von Janus, 3.8.2009

 

Hurra, angekommen! Zum ersten Mal seit Bestehen dieses Möchtegern-Blogs darf ich berichten, wie sich die Fortuna in der 2. Liga schlägt. Bislang gar nicht einmal schlecht, möchte ich sagen. Aber natürlich sind erst drei Spiele gespielt, es ist viel zu früh, um irgendwelche Aussagen zu treffen, wohin die Reise geht. Und damit ich in dieser Zusammenfassung auch schön was zu schreiben habe, legte man in den ersten Betriebsmonat der Fortuna in Liga 2 auch gleich noch den DFB-Pokal-Knaller gegen den HSV am 03.08.2009 sowie die außerordentliche Mitgliederversammlung am 25.08.2009, deren Vorgeplänkel ich im letzten Bericht dargelegt hatte. Also, nit lang quake – make!

Endlich mal was Neues (überhaupt)


Am 03.08.2009 war es so weit: 1. DFB-Pokal-Hauptrunde, Fortuna gegen den Hamburger SV in der esprit Arena. So ein Knaller, sogar noch vor Saisonbeginn. Zu erwarten war eigentlich nicht viel, zumal die Erstligisten in den Tagen zuvor nicht allzu viel hatten anbrennen lassen, von kleineren Ausrutschern wie Mainz (in Lübeck) und Hannover (in Trier) abgesehen. Der HSV konnte seine Neuzugänge Elia, Rohzenal und Berg nicht einsetzen, aber das machte nix – die Mannschaftsaufstellung des Gegners war auch so Furcht einflößend genug für Leute wie mich, die in den letzten Jahren eher irgendwelche Kenny Schmidts von Bremen II oder Rouven Sattelmaiers aus Regensburg gewohnt waren. Bei allem Respekt vor den genannten Balltretern – Zé Roberto, Trochowski, Rost, Petric, Guerrero – das sind nunmal ganz andere Hausnummern, da konnte einem schon beim Betrachten der Aufstellung leicht schwummerig werden.

Zehn Minuten nach Spielbeginn noch ein wenig mehr. Die Truppe des schönen Bruno schien gewillt zu sein, vor 36.000 Zuschauern nichts anbrennen zu lassen. Bereits nach fünf Minuten konnte man erahnen, wozu die fähig sein würden: langer Ball auf die linke Seite, Aogo läuft van den Bergh davon und bringt die Kugel direkt in die Mitte, wo Petric sie ebenfalls direkt flach zum 0:1 in die rechte Ecke des Gehäuses drückt. Das Ganze dauerte keine fünf Sekunden, und ein Fortune kam erst an den Ball, als Melka diesen aus dem Netz fischte. Als Anschauungsunterricht sicherlich prima geeignet, blöd nur, wenn die eigene Mannschaft dabei das Opfer spielen muss.

Zumal es in den nächsten Minuten so weiter ging. Allein Keeper Melka verhinderte, dass die Sache frühzeitig entschieden war. Ich begann im Geiste, schon zu überlegen, wie schnell man die Arena würde evakuieren können. Wenn der Schiri jetzt abpfeifen würde, und wir uns alle klammheimlich davon machen und das Licht ausschalten würden, vielleicht würde es ja gar keiner merken? Und ein 0:1 gegen den HSV wäre doch gar kein schlechtes Ergebnis! Ach was – da mussten wir jetzt durch!

In der 11. Minute kamen wir auch mal nach vorne und erhielten einen Freistoß, halblinks, ca. 25 Meter vor dem Tor. Tja, wenn sonst schon nix läuft, dann vielleicht ein wenig Gefahr durch einen Standard? Und wie! Christ spielt den Ball nicht wie erwartet hoch und lang in den Strafraum, sondern als Aufsetzer auf den kurzen Pfosten. Und dass das eventuell einstudiert sein könnte, kann man daran sehen, dass gleich drei Fortunen in der Mitte zum Ball sprinten, aber kein Hamburger. Neuzugang Oliver Fink bekommt schließlich die Pieke dran und lenkt die Kugel an Rost vorbei ins Netz – Ausgleich! Zu diesem Zeitpunkt natürlich ein Witz, aber wen interessiert`s?

Zumal das mit dem Witz schon bald danach ein Witz war. Beim HSV staunte man noch ungläubig, dass der Zweitliga-Aufsteiger sich erdreistete, Gegenwehr zu leisten, da schlug es gleich schon wieder ein: Traumpass von Christ in den Lauf von Caillas, der kurvt in den Strafraum ein, ist eher am Ball als HSV-Keeper Rost und lupft die Kugel nach innen auf den mitgelaufenen Bulykin. Abwehrspieler Boateng kriegt grad noch seinen Körper dazwischen und befördert den Ball ins eigene Tor, bevor Bulykin in Selbiges vollenden kann. 2:1 in der 16. Minute, Spiel gedreht!

Und das nicht unverdient, denn Fortuna brannte ab der 10. Minute wirklich ein Feuerwerk ab. Voller Spiellaune hielt man gegen das, was die HSV-Strategen Zé Roberto und Trochowski im Mittelfeld so zauberten, und das war schon erste Sahne. Machte richtig Spaß zuzusehen. Es ging hin und her, und die besseren Chancen hatte dabei tatsächlich die Fortuna. Zudem profitierte man davon, dass beim HSV Guerrero schon nach 21 Minuten verletzt den Platz verlassen musste. Für ihn kam Nachwuchsspieler Choupo-Moteng, der allerdings einen rabenschwarzen Tag erwischte und in der zweiten Halbzeit wieder ausgewechselt wurde. Fortan war der HSV vorne nicht mehr ganz so gefährlich. Im Gegensatz zu den Unsrigen: kurz vor der Pause musste Christ das 3:1 machen, nach Traumpass stand auch er alleine vor Rost, aber diesmal blieb der bärenstarke HSV-Torwart Sieger und konnte ebenso abwehren wie gegen Jovanovic, der aus 10 Metern frei zum Schuss kam. Zur Pause führte Fortuna völlig verdient mit 2:1, und der HSV war damit noch gut bedient. Und das nach dieser Anfangsphase! Man konnte es kaum glauben.

Nun, zu Beginn der 2. Halbzeit rückte der HSV dann relativ schnell wieder einiges gerade. Trainer Labbadia beorderte Pitroipa noch weiter nach vorne (übrigens, den müsst ihr mal direkt neben seinem Mitspieler Demel aus der Nähe stehen sehen – das könnte die Bibel mit David gegen Goliath gemeint haben), den dadurch entstehenden Raum nutzte Trochowski für einige Spaziergänge. Einen davon beendete er bereits neun Minuten nach der Pause mit einem 20-m-Böller, der rechts oben einschlug. Zwar hätte er gar nicht zum Schuss kommen dürfen, denn dem Angriff ging ein klares Foul am Mittelkreis gegen Fink voraus, aber wir wollen nicht kleinlich sein. Denn der Ausgleich ging natürlich in Ordnung, Fortuna zog sich mehr und mehr zurück, der HSV war zwar überlegen, setzte aber nicht entscheidend nach, zog auch kein Powerplay auf, wollte offenkundig nicht noch in einen Konter rennen. Und so stand es auch nach 90 Minuten 2:2. Verlängerung!

Allein das war es schon wert. Der erste Ausflug im DFB-Pokal seit fünf Jahren (der zweite seit 10 Jahren, klingt auch nicht schlecht), damals gegen Bochum relativ chancenlos, heute einen der Meisterschaftsfavoriten in die Verlängerung gezwungen! In der Pause, bevor es weiter ging, wurde von der Stadionmusik dann auch erstmal „Boys don`t cry“ von The Cure gespielt – nie passte es besser als in diesem Moment! Ein fröhliches Liedchen, doch nicht rumzuheulen, egal, wie es ausgehen würde. Ich weiß zwar nicht, ob die Hamburger das in diesem Moment so witzig fanden, ich allerdings schon.

In der Verlängerung passierte dann dasselbe wie in den zwei Halbzeiten zuvor, und es war das Einzige, was man der Mannschaft an diesem Abend zum Vorwurf machen konnte: wieder wurde der Beginn verpennt. In der ersten Halbzeit kassierte man das Gegentor nach fünf Minuten, in der zweiten nach neun – nun dauerte es wiederum nur fünf Minuten, da schlug es zum dritten Mal ein: van den Bergh hatte gegen Pitroipa gepennt, und der konnte von Torwart Melka nur griechisch-römisch davon abgehalten werden, die Kugel ins leere Tor zu biggeln. Klare Sache, Elfmeter, ebenso klar verwandelt von Trochowski zum 2:3. Und den mindestens ein Dutzend Couchpotatoes, die mich am nächsten Tag auf der Arbeit ansprachen und die der Meinung waren, Melka habe für diesen Einsatz zwingend Rot sehen müssen, weil wegen Notbremse und überhaupt, denen empfehle ich mal ein bisschen Regelkunde für diejenige Sportart, die sie so gerne zuhause gucken. Da nutzen auch sechs Zeitlupen nix, man muss schon wissen, was vor sich geht. Vielleicht ab und zu ins Stadion gehen, dann steigt naturgemäß das Interesse daran, auch mal die Regeln zu verstehen.

Mit diesem erneuten Führungstreffer des HSV war die Sache natürlich erledigt und alles ging seinen gewohnten Gang. Dachten die Gäste wohl. Zumindest spielten sie jetzt so weiter. Anstatt nochmal offensiv zu werden und die vierte Bude zu machen, die das Ganze nu wirklich entschieden hätte, beschränkte man sich darauf, das Spiel lässig nach Hause zu schaukeln und ließ sich tatsächlich hinten rein drängen. Hinzu kam, dass die wenigen Konter noch äußerst fahrlässig versiebt wurden. Okay, der Schuss von Petric wurde von Melka mal wieder klasse pariert, aber das Ding, welches Zé Roberto allein vor dem Keeper auf dem Schlappen hatte, und das er als gekonntes Lupferchen zum Abschluss bringen wollte, wobei der Ball nur auf dem Tornetz landete – das sah schon fast ein wenig arrogant aus. Oder wie es der Kommentator der ARD sagte: „Die Hamburger, die waren mit den Gedanken doch schon im Hotel…vielleicht noch ein spätes Abendessen…und dann das!“ Denn Fortuna zog in den letzten Minuten nochmal ein beeindruckendes Powerplay auf, drückte den HSV in dessen eigene Hälfte. Als der eingewechselte Heidinger knapp drei Minuten vor Schluss einen Kopfball nur Zentimeter neben das Tor setzte, dachten allen, das war`s. Aber zum Glück läuft so ein Spiel ja so lange, bis der Schiri abpfeift. Mit der allerletzten Szene gibt es noch eine Flanke von links in den Strafraum, der eingewechselte Lawaree kommt nicht zum Kopfball, der Ball springt Richtung rechtes Strafraumeck, und da kommt Lumpi Lambertz.

Der war in der 2. Halbzeit für den bärenstarken Neuzugang Fink eingewechselt worden. Ein Wechsel, den ich nicht ganz verstanden hatte, den wie gesagt, Fink lieferte ein Riesenspiel ab, und Lambertz fehlte nach seiner langen Verletzung noch jede Menge Spielpraxis. Das sah man auch sofort, der lief nämlich eigentlich während seines gesamten Einsatzes rum wie Falschgeld, ihm gelang nur sehr wenig. Ein Wechselfehler, hätte ich gesagt. Aber zurück zur 120. Minute…

Da kommt also Lumpi Lambertz an den Ball. Er legt das Spielgerät an Mladen Petric vorbei, der auch schon zur Aushilfe in den eigenen Strafraum abkommandiert worden ist. Petric dreht sich weg, will nicht noch in letzter Sekunde einen Elfmeter riskieren. Lambertz erreicht die Kugel ca. acht Meter vor dem Tor, halbrechts. Mit letzter Kraft zieht er ihn aufs Tor, erwischt den Ball dabei noch nicht einmal voll. Das erledigt dann für ihn Dennis Aogo. Der will klären, hält den Fuß im günstigsten Moment hin und lässt den eigentlich flachen Ball springen. Und zwar praktischerweise genau über Frank Rost hinweg, der sich natürlich am kurzen Pfosten positioniert hat. Und irgendwie sieht man schon im Ansatz, dass die Kugel schön ins lange Eck passen wird. 3:3, Ausgleich drei Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit. Wahnsinn!

Ich dachte anschließend, dass die Fans der Einfachheit halber gleich die Hütte abreißen, so hoch wurde der Geräuschpegel gedreht. Tolle Stimmung, zumal der Schiri gar nicht mehr anpfeifen ließ. Elfmeterschießen gegen den HSV!

Nun, das war es dann aber auch. Denn man kann ja mal versuchen, zu eruieren, wann wir zuletzt ein Elfmeterschießen gewonnen haben. So viele gab es davon ja nicht. Aber egal, ob im Pokal oder auf irgendeinem Dorfturnier – ich glaube, in diesem Jahrtausend haben wir noch keins gewonnen. In unseren Trikots scheint eine Art englisches Gen zu stecken, was diese Disziplin betrifft. Leider auch an jenem Arbeit, weshalb es dann auch schnell vorbei war. Marco Christ konnte den ersten fortunistischen Elfer noch im Netz unterbringen, als zweiter kam Sebastian Heidinger. Und der schoss nicht nur schlecht, der hatte auch noch Pech: sein Ball flog nämlich tatsächlich durch die Arme von Rost, insoweit alles richtig gemacht – und prallte anschließend dem HSV-Keeper ins Gesicht und wurde dadurch abgewehrt. Das zeichnet natürlich solch einen Klassemann aus – zur Not hält der die entscheidenden Bälle auch mit der Nase. Nach anschließender Behandlung war er schon wieder fit genug, um auch den nächsten Strafstoß von Olivier Caillas zu parieren, und da bei den Hamburgern Zé Roberto, Trochowski, Mathijsen und zuletzt Jansen souverän verwandelten, war es das für uns. Nach großem Kampf mit 4:7 nach Verlängerung und Elfmeterschießen ausgeschieden, dafür sehr viele Sympathien eingeheimst und Frank Rost die Nase gedellt – kann auch nicht jedes Team von sich behaupten. Völlig zu Recht wurde das Team nach dem Ende noch minutenlang von den Fans gefeiert. Ein toller Abend, wenn auch nicht ganz mit Happy End. Aber allein wie sich die Mannschaft zum Ende der Vorbereitung präsentierte, war schon höchst erfreulich. Besonders das, was die Neuzugänge Fink, Weber van den Bergh, mit Abstrichen auch Bulykin und vor allem Anderson ablieferten. Ja, dieser Anderson “Bamba“ Soares de Oliveira, jener Brasilianer, der sich schon beim ersten Training verletzte, anschließend vier Wochen mit diversen Wehwehchen fehlte und erst zum Testspiel gegen Arnheim erstmals richtig in den Kader rückte. Unglaublich, wie abgezockt der in der Innenverteidigung spielte! Und das trotz mangelnder Spielpraxis, mangelnder Kenntnis seiner Nebenleute und, laut Aussage seines Ex-Trainers Wollitz, mangelnder Deutschkenntnisse. Wenn es einem an so viel mangelt, und der legt dann solch ein Spiel hin, dann kann der nicht ganz so schlecht sein. Die 2. Liga konnte kommen!

Alles beim Alten I


Stell Dir vor, Du spielst nach zehn Jahren wieder in der 2. Liga, und keiner merkt es. Möglich machte dies die glorreiche DFL, die uns am ersten Spieltag exakt dieselbe Partie wie vor einem Jahr bescherte: Heimspiel gegen den SC Paderborn, seines Zeichens Mitaufsteiger. Dass es in diesem Jahr eine Zweitliga-Partie war, konnte man nur am Termin erahnen: Samstag, 08.08.2009, 13.00 Uhr. Die 3. Liga spielt um 14.00 Uhr, das ist der einzige Unterschied. Aber dafür werden wir ja auch live im Bezahlsender sky übertragen, und da der auch die Erste Liga überträgt, müssen die Zweitliga-Spiele vor Beginn der Erstliga-Partien beendet sein. Bloß keine Überschneidungen, nicht dass der Kunde auf die Idee kommen könnte, umzuschalten. Oder gar selbst in ein Stadion zu gehen, um Gottes Willen! Dann lieber Fußballspiele zur Mittagszeit anpfeifen. Hatte ich zuletzt in der D-Jugend, da wurde auch samstags mittags gespielt. Somit ein Hoch auf die DFL, die zumindest bei Leuten meines Alters, die früher selbst gespielt haben, wieder eine gewisse Nostalgie hochkommen lässt.

Ansonsten war alles wie letztes Jahr: der Gegner war derselbe, der Kader des Gegners größtenteils ebenso, selbst einer seiner Neuzugänge war ein Drittliga-Schreckgespenst. Rudi Zedi, Ex-Fortune, und in den vergangenen Jahren im Trikot von Kickers Emden stets verlässlicher Torschütze gegen uns. Allerdings nur bei Emder Heimspielen, in Düsseldorf traf er nie. Dies überzeugte Paderborns Coach André Schubert wohl, ihn gar nicht erst zu bringen, sondern auf die Bank zu setzen. Dafür war ich nicht undankbar.

Im letzten Jahr machte Fortuna gegen Paderborn das Spiel in der ersten Hälfte, vergab ein Höchstmaß an Torchancen, kassierte durch zwei Schüsse aufs Tor zwei Gegentreffer und verlor das Spiel anschließend deutlich mit 1:4. Dies sollte diesmal nicht passieren. Und deshalb übernahm man einfach die Paderborner Taktik vom Vorjahr: man ließ die Gäste kommen und unterbrach deren Spielfluss nur ab und zu, um ein Tor zu schießen. Ich weiß, dass das ziemlich unverschämt klingt – aber genau so war es. Den ersten Fortuna-Torschuss in der 2. Liga setzte Marco Christ. In der 15. Minute zirkelte er einen Freistoß aus zwanzig Metern Entfernung in die linke Ecke, der passte genau. Damit begann die Saison, wie die letzte endete, nämlich einem Tor von Christ. Gästekeeper Jensen machte keine gute Figur, schließlich war es die Torwartecke.

Fünf Minuten später sah er noch ein bisschen älter aus. Nachdem Paderborn unmittelbar nach dem Führungstreffer fast ausgeglichen hätte, Brückner aber aus Nahdistanz nur den Pfosten traf, rollte in der 20. Minute ein blitzsauberer Konter der Fortuna auf das Gästetor. Christ bediente Fink, der rechts im Strafraum kurz Ringelreihen mit seinem Gegenspieler spielte und den Ball dann flach ins kurze Eck schoss. Ein prima heraus gespieltes Tor, wenn auch unter gütiger Mithilfe der schläfrigen Paderborner Abwehr inklusive Torwart Jensen, der bei dem Flachschuss fiel wie eine Bahnschranke und den Ball durchwinkte. 2:0, keiner wusste, warum. Das sind ja irgendwie die schönsten Spiele. Und weil an jenem Samstag in der 1. Halbzeit einfach alles klappte, legte man mit dem dritten Torschuss auch gleich den dritten Treffer nach: in der 35. Minute rollte ein abgewehrter Querpass vor die Füße des rechten Verteidigers Christian Weber. Der haute aus vollem Lauf und ca. 25 Metern einfach mal drauf – wieder drin, das Ding, diesmal für den Torwart unerreichbar abgefälscht. 3:0 nach etwas über einer halben Stunde – kaum vorstellbar, dass jemand das vor dem Spiel getippt haben könnte.

In der 2. Halbzeit tat sich nicht mehr viel, da die Fortuna-Abwehr endlich sicher stand, was in der ersten Hälfte nicht immer der Fall war. Man konnte es sogar verkraften, dass Torwart Melka mit einer Fußverletzung zur Pause in der Kabine bleiben musste. Michael Ratajczak kam zu seinem ersten Zweitliga-Spiel, bekam aber nichts mehr zu halten, da die Paderborner Stürmer nicht mehr durchdrangen. Als wir in der 63. Minute den ersten Eckball des Spiels erhielten und unter stürmischem Jubel der Fans das diesbezügliche Verhältnis auf 1:9 verkürzen konnten, da konnte man schon mal durchatmen (am Ende hieß es 2:10…welch eine Blamage…). Und als der nach einer Stunde eingewechselte Paderborner Stürmer Daghfous nach 83 Minuten schon wieder gehen durfte, erst Gelb, anschließend Gelb/Rot, beides innerhalb von zwei Minuten (auch kein schlechter Arbeitsnachweis), spätestens zu diesem Zeitpunkt konnte auch der größte Skeptiker (also ich) mit den Feierlichkeiten zum ersten Zweitliga-Sieg nach zehn Jahren beginnen. Schön war´s!

Das Spiel sahen übrigens 19.300 Zuschauer. Einige Herrschaften waren darüber ernsthaft enttäuscht. Beim ersten Zweitliga-Spiel nach so langer Zeit, da hätten doch mehr Zuschauer kommen müssen! Ja, beim Online-Manager vielleicht! Aber ein Spiel samstags um 13 Uhr, mit paralleler Live-Übertragung und einem Gegner, den man aufgrund der exakt gleichen Ansetzung wie im letzten Jahr zunächst mal mit der 3. Liga assoziieren musste – da fand ich fast 20.000 Zuschauer schon sehr beachtlich. Zumal sich der gemeine Eventie, der sich die Fortuna in den letzten Jahren eh immer vom Leib gehalten hat, von einem tollen Pokalspiel noch lange nicht locken lässt. Und auch nicht von einem Auftaktsieg gegen Paderborn. Da wird man noch ganz andere Überzeugungsarbeit leisten müssen, damit solche Leute auch wieder regelmäßig kommen. Immerhin, ein Anfang wurde gemacht. Und beileibe kein schlechter, wie ich an jenem 08.08.09 fand.

Alles beim Alten II

Stell Dir vor, Du spielst nach zehn Jahren wieder in der 2. Liga, und keiner merkt es. Möglich machte dies die glorreiche DFL, die uns am zweiten Spieltag einen Gegner bescherte, den wir aus den letzten Jahren auch gut kannten: den zweiten Mitaufsteiger Union Berlin. Ganz aufregend. Ich möchte gerne mal wissen, was diese Herrschaften sich bei der Spielplangestaltung so denken. Wahrscheinlich nicht allzu viel.

Am 15.08.2009 um 13.00 Uhr stand also das zweite Aufsteiger-Duell an. Dies stürzte mich in ein planerisches Problem, welches aber recht schnell und effizient gelöst werden konnte. Ich war nämlich am Abend zuvor auf einer Hochzeitsfeier eingeladen – und zwar in Hamburg. Aber das ließ sich dann doch prima kombinieren, nur der Schlaf blieb auf der Strecke. Doch wer braucht schon Schlaf, wenn’s um die 2. Liga geht? Und vor allem, wenn einem auf dieser Tour wirklich jedes greifbare Beförderungsmittel geboten wird? Da kann man nicht Nein sagen.

Und so begann jenes Wochenende für mich am Freitag, den 14.08.2009, mit der Fahrt nach Hamburg. Wir fuhren mit dem Auto und kamen eigentlich auch ganz gut durch. Allerdings machten wir auch die Entdeckung, dass sie auf der A 1 jetzt völlig durchdrehen. Ungeachtet der Riesen-Baustellen in Köln, Wuppertal, Remscheid und vor Osnabrück will man jetzt wohl mit Gewalt ins Guinness Buch der Rekorde, anders ist das nicht zu erklären. Zwischen Bremen und Hamburg wird nun die Autobahn auf 75 (fünfundsiebzig) Kilometern im großen Stil erneuert. Das Ganze ist aufgeteilt in Bauabschnitte, die auch ordentlich durchnummeriert am Straßenrand angezeigt werden. Derzeit sind die ungeraden Zahlen dran, will heißen: erst kommt „Bauabschnitt 9“, das ist eine fünf Kilometer lange Baustelle, dann kommen ein paar Kilometer freie Fahrt, dann kommt „Bauabschnitt 7“, das ist eine fünf Kilometer lange Baustelle, dann wieder fünf Kilometer freie Fahrt, dann „Bauabschnitt 5“ usw. Und das Ganze natürlich als mehrjährige Maßnahme ausgelegt, ich meine, auf den Schildern etwas bis 2011 gelesen zu haben. Wer sich das ausgedacht hat, dem spreche ich jeglichen Verstand in verkehrstechnischen Fragen ab. Wir rauschten am Freitag Morgen zwar noch halbwegs unbehelligt durch, aber was dort zu Stoßzeiten los ist, kann sich jeder selbst ausmalen. Da fragt sich der geneigte Autofahrer, warum die die A 1 von Köln bis Hamburg nicht einfach für mehrere Jahre sperren. Würde eh kaum einer merken, die meisten Leute, die dort regelmäßig durchfahren, düsen die Hälfte der Strecke sowieso schon über Ausweich-Autobahnen oder über Land, weil sie wissen, was sie erwartet. Wahnsinn.

Aber wie gesagt, wir kamen gut durch, checkten ins Hotel ein und warteten dann auf die übrigen Hochzeitsgäste und vor allem auf das glückliche Brautpaar, das zuvor im engsten Familienkreis geheiratet hatte. Sehr einverstanden war ich, dass der Bräutigam vor diesem Landgasthof die HSV-Fahne hatte hochziehen lassen. Das ist mal ne anständige Hochzeit im Norden! Und so wurde es auch ein gemütlicher Abend, dermaßen gemütlich, dass ich erst um zwei Uhr nachts die Segel strich – als einer der Ersten, so gemütlich war es. Aber die Anderen konnten ja am nächsten Tag ausschlafen. Wir leider nicht. Um kurz nach sieben schellte der Wecker (bzw. weckte mich das Handy mit einem neuen Klingelton – das köstliche Geschrei des ARD-Kommentators Gerd Gottlob beim 3:3-Ausgleich im Pokalspiel gegen den HSV...göttlich), um kurz nach acht waren wir schon wieder auf der Piste, um von diesem idyllischen Ort Sottorf zum Hamburger Hauptbahnhof zu gelangen. Dies stellte sich trotz Navigationshilfe als nicht ganz so einfach heraus, konnte aber schließlich locker im Zeitrahmen bewältigt werden. Vom Hamburger Hauptbahnhof ging es dann um kurz nach 9 Uhr mit einem ICE nach Berlin. Eine schöne Zugverbindung zwischen Hauptbahnhof und Hauptbahnhof – ohne Zwischenstopp! Dementsprechend halb leer, weil wahrscheinlich völlig unbekannt. Mir war das auch erst suspekt, aber der Zug fuhr wirklich durch, sogar ohne zwischendurch auf freier Ebene mal völlig unmotiviert stehen zu bleiben. Somit traf ich nach nur eindreiviertel Stunden Fahrtzeit in der Bundeshauptstadt ein.

Da ich zum allerersten Mal den neuen Berliner Hauptbahnhof betrat, musste ich mich natürlich erst einmal umsehen. Groß ist er geworden, das vor allem. Ziemlich groß. Und sehr, wie sagt man heutzutage?, sehr stylisch. Viel Glas verbaut. Der Kollege Union-Fan, der mich vom Bahnhof abholte, musste erst überlegen, wo er sein Auto geparkt hatte, auch er war noch nicht allzu oft dort gewesen. Als wir aus dem Ausgang traten, schaute ich vorsichtshalber nach oben, ob nicht grad wieder ein Teil des Daches herunter kam, dies war aber nicht der Fall. Man kann ja nie wissen! Anschließend entschädigte der direkte Durchblick zum Reichstag dafür, dass unmittelbar vor dem Bahnhof ein großer Platz als leere Sandwüste glänzt, da fehlt offenkundig noch etwas. Wir schritten vorbei an einem auf einer Wiese selig schlummernden Typen, wahrscheinlich ein Überbleibsel aus der Nacht zuvor, stiegen in den Wagen und fuhren ab. Leider hat der liebe Gott zwischen den Hauptbahnhof und den Stadtteil Köpenick, in dem sich die Alte Försterei befindet, auch wieder jede Menge Baustellen, Straßensperrungen und Umleitungen gepackt. Und so kam ich immerhin in den Genuss einer Anfahrt, die einem auch nicht alle Tage geboten wird, und die Fleckchen rund um Köpenick einbezog, die auch der normale Berliner wohl eher selten sieht. Als Krönung ging es sogar eine Zeitlang über eine „Fortunaallee“, das hätte natürlich ein gutes Omen sein können. Anschließend traf man an der Alten Försterei ein, wo man bei aller Selbstrestauration der Hütte vergessen hat, auch mal ein bisschen was an den „Parkplätzen“ zu machen, sprich: wir durften mal wieder auf so einer Stoppelwiese direkt an der Wuhlheide parken.

Und nun muss auch ich in den Jubelchor sämtlicher Medien einstimmen, die zu Saisonbeginn tagelang nichts Anderes zu berichten hatten: ja, das Stadion ist wirklich sehr schön geworden, und ja: das ist eine tolle Leistung der Fans gewesen, keine Frage. Aber nu muss es doch mal gut sein. Ich wurde an jenem Tag ca. fünfzehnmal auf der Haupttribüne darauf hingewiesen, wie toll das Stadion doch sei und ob ich wüsste, dass die Fans das in Eigenregie...? Nee, war mir völlig neu, konnte ich in den letzten Wochen und Monaten ja nur ca. 150mal lesen/hören/sehen, aber erzählen Sie es ruhig noch mal, vielleicht gibt’s ja was Neues. Wie gesagt: es lässt sich nicht bestreiten, dass dies ein tolle Leistung der Union-Fans war, mal ganz abgesehen von den zwei Millionen Euro Umbau-Kosten, die sie dem Verein gespart haben. Und ebenfalls abgesehen davon, dass Union mit diesem Stadion niemals international spielen wird, weil man leider irgendwie zu viele Stehplätze eingebaut hat. Aber das sollte nu wirklich kein Kriterium sein, über das es sich denn Kopf zu zerbrechen lohnt, weder für Union noch für uns.

Und so begann das zweite Aufsteiger-Duell, weil die DFL und sky es so wollen, auch schön in der besten Mittagshitze mit 32 Grad um 13.00 Uhr. Von den warmen Temperaturen völlig unbeeindruckt, legte Union zunächst los wie die Feuerwehr. In der ersten Halbzeit hatte Unsere wirklich nicht viel zu bestellen, es ging zumeist immer nur in eine Richtung. Aber vor dem Tor waren sie viel zu überhastet, Michael Ratajczak – der weiterhin das Tor hütet, bis Michael Melka wieder völlig fit ist – musste nur in einer Szene ernstlich eingreifen, und da stand ihm das Glück zur Seite: als Benyamina völlig freistehend vor ihm zum Kopfball ansetzte, kam die Kugel genau auf Mann. Ratajczak musste zwar nachfassen, erwischte den Ball aber deutlich vor der Torlinie, es gab auch keine Diskussion. Auf der Gegenseite kam Fortuna gegen Ende der ersten Halbzeit besser ins Spiel und verbuchte auch eine Großchance, als Bulykin am Sechzehner schön freigespielt wurde, und Unions Keeper Glinker mit einem Schlenzer ins lange Eck überwinden wollte. Leider rutschte ihm der Ball über den Schlappen und flog daher nicht nur am Torwart, sondern auch am Tor vorbei. Zur Pause 0:0, durchaus etwas glücklich für Fortuna, aber wie gesagt, so richtig zwingend waren die Chancen für Union auch nicht.

Daran änderte sich im Laufe der zweiten Halbzeit auch nicht viel. Im Gegenteil, je länger das Spiel dauerte, desto besser kam Fortuna auf und gestaltete die Partie offen. Bis dann zwei Ereignisse die Sache entschieden: zum Einen nagelte Dogan mit einer kunstvollen Blutgrätsche am Mittelkreis unseren Regisseur Marco Christ um, ohne auch nur in die Nähe des Balles zu kommen. Dafür gab es natürlich nicht mal Gelb, da der Schiri an jenem Tage so ziemlich alles durchgehen ließ, und die Berliner spielten schon einen ziemlich nickligen Ball. Nun, seit dieser Aktion von Dogan ist Christ diesbezüglich erst einmal nicht mehr gefährdet, er erlitt dabei nämlich einen Teileinriss des Innenbandes im Knie und fällt circa sechs Wochen aus. Ausgerechnet der Spieler, der in den letzten Monaten die alles überragende Figur war und seinen Super-Lauf aus dem letzten Monat der Drittliga-Saison erfolgreich über die Sommerpause in die neue Spielzeit gerettet hat, und der in der Woche zuvor selbst noch sagte, er fühle sich derzeit in der Form seines Lebens. Da bleibt nur zu hoffen, dass er sie nach dieser längeren Pause schnell wieder findet.

Das andere entscheidende Ereignis war eine Einwechslung. Unions Trainer Neuhaus hatte wohl schon erkannt, dass seine Truppe hier noch drei Stunden würde weiterspielen können, ohne ins Tor zu treffen. Aber genau wie sein Kollege Schubert von Paderborn hatte er ja noch ein Trumpf auf der Bank sitzen, ebenfalls in Gestalt eines Ex-Fortunen: Kenan Sahin. Anders als sein Kollege in der Vorwoche überlegte Neuhaus nicht lange und brachte ihn Mitte der zweiten Halbzeit. Und was dann geschah, das brauche ich dem erfahrenen Leser dieser Seiten wohl nicht näher erläutern, oder?

In der 76. Minute kurvt Sahin mit dem Ball kurz hinter dem Sechzehner von der linken Seite nach innen ein. Er schaut nach einem Anspielpartner, findet keinen und zieht einfach mal ab. Die Kugel wäre auch bestimmt irgendwo Richtung Eckfahne wieder runter gekommen, aber Stephan Sieger, der Sahin just in diesem Moment am Schuss hindern will, hält den Schlappen rein und fälscht die Kugel ab. Heraus kommt eine wunderschöne Bogenlampe, die genau ins rechte Eck passt. Und die für meine Begriffe nicht ganz unhaltbar aussah, denn der Ball war „ewig“ in der Luft, trotzdem reagierte Ratajczak erst zu spät und kam dann nicht mehr vom Boden weg. Ich hatte den Eindruck, er hat im ersten Moment geglaubt, das Ding geht übers Tor und die Gefahr zu spät erkannt. Sei es wie es sei, 1:0 für Union eine Viertelstunde vor Schluss, natürlich durch den Ex-Fortunen. Und das war es dann auch, zum Schluss versuchte Fortuna zwar noch mal alles, aber das war ebenso wenig zwingend wie das, was die Berliner zuvor versucht hatten. Nur hatten wir keinen Ex-Berliner dabei und keinen hilfreichen Fuß, der unglücklich abfälschte, und deshalb verloren wir das Spiel. Insgesamt wohl nicht ganz unverdient, denn Union hatte mehr vom Spiel, aber dennoch ziemlich unglücklich. Es war das vierte 0:1 gegen Union in Folge, diese Spiele kann man sich zukünftig wohl sparen. Aber sie hatten auch Nachholbedarf, in der Serie aller unserer Union-Spiele nach dem Wiederaufstieg 2004 sind die erst mit dieser Partie 5:4 in Führung gegangen. Interessant ist, dass es noch nie ein Unentschieden zwischen beiden Teams gab, und bis auf unseren 2:0-Kantersieg im Jahr 2004 (erstes Spiel in der damals noch unfertigen, namenlosen Arena) gab es immer nur Siege mit einem Tor Abstand. Man sieht, es geht immer eng zwischen uns zu, und derzeit haben wir halt die Arschkarte gezogen. Aber in der Rückrunde sollten wir doch wirklich endlich mal wieder an der Reihe sein.

Nach dem Spiel wollte der Kollege mich noch zum Flughafen Tegel fahren. Ein etwas mühevolles Unterfangen, da es zunächst eine kleine Ewigkeit dauerte, von der Wiese und anschließend von der Wuhlheide runter zu kommen, da war in beiden Richtungen eigentlich alles dicht. Auch konnte die übliche Strecke mal wieder nicht befahren werden, aufgrund einiger Umleitungen. Die Krönung war dann jedoch, dass das Navi, nachdem es eine Verkehrsstörung (Stau) auf dem berechneten Weg angezeigt hatte, uns dreimal mitteilte: „Eine Ausweichroute kann nicht berechnet werden.“ Das war sogar dem Kollegen etwas peinlich. Wenn ich irgendwo durch ein 100-Einwohner-Nest fahre, mit einer einzigen Hauptstraße, und die ist grad gesperrt, und ringsum sind nur Felder, Wiesen und Wälder – dann kann ich so eine Ansage verstehen. Aber in der Bundeshauptstadt??? Traurig, traurig. Nun ist der Kollege zum Glück mit allen Wassern gewaschen, präsentierte mir wieder mal Ecken von Berlin, die so auch noch nicht viele Leute gesehen haben (unter anderen die Straße „Am Hasenlauf“ ist mir irgendwie im Gedächtnis geblieben, es klingt irgendwie so tröstlich neben all dem Beton und den Baustellen) und brachte mich nach einer gefühlten halben Weltreise dennoch sicher und locker im Zeitrahmen zum Flughafen. Dafür vielen Dank! Am Flughafen war natürlich ordentlich was los, schließlich begann an jenem Tage die Leichtathletik-WM, es standen Shuttle-Busse für die jetzt noch anreisenden Athleten bereit und alle, die nur für irgendwas zuständig waren, und sei es nur dafür, anderen Leuten die Tür aufzuhalten, trugen diese DIN A 4-großen Akkreditierungen um den Hals. Um dem zu entgehen, folgte ich dem Rat, der alle paar Minuten über Lautsprecher verkündet wurde, nämlich sofort nach dem Einchecken zum Abflug-Gate zu gehen. Was in diesem Fall dann eher ein Reinfall war, es handelte sich um ein kleines Seiten-Gate, in dem kein Laden geöffnet hatte und auch kein Klo aufzufinden war. Und so hielt ich tapfer anderthalb Stunden durch und hoffte inständig, bis zum Abflug nicht verdurstet zu sein und auch nicht aufs Klo zu müssen, denn dafür hätte ich das Gate ja wieder verlassen müssen, was mir bei all den nervösen Sicherheitsleuten, die dort am Start waren, sicherlich als terroristische Absicht ausgelegt worden wäre. Aber es haute alles hin, und zum Schluss spielte auch noch der Wettergott mit und sorgte mit ordentlich Rückenwind dafür, dass der Flug nach Köln/Bonn anstelle der veranschlagten einen Stunde nur vierzig Minuten dauerte, was wiederum bedeutete, dass die Viertelstunde Verspätung beim Abflug wieder reingeholt wurde. Ja, manchmal läuft´s halt.

Als Fazit bleibt festzuhalten: die Mannschaft hatte nicht enttäuscht, nur zu wenig aus ihren Möglichkeiten gemacht, und durch ein halbes Eigentor verloren. Ärgerlich, aber es gibt Schlimmeres. Und was mich persönlich betrifft: am Morgen in Hamburg, am Mittag in Berlin, am Abend in Bonn – und die Frisur saß auch noch. Einmal im Leben so busy busy wie die meisten meiner Mitflieger! Davon werde ich sicherlich noch meinen Enkeln erzählen...

Endlich mal was Neues (in der Liga)

Am Freitag, den 21.08.2009 kam mit der TuS Koblenz endlich, endlich eine Mannschaft, die auch schon in der vergangenen Saison in der 2. Liga gespielt hatte. Nach langem Warten also tatsächlich etwas Neues!

Zuvor hätte man ja meinen können, es habe sich gar nichts geändert. Paderborn und Union Berlin waren zumindest nicht das, was mir spontan eingefallen wäre zum Stichwort „Gegner in der 2. Liga“. Schließlich hatten wir in den letzten Jahren des Öfteren das zweifelhafte Vergnügen, gegen diese beiden Teams antreten zu dürfen, und auch die Spiele gegen die beiden kamen einem, wie geschildert, merkwürdig bekannt vor. Gegen Paderborn mal wieder ein Kantersieg im Eckballverhältnis für die eine Mannschaft, während die andere den Ball einfach ins Tor schießt. Im letzten Jahr war das Paderborn, diesmal wir. Gegen Union Berlin war es dann noch einfacher, da wurde gleich das Standardergebnis aus den letzten beiden Jahren mitgebracht. Wenn jemand sich also, sagen wir, im Mai auf eine dreimonatige Weltreise begeben hätte, erst in diesen Tagen zurück gekommen wäre und sich über unsere ersten beiden Partien informiert hätte, der hätte nicht ganz zu Unrecht ausgerufen: „Das ist doch nicht 2. Liga! Da habt ihr doch nur das Logo der Liga heimlich ausgetauscht! Skandal!“

Aber das ist ja erst einmal vorbei, ab jetzt gibt es nur noch Neuland, wie es sich für einen Aufsteiger gehört. Nunmehr kam also die TuS Koblenz. Jawohl, es heißt „die“, ich habe mich erkundigt, denn es handelt sich um eine Turn- und Spielvereinigung. Wenn man sich diesen Verein ganz neutral betrachtet, kommt man nicht ganz um den Gedanken herum, dass irgendjemand beim DFB nicht gut auf den Club zu sprechen sein muss. Oder vielleicht hat jemand aus der Koblenzer Führungsriege dem Spielleiter in der DFB-Zentrale mal die Freundin ausgespannt? Irgendetwas in der Art könnte es sein. Und so zieht man den Koblenzern in regelmäßigen Abständen einfach mal ein paar Punkte für wirtschaftliche Vergehen ab, um die Spannung hoch zu halten auch gerne gegen Ende einer Saison, wohlweißlich ignorierend, dass ähnliche Vergehen bei in Frankfurt anscheinend besser gelittenen Klubs nicht so harsch und schon gar nicht während einer laufenden Saison geahndet wurden. Die Koblenzer waren davon allerdings bislang stets unbeeindruckt und haben trotz der Punktabzüge jedes Mal locker den Klassenerhalt geschafft. Auch ansonsten sind sie durchaus abwechslungsreich: so brillierten sie in der letzten Saison mit einem überragenden 5:0 gegen Kaiserslautern, nur um eine Woche später, mit exakt derselben Aufstellung, knapp mit 0:9 bei Hansa Rostock zu verlieren – bei einer Truppe übrigens, die sie in der Endabrechnung überholt hätten, wäre da nicht wieder mal ein Punktabzug gewesen. Trainer Uwe Rapolder wandelte nach diesem Spiel übrigens haarscharf an der Grenze zur Menschenrechtsverletzung und Meldung bei amnesty international, als er seiner Mannschaft auf der Busfahrt von Rostock nach Koblenz gnadenlos die Videoaufzeichnung des Spiels immer wieder vorführte. 520 Kilometer lang! Wer dies überstanden hat, ohne innerlich Schaden zu nehmen, der sollte nicht unterschätzt werden. Außerdem dürften sie über das einzige Stadion in ganz Deutschland verfügen, welches in einem Wasserschutzgebiet liegt. Das macht einen weiteren Ausbau naturgemäß etwas schwierig, auch was die Infrastruktur betrifft, weshalb ich bereits jetzt Besuchern des Rückspiels zu einer frühzeitigen Anreise rate.

Im Kader der TuS stehen natürlich einige Spieler, von denen wir noch nicht viel gehört hatten. Der Exot schlechthin dürfte Stürmer Shefki Kuqi sein, ein albanischer Finne, der in den letzten Jahren in England gespielt hat. Eine ganz bunte Mischung also. Bevor man sich allerdings dazu hinreißen lässt, allein aufgrund des knuffigen Namens zu grinsen, kann man ja mal nachfragen, was denn Andere von ihm halten. Zum Beispiel in Bielefeld. Wer bei den Ostwestfalen in diesen Tagen einfach mal die Bemerkung fallen lässt, dieser Kuqi sei doch eigentlich ein ganz Netter, der sollte aber auch gute Laufschuhe tragen. Schließlich hatte der Koblenzer Stürmer den Erstliga-Absteiger am 2. Spieltag fast im Alleingang nach 0:2-Rückstand noch abgeschossen. Natürlich hoffte ich auf einen Sieg unserer Fortuna, aber es würde ein hartes Stück Arbeit werden. Im Rückspiel wohl sogar noch mehr, denn eigentlich müsste bis dahin der jährliche Punktabzug fällig sein. Aber das sollte weder uns noch die Koblenzer an jenem Abend stören.

Die erste zwingende Chance hatten zwar die Koblenzer, als Tom Geisler ein Missverständnis zwischen Anderson und Cakir nutzte, um mit dem Ball rechts in den Strafraum zu ziehen, aber sein Flachschuss ging am langen Eck vorbei. Als ob dies ein Weckruf gewesen wäre, legte die Fortuna los. In der ersten Halbzeit spielte man die TuS glatt an die Wand. Die Koblenzer, die nach den Worten ihres Trainers Uwe Rapolder reichlich „pomadig“ auftraten, wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Einzig Torwart Yelldell behielt noch den Überblick und holte alles raus. Sein Glanzstück war sicherlich, wie er nach einem Zucker-Angriff über Jovanovic und Bulykin sowie dessen Hereingabe irgendwie noch eine Hand an den Ball brachte, den Lambertz aus Nahdistanz an ihm vorbei drücken wollte. Der Koblenzer Keeper war mit Abstand bester Spieler auf dem Platz in der ersten Halbzeit. Nur an zwei Bälle von Jovanovic kam er nicht heran. Den einen setzte unser Stürmer mit einem Freistoß gegen die Torlatte, der zweite, in der 40. Minute, aus ca. 16 Metern halbhoch ins linke Eck durch die Beine seines Gegenspielers abgefeuert, war dann endlich drin. 1:0-Pausenführung, so was von verdient, dass man sich ernsthaft fragte, wer denn hier der Aufsteiger sei. Normalerweise hätte das Spiel schon entschieden sein müssen.

Nun, in der zweiten Halbzeit zeigte mal wieder die Abwehr, warum sie dabei ist, sich erneut zum stärksten Mannschaftsteil zu entwickeln. Anderson und Cakir als Innenverteidiger sowie van den Bergh und Weber auf Außen ließen so gut wie nichts mehr zu, und auch Torwart Ratajczak hatte noch seinen großen Auftritt: einmal, ein einziges Mal nur hatte sich der ansonsten völlig abgemeldete Shefki Kuqi davon geschlichen, prompt konnte er eine zu kurze Kopfballabwehr im Sechzehner volley aus der Luft nehmen und flach Richtung langes Eck befördern. Und der hätte gepasst, wenn Ratajczak sich nicht ganz lang gemacht und den rechten Arm ausgefahren hätte. Mit einer Hand machte er die einzig richtige Ausgleichschance der Koblenzer zunichte und wurde damit zum Matchwinner, zumal wir vorne in bewährter Manier noch die eine oder andere Konterchance vergaben. Es wurde ein hoch verdienter 1:0-Sieg, der tatsächlich noch ein, zwei Tore höher hätte ausfallen können.

Besonderes Augenmerk wurde in diesem Spiel auf Lumpi Lambertz gerichtet. Der war schon in der ersten Halbzeit bei einem Kopfballduell mit einem Koblenzer zusammen gerasselt und lief seitdem mit einem schicken Turban durch die Gegend. Kurz vor Schluss rastete Lumpi völlig aus, keine Ahnung, warum. Auf jeden Fall sah ich ihn nur, wie er mit dem Kopfverband in der Hand hinter dem Schiri herlief und sich lauthals beschwerte. Anschließend feuerte er den Lappen zielgenau Richtung Koblenzer Ersatzbank, weiterhin laut schimpfend. Dem Trainer schien es dann geraten, seinen Kapitän ganz schnell auszuwechseln, bevor dieser noch etwas Unüberlegtes tun würde. Lambertz verließ den Platz und pöbelte tatsächlich noch von der Seitenlinie aus weiter! Keine Ahnung, was den geritten haben mag, auf jeden Fall habe ich ihn selten so auf 180 gesehen wie an jenem Abend.

Übrigens sahen das Spiel 20.150 Zuschauer. Trotz der „etwas“ unglücklichen Anstoßzeit um 18 Uhr. Und trotz des sicherlich nicht unbedingt attraktiven Gegners. Vielleicht geht ja wirklich was, mit Fortuna und den Zuschauern in dieser Saison. Aber warten wir doch mal ab, was sich so entwickelt, wenn die Mannschaft mal mehrere Spiele hinter einander verlieren sollte.

Mit sechs Punkten aus drei Spielen darf man durchaus konstatieren, dass Fortuna in der 2. Liga angekommen ist. Die Mannschaft spielt guten Fußball, die Neuzugänge Fink, Weber und vor allem Anderson sind derzeit überragend, van den Bergh spielt auch stark, nur an Bulykin scheiden sich noch die Geister. Er läuft sehr viel, legt die Bälle gut ab, hat ein Auge für den Nebenmann, hat auch schon die ein oder andere Chance vorbereitet, aber selbst getroffen hat er eben noch nicht. Und dafür wurde er ja eigentlich geholt. Gegen Koblenz kam er diesem Ziel mit zwei gefährlichen Kopfbällen schon wieder näher. Hoffen wir, dass bei ihm bald der Knoten platzt.

Nachdem man unter der Woche noch ein Testspiel bei der luxemburgischen Nationalmannschaft mit 2:0 gewonnen hatte, bei dem der langzeitverletzte Jens Langeneke endlich wieder spielen konnte und auch gleich ein Elfmetertor erzielte, hat der Trainer in der Abwehr derzeit wirklich die Qual der Wahl. Die wird er aber auch brauchen, denn am kommenden Montag, 31.08.2009, geht es zum kleinen Derby nach Duisburg. Und endlich, endlich, nach einem gefühlten Menschenalter tritt Fortuna mal zu einem Meisterschaftsspiel an, bei dem man wirklich nix zu verlieren hat und nicht als Favorit genannt wird. Der MSV Duisburg ist einer der Top-Aufstiegsfavoriten der Liga, das sagt sogar der eigene Trainer, Peter „Dancing Pete“ Neururer gerne in jede Kamera, die nicht rechtzeitig abgeschaltet wird. Und wenn man sich den Kader der Zebras anschaut, dann hat das auch durchaus seine Berechtigung. Alles Andere als ein Sieg der Duisburger am Montag wäre schon eine faustdicke Überraschung. Aber wer weiß? Schließlich hatte auch der HSV das Pokalspiel schon nach fünf Minuten gewonnen. Vielleicht gelingt uns gegen Duisburg ja eine ähnlich gute Leistung. Und wenn man dann dort etwas mitnehmen könnte, wäre das schon ein dickes Ding. Aber die gibt es ja glücklicherweise immer mal im Leben.

Abseits des Rasens

Nun müssen wir natürlich noch einmal abschweifen, denn wie ich im letzten Bericht angekündigt hatte, gab es ja am 25.08.2009 noch diese außerordentliche Mitgliederversammlung, bei der drei Aufsichtsräte und ein kompletter Wahlausschuss neu zu wählen waren. Dies mündete bekanntlich vor Wochen schon in einen lustigen Wahlkampf, sowohl öffentlich als auch virtuell. Wahlkampf bedeutet übrigens in diesem Fall, dass in den großen Zeitungen, die Düsseldorfer Themen bedienen, wie z.B. die Rheinische Post oder die Westdeutsche Zeitung, diejenigen Herren die Berichterstattung übernahmen, die ansonsten für die Lokalpolitik verantwortlich zeichnen. Und wer nicht in Düsseldorf wohnt, die dortigen Printmedien und deren Online-Ausgaben nicht verfolgt, der kann jetzt gerne über diesen müden Witz lächeln – es ist aber keiner. Denn mit Sport hatte das alles schon längst nichts mehr zu tun, also was sollten da noch die Sportjournalisten mitreden?

Die Vorgeschichte hatte ich ja bereits in meinem letzten Artikel und dem, der den April 2009 zusammenfasste, erläutert: Nach dem damaligen Rücktritt des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Reinhold Ernst rückte der Telekom-Manager Dirk Kall auf diesen Posten, nachdem dies kommissarisch der einstimmig entlastete (d.h., er bekam eine einzige Stimme zur Entlastung) Heinrich Pröpper übernommen hatte. Durch den Rücktritt von Dr. Ernst und andere personelle Veränderungen mussten die erwähnten drei Stellen im Aufsichtsrat am 25.08.2009 neu besetzt werden. In seiner ersten Sitzung nach der Wahl der drei neuen Mitglieder wird der Aufsichtsrat dann einen neuen Vorsitz wählen oder den bisherigen bestätigen.

Dass sich Ex-Stadtsparkassen-Chef Hans Schwarz als neuer Aufsichtsrat ins Gespräch gebracht hatte, im Gepäck ein Konzept des Vermarkters Sportfive, das eine langjährige Bindung des Vereins, aber auch einige Millionen als Einnahme beinhaltete, darüber habe ich bereits berichtet. Auch darüber, dass der amtierende Aufsichtsrat über diese Angelegenheit not amused war, weil man selbst schon mit dem Vermarkter Infront verhandelt und dort auch einen Abschluss erzielt hatte. Da Schwarz aber ordentlich Druck in der Öffentlichkeit machte, kam es zum Streit. Und da musste natürlich wieder einer schlichten, der ansonsten mit Fußball nicht allzu viel am Hut hat: der Oberbürgermeister Elbers, Nachfolger des legendären Joachim „Ich bin Aufsichtsrat – und zwar alle!“ Erwin. Schließlich gedenkt die Stadt auch weiterhin, bei Fortuna ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, allein schon, was die Arena betrifft. Und Stadtjünger Pröpper im Aufsichtsrat, war ja derjenige, dem bei der Versammlung im April so dermaßen beeindruckend das Misstrauen ausgesprochen wurde, dass eigentlich klar war, dass der so nicht zurücktreten würde, diese Niederlage wäre dann doch ein wenig zu peinlich gewesen. In solchen Fällen zieren sich Politiker gerne, geben sich trotzig, sagen „Ich kämpfe weiter!“ und warten darauf, mit einem netten Pöstchen weggelobt zu werden, inklusive einer öffentlichen Aussage ihrer Partei, dass man sich nichts vorzuwerfen habe. Nu ist der Pröpper zwar kein Politiker, aber Aussitzen kann der auch wie ein Großer. Das können sie ja heutzutage alle.

Also, der Herr Oberbürgermeister rief, und alle kamen. Sie gingen ins Rathaus mit unterschiedlichen Vorstellungen rein und kamen, um den verstorbenen Ex-OB zu zitieren, „mit einer Zunge“ wieder raus. „Burgfrieden“ nennt man so etwas wohl. Schwarz durfte erklären, er habe die Vorzüge des anderen Konzeptes erkennen müssen. Wahrscheinlich weil sie ihm drinnen stundenlang um die Ohren gehauen worden sind, oder wie erklärt man sich sowas? Zumal er glatt übersehen hatte, dass aus diesem „anderen Konzept“ schon längst ein Vertrag geworden war, ob er da Vorzüge erkennt oder in China fällt ein Sack Reis um, ist völlig irrelevant. Aber er wollte bei seiner Kandidatur für den Aufsichtsrat bleiben, deshalb musste das Sprüchlein wohl kommen. Dass er Kopf einer bestimmten Gruppe ist, die komplett in die Fortuna-Führung kommen wollte, wie u.a. in meinem letzten Bericht geschrieben, bestritt er.

Tja, aber mitgehangen, mitgefangen! dachte sich da ein Anderer. Und so ließ das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Sascha Dücker mal ordentlich einen ab. Das ist übrigens derjenige, der Ende 2004 auf unerträgliche Art und Weise vom Ex-OB aus dem Amt gemobbt wurde, auch das ist tatsächlich hier auf dieser Website noch nachzulesen (Bericht vom 14.12.2004), ich komm mir echt langsam steinalt vor. Bei diesem handelt es sich aber auch um das von mir im letzten Bericht erwähnte Forumsmitglied, welches sich nach wochenlang Werbefeldzügen für das Sportfive-Konzept erst auf wiederholtes Nachfragen daran erinnern konnte, ganz am Rande etwas damit zu tun gehabt zu haben. Und der veröffentlichte nunmehr eine seitenlange Stellungnahme im Fortuna-Forum, aus der hervor ging, dass es nicht nur er war, der diese „Gruppe von Schwergewichten aus der Wirtschaft und wirtschaftsnahen Kreisen“ (siehe letzter Bericht) überhaupt erst dazu gebracht hatte, sich für Fortuna zu interessieren, sondern eben, dass es sehr wohl eine Gruppe war. Gleichzeitig gestand er auch ein, seine Gegner, namentlich den amtierenden AR-Vorsitzenden Kall, wohl ein wenig unterschätzt zu haben. Das kommt gemeinhin daher, dass man einen Gegner nicht besonders Ernst nimmt, und allein das hätte diese Truppe meiner Meinung nach schon disqualifiziert, höhere Aufgaben zu übernehmen. Ein bisschen die Werbetrommel im Internet rühren, einen Forumsbetreiber auf seine Seite zu ziehen, um die übrigen User, die ja auch zu einem nicht geringen Teil Vereinsmitglieder und somit potentielle Wähler sind, auch schön vom eigenen Konzept zu überzeugen, während der Gegner größtenteils nur lächerlich gemacht und nicht Ernst genommen wird – das reicht eben nicht, denn das riecht ein wenig nach Propaganda (oder sagen wir: einseitiger Sicht der Dinge) und wird von vielen auch genau so verstanden. Aber unterhaltsam war es allemal.

Und so kam es, wie es kommen musste: Ex-Sparkassen-Mann Schwarz wurde mal kurz in sauer eingeweckt, darf sich aber auch wirklich nicht beschweren. Hinter dem Rücken des Aufsichtsrats Verhandlungen mit Vermarkten einstielen, dann öffentlich Druck machen, schließlich dem amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden am Telefon noch stecken, er werde „überrollt“, wenn er sich diesem Konzept nicht anschließe – nun, wie man in den Wald herein ruft, so schallt es dann heraus: nach der Sitzung wurde bekannt, dass es am Wochenende vor dieser Gesprächrunde einen vertraulichen Brief des Air-Berlin-Chefs Achim Hunold an OB Elbers gegeben hatte. Darin distanzierte sich Hunold von den Aktivitäten Schwarz' und vor allem dementierte er das Gerücht, er unterstütze den Ex-Banker. Im Gegenteil, er verurteilte dessen Vorgehensweise und watschte auch gleich noch die gesamte Gruppenkonstellation ab. Hunold wörtlich: „Vor allem, wenn im Hintergrund Personen wie Herr Göritz und Herr Dücker Einfluss geltend machen.“ Wer nun Herr Göritz ist, hab ich keine Lust zu erklären, so wichtig ist der auch nicht.

Weiter betonte Hunold, er unterstütze ausdrücklich die Kandidatur Albrecht Woestes (der „Henkel-Enkel“ – eine großartige Wortschöpfung und noch nicht einmal gelogen) und Burchard von Arnims. Von Arnim trat ebenfalls zur Aufsichtsratswahl an und genießt das Vertrauen von OB Elbers und Hunold. Der kennt von Arnim aus dem Rochus-Club, wo er durch den Arag-World-Team-Cup Erfahrungen für sportliche Ereignisse sammelte. Na, Hauptsache, alle kennen sich. Und genau das hatte die Gruppe um Schwarz wohl unterschätzt, als man dachte, wenn man den amtierenden AR-Vorsitzenden los wird, geht der Rest von alleine. Nein, nein, hüben wie drüben gibt es natürlich genug Kontakte, Bekanntschaften und Vermittlungen.

Und wenn man schon verliert, dann auch richtig, dachte sich diese Gruppe, von der sich zu allem Überfluss auch noch der Henkel-Enkel distanziert hatte, den man eigentlich als Zugpferd hatten haben wollen: Schwarz zog seine Kandidatur am nächsten Tag zurück und Dücker erklärte, dies sei sein letzter Versuch gewesen, aus dem Hintergrund Vereinspolitik zu machen. Da er dies nun auch nicht zum ersten Mal geschrieben hat, freue ich mich schon auf die nächste Runde. Ist ja eigentlich nicht alltäglich, dass ausgerechnet die Lautsprecher mal eins auf die Nuss kriegen.

Am 25.08.2009 nun fand also diese außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Alle Kandidaten hatten Gelegenheit, sich und ihr Konzept kurz vorzustellen. Dies wiederum muss Herrn Veith, Ex-Mitglied dieser Gruppe-oder-auch-nicht-je-nach-Tagesform, immerhin Teilhaber einer renommierten Unternehmensberatung und kürzlich unter die Top 3 der deutschen Manager gewählt (von wem, weiß ich leider nicht, aber das wären doch alles potentielle Kontakte!), diesen Mann also muss dieses Procedere anscheinend dermaßen gelangweilt haben, dass er eine ziemlich blutleere Vorstellung gab. Als Konsequenz kam er bei den Wahlen nur als Vierter durch, der uns allen bestens bekannte Arschkartenplatz, da kann er gerne in Unterhaching nachfragen. Immerhin erhielt er mehr als 20% der Stimmen, das heißt, er kann nachrücken, falls jemand der regulär Gewählten aus dem Aufsichtsrat vorzeitig ausscheiden sollte. Der hatte wohl auch unterschätzt, wie sehr den Meisten dieses Gestochere und Pöstchengeschiebe auf den Geist geht. Und alleine mit seinem Ruf, ohne Konzepte, Visionen oder wenigstens gute Begründungen kam an jenem Abend nur einer durch, der Henkel-Enkel Albrecht Woeste. Veith blieb auf der Strecke und weiß nun auch genau, dass eine Wahl in die Top 3 der deutschen Manager beim gemeinen Volk in hiesigen Zeiten der Finanzkrise eher mit der Lizenz zum Geldverbrennen gleichgesetzt wird als mit wirtschaftlicher Kompetenz. Und außerdem hatte er offenkundig zuvor mit den falschen Kindern gespielt. Wobei ich persönlich ihn gerne im Aufsichtsrat gesehen hätte, aber wir sind ja hier nicht bei Wünsch Dir was. Dass der ein oder andere enttäuschte User in der Forumsgemeinde selbstredend sofort die ein oder andere Kompetenz des ein oder anderen gewählten Aufsichtsrats in Frage stellt, den Veith doch schleunigst beerben sollte, versteht sich von selbst. So ist das halt bei Niederlagen, die einen können es, die anderen nicht.

Gewählt wurden neben dem Henkel-Enkel auch der Davis Cup-erprobte von Arnim, was uns dennoch in den nächsten Heimspielen hoffentlich den Auftritt von All-time-Davis-Cup-Strahlemann Roberto Blanco ersparen sollte sowie Günther Karen-Jungen, ein Spitzenpolitiker, der ausgerechnet bei den zumeist jüngeren Fans punktete, als er sich für Stehplätze und gegen Polizeiwillkür aussprach. Da sag noch einer, in diesem Land herrsche Politikverdrossenheit! Karen-Jungen darf sich also in Zukunft direkt daran messen lassen, inwieweit in diese beiden Themenkomplexe so langsam mal Bewegung kommt. Außerdem gehört er der Partei der Grünen an, weshalb ich demnächst beim Heimspiel endlich mal ein Sonnenblümchen geschenkt bekommen will.

Der Aufsichtsrat ist aufgestellt, der Wahlausschuss auch, beim Vorstand denkt trotz der deutlichen Klatschen bei der Entlastung im April selbstverständlich auch niemand an Rückzug – die Führungsriegen des Vereins wären somit wieder vollzählig. Nun schauen wir mal, was dabei rauskommt, wenn die nebenbei auch mal arbeiten. Allzu lange wird eh keine Ruhe herrschen, dafür wird das Umfeld schon sorgen. Aber ich hoffe, dass die Mannschaft von diesem ganzen Unfug unbeeindruckt bleiben und weiter so erfreulich spielen wird wie bislang in dieser Saison.

Freut sich jetzt auf Duisburg, Augsburg, Ahlen: janus