von Janus: 3. bis 6. Spieltag

 

Ja Tach auch,

ich sag nur: das kommt davon, wenn man die Klappe so weit aufreißt! Jawohl, ich klage mich an. Hatte ich doch bei der letzten Zusammenfassung noch gejammert, dies sei gleichzeitig die erste in acht Jahren, in der tatsächlich nur Niederlagen vorkämen. Tja, dumm gelaufen. Denn der Fußballgott, der derzeit allem, was mit „Fortuna Düsseldorf“ zu tun haben könnte, äußerst kritisch gegenüber steht, hat natürlich auch das gehört und mal gezeigt, dass auch er hübsche Serien kreieren kann, wenn man es nur lang genug darauf anlegt. Und deshalb kredenzt er mir nun schon die zweite Zusammenfassung in Folge, in der weder Siege noch Unentschieden für die beste Mannschaft der Welt vorkommen. Wenn schon Scheiße, dann auch richtig. Was uns allerdings wohl kaum dazu animieren wird, die restlichen 28 Spiele von vorne herein abzusagen. Es geht immer weiter. Hier also die Spieltage 3 bis 6, präsentiert in dem festen Glauben: wir werden siegen, irgendwann einmal. Nur nicht grad heute.

Eine echte „Verbesserung“

Am 11.09.2010 trat Fortuna beim FSV Frankfurt an. Die hatten am ersten Spieltag daheim schon gegen Arminia Bielefeld gewonnen und somit auf einen Schlag mehr Punkte im Sack als im letzten Jahr nach acht Spieltagen. Echte Überflieger also. Dazu noch unsere bekannte Auswärtsschwäche, es war ja klar, dass dort nichts zu holen sein würde. Fortuna verlor mit 0:1, zeigte aber eine echte Verbesserung: fast auf den Tag genau ein halbes Jahr zuvor war man ebenfalls am Bornheimer Hang angetreten. Damals verlor man 0:2, diesmal nur 0:1. Damals erzielte der Brasilianer Cidimar beide Tore für Frankfurt, diesmal machte er nur eins. Ich bin sicher, in der nächsten Saison spielen wir dort 0:0...

Es war mal wieder zum Haare raufen wie sich die Bilder ähnelten. Wie gegen Koblenz und in Cottbus gedachte man anscheinend, auch eine dritte Kopie vom Beginn des Jahres hinzulegen, und wieder gelang es. Also in punkto Kopieren suchen wir langsam wirklich unseren Meister.
Okay, es war nicht ganz so schlimm wie im März, als wir ein Dutzend klarster Torchancen versiebten. Soll heißen, diesmal waren es erheblich weniger. Das Spiel plätscherte so vor sich hin, dann gab es in der 40. Minute einen Eckball, und Cidimar köpfte freistehend zu Spiel, Satz und Sieg ein. Ja, ich weiß, ich würde es auch gerne abwechslungsreicher schildern, aber ich kann auch nix dafür, wenn wir derzeit die Spiele dermaßen langweilig verlieren. Ecke, Kopfball, Tor, Freistoß, Kopfball, Tor – riesige Einschaltquoten macht man damit nicht, Punkte gibt es aber auch nicht.

Natürlich hätte man das Ding in der zweiten Halbzeit drehen können, die Chancen waren da. Zur auffälligsten Figur im zweiten Abschnitt mutierte der eingewechselte Sandor Torghelle. Zunächst war er zu überrascht, um einen spektakulären Fehlflug von Frankfurts Keeper Klandt zu nutzen, der majestätisch an einer Flanke vorbei segelte. Der Ball fiel Torghelle auf den Kopf, und der setzte ihn neben das Tor. Neben das leere Tor, wohlgemerkt. Kurz darauf machte er es besser und versenkte die Kugel nach Zuspiel von links aus zehn Metern flach im linken Eck. Dabei soll er sich aber zuvor seines Gegenspielers an der Strafraumgrenze illegal entledigt haben. Naja. Gezogen und gezerrt haben beide. Aber wir können kaum meckern, denn auf der Gegenseite erzielte Sascha Mölders nach einem weiten Pass der Frankfurter und mal wieder grandiosem Stellungsfehler von Tiago eigentlich das 2:0, welches aufgrund einer Abseitsstellung nicht gegeben wurde. Später im Fernsehen konnte man sehen, dass die Abseitsstellung, wenn überhaupt, dann nur Millimeter betragen haben kann. Da hatte der Winkemann an der Gegengerade wohl eher aus Intuition die Fahne gehoben, das haben schon ganz andere Schiris laufen lassen. Insoweit wohl ausgleichende Gerechtigkeit für das nicht wirklich aufzuklärende Foul von Torghelle an seinem Gegenspieler. Und hatte er bis dahin vorwiegend Pech gehabt, so kam jetzt auch noch Driss hinzu: Kurz vor Schluss handelte er sich eine Gelbe Karte ein, und zwar für eine Schwalbe, die dermaßen deutlich war, dass man sie hinterher im Fernsehen ohne Super-Zeitlupe und Standbild erkennen konnte. Dafür hätte es fast schon einen Kreativitätspreis geben können, meine Güte, war das peinlich. Aber es zeigt die ganze Hilflosigkeit einer Truppe, die sich mühte und machte und tat und wollte, die aber in fast allen Fällen am Strafraum mit ihrem Fußballer-Latein am Ende war. Und als der ebenfalls eingewechselte Beister Sekunden vor Schluss mit einem tollen Volleyschuss von der Strafraumgrenze das Tor nur um Zentimeter verfehlte, da nahm der Schiri dies zum Anlass, die Partie gar nicht mehr fortsetzen zu lassen. So verlor man auch das dritte Spiel der Saison, wiederum unnötig, aber wiederum nicht unverdient. Frankfurts Trainer Jürgen Boysen war nach dem Spiel dermaßen mitgenommen von der Drangperiode der Fortunen kurz vor Schluss, dass er den Sieg seiner Truppe mit den Worten „So verrückt ist Fußball!“ kommentierte. Sagt wohl alles, nutzt uns aber wieder mal nix. Weiterhin null Punkte.

Vier verliert

Am 19.09.2010 wollte man die Kuh endlich vom Eis bekommen, Heimspiel gegen den TSV 1860 München. Und wenn sie schon die halbe Rückrunde vom Beginn des Jahres kopieren, dann war dies ja endlich mal ein Grund, aufzuatmen, schließlich hatte man noch im April locker und leicht 2:0 gegen die „Löwen“ gewonnen. Aber da nach dieser Partie drei Spiele folgen würden, die man nicht würde kopieren können, weil sie in der letzten Saison gar nicht stattgefunden hatten (in Ingolstadt, gegen Bochum, in Osnabrück), dachte man sich wohl, man könne diese alberne Gleichmacherei ab sofort auch einstellen. Und verlor auch das zweite Heimspiel mit 1:2, diesmal halt gegen die „Löwen“, nicht gegen Hertha.

21.100 Zuschauer sahen die bis dahin wohl schlechteste Saisonleistung der Fortuna. Der Gegner passte sich fürsorglich an, von den Münchnern kam nämlich auch nichts, Torwart Ratajczak musste in der ersten Halbzeit nicht einen gefährlichen Ball halten. Sein Gegenüber Kiraly konnte sich wenigstens bei einem schönen Sechzehn-Meter-Böller von Wellington mal lang machen und bravourös meistern. Und auch diese Aktion darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Schusschance nicht heraus gespielt, sondern eher per Zufall entstanden war. Fortuna eigentlich in allen Belangen enttäuschend, außer bei der Fehlpassquote, die war konstant befriedigend. Für Statistiker, meine ich.

Das wieder einmal neu zusammen gewürfelte Team verstand sich auf dem Platz erneut nicht besonders, weder mit noch ohne Ball. Diesmal hatte Trainer Meier die Herren Dum, Rockenbach und Zoundi, allesamt in Frankfurt noch in der Anfangsformation, nach draußen rotiert. Und zwar nicht auf die Ersatzbank, sondern alle drei direkt auf die Tribüne. Warum? – keine Ahnung. Besonders bei Zoundi, eigentlich „Stammspieler“ in den ersten drei Partien mit ordentlichen Leistungen, konnte dies niemand verstehen, es lagen auch keine Verletzungen vor. Irgendwie scheint es zwischen Mannschaft und Trainer im Gebälk zu knistern. Wenn ich jemandem vom Spielfeld aus direkt auf die Tribüne setze, dann muss derjenige in der Woche zwischen diesen beiden Partien ja eigentlich das Training komplett verweigert haben, anders hätte ich Mühe, so etwas zu erklären. Und das dann dreimalig zur gleichen Zeit? Sehr seltsam. Von den ganzen Neuzugängen lief lediglich Bröker wieder auf der rechten Seite auf (mit Recht, machte ein ordentliches Spiel, wenn er nicht gerade von „Ideengeber“ Lambertz frei stehend komplett ignoriert wurde, wie allein dreimal in der ersten Halbzeit, als Lambertz jeweils lieber in die Mitte abspielte, und der Ball anschließend weg war), Wellington vorne drin, ebenfalls mit Recht, denn nach seinem ultraschlechten Start hat der sich doch erheblich gesteigert – und natürlich unser Freund und Kupferstecher in der Innenverteidigung, Tiago, weiterhin so flott auf den Beinen wie eine neue Eiszeit hereinbricht, außerdem in der Technik stark verbessert, ihm sprangen die Bälle nur noch drei Meter weit vom Fuß. Mein Gott, sieht der Trainer denn nicht, was er da anrichtet? Ich glaube gern, dass Tiago üblicherweise ein harmloser, durchschnittlich guter Zweitliga-Spieler ist. Aber den werden wir wohl nie zu sehen bekommen, denn derzeit steht er völlig neben sich, schießt einen Bock nach dem anderen, verschuldet einen Treffer nach dem anderen, und muss trotzdem immer weiter spielen. So kann man Spieler auch kaputt kriegen. Und eine Mannschaft natürlich auch.

Nach all diesen klagenden Worten mag es denjenigen Leser, der das Spiel nicht gesehen hat, verwundern, dass es zur Pause trotzdem 1:0 für Fortuna stand. Aber es wird wohl kaum verwundern, dass der Treffer aus einem Eigentor der „Löwen“ resultierte, oder? Doch genau so war es, in der 44. Minute Eckball von rechts für Fortuna, und in der Mitte kommt der Rumäne Florin Lovin angerauscht und torpediert den Ball mit Wucht und Kopf rechts oben in den Winkel. Keiner weiß, warum, ein Fortune stand jedenfalls nicht in unmittelbarer Nähe. Aber doch hübsch anzusehen, Respekt. Und dazu so schön zum angeblich „psychologisch wichtige Zeitpunkt“, unmittelbar vor dem Pausenpfiff. Firma dankt.

Aber beim jetzigen Zustand der Fortuna gibt auch eine geschenkte Führung keine Sicherheit. Im Gegenteil, die „Löwen“ waren es, die zu Beginn der zweiten Halbzeit mal eben kurz das Tempo anzogen, und die Partie binnen vier Minuten drehten: Djordje Rakic traf zum Ausgleich in der 49., Stefan Buck zum Siegtreffer in der 53. Minute. So einfach geht das.

Ach ja, natürlich könnte man die Treffer auch noch näher beschreiben, man will ja nichts verschweigen. Also: Freistoß Bierofka, Kopfball Rakic – 1:1. Nach Eckball Flanke Bierofka, Kopfball Buck – 1:2. Es tut mir Leid, ich denk mir das nicht aus, die Mannschaft ist wirklich derzeit nicht nur schlecht, sondern auch einfallslos schlecht.
Wobei es zu den beiden Gegentreffern sicherlich noch mehr zu erzählen gibt. Beim Ausgleich stand Rakic mitten im Fünf-Meter-Raum so was von frei...Man darf gerne mal die ganze Abwehr fragen, was sie sich dabei gedacht hat, ausgerechnet den bislang erfolgreichsten „Löwen“-Stürmer bei einem Standard dermaßen frei rumlaufen zu lassen, oder auch Keeper Ratajczak, warum er sich weigerte, die Torlinie zu verlassen. Nutzt ja alles nix. Und wieder machte ein Gegenspieler von Tiago die Bude, der dritte nach Cidimar und Friend. Aber Trainer Meier ließ ihn immer noch munter weiterspielen.

Dafür, muss man ehrlich sagen, war er am zweiten Gegentreffer gänzlich unschuldig. Nach einer kurzen Ecke auf der rechten Seite ließ sich nämlich erst van den Bergh von Bierofka düpieren, der ihn auf engem Raum locker überlief, und dann von der Grundlinie aus (leider nicht darüber hinaus, wie es im ersten Moment ausgesehen hatte) kurz nach innen flankte. Vor dem kurzen Pfosten tauchte Buck auf und köpfte auf denselben. Da hätte normalerweise der Keeper stehen müssen, aber Ratajczak hatte schon weiter gedacht und sich Richtung Fünf-Meter-Raum bewegt, weil er die Flanke abfangen wollte. Blöd nur, dass er dabei den Buck irgendwie übersehen hatte. Mit einem Hechtsprung versuchte er noch zu retten, was nicht mehr zu retten war und kegelte sich den Ball dadurch gleich selbst über die Linie. Ja, so einfach geht das derzeit gegen uns...

Weshalb wir uns mit dem weiteren Spiel auch gar nicht länger aufhalten wollen. Fortuna drehte wie üblich zum Schluss noch ein wenig auf, hatte die eine oder andere Chance, brillierte unter anderem damit, dass die beiden Außenverteidiger (!) Weber und van den Bergh nach Ballverlust der Münchner am Fortuna-Strafraum einen Konter aus- und zu Ende spielten, weil aus Sturm und Mittelfeld niemand rechtzeitig hinterher kam. Highlights gab es dennoch ganz am Schluss, das unfassbarste sicherlich in der 86. Minute. Feiner Spielzug über die rechte Seite, Lambertz spielt Bröker schön frei, der zieht in dem Strafraum, hängt noch einen Gegenspieler ab und gibt flach nach innen, an zwei „Löwen“-Spielern vorbei, der dritte touchiert den Ball noch, lenkt ihn dadurch an Kiraly vorbei, genau vor die Füße des eingewechselten Torghelle (erlöste nach 75 Minuten den armen Tiago), zwei Meter bis zum Tor, Selbiges ist leer...Torghelle streckt den linken Fuß aus, um abzustauben, und der Ball prallt nicht nach vorne weg, sondern seitwärts und kann vom am Boden liegenden Kiraly im Nachfassen gesichert werden, ehe er, also der Ball, über die Torlinie rollt. Allein in dieser Szene steckt soviel Hilflosigkeit und Verzweiflung, ich bekomm heute noch Mitleid mit Torghelle, wenn ich nur daran denke. So ist das, wenn man die Scheiße am Schuh hat. Dann geht noch nicht einmal solch ein Ball rein. Denn das ist nun wirklich kein Unvermögen, da hat der Fußballgott momentan etwas gegen die Truppe. Die spielen schlecht im Moment, natürlich. Aber wenn sie dann ausnahmsweise mal zwei, drei lichte Momente im Spiel haben, flott nach vorne kombinieren und eigentlich den Ausgleich klar machen – dann passiert so etwas. Das ist höhere Gewalt. Dies ist natürlich keine Entschuldigung für Spieler und Trainer, nur eine Feststellung, auf die ich mich, aber nicht sie sich berufen können. Es soll halt derzeit anscheinend nicht sein. Da kann man machen, was man will.

Zu guter Letzt gab es noch Rot für Kapitän Andreas Lambertz, der in der Schlussminute den eingewechselten Alexander Ludwig regelwidrig am Torschuss außerhalb des Sechzehners hinderte. Da er letzter Mann war, konnte die Entscheidung nur Rot heißen. Zwei Spiele Sperre für den nimmermüden Läufer, der bis zur 93. Minute sicherlich wieder einmal vollen Einsatz, aber auch – ebenfalls wieder einmal – sehr viel mangelndes Spielverständnis und fehlende Übersicht bewiesen hatte. Und davon haben wir derzeit eh genug Spieler in der Truppe, da fällt es gar nicht so auf, wenn einer davon jetzt mal zwei Spiele fehlt.

Apropos auffallen, dass einer fehlt: ausgerechnet an jenem Wochenende wurde uns demonstriert, dass man auch mit seinen Personalabgaben nicht immer besonders glücklich sein muss. Folgendes konnte nahezu parallel gesichtet werden: Heidinger machte den 1:0-Siegtreffer für Bielefeld gegen Ingolstadt; Oehrl machte den 2:2-Ausgleich für Augsburg gegen Osnabrück; und sogar Caillas machte eine Bude, zum 3:1-Endstand für RW Erfurt gegen Drittliga-Spitzenreiter Kickers Offenbach. Nicht dass ich Spielern unnötig lange nachweinen möchte, aber diese Ballung plötzlicher Treffsicherheit ehemaliger Fortunen an einem einzigen Spieltag war auch wieder ein Schlag ins Kontor. Es passt halt derzeit wirklich alles.

Viertes Spiel, vierte Niederlage – exakt den Saisonstart aus der Regionalliga Nord im Jahr 2005 wiederholt, als man zu Beginn der Saison Pleiten gegen Osnabrück, Wattenscheid, RW Essen und Köln II einfuhr. Nur: damals hatte dies kaum jemand bemerkt, in Düsseldorf interessierte man sich gerade nicht so sehr für Fortuna, 8.000 Zuschauer waren schon ein ordentlicher Besuch, in der Zeitung gab’s mal eine Randnotiz im Lokalsport. Deshalb ließ man Trainer Uwe Weidemann weitermachen und holte ihm zum Ende des Transferfensters noch Marcus Feinbier als stehgeigenden Knipser mit gutem Auge für weite Pässe. Am Ende der Saison waren die Nullstarter fast schon sensationell Fünfter in der Tabelle. Geht alles nicht mehr. Erstens ist das nicht Regionalliga, zweitens hat die Fortuna in der letzten Saison bundesweit viel zu viel Aufsehen erregt, als dass diese Pleitenserie jetzt niemandem auffallen würde. Wir sind ja wieder im Big Business, und zwar auch an schlechten Tagen. Ach ja, und drittens ist die Transferliste schon seit Längerem geschlossen. Quo vadis, Fortuna?

Nullinger

Nun, am 22.09.2010 erst einmal zu Audi. Will sagen, in den Audi-Sportpark zum Aufsteiger FC Ingolstadt. Über die Sinnlosigkeit dieser Ansetzung hatte ich in der letzten Zusammenfassung bereits geschrieben. Aber gut, nach dem 4. Spieltag musste man natürlich sagen: Respekt vor den Fußball-Göttern der DFL! Die haben ja soviel Ahnung vom Fußball, die hatten im Sommer schon geahnt, dass es am 5. Spieltag nur diese Partie sein durfte, ein echter Knaller der Zweitliga-Geschichte! Wer den verpasste, dem war wirklich nicht zu helfen: FC Ingolstadt gegen Fortuna – 0 Punkte gegen 0 Punkte, acht Niederlagen auf einmal auf einem Spielfeld – mehr ging wirklich nicht. Und für solch ein Highlight fährt man ja gern mal unter der Woche 500 km einfache Strecke. Danke, DFL!

Der 22. September dämmerte als wunderschöner Spätsommertag herauf, kein Wölkchen am Himmel, Temperaturen auch am Vormittag schon angenehm an der Zwanzig-Grad-Marke kratzend, diese anschließend sogar übertreffend. Ein Tag wie gemalt, um ihn auf dem eigenen Balkon zu beginnen, mit einem Stadtbummel mit anschließender Einkehr in eine Lokalität mit Außengastronomie fortzusetzen und mit einem schönen Verdauungsspaziergang in der Natur zu beenden. Da es sich um einen Mittwoch handelte, musste natürlich Urlaub eingereicht werden. Hatte ich gemacht. Aber anstatt den oben beschriebenen Dolce-Vita-Tätigkeiten nachzugehen, dachte ich mir: versuch’s doch mal mit Fußball...Das heißt nein, man muss schon differenzierter formulieren: versuch’s doch mal mit Fortuna. In diesen Tagen besteht eine Übereinstimmung zwischen beiden Begriffen ja eigentlich nur darin, dass sie mit demselben Buchstaben beginnen. Ich fuhr also in den Süden, an einem Spätsommertag grundsätzlich wohl auch keine schlechte Entscheidung. In diesem Fall war sie allerdings dazu angetan, mir – und nicht nur mir – den Tag völlig zu versauen.

Der Weg führte also nach Ingolstadt, zum ersten Mal überhaupt, denn es war das allererste Pflichtspiel beider Teams gegeneinander. Zudem haben die seit 01.07.2010 eine nagelneue Heimspielstätte. Kann man sich ja mal angucken. Um 10 Uhr verließ ich somit den heimischen Herd, um als Beifahrer die Reise ins Ungewisse anzutreten. Zum Glück als Beifahrer. Als Fahrer wäre ich wahrscheinlich spätestens auf der Rückfahrt Amok gelaufen.
Über die A 3 steuerten wir unseren Zielort an, bis Frankfurt sogar recht verzugslos, danach vielleicht ein wenig langsamer aufgrund des aufkommenden Verkehrs, aber immer noch zügig. Dies änderte sich mit dem Grenzübertritt nach Bayern grundlegend. Direkt an der ersten bayrischen Abfahrt, Aschaffenburg, glänzte das Gelobte Land mit einer fünf Kilometer langen Baustelle, fast unmittelbar gefolgt von der zehn Kilometer langen Baustelle bei Würzburg, fast unmittelbar gefolgt von einer weiteren zehn Kilometer langen Baustelle bis zum Kreuz Biebelried. Nach dem, was man zwischen Aschaffenburg und Biebelried alles an technischem Großgerät aufgefahren hat, vermute ich, dass in diesen Bauabschnitten nicht nur die A 3 verbreitert werden soll, sondern man möchte die Gelegenheit nutzen, auch gleich noch ein paar Trabantenstädte für die Autobahn aus dem Boden zu stampfen. Das sah sehr danach aus, als ob man hier schleunigst die Mittel aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung verbauen musste, natürlich alles auf einmal, bevor die restliche Kohle am Ende des Jahres den haushalterischen Weg alles Irdischen geht. Da legt man dann lieber komplette Autobahnabschnitte buchstäblich in Schutt und Asche, so sah es jedenfalls teilweise aus, mit dem Auf- und Ausbau kann man sich ja anschließend so richtig Zeit lassen. Eine Zumutung, die das Bundesland Bayern jedoch nicht exklusiv hat, wie auf der Rückfahrt zweifelsfrei festgestellt werden konnte.

Nun hat ja auch die längste Baustelle mal ein Ende – es sei denn, sie wird praktisch sofort von der nächsten gefolgt, siehe oben –, sodass wir irgendwann in Höhe Nürnberg auch mal auf die A 9 wechseln konnten, was dort eigentlich recht praktisch ist, denn die A 3 geht einfach in die A 9 über, man fährt einfach geradeaus und schwupps, am nächsten Schild stellt man fest, dass man soeben die Autobahn gewechselt hat. Auch auf der A 9 konnte die Straßenbauverwaltung durch physische Präsenz ihrer Aufträge in geregeltem Abstand glänzen. Nach knapp fünfeinhalb Stunden langten wir trotzdem reichlich genervt, aber noch gut in der Zeit, vor dem neuen Stadion der „Schanzer“, wie der FC Ingolstadt einheimisch tituliert wird, an. Eine nette kleine Hütte für 15.000 Zuschauer, natürlich nagelneu, und über den Hauptsponsor der Schanzer braucht in dem Moment, in dem man am Stadion vorfährt, nicht weiter diskutiert zu werden: die Bude trägt den Namen „Audi-Sportpark“, begrüßt wird man an der Außenfassade mit einer meterhohen Videoleinwand, auf der ab zwei Stunden vor dem Spiel permanent Audi-Werbespots laufen, und für den Fall, dass wirklich jemand noch nie einen Audi gesehen hat, wurden drei nagelneue Exemplare auf der Freifläche vor dem Haupteingang zum Bestaunen platziert. Sie hätten uns wenigstens einen schenken können, so meine Auffassung, die ich allerdings trotz Nachfrage beim einheimischen Personal ziemlich exklusiv hatte. Vielleicht haben sie mich auch nur nicht richtig verstanden, das ging mir mit ihnen ebenso, befleißigt man sich dort doch eines recht putzigen bayrischen Dialekts.

Das Stadion steht mitten in einem Gewerbegebiet, und zwar zwischen den Öltanks der Raffinerie „BayernOil“ (was es nicht alles gibt) und einem alten Schlachthof, bei dem ich froh war, dass der augenscheinlich nicht mehr in Betrieb ist, ansonsten wären einigen Leute spätestens nach Spielschluss einige ungemütliche Ideen gekommen. Sehr heimelige Umgebung also. Es ist ein schicker kleiner Neubau, vergleichbar vielleicht mit dem Möbelendlager in Paderborn, nur dass in Ingolstadt bis auf diese Videoleinwand nicht soviel Werbung an der Außenfassade rumhängt. Man sitzt schön nah am Spielfeld, hat auch keine Probleme mit dem zur Verfügung stehenden Raum, es waren eh nur 5.900 Zuschauer anwesend, davon vielleicht 500 aus Düsseldorf, was für die sportliche Lage, den Wochentag und die Anstoßzeit 17.30 Uhr eigentlich schon überraschend viel war. Und damit die Neuerungen und Überraschungen an jenem Tag kein Ende nehmen sollten, dafür hat man ja einen Trainer. Der kurzerhand den Torwart getauscht hatte und zum ersten Mal seit Anfang August 2009 wieder Michael Melka zwischen die Pfosten stellte. Der Bock, den Ratajczak beim 1:2-Siegtreffer der „Löwen“ am Sonntag zuvor geschossen hatte, war wohl der eine zuviel. Auch dass Tiago endlich nicht mehr auf dem Feld stand, sorgte bei mir für eine gewisse Überraschung, hatte ich doch schon angenommen, der Mann wäre mit einer Stammplatzgarantie zu uns gewechselt, was ja immerhin erklären würde, warum Meier ihn dreimal hintereinander aufgeboten hatte, obwohl bereits die erste Vorstellung unterirdisch gewesen war und im Weiteren noch gesteigert wurde, allerdings nicht zum Positiven. Für ihn rückte Jungspund Lukimya-Mulungoti in der Innenverteidigung wieder an die Seite von Jens Langeneke, die er nach dem 1. Spieltag relativ zügig verlassen hatte. Im Sturm wurde auch wieder eine lustige Alternative aufgeboten, diesmal wählte Meier aus dem zur Verfügung stehenden Angebot Wellington und Jovanovic aus. Für den gesperrten Lumpi Lambertz durfte Marco Christ von Beginn an ran. Öfter mal was Neues halt.
Die Mannschaftsaufstellung der Fortuna wurde vom Gastgeber dergestalt verlesen, dass sie mit einer Musik unterlegt war, die ich als alter Mann sofort mit einer bestimmten Fernsehsendung assoziieren konnte, leider weiß ich nicht mehr genau, welche, entweder „Väter der Klamotte“ oder „Dick und Doof“, eine dieser kunstvollen Zusammenschnitte uralter, weil schwarz-weißer Comedy, die in den 1970er und Anfang der 1980er Jahre immer freitags im Vorabend-Programm im ZDF gesendet wurden, der eine oder andere Leser, der bereits mein biblisches Alter erreicht hat, wird wissen, was ich meine. Und egal, ob Buster Keaton oder Laurel & Hardy – es war auf jeden Fall eine prophetische Auswahl.

Fortuna verlor die Partie sang- und klanglos mit 0:3, fünftes Saisonspiel, fünfte Niederlage, ein nie für möglich gehaltener Super-GAU. Vor allem in der Art und Weise, mit der das Spiel verloren wurde.
Dabei begann es recht gut, nämlich gar nicht. In der ersten Viertelstunde tat sich nämlich nichts Weltbewegendes auf dem Rasen, kein Grund zur Beunruhigung. Dann schoss der Ingolstädter Tobias Fink (Bruder von Oliver Fink, der für uns auf dem Platz stand) mal aus fünfzehn Metern aufs Tor, rutschte beim Schuss auch noch aus, trotzdem war Melka sofort geschlagen, allerdings rettete der links Innenpfosten, von dem aus das Leder wieder ins Feld zurück sprang und anschließend geklärt werden konnte. Sollte dies ein Weckruf gewesen sein? Und wenn ja, für wen? Fragen über Fragen.

Apropos: es könnte ja sein, dass sich der geneigte Leser, der bis an diese Stelle gelangt ist, sich mittlerweile verzweifelt fragt, wo denn diese im Text schon des Öfteren erwähnte, langweilige Standardsituation bleibt. Bitte, dem Manne respektive der Frau kann geholfen werden: 16. Minute, Ecke von rechts für Ingolstadt, zu kurz abgewehrt, Nachschuss, Tor. Geht doch.
Man mag es ja schon als Fortschritt sehen, dass der Eckball nicht sofort verwertet, sondern tatsächlich zunächst geklärt werden konnte. Dies war aber eine Klärung der besonderen Art: Großmeister Wellington half mal versehentlich im eigenen Strafraum aus und klärte den Ball, der weit vom Tor weggezogen wurde und eigentlich völlig ungefährlich war, ungefähr vierzehn Meter vor dem eigenen Tor in Höhe des langen Pfostens mit der Brust! Und zwar dergestalt, dass die Kugel schön schräg auf die Sechzehn-Meter-Linie eierte, nunmehr jedoch in Höhe des kurzen Pfostens. Dort erschien nach kurzem Anlauf der Ingolstädter Buchner, holte die rechte Klebe raus und nagelte den Ball flach durch die Beine von Jovanovic (schon wieder ein Stürmer im eigenen Strafraum) in die kurze Ecke. Wellington hingegen hatte sich nach seinem „Abtropfer“ sofort nach vorne orientiert, in der schönen Annahme, „irgendjemand“ werde diesen stümperhaften Klärungsversuch schon ausbügeln und dann mit ihm einen Konter spielen. Er drehte sich erst um, als die Kugel im Netz einschlug und guckte doch ein bisschen komisch. Was manche Leute aber auch unter „Abwehrarbeit“ verstehen...

Ob Keeper Melka diesen Ball hätte halten können, kann man so oder so sehen. Zum Einen war ihm natürlich die Sicht durch die vor ihm stehenden Spieler verdeckt, er sah den Ball erst sehr spät; zum Anderen war er unmittelbar nach dieser lustigen Klärung durch Wellington aus seinem Tor heraus gekommen und stand beim Schuss sogar noch vor dem Fünf-Meter-Raum, weshalb er bei der Härte des Schusses auch gar nicht mehr rechtzeitig reagieren konnte. Darf man sich aussuchen.

Anschließend begann eine Phase, von der ich sagen würde: da ging noch was. Fortuna spielte leidlich druckvoll nach vorne, leider ohne sich großartig Chancen herauszuspielen. Ein Kopfball von Costa nach einer Ecke, relativ deutlich am Tor vorbei, einen Schusschance für Wellington, leider geblockt, eine Schusschance für Fink, aus dem Stadion raus; solche Sachen halt. Aber immerhin, man machte ein wenig Druck nach vorne, von Ingolstadt war nicht mehr viel zu sehen. Hingegen konnte man deutlich sehen, warum diese Mannschaft bis zu dieser Partie ebenfalls noch keinen Punkt auf der Habenseite hatte verbuchen können. Das sah alles Andere als souverän aus, und es machte fast so viel Spaß, Malte Metzelder in deren Abwehr zu beobachten wie seinen Bruder derzeit auf Schalke. Zu Beginn der zweiten Halbzeit konnte man sagen: Mann, war das schlecht – aber da geht noch was, sie sind am Drücker. Das Ding ist noch nicht durch.

War es dann neunzig Sekunden später doch. Ingolstadt brauchte anderthalb Minuten und zwei Männeken, um das Spiel zu entscheiden. Nach Abschlag Kirschstein landet die Kugel kurz vor dem Fortuna-Strafraum bei Futacs, der spielt auf Hofmann. Es sind die beiden einzigen Audi-Städter vorne, gegen fünf Fortunen. Und man sieht sofort, das Einzige, was die beiden versuchen können, ist ein Doppelpass. Das machen die dann auch, sogar noch im Zeitlupentempo, richtig zum Zugucken und Lernen – und kommen damit tatsächlich durch. Und während ich mir noch entgeistert die Augen reibe, wie so etwas überhaupt möglich ist, lupft Hofmann aus zehn Metern an Melka vorbei ins Netz zum 2:0, und das Spiel ist durch. Konnte man sofort sehen. So richtig schön nach dem Motto „Och nö, nicht schon wieder!“ stellte ein Großteil der Mannschaft die Arbeit ein. Bestes Beispiel hierfür war Stürmer Jovanovic – an jenem Spätnachmittag wieder mit einer 1a-Stehgeiger-Performance –, der unmittelbar nach dem 0:2 im Gegenzug schnell den Kopf einzog, um die ausnahmsweise sehr gut getimte Flanke von Christ nicht versehentlich aufs gegnerische Tor köpfen zu müssen. So ein Anschlusstor hätte auch nur in der Konzentration gestört, nehme ich mal an. Okay, er wird sich dabei schon etwas gedacht haben, aber es sah wirklich schon stark nach Absicht aus, sehr unglücklich. Ansonsten ließ man sich auf dem Rasen gemütlich treiben, kassierte in der 59. Minute noch das 0:3 durch den gerade frisch eingewechselten Fabian Gerber und hatte Glück, dass Melka mit Riesenparade nach einem Kopfball noch das vierte Gegentor verhinderte. Auf der Gegenseite hatten die Lustlos-Kicker tatsächlich noch zwei dicke Chancen, einmal zielte Christ knapp am Tor vorbei, und kurz vor Schluss kam Sascha Dum frei zum Abschluss aus knapp zwölf Metern, konnte den Ball sogar noch stoppen und sein Ziel in aller Ruhe anvisieren. Wohin er die Kugel anschließend drosch, kann ich gar nicht beschreiben. Blieb sie noch im Fangnetz hinter dem Tor hängen oder flog sie gleich ganz aus dem Stadion heraus? Ich vermag es nicht sagen, ich hatte schon beschämt den Kopf gesenkt.
Man sieht aber: selbst mit dieser absoluten Nullleistung hätte man beim größtenteils harmlosen Aufsteiger noch etwas reißen können, selbst mit dieser Teilzeit-Arbeitsverweigerung spielte man noch die eine oder andere Chance heraus, wenn man die genutzt hätte, wäre es noch mal spannend geworden. Aber Spannung wird auch überschätzt, nicht dass man dann zum Schluss noch so viel laufen muss! So siegte Ingolstadt völlig verdient mit 3:0, und wir waren endgültig dort angekommen, wo wir nach diesem Spiel auch hingehörten: am Tabellenende.

Ein großes Lob gebührt den 500 mitgereisten Fans, die sich von dieser Darbietung der Mannschaft nicht animiert fühlten, den Platzsturm rauszuholen, sondern in feine Ironie zu verfallen und dies auch gesanglich kund zu tun: „Gegen Fortuna kann man mal gewinn’n!“ – „Wir sind Letzter – jeder weiß, warum!“ und „Europapokaaal!“ konnten gehört werden, ebenso wurde der Sesamstraßen-Klassiker „Der, die, das“ mit leicht verändertem Text zum Besten gegeben: „Wieso, weshalb, warum – wer auswärts fährt, ist dumm! Tausend tolle Tore, die gibt es überall zu seh’n, nur nicht bei Fortuna, das müsst ihr doch versteh’n!“ Hier von mir mal in der gebotenen Ausführlichkeit geschildert, um zu verdeutlichen, wie sehr sich die Mannschaft besonders in der zweiten Halbzeit diese Häme verdient hatte. Das war ein Armutszeugnis.

Von dem sich auch der Trainer nicht ganz ausnehmen kann. Hatte ich den Torwartwechsel zu diesem Zeitpunkt schon nicht ganz verstanden, so setzte Meier noch eins drauf: nach dem sehr richtigen Wechsel zur Pause, für den defensiven Costa den offensiven Dum zu bringen, wechselte er nach dem 0:3 mit Torghelle und Gaus noch zwei Stürmer ein, warum auch nicht, es war noch 25 Minuten zu spielen. Dafür nahm er jedoch die Stürmer Wellington und Jovanovic runter, tauschte also den Sturm nur aus, brachte nicht „mehr“ Offensivkraft. Vielleicht wollte er ja das Ergebnis halten, wer weiß. Oder die arbeitslosen Kollegen verunsichern, die in Scharen zu dieser Partie angerückt waren, klar, bei gleich zwei Null-Punkte-Teams vor dem Spiel steigt ja die Wahrscheinlichkeit, dass man bald gebraucht wird. Direkt vor mir saßen Rudi Bommer und Werner Lorant, Jörn Andersen erblickte ich noch, auch Ralf Loose hatte grad mal Zeit und Lust, vorbeizuschauen. Weiter hab ich nicht gezählt, es soll wohl noch der eine oder andere mehr gewesen sein. Vielleicht präsentierte der Trainer mit Absicht seine desolatesten Aufstellungen, um potentielle Bewerber abzuschrecken? Falls ja, hat es funktioniert, er blieb nämlich bis zum Bochum-Spiel im Amt. Wer hätte in dieser Situation, mit nur vier Tagen Vorbereitung zum nächsten Spiel, auch schon freiwillig den Trainer getauscht?

Nach diesem herausragenden Spiel stand natürlich noch die herausragende Heimfahrt an. Eingedenk unsere Erfahrungen auf dem Hinweg waren wir nunmehr gewillt, es zunächst wieder über die A 9 zu versuchen, um dann jedoch auf die A 6 und später auf die A 61 zu wechseln. Keine Stunde nach unserem Start fanden wir uns auf irgendeiner lichtlosen bayrischen Landstraße wieder, um den ersten Stau zu umfahren. Selbiges wiederholten wir später noch auf der A 6 in Baden-Württemberg, so lernten wir wenigstens Heilbronn näher kennen. Und auch auf der A 61 begleitete uns Baustelle an Baustelle, es war unfassbar. Momentan kann man wirklich niemandem zumuten, in Süd- oder Südwestdeutschland eine längere Strecke auf der Autobahn zurückzulegen, das ist eine einzige Frechheit. Besonders, wenn man grad mit 0:3 verloren und eine echte Bankrotterklärung gesehen hat. Trotzdem langte ich gegen halb ein Uhr morgens zuhause an, ohne Amok gelaufen zu sein. Man muss ja dankbar sein für die kleinen Dinge des Lebens! Und das Wetter war auch in der Nacht immer noch prima. Eigentlich also ein sehr schöner Ausflug nach Ingolstadt. Hätte ich mir doch nur in der Zeit von 17.30 Uhr bis 19.20 Uhr die dortige Festung anstelle des Fußballspiels angesehen – der Tag würde mir als lauschiger Spätsommertag in Erinnerung bleiben, den man ein bisschen auf der Autobahn und ein bisschen mit Dolce Vita verbracht hatte. Und nicht als fußballerische Hinrichtung.

Kleiner Epilog:

Verbürgter Dialog von der Hinfahrt an der Raststätte Limburg bei McDonald’s: Jungmanager mit Anzug und Laptop-Täschchen liest unfallfrei ab, was auf einem Fan-Schal steht und fragt daraufhin: „Wo spielt denn Düsseldorf heute?“ – „In Ingolstadt!“ – „Und, fahrt ihr hin?“ !!! Trotz (oder gerade wegen) kompletter Nichtahnung genau die richtige Frage gestellt, Respekt!

Wer ist schon Fortuna?

Aber natürlich ging es noch besser. Nur einen Tag nach dieser historischen Pleite (schließlich war es ja das erste Spiel überhaupt gegen Ingolstadt) hatte die Stadt Düsseldorf mal wieder etwas für uns: also, die Stadt Düsseldorf hat sich offiziell um die Ausrichtung des Eurovision Song Contest (ESC) 2011 beworben, das sind Lena und Konsorten, falls jemand den Namen nicht kennt. Da dieser im Mai 2011 stattfindet und die Arena als mögliche Veranstaltungsstätte inklusive Vorausscheidungen und Umbau für ca. 6 Wochen blocken würde, müssten in diesem Fall die letzten drei Heimspiele (!) der Saison verlegt werden. Für die Stadt Düsseldorf überhaupt kein Problem: am Tag nach dem Ingolstadt-Spiel beschwatzte man den Verein (der dazu eh nur Ja und Amen sagen darf), dass für diesen Fall der Flinger Broich eben ganz schnell zweitligatauglich auf 18.000 Zuschauer ausgebaut werden wird und dann als Heimstätte für die letzten drei Spiele dienen kann. Dies ist kein Witz, sondern eine offizielle Presseerklärung der Stadt, der entsprechende Antrag an die DFL ist schon raus. Eine auch nur drittligataugliche Aufrüstung des Flinger Broich wurde von der Stadt jahrzehntelang abgelehnt, dies diente unter anderem 2005 als Begründung dafür, dass Fortuna endgültig in die Arena umziehen musste. Aber wenn Lena kommt, dann geht das binnen drei Monaten, und das auch noch zum Saisonende. Auch ohne dass man über die weiteren Probleme nachdenkt, die so etwas mit sich bringen wird (Einnahmeverluste, und besonders die Infrastruktur rund um den Flinger Broich) ist dies mal wieder ein absolutes Unding, welches sehr schön zeigt, was Fortuna in bezug auf die Arena zu sagen hat, nämlich genau nichts, und was sich die Stadt Düsseldorf unter einer Unterstützung ihres höchstklassigen Fußballvereins so vorstellt. Nämlich das: wenn Lena kommt, darf Fortuna gehen, Ende der Diskussion. Insgeheim werden die wohl hoffen, dass wir bis dahin abgestiegen sind, dann interessiert es eh niemanden mehr, wo wir die letzten drei Spiele austragen.

Die Entscheidung über die Vergabe des ESC fällt im Oktober, neben Düsseldorf haben sich noch Hamburg, Berlin und Hannover beworben. Düsseldorf soll aber neben Berlin aufgrund seiner Zuschauerkapazität (mit Dach zu die größte Halle Deutschlands) derzeit die besten Karten haben.

Nullzeit total

Am 27.09.2010 spielte Fortuna vor doch erstaunlichen 20.400 Zuschauern gegen Erstliga-Absteiger VfL Bochum. Man rannte, grätschte und fightete bis zum Umfallen – und verlor natürlich mit 0:1. Mit sechs Pleiten in Folge hat man nunmehr den eigenen Negativrekord aus der Saison 1991/92 (1. Liga) eingestellt.

Und wenn’s schon auf dem Platz nichts Neues gibt, sorgt wenigstens der Trainer für Abwechslung. Er ließ bei der Aufstellung erneut lustig rotieren, diesmal Zoundi wieder von Beginn an auf dem Platz, dafür Torghelle auf die Tribüne, der schöne Claus saß als einziger gelernter Abwehrspieler auf der Bank, dafür feierte der junge Kai Schwertfeger sein Saisondebüt und Johannes van den Bergh rückte ins Mittelfeld vor. Und bevor man sich großartig darüber Gedanken machen konnte, welche zwei Stürmer denn diesmal von Beginn an ran durften, stellte Meier der Einfachheit halber nur einen auf. Dass dies ausgerechnet der schlechteste Angreifer vom Ingolstadt-Spiel war, nämlich Jovanovic, der selbstredend auch noch 90 Minuten durchspielen durfte, gehörte wieder mal zu den Entscheidungen des Trainers, mit denen sich später eine ganze Generation Mystery-Autoren in Lohn und Brot halten wird, da bin ich sicher.

Wir wollen es kurz machen, wie der VfL. Im Gegensatz zu unserer ganzen Rotiererei brauchte der nämlich nur einen Spieler, um das Match zu gewinnen. Ihr Nordkoreaner Chong Tese schoss erstmals nach circa zehn Minuten aufs Fortuna-Tor, das war noch harmlos, der zweite in der 22. Minute war dann drin und zugleich das Goldene Tor. Gegen Ingolstadt fielen alle drei Treffer durch die Mitte. Diesmal konnte man der Innenverteidigung mit Langeneke und Lukimya eine gewisse Stabilität bescheinigen. Aber was soll’s? Dann pennt eben der Außenverteidiger. Ausgerechnet Christian Weber, in der letzten Saison noch Mr. Zuverlässig, demonstrierte eindrucksvoll, dass er in der E-Jugend wohl grad mal austreten war, als den Bambinis erklärt wurde, dass Bälle nach dem Aufspringen auf nassem Rasen schneller werden als auf trockenem. Und so verpasste er glorreich die Flanke von Freier, die er lässig mit dem Fuß an Chong Tese vorbei hatte klären wollen, der Ball schoss allerdings an seiner Schluffenspitze vorbei, wurde vom Nordkoreaner mit links gestoppt und mit rechts aus spitzem Winkel durch die Beine von Melka verwertet. Na riesig.
Auch nicht besser wird es durch die Tatsache, dass der Torschütze zu diesem Zeitpunkt schon längst unter der Dusche hätte stehen müssen, nachdem er sich kurz zuvor eine Tätlichkeit an Langeneke geleistet hatte. Ist im Moment halt so. Schiri Aytekin hatte mal wieder nichts gesehen und tat das, wofür er bekannt ist: die erste Gelbe Karte zeigte er dem Bochumer Prokoph wegen Ballwegschlagens. Im Strafraum herrscht internationale Härte, da darf auch gerne mal zugelangt werden, da schaut man nicht so genau hin. Aber wehe, einer hustet zu laut!

Das war es dann auch schon. Weber leistete sich noch einen groben Patzer, fast hätte Chong Tese diesen wieder genutzt, wäre eine fast identische Situation gewesen, aber diesmal konnte Melka parieren. Auch in der 2. Halbzeit konnten noch zwei Torschüsse der Bochumer gesichtet werden, bezeichnenderweise wieder von Chong Tese, mehr gab es von Bochum nicht. Reichte eben auch so. Fortuna mit wahrlich beeindruckendem Kampfgeist, besonders, wer - wie ich – fünf Tage zuvor in Ingolstadt gewesen war, mochte es kaum glauben. Die Jungs fraßen wirklich Gras, ich glaube, außer Keeper Melka hat jeder Spieler an diesem Abend mindestens dreimal gegrätscht, aber es nutzt ja alles nix. Gleich viermal fehlten vorne die berühmten entscheidenden Zentimeter, stets rutschten die Spieler ins Leere. Einen Kopfball von Langeneke parierte Bochums Keeper Luthe großartig, aber das war es fast schon mit Paraden, viel öfter musste der nicht eingreifen und fiel eigentlich nur noch dadurch auf, dass der Schiri ihm Gelb wegen Zeitspiels zeigte. Vor dem Tor war Fortuna zu bieder, die Flanken kamen nicht, und obwohl die Bochumer Abwehr ein ums andere Mal in Verlegenheit gebracht wurde, ergaben sich kaum echte Torchancen. Dazu noch ein bisschen Pech bei einem schönen Freistoß von Christ, der knapp am Tor vorbei zischte, sowie ein nettes allgemeines Chaos im Bochumer Strafraum zum Schluss, als gar Torwart Melka mitstürmte, aber auch der letzte Schussversuch von Zoundi wurde abgeblockt. Schluss, aus, vorbei – wieder verloren. Diesmal nun wirklich zu Unrecht, was sich auch in der Meinung von Gäste-Trainer Funkel niederschlug, der nach dem Spiel sagte: „Ich wünsche der Fortuna, dass sie in den nächsten Wochen die Punkte bekommt, die sie heute unverdientermaßen verloren hat.“ Wünsche ich mir auch. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Und somit sind wir nicht nur am Ende dieser Zusammenfassung, sondern auch am sportlichen Tiefpunkt angelangt. Sechs Spiele, sechs Niederlagen, egal ob gut, mittelmäßig oder schlecht gespielt wurde, es wurde alles verloren, viermal mit einem Tor Abstand, nur einmal völlig zu Recht und auch in der Höhe verdient. Aufgeben kommt sicherlich nicht in Frage, es sind nur drei Punkte bis Bielefeld und Ingolstadt, deren vier auf Paderborn, das sind alles noch keine Welten, aber man darf den Anschluss jetzt nicht abreißen lassen. Am kommenden Samstag geht es zum VfL Osnabrück, dort hat man, ganz ohne Formkrise, in den letzten Jahren eigentlich immer die Hucke voll bekommen, da waren auch schon ein 0:4 (2004) und ein 0:5 (2005) dabei. Macht nicht gerade Hoffnung, dass der Negativrekord verhindert werden kann. Aber vielleicht geht gerade deshalb was. Und so schlecht sie teilweise in den ersten sechs Spielen agiert haben – null Punkte haben sie wirklich nicht verdient. Aber so etwas nennt man Fußball, und da muss man durch!

Drei Jahre lang hat die Mannschaft erfolgreich gespielt. Man war Dritter in der Regionalliga Nord, dann Zweiter in der 3. Liga, anschließend Vierter in der 2. Liga. Diese Platzierungen erreicht man allesamt nicht, ohne vorher ausreichend Spiele gewonnen zu haben. Es war klar, dass das nicht ewig so weiter gehen würde. Vier Jahre am Stück mit guten Leistungen, die im Gesamt(saison)ergebnis auch immer besser werden, das schafft noch nicht mal Bayern München. Dass es eine schwächere Phase geben würde, die auch nicht mehr allzu weit entfernt sein konnte, hätte sich jeder denken können, der das Geschehen nicht durch eine rot-weiße Vereinsbrille betrachtet. Dass es uns allerdings mit derartiger Wucht trifft und wirklich gar nix geht, egal wie die Mannschaft spielt, damit hat niemand gerechnet. Trotz dieser Niederschläge jetzt den Kopf oben zu behalten und weiter zu machen, bis sich auch mal wieder das Glück auf unsere Seite neigt, das wird die vorrangige Aufgabe der Spieler bis zur Winterpause sein. Ansonsten haben wir in der Rückrunde nämlich nur noch Testspiele für die kommende Drittliga-Saison. Und sich dermaßen sang- und klanglos aus der Liga verabschieden, das muss dann doch nicht sein. Wie gesagt: es wurden sechs Spiele verloren. Verloren ist trotzdem noch nichts.

Und seien wir mal ehrlich: für den neutralen Betrachter sind wir doch wesentlich abwechslungsreicher als irgendeine graue Mittelfeldmaus der Liga. Wer will das schon? Himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt, was Anderes gibt’s bei uns nur selten. Wobei ich natürlich mittlerweile nichts dagegen hätte, wenn wir uns die unteren Tabellenregionen aus dem grauen Mittelmaß anschauen würden.

Mit der neuerlichen Niederlage haben wir jetzt 13 Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz. Wir sind also derzeit weiter vom Platz an der Sonne entfernt, als in der 1. Liga Bayern München von ihrem standesgemäßen Rang. Mein Gott, wir sind derzeit tatsächlich noch schlechter als der FC Bayern! Das wurmt natürlich schon ein bisschen.

0 Punkte, 2:11 Tore – vielleicht der richtige Zeitpunkt, meine spärliche Haushaltskasse durch gebührenfreies Einkaufen mittels EC-Karte Typ „Walter PPK“ bei der nächsten Bank aufzubessern. Denn bei der aktuellen Konstellation meines Vereins habe ich wohl gute Chancen, bei der anschließenden Gerichtsverhandlung „mildernde Umstände“ zu bekommen...

Aber natürlich weiß ich nun, warum Fortuna aus Arena verschwinden darf, wenn Lena kommt. Selbst wenn die im nächsten Jahr als musikalischen Beitrag Deutschlands zum Eurovision Song Contest „Schwarz-braun ist die Haselnuss“ covert - die wird auch damit in der Arena mehr Punkte machen als wir, wenn es so weiter geht.

Stürzt sich jetzt in seine Herbstdepression – genau bis kommenden Samstag, 13.00 Uhr: janus