von Janus,30.10.2006

So, nun ist auch der Oktober 2006 sportlich Geschichte bei der Fortuna. Er verlief recht erfolgreich, wenn auch ohne den ganzen großen Durchbruch. Aber zumindest konnte man sich ein wenig in der oberen Tabellenhälfte festsetzen, was jedoch auch nichts heißt, bei der unglaublichen Ausgeglichenheit der Liga zum jetzigen Zeitpunkt. Somit ist also nichts Außergewöhnliches geschehen und nichts entschieden. Wie es im Oktober eigentlich auch sein sollte, weil traditionsgemäß um diese Jahreszeit ja erst die Vorrunde läuft.

Business as usual, Part uncountable

Ja, diese Überschrift noch durchzunummerieren, bringt wirklich gar nichts, denn Fortuna wäre nicht Fortuna, wenn man sich nicht bei ihr auf gewisse Gesetzmäßigkeiten verlassen könnte. Und daher, welch’ eine Überraschung: wieder mal kein Sieg gegen Werder Bremen II. Fortuna gewann am 30.09.2006 vor 8.300 Zuschauern einen Punkt und spielte 2:2. Auch im 9. Aufeinandertreffen langte es somit nicht zu einem Sieg gegen die kleinen Bremer. „Punktgewinn“ deshalb, weil Fortuna in den ersten 30 Minuten vom damaligen Tabellen-2. in Grund und Boden gespielt wurde. Werder überlief die Hintermannschaft nach Belieben, kombinierte schnell und klug, ließ die rot-weiße Abwehr- und Mittelfeldreihe des Öfteren „steinalt“ aussehen und hatte Chancen im Minutentakt. Wenn man nicht Fortuna-Fan gewesen wäre, man hätte seine wahre Freude an den Bubis haben können. Sie versäumten es jedoch, den Sack frühzeitig zuzumachen, wie es bei so vielen „zaubernden“ Teams in allen Ligen und Ländern dieser Welt der Fall ist. Lediglich das 0:1 durch Löning sprang dabei heraus. Bezeichnend übrigens, dass der Treffer schon in der 17. Minute fiel, allerdings bereits die vierte Großchance war, die die kleinen Fischköppe endlich nutzten. Im weiteren wurden sie dann etwas nachlässig, versuchten hier mal ein kleines Lupferchen und da mal einen Hackentrick, anstatt energisch abzuschließen. So etwas rächt sich meist, und dieses Spiel war keine Ausnahme: kurz vor der Pause konnte Fortuna doch etwas überraschend ausgleichen, Torschütze war Markus Anfang mit einem herrlichen Freistoßtor aus 25 Metern. In der 2. Halbzeit zog sich Werder zurück, und man konnte einen Grund sehen, warum sie immer so frisch nach vorne spielen und die frühe Entscheidung suchen: die Abwehr ist ziemlich wacklig, leistete sich einige Aussetzer, lustige Kerzen im Strafraum und mehrere Befreiungsschläge auf die Tribüne konnten gesichtet werden, außerdem war Torwart Vander wohl ein wenig indisponiert, erstmals erblickte ich einen Keeper, der im Verlaufe des Spiels keinen einzigen Ball festhielt, sondern wirklich alles wegfaustete, was ihm vor die Flinte kam. Leider wurde der zweite Spielabschnitt überschattet von der Verletzung von Henri Heeren, der sich eine schwere Gehirnerschütterung zuzog und kurzfristig bewusstlos war. Immerhin gab es hierzu noch ein interessantes Intermezzo: als Heeren auf der Trage an den Spielfeldrand gerollt wurde, um auf seinen Abtransport durch einen Krankenwagen zu warten, pirschten sich mehrere Fotografen heran und machten Fotos. Einer von ihnen wurde anschließend dafür wohl von einem Offiziellen der Fortuna kritisiert, was ihn wiederum mächtig auf die Palme brachte. Unterstützung erhielt er von einer Kollegin, die eh eher durch ihre Arroganz dem arbeitenden Personal gegenüber als durch irgendwelche fotografischen Meisterleistungen auffällt, und die seine Erregung mit den Worten „Du hättest ihm ja mal sagen können, dass auch du hier nur deine Arbeit machst!“ kommentierte. Ja, das sind immer die besten Argumente. Der Fotograf setzte dann noch eins drauf, indem er lauthals verkündete, selbst in der Woche zuvor, beim Transrapid-Unglück in Lathen, habe niemand etwas gesagt, als er seinem Job nachging. Deshalb wisse er natürlich, wofür das „-dorf“ in Düsseldorf stehe: für diese provinzielle Verweichlichung irgendwelcher Dorfbauern, die partout nicht begreifen können, warum die große, weite Welt zwingend solche Bilder benötigt. Abgesehen davon, dass mich diese Argumentation immer ein bisschen an die USA erinnert, die können ja auch nie begreifen, warum irgendwelche Nationen oder Volksgruppen es partout nicht einsehen, wenn sie mal wieder ungefragt von irgendetwas oder irgendjemandem befreit werden müssen: mich hätte der Redaktionsauftrag dieses Herrn und auch der zustimmungswilligen Dame interessiert. Worüber sollten die berichten? Über Fußball? Oder doch lieber über verletzte Fußballer die auf einer Trage nach draußen gerollt werden? Schade, dass während dieser Aktion nicht auf dem Spielfeld drei Tore fielen, vielleicht hätte sein Chef ihm dann mal erklären können, was denn sein Auftrag war. Aber Hauptsache wichtig. Und bei der blonden Zicke, die besonders bei Heimspielen im Paul-Janes-Stadion schon mehrfach Ordner anschnauzte, sie sollten ihr aus dem Weg gehen, weil sie ihre Sicht aufs Spielfeld erschweren und ihre Arbeit behindern würden, würde ich mich schon freuen, ihr auch mal im Weg zu stehen, was leider aus organisatorischen Gründen nicht möglich sein wird, da sie sich ja doch eher im Innenraum aufhält und ich nicht. „Meine Arbeit machen“, klingt bei denen so richtig schön deutsch à la: „Ich hab doch nur Befehle ausgeführt.“ Mit der Ergänzung im Hinterkopf: „...und dann schalte ich schon mal das Hirn ab“ macht das sogar Sinn. Wie sieht es eigentlich, nur interessehalber, mit einer Arbeit im Irak aus? Wenn man sich bei einem Fußballspiel mehr dafür interessiert, die schwere Verletzung eines Spielers im Bild zu haben als das Geschehen auf dem Rasen, dann sollte man wirklich ernsthaft darüber nachdenken. Erinnert ja auch mehr an Lathen, so vom Anblick her, da fotografiert es sich bestimmt gleich entspannter...
Als alle sich schon mit dem 1:1 abgefunden zu haben schienen, erzielte Peitz nach einem Eckball per Kopf das 2:1 für Werder, in der 89. Minute! Mal wieder ein klarer Fehler von Torwart Deuß, der zudem diesmal mit seiner „Abschlagskunst“ auch die letzten Fürsprecher vergrätzte, denn wohin der an diesem Tag den Ball überall drosch, war wirklich schon rekordverdächtig. Mal Weltklasse, mal Kreisklasse...das Übliche halt bei ihm. Aber manchmal selbst für die Dritte Liga zu nervenzehrend.

Fortuna konnte sich noch einmal aufraffen und im Gegenzug durch Feinbier zurückschlagen. Als mal wieder Podszus (das zweite Sorgenkind in dieser Saison) aus kurzer Distanz nicht ins Tor traf und Vander mal wieder faustete, traf Feinbier im Nachsetzen per Flugkopfball aus kurzer Distanz und rettete den einen Punkt, der aufgrund der zweiten Halbzeit auch durchaus verdient war. Somit hatte man das gleiche Ergebnis wie in der letzten Saison mit ebenfalls identischer Torfolge. Immerhin nicht verloren, das war einer der wenigen positiven Aspekte des Spiels.

Übrigens: natürlich wurde Werder-Fossil Björn Schierenbeck in der Nachspielzeit noch eingewechselt. Somit hat der Mann auch weiterhin in allen vergeblichen Versuchen der Fortuna, gegen Weder II zu gewinnen, auf dem Platz gestanden. Herzlichen Glückwunsch dazu, aber langsam ist es doch mal gut, oder?

Zwei Nachbemerkungen noch zu diesem Spiel: drei Wochen später trat Werder Bremen II bei Dynamo Dresden an. Der Spielverlauf war nahezu identisch, außer dass Werder diesmal das Toreschießen nicht vergaß und die Dynamos in deren eigenem Stadion locker 4:1 wegfidelte, wobei es bereits vor der Pause dreimal klingelte. Der gute bisherige Saisonverlauf der Bremer ist kein Zufall und es ist fast schade, dass der Bubi-Sturm, der in dieser Saison endlich so richtig explodiert, bei den Profis derzeit keine Chance haben wird, die schießen ja momentan selbst Tore, als ob es morgen verboten werden würde. Vielleicht ergibt sich da ja bald mal etwas auf dem Transfermarkt...

Die Torschützen in diesem Spiel für Fortuna waren, wie bereits geschrieben, die Routiniers Anfang und Feinbier. Das war bis zu heutigen Tag (29.10.06) das Letzte, was man von beiden gesehen hat, beide sind seit diesem Zeitpunkt verletzt. So bedauerlich dies auch ist: nicht jeder Spieler schafft es, bei seinem vorzeitigen Abgang mit einem Treffer im letzten Spiel im Gedächtnis zu bleiben. Ich hoffe, dass wir beide bald wieder auf dem Rasen und nicht auf der Tribüne werden begrüßen können.

Das ist die Berliner Luft

Auftakt der Berlin-Wochen für Fortuna am 15.10.2006. Am 15., und damit an einem Sonntag, deswegen, weil es dem DFB zwei Wochen vor dem Spiel noch gefiel, die Partie zu verschieben. Freitags in Lübeck, sonntags in Berlin...der DFB weiß anscheinend schon, wie er den Fans die weitesten Auswärtsreisen so richtig angenehm gestalten kann. Und Teufel, Teufel: Fortuna gewann 2:1 bei Hertha BSC II und damit zum ersten Mal seit Lichtjahren wieder ein „big point“-Spiel, denn durch diesen Sieg setzte man sich in der Spitzengruppe fest und wies mit 18 Punkten und Platz 5 nur einen Punkt Rückstand auf einen Aufstiegsplatz auf. Zum dritten Mal trat man bei den Hertha-Bubis an, zum dritten Mal gewann man in der Bundeshauptstadt. Wenn man den 2:1-Sieg bei Union Berlin vor zwei Jahren noch hinzurechnet und weiß, dass die Fortunen 2001 bei TeBe Berlin knapp mit 6:1 gewannen, darf man wohl konstatieren, dass rot-weißen Kickern die Luft in Berlin im neuen Jahrtausend irgendwie sehr zusagt, zuletzt gab es dort in 2000 eine Niederlage, damals beim 1:2 gegen Union.

Fortuna musste verletzungsbedingt auf Marcus Feinbier und Markus Anfang verzichten, dafür konnte der langzeitverletzte Oliver Barth endlich wieder spielen und der Abwehr Halt verleihen. Der Sieg vor 925 Zuschauern (in der Mehrzahl Fortuna-Fans) kam ein wenig glücklich zustande, in der 1. Halbzeit war Berlin das klar bessere Team und erarbeitete sich zahlreiche Torchancen, die jedoch samt und sonders von Fortuna-Keeper Deuß zunichte gemacht wurden, der endlich mal wieder einen Sahne-Tag erwischt hatte. Krönung war sicherlich der gehaltene Foulelfmeter gegen Ex-Profi Ante Covic in der 18. Minute. Kurz darauf (22.) zimmerte Jörg „Ali“ Albertz aus 22 m Entfernung einen Freistoß flach aufs Hertha-Tor und traf, 1:0 für Fortuna und Spiel auf den Kopf gestellt. Normalerweise kenn ich so was andersrum.

Zu Beginn der 2. Halbzeit hatte Fortuna in der letzten Saison exakt 13 Sekunden benötigt, um im gleichen Stadion das zweite Tor des Spiels zu erzielen. Da die Herthaner natürlich alles Schlafmützen sind, brauchten sie diesmal glatt doppelt so lang – Dejagah traf 30 Sekunden nach Wiederanpfiff zum verdienten Ausgleich. Freistoß auf den langen Pfosten, Direktabnahme des völlig frei stehenden Spielers...schade, dass es manchmal so einfach ist, Tore gegen uns zu erzielen. Anschließend wurde es ein offener Schlagabtausch, mit dem glücklichen Ende für Fortuna, als wiederum Ali Albertz in der 78. Minute eine Vorlage von Andreas Lambertz wieder aus knapp 20 Metern zum Siegtreffer verwertete. Da man den Berlinern anschließend keine Torchance mehr gestattete, war der Sieg schlussendlich vielleicht etwas glücklich, aber nicht unverdient.
Mit diesem Spiel endete übrigens eine kleine Serie für Fortuna. Zwar hielt die schöne Serie gegen Hertha II (5 Begegnungen, 4 Siege, 1 Unentschieden), aber nach insgesamt 406 Spielminuten erdreisteten die Bubis sich, erstmals ein Tor gegen uns zu erzielen. Ich hoffe nicht, dass dieses schlechte Beispiel für das Rückspiel Schule macht!

Und somit war alles bereitet zum Spitzenspiel gegen Tabellenführer Union Berlin in der LTU-Arena am Freitag danach. Jaja, der DFB...aber siehe oben. Schade, an einem Samstag wäre sicherlich einiges an Zuschauern möglich gewesen, besonders aus Berlin. Aber auch so durfte auf eine fünfstellige Zahl gehofft werden...

Sieg im Spitzenspiel

Mit einem 2:1-Sieg gegen Tabellenführer Union Berlin am 20.10.2006 schob sich Fortuna erstmals in der Geschichte der „neuen“ Regionalliga Nord (also seit 2000) auf einen Aufstiegsplatz. Okay, auch nur deswegen, weil auf Platz 2 Werder II stand, und deshalb der dritte Platz, auf dem Fortuna stand, zum Aufstieg berechtigen würde. Wenn die Saison schon zu Ende wäre, was definitiv nicht der Fall ist, sodass man solche Zahlenspielereien gerne mal anstellen kann, wenn man sie nicht allzu Ernst nimmt. Sieht auf jeden Fall schick aus, so ein Aufstiegsplatz im Büro, zur völligen Verwirrung der Arbeitskollegen, die sonst beim montäglichen Besuch das kleine Fortuna-Wappen der Stecktabelle naturgemäß immer in den unteren Gefilden der Tabelle suchen. Die kamen aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Aber die denken ja auch, dass der 1.FC Köln in der Zweiten Liga aktuell gegen den Abstieg spielt, weil er nicht auf Platz 1 steht. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, wenn diese Vision eintreffen würde...

Vor der Saison-Rekordkulisse von 14.500 Zuschauern in der LTU-Arena nahm Fortuna nach den ersten zehn Minuten das Heft in die Hand und war die klar spielbestimmende Mannschaft. Bis auf einen Freistoß von Zschiesche, der knapp am Tor vorbei ging, fand Union nach vorn in den ersten 60 Minuten überhaupt nicht statt. Fortuna wiederum nutzte nur eine ihrer Chancen, als Lambertz in der 29. Minute vom rechten Strafraumeck abzog, und sein Gegenspieler die Kugel so unglücklich abfälschte, dass sie als Bogenlampe im langen Eck einschlug. In der Folgezeit vergaben die Fortunen weitere Hochkaräter, insbesondere Lambertz und Podszus (wer sonst?) schafften es nicht, das erlösende zweite Tor zu machen. Nach circa einer Stunde Spielzeit kam Union besser auf und erzielte in der 82. Minute den Ausgleich durch Spork, nachdem man zuvor schon am Pfosten gescheitert war. Der Treffer war eine Kopie des ersten Tores der kleinen Werderaner, mit einfachem Doppelpass über links die Abwehr ausgehebelt, eine scharfe Hereingabe, die im 5-m- Raum aufsprang, dadurch vom letzten Fortuna-Spieler im Strafraum verpasst und vom dahinter postierten Gegenspieler über die Torlinie bugsiert werden konnte (gegen Bremen per Flugkopfball, gegen Berlin per Fuß), sicherlich auch dadurch begünstigt, dass Torwart Deuß in beiden Fällen nicht eingriff. Mit zehn Minuten Tiefschlaf hatte man sich wieder einmal das ganze gute vorherige Spiel kaputt gemacht. Aber Fortuna gab noch einmal Gas und wurde belohnt, allerdings recht glücklich - wenn das in der 90. Minute ein elfmeterreifes Foul an Cebe war, dann darf man mich ab heute Manuel Gräfe nennen. Cebe stürmte bei seinem üblichen Dribbling gegen geschätzt 26 Gegner in den Strafraum, der letzte war natürlich wieder einer zuviel, der Ball wäre auch ins Toraus gegangen, als Cebe plötzlich wie vom Blitz getroffen umfiel. In der Zeitlupe im Fernsehen konnte man zwar sehen, dass der Berliner reichlich ungeschickt ein langes Bein machte und Cebe auch traf, aber das war mehr darauf zurückzuführen, dass Cebe diesen Kontakt mit aller Macht suchte und auch fand. Ob man das nun „Betrug“ oder „Schlitzohrigkeit“ nennt, bleibt jedem selbst überlassen. Ich persönlich mag es nicht besonders, weshalb ich niemals auf die Idee käme, so jemanden auch noch zu loben. Wenn es allerdings dann Elfmeter gibt, will ich den auch nicht zurückgeben. Er gab den Elfer, Langeneke machte ihn rein, Fortuna überstand auch die drei Minuten Nachspielzeit und siegte. Natürlich bei diesem Spielverlauf sehr glücklich, aber nicht unverdient, da man wesentlich mehr vom Spiel hatte und es wesentlich früher hätte entscheiden müssen. Vom Spitzenreiter war eine Stunde lang eigentlich nur zu sehen, dass sie ganz hervorragend in der Abwehr stehen. Dass sie auch gut und schnell nach vorne spielen können, zeigten sie glücklicherweise eher selten.

Übrigens: unsere beiden Tore waren die ersten Gegentore, die Union Berlin in dieser Saison auf des Gegners Platz kassierte. Dies mag verdeutlichen, warum es ein so hartes Stück Arbeit war. Aber das macht solche Siege bekanntlich noch süßer, besonders wenn sie dann in der buchstäblich letzten Sekunde noch klar gemacht werden.

Fortuna war somit oben dran, auf Platz 3, punktgleich mit dem Tabellenführer, der weiterhin Union Berlin hieß. Nun galt es, diesen Sieg eine Woche später beim Aufsteiger aus Wilhelmshaven zu „vergolden“, um sich eventuell mittelfristig in der Tabellenspitze etablieren zu können.

Ein Punkt ist ein Punkt ist ein Punkt?

Beim Aufsteiger SV Wilhelmshaven erreichte Fortuna am 28.10.2006 ein 1:1 und bleibt damit in der Spitzengruppe der Regionalliga Nord. Obwohl Trainer Weidemann nach dem Spiel davon sprach, „nicht unzufrieden“ zu sein, so richtig zufrieden war er aber auch nicht. Denn Fortuna verspielte einen möglichen Sieg, weil man zu viele Torchancen vergab. Adewunmi, Podszus, Lambertz - sie alle standen frei vor Wilhelmshavens Keeper Damerow. Aber nur Ali Albertz bekam die Kugel nach Zuckerpass von Podszus auch am sehr guten Schlussmann der Jadestädter vorbei. Da auf der Gegenseite Stürmer Sebastian Wojcik eines dieser Langweiler-Tore erzielte, Eckball-Kopfball-Tor, mündete das Spiel somit bereits nach einer halben Stunde in eine Punkteteilung.

Zunächst war jedoch eine gewisse Übersicht bei der Anreise vonnöten. Der Mannschaftsbus hatte sich bereits am Freitag auf den Weg nach „Schlicktown“ gemacht. Man wählte den direkten Weg – auf die A 1 bis Ahlhorner Dreieck, anschließend auf die A 29. Selbst Schuld – dafür brauchte man auch gepflegte sechs Stunden. Zum einen natürlich wegen des Schlagwortes „Freitagnachmittag“, zum anderen aber auch, weil die A1, genau wie die A2, derzeit unter mehreren, sagen wir mal: großflächigen Baustellen verschwindet. Es ist wirklich ein Witz, was dort momentan stattfindet. Vielleicht sollten wir wirklich die WM 2010 wieder bekommen, allein schon deswegen, weil man dann wenigstens mal 4 Wochen mehr als 50 km am Stück fahren kann, ohne direkt eine mehrere Kilometer lange Baustelle erblicken zu dürfen. Ich hätte nix dagegen.

Wir nahmen also einen kleinen Umweg, fuhren zunächst über die A 3/A 2 bis Bottrop, dann die A 31 nach Emden, anschließend am weltberühmten Schüttorfer Kreuz die A 30 nach Osnabrück, die genau im Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück (und in einer mehrere Kilometer langen Baustelle, Zufall, Zufall) auf die A 1 stößt. Laut Routenplaner ein Umweg von unglaublichen 32 km, allerdings waren wir nach knapp drei Stunden auch am Ziel. Und das, obwohl wir wieder mit dem Wagen vom Lübeck-Spiel unterwegs waren. Was dies bedeutet, weiß jeder, der den letzten Bericht gelesen hat: in Höhe Wuppertal ging wieder die berühmte Lampe an und blieb uns über den Rest des Weges treu. Es passierte zum Glück wieder nichts, abgesehen davon, dass der Spritverbrauch um einiges anstieg. Wobei ich hiermit nicht dazu aufrufen möchte, demnächst immer weiter zu fahren, wenn im Auto eine Warnlampe aufleuchtet! Aber am Wochenende, auf dem Weg zum Spiel – was will man machen? Es gibt Zeiten, da muss man auch rote Lämpchen einfach mal ignorieren.

Als wir schließlich in Wilhelmshaven aus dem Auto ausstiegen, traf mich fast der Schlag: als ich am frühen Morgen in Bonn losgefahren war, betrug die Außentemperatur um 7.30 Uhr 17,5 Grad. Das hatte sich nun leicht geändert. Es waren wohl noch um die 10 Grad, wenn nicht sogar weniger, weil zeitweise die gute alte „steife Brise“ ging. Zwischendurch auch gerne mal ein bisschen Regen, um das norddeutsche „Klischee-Schmuddelwetter“ auch richtig rüberzubringen. Nun bin ich vor Jahren schon mal beruflich für einen etwas längeren Zeitraum in Wilhelmshaven gewesen, insofern sollte mich das Wetter nicht überraschen. Das tat es in diesem Moment aber doch, weil der Gegensatz ziemlich krass wirkte. Aber wenn man sich erst mal vom ersten Zähneklappern beruhigt hatte, ging es doch, zumal pünktlich mit Spielbeginn auch der Regen aufhörte.

Der altgefahrene Leser dieser Berichte mag nun protestierend die Hand heben und sagen: ich vermisse die Berichte von der Deutschen Bahn AG! Ich darf demjenigen voller Inbrunst entgegen: ich nicht. Und ich hätte nichts dagegen, wenn sich dies auf längere Sicht nicht ändern würde. Es wäre wohl besser für meine Magengeschwüre. Denn dass die Bahn auch bei meiner derzeitigen Abwesenheit nichts verlernt hat, beweist folgender Sachverhalt: ca. 30 Fortuna-Fans bekamen beide Treffer des Spiels nicht mit, weil sie erst zur Halbzeitpause im Stadion anlangten. Grund: eine kleine Verzögerung beim Transport mit der Bahn. Der Zug, in dem sie sich befanden, hatte sagenhafte 122 (in Worten: einhundertundzweiundzwanzig) Minuten Verspätung. Sensationell. Da beginnt man, wieder an den lieben Gott zu glauben, wenn dann wirklich mal auch so ein kleines Bahnhöfchen wie Wilhelmshaven auftaucht. Aber ganz ehrlich gesagt: es gibt Rekorde, die gebe ich gerne ab. 122 Minuten habe ich auf jeden Fall noch nicht geschafft. Herzlichen Glückwunsch, Deutsche Bahn, und bloß die nächste Preiserhöhung nicht vergessen. Da ihr den Betrieb eurer Züge anscheinend mehr und mehr nur als Hobby anseht, finde ich es nicht unlogisch, das Ganze auch nur noch einem Personenkreis anzubieten, der es sich höchstens noch als Hobby leisten kann, solche Strecken mit dem Zug zurückzulegen.



Fortuna von der Spielanlage her besser, es konnten durchaus schöne Kombinationen gesichtet werden. Wilhelmshaven setzte Kampf dagegen, wobei der Schiri Bornhöft und seine beiden Assis besonders in der ersten Halbzeit erstaunlich viele Nickligkeiten durchgehen ließen. Dies kompensierten sie dahingehend, dass vor manchen Abseits-Entscheidungen wohl eine Münze geworfen wurde, ob man jetzt aktiv werden solle oder nicht. Insgesamt wäre dieses Gespann an diesem Tag wohl besser im Bett geblieben.

In der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, in dem Fortuna die besseren Möglichkeiten hatte. Allerdings blieb Wilhelmshaven durch ihre flinken Stürmer Wojcik und Bella stets gefährlich, sodass man insgesamt vielleicht sogar von einem gerechten Unentschieden sprechen kann. Man kann sich nun darüber streiten, ob dies ein „Punktgewinn“ war oder ob zwei Punkte verschenkt wurden. Sicherlich war aufgrund der guten Chancen ein Fortuna-Sieg durchaus möglich, und er wäre auch nicht unverdient gewesen. Andererseits hätte man aber auch ganz zum Schluss wieder alles verlieren können: Torwart Deuß, der in der ersten Halbzeit einige schöne Sachen gehalten hatte, war mal wieder von allen guten Geistern verlassen und sprang ausgerechnet in der 90. Minute beim letzten Eckball für Wilhelmshaven mal wieder souverän unter dem Ball durch. Zum Glück stand keiner hinter ihm, um das Geschenk dankend anzunehmen, so sprang der Ball ins Aus und das Spiel endete 1:1. Man wird sehen, was dieser Punkt wert war.

Übrigens, dass die zuvor schon genannten 30 Fortuna-Fans erst in der Halbzeitpause ins Stadion kamen, tat der Stimmung bei den Gästen zum Glück keinen Abbruch. Unter den 2.500 Zuschauer im Jadestadion waren bestimmt 1.200 Fortuna-Fans, die den Laden stimmungstechnisch klar in der Hand hatten. Sehenswert ist der „Laden“ allein schon wegen der netten, für meinen Geschmack allerdings etwas überdimensionierten VIP-Tribüne, auf der man hinter schräg abfallendem Glas in schicken Kinosesseln dem Geschehen auf dem Feld folgen kann. Da dieses Gebilde allerdings die Hälfte der Haupttribüne einnimmt, kommt von dort natürlich noch weniger Stimmung als sonst. Hinter Glas jubelnde Zuschauer sehen zumindest von unten reichlich lustig aus...

So, wir finden Fortuna nach dem 13. Spieltag auf Platz 4, mit 22 Punkten, einen Zähler von einem Aufstiegsplatz entfernt. Es gilt nun, am nächsten Samstag gegen Leverkusen II möglichst mit drei Punkten nachlegen, um oben dran zu bleiben und sich eine gute Ausgangsposition für das Spitzenspiel gegen St. Pauli am 11.11. zu verschaffen. Denn zwischen diesen beiden Heimspielen liegt der 8. November. An diesem Mittwoch wird der 15. Spieltag gespielt. Da der DFB wirklich vorhatte, das für diesen Termin angesetzte Spiel bei Kickers Emden um 14.00 Uhr anpfeifen zu lassen, weil die Kickers nicht über fernsehtaugliches Flutlicht verfügen, war diese Partie ja auf den 13.09. verlegt worden – der Leser wird sich erinnern, mit welchem Ergebnis. Somit haben wir diesen Spieltag schon verloren und müssen spielfrei zusehen, wie die anderen an uns vorbeiziehen, oder aber natürlich hoffentlich nicht. Da sind sechs Punkte aus den beiden Heimspielen fast schon Pflicht, um oben dran zu bleiben.

Aber: derzeit sind so viele Mannschaften „oben dran“ – Abstand von St. Pauli auf Platz 10 zu einem Aufstiegsplatz: vier Punkte –, dass es ganz schnell gehen kann mit dem Tabellenabstieg. Genauso schnell kann man allerdings auch wieder oben dabei sein. Warten wir es also ab und richten den Blick nach vorn. Natürlich kann man ein Auge auf den Aufstieg werfen, mehr aber auch nicht. Hauptsache, Fortuna verliert im nun zu erwartenden November-Nebel nicht gänzlich den Durchblick.

Ein gutes Auge in jeder Lebenslage: janus