Spieltag 7-9, von Janus, 25..09.2006

Ja, es tat sich viel in den letzten drei Wochen, sowohl Positives wie auch Negatives. Sportlich überwiegt jedoch das Plus. Trotzdem ist dies keine wirklich heitere Zusammenfassung der letzten vier Spiele. Von Leuchtspur, Krabbenbrötchen, Boykott, selektiver Wahrnehmung und schlechten Verlierern. Und natürlich von einem roten Licht, das nie verglüht...

Mal wieder ein Punkt im Tal

Business as usual: ebenso, wie Fortuna mit schöner Regelmäßigkeit im Niederrhein-Pokal in der 3. Runde in Wuppertal ausscheidet, genauso regelmäßig spielt man bei den Meisterschaftsspielen am Zoo unentschieden. Das 1:1 im Spiel vom 08.09.2006 war im dritten Aufeinandertreffen der beiden Teams in Wuppertal nach Fortunas Wiederaufstieg auch das dritte Remis. Auch scheint man sich auf dieses spezielle Unentschieden eingeschworen zu haben, beide Partien gegen den WSV in der letzten Saison endeten ebenfalls 1:1. Während man allerdings beim letzten Heimspiel gegen die Bergischen über diesen Punkt noch froh sein konnte, wurde er doch noch kurz vor Schluss in Unterzahl eingefahren, so war dieses erneute Unentschieden aus Fortuna-Sicht eher ärgerlich.
Vor der stattlichen Freitagabend-Kulisse von 11.100 Zuschauern (das Spiel wurde aufgrund des Zuschauerandrangs mit 15 Minuten Verspätung angepfiffen) war Fortuna in der ersten Halbzeit die klar bessere Mannschaft und ging verdient durch einen Flachschuss aus 12 Metern von Ahmet Cebe kurz vor der Pause in Führung. Den Wuppis fiel in der ersten Halbzeit außer langen Bällen nach vorne überhaupt nichts ein, sie spielten keine Torchance heraus, man konnte mit der Leistung der Fortuna absolut zufrieden sein. Und so ging es in der 2. Halbzeit auch zunächst weiter. Die Wuppertaler erspielten sich zwar ein Übergewicht, ohne jedoch zu nennenswerten Torchancen zu kommen. Fortuna hingegen versäumte es, den entscheidenden Konter zu setzen und gab das Spiel quasi schleichend aus der Hand, weil man nur noch versuchte, den knappen Vorsprung über die Zeit zu schaukeln. Und dass wir gerade das nicht können, ist dem Kenner der Materie ja schon hinlänglich bekannt. Natürlich ging es schief, und Fortuna wäre nicht Fortuna, wenn man nicht nur den Ausgleich kassiert hätte, sondern dabei wieder zwei alte „Traditionen“ gepflegt hätte: als die Zuschauer des Gastgebers schon scharenweise die Haupttribüne verließen, weil die 90 Minuten rum waren, spielte Siberie am Strafraum auf Policella, der drehte sich um Gegenspieler und eigene Achse und zimmerte die Kugel links oben ins Eck: Ausgleich mal wieder in der „letzten Sekunde“ und mal wieder durch einen Ex-Fortunen. Torwart Deuß schaute dem Ball äußerst interessiert, aber völlig regungslos hinterher, und auch wenn ich der Ansicht bin, dass er den selbst mit einer Flugeinlage à la Higuita nicht mehr bekommen hätte, es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass er durch das gänzliche Fehlen jedweder Reaktion beeindruckte. Damit muss man leben, aber ich stelle mir immer wieder gerne vor, wie das Fan-Echo auf dieses Gegentor ausgefallen wäre, hätte es zu Beginn der letzten bzw. vorletzten Saison eingeschlagen, als der Torwart noch Carsten Nulle hieß. Insgesamt natürlich ein hochverdienter Punkt für die Landeshauptstädter beim damaligen Tabellen-2., ärgerlich nur, dass der Sieg kurz vor Schluss noch verspielt wurde.

Und doppelt ärgerlich, dass es auch im Umfeld mal wieder einen Aussetzer gab: da kommen über 4.000 Fortuna-Fans nach Wuppertal, haben das Stadion stimmungstechnisch voll in der Hand, was selbst die Heim-Fans nach dem Spiel neidlos anerkannten, und dann schießt ein Idiot kurz vor Ende des Spiels Leuchtspur in einen anderen Fan-Block (in dem überwiegend Wuppertaler standen, aber auch ein paar Fortuna-Fans saßen). Verletzt wurde glücklicherweise niemand, ermittelt wurde der Kriminelle aber natürlich bislang auch wieder nicht. Und wer im letzten Bericht noch wortreich (und wie ich immer noch finde, zurecht) über das Kroppzeuch hergezogen ist, was sich in Dresden im Stadion und davor so rumtreibt, der darf vor dem eigenen Pack natürlich nicht die Augen verschließen: diese Aktion war das Allerletzte, und es ist mittlerweile auch schon mehr als eine Mail an den WSV gegangen, in der sich die Fans und auch der Verein für diesen Anschlag entschuldigt haben. Ich persönlich wünsche diesem Deppen neben einem lebenslangen Stadionverbot etwas, das ich hier nicht unbedingt explizit ausführen möchte. Nur soviel: es hätte unmittelbar etwas mit dem von ihm verwendeten Signalmittel und seinem eigenen Gesäß zu tun...

Blamage im voraus

Am 13.09.2006 spielte Fortuna bei Kickers Emden. Dies war ein vorgezogenes Spiel des 15. Spieltags. Dieser findet unter der Woche am 08.11.2006 statt, einer derjenigen zusätzlichen Spieltage, die ins Rahmenprogramm eingepuzzelt werden müssen, weil die Regionalliga Nord eine Mannschaft mehr hat als die Konkurrenz im Süden oder die 1. und 2. Liga. Der DFB setzte diese Partie allen Ernstes für den 08.11. (Mittwoch), 14.00 Uhr an, weil Emden nicht über fernsehtaugliches Flutlicht verfügt! Eins von vielen Beispielen, die immer wieder sehr schön zeigen, wer beim Fußball bei der Spielplanerstellung am meisten berücksichtigt wird. Die jeweiligen Vereine sind es auf alle Fälle nicht. Da dieser Spieltermin auch für die Gastgeber eher ein Schlag ins Gesicht denn eine vernünftige Ansetzung war, wurden unmittelbar nach der Spielplanerstellung die Verhandlungen aufgenommen, und der DFB stimmte einer Vorverlegung auf den 13.09.06 (ebenfalls Mittwoch), 17.30 Uhr, zu. Nicht viel besser, aber immerhin war mit besserem Wetter zu rechnen. Und so kam es auch, es wurde ein strahlend schöner und warmer Spätsommertag, wie geschaffen für einen Ausflug an die Nordsee. Wetter toll, Gastgeber wieder gut drauf, wie schon bei unserem ersten Spiel dort im März, die Krabbenbrötchen zu 2,60 Euro, direkt aus dem Emder Hafen ans Stadion gekarrt, wieder mal unvergleichlich – ein perfekter Tag also. Vielleicht hätte man noch kurzfristig dieses Fußballspiel absagen sollen, dann wäre es wirklich perfekt gewesen. Fortuna unterlag beim BSV Kickers Emden mit 0:1 und bot die mit Abstand schlechteste Saisonleistung. Am frühen Abend auf irgendwelchen Dorfplätzen anzutreten, scheint nicht unser Ding zu sein, Bremen II oder Lüneburg sind noch gut bekannte Beispiele aus der jüngeren Historie. Wie man sich allerdings als Spieler hinterher an den Zaun stellen und genau diese Erklärung für den zuvor 90 Minuten lang zelebrierten Anti-Fußball bieten kann, ist wirklich schon ein starkes Stück. Das war fast so peinlich wie das Spiel zuvor.

Das Tor des Tages erzielte mit Rudi Zedi in der 31. Minute natürlich wieder mal ein ehemaliger Fortuna-Spieler. Ich schwöre, in den sechs Jahren, in denen er für uns gespielt hat (bis 2002), hat der kein Scheunentor getroffen, noch nicht mal, wenn man ihn in einem Meter Entfernung davor mit Fußrichtung nach vorne festgekettet hätte. Hier wummste er die Kugel aus 9 Metern unter die Latte, nachdem die Fortuna-Abwehr den Ball nach einem Freistoß nicht wegbekam. Man kennt es ja langsam und ärgert sich trotzdem. Noch mehr konnte man sich über das Spiel ärgern, das über weite Strecken ein lauer Sommerkick bei ebensolchem Wetter war, und zwar durchaus von beiden Mannschaften. Da Emden wenigstens kämpferisch alles in die Waagschale warf, war der Sieg nicht unverdient, obwohl sie in der gesamten 2. Halbzeit nur eine einzige Torchance hatten. Die vergab zum Glück Falk Schindler, dessen unerlaubter Haarwuchsmitteleinsatz uns im letzten Jahr in der Hinrunde noch drei Punkte bescherte. Ich schätze mal, diesmal hatte er besser aufgepasst. Ca. 400 mitgereiste Fortunen sahen eine enttäuschende Fortuna, die zwar besonders in Hälfte 2 ständig feldüberlegen war, allerdings nur Gefahr vor dem Kickers-Tor verbreitete, wenn Markus Anfang mal zum Freistoß antrat. Somit war vor 2.500 Zuschauern das kleine Zwischenhoch nach den beiden Auftaktniederlagen bereits wieder endgültig beendet.

Und um mal eins klarzustellen: natürlich kann man in Emden verlieren. Deren ständiges Understatement sollte man durchaus auch mal kritisch hinterfragen. Vom „Dorfklub-Image“ bleibt da höchstens noch der Name. Zum Beispiel steht im Emder Kader ein Herr namens Sebastian Schoof. Schon mal gehört? Richtig, der hat vor noch nicht allzu vielen Jahren unter anderem mal für Bayer Leverkusen in der Champions League gespielt und getroffen. So jemanden setzt man in Emden beim Spiel gegen Fortuna Düsseldorf auf die Bank Wie überhaupt die Emder Reservisten mehr Zweit- und Regionalliga-Spiele aufzuweisen hatte als ein Großteil des Fortuna-Kaders. Für die Namen in ihrer Mannschaft stehen die auch erstaunlich schlecht in der Tabelle. Aber wir hatten natürlich auch einen Anfang oder einen Feinbier oder einen Podszus dabei. Deshalb darf man auch bei einer Niederlage eine einigermaßen engagierte Leistung erwarten. War aber nicht. Für das, was da auf beiden Seiten auf dem Platz stand (der übrigens in einem grauenvollen Zustand war, da stimmt das Klischee vom Dorfbolzplatz wieder), war dieses uninspirierte Gebolze am Mittwochnachmittag eine Beleidigung für’s Auge. Aber wie gesagt, die Emder mühten sich wenigstens, das reichte dann schon. Das war das, was besonders weh tat. Und natürlich die Tatsache, dass man jetzt am 15. Spieltag frei, aber keine Punkte hat.

PS. Ich musste auch eine persönliche Niederlage einstecken: ich verlor gegen den Fortuna-Pressesprecher 3:4 im Verzehr von Fischbrötchen. Das muss am Urlaub liegen, den ich zu diesem Zeitpunkt immer noch genoss, der macht einen so träge...

Das schlechteste 4:0 aller Zeiten

Okay, eine reißerische Überschrift, Marke Zeitung mit den vier großen Buchstaben. Hauptsache, einen Superlativ drin unterbringen, einen Augenfänger...das reicht dann schon. Umwelteinflüsse, you know. Aber mal ehrlich: wenn es jemals ein schlechteres 4:0 gegeben haben sollte, dann bin ich froh, dass ich das nicht sehen musste. Was Fortuna am 16.09.2006 gegen Borussia Dortmund II bot, war über weite Strecken nur wenig besser als die Arbeitsverweigerung in Emden. Immerhin, diesmal war es die Fortuna, die sich wenigstens bemühte, die Scharte wieder auszuwetzen. Und da der Gegner zwar flott mitspielte, aber so was von harmlos vor dem Düsseldorfer Kasten war, gab es diesen deutlichen Erfolg, der erst in der Schlussphase herausgespielt wurde.

Positiv war, dass in den letzten 10 Minuten alle Stürmer trafen, nachdem ein Verteidiger mal wieder vorgemacht hatte, wie es geht: Jens Langeneke verlängerte kurz vor der Pause einen Freistoß mit dem Hinterkopf ins lange Eck, vom Innenpfosten trudelte die Kugel ins Tor, ein schöner Treffer. Dann plätscherte das Spiel weiter vor sich hin, kaum Chancen auf beiden Seiten, bis die Dortmunder, die laut Aussage ihres Trainer ohne sieben Stammspieler angereist waren (was ich bei diesen Truppen immer etwas misstrauisch sehe, denn wenn sie die entsprechende Anzahl von Profis für ein Spiel geschenkt bekommen, sitzen diese „Stamm“kräfte ja auch draußen), in den letzten zehn Minuten zusammenbrachen. Feinbier mit hübschem Heber aus 16 Metern, Adewunmi mit Kopfball nach Ecke, und Podszus, ebenfalls mit dem Kopf nach Flanke von Wolf, schraubten das Ergebnis noch in ungeahnte und unverdiente Höhen. Andererseits setzte die Mannschaft auch endlich mal nach und machte die Tore, anstatt zu versuchen, das 1:0 mal wieder über die Zeit zu schaukeln, als man merkte, dass die Gäste nicht mehr konnten. Somit ein kleiner Hoffnungsschimmer und eine wenigstens dem Ergebnis nach eine gelungene Wiedergutmachung für das Emden-Gekicke.

Aber eigentlich interessierte dies nur noch am Rande. Denn in der Woche zuvor hatte es etwas noch nie Dagewesenes gegeben, das die Fan-Szene nachhaltig erschütterte: da die „Selbstreinigung der Kurve“ mal wieder aus Solidarität ausfiel, sprich, der Heckenschütze vom Wuppertal-Spiel mal wieder nicht gemeldet wurde, reagierte der Verein und setzte erstmals in der Geschichte eine Belohnung von 500 Euro für sachdienliche Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen würden. Dies geschah wohl auch, um dem DFB mal zu demonstrieren, dass man zumindest versucht, solche Leute aus dem Verkehr zu ziehen. Und es kam, wie es kommen musste, unmittelbar vor dem Dortmund-Spiel wurde ein Fan von einem Ordner als möglicher Täter gemeldet. Natürlich stammte dieser Fan aus der „Ultra“-Szene. „Natürlich“ deswegen, weil diese Fans stets sofort im Fokus stehen, wenn es um den Einsatz von Leuchtmitteln geht, da es für sie ja wohl einen Teil ihrer „Fan-Kultur“ darstellt, Strafen für den Verein inklusive. Da vor dem Abschuss der Leuchtspur im Fan-Block auch Pyro abgebrannt worden war, lag der Verdacht nahe, dass einer der Herrschaften es dort mit seiner persönlichen „Pyro-Show“ etwas übertrieben hatte, zumindest jedoch, dass der ein oder andere aus der Szene den Täter gesehen hatte, allerdings bis heute schweigt, aus den bekannten Gründen: weil man gegen das „große, böse System“ zusammenstehen müsse, weil man nicht als „Denunziant“ gelten will, und überhaupt, es war ja wieder mal nichts passiert. Ich erinnere mich ungern an eine ähnliche Szene aus dem ARAG-Pokal-Endspiel 2004 gegen RW Essen, als in der Krefelder Grotenburg eine Leuchtkugel quer über den Platz auf die Haupttribüne gefeuert worden war, was anschließend von einem Mitglied der Ultra-Szene (wohlgemerkt, von einem!) im offiziellen Fortuna-Forum als „Kollateralschaden“ bezeichnet wurde. Anderer Leute Gesundheit scheint für einige wirklich Nebensache zu sein, egal ob aus dem Ultra-Dunstkreis oder nicht.

Der Knackpunkt an der Erklärung des Vereins war aber sicherlich auch, dass die Belohnung für sachdienliche Hinweise nicht nur den Vorfall beim Wuppertal-Spiel betraf, sondern auf sämtliche Verstöße gegen die Stadionordnung ausgeweitet wurde, was ja nun auch den Einsatz von Pyro und Rauch im Block betrifft. Als dann „natürlich“ ein Ultra als erste Person von dieser Maßnahme getroffen wurde, der „natürlich“ unschuldig ist (das wiederum haben natürlich alle gesehen, die sonst nichts sehen), gab dies den Ausschlag: die Ultras Düsseldorf verhängten noch während des Spiels gegen Dortmund einen Stimmungsboykott und veröffentlichten anschließend eine offizielle Erklärung, in der sie gegen die Maßnahmen des Vereins protestierten und schrieben, man werde “Gestapo-Methoden“ in der Kurve nicht dulden. Ja, wir haben echte Kenner in der Szene, die auch nicht davor zurückschrecken, dem Verein Folter und Erschießung in vereinseigenen Kellern vorzuwerfen, oder wie darf ich das mit den Gestapo-Methoden jetzt verstehen? Ich warte seitdem auf die ersten Vermisstenlisten plötzlich verschwundener UD-Mitglieder. Da war man dermaßen weit über das Ziel hinausgeschossen, dass zumindest ich persönlich bis heute in solchen Äußerungen nur erkennen kann, wie gut es doch manchen Leuten im „großen, bösen System“ zu gehen scheint. Und wenn man auf der einen Seite überzieht, kann man auf der anderen ja ein bisschen einsparen: es erfolgte keinerlei Abgrenzung der Ultras zum Täter von Wuppertal, sodass nun erst recht bei dem ein oder anderen der Verdacht hochkam, in Ultra-Kreisen könne zumindest der Täter nicht ganz unbekannt sein, wenn es von ihnen selbst schon keiner gewesen sei. Ein ziemliches Eigentor. Man beschwerte sich, vielleicht nicht zu Unrecht, darüber, dass hier nach dem „ersten Anschein“ ein bestimmter Kreis von Fans verdächtigt wird, weil diese dafür bekannt sind, pyrotechnischen Mitteln nicht ablehnend gegenüber zu stehen. Okay. Dann muss man aber um der Glaubwürdigkeit willen im selben Atemzug erklären, damit auch nichts zu tun zu haben. Unschuldsvermutung hin oder her, ansonsten sagt man mit solch einer Erklärung nur eines: es ist eine Frechheit, uns zu verdächtigen – selbst wenn wir es gewesen wären. Und genau so wurde es auch von einigen verstanden.
Über die Maßnahme des Vereins, eine Belohnung für jeden Verstoß gegen die Stadionordnung auszusetzen, ohne eine Differenzierung der Delikte vorzunehmen, und somit eventuell einer anonymen Massenmeldung all derjenigen Vorschub zu leisten, die sich mal schnell 500 Euro verdienen wollen, kann man in der Tat geteilter Meinung sein. Auch über das Verbot der Choreo, welches wohl vor dem Spiel gegen Dortmund erfolgte. Leider wurde bis heute nicht gesagt, warum die Choreo verboten wurde. Aber wie gesagt, man muss sich wahrlich nicht alles bieten lassen. Wenn man dann allerdings der Paranoia erliegt, der Verein nutze die Gelegenheit aus dem WSV-Spiel, die ganze „aktive“ Fan-Szene platt zu machen, dann nimmt man sich selbst zwangsläufig etwas zu wichtig und schießt über das Ziel hinaus. Wer im Internet dagegen sprach, wurde teilweise übelst abgebügelt, sodass mal wieder klar wurde, dass sich Selbstkritik bei den „aktiven“ Fans nicht gerade großer Beliebtheit erfreut und dass sich einige (einige!) Ultras stimmungs- und fantechnisch mal wieder für den Nabel der Welt hielten.

In der Woche nach dem Dortmund-Spiel schoben die Ultras einen weiteren offiziellen Aufruf nach: Stimmungsboykott in der ersten Halbzeit des anstehenden Spiels in Lübeck aufgrund der vom Verein verhängten Maßnahmen. Weiter bürgte man für die Unschuld des unter Verdacht stehenden Mitglieds, eine sehr schöne und keineswegs selbstverständliche Äußerung, wie ich finde, und distanzierte sich endlich von der Blitzbirne, die im Wuppertal-Spiel in den gegnerischen Block geballert hatte. Das ist somit hinzunehmen, bis etwas anderes bewiesen ist. Für mich heißt dies, dass von UD niemand für diese Attacke (denn was anderes sollte es ja wohl nicht sein) verantwortlich ist. Ob der ein oder andere nicht doch weiß, wer es gewesen ist, und weiter schweigt, oder ob der ein oder andere das Ganze nicht doch gar nicht mal so uncool fand, steht auf einem anderen Blatt, und trifft sicherlich nicht nur bei den Ultras zu.

Leider vergaß man in dieser Erklärung, sich auch für den unglaublichen Gestapo-Vergleich aus dem vorherigen Memorandum zu entschuldigen, und ja, ich reite darauf herum, weil es sich extra um eine offizielle Erklärung der Fan-Vereinigung gehandelt hatte, und nicht um irgendein Geschmiere eines Einzelnen, der es dem Verein mal so richtig geben wollte. Außerdem bat man erst um Solidarität der anderen Fans beim Stimmungsboykott, verkündete aber vollmundig am Ende der Erklärung, die Kurve (d.h., die gesamte Kurve) werde in Lübeck in der ersten Halbzeit schweigen. Was der Rest der Kurve davon hielt, konnte man in den folgenden Tagen ausführlich nachlesen, ich beschränke es auf zwei Worte: nicht viel.

Wir wollen hoffen, dass sich diese Konflikte innerhalb der Fan-Szene und von Teilen der Fan-Szene mit dem Verein in nächster Zeit entschärfen. Natürlich ist eine Belohnung für die Meldung von Delikten gleich welcher Art eine heikle Sache. Andererseits: was soll der Verein noch machen? Seit Jahren muss man ohnmächtig zusehen, wie Teile der Kurve eine Geldstrafe nach der anderen produzieren (und damit sind beileibe nicht nur die Ultras gemeint), in der letzten Saison waren es wieder gepflegte 35.000 Euro, für Wuppertal steht die Rechnung noch aus. Die von den Fans immer wieder gern propagierte „Selbstbestimmung der Kurve“ verhindert eine Täterermittlung, weil solche Sachen für diese Leute zum Fußball gehören, oder sie nicht in der Lage sind, anders Stimmung zu machen oder aus welchen Gründen auch sonst. Also werden die Täter stets gedeckt, weil man ja gemeinsam gegen das System und den bösen Fußball-Kommerz zusammensteht. Der Verein wird hier von seinen Fans im Stich gelassen, muss aber gegenüber den Instanzen deutlich machen, dass er gewillt ist, dagegen vorzugehen, denn soll der Verein beim DFB vielleicht bei der nächsten Verhandlung „Strafaussetzung“ beantragen, weil Fans halt nur das zelebrieren, was sie unter „Fan-Kultur“ verstehen? Ich habe irgendwie Verständnis dafür, wenn beim Verein jetzt reagiert wurde. Ob das teilweise nicht doch etwas von „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“ hat, sollte aber auch dort möglichst schnell überprüft werden. Nur: verstehen kann ich es. Das Maß ist voll.

Lustigerweise steht genau dieser Satz auch in der Erklärung der Ultras Düsseldorf. Vielleicht wäre es mal an der Zeit, dass beide Seiten ein wenig abschöpfen, bevor das Maß überläuft...

Ein großer Abend

Am 22.09.2006 reiste der Fortuna-Tross gen Schleswig-Holstein, zum Auswärtsspiel beim VfB Lübeck. Ein ziemlicher Streifen, gewiss, aber Lübeck ist immer eine Reise wert. Und auch die Mannschaft bemüht sich stets, dort ein spektakuläres Spiel abzuliefern. Beim vorletzten Mal (Mai 2005) gewann man 1:0 und verdarb dem Gastgeber bei deren letztem Heimspiel der Saison den Aufstieg Beim letzten Mal, fast auf den Tag genau ein Jahr vor dem diesjährigen Spiel, verlor man erst in der 93. Minute mit 0:1. Das Spiel des 9. Spieltages der Saison 2006/07 sollte alles übertreffen.

Dies begann bereits mit der Anfahrt. Mittags um 12 machte man sich aus Düsseldorf auf in Richtung Marzipan. Ich war Beifahrer, mein Fahrer war allerdings auch nicht der Wagenbesitzer, er hatte ihn sich nur geliehen. Wir fuhren grad auf der Autobahn nach Wuppertal hinein, da schien am Armaturenbrett ein rotes Lichtlein auf, welches ein Symbol, bestehend aus einem Auto und einem Schraubenschlüssel, beleuchtete. Dann ging es wieder weg, ging wieder an, ging wieder weg...spätestens in Höhe Münster blieb es dauerhaft an. Beim tapferen Nachblättern in der im Handschuhfach beheimateten Bedienungsanleitung fand ich nicht nur eine Erklärung für das Lämpchen, nämlich eine schadhafte Motorenelektronik sowie die Tatsache, dass beim Leuchten der Lampe ein Elektronik-Notprogramm liefe, sondern auch den sicherlich gut gemeinten Hinweis: bitte möglichst sofort die nächste xxx-Vertragswerkstatt ansteuern. Na, großartig, und das mit noch ca. 1.000 km hin und zurück vor der Brust. Egal, einmal in die Brieftasche geschaut, jawohl, Kundenkarte des ADAC mit entsprechender Telefonnummer am Mann, also: weiterfahren, bis die Kiste den Geist aufgibt. An einem Freitagnachmittag in eine Service-Werkstatt und dann die Elektronik checken lassen, haha. Da hätten wir auch gleich wieder nach Hause fahren können. So nicht!

Nun, der Wagen brachte uns brav und sicher (nur allzu schnell fahren war nicht angesagt, ab Tempo 130 begannen die Ventile zu klappern) bis nach Hamburg. Hier wiederum hatte man rechtzeitig zur Fußball-WM sämtliche Baustellen vom Erdboden getilgt, denn die Welt war ja zu Gast bei Freunden. Und wenn die Welt wieder weg ist, muss man ja auch geheuchelte Freundschaft nicht länger aufrechterhalten. Alle Baustellen wurden wieder ausgebuddelt, noch ein paar dazu erfunden – sämtliche Hamburger Kreuze und Dreiecke verschwinden derzeit unter rot-weißen Absperrbaken, Fahrbahnverengungen und Sperrungen kompletter Autobahnabschnitte. Und damit auch wirklich jeder etwas davon hat, war dem Radio zu entnehmen, dass an einem Hamburger Kreuz gar ein Fahrstreifen über mehrere Kilometer Länge gesperrt war, weil – der Standstreifen neu bemalt wurde! An einem Freitagnachmittag! Es ist natürlich sonnenklar, bei wem diese Planer einst in die Lehre gegangen sein müssen: bei der Deutschen Bahn. Andererseits musste man den Standstreifenmalern schon fast ein Lob aussprechen, da wurde wenigstens noch gearbeitet. Bei sämtlichen anderen Baustellen, an denen wir vorbeikrochen, war natürlich nicht mal ansatzweise jemand zu sehen.

Rund um Hamburg herrschten an jenem Nachmittag 40 km Stau, drei davon verursacht durch einen Unfall, der Rest einzig und allein auf Baustellen zurückzuführen. Sollte noch irgendjemand einen Beweis benötigen, dass Deutschland bei der Verkehrsplanung völlig überfordert ist (was ja bei der Deutschen Bahn unter Hand schon hier und da zugegeben wird), der sollte in den nächsten Woche mal einen kleinen Abstecher auf der Autobahn nach Hamburg machen. Möglichst freitags nachmittags. Ich kann auch dafür bürgen, dass etwas geboten wird, gleichgültig, welche Strecke man nimmt.

Wenn man die A1 weiter nach Lübeck fährt, bekommt man sogar noch richtig etwas geboten. Nämlich einen 14 km langen Stau zwischen Bargteheide und Reinfeld (die letzte Ausfahrt vor dem Stadtgebiet Lübeck!), verursacht von einer ungelogen 10 km langen Baustelle. Mein persönlicher Rekord, aber vielleicht kennt ja jemand noch etwas Längeres. Wobei, wir wollen nicht meckern: die ganzen Staus hinderten uns am schnellen Fahren, was ja wiederum unserem leicht angeschlagenen Fahrzeug zu Gute kam. So erreichte man mit permanent leuchtender Signallampe und reichlich genervt doch noch Lübeck und die Lohmühle. Wir hatten auch noch reichlich Zeit, das schöne Wetter zu genießen, und die Fan-Fete, die ein Sponsor angekündigt hatte, und die vor dem Spiel dem Aufwärmen dienen, aber erst richtig nach der Partie losgehen sollte. Fan-Fete – war da nicht mal was? Ja, genau, bei unserem vorletzten Spiel an der Lohmühle stand das Freibier und lagen die Aufstiegs-T-Shirts vor dem Spiel auch schon bereit. Da wollten wir doch mal sehen, ob wir diesmal nicht auch einen bescheidenen Anteil zu den Fan-Feierlichkeiten liefern konnten.

Und wir konnten. In der ersten halben Stunde war Fortuna klar die bessere Elf, Lübeck fand bis auf einen Kopfball von Heun, den Deuß großartig parierte, überhaupt nicht statt. Fortuna ging dann auch folgerichtig durch eine schöne Einzelleistung von Lambertz völlig verdient in Führung. In der 25 Minute schoss Kullig an der Mittellinie versehentlich Andy Lambertz an. Der Ball prallte weit in die Lübecker Hälfte, Lambertz setzte nach, überlief auch noch den letzten Mann der aufgerückten Lübecker und schlenzte die Kugel über Frech unter die Latte. Ein prima Tor. Bis dahin war auch noch alles gut. In den 20 Minuten vor der Pause eskalierte die Partie allerdings, und Schiri Thomas Frank, der Collina-Verschnitt, verlor mal wieder den Überblick. Das ist der Mann, der vor zwei Jahren in Münster ein glasklares Handspiel eines Münsteraners auf der Torlinie übersah und statt Elfmeter einfach das Spiel abpfiff. Das ist auch der Mann, der im letzten Jahr (aber noch vorletzte Saison) beim Spiel in Köln beide Mannschaften 20 Minuten in die Kabine schickte, weil Rauch und Bengalen im Kölner Block gezündet worden waren. Ich will damit wirklich nicht sagen, dass der Mann Fortuna benachteiligt, nur, dass er wirklich des Öfteren den Überblick verliert, genau wie ein Herr Gräfe. Da beim DFB aber nicht sein kann, was nicht sein darf, pfeift er mittlerweile 2. Liga. Wahrscheinlich geht’s bei Koblenz gegen Unterhaching wirklich friedlicher zu. Fakt ist, dass das Spiel härter wurde, und zwar von beiden Seiten. Für die Lübecker war die Sache klar: die Fortunen liefen Amok, und wenn sie selbst gefoult wurden, war das Schauspielerei. Der Journalist neben mir auf der Pressetribüne ereiferte sich, das sei ja genau wie letztes Jahr eine einzige Schauspiel-Truppe. Nun, zum letzten Jahr habe ich damals auch schon Entsprechendes geschrieben: damals war in den Lübecker Nachrichten von üblen Schauspieleinlagen der Fortunen die Rede. Das ging anscheinend damals so weit, dass sich Cebe selbst das Nasenbein gebrochen und Barth sich ebenfalls selbst einen Augenbrauen.Cut zugefügt hatte, um glaubwürdiger zu wirken. Wir haben aber auch ein paar Masochisten im Team. Und dieses Jahr schon wieder! Wurde hingegen ein Lübecker gefoult und blieb liegen, waren das Düsseldorfer, die „Amok liefen“, wie es der offizielle Live-Ticker des VfB tatsächlich verkündete. Vereinsbrille, schön und gut. Aber so weit darf es meiner Meinung nach nicht führen. Obwohl, es wurde ja noch besser.

In der 36. Minute das 1:1 durch Dustin Heun, ebenso wie Benny Baltes ein Ex-Uerdinger im Team, und ein großer Freund des ungestraften Ellenbogeneinsatzes gegen seine schauspielernden Gegenspieler. Bei einem Freistoß von Lübecks Routinier Dietmar Hirsch war Torwart Deuß nicht aus dem Tor gekommen, und in der Spielertraube am 5-m-Raum war es Heun, der die Kugel über die Linie drückte. Deuß schlug den Ball zwar noch weg, aber eindeutig hinter der Linie, es gab auch keine Proteste von Düsseldorfer Seite. Interessanter war da schon, dass der Schiri wieder mal nicht Herr der Lage war, er ließ nämlich zunächst einige Sekunden weiterspielen, bis der Assistent „Tor“ anzeigte. Aber der Ball war drin, keine Frage. Der Ausgleich hatte sich abgezeichnet, denn wenn beide Teams sich nicht grad gegenseitig beharkten, dann war Lübeck nach dem Rückstand deutlich offensiver geworden und hatte Fortuna hinten rein gedrängt.

In der 44. Minute wieder eine Flanke von rechts in den Fortuna-Strafraum, und Krecidlo drückte den einköpfbereiten Heun von hinten weg - Foulelfmeter, berechtigt, keine Frage, auch keine Proteste. Kullig verwandelte links unten, 2:1, Deuß wäre fast dran gewesen. So richtig verdient war das jetzt nicht, ein Unentschieden wäre okay gewesen. Das war aber nichts im Vergleich zu dem, was dann folgte.

Nachspielzeit der ersten Hälfte: links neben dem Fortuna-Strafraum Zweikampf Langeneke/Heun, beide gehen zu Boden. Langeneke steht auf und will Heun wohl noch ein paar nette Worte sagen. Aber da kommt die Uerdingen-Connection: Baltes kommt von hinten, hält Langeneke mehrere Sekunden fest und beschwert sich nach dem Spiel allen Ernstes, der habe ihm dann noch mehrmals auf den Fuß getreten. Was für ein guter Samariter, der Baltes! Er wartet bis Heun sich auf Kernschussweite genähert hat, schubst Langeneke dann gegen diesen, und der kleine Dustin macht einen auf Tätlichkeit, während Herr Baltes sich geschwind vom Acker macht. Eigentlich schon großer Sport. Noch größer allerdings, dass der Schiri drauf reinfällt und Langeneke die Rote Karte wegen Tätlichkeit zeigt. Beide Provinz-Provokateure kommen ohne auch nur eine Ermahnung davon, im Gegenteil, Baltes gelingt es, zehn Sekunden später am Mittelkreis noch eine weitere Rudelbildung anzuzetteln, an der sich dann fast alle Spieler beteiligen, sodass der Schiri nun wirklich niemanden mehr bestrafen kann, ohne gleich das Spiel wegen 10 Feldverweisen abzubrechen. Pause.

Natürlich ist es blöd von Langeneke, sich so provozieren zu lassen. Eine Mitschuld trägt auch der Assistent, der keine fünf Meter von der Szene entfernt stand und alles gesehen haben muss, es ist physikalisch unmöglich, dass dies nicht der Fall war, es sei denn, er habe unter einer Spontan-Erblindung gelitten, er aber dem Schiri kein Wort sagte. Und Herr Frank fällte mal wieder routiniert die falsche Entscheidung. Vor allem, dass die beiden Schmierenkomödianten, aus Uerdinger Zeiten schon diesbezüglich bestens bekannt, ungeschoren davon kamen, kann eigentlich nicht sein. Und Fakt ist, was auch die Fernsehbilder belegen, dass Langeneke in keinster Weise eine Tätlichkeit begangen hat. Schon unglaublich, wie Herr Frank darauf hereinfallen konnte.

Die beiden Schnuckelchen Baltes und Heun gaben übrigens dem NDR nach dem Spiel ein Interview zu diesem Vorfall. Das muss man eigentlich gesehen haben, um es zu glauben. Inhalt, Sprachstil, Ausdrucksweise – beide zusammen ergeben IQ-technisch etwa einen halben Podolski. Außerdem waren ihre Aussagen, so sie denn zu verstehen waren, dermaßen daneben, dass der berichterstattende NDR, eigentlich von Haus aus mit einem Herz für Nordvereine ausgestattet, besonders wenn es gegen Teams aus nichtnordischen Bundesländern geht, die Darstellung dieser Schmierenkomödianten ausdrücklich und wortwörtlich als „Die Lübeck-Lüge des Abends“ würdigte. Mehr ist dazu wohl nicht zu sagen. Traurig, wenn solche Bengel derart ein Fußballspiel beeinflussen dürfen...Langeneke erhielt natürlich ein Spiel Sperre, weil es so sein muss, aber dieses Strafmaß bei einer „Tätlichkeit“ zeigt recht deutlich, wie sehr der Schiri sich verarschen ließ. Schade, dass man sich beim DFB die Aussagen der beiden Schaumschläger nicht mal beeiden ließ. Die sind auf jeden Fall ein warnendes Beispiel dafür, dass manche Spieler nach dem Spiel einem Mikrofon tunlichst aus dem Weg gehen sollten.

Aber es war ja noch mehr los mit dem Pausenpfiff. Der Lübecker Journalist neben mir belegte mich angesichts dieser Szene mit einigen Schimpfwörtern, die ich hier nicht wiedergeben werde, um diesen Herrn nicht noch aufzuwerten. Sagen wir mal so: wenn ich dem einen reinwürgen will, schenke ich ihm demnächst mal ein Wochenende in Düsseldorf, das scheint seinen Äußerungen nach für ihn die Höchststrafe zu sein. Die Lübecker Spieler, soeben 2:1 in Führung gegangen und mit einem Mann mehr auf de Platz, stürmten im Kabinengang wahrhaftig zum Schiri und beklagten sich über die Düsseldorfer Amokläufer! So lächerlich muss man sich auch erst mal machen, das gelingt nicht jedem! Allerdings wurde es locker übertrumpft vom Lübecker Publikum, die die Fortunen, die soeben nachweislich vom Schiri benachteiligt worden waren, mit höhnischen „Scheiß-Verlierer!“-Rufen verabschiedeten – zur Pause! Dies finde ich, auch wenn es bei den eigenen Fans vorkommt, derart arrogant, dass es einfach bestraft werden muss. Meistens passiert dies leider nicht.

Als jedoch nach Wiederanpfiff eigentlich jeder die Fortuna schon abgeschrieben hatte, kam diese noch einmal zurück, weil Lübeck das Spiel anscheinend locker nach Hause schaukeln wollte und so gut wie nichts mehr tat. Die hatten wohl die Rufe ihres eigenen Publikums gehört und sich gesagt: Ach, ist ja schön, dass die Sache entschieden ist, dann können wir uns in der zweiten Halbzeit schön ausruhen. So spielten sie jedenfalls. Und die Fortunen merkten, dass hier noch was ging, weil der Gegner trotz Überzahl keine Chance herausspielte und erschreckend harmlos blieb. Also griff man halt selbst an, bevor es ganz langweilig wurde. Nach Foul von Schröder an Lambertz verwandelte Henri Heeren den fälligen Elfmeter zum Ausgleich in der 62. Minute. Der Elfer war ebenso berechtigt wie der für Lübeck, es gab auch hier keinerlei Proteste. Torwart Frech war noch dran, konnte den Treffer aber nicht verhindern. Und als Heeren - wahrscheinlich zum ersten Mal in seiner Fußballkarriere – in der 69. Minute gleich vier Mann auf der linken Seite stehen ließ (begonnen hatte er dieses Solo eigentlich nur deswegen, weil es keine Anspielstation gab), und Pusic seine Hereingabe zum 3:2 verwertete, war der Sieg perfekt, denn Lübeck spielte nur noch eine Chance heraus, die Deuß großartig parieren konnte. Erfreulich auch das Saisondebüt von Robert Palikuca, der in der Pause nach seiner Meniskus-OP erstmals eingewechselt wurde und den kleinen Giftzwerg Heun zum Statisten degradierte. Insgesamt ging es in der 2. Halbzeit fairer zu, wenn es auch Ausnahmen gab, sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen. Ein schönes Beispiel gab es in folgender Szene: Marcus Feinbier checkte Lübecks Kapitän Rouven Schröder beim Kopfball weg und erhielt Gelb. Dies las sich im offiziellen Spielbericht auf der Lübecker Homepage anschließend so:

„Höhepunkt war ein Foul von Marcus Feinbier in Höhe der Mittellinie, als er in brutalster Art und Weise Rouven Schröder niederstreckte, mit „dunkelgelb“ war der Übeltäter hierbei noch sehr gut bedient.“

Und jetzt kommt das, was mich bei solchen Berichten immer so anekelt. Wie gesagt, Vereinsbrille, schön und gut, aber es muss trotzdem möglich sein, Fakten auch als solche darzustellen. Denn was dieser Schmierfink bei Schilderung dieser Szene routiniert „vergaß“, war Folgendes: der auf „brutalste Art und Weise niedergestreckte“ Rouven Schröder wälzte sich zehn Sekunden lang am Boden, sprang dann wundergeheilt (ohne behandelt worden zu sein!) auf und wollte auf Feinbier los, der sich glücklicherweise schon entfernt hatte! Wahrscheinlich nur, um ihm zu sagen: „Du, das war nicht nett, darüber müssen wir mal reden, du!“ Und dann fällt so was bei der Berichterstattung natürlich schon mal unter den Tisch. Drei Mitspieler mussten ihn zurückhalten, den brutalstmöglich Niedergestreckten, der so richtig, richtig schwer verletzt war. Sanktion vom Schiedsrichter: natürlich gar keine, noch nicht mal eine Ermahnung. Einfach traurig, was hierzulande manchmal unter „Berichterstattung“ läuft, aber das wird natürlich jeder anders sehen.

Ein unvergesslicher Abend an der Ostsee bei Gastgebern, die zur Pause schon „Scheiß Verlierer!“ brüllten, und sich anschließend zumindest verbal als genau solche erwiesen. Eigentlich mag ich sie ganz gerne, hätte ihnen auch schon des Öfteren den Aufstieg gegönnt, aber durch ihre Jammerei disqualifizieren sie sich selbst. Übrigens, als die Lübecker beim letzten Spiel in der LTU-Arena alles wegtraten, was nicht niet- und nagelfest war, eine Tatsache, die damals auch von den eigenen Journalisten kopfschüttelnd bewertet wurde und die selbst der damalige Trainer in der Pressekonferenz nicht so ganz verstand, da haben sie uns noch als „Jammerlappen“ bezeichnet, obwohl sie damals gleich zwei Fortuna-Spieler aus dem Spiel traten, was uns bis heute bei ihnen noch nicht gelungen ist (nein, ich schreibe nicht „leider“). Vielleicht sollte man wirklich erst vor der eigenen Haustür kehren, bevor man mit voller Absicht Fakten ignoriert, denn das fällt dummerweise auf und macht es dann noch etwas lächerlicher.

Aber zum Trost hatten sie bestimmt noch eine schöne Fan-Fete nach dem Spiel, auch wenn das vom Stadionsprecher in der Pause lässig getippte 4:1 für sein Team nicht ganz hinkam. Ein verdienter Erfolg der Fortuna, die schon vor dem 1:1 die bessere Mannschaft war und sich auch in Unterzahl nie aufgab. Und da es auch unser Auto mit roter Dauerbeleuchtung und klappernden Ventilen bis nach Hause schaffte, waren wir eigentlich alle Sieger.

Dieser denkwürdige Abend hievte uns auf Platz sechs der Tabelle mit 14 Punkten, also mit Kontakt nach oben, aber nur 4 Punkte vom ersten Abstiegsplatz entfernt. Die Liga ist also immer noch sehr ausgeglichen. Wäre schön, wenn man sich jetzt so langsam oben festbeißen könnte.

Davor hat der liebe Gott allerdings den Spielplan gestellt. Denn ausgerechnet jetzt kommt am kommenden Samstag, 30.09.2006, der fleischgewordenen Fortuna-Alptraum in die LTU-Arena: Werder Bremen II, das Team, gegen das Fortuna noch nie gewonnen hat. Also auf zum nächsten, mittlerweile neunten Versuch! Erschwerend kommt hinzu, dass die derzeit einen Lauf haben und auf Platz 2 stehen, was für die Tabelle natürlich völlig uninteressant ist, aufsteigen dürfen sie eh nicht, aber doch zeigt, dass ihre Spielkultur derzeit funktioniert. Aber das interessiert mich nicht. Mich interessiert nur, ob Björn Schierenbeck spielt, der Mann, der bei allen acht Versuchen, die kleinen Werderaner zu putzen, auf dem Platz stand und dies verhinderte. Drei Spiele hat er diese Saison erst gemacht. Ich werde Thomas Schaaf noch schnell faxen und den Mann als „unersetzlich“ für das zeitgleich stattfindende Erstligaspiel der Bremer gegen Mönchengladbach anpreisen. Ich will den nicht mehr sehen! Aber einen Sieg der Fortuna, den will ich sehen. Damit diese alberne Serie zu Ende ist, und wir uns oben festsetzen können. Das wäre dann mal ein ganz neues Gefühl in einer Hinrunde. Aber man muss ja immer offen sein für Neues im Leben. In diesem Sinne:

Keiner lässt den Schierenbeck ran! fordert: janus