von Janus,27.10.2008

8.-11.Spieltag

Diese Zusammenfassung kann ruhig etwas knapper ausfallen als sonst. Denn eigentlich gibt es nicht viel Neues zu berichten von der Fortuna. Die Verletztenliste nimmt nicht ab, denn immer, wenn ein Spieler ins Team zurück kehrt, meldet sich ein anderer ab, man könnte meinen, da wäre eine Art Rotation eingerichtet worden, um die medizinische Abteilung bei Brot und Laune zu halten. Und auch die vergangenen vier Spiele kamen einem in dem ein oder anderen Detail ihres Ablaufs doch merkwürdig bekannt vor, sodass die einfallslosen Überschriften niemanden sonderlich verblüffen dürften. Aber auch solche Spiele wollen gespielt sein, damit man darüber berichten kann. Also bittschön – los geht`s.

Alles wie immer I

Am 27.09.2008 erschien das punktegleiche RW Erfurt zum Verfolgerduell in der LTU-Arena. Und mit einem nie gefährdeten 3:0-Erfolg vor 11.000 Zuschauern schaffte die Fortuna den Sprung auf den dritten Platz der Tabelle.
Nicht, dass dies etwas Außergewöhnliches gewesen wäre. In der vierten Saison nacheinander war dies der vierte Heimsieg gegen Erfurt, wobei die Gäste aus Thüringen mit jeder Partie weniger zu bestellen haben. Fiel beim ersten Heimspiel gegen Erfurt der Siegtreffer zum 3:2 erst durch sehr umstrittenen Elfmeter in der 90. Minute, so gab es beim zweiten 3:2 schon erheblich weniger Mühe, in der letzten Saison stand nach knapp einer Stunde der 2:0-Sieg fest, diesmal gab es um dieselbe Uhrzeit bereits das 3:0. Aber natürlich fällt einem so etwas nicht in den Schoß, ein bisschen was dafür tun muss man schon. Und das taten die Fortunen recht eindrucksvoll.

Trainer Meier setzte im Sturm diesmal direkt auf Neuzugang Jovanovic, der am Wochenende zuvor als Joker den Siegtreffer in Aue erzielt hatte. Fortuna gefiel in den Anfangsminuten mit schönem, direktem Spiel nach vorne, besonders über links, mit Caillas und Hergesell, gab es schöne Angriffe zu bestaunen. In der 28.Minute kam RWE-Keper Orlishausen noch mit den Fingerspitzen an einen Schuss von Lawaree heran, eine Minute später konnte er nur noch hinterher schauen: Jovanovic spielt im Mittelfeld einen Zuckerpass in den Lauf von Cebe, dieser, nicht im Abseits, sprintet auf den Keeper zu, umkurvt ihn galant und fällt anschließend nicht um, sondern schiebt die Kugel ins leere Tor. Ein Sahne-Tor der beiden Beteiligten, und die Führung war auch noch völlig verdient. Von Errfurt war in der 1. Halbzeit bis auf eine Gelegenheit für Rockenbach da Silva nix zu sehen, während Fortuna noch die eine oder andere Chance vergab.

Eine Schrecksekunde gab es nach Anpfiff des zweiten Abschnitts, als ausgerechnet Ex-Fortune Denis Wolf nach einem Standard per Kopf nur knapp das Ziel verfehlte (49.). Tja, als er bei uns noch schön blond rumlief, da hat er wenigstens ab und zu ein Kopfballtor gemacht, das sollte er sich vor dem nächsten Gang zum Friseur mal überlegen! Drei Minuten später durften wir auch mal so einen Standard schießen, in dieser Saison bislang nicht zwingend eine unserer Stärken, um es mal diplomatisch zu formulieren. Ein scharf geschossener Freistoß von Christ, von der linken Seite, bestimmt 30 Meter vom Tor entfernt. Der Ball fliegt in den Strafraum, an Freund und Feind vorbei, vor allem an Freund, denn drei Fortunen tauchen plötzlich vor Orlishausen auf, keiner davon im Abseits, die Erfurter Abwehr im Tiefschlaf. Doch auch für drei freistehende Spieler ist der Ball zu gut, sie bekommen ihn alle nicht. Dafür irritieren sie Orlishausen, der nicht weiß, wie er reagieren soll, der Ball tickt einmal auf dem Boden auf und findet seinen Weg über den rechten Innenpfosten ins Tor, 2:0 (52.). Daraufhin spielte Fortuna die Gäste über zehn Minuten mal richtig schwindlig, Erfurt bekam kein Bein mehr auf den Boden, ohne ein gegnerisches umzusäbeln, und die logische Konsequenz folgte in der 66. Minute: es wirbelt wieder das starke Duo des Tages, Cebe und Jovanovic, diesmal legt Cebe unserem neuen Stürmer die Kugel schön in den Lauf, und der wird anschließend vom Erfurter Keeper im Strafraum gelegt. Schiedsrichter Schempershauwe, nicht ganz glücklich in allen Entscheidungen und somit als „in Normalform befindlich“ zu bezeichnen, zeigt diesmal berechtigt sofort auf den Elfmeterpunkt. Es gibt auch keine Proteste der Erfurter, wenn man mal davon absieht, dass Orlishausen wutentbrannt seine gesamte Hintermannschaft zur Sau macht. Ist doch schön, wenn die Kommunikation auf dem Rasen funktioniert! Anschließend wird es sogar noch lustig: Langeneke scheitert zwar im ersten Anlauf, Orlishausen kann abwehren, allerdings genau auf den Elfmeterschützen zurück. Der versucht sein Glück erneut, trifft jedoch den Ball nicht voll. Damit wiederum hat der Keeper nicht gerechnet, der durch dieses Schüsschen aus Nahdistanz quasi auf dem falschen Fuß erwischt wird, denn er hatte ja schon zur nächsten Parade angesetzt. Irgendwie bekommt er doch noch eine Hand an den Ball, aber dadurch biggelt er die Kugel einem Abwehrspieler durch die Beine, der klären wollte. Die Pille eiert erneut an den rechten Innenpfosten und hinter die Linie, ich weiß gar nicht, ob sie es überhaupt geschafft hat das Netz auszubeulen. 3:0, Spiel entschieden, und wenigstens eine Zehntelsekunde Mitleid mit dem Erfurter Torwart, der konnte an jenem Tag machen, was er wollte, sogar Elfmeter halten, es ging trotzdem alles schief. Die Sache war gegessen, Fortuna spielte die Partie locker runter, und Trainer Meier konnte den langzeitverletzten Kapitän Andreas Lambertz auch in einem Heimspiel in der Schlussphase erstmals wieder bringen.
Erfurts Trainer Karsten Baumann nahm es in der anschließenden Pressekonferenz locker, denn er sah eine Steigerung bei seiner Mannschaft: „Das letzte Mal haben wir vier Stück gekriegt, diesmal nur drei!“ Damit meinte er das letzte Aufeinandertreffen der beiden Teams am letzten Spieltag im Mai, als Fortuna in Erfurt 4:0 gewann. Neben diesem schönen Beispiel für Galgenhumor musste allerdings auch Baumann danach zugeben, dass der Sieg auch in dieser Höhe verdient war. Ein schöner Tag, an dem auch ein gewisser Dusel beim Ausnutzen der Torchancen auf unserer Seite war. Endlich mal Gurkentore für und nicht gegen uns!

Erwähnenswert auch noch eine Plakataktion gegen Dietmar Hopp, der in der Woche zuvor ein wenig gejammert hatte, dass es in einem Fußballstadion nicht nett genug zugehen würde, was den willfährigen DFB dazu veranlasste, einen Punktabzug für Mannschaften in Aussicht zu stellen, deren Fans sich nicht stilvoller Diplomatie verschrieben haben. Um das klar zu stellen, ich persönlich habe nichts gegen Hopp, die TSG Hoffenheim ist mir vollständig egal und ja, auch ich denke, dass dieser Dortmunder Honk, der ein Plakat mit dem Konterfei von Hopp in einem Fadenkreuz hoch hielt, nebst Unterschrift „Hasta la vista, Hopp!“, was zumindest von jedem Jugendlichen sofort als Zitat aus dem „Terminator“ erkannt werden dürfte (nebst der Aktion, die in den Filmen dann meist folgt, wenn der Gouverneur von Kalifornien diesen Satz spricht), also dass man diesem Typ, der angeblich 19 Jahre alt sein soll, mal ein bisschen Ärger ans Bein hängt, damit er versteht, wo nach allgemeinen Maßstäben die Grenzen des guten Geschmacks, der freien Meinungsäußerung und einer gewissen Wahrung der Menschenwürde liegen. Aber dass man diese eine Entgleisung zum Anlass nimmt, ernsthaft darüber nachzudenken, Vereinen dafür Punkte im Rahmen einer Fußballmeisterschaft abzuziehen, das ist schon stark. Relativ kurzfristig wurde daher deutschlandweit von den aktiven Fans eine Plakataktion organisiert, was übrigens zur Folge hatte, dass einige der Plakate in Hamburg und Bremen vor dem Spiel kurzerhand verboten wurden. Auch unsere Ultras hatten da mal etwas vorbereitet, das einzige Plakat, das ich von meinem Platz aus lesen konnte, fand ich gut: „Dass dich keiner leider kann, stand wohl nicht im Businessplan!“ Mir sind sowohl der Typ als auch sein Verein völlig egal, natürlich ist auch sehr viel Neid in der Diskussion, aber wenn sein Spezl Zwanziger jetzt schon Vereinen Punkte abziehen will, weil deren Fans nicht nett genug reagieren, dann geht es zu weit. Solch intelligente Häme ist in meinen Augen dagegen genau das Richtige. Wobei man, wie gesagt, nicht vergessen sollte, dass der Hopp jammern könnte, wie er wollte, es würde keinen interessieren - wenn er nicht den DFB als ausführendes Organ auf seiner Seite hätte...
Aber diese ganze Sachlage hat sich derzeit ja wieder ein wenig beruhigt. Als Zückerchen hat sich der DFB kurz darauf dafür entschieden, die Spiele der Frauen-Fußball-WM 2011 unter anderem nach Sinsheim zu vergeben. Ich will natürlich nicht nachkarten, aber damals, als die Spielorte der Männer-WM 2006 verteilt wurden, da sagte die damals noch alleinige Halbdoppelspitze MV den Düsseldorfern unter anderem mit der Begründung ab, er könne keine WM-Spiele in ein Stadion vergeben, das noch nicht mal fertig gebaut sei. Selbiges trifft natürlich derzeit auch auf Hopps Stadion-Projekt in Sinsheim zu, aber da ist der DFB ganz Adenauer: „Was geht mich mein Geschwätz von gestern an?“ Und natürlich hat die Entscheidung nicht das Geringste damit zu tun, dass der Sohnemann des jetzigen DFB-Präsidenten Zwanziger hauptberuflich die Damen-Fußball-Abteilung der TSG Hoffenheim managt. Es ist halt nur einer dieser Zufälle, mit denen der DFB bei solchen Entscheidungen erstaunlich oft gesegnet ist. Da werden die nie ein Problem mit ihrer Kasse haben, sollten sie wirklich mal klamm sein, einfach Lotto spielen, wer dermaßen den Zufall auf seiner Seite hat, der ist dann sicherlich auch öfter für einen Sechser mit Zusatzzahl gut als wir Normalsterbliche…

Alles wie immer II

Am 04.10.2008 kam es dann an der Nordseeküste zum Spitzenspiel: der aktuelle Tabellen-2. Kickers Emden gegen den aktuellen Tabellen-3. Fortuna Düsseldorf. Das Spiel zog 6.087 Zuschauer an, so viele hab zumindest ich in Emden noch nie beim Fußball gesehen. Dabei hätte man sich das Kommen sparen können, denn der Ausgang des Spiels war von vorne herein klar, zumindest für Freunde der Statistik. Zum vierten Mal traten wir in Emden an, die Bilanz bis dato: Sieg, Niederlage, Sieg. Was darauf folgen könnte, wenn man auch dem Fußballsport ab und zu eine gewisse Regelmäßigkeit unterstellt, war auch für Leute, die von Wahrscheinlichkeitsrechnung keinen Schimmer haben, relativ leicht festzulegen. Schade nur, dass es auch tatsächlich so kam. Und schade auch, dass die Art und Weise der 0:1-Niederlage zuvor schon hätte festgelegt werden können – und auch diese Festlegung wäre eingetroffen. Fußball kann so langweilig sein!

Zunächst mal konnte unser Trainer die Mannschaft wieder lustig umstellen, denn neben Kastrati, Walbaum und Palikuca fehlte nun auch einer der besten Spieler der Vorwoche, Ranisav Jovanovic, wegen Verletzung, er war gar nicht erst im Kader. Allerdings gelangen auch die erneuten Umstellungen zunächst, Fortuna hatte in der Anfangsphase mehr vom Spiel. Es gipfelte in der Riesenchance für Cebe, der in der 14. Minute nach einem Pass von Olivier Caillas völlig frei an Keeper Masuch scheiterte. Die erste Viertelstunde auf diesem Behelfsacker ging ganz klar an Fortuna.

Doch schon im direkten Gegenzug war es Ramaj, der Melka aus kurzer Distanz prüfte und damit den Auftakt für einen Emder Sturmlauf machte. Unser Keeper durfte sich anschließend fühlen wie zu seinen Zeiten bei der Reserve von Mönchengladbach, so sehr flogen im in der 1. Halbzeit die Bälle um die Ohren. Wie in der 20. Minute, als Spahic einen Eckball direkt aufnahm und Melka goldrichtig stand. Oder in der 27. Minute, als erneut Ramaj nach einer eher verunglückten Abwehr der Fortunen den Düsseldorfer Schlussmann zum Eingreifen zwang. Sehenswert ebenfalls ein Fallrückzieher von Aidoo nach einer halben Stunde, als Melka erneut die Situation im Griff hatte, wie auch fünf Minuten später bei einem ein Distanzschuss von Pfingsten, den er um den Pfosten lenken konnte. Da kam der Pausenpfiff für die Fortuna und ihre ca. 2.000 angereisten Fans gerade richtig, denn man konnte sich so langsam ausrechnen, wann es einschlagen würde. So ging es mit einem doch recht glücklichen 0:0 in die Pause. Das Tempo war für meinen Geschmack auf diesem tiefen Rasen enorm hoch, und ich begann mich auch schon zu fragen, wie lange die Unsrigen dies würden durchhalten können, im Gegensatz zu den Gastgebern, die diesen Boden gewohnt sind.

Apropos 2.000 Gästefans, das wäre noch ein Wort wert. Denn schließlich stehen einem Gastverein nur 10% der Tickets zu, und das Emder Stadion fasst nun mal im Leben keine 20.000 Zuschauer, mit der Hälfte kalkuliert man eindeutig realitätsnäher. Da aber im Vorfeld der Partie die vorgeschriebene Anzahl Gästekarten in der Düsseldorfer Geschäftsstelle in Nullkommanix ausverkauft war, die Nachfrage aber nicht nachließ, spendierten die Kickers noch einige hundert Karten zusätzlich. Sollte man auch mal erwähnen, wenn es denn schon vorkommt. Die Geschäftsstelle der Fortuna brauchte übrigens keine 90 Minuten, um auch sämtliche zusätzlichen Tickets zu verkaufen…

Nach dem Seitenwechsel schienen sich die Verhältnisse wieder ausgeglichener zu gestalten, auch Fortuna spielte wieder ab und zu recht gefällig nach vorne. So setzte sich Andreas Lambertz in der 55. Minute in der Mitte durch, um Caillas mit einem Pass zu bedienen, dieser kam trotz Bedrängung durch einen Emder Verteidiger noch zum Abschluss, aber wiederum war Emdens Schlussmann Masuch zur Stelle und konnte parieren.

Machen wir es nun kurz: 58. Minute, Ecke Emden von rechts durch Tom Moosmayer, Kopfball Rudi Zedi, 1:0.
Wir blenden kurz auf den Mai dieses Jahres zurück. Am viertletzten Spieltag der vergangenen Saison traten wir im Emden und gewann nach 0:1-Rückstand noch mit 2:1. Und so fiel damals das Tor für Emden: Ecke Emden von rechts durch Moosmayer, Kopfball Rudi Zedi, 1:0. In der vorletzten Saison verloren wir in Emden mit 0:1. und so fiel damals das Tor für Emden: Ecke von rechts (ich glaube, ausnahmsweise war es nicht Moosmayer), die Fortuna-Abwehr bekommt den Ball nicht weg, und ein Abwehrspieler der Kickers zimmert den Abpraller unter die Latte. Sein Name: Rudi Zedi.

Und so haben wir mittlerweile neben dem Fluch des Nebenplatz 11 in Bremen auch den Fluch des Rudi Zedi am Bein. Der Mann ist ein zwei Meter großer Skinhead, der gerade bei Ecken im gegnerischen Strafraum beim besten Willen nicht zu übersehen ist – trotzdem hat er in den letzten drei Heimspielen Kickers vs. Fortuna jeweils immer nach einer Ecke das 1:0 für Emden erzielt. Kenner der Szene wissen natürlich, dass der Rudi fluffige sechs Jahre, bis zum Abstieg in die Oberliga 2002, das Trikot der Fortuna trug. Das macht es natürlich doppelt bitter, trotzdem verstehe ich nicht, wie der in jedem Heimspiel gegen Fortuna nahezu identische Tore machen kann, wobei diese „Identität“ zwischen seinem Treffer im Mai und jetzt im Oktober so groß war, dass es schon fast lächerlich erscheint. Gemacht hat er es trotzdem. Sein erster Treffer gegen uns war das Goldene Tor für den Sieg, seinen zweiten konnten wir noch umbiegen – klar, was jetzt wieder dran war, sein Kopfball blieb die einzige Hütte, und deshalb verloren wir im Emden wieder mal mit 0:1. Das war also alles so vorhersehbar, es war fast schon langweilig.

Obwohl das gesamte Spiel sicherlich nicht die Einstufung „langweilig“ verdient hatte, ich fand es durchaus recht flott. In der letzten Viertelstunde warfen die Unsrigen noch einmal alles nach vorne und hatten auch noch zwei sehr gute Ausgleichsmöglichkeiten, wobei die Emder Abwehr schwamm wie ihre berühmten Fischbrötchen auf zehn Doppelkorn zum Mittagessen – es war ein schmerzlicher Anblick dessen, was eventuell möglich gewesen wäre, hätte man sich zwischenzeitlich nicht so weit hinten reindrängen lassen. Und so bilanzierte Fortuna-Trainer Meier auch nüchtern und enttäuscht: „Es war ein rassiges Match, bei dem weniger Fußball gespielt als Kampf gezeigt wurde. Wir haben dabei über weite Strecken nicht die Verbissenheit wie Emden gezeigt. Die Kickers haben heute den größeren Willen gezeigt, der in einer solchen Begegnung notwendig ist. 15 starke Anfangsminuten und eine Viertelstunde zum Schluss – das ist zu wenig gewesen. Wir haben nicht das Potential abgerufen, über das wir verfügen.“ Und dann reicht es beim Tabellen-Zweiten eben auch nicht zu einem Punkt, der durchaus möglich gewesen wäre. Und zum Thema Zedi nur soviel: ich hoffe, der Typ bleibt bei seinem Heimspiel-Fluch. Wenn der in der Rückrunde auch noch gegen uns trifft, krieg ich zuviel. Bislang hat er bei den Gastspielen der Kickers in Düsseldorf allerdings noch nie eingenetzt. Das macht Hoffnung, das kennen wir aus seinen Düsseldorfer Zeiten nämlich auch kaum anders.

Ein kleines persönliches Highlight hatte ich natürlich wieder einmal beim Dezimieren der Emder Bestände an Krabbenbrötchen. Ich erwarb den köstlichen Imbiss übrigens für unfassbare 1,80 € - im Juni auf Norderney hatte ich noch 4,50 € für dieselbe Mahlzeit bezahlt. Da aber alles andere an diesem Spiel, wie schon geschildert, eigentlich wie immer war und man sich somit die Anreise hätte sparen können, war mein Fazit dieser Partie: 700 km gefahren – für zwei Krabbenbrötchen. Das nenn ich mal dekadent!

Erwähnenswert auch noch die problemlose An- und Abreise über die A 31, die allerdings dadurch gekennzeichnet ist, dass es im Norden eigentlich nur eine einzige Tankstelle direkt an der Autobahn gibt. Also rollte ich auf dem Rückweg mit noch genau einem Liter Sprit im Tank an der bewussten Tankstelle Ems-Vechte ein, die binnen weniger Minuten rot-weiß war, weil wohl fast sämtliche Fortunen, die mit dem Auto angereist waren, dieselbe Spritplanung hatten wie ich. Das hätte natürlich eine nette Party werden können, wenn das vorherige Ergebnis gestimmt hätte. Bemerkenswert dabei aber der nette älterer Herr an der Zapfsäule im Auto hinter mir, der mich ansprach. Er war auf dem Weg von Borkum nach Hause, wollte auch ins Stadion, hatte es aber zeitlich nicht geschafft und ließ sich als Entschädigung von mir einen kompletten Spielbericht geben, während ich tankte. Nicht dass mir das sonderlich Freude bereit hätte, aber immer wieder erstaunlich, wie oft man quasi aus dem Nichts heraus auf die Fortuna angesprochen wird…
Gesamtwertung nach dem Spiel somit: enttäuscht, aber nicht hoffnungslos. Also wie immer eben.

Alles wie immer III

Okay, auf den ersten Blick trifft die Überschrift auf die Partie am 18.10.2008 selbstverständlich nicht zu. Schließlich erschien der FC Bayern München II zum allerersten Mal zu einem Spiel in Düsseldorf. Dies war dann aber auch so ziemlich die einzige Neuerung, denn beim 1:1 gegen die kleinen Bayern vor doch erstaunlichen 13.000 Zuschauern zeigte Fortuna ein Heimspiel, das man zumindest in den vergangenen 12 Monaten schon mehrfach gesehen hatte. Namentlich seien hier die Partien gegen Lübeck, Union Berlin, Magdeburg oder Dresden und Paderborn genannt. Obwohl, einen Unterschied gab es dann doch: vorgenannte Partien gingen samt und sonders verloren. Somit fast schon ein Fortschritt, dass es noch zu einem Punkt reichte.

Was einem so furchtbar bekannt vorkam, war die Tatsache, dass Fortuna in der ersten Viertelstunde den Gegner förmlich überrannte und im Minutentakt dicke Chancen versiebte.
Direkt nach dem Anpfiff zeigten die Fortunen das nötige Engagement und griffen den Gegner weit in seiner Hälfte an. Die Folge waren frühe Ballverluste der Bayern und gute Chancen für die Düsseldorfer. Nach vier Minuten hätte es schon klingeln müssen: Mit einem langen Heber auf den langen Pfosten bediente Cebe den Kopf von Lawaree, aber der brachte das Kunststück fertig, aus ca. zwei Metern Bayern-Keeper Kraft anzuköpfen. Okay, kann passieren, nicht so wild, denn aus auch nicht mehr als fünf Metern kam Hergesell völlig frei an den Abpraller heran. Dass er diesen Flugkopfball dann aber noch neben das Tor setzte, weil der Torwart auch noch die Fingerspitzen an den Ball bekam, das war schon weniger erbaulich. Zwei solche Riesendinger binnen drei Sekunden versiebt! Nur drei Minuten später war es wieder der in der Anfangsphase sehr agile Cebe, der diesmal mit einem Alleingang für Gefahr sorgte, doch er traf nur das Außennetz. Und erneut dauerte es nur weitere vier Minuten bevor es wieder hätte krachen können, diesmal mit einem Konter über Lambertz und Lawaree, der aber auch nur am langen Pfosten vorbei zielte. Es war jetzt schon zum Haareraufen, erst recht, als dann genau das eintrat, das wir so gut kennen: in der 15. Minute ein Freistoß für Bayern, weit vom Tor weg, hoch an die Strafraumgrenze, der Ball wurde verlängert, ich meine sogar, von einem Düsseldorfer, und Thomas Müller stand goldrichtig, um aus fünf Metern zur völlig unverdienten Führung abstauben zu können. Hatten die Gäste bis dahin noch versucht, mitzuspielen, zogen sie sich nun zurück, und die Fortuna lief gegen ein Abwehrbollwerk an, was sie erst einmal nicht auf die Reihe bekam, wie immer halt, wenn man sich mal ein Gegentor fängt.
Gehandicapt wurde die Fortuna zusätzlich durch den Ausfall von Hamza Cakir, der mit einer Platzwunde unterhalb der Augenbraue vom Platz musste und später mit insgesamt neun Stichen genäht werden musste. Schädelbrummen wahrscheinlich inklusive, denn wer Cakir kennt, der weiß, dass der wegen so etwas Läppischem wie einer Platzwunde nicht schon nach einer halben Stunde freiwillig die Segel streicht. Aber es ging halt nicht mehr.

Nach dem Seitenwechsel agierten die Platzherren wieder merklich engagierter, vor allem Caillas erarbeitete sich zusammen mit Hergesell auf der linken Seite ein Fleißkärtchen und sorgte mit vielen guten Flanken von der linken Seite immer wieder für Gefahr. Als auch das nicht half, setzte Trainer Meier noch mehr auf Offensive und nahm „Staubsauger“ Sieger vom Platz. Für ihn kam der offensivere Marco Christ, der direkt mit seinen ersten Aktionen für eine weitere Belebung sorgte. Natürlich kamen die Gäste nun vermehrt zu Kontern, von denen Melka den besten gegen Yilmaz vereitelte. Ansonsten war der Auftritt der Münchner nicht weiter erwähnenswert, mit Ausnahme ihres Trainers, wie wir gleich noch sehen werden. Auf der anderen Seite half dann doch noch die Brechstange: in der 63. Minute kurvt Caillas über links in den Strafraum ein und spielt den Ball nach innen. Ein Bayern-Spieler ist zur Stelle, aber seine Abwehr landet wieder genau vor den Füßen von Caillas, quasi ein schöner Doppelpass, der da gespielt wurde. Caillas versucht es noch einmal mit einer scharfen Hereingabe, Torwart Kraft kann abwehren und legt die Kugel damit genau an einem Abwehrspieler vorbei vor die Füße des wieder genesenen Jovanovic, der keine Mühe hat, den längst verdienten Ausgleich ins leere Tor zu erzielen. Fortuna bemühte sich bis zum Schluss um den Sieg, konnte aber das dafür notwendige Tor nicht mehr machen, hatte natürlich auch noch Pech, als der eingewechselte Kadah in der 86. Minute mit einem Kopfball nur den Pfosten traf.

So gesehen war dieses Spiel nicht Fisch und nicht Fleisch, für keins der beiden Teams. Allerdings ließ die doch durchgängig schlechte Leistung der Bayern-Bubis deren Trainer Hermann Gerland nach dem Spiel im Pressebereich explodieren. Der hatte eine solche Stinklaune, man konnte nur noch den Kopf einziehen und hoffen, dass das Gewitter schnell vorüber sein würde. Fortuna-Offizielle, die ihn ansprachen, bekamen ebenso einen mit wie der WDR, dessen Reporter noch heute auf dem Rasen der Arena stehen würde, wenn er denn auf das eigentlich zugesagte Interview von Gerland warten würde. Es war ganz großes Kino und gipfelte in dieser schönen Aussage von Gerland, die ich vorsichtshalber wörtlich zitiere, bevor der Mann demnächst im Dunkeln meine Haustür einschlägt und eine Richtigstellung fordern kann. Hier also das, was Herrn Gerland nach dem Spiel zu seiner Truppe einfiel: „Von unserer Seite war das beste am Spiel das Ergebnis. Meine Spieler turnen ja bei den Profis rum, bei der Nationalmannschaft. Hier liefern sie ein erbärmliches Spiel ab. Wir haben eine Verpflichtung gegenüber unserem Namen Bayern München. Aber heute haben wir den Namen beschmutzt.“ So kann man ein 1:1 natürlich auch sehen…ich weiß nicht, ob Bayern II auch sonntags trainiert, wenn nein, hoffe ich, dass die Jungs an dem Sonntag nach dem Spiel noch einmal ordentlich ausgeschlafen haben, denn ab Montag werden sie dazu unter Garantie nicht mehr gekommen sein. Ein schönes Beispiel, wie man sich an einem Samstag schon die gesamte kommende Arbeitswoche versauen kann. Ganz großes Kino.

Neu! Neu! Neu! Oder – Alles wie immer IV

Nach diesem im Ansatz guten, aber im Ergebnis leider ziemlich erfolglosen Spiel gegen die eine Zweitvertretung, musste man gegen die andere eine Woche später direkt das Schlimmste befürchten. Denn es ging am 25.10.2008 zum VfB Stuttgart II. Auch hier eine Pflichtspiel-Premiere, aber Sorgen machen musste man sich aus einem ganz anderen Grund: die Stuttgarter stellten zu jenem Zeitpunkt die stärkste Offensive der Liga, man hatte diesbezüglich beeindruckende Referenzen, wie z.B. ein 6:0 in Jena, ein 4:0 gegen Braunschweig, ein 5:4 in Bremen oder 4:4 im Lokalderby gegen die Stuttgarter Kickers, bei dem man allerdings eine 3:0- und 4:1-Führung noch aus der Hand gegebenen hatte. Die Abwehr hingegen schien mit 15 Gegentreffern nach 10 Spielen alles andere als sattelfest. Aber wie gesagt, der Angriff rollt bei den Schwaben. Die haben drei Spieler, Johannes Rahn, Julian Schieber und Sebastian Hoffmann, die vor dem Spiel jeweils fünf Treffer auf dem Konto hatten, insgesamt also fünfzehn. Die Torausbeute der gesamten Fortuna-Mannschaft nach zehn Spieltagen: ebenfalls fünfzehn. Da konnte einem schon ein wenig mulmig werden…

Aber es kam anders: Überraschend klarer 4:0-Sieg gegen völlig überforderte Schwaben, damit hatte wohl kaum jemand gerechnet. Bei strahlendem Sonnenschein und herrlichem Herbstwetter hatte Fortuna von Beginn an das Heft in der Hand, der erste Torschuss des VfB konnte so um die 25. Minute herum gesichtet werden. Da stand es allerdings schon 0:1. In der 10. Minute Flanke von Caillas in den Strafraum, Jovanovic bekommt das Leder nicht unter Kontrolle, um selbst zum Abschluss zu kommen, schirmt dann die Kugel jedoch gut ab und legt für Lawaree ab, der aus 10 Metern Entfernung „durch die Hosenträger“ zweier Abwehrspieler flach rechts unten einschießen kann. Auch in der Folgezeit dominierte Fortuna das Spiel, ohne groß zu glänzen, aber der Gegner bekam mal gar nichts auf die Reihe.

Geradezu sensationell das 0:2 in der 39. Minute: Halet fängt hinten rechts einen Stuttgarter Angriff ab, spielt erst Doppelpass mit Lambertz, dann Doppelpass mit Lawaree, schon steht er mit dem Ball mutterseelenallein auf der rechten Angriffsseite. Eine butterweiche Flanke in die Mitte, und dort ist Jovanovic und vollendet per Flugkopfball zum 0:2. Ein wunderschönes Tor, welches den Gastgebern den Zahn endgültig zog.

In der 2. Halbzeit hatte Stuttgart genau einen halbwegs gefährlichen Torschuss von der Strafraumgrenze, bevor Fortuna den Sack in der 57. Minute zumachte, 3:0 durch Foulelfmeter Langeneke. War berechtigt, Cebe war frei zum Schuss gekommen und dabei von hinten von Oldie Marijan Kovacevic gestoßen worden, der Schiri guckte erst, ob der Ball noch aufs Tor kam, was nicht der Fall war, dann pfiff er Elfer. Langeneke verzichtete diesmal darauf, dem Torwart noch eine zweite Chance zu geben und hämmerte die Kugel direkt ins zur Vorentscheidung ins Netz In der Folgezeit schaukelte Fortuna das Spiel lässig nach Hause, Cebe setzte in der 82. Minute noch einen drauf, als er erst einen Gegenspieler austanzte und dann aus ca. 18 Metern mit links halbhoch ins rechte Eck traf. Nahezu eine exakte Kopie seines Treffers zum 4:0 in Erfurt im Mai, man konnte schon vom Ansatz ahnen, dass der Schuss reingehen würde. Es war ein vollkommen verdienter Sieg, der sogar noch höher hätte ausfallen können, allein Cebe vergab noch zwei Möglichkeiten, einmal aus 8 Metern völlig frei vor dem Torwart nach tollem Zuspiel, einmal aus 16 Metern nach schöner Einzelleistung, in beiden Fällen konnte der Keeper parieren. Lawaree kam einmal auf Vorlage von Caillas einen Schritt zu spät gegen den Keeper, und der eingewechselte schöne Claus traf mit einer Kopfballverlängerung, bei der der Keeper schon geschlagen war, nur auf das Netz. Die Stuttgarter konnten sich also wirklich nicht beschweren. Der beste Sturm der Liga hatte genau mal gar nix zu bestellen. Dass Fortuna die Stuttgarter derart lässig auseinander nahm und die beste Saisonleistung zeigte, das war das Neue an diesem Tag. Aber auch die „Wie immer“-Statistik kam nicht zu kurz: wieder im Waldau-Stadion der Stuttgarter Kickers gespielt, wieder eine problemlose Anreise, wieder bestes Wetter, wieder ein Sieg – alles wie im August. Wir waren also zweimal binnen knapp drei Monaten in Stuttgart-Degerloch, zwei Siege, sechs Punkte, 6:0 Tore. Ich fahr gern nach Stuttgart, glaube ich.

Der VfB konnte sich immerhin über 1.900 Zuschauern freuen. Diese für ein Heimspiel von Stuttgart II doch recht erstaunliche Zahl resultierte zum einen aus über 900 Fans aus Düsseldorf, für die es sogar einen Sonderzug gab sowie zum anderen daraus, dass der VfB aus dem Spiel noch kurzfristig einen „Familientag“ gemacht hatte, mit reduzierten Eintrittspreisen für Familien bzw. freiem Eintritt für Kinder, die Mitglied in deren „Kids Club“ waren. Von Stuttgarter Seite war allerdings während der gesamten Spielzeit nichts zu hören, während der Fortuna-Anhang groß auftrumpfte und 90 Minuten Stimmung verbreitete. Als Höhepunkt wurde zu Beginn der zweiten Halbzeit eine Ecke des Spielfeldes in ein rot-weißes Meer fliegender Papierrollen getaucht, während man den „Karneval in Stuttgart“ und „Die längste Theke der Welt“ besang. Diese Aktion kann auch durchaus als Bewegungstherapie bewertet werden, denn als Schiri Hammer das Spiel unterbrach, um das Spielfeld säubern zu lassen, da beteiligte sich auch Fortuna-Keeper Melka an der Aufräumaktion. Der hat somit an jenem Nachmittag mehr Papierrollen als Bälle in den Händen gehalten.

Stuttgarts Trainer Rainer Adrion war über das Spiel derart verblüfft, dass er sogar mit einem seiner Vergleiche bei der Analyse daneben lag. So bezeichnete er die Partie als ein Spiel „ICE gegen Regionalexpress“. Da es sich aber just um jenes Wochenende handelte, an dem die Bahn ihre Züge der Bauart „ICE-T“ für Überprüfungsmaßnahmen aus dem Verkehr zog, was natürlich Zugausfälle und Verspätungen zur Folge hatte, stellte sich schon die Frage, welches Team an diesem Tag der Zustand der ICE-Flotte der Bahn realitätsnah dargestellt hatte. Wie dem auch sei, ein schöner Nachmittag.

Und so finden wir die Fortuna nach elf Spieltagen mit 20 Punkten in der Spitzengruppe, ein ganz ordentlicher Wert, wobei natürlich besonders die beiden verschenkten Punkte gegen Bayern II weh tun. Zeit zur Entspannung gibt es allerdings nicht, denn es geht bereits am Mittwoch mit dem Heimspiel gegen die Offenbacher Kickers weiter, gefolgt von der Partie beim aktuellen Spitzenreiter Union Berlin, die auf Sonntag, den 02.11.08 terminiert wurde. Von den letzten sechs Spielen wurde nur eins verloren, darauf kann man aufbauen. Wenn jetzt die Verletztenliste ein wenig kleiner werden würde (aktuell stehen mit Kastrati und Sahin ja wieder zwei Stürmer drauf, also von dem Mannschaftsteil, mit dem wir nun wirklich nicht überreich gesegnet sind in dieser Saison), sodass der Trainer mal öfter die Qual der Wahl hätte, sähe es auch noch besser aus. Wobei, viel besser als gegen Stuttgart geht eigentlich nicht. Also, ganz im Sinne von „Alles wie immer“: macht`s noch einmal, Jungs! Und dann geht`s mit breiter Brust nach Berlin. Und dass wir dort etwas holen können, haben wir schon letzte Saison bewiesen.

So langsam wird`s interessant, denkt: janus