklärung der Mannschaft verlesen ließ, und wie es daraufhin dem Delegationsleiter der Franzosen reichte, der auf dem Weg vom Parkplatz zum Auto zurücktrat, weil das ja wesentlich zügiger geht als extra eine zusätzliche Pressekonferenz einberufen zu müssen. Und das alles vor laufenden Kameras und ohne, dass jemand hätte Eintritt zahlen müssen! Solche Bilder und Töne war man in der Vergangenheit doch eher von unterklassigen Teams gewohnt. Zuletzt bei der WM in Deutschland war diese Paraderolle des quengeligen Störenfrieds, den eh keiner Ernst nimmt, an Togo gegangen. Diesmal also ausgerechnet die Franzosen. Wie solch ein sportlicher Absturz vor sich geht, wissen sie ja ganz gut, schließlich schieden sie schon bei der WM 2002 als damals amtierender Welt- und Europameister in der Vorrunde ohne Punkt und Tor aus. Da diese Bilanz schon nicht mehr möglich war, schließlich hatte man im ersten Spiel gegen Uruguay ja sogar Unentschieden gespielt, dachte man sich wohl, dann könne man auch noch abseits des Platzes für ein Armutszeugnis sorgen. Was für Jammergestalten, angefangen beim Trainer mit seiner, diplomatisch formuliert, kruden Taktik und Aufstellungspolitik. So setzte er Ribéry konsequent falsch ein und ließ Altstar Thierry Henry beim Spiel gegen Mexiko eine halbe Stunde warm laufen, eine Aktion, die nur durch den Schlusspfiff des Schiedsrichters unterbrochen würde, sonst würde der gute Henry wahrscheinlich immer noch um den Platz joggen, denn bringen wollte Domenech ihn offenkundig nicht. Aber die Mannschaft war auch kein Stück besser, angefangen von Gossen-Anelka, der von seiner eigenen Nullleistung ablenken wollte und sich dafür jemand anderen suchte, über große Teile der Mannschaft, die dermaßen charakterlos war, dass sie dem Trainer sogar ein Konzept zur Mannschaftsaufstellung vorlegten, um den bei ihnen unbeliebten Spieler Gourcuff auszubooten, bis hin zum stoppuhren-schleudernden Konditionstrainer, der wohl wirklich der „Maulwurf“ war und sich ein gewisses Zubrot für seine Zuträgerdienste bei der französischen Presse verdient haben dürfte. Wie gesagt, es war nicht Togo 2006 (Trainerentlassung und – wiedereinstellung noch vor dem ersten WM-Spiel, angedachter Spielerstreik wegen nicht ausgezahlter Prämien), es war nicht Kuwait 1982 (Verbandspräsident wollte Spieler vom Platz holen, weil ein Treffer des Gegners seiner Meinung nach zu Unrecht anerkannt werden – nebenbei, der Gegner war Frankreich, vielleicht hat man sich ja was abgeguckt), es war nicht Haiti 1974 (Verbannung und Bestrafung einzelner Spieler aus dem WM-Hotel heraus), es war noch nicht einmal Nordkorea 2010, denen man solche Possen noch am ehesten zugetraut hätte – nein, es war die altehrwürdige, ehemals große Fußballnation Frankreich, deren Vertreter bei diesem Turnier mal demonstrieren wollten, warum ihre Nation den Begriff „laissez-faire“ erfunden hat. Für einen neutralen Beobachter natürlich köstlich anzusehen, wenn solch hochbezahlte Stars kein einziges Fettnäpfchen auslassen. Der Höhepunkt wäre tatsächlich gewesen, wenn sie das letzte Vorrundenspiel gegen den Gastgeber noch bestreikt hätten, wie zunächst durchaus im Raume stand. Sie traten allerdings doch an, man ist fast versucht, „leider“ zu sagen. Dann blamierten sie sich wieder mal eine Halbzeit lang, spielten in der zweiten halbwegs ordentlich, was für diese Hochkaräter allerdings auch schon eine halbe Arbeitsverweigerung darstellt und verabschiedeten sich als erster „Favorit“ vom Turnier, mit nur einem Punkt, einem Törchen und vielen neuen Freunden in aller Welt. Die kämen allerdings derzeit höchstens auf die Idee, diese Truppe zur Belustigung an Karneval zu mieten. Weltfußballmacht Frankreich adé – mal sehen, wie lange es dauert, bis sie endlich wieder merken, dass im Fußball der Fußball das wichtigste ist.

Da die Gastgeber zwar wirklich wohl klingende Namen im Kader hatten, und ab und zu auch ganz brauchbar Fußball spielten, aber eben nur ab und zu, verabschiedete sich auch die „Bafana Bafana“ nach der Vorrunde aus dem Turnier, der erste Gastgeber in der WM-Geschichte, dem dies gelang. Es wurde aber auch noch keine WM bei einem Gastgeber ausgetragen, bei dem man dies von Anfang an befürchten musste, insoweit wirklich nicht überraschend. Das 0:3 gegen Uruguay brach ihnen das Genick, dies war im letzten Spiel gegen die lustigen Franzosen nicht mehr aufzuholen. Andererseits, ein Team, welches eh nur Außenseiter ist und dann lediglich ein Spiel verliert, kann sich durchaus erhobenen Hauptes von der WM verabschieden. Leider nahmen sie nicht sämtliche Vuvuzelas mit, ein paar blieben auch für die anderen Stadien übrig. Uruguay und Mexiko kamen ins Achtelfinale.

Dagegen war in Gruppe B ja fast gar nichts los. Argentinien marschierte locker und leicht durch die Vorrunde, drei Spiele, drei Siege, dazu ca. 150 Bekreuzigungen von Maradona vor, während und nach einem Spiel, zu Spielbeginn, bei Toren der eigenen Mannschaft, zum Sieg nach Abpfiff und wahrscheinlich auch bei jeder Abseitsstellung. Der scheint eine Menge klerikalen Nachholbedarf zu haben. Griechenland und Nigeria schieden aus, das Spiel der beiden gegeneinander war allerdings die spannendste Partie in dieser Gruppe, weil sich beide Teams in fröhlichem Dilettantismus beim Vergeben von Torchancen überboten. Statt eines möglichen 8:8 gab es nur ein 2:1 für Griechenland, unter anderem, weil der Nigerianer Chinedu Obasi, im Zivilberuf eines jener unentdeckten Talente aus dem Kraichgau, mit denen bekanntlich Dietmar Hopp und seine TSG „1899“ Hoffenheim ausschließlich arbeiten, das Kunststück fertig brachte, aus acht Metern das leere Tor nicht zu treffen, und zwar nicht einmal ansatzweise. Als Obafemi Martins vom VfL Wolfsburg dasselbe Gimmick im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea gelang, nur dass dabei die Entfernung zum Tor noch geringer war, konnte man ahnen, dass bei mittelmäßigen Bundesligaclubs im Training wohl eher nicht Torschüsse geübt werden. Ein etwas unentspanntes Turnier für Nigeria. Hinzu kam, dass der Rotsünder aus dem Spiel gegen Griechenland anschließend wohl haufenweise Morddrohungen erzürnter Fans per Mail bekam. Da leistete allerdings ein Offizieller der nigerianischen Delegation kulturelle Hilfestellung, indem er uns mal aufklärte: „Wenn in Deutschland einer gesagt bekommt, ‚Ich bring dich um!’, dann heißt das, dass es innerhalb der nächsten drei Tage auch passieren kann. In Nigeria bedeutet das nur: ‚Ich kann dich nicht leiden’.“ Andere Länder, andere Sitten. Ebenso wie die Maßnahme des nigerianischen Staatschefs, den einheimischen Fußballverband nach Rückkehr der Mannschaft kurzerhand für zwei Jahre aufzulösen, um den Fußball in Nigeria komplett neu aufzustellen. Klingt lustig, wenn man es so liest, ist aber Realität.

Gruppe C. Ah, die Gruppe mit der meistüberschätzten Truppe der letzten Jahrzehnte. Kann mir irgendjemand mal verständlich erklären, warum vor jedem Turnier, sei es EM oder WM, die Engländer stets als Mitfavoriten genannt werden? Woraus erschließt sich das? Oder ist das einfach nur eine Reminiszenz an das „Mutterland des Fußballs“, so nach dem Motto: wir wissen ja, die können nix, aber die sind so stolz darauf, als Erste in Europa Fußball gespielt zu haben, da gönnen wir denen das? Entschuldigung, aber bei England als „Mitfavorit“ muss ich immer lachen. Die haben die WM im eigenen Land gewonnen, okay. Ist auch erst 44 Jahre her, also quasi gestern. Und bei diesem Finale ging es ja auch nicht ganz astrein zu, Stichwort: Wembley-Tor. Ansonsten standen die nienienie auch nur in irgendeinem WM- oder EM-Finale. Die Premier League gilt als eine der stärksten Ligen in Europa, das stimmt. Deren Top- Clubs dominieren die Champions League seit Jahren, stimmt auch. Ab und zu darf bei diesen Mannschaften sogar mal ein Engländer mitspielen. Aber Titelfavoriten? Also bitte. Allerdings ernennen sie sich meist höchstselbst dazu, ansonsten hätte die Empire-Presse ja auch gar nichts Spektakuläres mehr zu melden. Mein Verdacht geht mittlerweile dahin, dass die Trainer der anderen Nationalmannschaften nur darauf warten, bis die Engländer sich wieder zu Top-Favoriten erklären, um dem dann fix zuzustimmen, weil es so schön von der eigenen Mannschaft ablenkt. Und die Tommies spielen immer brav mit und merken gar nicht, dass sie sich alle zwei Jahre lächerlich machen.

So auch diesmal. Nach der Gruppenauslosung mit Algerien, Slowenien und den USA schrieb die „Sun“ (oder war es die „Daily Mail“? – diese Schmieranten kann ich leider schon seit Jahren nicht mehr auseinander halten, sorry) frohgemut auf ihrer Titelseite die Gruppenteilnehmer untereinander, ließ sich für die USA noch das lustige Schlagwort „Yanks“ einfallen, sodass die schreiend rot gefärbten Anfangsbuchstaben der Teilnehmer England, Algeria, Slovenia und eben Yanks gut sichtbar das Wort „EASY“ („leicht“) ergaben. Und unter dieser Schlagzeile titelte man noch grandios: „Die beste Gruppe seit den Beatles!“

Und was war das für ein leichtes Grüppchen für den Top-Favoriten! Im ersten Spiel ein überragendes 1:1 gegen die USA, mit Torwart Green als Bewerber für eine Green Card, als er den US-Amerikanern den Ausgleichstreffer schenkte. Im zweiten Spiel ein prima 0:0 gegen die Fußball-Weltmacht Algerien. Im dritten Spiel würgte man sich zu einem 1:0 gegen Slowenien und zeigte dabei das, was man in den letzten Jahrzehnten bei solchen Turnieren sehr häufig zeigte: eine einzige gute Halbzeit. Aber es reicht halt immer, um ein „Top-Favorit“ zu sein.

Gruppensieger wurde allerdings die USA. Unentschieden gegen England, dann ein 2:2 gegen Slowenien nach 0:2-Rückstand, ein sehenswertes Spiel. Kurz vor Schluss erzielten sie sogar den Siegtreffer, das war aber zuviel für den Schiri aus Mali, der annullierte den Treffer einfach. Ich weiß bis heute nicht, ob er mal erklärt hat, warum. Das dürfte ihm auch reichlich schwer gefallen sein. Es war kein Abseits, und wenn er ein Foul pfeift, dann doch wohl eher in Verbindung mit einem Strafstoß für die Amerikaner, denn man konnte in der Zeitlupe recht gut sehen, dass während der Flanke, die dann zum Tor führte, gleich vier Slowenen im Strafraum ihre Gegenspieler griechisch-römisch bearbeiteten. Eine der unfassbarsten Fehlentscheidungen dieser WM. Zum Glück ließen sich die Amis davon nicht schrecken, auch nicht davon, dass ihnen im letzten Gruppenspiel gegen Algerien wieder ein reguläres Tor aberkannt wurde. Sie schafften mit dem Siegtreffer in der 92. Minute doch noch den Gruppensieg, ansonsten wären die pomadigen Slowenen weitergekommen. Was die Amis allerdings allein im Spiel gegen Algerien an Chancen vergaben, trieb dem neutralen Beobachter die Tränen in die Augen. Es war wirklich unfassbar, was die teilweise drei, vier oder fünf Meter vor dem Tor veranstalteten. Als Trainer hätte ich den kompletten Sturm nach Hause segeln lassen, um Weihnachten rum wären sie vielleicht schon eingetroffen. Aber zu deren Glück gab es ja ein hollywood-gerechtes Happy End in der Nachspielzeit, und die Amis kamen ins Achtelfinale.

In der Gruppe E war Langeweile angesagt. Die Niederlande setzten sich durch, drei Siege in drei Spielen, allerdings kein Gramm Anstrengung zuviel. Und meist unter gütiger Mithilfe des Gegners. Gegen Dänemark brachte sie ein kurioses Eigentor auf die Siegerstraße, als ein Däne einen anderen anköpfte, und der Ball von diesem dann gegen den Innenpfosten und ins Netz hoppelte. Maßarbeit. Fast schon langweilig hingegen, wie sich im zweiten Spiel der japanische Torwart den Schuss von Sneijder ins eigene Netz faustete. Dänemark schickte anschließend Kamerun nach Hause und wurde im letzten Spiel von den Japanern rauskegelt, weil die an jenem Tag ganz ordentlich Freistöße schießen konnten. Ansonsten war es nicht weltbewegend, was in dieser Gruppe geboten wurde. Es sei denn, man nimmt es als weltbewegend, dass dort eines der schlechtesten Spiele der WM geboten wurde, nämlich der Kick zwischen Japan und Kamerun, ein Spiel, das eigentlich durch die griffige Formulierung „Misshandlung des Balles“ ausreichend beschrieben ist. Die „unbezähmbaren Löwen“ aus Kamerun traten deutlich gezähmt mit null Punkten die Heimreise an. Unter anderem dafür verantwortlich: Trainer Paul Le Guen, ein Franzose, dessen lustige Spieltaktiken und Aufstellungen denen seines anscheinend großen Vorbilds Raymond Domenech in nichts nachstanden. Zur Strafe für die Null-Punkte-Tour soll jetzt Lothar Matthäus als Trainer nach Kamerun kommen. Denen geben wir es aber wirklich knüppeldick, dort wirkte ja auch schon Winnie Schäfer...

Gruppe F wäre in dieselbe Kategorie einzuordnen gewesen, hätte es da nicht eine Partie gegeben, die mit zum Besten gehörte, was die Vorrunde der WM zu bieten hatte. Weltmeister Italien hatte sich in den ersten beiden Spielen pflichtgemäß blamiert, jeweils ein 1:1 gegen Paraguay und die Fußballgroßmacht Neuseeland. Diese peinlichen Vorstellungen wurden allerdings mit dem Hinweis gekontert, man habe schon bei der WM 1982 mit drei Unentschieden die Vorrunde überstanden und sei anschließend Weltmeister geworden. Und da Gutes bewahrt bleibt, wäre es in der Tat so gewesen – hätten sie im letzten Spiel gegen die Slowakei das 3:3 erzielt, es hätte wieder gereicht. Dummerweise taten sie es nicht, verloren mit 2:3 und schieden aus. Anschließend erklärte Häuptling Weißhaar, vulgo: Marcello Lippi, hauptberuflich Coach des (noch) amtierenden Weltmeisters, er nehme die volle Verantwortung für den letzten Gruppenplatz auf sich. An seiner Stelle wäre ich stinksauer auf die Mannschaft gewesen. Allerdings nicht nur aufgrund der zweidreiviertel Spiele Leistungsverweigerung, die die Schönlinge vom Brenner zuvor abgeliefert hatten, sondern vor allem aufgrund der letzten Viertelstunde gegen die Slowakei. Als die nämlich das 2:0 erzielten und jeder dachte, okay, der Fisch ist gegessen – dann, und erst dann, drehten die Italiener auf und zeigten plötzlich, wie man sich alle zwei Minuten richtig gute Torchancen herausspielen kann. Plötzlich wurde ebenso flott kombiniert wie aus allen Lagen geschossen. Traumkombinationen mit der Hacke wurden erfolgreich abgeschlossen, Traumtore durch wunderbare Schlenzer aus 20 Metern Torentfernung erzielt, wie es selbst die Brasilianer nicht hübscher können. Der beste Beweis dafür, dass der amtierende Weltmeister zuvor schlicht seinen Trainer verarscht hatte. Und diesmal half ihnen nicht ihr sprichwörtliches Glück. Ein korrektes Tor wegen Abseits nicht gegeben, einmal von den Slowaken auf der Linie gerettet, zwischendrin noch das dritte Gegentor kassiert, und dann in der 96. (!) Minute noch die große Chance zum Ausgleich vergeben – weg waren sie. Und ich glaube, ich war nicht der Einzige, der anschließend ziemlich grinsen musste. Die gerechte Quittung. Es wird auch kein so großer Zufall gewesen sein, dass Italien zuvor im gesamten Kalenderjahr 2010 nicht ein Spiel gewonnen hatte. Arrividerci. Und auch Good bye für die tapferen Kiwis aus Neuseeland, denn die Drei-Unentschieden-Regel funktioniert natürlich nur bei Italien, ihnen selbst nutzte das 0:0 gegen Paraguay im letzten Spiel nichts mehr. Aber immerhin, die Mannschaft, die vor dem Turnier nicht ganz zu Unrecht als spielerisch schwächste aller WM-Teilnehmer angesehen wurde, kehrte unbesiegt nach Hause zurück! Dort sind sie jetzt Helden, und ich gönne es ihnen, auch wenn man fairerweise sagen muss, dass ihr Treffer gegen Italien ein Abseitstor war. Aber trotzdem kriege ich irgendwie dieses Grinsen nicht aus dem Gesicht...

In der Gruppe G setzte sich Brasilien genauso durch wie die Niederländer in ihrer Gruppe. Wobei man zunächst tatsächlich Schwierigkeiten gegen Nordkorea hatte. Stalins Erben hielten erstaunlich gut mit und erzielten völlig verdient sogar den Ehrentreffer zum 1:2. Dann verzockte sich deren Trainer allerdings beim Spiel gegen Portugal, und bei seinem Heimatland muss man wirklich Angst bekommen und hoffen, dass das für ihn keine negativen körperlichen Folgen haben wird. Der ließ gegen Portugal munter offensiv spielen, leider auch noch, als man schon 0:4 zurück lag. Portugal bedankte sich und schoss mit dem 7:0 den höchsten Turniersieg heraus, sogar Blindschleiche Cristiano Ronaldo durfte ein Tor schießen. Zur Pause hätte es eigentlich 3:1 für Nordkorea stehen müssen, das die Portugiesen bis zum dritten Gegentreffer ein ums andere Mal in Verlegenheit brachte. In der nordkoreanischen Heimat wurde erstmals in deren Geschichte ein Fußballspiel live übertragen, nachdem sich die Mannschaft gegen Brasilien so toll geschlagen hatte. Und dann das! Der Kommentator schwieg ab dem 0:4 eisern bis zum Schluss, wahrscheinlich um seiner eigenen Gesundheit willen, und direkt nach dem Spiel wurde die Übertragung abgebrochen. Man stelle sich vor, die hätten dieses Spiel gewonnen, was zumindest bis zur Pause nicht unrealistisch erschien. Andere Diktatoren sind schon aus nichtigeren Anlässen gestürzt worden. Schade drum.
Schade auch um die Elfenbeinküste, die wieder, wie schon 2006 in Deutschland, zwischen zwei mächtigeren Gegnern zerrieben wurde (damals Niederlande und Argentinien). Die haben einfach kein Losglück. Und schade auch für die 60.000 Zuschauer, die für die Partie Brasilien gegen Portugal Eintritt bezahlt hatten, denn was dabei herauskommen würde, war von vorne herein klar, ein 0:0-Gewürge, das beide Teams zufrieden stellte. Furchtbar.

In der Gruppe H schließlich schien es zunächst so, als ob neben dem Weltmeister und dem Vize-Weltmeister auch noch der amtierende Europameister in der Vorrunde straucheln würde, schließlich verlor Spanien seine erste Partie gegen die Schweiz mit 0:1. Wobei „straucheln“ eine schöne Beschreibung des Schweizer Siegtors ist, hätten wir das also auch abgehakt. Anschließend gewannen die Spanier glanzlos mit 2:0 gegen Honduras, wobei der FIFA-Kontrollausschuss nach dem Spiel allen Ernstes behauptete, man könne in der Ohrfeige von Doppeltorschütze David Villa gegen seinen Gegenspieler beim besten Willen keine Tätlichkeit erkennen und ihn daher leider nicht nachträglich sperren. Die waren wahrscheinlich der Meinung, eine Ohrfeige gehöre in ein Mädchenpensionat und schickten den Villa anschließend zur Strafe ohne Abendessen ins Bett, anders ist das nicht zu erklären.
Die Schweizer selbst verloren gegen Chile mit 0:1, einerseits zurecht, weil Chile klar besser war, andererseits unglücklich, denn es war wieder mal ein Abseitstor.
Aber dann! Die Schweiz hätte nur gegen Honduras gewinnen müssen und wäre sicher weiter gekommen. Gegen Honduras, nachdem man Spanien besiegt hatte! Nach dem Spanien-Spiel schrieb ich in einem Fan-Forum: „Wenn man bedenkt, dass die Schweiz unter Ottmar Hitzfeld vor zwei Jahren zuhause 1:2 gegen Luxemburg verloren haben, ist für Honduras eigentlich noch alles drin.“ Es sollte ein Scherz sein, aber die humorlosen Toblerone-Kicker setzten es genau so um. In einem unterirdischen Spiel holte man nur ein 0:0 gegen Honduras, die für mich schwächste spielerische Mannschaft des Turniers, trotz der verheerenden Bilanz Nordkoreas. Die waren so schlecht, dass selbst unser Klinsi einmal leicht aus der Rolle fiel. Da er nämlich als Co-Kommentator bei RTL dieses Spiel in voller Länge ertragen musste, platzte ihm dann doch der Kragen, als Honduras in der Nachspielzeit eine Kontersituation mit fünf Angreifern gegen drei Abwehrspieler durch routinierten Fehlpass ins Nichts versemmelte. Er konnte sich gerade noch diplomatisch zügeln und stieß mit erstickter Stimme nur noch ein „Das ist der Höhepunkt!“ hervor, und das gleich zweimal. Da konnte man gut merken, wie es in ihm brodelte. Und gegen diese Hobbykicker aus Mittelamerika verzockte die Schweiz mit einer absolut lustlosen Vorstellung das Weiterkommen. Damit machten sie Platz für Chile, völlig zurecht, auch wenn die ihr letztes Spiel gegen Spanien mit 1:2 verloren, dabei aber eine bärenstarke Leistung zeigten.

Und Deutschland? Wir schlugen uns in der Vorrunde doch eigentlich ganz gut. Gemessen daran, dass wir vor Beginn des Turniers eh keine Chance hatten. Das sage nicht ich, das versuchten die Medien uns einzureden, und Millionen selbsternannter Sommermärchen Reloaded-Teilnehmer glaubten es zunächst auch. Ich sag nur: der Müscha, der Ballack, der Kopf, das Herz und gleich auch noch das Hirn der deutschen Mannschaft. Alle drei Körperteil-Attribute habe ich vor der WM über ihn gelesen. Der Müscha hatte mal wieder Aua, wie vor oder während jedes großen Turniers. Allerdings muss man hier Gerechtigkeit walten lassen. Schließlich hatte er sich diesmal nicht irgendetwas an der Wade gezerrt, womit die deutsche Presse drei Tage lang hausieren gehen konnte, ehe feststand, dass er natürlich doch wieder dabei wäre. Nein, diesmal war es eine ernste Verletzung, die ihn schon Wochen vor dem Turnier zwang, Selbiges abzusagen. Kein Wunder, diesmal hatte er es sich ja auch nicht selbst geholt, sondern war umgetreten worden. Im letzten Pflichtspiel der Saison für seinen Club Chelsea London, dem Pokalfinale gegen den FC Portsmouth, wurde er übel abgegrätscht. Der Sonnenschein, der ihn wegsenste, hörte ausgerechnet auf den Namen Kevin-Prince Boateng, ehemaliger Bundesliga-Spieler bei Hertha BSC, der sich relativ kurzfristig vor der WM entschlossen hatte, für Ghana anzutreten, im Gegensatz zu seinem Halbbruder Jerome Boateng, der im deutschen Kader stand. Und da Ghana ein Gruppengegner der Deutschen war, war natürlich die Verschwörungstheorie wieder mal perfekt: das habe der mit Absicht getan, um uns zu schwächen. Denn ohne unseren Ballack sind wir doch nix. Siehe oben, wenn Kopf, Herz und Hirn fehlen, können das Magen, Leber und Milz auch nicht mehr ausgleichen. Der ghanaisch-deutsche Rüpel wurde quasi über Nacht zum meistgehassten Spieler in Deutschland.

Natürlich geschah das Foul absichtlich, könnte ich bis heute drauf wetten. Allerdings nicht, um den Gruppengegner absichtlich zu schwächen, sondern als Revanche für eine Szene, die sich kurz zuvor abgespielt hatte. Je öfter das Foul von Boateng an Ballack im Fernsehen gezeigt wurde, desto schneller vergaß man, dass Ballack einige Minuten zuvor Boateng geohrfeigt hatte. Er ist ja bekannt dafür, dass er gerne mal Zeichen setzt. In Deutschland ließen ihm die Schiris zumeist auch die niederträchtigste Blutgrätsche kommentarlos durchgehen, in England darf er anscheinend auch Backpfeifen ungestraft verteilen. Es gibt nicht wenige Leute, die dies bedauern. Hätte das Mimöschen Ballack nicht Mädchenpensionat gespielt, sondern dem Boateng richtig eine geschmiert, dann hätte dies der Schiri gar nicht übersehen können und ihn mit Rot vom Platz schicken müssen. Damit wäre er allerdings fit für die WM geblieben. So durfte er sich zehn Minuten über seinen gelungenen Coup freuen und hatte dann Turnierende schon drei Wochen vor Beginn.

Tja, und dann war er weg, der Ballack, und die halbe Nation heulte ihm hinterher, weil jammern halt so viel Spaß macht. Ich wiederhole gerne das, was ich vor vier Jahren schon gesagt habe, und vor zwei Jahren noch mal, immer wenn Kopfherzhirn Ballack was an der Wade hatte: wenn wir dieses ewige Gejammer in der Öffentlichkeit wirklich Ernst meinen, dann sollten wir gleich die gesamte Mannschaft vom Turnier abmelden. Das müssen ja Krampen sein, wenn einem Einzigen so hinterher geschluchzt wird. Oder aber, man macht es so, wie Mannschaft und Trainerstab reagierten: natürlich ist Ballack ein wichtiger Spieler, aber zur Not geht es auch ohne ihn. Und zwar locker. Und dass es dann tatsächlich hingehauen hat, macht das vorherige Gejammer nur noch peinlicher. Wobei es ja zumeist von Leuten kommt, die wirklich keine Ahnung vom Fußball haben. Die dem medialen Superstar-Kult erlegen sind, der um Gestalten wie Ballack, Messi oder Cristiano Ronaldo aufgebaut wird. Und die sich wahrscheinlich dann vorab um ihre lustigen Fan-Partys betrogen sahen.
Außer Kopfherzhirn Ballack sagten übrigens noch ein paar Nebendarsteller in der Mannschaft verletzt ab, so wurden sie jedenfalls in der Presse dargestellt bzw. ignoriert. Adler und Rolfes aus Leverkusen sogar noch vor dem Müscha, Träsch aus Stuttgart und Westermann aus Schalke. Man hätte glatt meinen können, die hätten vor der WM heimlich einen Nutella-Werbespot gedreht, was ja von jeher das Ende der Nationalmannschaftskarriere aller Beteiligten einläutet. Dass den Jogi so etwas überhaupt nicht juckt, weil er aus dem Stand einen Alternativplan in der Tasche hat – das ist das Hochprofessionelle an diesem Mann. Auch dass er sich nicht reinreden lässt, wenn er einmal einen Entschluss gefasst hat. Ich persönlich wäre nie auf die Idee gekommen, einen Klose oder einen Podolski mitzunehmen, ganz einfach, weil ich finde, man sollte es sich doch schon mit halbwegs konstant guten Leistungen in der Bundesliga verdienen, in einen solchen Kader aufgenommen zu werden. Diese altmodische Ansicht juckt den Jogi wenig, der verteilt schon Monate vorher Stammplatzgarantien für die beiden, die in ihren Vereinen absolut nichts auf die Reihe kriegen. Dafür nimmt er den besten deutschen Torschützen der abgelaufenen Saison als Bankdrücker mit, und den zweitbesten bootet er mit der ziemlich lächerlichen Begründung aus, dieser passe nicht in sein taktisches Konzept, was zum Einen ziemlich schwach ist, um nicht zugeben zu müssen, dass er ihn aufgrund persönlicher Animosität nicht mehr haben will, zum Anderen sogar glatt gelogen, denn der Kuranyi war in der abgelaufenen Saison einer der wenigen Spieler, in deren Mannschaften tatsächlich das Löw’sche System mit nur einer echten Spitze gespielt wurde. Aber der Erfolg gibt dem Jogi Recht, auch wenn er sich mit solchen Dingen natürlich angreifbar macht, denn die Merkwürdigkeiten dieser Personalpolitik springen einem ja sofort ins Gesicht. Aber da er dies auch weiß, ist er auch bei Ausfällen wie dem von Ballack völlig tiefenentspannt und hat schon vor der ersten Pressekonferenz zum Thema mehrere Alternativen im Kopf durchgespielt.

Im Auftaktspiel gegen Australien wurde die deutsche Mannschaft gleich gefordert. Und zwar in den ersten drei Minuten des Spiels. Dies gipfelte darin, dass die Australier die erste Chance des Spiels hatten, welche zugleich auch ihre letzte war. Anschließend nahmen wir die „Socceroos“ mal gepflegt auseinander, natürlich waren es Podolski und Klose, die die ersten WM-Tore für Deutschland erzielten. Und während die Löw-Kritiker noch ganz verschämt hinterm Sofa hervorschauten, setzte der eins drauf und präsentierte uns mit Cacau noch einen dritten Spieler, von dem drei Monate vor der WM auch niemand gewusst hätte, wozu der hätte mitfahren sollen, höchstens als Tourist. Kaum eingewechselt, machte er das Tor zum 4:0-Endstand. Wirklich unheimlich, der Jogi.

Leider fehlte seine magische Eingebung im zweiten Spiel fünf Tage später, gegen Serbien. Ansonsten hätte beim Handelfmeter für Deutschland wohl allein des Jogis Aura Lukas Podolski davon abhalten können, sich den Ball zu nehmen und gekonnt zu verschießen. Und wenn ich dann natürlich am nächsten Tag seitenweise lesen muss, der Poldi habe ja Verantwortung übernommen...das war schlichter Egoismus, weil er in diesem Spiel aus allen Lagen geschossen und nichts getroffen, aber mindestens drei Hochkaräter vor dem Elfer vergeben hatte. Man konnte schon ahnen, der Podolski kann an diesem Tag noch stundenlang aufs Tor schießen, der Ball würde nicht reingehen. Es gibt halt solche Tage. Verantwortungsvoll wäre es gewesen, die Kugel jemandem zu überlassen, der an jenem Tag nicht so sehr vom Schusspech verfolgt war. Das hätte in jenem Fall wirklich jeder sein können, sogar der Platzwart.
Man verlor das Spiel gegen Serbien mit 0:1, weil der launige spanische Schiri in den ersten 20 Minuten fünf Gelbe Karten zeigte, wovon eine einzige, die für den linken serbischen Außenverteidiger, Name verdrängt, berechtigt gewesen wäre. Dann stellte Klose das Denken ein und trat an der Mittellinie nach etwas über einer halben Stunde einen Serben um, sicherlich nicht absichtlich, aber er muss sich fragen lassen, ob das nötig war, schließlich hatte er selbst zuvor am eigenen Leib zu spüren bekommen, wie der Schiri sich schon früh unter Zugzwang gebracht hatte. Klose musste mit Gelb/Rot runter, eine Minute später machte Serbien den Siegtreffer, und die zweite Halbzeit bestand eigentlich fast ausschließlich aus dem Wettbewerb: die Prinzenrolle gegen den Rest der Welt, inklusive die eigenen Nerven. Leider verlor er diesen etwas ungleichen Kampf, und Deutschland somit auch das Spiel. Plötzlich drohte ein Ausscheiden des Teams bei der Vorrunde, das hatte noch keine deutsche Mannschaft bei einer WM fertig gebracht. Wäre insoweit vielleicht ganz spaßig geworden, endlich mal was Neues. Aber man riss sich zusammen und sprang dem Schreckgespenst im letzten Gruppenspiel gegen Ghana von der Schippe. Ziemlich durchwachsene Partie, ein lichter Moment des Bremers Mesut Özil entschied die Partie, und da das Ergebnis Ghana ebenfalls zum Weiterkommen reichte und Australien und Serbien nach Hause schickte, gab es in den letzten Minuten auch nichts Aufregendes mehr. Auch das Halbbruder-Duell Boateng gegen Boateng, eine einmalige Angelegenheit in der WM-Geschichte, war nicht von irgendwelchen Zwischenfällen betroffen. Deutschland durch den Sieg knapp dem Ausscheiden entronnen und daher plötzlich Gruppensieger. So schnell kann das gehen! Dies bedeutete, dass wir im Achtelfinale auf England trafen, und allein das reichte ja schon wieder aus, um einige zittern zu lassen, schließlich kam da der große Turnierfavorit, der immerhin noch kein Spiel verloren hatte! Ich hingegen hatte was zu lachen und war heilfroh, dass nicht die US-Amerikaner der Gegner waren. Gegen England kannst du eigentlich nur gewinnen, so oder so. Dafür sorgen sie schon selbst.

Achtelfinale

Nach zwei, diplomatisch formuliert, mäßigen Achtelfinalspielen, in denen sich Uruguay und Ghana jeweils mit 2:1 gegen Südkorea und die USA durchsetzten, ohne dass es nennenswerte Vorkommnisse gegeben hätte (mal abgesehen davon, dass die WM mit der Partie Ghana gegen USA ihre erste Verlängerung erlebte), war es dann auch soweit: das Spiel Deutschland gegen England, der „Klassiker“ (TV-Werbung), stand an. „Kein Spiel wie jedes andere!“ befand ARD-Plaudertasche Steffen Simon beim Anpfiff, gleichwohl ging auch diese Partie zunächst nur über 90 Minuten und musste spätestens im Elfmeterschießen einen Sieger finden, wie alle anderen Achtelfinalspiele auch. Da hatte die FIFA so gar nicht auf Herrn Simon gehört. Und auch sonst war es eine Partie wie viele andere bei der WM, die eine Mannschaft richtig gut, die andere hoffnungslos unterlegen. Sogar die obligatorische Fehlentscheidung des Schiris war dabei, also wirklich business as usual.

Deutschland zerlegte England in seine Bestandteile, weil die eben kein „großes“ Team haben und weil man sich vom Ruhm, das „Mutterland des Fußballs“ zu sein, 150 Jahre später eben nichts kaufen kann. Allein schon das 1:0 durch Klose...mal Hand aufs Herz, liebe Leser: welcher Kreisliga-Trainer unter euch würde nicht einen verbalen Herzkasper an der Seitenlinie erleiden und seinem Team sofort jede Bezirksliga-Tauglichkeit absprechen, wenn seine Mannschaft einen Treffer nach einem 104-m-Abschlag des gegnerischen Torwarts bekommen würde? Das war doch wirklich unfassbar. Und beim 2:0 durch Podolski wurde so schnell durch die Abwehr der Engländer kombiniert, dass die Jungs von der Insel nun wirklich so wirkten, wie man es ihnen im Scherz gerne unterstellt, nämlich frisch vom Tresen des nächstgelegenen Pubs eingeflogen. Das war ein einziger Trümmerhaufen, und wenn man einer englischen Nationalmannschaft attestieren muss, dass ausgerechnet deren Torwart einer der besten Spieler war, dann sagt dies doch schon einiges aus. Bis England zum ersten Mal gefährlich vor das Tor der Deutschen kam, hätte die Partie schon längst durch sein müssen, zwei, drei weitere hochkarätige Chancen waren zuvor vergeben worden. Dann verschätzte sich Keeper Manuel Neuer bei einer Flanke, und auch Boateng dachte wohl, sein Gegenspieler käme eh nicht vom Boden hoch, da müsse er dies ebenfalls nicht tun. Prompt köpfte Upson zum Anschlusstreffer der Engländer ein und läutete damit die Drangphase der Engländer ein, die ungefähr 60 Sekunden dauerte und ihren Höhepunkt im Kunstschuss von Frank Lampard fand. Dessen Lupfer aus 16 Metern Entfernung war zwar drin, er sprang von der Unterkante der Latte deutlich hinter die Torlinie, dann wieder zurück unter die Latte, dann vor die Linie, bevor Neuer ihn aufnehmen konnte, aber der Schiri aus Uruguay hatte nix gesehen. Okay, konnte der auch nicht, zwischen ihm und dem Ball befand sich ein fliegender Neuer in seinem Blickfeld. Der Linienrichter, der nicht frontal von vorn, sondern eher schräg auf die Szene schaute, hätte es eigentlich sehen können, dachte aber wohl grad an seine Schöne in Montevideo und konnte daher auch nichts zur Aufklärung der Situation beitragen. Somit ließ der Schiri weiterspielen. Riesenglück natürlich für die deutsche Mannschaft, dass sie sich nicht binnen einer Minute Anschlusstreffer und Ausgleich einfing, aber es wäre auch nicht verdient gewesen.
Jedoch scheinen die Deutschen zwei schwarze Minuten in diesem Turnier zu haben: gegen Serbien flog Klose in der 37. Minute vom Platz, in der 38. Minute machte Jovanovic das Siegtor für die Balkan-Kicker. Gegen England fiel das Gegentor in der 37. Minute, in der 38. Minute eigentlich der Ausgleich. Das sollte Aiman Abdallah doch eine Folge „Galileo Mystery“ wert sein, nur als Anregung...

Anfang der zweiten Halbzeit machten die Engländer dann zaghaft etwas Druck nach vorne, und wiederum Frank Lampard, der einzige Engländer, dem man Normalform attestieren konnte, traf mit einem Freistoß erneut die Latte. Danach reichte es den Deutschen, und sie knipsten den Gegner binnen drei Minuten aus, durch zwei blitzsaubere Konter, jeweils abgeschlossen von Thomas Müller, der nach dem Spiel sogar noch seine beiden Omas grüßen konnte, wahrscheinlich war er durch die englische Spielweise an sie erinnert worden. England natürlich im Pech wegen der falschen Schiedsrichter-Entscheidung, aber ansonsten hoffnungslos unterlegen, was erstaunlicherweise am nächsten Tag auch der britische Boulevard und Experten wie Gary Lineker oder Alan Shearer anerkannten. Nur der Trainer nicht, aber der ist ja auch Italiener. England wie immer vorzeitig ausgeschieden.

Von den weiteren Achtelfinalspielen muss man auch nicht allzu viel wissen, höchstens dass Argentinien gegen Mexiko durch ein blitzsauberes Abseitstor in Führung ging, dies zu übersehen, war wirklich schon eine Kunst und kostete den Schiedsrichter Roberto Rosetti (immerhin Leiter des EM-Finales 2008) eine mögliche Finalteilnahme. Danach hatte Argentinien ebenso wenig Mühe, sich mit 3:1 durchzusetzen wie die Niederlande beim 2:1 gegen die ausgepowerte Slowakei und Brasilien beim 3:0 gegen das tapfere Chile. Wobei die Niederlande und Brasilien wieder diesen unterkühlten Fußball der Vorrunde ablieferten, mit dem man zwar gewinnt, aber nicht glänzt. Dieses geruhsame Abwarten, bis der Gegner aufgrund seiner mangelnden spielerischen Klasse einen Fehler macht, ist nicht wirklich etwas für Fußball-Ästheten, aber beide Teams sind in der Vergangenheit schon oft genug in Schönheit gestorben, vielleicht hat da ein Umdenken stattgefunden.

Dann gab es noch Paraguay gegen Japan, ein Spiel, bei dem man einen Satz des Kommentators als Wertung im Original übernehmen kann: „Hier war schon nach 10 Minuten klar, dass es Elfmeterschießen geben würde.“ Und da beide Torhüter sich den „Leistungen“ der Feldspieler anschlossen und nicht einen Elfmeter parieren konnten, musste erst ein Kicker die Kugel gegen die Latte wemmsen, damit es einen Sieger geben konnte. Da dies ein japanischer Spieler war, gewann Paraguay und zog erstmals in der Fußball-Geschichte in ein WM-Viertelfinale ein, obwohl sich jeder angesichts der dargebotenen Leistung fragte, warum.

Im letzten Achtelfinalspiel gab es dann auch mal wieder was Besonderes, Spanien gegen Portugal, natürlich sofort zum „Bruderkampf“ hochstilisiert, wobei ich keine zwei Brüder kenne, die völlig unterschiedliche Sprachen sprechen, noch nicht einmal die Boatengs. Spanien siegte mit 1:0, natürlich durch ein Abseitstor, wie es bei dieser WM guter Brauch geworden ist, dazu noch durch David Villa, der ja eigentlich noch seine zwei Spiele Sperre aufgrund seiner Tätlichkeit gegen Honduras hätte absitzen müssen, wenn man bei der FIFA nicht plötzlich mit unerklärlicher Blindheit behaftet gewesen wäre. Portugal enttäuschte auf der ganzen Linie, der schöngefönte Cristiano Ronaldo übertrieb es mit seinem Schwalbendrang derart, dass er noch nicht mal mehr berechtigte Freistöße bekam. Nach Ribery und Rooney der nächste „Superstar“, der völlig enttäuschte. Ich hoffe, er hat nach dem Spiel nicht geweint.

Viertelfinale

In den Viertelfinalspielen kam es anschließend endlich auch zu dem, was unsereins unter „Spannung“ versteht, mit einer Ausnahme, die wir uns allerdings gerne gefallen ließen. Zunächst jedoch Niederlande gegen Brasilien. In diesem Spiel zeigten die Brasilianer in der ersten Hälfte endlich einmal, wozu sie fähig wären, wenn sie denn Lust hätten, während die Niederlande dies in der zweiten Hälfte taten. Folgerichtig erzielten beide auch je einen Treffer. Da die Brasilianer zum guten Gelingen des Tages allerdings noch ein Eigentor zum zwischenzeitlichen Ausgleich für die Tulpenknicker beisteuerten, gewannen die Niederlande mit 2:1 und schickten den großen Titelfavoriten nicht unverdient nach Hause. Zum zweiten Mal nach 2006 kam das Aus für Brasilien bereits im Viertelfinale, mit Kaká nahm ein weiterer der vor dem Turnier so hochgejazzten „Superstars“ seinen Hut. Die WM-Werbung, die zum Teil schon Monate vor dem Eröffnungsspiel in aller Herren Länder bis zum Erbrechen ausgestrahlt worden war, entpuppte sich diesmal als Nutella-Spot des internationalen Fußballs.

Zweites Viertelfinale, Uruguay gegen Ghana. Ein Spiel mit pädagogischem Nährwert, lernten doch auch die kleinsten Fußball-Fans an jenem Abend, dass sich Verbrechen lohnt. Naja, so hart war es natürlich nicht. Aber dass eine Rote Karte dann und wann ganz nützlich sein kann, dies wurde in diesem Spiel überdeutlich: 120. Minute, letzte Minute der Verlängerung, mit der eigentlich letzten Aktion des Spiels, machte Ghana das 2:1. Beziehungsweise so hätte es sein können, wenn Uruguays Stürmer Suarez nicht mit einer Verzweiflungstat den Treffer verhindert hätte, indem er auf der Torlinie mit der Hand klärte. Natürlich glatt Rot für den Spieler und als letzte Amtshandlung des Spiel Handelfmeter für Ghana. Nichts Neues also für den letzten afrikanischen Vertreter im Wettbewerb, schließlich hatten sie in der Vorrunde bereits zwei Strafstöße erhalten, die Asamoah Gyan auch souverän verwandelt hatte. Und das hätte er auch diesmal getan, der Keeper war mal wieder chancenlos, leider zielte Gyan zehn Zentimeter zu hoch, und dort stand dann die Torlatte zwischen ihm und seinem lebenslangen Heldentum im Heimatland. Da dies die letzte Aktion des Spiels war, hatte Suarez seine Mannschaft mit seinem Handspiel somit ins Elfmeterschießen gerettet. Wie gesagt, manchmal lohnt es sich. Denn Uruguay gewann das eigentlich schon verlorene Spiel noch im Elfmeterschießen und stand zum ersten Mal seit 40 Jahren wieder in einem WM-Halbfinale. Nun kann man sagen, schade für Afrika, so dicht ist noch nie eine afrikanische Mannschaft am Einzug ins Halbfinale gescheitert. Den zwischenzeitlichen Ausgleich für Uruguay hatte deren „Stürmerstar“ Forlán (endlich mal einer, bei dem auch drin war, was drauf stand, fünf Turniertreffer) übrigens mit einem Freistoß erzielt, der auch nur dann als unhaltbar angesehen werden kann, wenn man weiß, dass zwischen den Pfosten ein WM-Torhüter steht. Abseitstore und Torwartfehler – wenn man die WM mit zwei griffigen Schlagworten umschreiben sollte, wären dies die ersten beiden, die mir einfallen würden.

Dann dämmerte der 03.07.2010 herauf, ein denkwürdiger Tag, in allen Belangen. Zuerst 37 Grad im Schatten in Deutschland, dann kurz vor dem Spiel ein heftiges Gewitter mit Hagelschauer, Sturmböen, vollgelaufenen Kellern und überfluteten Straßen. Selbst die größten Fußballmuffel, die während der Partie gegen Argentinien vielleicht lieber spazieren gehen wollten, sollten so wohl vor den Fernseher gezwungen werden. Und das zurecht, denn was die deutsche Mannschaft an jenem Nachmittag auf dem Rasen in Kapstadt zelebrierte, konnte einem Tränen der Rührung in die Augen treiben. Und zugleich auch stutzig machen, denn solch begeisternden Fußball spielen meist nur die „Sieger der Herzen“, die dann noch kurz vor Schluss eines Turniers von irgendeiner kühl-analytisch spielenden Truppe einmal geschlagen werden. So war es für uns 2006, so war es für Tschechen 2004 und die Niederländer 2008. Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass diejenigen, die bei einem Turnier Zauberfußball spielen, in der Endabrechnung zwar immer oben, aber eben nie ganz oben stehen. Aber zunächst einmal war es die reine Freude, mit anzusehen, wie die hoch gehandelte Truppe um „Superstar“ Messi (der Nächste bitte...) von der deutschen Mannschaft besonders in der Anfangsphase des Spiels und ab der 60. Minute in ihre Bestandteile zerlegt wurde. Bekreuzigungsmaschine Maradona hätte dies auch nicht kompensieren können, wenn seine Arme ohne Pause rotiert wären. Gegen Jogis Jungs war einfach kein Kraut gewachsen. Vor allem die drei Treffer in der zweiten Halbzeit waren so gut heraus gespielt, man konnte nur noch applaudieren. Die Argentinier waren dermaßen geplättet, dass sie sogar vergaßen, wild um sich zu treten. Eine Sternstunde des deutschen Fußballs, dieses 4:0, ohne Wenn und Aber.

Der Sternstunde folgten dann zunächst ein paar verbale Peinlichkeiten. Das ist in jedem Land der Erde so, wenn man halt Sieger ist, dann macht das Hirn schon mal Pause. Völlig sinnfrei zum Beispiel Kloppo Klopp, der nach dem Spiel bei RTL auf seiner Freilichtbühne in Dresden darüber räsonierte, dass die Gelbe Karte wegen Handspiels und die damit verbundene Sperre für Thomas Müller ja wohl ein „Witz“ seien und er sich diesbezüglich auf einer „Kirmesveranstaltung“ wähne. Es sei denn, man findet es noch lustig, wenn ein angeblich erwachsener Mensch lauthals behauptet, dass sei nie und nimmer ein Handspiel gewesen – und zwar in just dem Moment, in dem die Zeitlupe gezeigt wird, in der man sehr schön sehen kann, wie die Hand zum Ball geht und nicht umgekehrt. Okay, dass er dafür Applaus vom umstehenden Publikum bekam, war klar, die standen schließlich schon seit Mittag dort und hatten zuvor ein tolles Deutschland-Spiel gesehen, von denen war eh keiner mehr nüchtern. Ganz wichtig – kein Sieg ohne Verschwörungstheorie gegen die tapferen Deutschen. Aber clever, wie der Klopp dem Podolski eine „Überragende Defensivleistung“ bescheinigte – dass der eigentlich Stürmer ist und als solcher, mit Ausnahme der schönen Vorarbeit zum 2:0, doch eher durchwachsen gespielt hatte, fiel somit natürlich galant unter den Tisch. Wenn Sieger sprechen, dann war halt alles toll, und wenn nicht, dann war es unter Garantie jemand anderer Schuld.
Aber ich will mich nicht beklagen. Schließlich blieb mir im Vorfeld der Partie gegen Argentinien, in dem natürlich ausführlich das Nachspiel der Viertelfinal-Partie von 2006 angesprochen wurde, ein weiterer jammervoller Auftritt von Unschuldsfrings erspart. Dafür bin ich dankbar. Dem Ollitan blieb es vorbehalten, nach dem Spiel darüber zu räsonieren, wie man damals mit Notwehr-Torsten ganz bestimmt und unter allen Umständen und völlig zwingend auch das Finale erreicht hätte. Aber okay, das ist halt Olli, bei dem schalte ich kognitiv eh meistens ab, sobald er Sätze mit „Jaaaaaaaaaa...“ beginnt.

Am Abend wurde dann das Opfer für die deutsche Halbfinal-Begegnung ermittelt, und das konnte ja nur Spanien sein. Dachte jeder, so kam es auch, aber es war ein unerwartet hartes Stück Arbeit für den amtierenden Europameister. Paraguay rührte natürlich hinten Beton an, spielte aber zwischendurch immer mal frech nach vorne, damit hatte wohl niemand gerechnet. War der nicht gegebene Treffer von Dortmunds Nelson Valdez in der ersten Hälfte noch eine etwas zwittrige Angelegenheit – Cardozo vor ihm stand bei der Flanke im Abseits, ging auch zum Ball, berührte ihn vielleicht sogar noch mit dem Kopf, also da hätte ich auch nicht unbedingt passives Abseits gesehen –, so drehte der Schiri aus Guatemala im zweiten Abschnitt richtig auf. Erst Elfmeter für Paraguay, ganz klar berechtigt, als Cardozo nach einem Eckball von seinem Gegenspieler niedergerungen wurde. Der Gefoulte trat selbst und scheiterte an Keeper Casillas. Sollte es anschließend hämische Kommentare der Spanier in Richtung des Schützen gegeben haben, so wird dies ungefähr eine Sekunde nach der Ausführung geschehen sein, denn zum Zeitpunkt des Schusses standen vier (!) Spanier nur noch etwa einen Meter von Cardozo entfernt. Der Elfer hätte somit durchaus wiederholt werden können. Dass dem Schiri diese Regel bekannt ist, zeigte er dann zwei Minuten später: im Gegenzug nach dem gehaltenen Elfer wurde David Villa von seinem Gegenspieler im Strafraum umgestoßen, und auch diesen Strafstoß kann man geben. Xabi Alonso verwandelte, aber diesmal hatte der Schiri aufgepasst und ließ den Elfmeter wiederholen. Dadurch wurde es dann richtig dramatisch: Paraguays Keeper Villar parierte den Strafstoß, holte anschließend aber den Nachschützen von den Beinen, sodass es direkt wieder Elfmeter hätte geben müssen. Das traute sich der Schiri allerdings offenkundig nicht. So würgte sich Spanien weiter bis zur 83. Minute, in der David Villa dann ein echtes Billardtor erzielte, nach Pfostenschuss seines Kollegen Pedro setzte er den Abpraller ebenfalls zunächst gegen den rechten Pfosten, anschließend trudelte der Ball (auf der Torlinie, nicht dahinter!) gegen das linke Innengebälk und rollte erst dann endlich hinter die Linie zum erlösenden Siegtreffer. Der um ein Haar keiner gewesen wäre, denn zwei alte Bekannte hätten Paraguay fast noch in die Verlängerung gebracht: in der letzten Minute ein knackiger Schuss des eingewechselten Barios von Borussia Dortmund, Torwart Casillas kann die Kugel nur abklatschen und „Ich rocke“ Santa Cruz hat Abpraller nebst Verlängerung auf dem Schlappen. In seiner Zeit bei Bayern München hätte er den sicherlich reingemacht, auch wenn er sich damals wahrscheinlich beim Torschuss wieder mal verletzt hätte. Da er aber mittlerweile für Manchester City spielt, und auch die Gastspieler von der Insel bei diesem Turnier nicht gerade vom Glück verfolgt waren (man nehme nur Ballack, Drogba oder Essien als Beispiel), scheitert er im Nachsetzen an Casillas, der seiner Mannschaft damit Sieg und Halbfinale rettet.

Halbfinale

Im ersten Halbfinale trafen die Niederlande und Uruguay aufeinander. Seit jenem Abend fordere ich einen lückenlosen Stammbaumnachweis des Papstes. Ich wette nämlich, dass irgendwo in einer Nebenlinie ein wenig niederländisches Blut auftauchen wird. Da gewinnen die das Spiel mit 3:2 – und alle drei Tore fallen dergestalt, dass ein Fernschuss, ein Schuss innerhalb des Strafraums sowie ein Kopfball jeweils vom Innenpfosten ins Tor abprallen! Wenn das nicht ein schönes Beispiel für das Sprichwort „Den Papst in der Tasche haben“ ist, dann weiß ich’s auch nicht mehr. Drei schöne Tore, eins davon natürlich wieder Abseits, wie es Usus ist bei diesem Turnier (aber diesmal wirklich knapp, hätte ich auch nicht entscheiden wollen). Uruguay konnte durch ihren Stürmer Diego Forlán einmal zurückschlagen und zwischenzeitlich ausgleichen, was deren Trainer anscheinend dermaßen verblüffte, dass er Forlán kurz vor Ende des Spiels bei einem 1:3-Rückstand auswechselte, nicht dass dem noch solch ein Geniestreich gelänge. Es reichte dann auch nur noch zu einem Anschlusstreffer in der Nachspielzeit, die der Schiri anschließend völlig zurecht zur Nachnachspielzeit verlängerte, was noch einmal zu zwei lustigen Minuten mit plötzlich vogelwilden Niederländern führte. Oder wie ausgerechnet Mark van Bommel, der zur Not auch einen Tiger-Panzer weggrätschen würde, wenn der Trainer es wollte, nach dem Spiel formulierte: „Soviel Angst wie in den letzten zwei Minuten hab ich noch nie gehabt!“ Das Wort „Angst“ aus dem Munde dieses Knochenbrechers, man möchte es kaum glauben. Aber es ging alles gut, und die Niederlande standen zum dritten Mal in ihrer Geschichte im Finale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Völlig verdient, schließlich hatte man im Verlauf des Turniers bis dato alle sechs Spiele gewonnen, sich auch von gegnerischem Ausgleich (Kamerun, Uruguay) oder gar Rückstand (Brasilien) nicht aus der Ruhe bringen lassen. Aber eben diese „Ruhe“ war wohl das, was beim Betrachten ihrer Spiele ein wenig störte. Ihren begeisternden „Voetball total“ spielen sie schon lange nicht mehr, es sieht alles nach nüchterner, konzentrierter Arbeit aus. Eigentlich schade, aber der Erfolg gibt ihnen Recht: inklusive des Halbfinals waren die Niederlande in Länderspielen seit 21 Monaten unbesiegt! Natürlich ist es traurig, wenn es nicht so schön anzusehen ist, aber mit genau einem solchen Spiel, gnadenlos auf Effektivität und nicht auf Schönheit ausgelegt, heimst normalerweise Bayern München einen Meistertitel nach dem anderen ein, da sagt ja auch niemand was. Außerdem eine klassische Kopie unserer Spielweise in früheren Jahren, besonders in den 1980ern. Aber bei uns heißt das ja dann „Turniermannschaft“. Ah ja.

Und als es endlich soweit war, dass auch die deutsche Mannschaft wieder ran durfte, da war der Käse schon im Vorfeld gegessen. Wahrscheinlich passiert genau so etwas, wenn man zuviel Zeit zwischen den Spielen hat. In Presse und Event-Fan-Kreisen wurde die Mannschaft nach dem Argentinien-Spiel hochgejubelt, völlig zurecht. Anschließend wurde allerdings der nächste Gegner, wie bereits geschrieben, eher zum „Opfer“ als zum ernsthaften sportlichen Rivalen herabgewürdigt. Grundlage dafür waren die mäßigen Leistungen, die Spanien bis dato abgeliefert hatte. Wie sollten die gegen unsere Überflieger überhaupt eine Chance haben? Das Spiel war gewonnen, bevor es überhaupt gespielt worden war. Ein sehr schöner öffentlich-rechtlicher Zweizeiler als Beispiel zu genau dieser Arroganz folgt weiter unten.
Auch die Mannschaft hatte anscheinend zuviel Freizeit. Und während es in den Wochen zuvor so wunderbar ruhig und harmonisch geblieben war, gab es diesmal einige Dissonanzen. Ausgelöst durch die verfrühte Abreise des schönsten Ex-Kapitäns aller Zeiten, Michael Ballack. Der war mal kurz zum Team geflogen, um auch schön in den Medien präsent zu sein, hatte eigentlich angekündigt, bis zum Turnierende bleiben zu wollen und war dann doch vorzeitig Richtung Heimat gedüst. Dies reichte den Medien, um über ein Zerwürfnis zwischen Ballack und der Mannschaft zu spekulieren. Kindergartenkram, frisch auf den Schlagzeilen-Tisch. Anschließend noch schnell die Aussage von Philipp Lahm genommen, wonach der Bundestrainer nach WM und Genesung Ballacks über die Vergabe der Kapitänsbinde neu zu entscheiden habe, Selbiges schön hochgejazzt zum „Machtkampf“ und dazu, dass Lahm die Binde nicht mehr freiwillig würde hergeben wollen – und schon war die Unruhe da, die die Medien brauchten, denn Ruhe und Harmonie sind Gift für Schlagzeilen und Quoten. Da wollte der zweite Schöngeföhnte des Teams, Olli Bierhoff, auch nicht zu kurz kommen. Nicht dass man ihn wegen all dieser Jungspunde, die plötzlich Fußball spielen konnten, nicht mehr beachten würde! Und so stand er seinem l’Oréal-Bruder im Geiste bei, indem er Lahm rüffelte, für eine öffentliche Diskussion um das Kapitänsamt sei der Zeitpunkt herzlich ungeeignet. Das Verblüffende daran: er hatte Recht. Warum allerdings der Zeitpunkt für einen öffentlichen Rüffel des Kapitän gerade so geeignet war, also warum dies nicht im stillen Kämmerlein erfolgen konnte, das ist mir eigentlich bis heute nicht so richtig klar. Wahrscheinlich sollte es wirklich nur der Arbeitsnachweis des Managers für die staunende Öffentlichkeit sein. Völlig daneben.

Und dann brach uns Paul das Genick. Zwei Tage vor dem Spiel verkündete er nämlich bereits die deutsche Niederlage. Nein, nicht Paul Breitner, der zwar schon vor Monaten gesagt hatte, seiner Einschätzung nach werde Spanien Weltmeister, was nunmehr natürlich unausweichlich bedeutete, dass er auf eine deutsche Niederlage tippte; nein, bei Paul handelt es sich um einen Kraken aus dem Sommerloch bzw. aus dem SeaLife in Oberhausen. Schon bei der EM 2008 ließ man ihn mediengerecht die deutschen Spiele tippen, indem ihm zwei identische Boxen mit Muschelfleisch ins Becken gestellt wurden, nur zu unterscheiden durch die deutsche Flagge auf der einen sowie die Flagge des jeweiligen Gegners auf der anderen Box. Und dann schaute man, über welche Box sich der sympathische Wirbellose zuerst her machte. Bei der EM war ihm das Kunststück gelungen, alle Spiele der deutschen Mannschaft auf diese Weise richtig zu tippen, inklusive der damaligen Vorrunden-Niederlage gegen Kroatien. Einzige Ausnahme: für das Finale hatte er einen Sieg der Löw-Elf vorausgesagt („vorausgegessen“ passt vielleicht besser), bekanntlich verloren wir 0:1 gegen Spanien. Auch bei der WM war Paul groß in Form. Seine Voraussagen waren stets genau, auch die Niederlage gegen Serbien hatte er auf seinem (Speise-)Zettel. Und dann machte das Vieh doch tatsächlich nicht das, was es sollte: vor den Augen der Weltpresse öffnete er die Box der Iberer, um sich das spanische Muschelfleisch einzuverleiben! Klar, die verstehen eh mehr von Paella. Damit war die Sache eigentlich schon entschieden. Man tröstete sich, dass dieser rückgratlose Wahrsager ja auch schon vor zwei Jahren die letzte Partie gegen Spanien falsch getippt hatte und stellte eine baldige Weiterverwendung des maritimen Sehers in Form von calamari fritti in Aussicht. Armer Paul. Was man Paul Breitner in Aussicht stellte, ist mir leider nicht bekannt.

Und nun wollen wir es kurz machen, denn ich denke, das Spiel hat wirklich jeder gesehen, ob er nun etwas von Fußball versteht oder nicht. Deutschland verlor 0:1. Wie im Finale 2008. Man war, grob gesagt, chancenlos, und hätte sich über eine höhere Niederlage nicht beschweren dürfen. Wie im Finale 2008. Es bleibt daher ein großes Rätsel, warum die Partie überhaupt angepfiffen wurde, wir wussten doch alles schon vorher. Die Spanier mit überragendem Pass- und Laufspiel, ließen die Deutschen gar nicht erst an den Ball kommen. Siehste, Maradona, so wird das gemacht. Eigentlich unglaublich, dass es 73 Minuten bis zum Tor des Tages dauerte, und dass es aus einer Standard-Situation heraus entstand, als Wolfgang Petry – anscheinend lang genug durch die Bars auf Mallorca getingelt, sodass es endlich für den spanischen Pass gereicht hatte – einen Eckball per Kopf zu Sieg und Finale in die Maschen wuchtete. Naja, vielleicht war es auch Puyol, der „Königspudel aus Barcelona“ (Bela Rethy), wer kann das bei solchen Frisuren schon so genau sagen. Deutschland hatte im gesamten Spiel eigentlich nur zwei gute Chancen, einen Fernschuss von Trochowski, der den gesperrten Müller ersetzte, sowie einen Abschluss nach feiner Kombination durch Toni Kroos, der für Trochowski eingewechselt worden war. Das „etablierte“ Personal bekam somit fast nichts auf die Reihe, Podolski, Khedira, Özil, alles Ausfälle, Klose bekam vorne über 90 Minuten gefühlt drei Bälle zugespielt. Wenn sie mal eine Idee hatten, waren direkt drei Spanier am Mann, um die Situation zu klären. Ich habe mehrfach nachgezählt, die hatten wirklich nur zehn Feldspieler und einen Torwart auf dem Platz, auch wenn dies zwischenzeitlich kaum zu glauben war. Und dann leistete sich Jogi Low neun Minuten vor Schluss noch den bitteren Scherz, Mario Gomez einzuwechseln. Der brillierte mit seinem ersten Auftritt, indem er eine Flanke von Jansen in den Strafraum beinahe zu Selbigem zurück geköpft hätte, die Richtung stimmte auf jeden Fall. Auch sein letzter Auftritt in der Nachspielzeit war sehenswert, anstatt dem drei Meter entfernten Klose den Ball am Strafraum in den Lauf zu spielen, wähnte er ihn wohl zehn Meter weiter vor und spielte daher den langen Ball in die Arme von Keeper Casillas. Unfassbar. Und ein schöner Beweis dafür, dass auch ein Jogi Löw nicht unbegrenzt an seinen Lieblingen festhalten kann. Bei Klose hatte es funktioniert, bei Podolski in großen Teilen auch, aber bei Gomez muss sich Löw fragen lassen, was er sich bei dieser Einwechslung wohl gedacht hat, zumal mit Cacau und Kießling noch zwei weitere Stürmer auf der Bank saßen. Vielleicht hat der Jogi mit dieser Einwechslung ja innerlich gekündigt. Die nächsten Wochen werden es zeigen.

Kleines und Großes Finale

Und so trat die deutsche Mannschaft erneut in dem Spiel an, für das sich niemand interessiert, was dann allerdings meistens dazu führt, dass es sehr unterhaltsam wird. Das diesjährige Spiel um Platz 3 war keine Ausnahme, nach einem munteren Hin und Her gewann Deutschland gegen Uruguay mit 3:2 und holte erneut die Bronzemedaille? Und ist das etwas nichts? Natürlich das nichts für unsere erfolgs-gestylten Medien, und für einen Großteil der Hunderttausenden Partymeilen-Besucher ist das auch nichts. Drittbester der Welt, Zweitbester in Europa, pah! Da sind wir aber anderes gewohnt! Allerdings nur, wenn man etwas länger zurück denken kann. Bis zu den Europameistern von 1972, die dann 1974 auch Weltmeister wurden nämlich. War ja quasi grad gestern. Ich persönlich finde zwei dritte Plätze bei WMs und einen zweiten Platz bei einer EM, das alles binnen vier Jahren, gar nicht so übel, hoffe aber auch, dass da in den folgenden Jahren noch Luft nach oben ist, ohne gleichzeitig jetzt enttäuscht zu sein. Und es war wieder schön zu sehen, wie sich die deutschen Kicker im Kleinen Finale nach 1:2-Rückstand aufrafften und noch den 3:2-Sieg herausköpften. Erst Marcell Jansen nach – endlich mal wieder – krassem Torwartfehler, dann Sami Khedira mit Kopf und Übersicht nach Kuddelmuddel im Strafraum. Es freut mich, weil es zeigt, dass die Mannschaft das Spiel genauso Ernst nahm wie wir diesen Sieg Ernst nehmen sollten. Das hat sich die Mannschaft auch redlich verdient.

Apropos verdient: das WM-Finale mit den meisten Platzverweisen, welches mir jetzt ad hoc einfällt, war jenes unsere Mannschaft im Jahr 1990 gegen Argentinien, als in den Schlussminuten noch zwei Gauchos des Feldes verwiesen wurden. Das Finale 2010 hätte es verdient gehabt, in dieser Beziehung auch an die Spitze zu kommen. Aber Schiri Webb traute sich offenkundig nicht, den rustikalen Einsatz, überwiegend der Holländer, aber auch die Spanier langten hier und da tüchtig zu, entsprechend zu würdigen. So durfte zum Beispiel Nigel de Jong bis zu seiner Auswechslung unbeschadet weiter spielen, nur mit Gelb versehen, obwohl er Mitte der ersten Halbzeit schon demonstriert hatte, dass er auf Ärgste die Sportarten verwechselte, als er seinen Gegenspieler mit einem Kung-Fu-Tritt niederstreckte. Bei van Bommel bin ich ja nicht nur in der Bundesliga der Ansicht, der sollte eigentlich schon beim Auflaufen prophylaktisch Gelb bekommen, ansonsten lernt der das Fußballspielen nie mehr, aber auch Puyol und Sergio Ramos putzten, sägten und klammerten, dass es eine helle Freude war, allerdings nur, wenn man auf ständige Unterbrechungen steht, weil einem das Spiel eh viel zu schnell ist. Ansonsten gab es in diesem Finale nicht viel zu sehen, zwei Riesenchancen für Robben, bei Bayern unter Louis van Gaal hätte er Strafrunden bis zum Erbrechen drehen müssen, wenn er die dort versiebt hätte, da bin ich sicher. Auf der Gegenseite zwei ebenfalls dicke Dinge, als Sergio Ramos per Kopf und David Villa per Fuß freistehend vergaben. Ansonsten gab es fast nur Fouls und Freistöße sowie immerhin einen neuen Final-Rekord für das Ziehen Gelber Karten, nämlich deren zwölf bzw. wenn man Gelb/Rot in der Verlängerung für Heitinga noch mitzählt, dann sogar dreizehn. Ich bin sicher, wenn der Schiri des Deutschland-Spiels gegen Serbien gepfiffen hätte, dann hätten die restlichen acht Spieler (also insgesamt, nicht pro Mannschaft!) in der Pause auch gleich in der Kabine bleiben können. So aber war bei diesem Spielverlauf ziemlich klar, dass es in die Verlängerung ging. Dort erlöste das Iniesta die Spanier in der 117. Minute mit dem Siegtreffer. Es war ein reguläres, schön herausgespieltes Tor, nicht die Spur von Abseits, keine Chance auch für den Torwart, und the Godfather of Soccer, Bela Rethy, hatte auch völlig Recht mit seiner Behauptung, dass der beste Spieler auf dem Platz den Treffer erzielte. Dennoch war das Tor auf eine Art irregulär: der beste Spieler auf dem Platz hätte zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr auf Selbigem stehen dürfen. Genau wie de Jong zuvor hätte nämlich auch Iniesta während der regulären Spielzeit Rot sehen musste, als er sich in der 79. Minute mit einer Tätlichkeit an van Bommel versuchte, während der Ball 30 Meter weit entfernt war. Dass dies von den Schiedsrichter-Assistenten unbemerkt blieb, ist schon ein starkes Stück. Umso stärker ist es, wenn ausgerechnet derjenige dann noch das alles entscheidende Tor macht. Ich zumindest hätte mir gewünscht, dass es jemand anderes gewesen wäre.
Aber natürlich wird dies nicht weiter thematisiert werden. Schließlich bin ich ja in Deutschland. Und hier ist nun mal die vorherrschende Meinung, dass im Fußball gegen Holland und Italien alles erlaubt ist, weil die so bäh sind. Ist dasselbe wie damals bei Zidane. Ich wette, der bekommt heute noch Beileidsbriefe, in denen vom großen Verständnis für seinen damaligen Ausraster geschrieben wird. Weil der böse Italiener ihn ja ganz pfuipfuipfui beleidigt hatte. Wie gesagt, wenn es gegen Holland oder Italien geht, ist das alles kein Problem, weshalb auch niemand ein Problem mit dem entscheidenden Tor haben wird. Viel wichtiger ist ja schließlich, dass sich die Käsköppe jetzt nicht vier Jahre lang über uns lustig machen können.
Und außerdem muss man natürlich sagen, egal, wer das Tor schießt, der Sieg und der WM-Titel für Spanien sind verdient, daran gibt es nichts zu rütteln. Aber wenn man sich den Weg der Spanier durch das Turnier beguckt und sich dann noch die letzten drei Treffer dieser WM vor Augen führt, also die Tore von Jansen, Khedira und schließlich Iniesta, dann sieht man den großen Zusammenhang: die drei Treffer standen symbolisch hervorragend für diese WM: ein Torwartfehler, ein Kuddelmuddel und (in weitem Sinne natürlich) ein irreguläres Tor. Dazu wird die Mannschaft Weltmeister, die in den K.O.-Spielen viermal 1:0 gewinnt.
Jede WM bekommt die Highlights, die sie verdient.

Fernsehen macht Spaß!

Die Berichterstattung zur Fußball-WM war natürlich wieder vom Allerfeinsten. Wochenlang konnte ich mich nicht entscheiden, wen ich gruseliger und überflüssiger fand – Beckmann und Simon von der ARD, Katrin Müller-Hohenstein vom ZDF oder Günther Jauch bei RTL, der noch nicht mal einen Telefonjoker ausspielen wollte. Steffen Simon, die Fußball-Ikone im Ersten, gefiel mir besonders beim Spiel Deutschland-England richtig gut, als er zunächst Klose beim 1:0 im Abseits wähnte (nach einem Abstoß!), um sich dann von einem Hiwi, der ihm wahrscheinlich einen Zettel reinreichte („Nach Abstößen gibt es kein Abseits, Du Doof!“), korrigieren zu lassen. Anschließend kreischte Simon beim nicht gegebenen Tor der Engländer zunächst hysterisch „Kein Tor, kein Tor, keine Wiederholung von Wembley!“, um sich dann von einem Hiwi, der ihm wahrscheinlich den zweiten Zettel reinreichte („Stimmt, war kein Wembley – so weit wie der Ball hinter der Linie war!“), korrigieren zu lassen. Dazu noch seine überdrehte, ziemlich laute Art der Kommentierung – also bei dem kann man in allen Belangen nur froh sein, dass er nicht Schiedsrichter geworden ist. Kommentator hätte es allerdings auch nicht unbedingt sein müssen. Muss das schön sein, wenn man ARD-Sportchef ist und deshalb sich selbst trotz erwiesener Nichtahnung für die Rosinenspiele nominieren kann. Das ist das Erbe des Großen Heribert, der ja ähnlich mit sich und den gebeutelten Fernsehzuschauern verfuhr.

Zu einem wie Beckmann fällt mir eh schon lange nichts mehr ein. Schön anzusehen war allerdings, wie ihn sein Co-Moderator Mehmet Scholl offenkundig in einigen Dingen ebenfalls nicht Ernst nahm. Der Scholli hingegen konnte als Experte durchaus gefallen, zumal er sich auch trotz der penetranten Moderation eines Beckmann nicht zu den reißerischen Sprüchen verleiten ließ, die dieser wohl gerne gehört hätte. Netzer und Delling waren mal wieder ganz unterhaltsam, für mich jetzt schon legendär, wie oft Netzer seinen Kompagnon rund machte, weil dieser es in der Nachschau der Spiele nie schaffte, eine Szene zum von Netzer bestimmten Zeitpunkt auch anzuhalten. Technik, die begeistert, besonders, wenn man nicht damit umgehen kann.

Bei RTL war natürlich wieder Kasperle-Theater angesagt. Die könnten ja noch nicht mal Wettangeln vernünftig übertragen. Also stellte man Günther Jauch und Kloppo Klopp auf eine Bühne in irgendeiner deutschen Stadt, packte ein paar Hundert Freiwillige davor, die wahrscheinlich mit Freibier abgefüllt wurden, damit sie wahlweise jubelten, tröteten oder klatschten, und zelebrierte die ganz große Möchtegern-Show. Und das zu Spielen wie Schweiz gegen Honduras, meine Herren. Deren Kommentatoren bewiesen anschließend eindrucksvoll, dass sie vom Fußball nur sehr wenig verstanden. Als Co-Kommentator hatte man Jürgen Klinsmann am Start. Normalerweise hätte ich da nur „O Gott!“ gesagt, aber ich muss doch eine kleine Lanze für den Klinsi brechen. Dem verschlug es angesichts der Äußerungen seiner Mitstreiter („Mal sehen, ob der eingewechselte Spieler auch kampfesmutig ist.“) anscheinend dermaßen die Sprache, dass er wohltuend oft die Klappe hielt und meist nur sprach, wenn er namentlich dazu aufgefordert wurde. Na also, so geht’s doch auch.

Was gar nicht ging, war das ZDF-Gespann Katrin Müller-Hohenstein und Olli Kahn. Wie schon geschrieben, vom Olli erwarte ich weder rhetorische noch analytische Glanzleistungen. Dass der allerdings von Frau Müller-Gedöhns noch unterboten wurde, war eine der eher bitteren Erkenntnisse dieser WM. Und damit meine ich nicht den „inneren Reichsparteitag“, den sie Miroslav Klose nach dem ersten WM-Spiel zugestand, das ist halt so eine Floskel, die kann schon mal rausrutschen, ohne dass es den entsprechenden Hintergrund hat. Zumal bei dieser Dame von irgendeinem Hintergrund nun wirklich keine Rede sein kann. Völlig sinnfrei plauderte die über Sachen, von denen sie erkennbar keine Ahnung hatte, musste bei diversen Anmoderationen vom Blatt ablesen, weil sie wieder mal nicht wusste, worum es ging, und war hauptberuflich eigentlich damit beschäftigt, diverse andere Mannschaften in die Pfanne zu hauen, besonders die Niederländer hatten es ihr in diesem Punkt angetan. Ausgestattet mit der Arroganz des Unwissenden ging sie auch bei Uruguay in die Vollen. Da entblödete sich das ZDF nicht, vor dem Halbfinale gegen die Niederlande einen kurzen Beitrag zu zeigen, in dem tatsächlich die Unmoral des Handspiels von Torjäger Suarez auf der Torlinie in der Partie gegen Ghana thematisiert wurde. Mein Gott, Deutsche und Fair play, das geht doch immer in die Hose. Wäre das nicht Suarez gewesen, sondern Friedrich oder Mertesacker, mit demselben Ergebnis, wir hätten den Mann doch geadelt, und Frau Müller-Gedöhns hätte anschließend etwas vom „Kampf mit allen Mitteln bis zur letzten Sekunde“ gefaselt. Da es sich allerdings doch nur um solches Kroppzeuch wie Uruguay handelte, ließ ihr dies natürlich keine Ruhe, sodass sie nach dem Beitrag beim Ollitan nachhaken musste: „Ist nur ein Spiel Sperre für diese Rote Karte gerecht?“ Dass das genau so in den Regeln steht, übrigens auch für die Bundesliga, egal, wen interessiert das schon, wenn diese Vögel ein möglicher Finalgegner von uns sein könnten? Jawohl, Finalgegner, denn zum Halbfinale traten wir ja eigentlich nur an, damit uns die Zeit bis zum Finale nicht so lang vorkam, nicht wahr, Frau Müller-Hohenstein? „In weniger als 24 Stunden steht auch die deutsche Mannschaft im Finale. Vorher muss natürlich noch die Partie gegen Spanien gespielt werden.“ Brilliante Analyse, und kein Stück arrogant. Zumindest im Fall Suarez hatte aber selbst Olli Kahn, der in den vier Wochen zugegebenermaßen schwer zu erschüttern war, die Faxen dicke und würgte die Diskussion mit Verweis auf das Regelwerk ab. Ansonsten fiel mir der Olli nicht weiter auf, zumindest nicht überraschend. Außer dass ich ihn zunächst dafür bewunderte, dass er diesen „Fan-Reporter“ nicht ansatzlos umhaute, der sich alle Nase lang neben ihm platzierte, ihn frech duzte und dann völlig belanglose Meinungsbilder deutscher Fans zum Besten gab, die über ein so genanntes „Fanorakel“ online dargestellt wurden. Mittlerweile weiß ich natürlich, warum der Olli ruhig blieb, der angebliche Fan-Reporter war eben nicht, wie vom ZDF vor dem Turnier suggeriert, ein normaler, zufällig ausgewählter Fan, sondern Sportmoderator beim Radiosender rs2 (Berlin-Brandenburg) von Beruf. Da muss der Olli natürlich freundlich sein, damit noch ein wenig Werbung für ihn dabei rausspringt. Schließlich wird diese „Fanorakel“-Seite von Kahn und seinem Management betrieben. Das war mir dann auch nur noch einen kleinen Schmunzler wert. Ebenso wie das doch leicht debile mehrfache Kichern der Frau Müller-Hassenichgesehen während der Finalsendung sowie die Tatsache, dass sie uns im Vorfeld des Spiels die Niederlande und nicht Spanien als amtierenden Europameister verkaufen wollte. So was ist halt Routine bei ihr.

Aber sie waren schon ein tolles Trio – Kahn, Frau Müller-Gedöhns, und derjenige, den sie unzweifelhaft neben sich stehen hatte.

Und nicht, dass einer meint, ich wäre sexistisch veranlagt: so ziemlich dieselbe Litanei hätte ich ebenfalls über Rudi Cerne erzählen können, bei dem auch niemand so genau weiß, wie der bei erkennbarer Unlust und/oder Nichtinformation seit 15 Jahren das Sport-Studio moderieren darf, und der diese Auftritte bei der WM ebenfalls locker unterbieten konnte. In seiner Moderation sind regelmäßig so viele Fehler, Stolperer und Versprecher dabei, wenn man da nicht mit einem Klemmbrett daneben sitzt, hat man keine Chance. Als kleines Schmankerl nur sein letzte Schelmenstück, als er im Vorbericht zum Finale bei der Anmoderation eines Beitrags über die französische Nationalmannschaft deren neuen Trainer Laurent Blanc locker zu Herrn „Le Blanc“ mutieren ließ. Das Unterhaltsame an solchen Kleinigkeiten: der korrigiert sich auch nie, weil er selbst solche Sachen gar nicht bemerkt. Weil er sie auch nicht weiß. Zu seinem Glück wissen es wahrscheinlich Dreiviertel der Fußball-Fernsehzuschauer ebenfalls nicht, und schon ergibt sich eine gesicherte Karriere beim ZDF, die dann wirklich nur noch aus dem Ablesen von Kärtchen besteht, was noch nicht einmal unfallfrei geschehen muss, wie er immer wieder auf Neue beweist.

Abschließend aber noch ein dickes Dankeschön von mir: vielen Dank für deine gerade noch rechtzeitige Demission zu SAT.1, Johannes B. Kerner! Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die das Leben ein wenig erträglicher machen können.

Apropos erträglich: na, auch froh, keine Vuvuzelas mehr hören zu müssen? Was gingen mir die auf den Nerv, sowohl am Fernseher als auch bei mir zuhause auf den Straßen. Viel mehr auf den Zeiger gingen mir allerdings diejenigen Kolonialkrieger im Geiste, die ernsthaft forderten, die Teile sollten in den Stadien verboten werden, weil ansonsten keine Emotionen übers Fernsehen rüberkommen würden. Da sitzt der Europäer schön fett vor seinem Fernsehgerät und lässt mal eben den Afrikaner springen, um die Stimmung so zu gestalten, wie er es gerne hätte, 10.000 km vom Ort des Geschehens entfernt. Dass er einfach den Ton abdrehte oder gleich ganz wegschaltete, wenn ihm das Getröte dermaßen auf den Sender ging, das kam natürlich nicht in Betracht. Man hat ja schließlich dafür bezahlt! Hm, nein, hat man auch nicht, also zumindest nix extra (auch wenn dagegen wiederum die GEZ bestimmt nichts hätte)...egal, der Europäer, der weiß, was für eine gute Stimmung zu tun ist, und dazu gehören eben keine Vuvuzelas. Der Buschmann vor Ort hatte da wohl weniger Ahnung. Was für Leute sich darüber in den letzten Wochen echauffierten, ist unfassbar. Da waren genug von der Sorte dabei, die sich ansonsten gerne „Gegen den modernen Fußball“ engagieren, aber hier patzig wurden, weil im Fernsehen nicht der ihnen genehme Ton zu hören war. Niedlich. Auch schön zum Beispiel die Forderung der Zeitung mit den vier großen Buchstaben, endlich mal das Getröte einzustellen; dasselbe Verlagshaus hatte noch unmittelbar vor Turnierbeginn Hunderttausende dieser Tröten mit der Sport-Zeitschrift der vier großen Buchstaben verteilt. Mein persönliches Highlight beleidigten deutschen Spießertums war allerdings das Verbot der Vuvuzelas in einzelnen Städten beim Public Viewing. Ganz vorn dabei, noch vor Turnierbeginn: Köln. Also diejenige Stadt, die seit Jahren für ihre Weltöffentlichkeit und Toleranz wirbt, dafür dass man sich dort treffen und eigentlich ganzjährig Karneval feiern könne, ungeachtet der Herkunft und Kultur des Einzelnen – ausgerechnet die entlarvten sich als deutsche Spießbürger par excellence, indem sie der Meinung waren, man müsse die Mitbürger vor Vuvuzelas schützen (und nicht beispielsweise vor fehlerhaften U-Bahn-Bauten, nebenbei gesagt...). Aber ich bin sicher: hätte sich eine Abordnung begeisterter Vuvuzela-Bläser mal zum Rathaus begeben, und fehlerfrei die ersten Takte von „Viva Colonia“ getrötet, dann wäre es erlaubt worden. Was für eine Posse!
Die Vuvuzelas haben mich richtig genervt, und ich hoffe, dass der erste als Fan getarnte Tourist, der mit solch einem Ding in der Esprit-Arena herumfuchtelt, mitsamt seines Blasinstruments binnen fünf Minuten nur noch eine verschwommene Erinnerung ist. Aber zu sehen, wie auch Ultras plötzlich zu motzenden Fernsehzuschauern werden, die sagen, sie würden vor lauter Getröte die fantastische Stimmung der übrigen Zuschauer im Stadion nicht verstehen, die zum großen Teil eh nur aus WM-Touristen bestanden...also dafür hat es sich schon gelohnt. Darauf ein kräftiges „Reclaim the Game!“ – Törööö!

Abgesang

Was bleibt von der WM? Die deutsche Mannschaft hat überzeugt, auch wenn es wieder nicht für den ganz großen Wurf langte. Was ansonsten qualitativ auf dem grünen Rasen geboten wurde, war schon teilweise erschreckend und unterschied sich somit nicht sonderlich von der WM 2006. Aber darüber dürfen wir uns natürlich nicht beschweren. Schließlich wollen wir es ja so. Denn nur weil wir immer so fleißig Fernsehen gucken, kommt die FIFA ja überhaupt auf die Idee, die WM mit 32 Teilnehmer austragen zu lassen. Wenn’s kein gutes Geschäft wäre, würden sie auch nicht machen. Also, wenn man sich schon über diverse Ballmisshandlungen aufregt, besonders in der Vorrunde, dann sollte man dies möglichst mit der Fernbedienung tun. Anderenfalls nutzt es nämlich nichts. Und im Grunde unseres Herzens wollen wir das doch auch, und dann kann man sich auch nicht beschweren, dass da die ein oder andere Krampentruppe am Start ist. Das hat ja schließlich mittlerweile auch die UEFA erkannt, weshalb es nach der EM 2012 auch endlich 24 Teilnehmer bei Europameisterschaften geben wird, nur 16 wären uns auf Dauer sicherlich zu langweilig. Dann hat auch endlich mal Zypern eine Chance auf die EM, wenn man in eine Gruppe mit Kasachstan, Armenien, Aserbaidschan, Malta, die Färöer und England kommt.

Die Fan-Meilen waren wieder voll, und es gab überall Party mit Fußball nebenbei. Wobei, wenn jemand in den vier Wochen nur die Spiele im ZDF geguckt hat, dann weiß derjenige, dass es nur eine Fan-Meile in ganz Deutschland gab, nämlich die in Berlin. Von einer anderen wurde partout nicht berichtet, für das ZDF gab es nur die supidupigrößte-Fanmeile-aller-Zeiten-in-der-wichtigsten-Stadt aller-Zeiten, und der Rest, das waren wohl eher diverse Stammtisch-Zusammenkünfte. Aber Berlin reichte ja auch schon, um zu demonstrieren, welches Personal auch diesmal wieder am Start war. Unvergessen für mich, wie ein Besucher nach dem ersten Spiel gegen Australien nach seinen Eindrücken befragt wurde und begeistert ausrief: „Tolle Spiel der Mannschaft, alles super! Alle Chancen, die sie hatten, auch reingemacht, und völlig verdient gewonnen!“ Da wusste ich, dass der das Spiel nur nebenbei gesehen haben konnte. Denn wenn man der deutschen Mannschaft nach dem 4:0 gegen Australien auch nur einen kleinen Vorwurf machen konnte, dann war es der, zahlreiche weitere Chancen ausgelassen zu haben. Aber wen interessiert das schon im Siegesrausch? Auch nett, wie diverse Leute im kompletten Deutschland-Outfit nach dem Spiel gegen Spanien in die Kamera zu Protokoll gaben, für sie sei die WM jetzt gelaufen, schließlich zähle nur der WM-Titel. Ich hab ja gar nix dagegen, dass die auf den Fan-Meilen ihre Riesen-Partys abziehen. Das war auch diese Mal der Fall, Stimmung und Wetter waren überwiegend gut, also alles so wie es sein soll, eine schöne Sache. „Fußball-Fans“ würde ich die meisten dieser Leute allerdings trotzdem nicht nennen. Dafür bin ich zu spießig.
Immerhin wurde mir die diesjährige Fahnenschwenkerei nicht wieder als „positiver Patriotismus“ verkauft. Da ist man offenkundig sowohl in der Politik als auch in der Soziologie schlauer geworden.

Nur eines dürfte unbestritten sein. Wenn es mit der Vertragsverlängerung von Löw jetzt doch das ein oder andere Problemchen geben sollte und sich doch noch alles in blauen Dunst auflöst, dann kann die Devise nur lauten: Paul for Bundestrainer! Der Typ hat neun Gehirne und weiß fast immer vorher, wie es ausgeht – soviel Fach- und Sachverstand darf sich der DFB nicht entgehen lassen!
Außerdem hatten wir den anderen Paul ja auch schon mal einen halben Tag lang als Bundestrainer. Und schlimmer als Paul Breitner wäre auch das wendige Tentakel-Männchen sicherlich nicht.
Ganz so unernst ist dieser Vorschlag gar nicht gemeint. Denn das fußballkundige Weichtier kommt nun mal aus dem Sommerloch. Und was sind WM und EM anderes als eine manchmal unterhaltsame Art, ein Sommerloch bis zur nächsten Saison zu stopfen?

In diesem Sinne wünsche ich noch eine schöne Sommerpause. Am 15.08.2010 ab 14.30 Uhr spielt Fortuna im DFB-Pokal bei der TuS Koblenz, eine Woche später geht es in der 2. Liga bei Pelé Wollitz-Lausitz in Cottbus los. Eine WM ist ja ein ganz netter Zeitvertreib – aber ab jetzt werden wieder die Tage bis zum Anpfiff gezählt. Zum Anpfiff der wirklich wichtigen Dinge im Leben.

So long, sagt: janus.