Vier weitere Spiele in der 2. Liga sind vorbei, und man findet Fortuna derzeit dort, wo sie nur wenige Optimisten erwartet hätten: auf Platz 5. Sieben Punkte aus den letzten vier Spielen sind eine prima Ausbeute, ein achter wurde der Mannschaft durch eine der unglaublichsten Schiri-Leistungen der letzten Jahre vorenthalten. Aber beschweren wir uns nicht, hoffen wir, dass die Phrase stimmt, nach der sich im Laufe der Saison alles wieder ausgleicht. Dann haben wir schon jetzt gute Karten. Nun aber gleich in die Vollen, schließlich wartet am Ende noch ein Betzenberg auf uns…

Fortuna – Alemannia Aachen 0:0

Die Überschrift soll als Bericht reichen. Ich konnte das Spiel nicht sehen, ich befand mich am 28.09.2009 noch in Urlaub. An jenem Montagabend weilte ich in Marrakesch und wurde von einem guten Freund per SMS auf dem Laufenden gehalten. Der Schlangenbeschwörer, in dessen Nähe ich verweilte, war deswegen leicht sauer, schließlich sollte ich lieber fotografieren, wie eine Kobra zu den etwas nervigen Klängen seiner Flöte eine flotte Rumba auf den Marktplatz legte und dafür ein paar Münzen springen lassen. Leider hatte ich dazu keine Zeit. Und dass ich ihm anschließend doch ganz zufrieden „Zu Null gespielt“ zurief, hat ihn irgendwie auch nicht besänftigt, seinem Wortschwall nach zu urteilen. Fortan war ich bei ihm unten durch. Persona non grata in Marrakesch – schafft auch nicht jeder…

Nach meiner Rückkehr stellte ich fest, dass ich wohl nichts verpasst hatte, es war ein typisches 0:0, oder wie man im Schönrede-Fernsehen sagen würde: „Beide Teams spielten taktisch diszipliniert.“ Das mögen ja Festspiele für Taktikfüchse sein, ich gehöre allerdings nicht dazu und kann mir daher eine weitere Berichterstattung aus zweiter Hand schenken. Bemerkenswert nur zwei Dinge: bei Aachen debütierte der neue Trainer Michael Krüger, auch er konnte den ersten Auswärtssieg der Alemannia nicht einfahren; Fortuna hielt hinten die Null und blieb zuhause ungeschlagen. Und natürlich die Zuschauerzahl: 29.385 Besucher stellten einen neuen Rekord für Fortuna in einem Zweitliga-Spiel auf. Eine schöne Kulisse, ein nicht so schönes Spiel, aber immerhin mit einem kleinen Happy End. Trotzdem werde ich mir überlegen, ob ich in den nächsten Jahren während der Saison nochmal in Urlaub fahre. Das Gezitter war auch diesmal wieder groß genug, wenn auch völlig unbegründet. Und in Marrakesch hab ich ja eh jetzt Hausverbot.

Von alten Gemäuern und jungen Maulwürfen

Am 03.10.2009 spielte Fortuna bei der SpVgg Greuther Fürth, jener Truppe, die vor jeder Saison die halbe Mannschaft aus der letzten Spielzeit abgeben muss, trotzdem immer oben mitspielt und am Ende immer Fünfter wird. Ich hatte ja schon mal vorgeschlagen, dass sie sich diese Tradition in den Vereinsnamen meißeln und in Greuther Fünf umbenennen sollten, dann weiß man direkt, wen man vor sich hat. Vielleicht ja eine kleine Anregung für die nächste Jahreshauptversammlung...

Es gibt einen, zugegebenermaßen schon ziemlich alten Spruch, von Dieter Nuhr, der dereinst sagte: „Für den Nürnberger Hauptbahnhof gilt: wenn Sie in Nürnberg aufs Klo müssen, fahren Sie nach Fürth!“ Wenn es jedoch um einen schönen Aufenthalt am Wochenende geht, sehe ich es eher anders herum: wenn du in Fürth spielst, quartiere dich in Nürnberg ein. Find ich irgendwie interessanter. Und so fuhr ich bereits am Tag vor dem Spiel mit dem Zug nach Nürnberg und kann noch nicht einmal etwas Kurioses von der Bahnfahrt berichten. Außer vielleicht der bemerkenswerten Kuriosität, dass der Zug pünktlich war.
Ich bezog ein Hotel in unmittelbarer Nähe der Altstadt und kann nur sagen: toll. Wer die Nürnberger Altstadt nicht kennt, dem sei ein Besuch ausdrücklich ans Herz gelegt, man hat ziemlich viel von den alten Bauten erhalten können, und ein Bummel durch die Straßen dort macht richtig Laune. Straßennamen wie „Schlotfegergasse“, „Färberstraße“ oder „Zwischen den Fleischbänken“ lassen erahnen, wie es das früher gerochen haben mag. Und beim Gang über die Pegnitz an der Henkersbrücke und dem Henkerhaus bemerkt man, dass der damals ziemlich zentral gewohnt hat, und somit schnell überall war, wo er, hm, gebraucht wurde. Wer sich für Geschichte interessiert, ist hier aber mal richtig richtig. Auch für Dinge, die es vielleicht nicht ins Geschichtsbuch der großen Ereignisse geschafft haben: so stand ich am Unschlittplatz genau an der Stelle, an der Kaspar Hauser im Jahr 1828 zum ersten Mal in Nürnberg auftauchte; nicht, weil ich Hellseher bin, sondern weil die Stadt ein entsprechendes Schild an der entsprechenden Hausecke hat anbringen lassen. Das ist irgendwie ein schönes Gefühl, wenn man schon so oft darüber gelesen hat und dann plötzlich selbst davor steht, auch wenn es dort außer dem bewussten Schild nicht das Geringste zu sehen gibt. Na und? Das Grab von Tut-ench-amun im Tal der Könige ist schließlich auch leer, trotzdem zahlen Touristen jedes Jahr Eintritt, um mal hinein gehen zu dürfen. Wer das auch schon interessant fand, wird verstehen, wie ich es meine.
Eingedenk der Tatsache, dass der bewusste Herr Hauser damals in seinen ersten Aussagen mitgeteilt hatte, während seiner Kindheit nur Wasser und Brot bekommen zu haben, steuerte ich sodann einen Ort der kulinarischen Verzückung an, um dieser Bedrohung zu entgehen. In der Zirkelschmiedsgasse befindet sich ein Fachwerkhaus, welches als älteste Bratwurst-Küche der Welt gilt, die urkundlichen Erwähnungen über das Haus reichen zurück bis zum Jahr 1419. Hier gibt es Nürnberger Rostbratwürstchen, die über Buchenholzfeuer gegart werden. Die Inhaber dieser cuisinalen Einrichtung „Zum Guldenen Stern“ behaupten in ihrem Werbeslogan frech: „Wer nicht hier war, war nicht in Nürnberg“. Nach meinem Besuch dort bin ich geneigt, ihnen Recht zu geben. Dafür gibt es für den stadionwurst-erfahrenen Bratwurst-Liebhaber nur ein Wort: Nachschlag!
Natürlich gibt es in der Altstadt noch andere Sehenswürdigkeiten. Besonders beeindruckend fand ich die Frauenkirche mit dem Schönen Brunnen auf dem Hauptmarkt, auch weil diese beeindruckenden Bauten auf relativ engem Raum entstanden sind, so etwas vermutet man bei so wenig Platz dort gar nicht. Natürlich war der Tag bei diesen Aktivitäten schnell rum, und es konnte zum Spieltag geschritten werden.

An Selbigem wachte ich relativ früh auf, weil mir eine Stimme durchs Megaphon ins Ohr brüllte. Dies war aber nicht eine besonders perfide Art des Hotel-Weckdienstes, sondern kam von draußen. Wie ich kurz darauf feststellte (und am Vortag auf den Plakaten wohl übersehen hatte), fand just an jenem Samstag der Nürnberger Stadtlauf statt, der mit diversen Kinder- und Kurzstreckenvorläufen an den Start ging und deshalb ziemlich früh startete. Auch dies wäre mir völlig egal gewesen – hätte sich nicht der Start- und Zielbereich unmittelbar neben der Querstraße meines Hotels befunden. Somit wurde ich per Megafon mit allen Details versorgt und musste Musik ertragen, die nicht zu meiner Belustigung beitrug. Vor soviel Sportsgeist ergriff ich dann zügig die Flucht zum Hauptbahnhof.
Da Fürth direkt neben Nürnberg liegt, braucht selbst eine U-Bahn, die an jeder Milchkanne hält, nur eine Viertelstunde bis zum Fürther Rathaus. Von dort dann in eine der Buslinien, die Richtung Stadion fahren, und eine weitere Viertelstunde später ist man vor Ort. Ich muss zwar immer wieder über den Namen Playmobil-Stadion schmunzeln, aber was soll`s, Hauptsache, man kann drin Fußball spielen. Schon eher überrascht war ich von der Tatsache, dass selbst an der Haupttribüne Toilettencontainer aufgestellt sind, weil die eigentlichen Örtlichkeiten wohl etwas klein geraten sind. Nicht dass mich persönlich das sonderlich interessieren würde, aber es ist schon merkwürdig, wie der DFB so mit seinen Auflagen verfährt: da müssen Fünftligisten extra Presse- und VIP-Bereich in ihren Stadien einrichten, sonst gibt es keine Zulassung für die Liga, hier spielt ein Zweitligist seit einem Dutzend Jahren mit Containern im Haupttribünenbereich. Aber ich muss das auch nicht verstehen, wird schon alles seine Richtigkeit haben, und eine Erklärung wird man von diesen Krawattenständern ja eh nie bekommen. Konzentrieren wir uns also lieber auf das Spiel. Ein Satz übrigens, den ich liebend gern dem Schiedsrichtergespann in der Kabine mit auf den Weg gegeben hätte, hätte ich geahnt, was passieren würde…aber ich bin mir sicher, dass dies auch nix genutzt hätte – an jenem Tag war halt die Maulwurf-Brigade an Pfeife und Fahne. Und Maulwürfen kann man ja auch so gut zureden wie man will – die sehen dadurch auch nicht besser.

Fortuna verlor mit 1:2 bei Greuther Fürth vor 7.850 Zuschauern. Die Niederlage war überflüssig wie ein Kropf, und diesmal muss man auch sagen, dass Fortuna nur zum Teil dafür verantwortlich war. Greuther Fürth war in der 1. Halbzeit Grottenfürth, außer einem einzigen Torschuss gelang ihnen überhaupt nichts, und hinten waren sie vogelwild. Fortuna beherrschte das Spiel und ging in der 24. Minute verdient in Führung, auch wenn das Tor durch Harnik reichlich kurios entstand und eigentlich von so gut wie niemandem zunächst Ernst genommen wurde, weil alles auf den Abseitspfiff wartete. Haas schießt auf halbrechts vor dem eigenen Tor einen Fortunen an, den zurück springenden Ball bekommt er nicht unter Kontrolle, plötzlich kommt Harnik von hinten angeschlichen und klaut ihm die Kugel. Der von den Fürthern wohl erwartete Pfiff unterbleibt aber völlig zu Recht, weil der einzige Fortune, der sich in dieser Szene im Abseits befindet, Kapitän Lambertz, einfach ungerührt aus Selbigem herausspaziert und überhaupt nicht ins Spiel eingreift. Harnik steuert aufs Tor zu und stolpert den Ball Richtung Fünf-Meter-Raum, anders ist dieser „Torschuss“ nicht zu beschreiben. Er hat jedoch das Glück, dass Keeper Loboué schon aus dem Tor heraus ist, sein Abstand zu Harnik ist zu gering, deshalb kann er auch diesen Kullerball nicht mehr festhalten. Harnik bekommt den Abpraller, umkurvt Loboué diesmal routiniert und schiebt zur Führung ins leere Tor ein. Sein erster Treffer für die Fortuna. Diese Führung war auch zur Pause hochverdient, umso ärgerlicher, dass sie fast direkt nach dem Wechsel durch den ersten gelungenen Angriff der Gastgeber flöten ging, als der gebürtige Düsseldorfer Allagui in der 48. Minute nach tollem Pass von Haas mit einem Schlenzer in die lange Ecke den Ausgleich erzielte. Danach wurde das Spiel bissiger, und Schiri Fischer verlor den Überblick. Zunächst zeigte er Biliskov nach Foul an Lambertz kein Rot, obwohl es kaum eine klarere Notbremse geben kann, es war wirklich kein Fürther mehr auch nur in Sichtweite zum Tor, Lambertz wäre klar durch gewesen. Die erste richtige beeindruckende Fehlentscheidung. Fünf Minuten später verabschiedete sich Biliskov mit einer Blödsinnsaktion dann trotzdem mit Gelb/Rot. Was einiges böses Blut brachte und das Schiedsrichtergespann eingedenk der folgenden Ereignisse vielleicht innerlich eher Richtung Fürth tendieren ließ, war der Vorspann dieser Szene, in dem Harnik die Kugel nämlich nicht ins Aus spielte, obwohl Schröck verletzt am Boden lag, woraufhin Biliskov dann Harnik am Mittelkreis wegtrat und mindestens vier Fürther den am Boden Liegenden noch beschimpften. Tja, hätte ich auch gemacht, wenn sich nicht zuvor Folgendes ereignet hätte: Schröck hatte sich auf der rechten Fürther Angriffseite gegen Hergesell durchgesetzt und war von diesem dabei gecheckt worden. Klare Sache, klares Foul, aber: Schröck blieb auf den Beinen, Hergesell blieb in Erwartung eines Pfiffs stehen, und so stand Schröck plötzlich die ganze rechte Seite offen. Er spielte also weiter und versemmelte seine Flanke. Als diese problemlos von Keeper Ratajczak aufgenommen wurde und dieser mit Abwurf auf Harnik den Gegenangriff einleitete – genau in diesem Moment fiel Schröck ein, dass er ja eigentlich verletzt sein sollte, und er fiel wie vom Blitz getroffen um. Also wer dann den Ball ins Aus schießt…ich hätte es auch nicht gemacht. Das hat nämlich auch etwas mit Fair Play zu tun. Und dass der Biliskov dann mit Wut im Bauch zutritt und anschließend duschen gehen darf, kann auch nicht unsere Schuld sein. Dadurch zwang er seinen Trainer Benno Möhlmann auch zum Abschluss einer recht kuriosen Wechselarie: der hatte zur Pause Prib für den enttäuschenden Mokhtari gebracht. In der 69. Minute musste Prib, mit dem einiger frischer Wind ins Fürther Spiel kam, aber schon wieder verletzt raus. Für ihn kam Nachwuchsstürmer Kakoko aufs Feld, der normalerweise in der 2. Mannschaft spielt. Und der hatte sich noch nicht so richtig warm gelaufen, da war er schon wieder weg, denn nach dem Platzverweis wollte Möhlmann lieber die Defensive stärken und brachte Meichelbeck. Das Bauernopfer war in diesem Fall Angreifer Kakoko, sodass Möhlmann auch seinen zweiten Einwechselspieler vorzeitig wieder vom Feld holen musste. Und auch der dritte wäre nicht seine beste Wahl gewesen, denn fünf Minuten später riss Meichelbeck bei einem hohen Ball in den Fürther Strafraum seinen Gegenspieler Harnik um. Glasklar, eindeutig, bis unters Tribünendach zu sehen, ich würde sagen, klassisch griechisch-römisch. Da scheint sich des Schiris Mitleid dann doch geregt zu haben, der überfällige Pfiff unterblieb. Und mit derselben Maßnahme sorgte er dann auch für die Entscheidung, wobei ich bei der Szene in der 85. Minute lieber seinen Kollegen an der Linie ins Visier nehmen würde. Der stand nämlich genau auf Ballhöhe und mit freier Sicht auf Allagui (im Fernsehen sehr schön zu sehen, dass er direkt auf die Szene drauf guckt), als dieser kurz hinter der Mittellinie mit einem schönen Pass frei gespielt wurde. Und zwar mindestens, und ich betone: mindestens, einen Meter im Abseits. Aber der Assi freute sich wohl, dass den dezimierten Fürthern überhaupt noch etwas gelang, also unterließ er es, seine Fahne zu heben, vom Schiri erwartete in diesem Spiel sowieso niemand mehr einen korrekten Pfiff, deshalb unterließ er es auch gleich ganz, das Spiel lief daraufhin weiter, Allagui bediente im Strafraum Müller, und der machte den Siegtreffer. Dass eben jener Assistent auf der Gegengeraden allerdings von Anfang an ein Fan der Fürther war oder seine Kontaktlinsen zuhause gelassen hatte, konnte man schon sehen, als er nach noch nicht einmal einer Minute bei Traumpass von Harnik auf Bulykin Abseits winkte, obwohl der in diesem Fall wirklich erkennbar mindestens einen halben Meter nicht im Abseits stand. Und da kann der Gegner dann auch eine Viertelstunde in Unterzahl spielen - ihm bleiben ja immer noch 13 Mann. Das war dann wirklich nicht mehr zu stemmen.
Natürlich darf man sich in Überzahl fünf Minuten vor Schluss nicht so auskontern lassen, insoweit muss man sich auch an die eigene Nase fassen, zumal Lambertz noch kurz vor Schluss die große Chance auf den Ausgleich vergab. Allerdings habe ich selten ein Spiel gesehen, welches dermaßen vom Schiri entschieden worden ist. Sympathischerweise gab der das bei einem Interview in der „Sportschau“ direkt nach dem Spiel auch zu. Toll. Aber das nutzt Fortuna ja herzlich wenig, ebenso wenig, dass der Montags-kicker zum ersten Mal seit langer Zeit mal wieder die Note „6“ zückte, um die Schiri-Leistung zu beschreiben. Mindestens ein verschenkter Punkt, es wäre vielleicht sogar mehr drin gewesen.

Vorteil Fortuna

Weiter ging es nach der Länderspielpause, in der sich Deutschland auf einem russischen Trainingsplatz aus Kunstrasen für die WM 2010 qualifizierte, am Sonntag, den 18.10.2009, mit dem Heimspiel gegen den FSV Frankfurt, souveräner Tabellenvorletzter mit ganzen zwei Punkten. Ein ganz wichtiges Spiel, um den Vorsprung auf die Abstiegsplätze zu vergrößern.

Die Frankfurter hatten die zwei Wochen Spielpause übrigens dafür genutzt, mal ein wenig für Ärger zu sorgen. Deren Trainer Thomas Oral trat nach der besten Saisonleistung seines Teams, mit der man dem 1.FC Kaiserslautern ein 1:1 abtrotzte, während der Pressekonferenz von seinem Posten zurück, wahrscheinlich in der schönen Annahme, wenn es nicht mehr besser geht, sollte man aufhören. Was ja eigentlich recht deutlich zeigen würde, was er von seinem Team so hielt. Der FSV erschien zum Spiel in Düsseldorf aber direkt mit seinem neuem Trainer Hans Jürgen Boysen, der in Offenbach spontan eine Ausstiegsklausel aus seinem dort laufenden Vertrag genutzt hatte, um in der Nachbarschaft anzuheuern, und mit Manager Bernd Reisig, der seit diesem Blitztransfer des Coachs von den Offenbacher Kickers beim Nachbarn Stadionverbot hat. Naja, Stadionverbot wohl nicht, aber die Offenbacher haben erklärt, dass sie ihn am Bieberer Berg in Zukunft nicht mehr sehen möchten. Persona non grata. Seitdem stelle ich mir gerne vor, wie es aussehen mag, wenn der FSV am Saisonende Platz 16 in der 2. Liga belegt, und Offenbach wird Dritter im Premiumprodukt des DFB, sodass die beiden zur Relegation gegeneinander antreten müssen. Vielleicht wird sich ja dann sogar auf der jeweiligen Haupttribüne in Schlips und Kragen an denselben gegangen. Wäre eine völlig neue Form des Hooliganismus…
Mit dem FSV Frankfurt kam somit nach Alemannia Aachen zum zweiten Mal in Folge ein Team in die esprit-Arena, das unmittelbar vor dem Fortuna-Spiel den Trainer gewechselt hatte, ebenfalls in einer Länderspielpause. Dass sowas immer uns passieren muss…schauen wir doch mal, was der Neue bei denen schon alles bewirken konnte.

Fortuna putzte den FSV Frankfurt mit 4:1, ein ganz wichtiger Sieg der Fortuna vor 19.100 Zuschauern, aber schwer erkämpft. Da Koblenz zeitgleich nur 1:1 gegen Ahlen spielte, vergrößerte man durch diesen Sieg den Abstand auf den Relegationsplatz auf acht, auf die beiden direkten Abstiegsplätze auf zwölf Punkte. Ein schönes Polster für die nun anstehenden Wochen mit Spielen gegen Kaiserslautern, Karlsruhe, St. Pauli, Cottbus, 1860 und Bielefeld...

Ertse Halbzeit mau, Frankfurt tat das, was sie am Besten können, nämlich nix nach vorne, und ging nach 35 Minuten durch Cenci in Führung, der eine Ecke ins Tor nickte, nachdem Langeneke und Torwart Ratajczak sich augenscheinlich nicht einig waren, wer den Ball denn nun nehmen sollte. Dies war einer von zwei (!) Frankfurter Bällen, die aufs Tor kamen, ein ganz großer Witz. Aber nachdem ein glasklarer Elfer nach Foul an Caillas nicht gegeben wurde, fiel Fortuna auch nicht sonderlich viel ein, um die Gäste mal ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Die erste Halbzeit war somit richtig schlecht, und unsere Befürchtungen schienen sich zu bestätigen, dass wir mal wieder als Aufbaugegner für ein Team im Tabellenkeller dienen würden, wäre ja nicht das erste Mal in den letzten Jahren. Dies änderte sich allerdings nach der Pause, unter anderem, weil Schiri Schriever bewies, dass er zumindest mal was von der Vorteilsregel gehört hat. Sein Glück, die sollte er des Öfteren brauchen. Zum Beispiel in der 57. Minute, als Caillas von links flankte und ein Frankfurter den Ball klar mit der Hand spielte. Caillas hüpfte herum wie Rumpelstilzchen, die Frankfurter rechneten wohl selbst mit dem Pfiff und blieben stehen, aber der Schiri ließ das Spiel weiterlaufen, und Harnik staubte in der Mitte zum 1:1 ab. Fortuna zog nun ein Powerplay auf und drängte die Frankfurter in die eigene Hälfte. In der 70. Minute dann die „spielentscheidende Szene“ laut FSV-Trainer Boysen: links dringt Caillas in den Strafraum ein, Mokhtari (Bruder des Fürth-Mokhtari, nicht dass jemand meint, ich würde mich wiederholen) grätscht nach Ball und Gegner. Caillas kommt ins Stolpern, bleibt aber auf den Beinen und versucht noch, die Flanke in die Mitte zu bringen. Erst als diese dann abgewehrt wird, pfeift Schriever Elfmeter. Von Boysen auch noch in der Pressekonferenz als „Schwalbe“ bezeichnet, was natürlich völliger Unfug ist, denn Caillas hatte ja weiter gespielt. In den Aussagen aller Beteiligten offenbarte sich dann, dass anscheinend niemand die Regeln so richtig kennt, nach denen diese Herren ihren Beruf ausüben. Weder die Vorteilsregel, die hier angewendet wurde, noch die Tatsache, dass bereits der Foulversuch im Strafraum mit einem Elfer zu ahnden ist. Somit spielt es keine Rolle, ob Caillas seine üblichen drei Pirouetten dreht oder ausnahmsweise nur ins Stolpern kommt und noch versucht, zum Abschluss zu kommen. Wenn der Gegenspieler dem Team damit eine klare Torchance nimmt, ist das ein Elfer, fertig, aus. Dies wäre somit korrekt gewesen, wenn Caillas von seinem Gegenspieler wirklich berührt worden wäre. Lustigerweise ist dies auch nach Zeitlupen aus vier verschiedenen Blickwinkeln nicht aufzuklären. Da stecken sie vom Fernsehen soviel Kohle in den deutschen Fußball, um die Kundschaft am Bildschirm zufrieden zu stellen, lassen im Gegenzug die Spiele beginnen, wann es ihnen grad am besten passt (an jenem Sonntag um 13.30 Uhr…dümmer geht`s wirklich nicht mehr) – und wenn sie dann einmal was leisten könnten für ihr Geld, können sie eine der entscheidenden Szenen des Spiels nicht aufschlüsseln mit all ihrem High-Tech. Eher eine schwarze Stunde für`s Pay-TV, würde ich mal sagen.

Caillas selbst sagte, es sei kein Elfer gewesen, bezog sich aber auch eher auf seine „Wiederauferstehung“ nach dem Stolperer. Ob Mokhtari ihn getroffen oder er in den Boden getreten hat, konnte er auch nicht mehr sagen. Einigen wir uns also darauf, dass es ein kniffliger Fall war, der zugunsten der Fortuna entschieden wurde, ein Elfer, den man nicht geben muss und auch nur äußerst selten sieht. Allerdings war es ausgleichende Gerechtigkeit für den nicht gegebenen Elfer in der ersten Halbzeit, der sowas von eindeutig war, dass man sich schon wieder an Fürth erinnert fühlte. Sei`s drum, Langeneke machte den Ball zum 2:1 rein, und von nun an gab`s kein Halten mehr, denn den Vorwärtsgang hatte Boysen seiner neuen Truppe noch nicht beigebracht. Im Gegenteil, die brachen jetzt völlig ein und ermöglichten Fortuna den deutlichen Sieg, mit dem zur Pause wohl nur noch die Wenigsten gerechnet hätten. In der 77. Minute machte die Mannschaft den Sack zu, mit einem Traumtor: Christ lupft die Kugel an die Strafraumgrenze zu Jovanovic, der nimmt den Ball mit dem Rücken zum Tor an, schnelle Drehung, sofort volley abgezogen, die Kugel knallt halbhoch gegen den linken Innenpfosten und ins Tor. Kaum zu glauben, auch bei uns bricht manchmal die Champions League durch. In der Folgezeit vergab Fortuna noch einige Chancen, ehe kurz vor Schluss der Schiri und die Vorteilsregel nochmal bemüht werden mussten. Nach flacher Hereingabe von rechts in den Strafraum wurde Jovanovic im Strafraum klar von Klitzpera gehalten, Schriever ließ auch hier zunächst weiterlaufen, bevor er dann auf Strafstoß entschied, weil Harnik den Ball nicht im Netz unterbringen konnte. Ein glasklarer Elfer, bei dem selbst Sünder Klitzpera noch nicht mal mehr mit dem Kopf schüttelte, geschweige denn protestierte. Marco Christ haute die Kugel zum 4:1 rein, sein erstes Tor nach seiner langen Verletzungspause, und das war es dann. Frankfurt war in der 2. Halbzeit dermaßen schwach, da hätte auch ich noch mitspielen können, wäre gar nicht aufgefallen. Ein verdienter Sieg, auch in dieser Höhe, man hätte den Frankfurtern sogar noch den ein oder anderen mehr einschenken können, da sie in der 2. Halbzeit in der Abwehr völlig die Orientierung verloren und sich nur noch mit Halten und Klammern zu wehren wussten. Eine ziemliche Trümmertruppe an jenem Tag…aber das sollte uns natürlich nur Recht sein

Sturm auf den Betze

Am Freitag, den 23.10.2009, dann wieder ein Highlight, dass uns alte Säcke im Vorfeld von längst vergangenen Zeiten schwärmen ließ. Auswärtsspiel beim 1.FC Kaiserslautern im Fritz-Walter-Stadion! Dass ich das noch erleben darf, dass wir den Betze rocken! Ausrechnen konnte man sich dort nicht viel, zum einen war Kaiserslautern Tabellen-Zweiter, noch ohne Niederlage in der laufenden Saison, zuhause sowieso schon seit Monaten wieder eine Macht. Zum anderen datierte unser einziger Sieg auf dem Betze aus der Saison 1976/77 – am Grünen Tisch nach Spielabbruch. Wie das ist, die „Roten Teufel“ mal als Sieger zu verlassen, dieses Gefühl kannte also kein einziger Fortuna-Fan. Aber Bange machen gilt nicht: in Duisburg und in Fürth hatte unser Team trotz der Niederlagen auch gut ausgesehen, sie können es also auswärts auch gegen die „Größeren“. Außerdem hatte der FCK in seinen beiden letzten (Auswärts-)Spielen zwar vier Punkte geholt, aber spielerisch keine Bäume ausgerissen und auch ein bisschen Glück gehabt. Also, wenn die uns im Geiste vielleicht so unterschätzen würden wie in deren Fan-Forum, in dem schon Tage vor dem Spiel nur noch über die Höhe des Sieges diskutiert wurde, vielleicht würde dann ja was gehen.

Kaiserslautern hat ja rund ums Stadion eine ziemlich einzigartige Infrastruktur, nämlich gar keine. Rund um den Betzenberg gibt es nur eine Handvoll Parkplätze, die Masse muss über außerhalb liegende Park-and-Ride-Parkplätze mittels Shuttle-Bus dem Stadion zugeführt werden und vom Bus aus auch noch ein wenig den Berg hinauf laufen. Hinzu kam, dass der nächstgelegene Parkplatz in der Stadt, der Messeplatz, auch noch durch die jährliche Kaiserslauterer Kirmes, die so genannte „Kerwe“ belegt war. Dies sowie die Tatsache, dass bereits im Vorverkauf 37.500 Tickets weggegangen waren, bemüßigte die Lauterer, um eine frühzeitige Anreise zu bitten. Damit war ich eigentlich auch sehr einverstanden, schließlich musste ich über die A 61 bis Alzey, und die ist freitags nachmittags ja wirklich kein Quell reiner Freude, zumal sie derzeit noch mit einigen Großbaustellen in den Bereichen Boppard, Gau-Bickelsheim und, natürlich, im Kreuz Alzey glänzt.

Somit startete ich bereits um 12 Uhr von Bonn aus, nachdem ich meinen Arbeitgeber davon überzeugt hatte, mir den halben Tag freizugeben. Und das Wunder geschah, ich kam ohne ernsthaften Stau durch, es lief alles wie am Schnürchen, in Alzey dann auf die A 63, dort nach ca. 40 Kilometern an der Ausfahrt Sembach runter und dann noch ca. sieben Kilometer über Land zum bereits dort ausgeschilderten P&R-Parkplatz „KL-Ost“, und dann – stand ich vor verschlossener Türe! Die Herrschaften hatten die Schranken noch nicht aufgemacht! Und das, obwohl der eigene Verein ausdrücklich zu früher Anreise geraten hatte…vor so viel Organisationstalent ergriff ich die Flucht, fuhr einfach die Straße weiter geradeaus, dann kommt man irgendwann in Kaiserslautern City an. Die ist nicht weiter bemerkenswert, deshalb steuerte ich kurz darauf wieder den Parkplatz an. Dort hatte man sich mittlerweile erbarmt und um kurz nach 15 Uhr die Schlagbäume gehoben. Kann aber auch erst kurz zuvor passiert sein, denn ich wurde mit einem Parkplatz in der ersten Reihe belohnt, was bei der Abfahrt natürlich von Vorteil war.

Was nicht von Vorteil war, war die Tatsache, dass der erste Shuttle-Bus erst um 15.50 Uhr zum Stadion losfahren sollte. Auch hier wieder Daumen hoch für die Organisation, Leute zur frühen Anfahrt zu drängen, aber dann selbst den Fahrplan eisern einhalten zu wollen. Zum Glück hatten die Ordner auf dem Parkplatz alles im griff und orderten den ersten Bus schon früher, sodass wir nicht ganz so lange warten mussten. Ja geht doch.
Vertreiben konnte man sich die Wartezeit übrigens ganz prima an dem einzigen Imbissstand, der auf dem riesigen Parkplatz Essen und Trinken unters Volk warf. Nicht nur, dass er Würste und Frikadellen fast jeder Machart im Angebot führte, welche geschmacklich einwandfrei waren, nein, mein geschultes Auge entdeckte plötzlich auch ein Schild, das ich bei solchen Einrichtungen noch nie, nie, nie zu Gesicht bekommen habe: für zwei Euro konnte man sich an „Mozzarella-Blumenkohl-Nuggets“ versuchen! Ein Parkplatz am Arsch der Welt, wirklich mitten im Nirgendwo, trübes nasskaltes Wetter, eine ganz normale fahrbare Pommesbude – und da gibt es plötzlich Mozzarella-Blumenkohl-Nuggets. Die müssen wirklich von einem anderen Stern sein! Ich gebe zu, ich hab mich nicht getraut, sie zu probieren, so baff war ich. Vielleicht beim nächsten Mal.

Mit dem ersten Shuttle-Bus fuhr ich dann zum Stadion, wurde natürlich an der falschen Seite ausgeladen und musste einen Viertelschwenk ums Stadion machen, um zur Haupttribüne zu gelangen. Dabei kam ich an dem Nebenplatz 4 vorbei, auf dem Kaiserslautern II seine Heimspiele in der viertklassigen Regionalliga West austrägt. Auch wenn es wenig mehr als ein normaler Sportplatz ist, den haben sie ganz schmuck aufgepeppt. Wenn ich daran denke, wie das Ding bei unserem Gastspiel in der drittklassigen Regionalliga West/Südwest 1999/2000 aussah…damals konnte man noch die Reifenspuren auf dem Platz erkennen, nachdem kurz vor dem Spiel wohl ein Traktor über den Rasen gebrettert war…

Ein ganz großer Spaß erwartete mich dann auf der Suche nach meinem Block. Hierbei handelt es sich um eine Art Zusatzblöckchen unter dem Dach neben der Pressetribüne, mit Namen „15.2“. Das musste ich allerdings von meiner Eintrittskarte ablesen, will heißen: der Block ist nirgendwo auf der Tribüne ausgeschildert (…und das in einem WM-Stadion). Was nun auch dazu führte, dass drei (!) Ordner mir auf die Frage nach dem Block nicht weiter helfen konnten, erst der vierte hatte eine marginale Ahnung, welche Richtung die entscheidende sein könnte. Sie war es dann auch, und nach einer schier endlosen Reise durch gefühlt sämtliche Treppenhäuser der Haupttribüne kam ich endlich in meinem Block an. Nur um ihn sofort wieder zu verlassen, denn da oben gab es nichts zu essen oder zu trinken. Hierzu musste man wiederum eine Etage tiefer wechseln – und sich dann eine dieser Bezahlkarten kaufen, die es mittlerweile auch in Kaiserslautern gibt. Ich hasse die Dinger langsam wirklich. Da ich aber noch viel Zeit sowie Hunger und Durst hatte, kaufte ich eine zum Mindestbestellwert von 10 Euro. Soviel vorab, nach dem Spiel vergaß ich, sie zurück zu geben. Wenn also jemand demnächst mal zum Betze fährt, kann er mich gerne vorher kontaktieren. Sind auch noch zwei Euro Pfand drauf…

Das Spiel sahen 41.500 Zuschauer, eine Riesen-Kulisse, Saisonrekord für ein Zweitliga-Spiel. Darunter waren ca. 3.500 Fortunen, die wenigstens den Betze rocken wollten, wenn es schon sportlich nix zu holen gäbe. Fortuna stand in den ersten Minuten auch folgerichtig hinten drin, aber den Gastgebern fiel noch nicht viel ein. Da begann man, einfach auch mal rotzfrech nach vorne zu spielen. Zunächst spielte Marco Christ einen Traumpass über 30 Meter, hoch in den Strafraum, genau auf den Fuß von Jovanovic, dessen Gegenspieler Amedick den Ball sträflich unterschätzt hatte. Jovanovic versuchte eine Direktabnahme, ich glaube, FCK-Keeper Sippel musste sich noch nicht mal bücken, um den Ball aufnehmen zu können. Einen ähnlichen Roller, wie auch schon im Fürth-Spiel, produzierte Martin Harnik wenige Minuten später, als er wiederum von Christ, der einen Freistoß schnell ausführte, im Strafraum glänzend frei gespielt wurde. Und da harte Schüsse an diesem Abend anscheinend nicht die Sache unserer Stürmer waren, musste man ihnen halt die Bälle zum Abstauben servieren.

18. Minute, Freistoß Fortuna von halbrechts, ungefähr 25 Meter vor dem Tor. Marco Christ läuft an, hämmert den Ball aber nicht auf die berüchtigte Lauterer Westkurve, sondern spielt ihn als hohe Flanke weit hinter den langen Pfosten. Dort kommt Claus Costa angerauscht, und während ich mich noch verwundert frage, woher der denn bitteschön grad kommt, nickt er den Ball in die Mitte, an Sippel vorbei, wo Jovanovic im Verbund mit Gegenspieler Amedick aus drei Metern nur noch abstauben muss – 0:1. Ein ziemlicher Hammer.
Wie nach dem Spiel bekannt wurde, handelte es sich hierbei wohl um eine Freistoßvariante, die die Mannschaft erstmals vor dem Frankfurt-Spiel einstudiert hatte. Und in dieser Situation? Marco Christ: „Da habe ich dem Claus vor dem Freistoß einfach Bescheid gesagt.“ Der schöne Claus, seit Wochen bärenstark in Form, nickte, trollte sich und spazierte im Strafraum am dicksten Getümmel einfach vorbei nach ganz hinten, wo ihn wirklich niemand beachtete. Das ist natürlich der Vorteil bei diesen „Staubsaugern“ vor der eigenen Abwehr, die sind unauffällig halt einfach immer da. Auch mal im gegnerischen Strafraum. Somit eine tolle Vorarbeit und eine perfekte Variante.
Da wurde es schon etwas stiller auf Gastgeberseite. Völlig offen blieb ihnen der Mund dann in der 24. Minute. Florian Dick fängt vor dem eigenen Strafraum einen Ball ab, läuft ein paar Meter nach vorne und spielt dann einen Fehlpass auf Mandjeck. Bzw. ein Fehlpass ist es eigentlich nicht, der Ball hätte den Mitspieler auch erreicht, aber Christ sprintet dazwischen, bekommt den Fuß an die Kugel, spielt einen direkten Doppelpass mit Harnik, gibt dann im Strafraum von links flach nach innen, wo wieder Jovanovic zum 0:2 abstaubt. Von Balleroberung bis Abschluss keine fünf Sekunden. Wahnsinn.

Und es war nicht einmal unverdient, Fortuna bis dahin klar die bessere Mannschaft. Nachdem Kaiserslautern sich ein wenig von dem Schock erholt hatte, drängten sie mit Macht auf den Anschlusstreffer, aber es dauerte bis zur 34. Minute, als Schulz den ersten Schuss aufs Fortuna-Tor brachte, aber Ratajczak hielt seinen Volleykracher von der Strafraumgrenze. Bis zur Pause gab es noch zwei kleinere Kopfballchancen für die Gastgeber, das war`s dann. Zur Pause blickte man in reichlich ungläubige Gesichter, da waren bestimmt auch ein paar „3:0 bis 5:0-Tipper“ am Start. Ich hingegen bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Dass es nun etwas haarig werden würde, war klar. Und die „Roten Teufel“ zogen nach der Pause auch mal sofort das Tempo an und hatten mindestens zwei dicke Chancen, durch Ilicevic, der aus zwölf Metern über das Tor schoss, und durch Mandjeck, der den Ball aus ca. 2 Metern neben das leere Tor köpfte, sichtlich überrascht, dass Ratajczak zuvor bei einer Flanke am Spielgerät vorbei gegriffen hatte. Als dieser Ball nicht drin war, begann ich zu glauben, dass die Sensation möglich sein würde. Dass sie tatsächlich eintrat, lag dann aber nicht an weiterem Lauterer Unvermögen, sondern daran, dass die Fortuna so ab der 65. Minute auch wieder ins Geschehen eingriff und nach vorne spielte, getreu dem Motto, dass Angriff immer die beste Verteidigung ist. So vergab man noch aussichtsreiche Konterchancen, Harnik scheiterte aus 16 Metern an Sippel, Lambertz später aus ähnlicher Situation an sich selbst, weil er den Ball nicht voll traf. Aber so schaukelte man das Spiel erstaunlich locker und cool nach Hause und gewann daher auch völlig verdient mit 2:0 auf dem großen Betzenberg. Der Gästeblock, der während des Spiels schon die gesangliche Vorherrschaft übernommen hatte und von den Gastgebern als bester Support seit Jahren gelobt wurde, tobte, und die Heroen mussten einige Diver zum Besten geben und ihre Trikots in die Menge werfen, bevor man sie vom Rasen entließ. Ein ganz großer Abend!

Dies gilt auch durchaus für das Nachspiel, wobei es erst nicht danach aussah. An dem Sammelpunkt für die Shuttle-Busse standen buchstäblich Tausende von Leuten, und die Organisatoren bequemten sich zunächst, alle fünf Minuten mal einen Bus erscheinen zu lassen. Welche Szenen sich da beim Besteigen der Busse abspielten, kann sich wohl jeder vorstellen. Und dass die Busse dort auf der Straße dann über einen Linksabbieger erst einmal einen an dieser Stelle eigentlich verbotenen U-Turn durchführen müssen, um dann in Richtung Parkplätze abzudüsen, ist eigentlich schon oldschool. Aber so nach und nach trafen dann auch weitere Busse ein, sodass der Abtransport doch noch relativ zügig von statten ging. Auf dem Parkplatz kam ich dank der Pole Position sehr gut weg und war schon um 22.30 Uhr wieder in heimischen Gefilden. Ein großer Tag, zu dem auch die Gastgeber entsprechend beitrugen. Sowohl bei An- und Abfahrt, sowohl in den Bussen als auch auf dem Parkplatz, standen und fuhren Heim- und Gästefans gemeinsam. Es gab auf der Osttribüne, auf der sich auch der Gästeblock befindet, keine sichtbare Fan-Trennung. Dennoch gab es keine Zwischenfälle, und nach dem Spiel verteilten die Heimfans viel Lob für unseren Auftritt. Damit war nicht unbedingt zu rechnen, deshalb kann man es ruhig mal erwähnen, wen es vorkommt. Ein paar Spinner waren zwar auch hier wieder am Start, aber im Großen und Ganzen konnte man sich dort recht wohl fühlen. Bei dem Spiel dann natürlich auch besonders.

Fortuna steht jetzt mit 17 Punkten aus 10 Spielen auf Platz fünf, eigentlich unglaublich. Aber wie schon geschrieben, die dicken Brocken kommen jetzt erst. Das nächste Spiel zum Beispiel, am kommenden Freitag, 30.10.2009, um 18 Uhr, in der esprit-Arena gegen den Karlsruher SC. Da ist es beruhigend zu wissen, dass man derzeit ein schönes Polster zwischen sich und die Abstiegsränge gelegt hat. Mal sehen, wohin die Reise in den nächsten Wochen führt.
Natürlich, wenn man derart souverän in Kaiserslautern gewinnt und als Aufsteiger eine solche Bilanz hat, dann kommt der Ein oder Andere schon mal auf schlaue Ideen. Bei Union Berlin wurde im Umfeld ja auch schon vom Durchmarsch fabuliert. Extra für diese Leute hier noch eine kleine Statistik: nach zehn Spielen hat Fortuna 17 Punkte und ein Torverhältnis von 17:9. In der letzten Saison hatte Fortuna nach zehn Spielen 17 Punkte und ein Torverhältnis von 16:9, also nahezu identisch. Und wie die letzte Saison dann ausgegangen ist, dürfte ja bekannt sein…Viel Spaß beim Träumen!

Bleibt Realist und freut sich trotzdem: janus