von Janus: 18. - 19. Spieltag und DFB Pokal

 

Ich hab sie alle gehabt

Es sind noch Karten da…

Der Friedhelm, der Edgar & der Olli – ist das noch Fußball?

Alles hat ein Ende

Die verdiente Niederlage gegen die Zweite Mannschaft des übermenschlich kämpfenden Gegners. Oder so ähnlich.

Lange Abfahrt ins Aus

Hergeschaut! Zum letzten Mal im Jahr 2011 widme ich dem besten Verein der Welt, Fortuna Düsseldorf, ein paar Zeilen. Aufgrund des dicht gepackten Programms war ja nach dem Gewinn der Herbstmeisterschaft am 05.12.2011 in Duisburg nicht Winterpause, sondern es kamen noch drei Spiele, die es alle richtig in sich hatten. Und die diese Voreinschätzung auch nahtlos erfüllten. Darum nicht lang rumgelabert, ihr wollt ja vor Neujahr mit dieser Zusammenfassung durch sein!

In der Liga blieben wir nach der Herbstmeisterschaft direkt im Ruhrpott, wechselten nur die Autobahn. Am 10.12.2011 ging es zum Rückrundenauftakt nach Bochum. Ganz harte Nuss. Der VfL hatte den Saisonstart komplett verpennt, was mich bei dem damaligen Trainer allerdings auch nicht sonderlich wunderte. Mittlerweile hat man sich von den Abstiegsrängen entfernt und so um Platz 10 herum eingependelt. Das ist immer noch ein schlechter Witz, wenn man sich diese Truppe mal näher anschaut, die ist erstligatauglich. Sie zeigt es nur zu selten. Leider war einer dieser Nachweise vor unserem Spiel gerade mal sechs Tage her, da hatte man nämlich im letzten Hinrundenspiel den FC Erzgebirge Aue mit 6:0 weggefidelt. Bochum war also warm gespielt und natürlich auch heiß darauf, die erste Mannschaft zu sein, die uns in dieser Saison eine Niederlage zufügt. Und die entsprechende Qualität hierfür war durchaus vorhanden. Man durfte also von einem netten Tänzchen ausgehen.
Das wurde es dann auch. Aber erst nachher.

Ich hab sie alle gehabt

Und zwar nach der Anfahrt. Die gestaltete sich diesmal recht abwechslungsreich. Ich war zunächst von Bonn nach Aachen gedüst, um die Kollegin dort einzusacken, hatte also bereits die A 565, A 555 und A 4 auf der Uhr. Dann wurde es allerdings richtig lustig, aufgrund diverser nicht so toller Verkehrslagen kam wurde uns folgende Wegstrecke kredenzt: A 4, A 61, A 57, A 44, A 52, A 40. Oder umgekehrt, vielleicht hab ich auch was vergessen, ich verlor irgendwann den Überblick, von welcher Autobahn ich grad ab- und auf welche ich wieder auffuhr. Dabei war es doch nur Bochum, das ist eigentlich keine Weltreise und auch kein Hexenwerk. An jenem Samstag Vormittag allerdings führte diese entspannte kleine Tour dazu, dass ich in punkto Autobahnen wirklich sagen konnte: ich hab sie alle gehabt!
Leider kreuzte dann ausgerechnet auf die Zielautobahn A 40 kurz vor der Ausfahrt zum Stadion noch eine Baustelle unseren Weg, mit 6 Kilometern Stau. Dies wollten wir uns nach absolviertem Autobahn-Hopping allerdings nicht bieten lassen. Somit verließen wir die Bahn in Essen-Kray und schlugen uns durch. Und zwar unter anderem quer durch Wattenscheid, immer noch so anzusehen wie in den 1980er oder 1990er Jahren, als wir des Öfteren mal dort vorbeischauten, um uns eine Packung abzuholen. Im Wattenscheider Zentrum scheint die Zeit echt stehen geblieben zu sein, einige Gebäude sahen derart rußgeschwärzt aus, als würde nebenan noch immer eine Zeche Gewinn abwerfen. Anschließend wieder auf die A 40 zurück, dann die Abfahrt Bochum-Stadion runter, schön links einsortiert für das Starlight Express-Parkhaus – aber was war das? Als wir schwungvoll ins Parkhaus einfahren wollten, kamen uns erst einmal reichlich Autos entgegen, die das Parkhaus fluchtartig verließen. Des Rätsels Lösung: ausgerechnet an jenem Tag hatte Opel eine Belegschaftsversammlung einberufen, und zwar im benachbarten Ruhrkongress-Zentrum. Diese Versammlung war dann wohl um Punkt 12 beendet, weshalb die Opelaner das Weite samt unterbrochenem Wochenende suchten. Und das pünktlich zu der Zeit, als so langsam der Verkehr der anreisenden Fußball-Fans zunahm. Sauber gemacht, diese Organisation. Dies führte zwar zu einigen Verwirrungen und kurzfristigen Verkehrsstockungen, aber auch dies gab sich. Und nach knapp zwei Stunden Fahrt von Aachen aus konnten wir erleichtert sagen: Angekommen!

Es sind noch Karten da…

Was mir zunächst auffiel: der heimische VfL hat in einem Punkt die Globalisierung schon verinnerlicht. So etwas Simples wie „Ordner“ gibt es dort nicht mehr. Stattdessen erblickte ich Jacken unterschiedlicher Farbgebung, auf deren Rückseite die Funktion der jeweiligen Damen und Herren dem internationalen Standard angepasst worden ist. Ich sah „Stewards“, ich sah „Security“, ich sah sogar einen „Volunteer“. Den haben sie wohl gleich von der Frauen-Fußball-WM im Sommer übernommen, da wurde ja auch in Bochum gespielt. Aber auch der Stadionsprecher konnte zur Unterhaltung beitragen, indem er den Hinweis auf das Tags darauf statt findende Regionalliga-Spiel der Reservemannschaften zwischen Bochum und Dortmund wie folgt verpackte: „Für die Partie Bochum II gegen Dortmund II in Wattenscheid morgen gibt es noch Karten!“ Clever gemacht, ich wette, die Bude war bei dieser brisanten Partie ruckzuck ausverkauft.

Selbiges hätte auch gerne für den Kick gelten können, für den man hergekommen war. Nur knapp über 17.000 Zuschauer, doch ziemlich enttäuschend. Dürfte wohl daran liegen, dass man in Bochum weiß, man kann in der Rückrunde spielen, wie man will, für ganz oben wird es wohl nicht mehr reichen. In etwa so wie wir in der letzten Saison. Unter den Zuschauern vor Ort zudem noch mindestens 4.000 Fortunen, das einheimische Interesse somit eher gering. Genau wie es bei uns Leute gibt, die nur auf das Pokalspiel gegen Dortmund scharf sind, so wartete man in Bochum statt auf den Tabellenführer der 2. Liga wohl doch eher auf den Pokalgegner am 21. Dezember – das war nämlich der FC Bayern. Naja, schade halt. Das Spiel hätte nämlich eine größere Kulisse durchaus verdient gehabt.

Wer für solch ein verhältnismäßig nahe gelegenes Auswärtsspiel solch eine Anreise hinlegt, der darf dann auch nicht mit einem müden Kick abgespeist werden. Schön, dass beide Teams diesen Grundsatz beherzigten und eine äußerst flotte Partie hinlegten. Eindeutig höhere Zweitliga-Kunst. Und da die einen damit anfingen und die anderen hinterher ein Schüppchen mehr drauf legten, ging es natürlich unentschieden aus. Fortuna holte mit dem 1:1 in Bochum einen ganz wichtigen Punkt. Mit dem zumindest ich zwischenzeitlich nicht mehr unbedingt gerechnet hätte.

Denn der einheimische VfL begann vor 17.000 Zuschauern wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Nach gerade mal zwei Minuten und ein paar Sekunden tauchte Mircan Aydin frei vor Fortuna-Keeper Ratajczak auf, schön frei gespielt von Giovanni Federico. Aydin schlenzte, unser Torwart blieb stehen, bekam daher die Hand an den Ball und konnte dann im Nachfassen zupacken. Schon mussten wir uns den Schweiß abwischen, trotz Temperaturen knapp über null Grad. Und auch wenn Unsere ab und zu mal was nach vorne versuchten, Lambertz beispielsweise nach schöner Einzelleistung in der 12. Minute flach aus 16 Metern am Tor vorbei schoss – in der ersten Halbzeit waren die Gastgeber die Spiel bestimmende Mannschaft. Hinzu kam, dass sich unsere Arbeiter im Mittelfeld, Oliver Fink und Adam Bodzek, recht früh selbst aus dem Spiel nahmen, indem sie sich beide Gelb einfingen. Die für Bodzek war berechtigt, die für Fink in schlechter Witz, eindeutig Ball gespielt. Bodzek disqualifizierte sich anschließend selbst, als er wenig später bei einem Foul seines Gegenspielers vehement den gelben Karton für diesen forderte, was Schiri Wingenbach zum Anlass nahm, sich den Polen ernsthaft zur Brust zu nehmen. Und da auch Fink nach seiner Verwarnung nochmals Foul gespielt hatte, musste der Trainer beide in der Pause runter nehmen, mindestens einer von ihnen hätte in der zweiten Halbzeit das Ende des Spiels wohl nicht mehr auf dem Platz erlebt. Wer weiß, wie „oft“ und wie gerne der Trainer schon in der Pause auswechselt, der kann dessen Gefühlslage erahnen, als er nach 45 Minuten schon zweimal wechseln und Dum und Juanan für die beiden Gelbsünder bringen musste.

Da lagen wir allerdings schon zurück. Zwar scheiterte erst einmal wieder Aydin an Torwart Ratajczak, diesmal mit einem 16-Meter-Böller. Aber in der 38. Minute konnte man sehen, warum Bodzek dringend runter musste: an der Sechzehnmeterlinie attackierte er den Ball führenden Aydin nicht besonders Erfolg versprechend, weil er eben keinen Platzverweis riskieren wollte. Aydin spielte nach links zum Japaner Inui, der narrte mit einfacher Körpertäuschung gleich drei Fortunen, die sich auf ihn stürzten wollten, und zwirbelte die Kugel rechts oben in den Winkel. Ein Traumtor zur 1:0-Führung der Gastgeber. Traumtor im Hinspiel (Rösler mit Fallrückzieher, Tor des Monats Juli), jetzt dieser Granatenschuss in den Torwinkel – ja, bei beiden Teams spielen schon einige feine Füßchen, wenn man ihnen genug Platz lässt. Die Bochumer Führung, unhaltbar für Ratajczak, völlig verdient zu diesem Zeitpunkt. Und als der Schiri zum Pausengetränk mit Lob- oder Strafpredigt bat, je nach Spielstand, da dachte ich auch noch, dass es irgendwann ja mal passieren müsse mit der ersten Niederlage, und hier und heute sah es danach aus. Bochum wirklich bärenstark.

Aber gut, bärenstark können wir in dieser Saison auch, vielleicht mit etwas Anlauf. Denn zu Beginn der zweiten Halbzeit spielten die Fortunen endlich druckvoll nach vorne, es gab einige Torchance, die dickste, als der Ball nach Ecke von Rösler und Kopfballverlängerung Langeneke am Fünfmeterraum vor die Füße von Beister fiel. Der war allerdings dermaßen überrascht, dass er die Kugel nicht richtig traf und sie Bochums Torwart Luthe quasi in die Arme spielte. Die Bochumer wiederum, nicht faul, hielten entschlossen dagegen und versuchten ihrerseits, mit einem zweiten Treffer alles klar zu machen. Deren dickste Chance vergab erneut Aydin, der zum dritten Mal an Michael Ratajczak scheiterte, diesmal aus knapp sechs Metern und spitzem Winkel. Es war ein Spiel, dass vom Kicker vielleicht etwas altbacken, aber durchaus zu Recht mit dem Attribut „rassig“ versehen wurde. Es ging hin und her. Trainer Meier gab nach 72 Minuten sogar einen Defensivpart auf. Für Außenverteidiger van den Bergh wechselte er Ken Ilsø ein. Und der Däne, sofort heiß wie Frittenfett, zeigte gleich, dass man auch auf ihn wieder bauen kann. Mit einer seiner ersten Ballberührungen schickte er in der 74. Minute Thomas Bröker auf die Reise, unser Wühler erlief den Ball halb rechts und hatte dann das Auge für den mitgelaufenen Sascha Rösler in der Mitte. Querpass von Bröker, Rösler setzte sich gegen Gegenspieler und heraus geeilten Torwart durch und netzte im Fallen zum Ausgleich ein. Und das alles, ohne einen Elfmeter zu schinden, Armin Veh von Eintracht Frankfurt wird schlaflose Nächste gehabt haben. 1:1 – verdient, Fortuna hatte sich reingebissen und dem Gegner Contra gegeben.

Bei diesem Ergebnis blieb es bis zum Schlusspfiff, obwohl Bochum noch eine großes Chance hatte, als der eingewechselte Freier auf den eingewechselten Ginczek flankte, dieser per Kopf jedoch nur das Außennetz traf. Fortuna holte einen Punkt beim VfL Bochum und verteidigte damit die Tabellenführung. Ein schönes Spiel, und ich war heilfroh, diesen VfL in dieser Saison nicht mehr sehen zu müssen. Dafür habe ich allerdings die Hoffnung, dass die Bochumer im neuen Jahr noch dem einen oder anderen unserer Konkurrenten den einen oder anderen Punkt abnehmen werden. Dass das Potential dafür locker vorhanden ist, konnte man an jenem Samstag sehr deutlich sehen. Und ein paar Zuschauer mehr hätte dieses Spektakel auf jeden Fall verdient gehabt. Aber hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.

Übrigens, die Rückfahrt verlief ohne nennenswerte Erlebnisse, aber nahezu auf derselben Strecke. Als glücklicher Spitzenreiter im Sammeln von Autobahnen an jenem Wochenende kehrte ich heim. Diesbezüglich mit derselben Erfahrung wie Fortuna: es muss nicht immer alles toll sein, um dennoch in der Tabelle ganz vorne zu sein. Geht doch.

Der Friedhelm, der Edgar & der Olli – ist das noch Fußball?

Anderweitig war an diesem Spieltag auch noch so einiges gebacken. Zum Beispiel beim Spiel Alemannia Aachen gegen Erzgebirge Aue. Der Kick war keine zweieinhalb Minuten Fernsehübertragung wert, das sage nicht ich, sondern so ziemlich sämtliche Leute, die sich das Spiel in voller Länge antaten. Da sport1 jedoch zehn Minuten gebucht hatte, musste man den Rest der Zeit natürlich mit etwas auffüllen. Und zum Glück fielen ihnen da etwas auf, das ansonsten völlig untergegangen wäre, und zwar völlig zu Recht, weil es eigentlich niemanden interessierte: in der 64. Minute erhielt der Gast aus Aue einen Einwurf auf der rechten Seite des Spielfeldes, aus diesem heraus fiel der Treffer zum 1:1-Endstand. Nun hatte jemand bei sport1 findig beobachtet, dass der zuständige Aachener Balljunge dem Auer Spieler, der den Einwurf ausführte, den Ball verdächtig schnell zugeworfen hatte. Na, und da hatte man ja was für die Nachberichterstattung. Das Ganze dreimal in Zeitlupe gezeigt und anschließend jeden, der sich vors Mikrofon zerren ließ, darauf angesprochen, dass dies ja wohl reichlich kurios sei. Irgendeiner wird schon seine Klappe nicht halten können, schlussfolgerte man wohl, und natürlich behielt man Recht, schließlich kennen sie ja ihre Pappenheimer. Zitat Friedhelm Funkel, seines Zeichens Trainer und somit – hahaha – angeblich Vorbild für die fußballernde Jugend in diesem Land: „Das habe ich so in vielen Jahren auch noch nicht erlebt. Als Balljunge einer Heimmannschaft, die führt, muss man das Spiel verzögern.“ Das habe ich so auch noch nicht erlebt, dass ein Trainer einem Balljungen vor einem Millionenpublikum verbal noch einen mitgibt. Und der denkt mit Sicherheit noch, seine Aussage wäre völlig normal. Würde mich mal interessieren, ob jeder Aachen-Fan genau dasselbe denkt. Sind wir echt schon so weit runtergekommen? Wahrscheinlich. Bei sport1 werden sie sich wohl auf die Schenkel gehauen haben vor Begeisterung. Beitrag gerettet, und dazu noch ein tolles Trainer-Statement eingefangen. Jetzt bringen sie also schon Balljungen zur Strecke. Naja, wenns der Volksbelustigung dient…

Einen Tag später werden sie ihr Glück kaum haben fassen können. Montagsspiel Eintracht Frankfurt – Greuther Fürth, praktischerweise (für uns) ein 0:0-Unentschieden. Unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Fürther Edgar Prib – zwei Wochen zuvor noch gegen uns erfolgreich – in der ersten Halbzeit seine gute fußballerische Kinderstube vergaß. Nach Traumpass schön frei gespielt, überlupfte er Torwart Nikolov und brachte anschließend das Kunststück fertig, den Ball mittels linker Fußsohle aus sechs Metern vor dem absolut leeren Tor an den Pfosten zu platzieren. Ich sage anerkennend: schafft auch nicht jeder, wohl wissend, dass dieses Ding noch in zwanzig Jahren bei jedem Rückblick auftauchen wird. Hoffentlich lassen sie dann die Szene durchlaufen. Denn richtig Slapstick wurde es ja erst danach: Olivier Occean machte zwar den Abpraller rein, was Prib eventuell in den nächsten zwanzig Jahren zumindest ein wenig getröstet hätte – dummerweise hatte aber auch Occean in dieser Situation völlig den Überblick verloren und den Ball zwischen Annahme des Abprallers und Torabschluss ausgerechnet bei Unglücksvogel Prib geparkt, der im Abseits stand, da Torwart Nikolov noch im Strafraum herum geisterte und deshalb nur ein Frankfurter Abwehrspieler auf der Torlinie hinter Prib stand. Das waren fünf Sekunden Comedy pur – ist das überhaupt noch Fußball? Natürlich – es macht ihn wunderbar menschlich, auch wenn den beiden dies natürlich nicht das Geringste nutzen wird. Was hätte wohl Friedhelm Funkel gesagt, außer dass er das noch nicht erlebt haben dürfte? Wahrscheinlich „Gut das Tor verzögert und damit die Spannung hochgehalten. Warum sind die beiden nicht Balljungen bei der Alemannia?“

Alles hat ein Ende

Am 16.12.2011 fand die Zweitliga-Saison ihr Ende für das Kalenderjahr 2011. Ausgerechnet der SC Paderborn erschient zum finalen Heimspiel in der Esprit-Arena. „Ausgerechnet“ deshalb, weil Paderborn zuvor der einzige Verein gewesen war, der in eben jenem Kalenderjahr einen Punkt aus Düsseldorf hatte entführen können – im März mit einem ermauerten 0:0. Aber diese Paderborner gibt’s schon etwas länger nicht mehr. Seitdem ihr damaliger Trainer André Schubert in St. Pauli wirkt, hat man in Paderborn festgestellt, dass man es auch mal mit der Offensive versuchen kann. Allein schon, um dem Ex-Trainer einen reinzuwürgen. Denn der wurde ja nicht etwa im Sommer gefeuert, nein, der ging von selbst, mit der Ansage, er habe keine Lust, mit dem vorhandenen Kader und einem eingeschränkten Budget gegen den Abstieg zu spielen. Er ging also nach St. Pauli, und der von ihm deklarierte Absteiger steht unter dem neuen Coach Roger Schmidt plötzlich punktgleich seinem neuen Verein und dem Rest der Spitzengruppe in den Schuhen. Aber einer wie Schubert kommt da nicht ins Grübeln, ob das eventuell an ihm selbst liegen könnte, da bin ich sicher.

Sei es wie es sei, auch der SC Paderborn spielt derzeit die beste Saison seiner Vereinsgeschichte und reiste mit richtig breiter Brust an. Da müsste man nun annehmen, dass wir als ungeschlagener Tabellenführer anhand des kümmerlichen Brustkorbs des Gegners nur müde lächeln würden – weit gefehlt. Die erste Hälfte verpennte die Fortuna komplett, Paderborn war klar besser und führte verdient mit 1:0. Nick Proschwitz hatte mal wieder zugeschlagen. Nach einem langen Pass an den Sechzehner versuchte die Fortuna-Abwehr in der 37. Minute endlich mal wieder so ein lustiges Abseits, prompt ging es schief, Innenverteidiger Langeneke hob es auf. Lukimya kam nicht mehr an Proschwitz ran, Ratajczak kam zu zögerlich raus, und der Paderborner Stürmer, der immerhin schon den FC Vaduz aus Liechtenstein in seiner sportlichen Vita hat, was sicherlich nicht viele von sich behaupten können, schlenzte lässig zum verdienten 0:1 ein – sein 12. Saisontreffer, davon sieben in den letzten sechs Spielen. Das nennt man einen Lauf, glaube ich.

Dass es erst das 0:1 war, verdankten wir nicht umsichtiger Abwehrarbeit sondern schlicht der Torlatte. Die hatte nämlich schon zu Beginn des Spiels gerettet, als Ratajczak mal wieder grandios einen hohen Ball, in diesem Fall einen Eckball, verfehlt hatte, aber Paderborn aufgerückter Abwehrspieler Sören Gonther war wohl zu überrascht ob des Geschenks und wuchtete die Kugel nur ans Gebälk anstatt ins leere Tor. Spätestens da hätte unser Keeper auch merken können, dass dies nicht sein Abend sein würde. Aber der Rest der Mannschaft sah auch nicht viel besser aus. Als einziges Highlight vor der Pause ist mir in Erinnerung, dass Sascha Rösler beinahe den Ausgleich erzielt hätte, und was für einen: Nach schöner Flanke durch Tobias Levels von rechts hatte der Stürmer den Ball in Höhe Elfmeterpunkt mit dem Rücken zum Tor mit der Brust angenommen und einfach mal wieder den Fallrückzieher ausgepackt. Gut gezielt, aber zu wenig Druck dahinter, Paderborn-Keeper Lukas Kruse konnte abfangen. Ich glaube, dies war der Moment, in dem mir schwante, dass diesmal nicht viel gehen würde. Wenn Rösler, der in dieser Saison schon mindestens vier „Tor des Monats“-verdächtige Hütten fabriziert hat, schon solche Todsicheren wie Fallrückzieher nicht rein macht, dann ist was faul. War nur als Witz gedacht, bewahrheitete sich dann aber tatsächlich.

Also, das 0:1 zur Pause war schlicht verdient, Paderborn in allen Belangen besser. Dann musste noch Jens Langeneke in der Kabine bleiben, er hatte Magen-Darm. Schade, dass ihn das nicht in der 37. Minute in Höchstgeschwindigkeit Richtung Lokus katapultiert hatte, hätte uns einen Gegentreffer erspart. So hielt er also noch ein paar Minuten durch und blieb in der Pause draußen. Für ihn kam Juanan.

Und mit ihm kam Fortuna mit wesentlich mehr Schwung aus der Kabine. Es dauerte dann auch nur knapp zehn Minuten, bis der Ausgleich da war. Vorbereitet durch den soeben eingewechselten Ken Ilsø, der zwar in Höhe rechtes Strafraumeck wohl eher volley aufs Tor zimmern wollte, aber als Vorlage für Juanan war der Ball auch gut genug. Der grätschte das Leder aus fünf Metern über die Torlinie, Ausgleich. Das zweite Mal in Folge, dass Ilsø mit einer seiner ersten Ballkontakte nach seiner Einwechslung einen Treffer vorbereitete. Alles wieder offen.

Blöd nur, wenn man das Spiel dann selbst zu macht. Dass Paderborn saustark bei Standards ist, dürfte ja eigentlich jedem bekannt gewesen sein, der sich vor dem Spiel auch mit Paderborn und nicht mit dem folgenden Pokalspiel gegen Borussia Dortmund befasst hatte. Dass die Ostwestfalen mit Alban Meha sogar einen ganz vorzüglichen Freistoßschützen in ihren Reihen haben, sollte bei konzentrierter Vorbereitung auch nicht ganz spurlos an den Spielern vorbei gegangen sein. Aber wenn man müde ist, dann knirscht es auch schon mal in den Hirnwindungen, und so taten wir das Dümmste, was man in dieser Situation machen konnte – wir schenkten Paderborn ein paar Freistöße.

Den ersten in der 60. Minute. Kapitän Andreas Lambertz hatte den Ball völlig unnötig und leichtfertig am Mittelkreis vertändelt. Trabte anschließend nur recht mäßig motiviert nach hinten. Da die Paderborner es allerdings auch nicht besonders eilig hatten, spielten sie den Ball gerade vom Sechzehner ein Stück nach hinten, als Lambertz auf der Szene eintraf, die er selbst mit seinem Fehler eingeleitet hatte. Prompt grätschte er den Ball führenden Spieler weg, Freistoß. Deutlich zu sehen, dass es ein reines Frustfoul war, wegen seines Fehlers zuvor. Und das 20-25 Meter vor dem eigenen Tor. Zu so was fällt mir eigentlich immer recht wenig ein, außer eben: „Wenn das schief geht, kriegt der den Scorerpunkt!“ Fünf Sekunden später bekam er ihn, Meha hatte Maß genommen und die Kugel links halbhoch ins Eck gesetzt. Ratajczak war noch dran, und einige ganz besondere Leuchten, angeblich als Fans getarnt, konnten zuhause nach Betrachten der Zeitlupe zum Thema tatsächlich auch hier einen Torwartfehler feststellen. Da kann man nur dankbar sein.

Apropos Torwartfehler: knapp 13 Minuten später gab es tatsächlich einen, der die Partie dann auch entschied. Allerdings muss sich Ratajczak den Scorerpunkt für das 1:3 mit Abwehrhüne Lukimya teilen. Der hatte nämlich völlig unmotiviert (oder übermotiviert) seinen Gegenspieler auf der linken Außenbahn mit dem Ellenbogen weggecheckt, weithin sichtbar, bis unters Tribünendach. Völlig überflüssig, Ball und Gegenspieler bewegten sich vom Tor weg, vielleicht wollte der ein Tänzchen an der Eckfahne aufführen, was weiß ich. Aber Lukimya erstickte jeden Stangentanz im Keim, es gab den fälligen Freistoß, Meha sagte danke und brachte den Ball scharf nach innen, dort sagte Mohr danke, dass er vor Juanan per Kopf an den Ball kam und dass kein Torwart mehr im Tor stand, der flog gerade hinter ihm durch den Fünfmeterraum ins Leere – 1:3 in der 73. Minute.

Und jetzt kommt das, was Hoffnung machen muss: Mit diesem Treffer war das Spiel ja eigentlich durch. Jetzt erst rappelte sich die Mannschaft auf und zeigte, warum sie in den vergangenen 22 Heimspielen nicht verloren hatte. Man benötigte nur zwei Minuten bis zum Anschlusstreffer, und wieder war es ein Einwechselspieler, der erst sieben Minuten zuvor eingewechselte Jovanovic, der aus dem Gewühl heraus kurz entschlossen Maß nahm und die Kugel aus zwölf Metern halbhoch ins Paderborner Gehäuse zimmerte. Nun rollte wirklich ein Angriff nach dem anderen auf das Tor der Gäste, die so gut wie gar nicht mehr nach vorne kamen. Mehrfach lang der Ausgleich in der Luft, hätte nur ein langes Bein den Ball über die Linie grätschen müssen, fehlten die berühmten Zentimeter, die wenigsten bei einem Kopfball von Jovanovic rechts am Tor vorbei. Aber wenn dein Name auf der Kugel steht, dann bist du dran, wie einst ein zweitklassiger Revolverheld in einem drittklassigen Western zu sagen pflegte. Passend dazu auch die Schlussszene, als Beister rechts im Strafraum an Gonther vorbei ziehen wollte und dieser ihm gut sichtbar die Hand mitten im Gesicht platzierte, um sich im gemeinsamen Sprint den erforderlichen Raumvorteil zu verschaffen. Für so etwas gibt es gerne schon mal Elfmeter, und jeder andere Spieler hätte ihn wohl auch bekommen, aber es war halt Beister, der bekanntermaßen bei Fouls schon mal zu etwas theatralischen Stürzen neigt. So auch diesmal, er drehte seinen dreifachen Toeloop und wunderte sich anschließend, dass der Pfiff nicht ertönte.

Ich hingegen wunderte mich nicht, es war mal wieder zu auffällig gemacht, klar war diese Berührung regelwidrig, da können die stahlharten Jungs unter den Fans noch so sehr behaupten, man spiele ja schließlich nicht Hallenhalma. Nein, tut man nicht, sondern Fußball, das ist das Spiel mit so doofen Regeln, und eine Hand im Gesicht des Gegners gehört sicherlich nicht zu dem, was man „korrektes Spiel“ nennt. Ist sicherlich ein Elfmeter, den man geben kann, aber nicht muss. Wenn der derart gehinderte Spieler dann aber auch gleich wie vom Blitz getroffen zusammensackt, darf er sich auch nicht wundern, wenn der Pfiff ausbleibt. Bei dem Schiedsrichter-Assistenten schon mal gar nicht. Es winkte nämlich in unmittelbarer Nähe des Geschehens der Mini-Collina Thomas Frank, uns bestens an der Pfeife bekannt. Einige seiner schönsten Fehlentscheidungen hat der in der Regionalliga gegen Fortuna abgeliefert, die schönste sicherlich direkt am ersten Spieltag nach unserem Wiederaufstieg im Jahr 2004, als er in letzter Minute beim Stande von 1:0 für Preußen Münster und Handspiel auf der Münsteraner Torlinie zwar pfiff, aber damit eigentlich nur das Spiel beendete. Nun bin ich weit davon entfernt, ihm eine gewisse gelebte Abneigung gegen Fortuna zu unterstellen. Im Gegenteil, die Tatsache, dass er 2004 ein drittklassiges Spiel pfiff und siebeneinhalb Jahre später eine Liga höher immer noch nur den Fahnenschwenker geben darf, lässt eher vermuten, dass er sich auch auf anderen Plätzen schon lustige Klöpse geleistet hat. Auf jeden Fall sagte Schiri Weiner nach dem Spiel, er habe auf ein Zeichen seines Assistenten gewartet, der in diesem Fall genau auf die Szene drauf guckte. Der angesprochene Assi war Frank, die Fahne blieb unten, das Spiel war verloren. So geht’s halt.

Fortuna verlor nicht unverdient gegen den SC Paderborn mit 2:3 vor 25.200 Zuschauern. Es war die erste Saisonniederlage, die erste Niederlage nach 27 Pflichtspielen (25x Meisterschaft, 2x Pokal), die erste Heimniederlage seit dem 27.09.2010. Es war übrigens auch das erste Mal in dieser Saison, dass ein Gast bei uns überhaupt in Führung ging. Zuvor hatte lediglich Dresden den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt, für alle anderen Gegner, die bei uns antraten, hatte es nur zu Anschlusstreffern gereicht. Irgendwann trifft es halt jeden mal. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es uns lieber in der Woche zuvor in Bochum getroffen, wenn wir dann Paderborn geschlagen hätten. So rückte uns ein direkter Konkurrent noch dichter auf die Pelle, außerdem war es ausgerechnet das letzte Liga-Spiel vor der Winterpause, sodass man die jetzt sechs Wochen am Stück mitnimmt, keine Chance auf vorzeitige Wiedergutmachung. Aber wir wollen mal nicht gleich ganz so schwarzsehen.

Denn Fortuna beendet das Jahr 2011 als Tabellenführer, mit wahnsinnigen 42 Punkten nach 19 Spielen. Wie viele Vereinsrekorde wir in der Zwischenzeit gebrochen haben, ist eigentlich nicht so wichtig, zeigt aber, wie außergewöhnlich die Saison bisher gelaufen ist. Unglücklicherweise nicht nur bei uns, auch Eintracht Frankfurt, Greuther Fürth, der FC St. Pauli sowie natürlich der SC Paderborn lieferten jeweils die besten Hinrunden ihrer Vereinsgeschichte ab. Und deshalb ist auch nichts entschieden, trotz dieser unglaublichen Punktausbeute, kein Team hat sich entscheidend absetzen können, wir haben nur lächerliche drei Punkte Vorsprung auf Paderborn als Fünfter. Platz 1 und Aufstieg sind also ebenso in Reichweite wie Platz 5 und Arschkarte. Dies garantiert spannende 15 Spiele nach der Winterpause, los geht es am 4. Februar 2012 beim FC Ingolstadt. Und im anschließenden Heimspiel kommt Eintracht Frankfurt…Man kann der Fortuna zu ihrer besten Hinrunde aller Zeiten gratulieren, aber jubeln darf man noch nicht. Das passt irgendwie schon wieder.

Die verdiente Niederlage gegen die Zweite Mannschaft des übermenschlich kämpfenden Gegners. Oder so ähnlich.

Bevor es in die wohlverdiente Winterpause ging, stand aber noch ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk an: Das DFB-Pokal-Achtelfinale. Der amtierende Deutsche Meister gab sich die Ehre, Borussia Dortmund trat am 20.12.2011 in der ausverkauften Esprit-Arena (54.500 Zuschauer) an. Und da hatte man ja wirklich nicht viel zu verlieren.

Über das Spiel muss man nicht viele Worte verlieren, nach dem Getöse, welches auch medial dazu veranstaltet wurde. Derjenige, den es interessiert, der hat es eh gesehen und braucht sicherlich jetzt nicht mehr seitenlang von mir gelangweilt zu werden. Und derjenige, den es nicht interessiert, der liest hier eh nicht. Wenn man mich zu meiner persönlichen Meinung zum Spiel befragt, kann ich nur sagen: ich bin stolz auf unsere Mannschaft, über den BVB kann ich seit jenem Dienstag in weiten Teilen leider nur noch lachen.

Man erinnere sich: die Partie endete 0:0 nach 120 Minuten, Dortmund gewann das Elfmeterschießen mit 5:4. Deren Trainer Jürgen Klopp nahm dies zum Anlass, von einem Spiel zu sprechen, „das in die Geschichte des Vereins eingehen wird.“ Er bezog sich natürlich darauf, dass die Borussia ab der 36. Minute, und somit über knapp 90 Minuten, mit einem Mann weniger auf dem Feld auskommen musste, nachdem Patrick Owomoyela Gelb/Rot gesehen hatte. Des Weiteren konnte schon im Vorfeld – und hinterher natürlich umso intensiver – nachgelesen werden, wie viele Ausfälle die Meister-Truppe zu verkraften gehabt habe. Es las und hörte sich teilweise so an, als würde die Zweite Mannschaft kommen, die bekanntermaßen mit unserer Zwoten in der viertklassigen Regionalliga West unter ferner liefen kickt. In derjenigen Zweiten Mannschaft, die Klopp an jenem Abend aufs Feld schickte, standen denn auch nur noch acht Nationalspieler. Da kann einem als Deutscher Meister gegen einen Zweitligisten schon mal das Jammern ankommen, das finde ich auch. Was für Weicheier.

Und zum Platzverweis: selbstverständlich war das eine gute kämpferische Leistung der Dortmunder, über solch einen langen Zeitraum mit einem Mann weniger auskommen zu müssen. Andererseits war dies nicht unbedingt der stärkste Spieler, der da vorzeitig Feierabend hatte. Und da man in Mats Hummels den überragenden Spieler des Abends stellte, der als Ein-Mann-Innenverteidigung wirklich alles wegräumte, was ihm vor die Flinte kam, fiel das Fehlen von Owomoyela spielerisch absolut nicht ins Gewicht. Dies gilt auch für die andere Seite des Spielfelds, und das ist es, was mich auch stolz auf die Leistung der Fortuna macht. Denn den Owomoyela werden sie ja wohl an jenem Abend nicht aufgestellt haben, um uns mit einem Hattrick aus dem Stadion zu schießen. Für die Einleitung und den Abschluss von Angriffen wird der eigentlich eher weniger benötigt. Dennoch spielte der BVB im gesamten Spiel kaum eine gefährliche Tormöglichkeit heraus, ab der zweiten Halbzeit sah man von denen offensiv nahezu gar nichts mehr. Wenn man bedenkt, dass in der Ersten Liga nur eine Woche zuvor der FC Bayern München den 1.FC Köln in 60-minütiger Unterzahl locker 3:0 aus dem Stadion geschossen hatte, und ich auch dem BVB durchaus eine ähnliche spielerische Qualität unterstelle, dann war das eine tolle Leistung unseres gesamten Teams. Aus dem eventuell einer noch besonders heraus stach, Assani Lukimya, mit einer Leistung zum Zungeschnalzen. Andererseits: der Luki ist ebenfalls Innenverteidiger, und wenn zwei Innenverteidiger die besten Spieler des Spiels sind, dann sagt das schon einiges. Kein Wunder eigentlich, dass es 0:0 ausging.

Chancen, das Spiel zu entscheiden, hatte Fortuna genug in den 120 Minuten. Man scheiterte an fehlender eigener Durchschlagskraft oder an Roman Weidenfeller. Der BVB-Keeper hielt einige schöne Sachen, hatte in einer Szene, als es nichts mehr zu halten gab, Glück, dass Blaszczykowski den Ball per Kopf an ihm vorbei nicht ins eigene Tor, sondern an den Pfosten setzte, und feierte nach Abpfiff den Sieg derart euphorisch, dass er im Überschwang der Freude noch in der Fortuna-Kabine erschien, um sich mit Sascha Rösler spontan zu verbrüdern, in exorbitanter Lautstärke. Nun braucht mir niemand zu erzählen, was für einer der Rösler während der 90 Minuten auf dem Platz ist, allerdings ist Weidenfeller anerkanntermaßen genauso. Auch er fiel während des Spiels durch großflächiges Gemotze auf, forderte mehrfach beim Schiri Gelbe Karten für gegnerische Spieler, pflaumte diese an, wenn sie sich erdreisteten, in seinem Strafraum mal hinzufallen und zog seine ganze Nummer schlecht anerzogener Gerry Ehrmann-Psychospielchen auch beim Elfmeterschießen ab, wofür er leider nur Gelb bekam. Das kann man als Anhänger des Teams, in dem derjenige wütet, natürlich ganz okay finden, das kenne ich ja selbst. Wenn aber so einer nach dem Spiel noch in der Kabine des Gegners erscheint und ausgerechnet „Respekt“ einfordert, sorry, das ist schon nicht mehr einfach nur lächerlich. Das ist hochnäsig und arrogant und zeigt, dass der Eine oder Andere dieser Millionentruppe wohl doch etwas die Bodenhaftung verloren hat. Sahen die Fortuna-Spieler wohl ähnlich, auf jeden Fall entfernten sie den Schwätzer grußlos und unverzüglich aus dem Allerheiligsten. Respekt – vor jemandem wie Weidenfeller? Zum Glück sind wir noch nicht so weit runtergekommen, einem die Füße küssen zu müssen, nur weil der seinen Job beherrscht und auf seine alten Tage (sportlich gesehen) aus Versehen Deutscher Meister geworden ist.

Dass die vereinseigene Website der Borussia sich nach dem Spiel als „verdienten Sieger“ feierte, ist zwar nun wirklich eine Lachnummer, aber durchaus verständlich, die leiden eh seit Jahren an verschärftem Norbert Dickel, da kommt auch nix mehr. Dass sich eine Zeitung wie die FAZ nicht entblödet, in die Jammertirade einzustimmen und dem BVB nahezu eine überirdische Leistung bescheinigte, nur weil die es geschafft hatten, in 90-minütiger Unterzahl gegen einen Zweitligisten kein Tor zu kassieren, das ist leider auch normal. Geschichte wird halt von Siegern geschrieben, und da wollen die meisten Neutralen auch nicht gerne im Abseits stehen. Owomoyela nach wiederholtem Foulspiel schon früh vom Platz, Klopp später wegen Meckerns auf die Tribüne, Weidenfeller pöbelt nach Spielende noch in der Gegnerkabine – aber sie sind doch halt alle sooo nett.

Nein, ich sehe das ganz pragmatisch. Aus dem ganzen Gewinsel vor, während und nach dem Spiel, aus dem überschwänglichen Jubel nach dem gewonnenen Elfmeterschießen, aus der Reaktion eines Weidenfeller, der in des Gegners Kabine noch unbedingt etwas loswerden muss, aus der Äußerung des Trainers, diese Spiel werde in die Vereinshistorie eingehen, aus all diesen Verhaltensweisen lese ich nur eins heraus – die pure Erleichterung. Die hatten einen Riesenbammel, sich bei einem Zweitligisten zu blamieren. Kein Wunder, in den letzten beiden Jahren hatte man jeweils bei einem Drittligisten die Segel gestrichen (Osnabrück, Offenbach). Man war also recht blamageerfahren. Und es wäre auch wieder drin gewesen, wir hatten klar mehr vom Spiel und gute Chancen. Wenn man dann ein Elfmeterschießen gegen Fortuna gewinnt, was selbst schon solch einem Verein wie dem Wuppertaler SV gelungen ist, da sind wir ganz England, ich kann mich an kein wichtiges Elfmeterschießen in den letzten 15 Jahren erinnern, das wir gewonnen hätten – wenn man also so etwas Übermenschliches fertig bringt, dann ist das die pure Erleichterung, die sich Raum verschafft. Und das wiederum macht mich stolz auf unser Team. Wir hatten sie am Rande einer Niederlage, und sie haben es genau gespürt. Auch die Damen und Herren Deutsche Meister auf den Rängen, die zum Teil mit einer Großkotzigkeit und Selbstherrlichkeit auftraten, wie wir es nicht besser hinbekommen könnten, wenn wir alle täglich mehrere Stunden Kö-Bummel absolvieren würden. Der Malocher-Verein aus dem Ruhrpott, haha. In der Arena waren größtenteils nur verwöhnte Bengelchen zu sehen. Denen sei die Jubelfeier nach dem Sieg aber ausdrücklich gegönnt, es zeigte sehr schön, dass auch sie zuvor Blut und Wasser geschwitzt hatten. Und das kann sich die Mannschaft der Fortuna stolz an die Brust heften und in die Winterpause mitnehmen: man hatte den Deutschen Meister zwar nicht auf den Knien, dafür war deren spielerische Qualität trotz Unterzahl einfach zu groß; aber ordentlich ins Wanken hat man sie gebracht. Kein schlechtes Ergebnis für einen Zweitliga-Tabellenführer, denke ich. Ich persönlich kann damit sogar gut leben. Auch wenn es natürlich ärgerlich ist, wenn man sieht, dass tatsächlich etwas drin gewesen wäre.

Dem armen, gebeutelten, übermenschlich kämpfenden aktuellen Deutschen Meister wünsche ich zum Jahresübergang natürlich nur das Beste. Falls sie den DFB-Pokal in dieser Saison gewinnen, werden sie natürlich ihren Enkeln noch erzählen, dass sie den ja quasi mit der Zweiten Mannschaft geholt haben. Was man bei den bisherigen Partien bzw. Auslosungen gegen solche Gegner wie Sandhausen (3. Liga), Dresden, Düsseldorf (jeweils 2. Liga) und kommend Holstein Kiel (Regionalliga Nord) ja auch durchaus nachvollziehen kann, was sollten sich da die Stars mehr als nötig anstrengen. Genau so würde es in 10 bis 15 Jahren erzählt werden, da bin ich sicher. Aber ich vergesse auch nicht das nackte „P“ in den Augen einiger dieser Herrschaften, als der Schiri zum Elfmeterschießen pfiff. Das kann mir keiner nehmen, und damit kann ich den DFB-Pokal für diese Saison eigentlich recht positiv abschließen.

Lange Abfahrt ins Aus

Natürlich sind auch die äußeren Umstände bei einem solchen Spiel etwas Besonderes. Im Pressebereich war die Hölle los, Berichterstatter aus der ganzen Welt schwirrten umher, selbst Al Jazeera hatte Leute vor Ort, die das Spiel für den arabischen Sprachraum kommentierten. Sehr schön auch die Japaner, die wegen Shinji Kagawa vor Ort waren. Also nicht Japaner aus Düsseldorf, größte europäische japanische Kolonie, sondern tatsächlich extra aus Tokio eingeflogen, um über ihren Superstar zu berichten. Den konnten sie sich dann fünf Minuten beim Warmlaufen anschauen, dann hatte er sich verletzt und musste vom Spielberichtsbogen gestrichen werden. Für ihn lief übrigens ein gewisser Lucas Barrios auf, falls der Eine oder Andere den Namen schon mal gehört haben sollte. Wieder nur so einer aus der Zweitvertretung, das sind aber auch arme Schweine, diese gebeutelten Dortmunder. Auf jeden Fall konnten die Japaner auf der Pressetribüne schon vor Spielbeginn die Arbeit einstellen und sich ganz dem Verjubeln ihres Spesenkontos widmen, ist doch auch mal eine nette Sache.

Weniger nett war die Abfahrt nach dem Spiel, als mal wieder ein raffiniertes Verkehrsleitsystem vom Parkplatz herunter an Tausenden unschuldiger Autofahrer ausprobiert wurde, mit der Folge, dass über eine Stunde nichts mehr ging, Stillstand der Rechtspflege. Ich weise immer gerne darauf hin, wenn ich bei anderen Vereinen mehr Zeit auf dem Parkplatz verbringe als beim Spiel, dann ist es klar, dass der eigene Verein keine Ausnahme darstellt, wenn es mich dort erwischt. Ich weise ebenfalls immer gerne darauf hin, dass in Düsseldorf ein Problem darin besteht, dass man die jahrzehntealten Abfahrtswege nicht erweitern kann – auf der einen Seite der riesigen Parkfelder liegt nun mal die Messe, die sich ein raumordnendes Wegsprengen einiger ihrer Hallen mit Sicherheit verbitten würde, auf der anderen Seite befindet sich der Rhein, dessen parkflächenerweiternde Betonierung sicherlich auch auf den einen oder anderen Widerspruch stoßen würde. Insoweit ist man dort schon gehandicapt. Das entschuldigt allerdings nicht die wirklich rätselhafte Art und Weise, wie dort der Verkehr nach einem Spiel manchmal abgeleitet wird. Um das zu beschreiben, was man sich für das Pokalspiel ausgedacht hatte, bräuchte ich eigentlich eine Zeichnung. Obwohl es in der Beschreibung eigentlich noch besser ist, weil es so schön panne klingt wie es in Wirklichkeit auch war: in Richtung Rheinuferstraße macht man aus vier Abfahrtsspuren plötzlich zwei, das heißt die beiden anderen hören gleichzeitig auf, und ebenso gleichzeitig trifft man genau an dieser Stelle rechtwinklig auf eine andere Abfahrtsspur, deren Fahrer fünfzig Meter zuvor noch auf zwei Spuren standen, von denen eine plötzlich aufhört und die durchgehende – wie gesagt rechtwinklig – genau an der Stelle auf die vier anderen trifft, an der sich zwei davon in Luft auflösen. Klar soweit? Ich wette, ein herrliches Bild. Also zumindest aus der Luft. Wie das dann ausgeht, wenn doppelt so viele Zuschauer als sonst da sind, mag man sich lebhaft vorstellen, und deren Laune wahrscheinlich auch. Immerhin war ich schon gegen 1.30 Uhr in Bonn, was angesichts des Spielschlusses ca. 23.15 Uhr gar nicht mal so schlecht war. Und dafür, dass ich um 6 Uhr wieder raus musste, kann ja der Parkplatz nichts. Aber wenn man beim letzten Spiel des Jahres noch eine solch entspannte Abfahrt hat, sollte man dies auch nicht unerwähnt lassen.

Somit kann ich nunmehr für das Jahr 2011 sagen: Aus, aus, aus, das Spiel ist aus. Ich bin am Ende, und tatsächlich, ganz am Ende hat es mich erwischt: meine erste Zusammenfassung aus der Saison 2011/12, in der kein einziger Sieg vorkommt! Rechtzeitig zu den Feiertagen zieht somit auch bei mir ein wenig Demut ein. Andererseits war ich nie jemand, der die richtig große Brötchen gebacken hat, insoweit bin ich auch nur wenig enttäuscht. Klar war es schade, ausgerechnet die letzten beiden Spiele in diesem Jahr zu verlieren, aber außer der wirklich schlechten ersten Halbzeit gegen Paderborn habe ich jetzt nichts gesehen, was mich denken ließe, dass im kommenden Jahr nur noch Schrott abgeliefert werden würde. Ganz im Gegenteil. Freuen wir uns also auf der Saison im Kalenderjahr 2012 und schauen nach, was am 6. Mai unter dem Strich dabei rauskommt – und vor allem, wer über dem Strich steht. Ich wäre schon schwer begeistert, wenn wir das wären. Aber es wird wirklich noch sauschwer, den Blick auf die Tabelle erwähnte ich ja bereits.

Ich darf mich auch für das zu Ende gehende Jahr bei meinen treuen Lesern bedanken, die immer noch tapfer ausharren und die es weiterhin nicht stört, dass es literarisch bei mir immer etwas ausufert. Aber es sind halt die vielen kleinen Facetten, die mich interessieren – zehn Zeilen zum letzten Spiel kann ich schließlich auch im kicker lesen. In diesem Sinne, vielen Dank! Ich wünsche frohe, ruhige und entspannte Weihnachten gehabt zu haben und einen guten Rutsch in ein erfolgreiches Jahr 2012! Und dann ab dem 4. Februar und dem Auswärtsspiel in Ingolstadt wieder in die Vollen!

2011 was „not so bad“, thinks: janus