von Janus, 22.11.2008

 

Spieltag 12 bis 16

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…wird man bald auch bei uns sagen. Bevor ich also auf den nächsten Weihnachtsmarkt verschwinde, hier noch die Zusammenfassung der letzten fünf Spiele der Fortuna. Es sieht erstaunlich gut aus. Was die Tabelle anbelangt, meine ich. Was das bunte Treiben auf dem Rasen betrifft, so habe ich den Eindruck, das war schon mal besser. Aber ich will mich nicht beschweren, denn wenn man in der Vergangenheit für so manch gutes Spiel nicht belohnt wurde, so war es – bis auf eine Ausnahme – in den Partien, die Bestandteil dieser Zusammenfassung sind, meist umgekehrt. Und man will ja nicht hartherzig sein in diesen Zeiten! Es waren auch Spiele großer Traditionsvereine gegeneinander in den letzten Wochen. Ich bitte vorab um Nachsicht, dass ich hierzu keine einzige Zeile geschrieben habe. Aber wenn ich nur die interessanteren Spiele dieser Vereine gegeneinander aus der Vergangenheit würdigen würde, wär ich zu Nikolaus noch dran. Also, kein großes Geschwafel – los geht`s

Nach 19 Jahren mal wieder ein Sieg

Ja, die Überschrift klingt mal wieder nach dem Ende einer schwarzen Serie. Stimmt aber nicht. Sie wurden nur gewählt, weil wir erstmalig nach 19 Jahren mal wieder gegen die Offenbacher Kickers spielten. Da gab es einige tolle Duelle in der Vergangenheit, sowohl in der 1. wie auch in der 2. Liga. Nun also erstmal im Premiumprodukt gegeneinander. Am 29.10.08 kamen die Offenbacher Kickers zum Mittwochsspiel in die Arena, im Gepäck sechs Spiele in Folge ohne Niederlage. Und so spielten sie dann auch. Dennoch reichte es für Fortuna zu einem knappen 1:0-Sieg vor 10.100 Zuschauern. Ein letztlich verdienter Erfolg der Fortuna gegen einen ebenbürtigen Gegner, der vor allem im Mittelfeld viel Platz hatte, aber zum Glück im Sechzehner nicht mehr allzu viel zustande brachte.

Zunächst einmal gab es wieder eine beschwerliche Anreise, wie immer, wenn man das Pech hat, nachmittags über Köln fahren zu müssen. Da ging natürlich wieder nix mehr. Ich fuhr um 17 Uhr aus Bonn los und erreichte die Arena exakt eine Minute vor Spielbeginn. Es war aber auch wichtig, nicht zu spät gekommen zu sein, denn die Fortuna legte wieder los wie die Feuerwehr, in der ersten Viertelstunde stand Jovanovic dreimal frei vor Wulnikowski. Beim ersten Mal traf er den Ball nicht voll, der zweite, nach einem Zucker-Doppelpass mit Lawaree in der 11. Minute war per Lupfer drin, beim dritten kurz darauf scheiterte er am Keeper. Da hätte die Partie schon entschieden sein können. Aber danach gab Fortuna das Spiel unerklärlicherweise aus der Hand, der OFC nutzte sein deutliches Übergewicht im Mittelfeld und drängte die Fortunen bis zur Pause hinten rein. Glücklicherweise vergaben sie die wenigen Chancen, zweimal stand in der Mitte niemand, um die Flachpässe von rechts reinzumachen, einen Flachschuss von Zinnow konnte Melka mit dem Fuß parieren. Die Führung zur Pause doch etwas schmeichelhaft.

Direkt nach dem Wechsel zunächst noch eine dicke Chance für Offenbach, Haas wurde im Strafraum angespielt, schon am kurzem Pfosten stehend zog er den Ball mittig an Melka vorbei, und wieder stand niemand von den Gästen in der Nähe, um ins leere Tor abzustauben. Eigentlich hätte man sich an fünf Fingern abzählen können, wie lange das noch gut gehen würde. Dass es anders kam, war zu meiner Überraschung einem grandiosen Fehlschlag zu verdanken: Nach ziemlich genau einer Stunde ein Traumtor von Cebe, nach Flanke von links durch Caillas hatte er die Kugel am rechten Strafraumeck volley genommen und links unten versenkt. Der Schiri gab den Treffer jedoch nicht, weil angeblich Lawaree im Abseits und gleichzeitig im Weg gestanden und den Torwart (sicht-)behindert haben soll. Von meiner Warte aus schwer zu sagen, allerdings auch nicht auszuschließen. Und als ich dachte, dass dies die doch leicht schwächelnde Mannschaft noch mehr verunsichern und die Offenbacher motivieren könnte, noch einmal richtig loszulegen, gab diese umstrittene Entscheidung im Gegenteil anscheinend den Auftrieb, sich wieder richtig reinzuknien und das Spiel ausgeglichen zu gestalten. Zum Schluss nervte der Herr Cebe allerdings noch gewaltig. Hatte er bei diesem Hammer nach einer Stunde wirklich einfach nur Pech gehabt, so scheiterte er kurz vor Spielende gleich zweimal völlig frei vor dem Torwart, bei der ersten Gelegenheit schoss er am Tor vorbei, beim zweiten Anlauf versuchte er eine etwas dümmliche Schwalbe. Wenn der doch nicht immer so auf unseren Nerven herumtrampeln würde! Heidinger hatte auch noch eine gute Schusschance, traf den Ball allerdings nicht voll. Aufgrund dieser ganzen Möglichkeiten zum Schluss ging der Sieg insgesamt wohl auch in Ordnung. Fortuna kletterte durch den Sieg auf Platz 3.

An jenem Spieltag gab es übrigens den ersten Spielabbruch der Saison, die Partie Werder II gegen Dynamo Dresden wurde zur Pause beim Stande von 1:1 abgebrochen, weil man im Nebel völlig den Durchblick verloren hätte, die Sichtweite betrug unter 30 Meter. Das Wiederholungsspiel gewann Dynamo dann mit 1:0. Aber was für ein profaner Grund für eine (im weitesten Sinne) Spielabsage von denen auf diesem Gebiet so versierten Bremern! Ich war tatsächlich ein wenig enttäuscht. Naja, es kann der beste Einfallsreichtum halt nicht gegen die Natur anstinken. Da darf man gespannt sein, was die Bremer sich demnächst ausdenken, um mal wieder ein Spiel zu verlegen…aber meine diesbezüglichen Ideen werde ich hier nicht preisgeben, schließlich sollen wir am 14.12.2008 dort noch antreten…

Am folgenden Wochenende hatten direkt das nächste Spitzenspiel, beim Tabellen-2. Union Berlin. Dort würde man sich allerdings erheblich steigern müssen, wollte man eine Chance haben.

Keine Baustelle, keine Punkte

Man hatte keine. Wobei die Vorzeichen an jenem Sonntag, den 02.11.2008, gar nicht schlecht standen. Union baut ja derzeit ein neues Stadion. Schön für sie, möchte man sagen. Allerdings bauen sie ihr altes nur um. Dies erledigen übrigens zu einem gewissen Teil die Fans, die unentgeltlich auf der Baustelle arbeiten und sich dafür sogar Urlaub nehmen. Einem Interview mit einem Beteiligten zufolge hat ein anderes Mitglied dieser Arbeitsbrigade dort sogar sein berufliches Seelenheil gefunden und seinen eigentlichen Job gekündigt. Das ist alles sehr löblich, und wenn sie fertig sind, sollte man sie vielleicht mal an den Wuppertaler SV Borussia ausleihen, damit die mit ihrem Umbau in diesem Jahrtausend auch noch fertig werden.

Einerlei, zur Konsequenz hat dies, dass Union seine Heimspiele bis zur Fertigstellung eben nicht auf der Baustelle an der Alten Försterei austrägt, sondern im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Gut, das Ding ist uns auch nicht neu. Dort traten wir in der Vergangenheit bereits dreimal gegen Hertha BSC II an, und dreimal gewann die Fortuna. Dies schien uns also durchaus entgegen zu kommen.

Leider hatten die Spieler das mit dem „Schonmalgesehen“ wohl irgendwie missverstanden bzw. auf den falschen Verein bezogen. Denn was sie dann vor 9.200 Zuschauer in der 1. Halbzeit hinlegten, erinnerte doch sehr an das Spiel in Emden. Man ließ sich, genau wie einen Monat zuvor in Ostfriesland, vom Gastgeber, der nun wirklich auch nicht zu den spielerisch überragenden Highlights der Liga gezählt werden muss, förmlich überrollen. Kleine Auswahl gefällig? In der 11. Minute stürmte Bemben über die rechte Seite und passte auf Patschinski, dessen scharfer Schuss auf das lange Eck sein Ziel nur knapp verfehlte. In der 15. Minute reagierte Melka bei einem Schuss aus dem Rückraum mit einem tollen Reflex und den Abpraller entschärfte Langeneke zur Ecke. Wiederum zwei Minuten später prüfte Gebhardt unseren Keeper, der den Ball allerdings sicher zur Ecke lenkte.

Die größte Chance auf die Führung hatten die Berliner in der 23. Minute: Da flog Melka an einer scharf in den Strafraum hineingeschlagenen Flanke vorbei, und der Ball landete am 5-m-Raum bei Patschinski. Der drehte sich um die eigene Achse und schaufelte die Kugel aufs leere Tor. Und vorbei. Eigentlich unglaublich, aber es ging. Eingedenk seines Spruchs, den er einst bei Eintracht Trier sagte, als er in einer Szene mit der Tatenlosigkeit eines Schiri-Assistenten nicht einverstanden war und dies nach dem Spiel mit den Worten „Der hat wohl ne Curry gegessen während des Spiels“ kommentierte, hätte ich dem guten Patschinski gerne eine Portion spendiert für diesen unfassbaren Fehlschuss. Aber er regte sich selbst auch gar nicht groß darüber auf, denn er wusste wohl, dass Union noch mehr Chancen dieses Kalibers bekommen würde. Fortuna bekam zunächst kein Bein auf die Erde, hatte dann auch direkt den nächsten Rückschlag zu verdauen: nur eine Minute nach dieser Kunstschuss-Nummer von Patschinski humpelte Kapitän Andreas Lambertz verletzt vom Platz. Ohne Fremdeinwirkung Muskelfaserriss zugezogen, bis heute (Stand: nach dem 16. Spieltag) kein Einsatz mehr. Umso tragischer als er zuvor nach dem 2. Spieltag schon wochenlang verletzt ausgefallen war. Da kann man jetzt schon sagen, dass es wohl nicht seine Hinrunde war…

Und wenn schon nichts so richtig läuft, dann klinkt sich auch der Schiri gerne ein. Diesmal war es Herr Holger Henschel aus Braunschweig, der, der Patschinski`schen Logik folgend, während des Spiels durch andauernde Nachbestellungen wohl irgendeinem Berliner Imbiss zum Geschäft seines Lebens verholfen haben muss. Anders ist wirklich nicht zu erklären, was der sich an jenem Nachmittag zusammenpfiff. Vielleicht war es ihm auch lästig, dass die Fortunen gegen Ende der ersten Halbzeit öfter mal in der Nähe des Union-Strafraums auftauchten. War doch vorher so ein gemütlicher Einbahnstraßen-Fußball! Und das nahm er uns wohl persönlich übel. Zunächst in der 36. Minute, als Jovanovic von Menz im Strafraum aber so was von klar gefoult wurde. Natürlich drehte unser Stürmer auch begeistert direkt mal eine ordentliche Pirouette, sah selbstverständlich auch nicht gut aus, allerdings war relativ eindeutig zu sehen, dass Menz ihm vorher in die Hacken getreten hatte. Aber nicht für den Schiri. Allerdings hatte der sich damit nur warm gemacht, wie nur noch sehen werden.

In der 40. Minute dann die vielleicht dickste Chance für Fortuna, als Jovanovic sich bis zur Torlinie durchsetzte, den Ball in die Mitte auf Heidinger legte. Allerdings hatte ein Berliner noch ein Bein dazwischen und beförderte die Kugel am langen Eck vorbei, Heidinger grätschte ins Leere, kam einen Schritt zu spät. Wäre nicht verdient gewesen, aber egal. Zur Pause 0:0.

Und konnte die erste Halbzeit noch sehr an Emden erinnern, verstärkte sich dieser Eindruck in Durchgang Zwei ein wenig mehr. Denn natürlich fingen wir das 0:1, natürlich wieder durch einen Standard, und es war auch so ziemlich dieselbe Minute wie in Emden. Sah alles ziemlich ähnlich aus, nur unglücklicher. In der 53. Minute Ecke für Berlin von links, in Höhe des kurzen Pfostens springen mehrere Leute hoch und irritieren Melka, der sich den Ball selbst ins Tor haut. Man ist wohl der Ansicht, dass der Unioner Göhlert zuvor noch am Ball war, weshalb er als Torschütze angegeben wurde. Dies war auch nach Intensivstudium aller Zeitlupen nicht aufzuklären, wenn ja, hat er wohl eher nur den Luftzug gespürt als dass er selbst dran war. Für mich ein lupenreines Eigentor, ausgerechnet vom besten Fortunen an jenem Nachmittag! Schon ein bisschen unglücklich, auch wenn der Rückstand verdient war.

Und erst danach wachte Fortuna auf, vornehmlich als Trainer Meier in der 57. Minute den offensiveren Christ für den defensiveren Sieger brachte. Plötzlich ging was nach vorne, plötzlich gab es auch Chancen. Natürlich war man anfällig für Konter und hatte Glück, als Benyamina in der 64. Minute allein vor Melka auftauchte und in seinem Bemühen, mit einem Heber gleich mal das Tor des Tages zu erzielen, die Kugel schön hoch Richtung Zuschauerränge feuerte. Auf der anderen Seite war Fortuna jetzt wirklich am Drücker, und der Herr Henschel musste Schwerstarbeit verrichten, um die Berliner vor weiterem Ungemach zu bewahren: klares Handspiel von Patschinski, das der Schiri als unabsichtlich auslegte, klar stand Patschinski sehr nahe bei Caillas, als dieser den Ball spielte, ebenso klar war allerdings auch die etwas unnatürliche Armbewegung gewesen, die die Regel ja bekanntlich fordert. Schwieriger wurde es dann für den Schiri, als Fortuna zwei Tore durch Langeneke und Cakir erzielte, wobei man zumindest bei Letzterem wohl bis heute nicht sagen kann, was daran regelwidrig gewesen sein soll, aber der Herr Henschel pfiff flugs zweimal Abseits. Zwischendurch warf er Fabian Hergesell in der 79. Minute noch mit Gelb/Rot vom Platz, durchaus gerechtfertigt; dummerweise hatte er zuvor dem Berliner Younga-Mouhani, ebenfalls schon mit Gelb verwarnt, bei exakt dem gleichen Foul eine letzte Abmahnung erteilt, was Berlins Trainer Neuhaus dazu nutzte, seinen Stürmer flink auszuwechseln. Prima Augenmaß! Fortuna blieb bis zum Schluss am Drücker, aber sie brachten den Schiri nicht in Verlegenheit, sich noch ein paar Ausreden ausdenken zu müssen. Wirklich jede grenzwertige Situation für die Heimmannschaft entscheiden – wie auch von Seiten der Gastgeber nach dem Spiel mehr oder weniger deutlich zugestimmt wurde -, das ist eine anstrengende Tätigkeit, da ist man für jede Erleichterung dankbar. Und so pfiff er auch relativ pünktlich ab, denn es hatte ja in der 2. Halbzeit kaum Spielunterbrechungen gegeben. Also für ihn, meine ich, auch ein neutraler Beobachter konnte dies durchaus anders sehen. 1:0 für Union.

Im Endeffekt war Fortuna selbst Schuld, die Niederlage war verdient, weil man mal wieder die erste Hälfte ziemlich verpennt hatte. Aber als man zum Schluss doch noch aufkam, hieß es plötzlich zwölf gegen zehn, und das war nicht mehr zu stemmen. Ich wiederhole mich jedes Jahr mindestens einmal: ich habe großen Respekt vor denjenigen, die die Tätigkeit eines Schiris ausüben, ich möchte es auch nicht machen, und Fehler passieren nun mal, aber es sollten nicht derart viele sein, dass sie direkt spielentscheidend sind. Für so was hat man immer noch Spieler auf dem Platz.

Lustigerweise sah das der Schiri-Beobachter auf der Tribüne ähnlich. Was allerdings der DFB auf die Meinung von Leuten gibt, die sich in einem Stadion ein Fußballspiel ansehen, ist ja bestens bekannt und wird gleich in einem anderen Zusammenhang noch thematisiert werden. So konnte es mich auch nicht überraschen, als ich Herrn Henschel nur fünf Tage nach seiner unterirdischen Leistung schon wieder erblicken durfte – bei Zweitliga-Spiel Nürnberg-FSV Frankfurt. Naja, vielleicht war dieser Grottenkick dieser beiden Gurkentruppen ja tatsächlich die „Bestrafung“, um die der Schiri mit seiner Leistung bei unserem Spiel gebettelt hatte. Die Wege des DFB sind unergründlich.

Es heißt ja gerne, dass sich solche Dinge im Laufe einer Saison stets ausgleichen. Sollte dies der Fall sein, sind wir mit dieser Niederlage aufgestiegen. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen, nach dieser Nummer.

Um es aber nochmals zu sagen: die Niederlage war verdient, Union war das bessere Team. Das berechtigt den Schiri zwar noch lange nicht, fällige Elfer oder Treffer zu verweigern, hatte aber durchaus symbolischen Charakter: Wer, besonders in der ersten Halbzeit, eine solche Leistung abliefert, hat auch einen solchen Schiri verdient.

Advent, Advent, mehrere Lichtlein brennen oder: Blöd, wenn sich die Realität nicht ans Versmaß hält


Eine Partie, die man getrost mit dem Namen „Schweinespiel“ beschreiben kann. Nach allen Seiten. Was vor dem Spiel und auch danach außerhalb des Stadions vor sich ging, darauf gehe ich nur kurz ein, schließlich war ich nicht dabei. Ich kann mich lediglich auf Zeitungsmeldungen beziehen. Und da sticht insbesondere diejenige Meldung heraus, dass aufgrund einer natürlich bis heute nicht geklärten Panne ein U-Bahn-Zug mit ca. 150 Wuppertalern nicht zur Haltestelle am Europaplatz abbog, wo sich die Gästeblöcke befinden, sondern direkt vor dem Südeingang der Arena abgeladen wurde, wo diese 150 Herrschaften auf alles eindroschen, was nicht schnell genug laufen konnte und unter anderem einen Familienvater vor den Augen seiner Kinder bewusstlos prügelten. Die Polizei konnte sich hinterher immerhin rühmen, ganze vier Männeken dieser Arschlöcher festgenommen zu haben, eine Super-Bilanz. Die leider auch nicht eindrucksvoller wird durch den Polizeibericht, der recht eindeutig darstellt, dass sich dieser Trupp schon bei seiner Ankunft auf dem Düsseldorfer Hbf mit der Polizei angelegt hatte. Und trotzdem komplett unbewacht zur Arena durchgelassen wurde. Ganz groß. Aber wie gesagt, dazu kann ich nicht viel sagen, auch nicht dazu, dass es nach dem Spiel wohl die Wuppertaler waren, die kräftig Dresche bezogen. Eins wie das andere ist Scheiße, aber von wem das ausging, hatten die Wuppertaler dankenswerterweise schon vor Wochen kundgetan, als sie nämlich bei einem Heimspiel ein Banner mit der schicken Aufschrift „Düsseldorf zerstören“ aufhängten. Naja, und da sie sich wohl nicht so ganz Ernst genommen fühlten, weil das niemanden interessierte, versuchten sie auch gleich, es in die Tat umzusetzen. Und natürlich ist weder bei der Polizei noch bei der Rheinbahn jemand Schuld an den Vorkommnissen vor dem Spiel. Das wird die Verletzten bestimmt mächtig beruhigen…

Aber ich wollte ja über das berichten, was in der Arena los war, an jenem 08.11.2008, vor 16.600 Zuschauern. Wenn man solch eine Partie halt wochenlang als „Derby“ hochschreibt, dann darf man sich nicht wundern, wenn einige durchdrehen. Für mich ist das bestenfalls ein kleines „Derby“, wenn überhaupt. Ich wüsste nicht, wieso man den Wuppis größere Aufmerksamkeit schenken sollte, das tun selbst die Leute in der eigenen Stadt nicht. Für die mag das ein Derby sein, weil sie nichts anderes haben, aber für uns? Also mir fiele einiges ein, was für mich eher ein Derby wäre, neben Köln und Gladbach sogar noch eher Duisburg als diese Langweiler mit ihrer leeren Baustelle (nein, nicht die Schwebebahn, sondern das Stadion). Aber gut, die Presse hat ihre Schlagzeilen bekommen, und andere dafür blaue Augen. Aber wann hätte so was jemals einen Schreiberling interessiert, der vor dem Spiel eine Partie tagelang hochst(er)ilisiert?

Zum Spiel: Ziemlich schwaches Niveau, viel Hektik, will heißen: dutzendweise Fehlpässe auf beiden Seiten, dazu nahezu jede halbe Minute eine Unterbrechung. Kein spielerischer Leckerbissen also, aber den hatte auch niemand erwartet. Die Wuppis mit dem besseren Start. Dies galt sowohl für einige Schlaumeier im Gästeblock, die es rekordverdächtig schafften, nach 35 Sekunden die erste Unterbrechung herbeizuführen, als sie es erstmals ein wenig rauchen ließen. Aber auch auf dem Spielfeld waren die Gäste zunächst besser, und die Führung in der 27. Minute war auch nicht unverdient. der Schiri wollte zwar nach der Attacke von Cakir im Strafraum gegen Lejan zunächst weiterlaufen lassen, doch als der Assi das Fähnchen hob, entschied er sich um, und Reichwein verwandelte den Elfer lässig. Völlig verdiente Führung für die Wuppertaler, erzielt auch noch durch ihren agilsten Spieler. Was bis dahin von Fortuna kam, war nicht der Rede wert.

Dass dann doch alles anders kam, verdankte der WSV unter anderem auch seinen „Fans“. Einige Pfiffikusse im Gästeblock hatten nämlich unmittelbar nach dem 0:1 genug gesehen und führten die erste Drittelpause im bezahlten deutschen Fußball ein, indem sie mehrere Leuchtkörper aufs Spielfeld warfen. Was das Ganze so unverwechselbar „Wuppertal“ machte: nach dem eigenen Führungstreffer bewerfen die den eigenen Torwart und sorgen damit für eine 17minütige Spielunterbrechung. Soviel Dummheit hab ich auch noch nicht gesehen – und das will was heißen, schließlich komme ich aus dieser Gegend! Man lernt halt jeden Tag dazu…

Nach dem Wiederanpfiff kam Fortuna langsam besser nach vorne, aber die Wuppertaler standen noch recht gut hinten drin. Sekunden sind noch bis zum (regulären) Pausenpfiff zu spielen, da fasst sich Marco Christ ein Herz. Wahrscheinlich weiß er nur nicht, wen er gerade anspielen soll, also schießt er dann einfach ins Tor und erzielt mit einem 25-m-Hammer den Ausgleich, allerdings begünstigt dadurch, dass WSV-Keeper Maly (Spitzname: „XXL-Schnitzel“, weil er mit den Jahren doch ein wenig in die Breite geht, wie mir scheint) zu weit vor dem Tor steht und den Ball anscheinend unterschätzt. Vielleicht steht er auch da, um weiteren Wurfgeschossen, der eigenen „Fans“ möglichst weiträumig aus dem Weg zu gehen. Man lässt sich ja nicht gerne abfackeln, und schon gar nicht von den eigenen Leuten. Killed by friendly fire sozusagen. Auf jeden Fall fällt der Ball hinter ihm wie ein Stein runter und passt deshalb noch unter die Latte. 1:1 zur Pause, insgesamt ein eher glückliches Unentschieden für Fortuna.

Nach der Pause nahm sich der WSV selbst aus dem Spiel, als nach einer guten Stunde ihr bester Spieler, Marcel Reichwein, mit Gelb/Rot vom Platz flog. Musste man nicht geben, konnte man aber, dämliches Einsteigen von Reichwein. Noch dämlicher, dass er seine Gelbe Karte in der ersten Halbzeit wegen permanenter Meckerei kassiert hatte, also: selbst Schuld. Unmittelbar danach hatten die Gäste noch die beste Chance des Spiels, als Lejan frei vor Melka auftauchte, dieser aber parieren konnte. Danach sah man von Wuppertal allerdings bis auf einen Angriff, den Cakir in letzter Sekunde vereiteln konnte, genau gar nix mehr, Fortuna drückte aufs Tempo, Trainer Meier wechselte Stürmer für Stürmer, Kadah für den ausgepumpten Jovanovic, um noch mal neuen Schwung zu bringen. Und wie: in der 75. Minute zieht Kadah über rechts in den Strafraum seinem Gegenspieler davon, kurvt in den Strafraum ein und spielt von der Grundlinie den tödlichen Rückpass aus dem 5-m-Raum heraus. Zwar auch ein bisschen in den Rücken von Marco Christ, aber eben nur ein bisschen: Christ setzt den Ball aus der Drehung und ca. 8 m Entfernung rechts oben ins Tor – 2:1, mittlerweile auch verdient. Und da von den Wuppis nichts mehr kommt, wird der Sieg dann doch halbwegs souverän nach Hause gebracht. Mit dem Schlusspfiff setzen gleich zwei Joker noch eins drauf und krönen den Mann der manchmal etwas merkwürdigen Auswechslungen, Trainer Meier, endgültig zum Mann mit dem goldenen Händchen, als sich der für Lawaree eingewechselte Heidinger gegen seinen Gegenspieler durchsetzen kann, alleine aufs Tor zustrebt und dann noch den mitgelaufenen Kadah bedient, der zum 3:1 ins leere Tor vollenden kann. Dies verblüfft wohl auch den Schiri dermaßen, dass er gar nicht wieder anpfeift.

Ein letztlich verdienter, aber sehr mühsamer Sieg in einem Spiel von ziemlich mittelmäßiger Qualität. Allein die Tatsachen, dass man endlich mal so ein „Schweinespiel“ gewinnen und vor allem endlich mal wieder ein Spiel nach Rückstand drehen konnte, ließen ein wenig Optimismus aufkommen. Spielerisch war für Fortuna weiterhin genauso viel Luft nach oben wie in puncto Niveau für einige, die unter dem Deckmäntelchen des WSV-Fans nach Düsseldorf reisten und vor dem Spiel die Sau rausließen. Aber was soll`s? Wurde ja beides nicht bestraft.

Baustelle – Punkte!


Am 15.11.2008 musste Fortuna direkt zur nächsten Baustelle, nach Dresden. Dort wird auch grad das Stadion umgebaut, im Gegensatz zu Union Berlin spielt Dynamo allerdings auch weiterhin in der Baustelle. Und man kann sagen: wenn das Teil mal fertig ist, dann aber hallo! Das wird eins der vielzitierten Schmuckkästchen. Momentan ist es allerdings nur eine riesige Baustelle, in der die Zuschauerkapazität auf etwas über 10.000 Zuschauer beschränkt ist. Die waren aber auch fast alle da, quasi „ausverkauft.“

Und wenn man schon in besagter Baustelle spielt, dann sollte auch die Vorbereitung entsprechend sein. Dachten zumindest einige Dresdner und kredenzten der Fortuna eine lustige Spielvorbereitung: Das Abschlusstraining in Dresden am Abend zuvor war für unsere Spieler nämlich nach 55 Minuten beendet, weil es dunkel wurde und das Licht sich nicht einschalten ließ. Kurz darauf, als die Fortuna im Bus saß, lief eine Jugendmannschaft zum Training auf, und das Flutlicht ging an...Billiger, weil uralter Trick. Die können noch nicht mal über Nacht einen Wasserschlauch „versehentlich“ zum Platzen bringen, wie man es in Emden so unvergleichlich beherrscht…

Wie gesagt, es waren so um die 10.000 Zuschauer im Stadion. Wer auch immer von denen diesen Bericht liest, denjenigen möchte ich nicht zumuten, beim Studium dieser Zeilen und dem dadurch bedingten Erinnerungen an jenes Spiel vor dem Monitor direkt wieder einzuschlafen. Deshalb möchte ich mich ausnahmsweise kurz fassen: In einem ziemlichen Gurkenkick setzte sich die abgeklärtere Mannschaft mit 2:0 durch - kaum zu glauben, dass man so etwas mal über Fortuna schreiben kann. Dynamo war eigentlich mindestens 75 Minuten lang die spielbeherrschende Mannschaft, aber es sprang kaum etwas dabei heraus, Melka musste so gut wie nie eingreifen. Das Chancenverhältnis zur Pause hieß exakt 0:0. Fortuna tat auch nicht besonders viel, wartete ab und verwertete gegen Ende des Spiels clever zwei Standards - auch ziemlich unglaublich, dass man so etwas mal über Fortuna schreiben kann. Nach 75 Minuten Ecke durch Caillas von rechts, Kopfballverlängerung Langeneke, und am langen Pfosten drückte Cakir ebenfalls per Kopf den Ball über die Linie. Etwas noch nie Dagewesenes dann in der 86. Minute: Freistoß Caillas von links und Kopfballtor durch den schönen Claus! Somit das erste Pflichtspieltor von Claus Costa für Fortuna - nach knapp 2,5 Jahren! Na, und wenn schon der schöne Claus trifft, dann kann nu wirklich nichts mehr schief gehen. Ich stelle mir grad vor, jetzt würde der Heidinger auch mal ins Tor treffen. Dann wäre der Himmel die Grenze!

Glanzloser, aber wichtiger Sieg, der Fortuna Platz 3 bescherte, punktgleich mit Union Berlin, aber mit dem besseren Torverhältnis, was nicht verwunderte, da Fortuna das beste Torverhältnis der Liga aufwies.

So, schneller ging`s nicht. Und mehr hatte das Spiel auch nicht verdient. Bis auf eine humorige Anekdote.

Völlig unerwartet schien nämlich während des gesamten Spiels die Sonne, es war ein strahlender Herbsttag. Und was daraus folgte, das zitier ich einfach mal aus der Zeitung:

„Ich habe meine Kappe vergessen und auch nicht gedacht, dass ich derart in die Sonne gucken muss“, erklärt Melka, dass er kurz nach dem Anpfiff wild Richtung Fortuna-Block gestikulierte. „Ich habe bei den Fans eine Kappe angefordert.“ Ersatzspieler Robert Palikuca eilte herbei, ließ sich eine Mütze herabwerfen und reichte sie an Düsseldorfs Nummer 1 weiter.

Allerdings war es keine mit Fortuna-Logo, sondern eine von Liga-Konkurrent Aue. „Dass es eine Kappe von Erzgebirge Aue war, habe ich erst hinterher gehört. Eine witzige Situation.“

Die Auflösung: Fortuna verbindet eine langjährige Fanfreundschaft mit Aue, weshalb auch Anhänger aus Sachsen die Meier-Elf im benachbarten Dresden unterstützten. Mit Anfeuerungsrufen – und einer Kappe für den Keeper.“

Einen herzlichen Dank an dieser Stelle an den edlen Spender für seine Hilfsbereitschaft, die ihm daheim hoffentlich nicht als Aufrüstung eines Liga-Konkurrenten ausgelegt wird. Und das mit der langjährigen Fan-Freundschaft gilt zwar wohl eher nur für einige Fan-Gruppen, und schon gar nicht für das Auer Haupttribünen-Volk, das bei unserem Auftritt dort im September Gift und Galle spuckte. Aber man freut sich ja schon, wenn so etwas mal vorkommt.

Apropos besondere Vorkommnisse: in der Woche nach dem Dresden-Spiel fiel dem DFB auch noch etwas zu den Vorkommnissen gegen Wuppertal ein. Zunächst wurde der WSV bedacht. Hierzu ein Auszug von der Fortuna-Homepage:

„Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat den Wuppertaler SV Borussia für die Vorkommnisse während der Partie bei Fortuna Düsseldorf, die zu einer Spielunterberechung geführt haben, drastisch bestraft. Der WSV wird mit einer Geldstrafe belegt und muss im kommenden Heimspiel gegen Jahn Regensburg die Zuschauerkapazität begrenzen. Die Meldung des DFB im Detail:

Der Wuppertaler SV muss sein nächstes Heimspiel in der 3. Liga unter teilweisem Ausschluss der Öffentlichkeit austragen und zusätzlich 5.000 Euro Geldstrafe zahlen. Mit dieser Strafe ahndete das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Einzelrichter-Verfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss die Vorkommnisse beim Wuppertaler Drittliga-Spiel am 8. November dieses Jahres bei Fortuna Düsseldorf.

Schiedsrichter Christian Leicher (Weihmichl) hatte die Begegnung in der 27. Minute für eine Viertelstunde unterbrechen müssen, weil aus dem Wuppertaler Zuschauerbereich drei Bengalische Feuer auf das Spielfeld geworfen worden waren. Zwei davon waren im Bereich des Wuppertaler Torraums gelandet, eines davon in der Nähe des Torhüters. Zudem waren eine Vielzahl anderer kleinerer Gegenstände auf das Spielfeld geworfen und bereits zu Spielbeginn Rauchbomben und Leuchtraketen im Wuppertaler Block gezündet worden.

Das DFB-Sportgericht hat sein Urteil mit entsprechenden Auflagen versehen: So darf der Wuppertaler SV für sein nächstes Heimspiel am 29. November, 14 Uhr, gegen den SSV Jahn Regensburg nur 1500 Karten an einheimische Anhänger und 500 Karten an Gästefans verkaufen. Die Anhänger aus Wuppertal müssen aus Sicherheitsgründen auf Sitzplatz-Tribünenplätze platziert werden, die Anhänger des Gastvereins in räumlich davon getrennte Sektoren. Gegen das Urteil des Einzelrichters kann binnen 24 Stunden mündliche Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht beantragt werden.“

Was für eine unmenschliche Strafe! 5.000 Euro zahlt deren Präsident noch nicht mal aus seiner Portokasse, dafür zückt der einfach sein Portemonnaie, oder er lässt mal die Pfandflaschen hinter der Geschäftsstelle wegbringen. Und dann diese harte Strafe bezüglich des nächsten Spiels gegen Jahn Regensburg! An dem Wochenende, an dem wir in Dresden spielten, hatte der WSV Heimspiel gegen Unterhaching. Man verlor mit 2:4, und dies sahen genau 2.700 Zuschauer. Obwohl sich die WSV-Fans (also die richtigen, meine ich) vor dem Spiel mit einem Transparent für die Ausschreitungen in Düsseldorf entschuldigten. Obwohl sich die Mannschaft des WSV vor dem Spiel in einem Offenen Brief ebenfalls von den Vorkommnissen distanzierte und alle Wuppertaler bat, zum Spiel gegen Haching ins Stadion zu kommen, um den Chaoten keinen weiteren Raum zu geben. Zweitausendsiebenhundert! Wie viele das wohl gegen Regensburg noch gewesen wären, ganz ohne Sanktionen? Ich glaube, der WSV hat außer dieser Affäre außer eines gewaltigen Imageschadens (aber wie gesagt, wen interessiert das schon? In der eigenen Stadt anscheinend sowieso kaum jemanden) keinen weiteren Schaden davon getragen. Was sie nicht daran hinderte, in Gestalt des Sportdirektors Carsten Pröpper dieses Urteil mal gleich zu kritisieren. War natürlich nur heiße Luft, denn selbstverständlich akzeptierten sie das Urteil im gleichen Moment, hinterließ aber wieder mal einen faden Beigeschmack.

Einen Tag später war Fortuna dran, 6.500 Euro Strafe für mangelnden Ordnungsdienst. Das ist klar, die Heimmannschaft ist immer dran. Und da ist es auch völlig irrelevant, was ein so genannter Sicherheitsbeauftragter des DFB dazu sagt. Ein solches Exemplar befand sich während des Spiels nämlich in der Arena und gab nach dem Spiel zu Protokoll, dass der Sicherheitsdienst bei Fortuna alles Menschenmögliche getan habe, um die Vorfälle im Stadion zu unterbinden. Von diesem Moment an wusste ich, dass es auch für uns teuer wird. Dieselbe Aussage gab es nämlich im letzten Dezember nach dem Spiel RW Essen gegen Fortuna, als einige unserer Blitzbirnen fast ein Spielabbruch provoziert hatten. Der damalige Sicherheitsbeauftragte sagte Selbiges damals nach dem Spiel, und der DFB lachte ein bisschen und brummte RWE 40.000 Euro Strafe auf, die nach Protest auf auch nicht allzu knappe 15.000 Euro reduziert wurden. Wie weiter oben schon geschrieben, was Leute sagen, die in einem Stadion sind und nicht zuhause vorm Fernseher sitzen, interessiert beim DFB anscheinend niemanden. Vielleicht war es auch damals wie heute derselbe Sicherheitsbeauftragte, und der wird nicht ganz Ernst genommen oder hat irgendjemandem vom DFB-Sportgericht mal die Freundin ausgespannt. Anders ist so etwas fast nicht mehr zu erklären.

Es war also klar, dass die Strafe kommen würde, allerdings stimmt da doch das Verhältnis nicht mehr. 6.500 für uns, 5.000 für Wuppertal? Plus die Zuschauerbeschränkung gegen Regensburg, die die Wuppertal vielleicht 1.000 Fans kosten wird, wenn überhaupt? Da ist die Verhältnismäßigkeit so weit verschoben, dass man meinen könnte, beim DFB vermute man, dass es Düsseldorfer waren, die sich in den Wuppertaler Fan-Block geschmuggelt hätten.

Interessant ist daran auch, dass der DFB weiß und auch selbst zur Kenntnis bringt, dass solche Vorfälle auch vom besten Ordnungsdienst der Welt nicht ausgeschlossen werden können, den Gastgeberverein aber selbst dann abkassiert, wenn der eigene Sicherheitsmann vor Ort sagt, dass man alles versucht hat. Somit kann das wohl getrost unter die Rubrik „Abzocke“ verbuchen, indem etwas bestraft wird, von dem der Bestrafer genau weiß, dass es nicht zu verhindern ist. Würde mich daher nicht wundern, wenn dies schon ein fester Posten im Haushaltsplan des DFB wäre…

One-Night-Stand an die Spitze

Am Freitag, den 22.11.2008 kam nicht nur Eintracht Braunschweig zum Gastspiel in die LTU-Arena. Passend dazu kam auch gleich der Winter mit. Ich befand mich am Mittag vor dem Spiel im Bergischen Land, als mich dort etwas erwischte, das ich eigentlich nur noch als „Blizzard“ bezeichnen kann, Schnee, Orkanböen, fliegende Äste, umkippende Baustellenbegrenzungen. Sofort disponierte ich alles um und verließ diese nicht grad gastfreundliche Gegend in Richtung Düsseldorf, bevor in meiner alten Heimat das Chaos ausbrechen würde, was kurz darauf auch der Fall war (über 300 Feuerwehr- und Polizeieinsätze allein in diesem Gebiet). Dadurch war ich natürlich schon am frühen Nachmittag an der Arena und verkürzte mir die Zeit durch eine Fahrt in die Altstadt. Dort bot sich mir leider auch kein anderes Bild, Sturmböen, die die Schilder und Stehtische der jeweiligen Kneipen durcheinander wirbelten, Hagelschauer, dazwischen ein kleines Gewitter, bei dem es so heftig rummste, dass ein Einschlag in der Nähe zu vermuten stand – Opa hätte in ganz anderen Erinnerungen geschwärmt, weiter östlich, glaube ich. Es war ein Wetterchen, bei dem man seinen Hund nicht vor die Tür gejagt hätte.

Da dies jedoch am Tag zuvor schon im Wetterbericht angekündigt worden war, ließ man es in der Arena ordentlich rappeln, sprich: man machte das Dach zu. Ich fand es zwar nicht unbedingt wärmer dadurch, aber wenigstens war der Rasen ordentlich zu bespielen. Und so schafften wir an jenem Abend, völlig unbeeindruckt vom Verkehrschaos direkt vor der Haustür (Sperrung der Rheinuferstraße nach schwerem Unfall), den erstmaligen Sprung an die Tabellenspitze. Wenn auch nur für eine Nacht, aber deshalb fühlt es sich ja nicht weniger gut an. 2:1 gegen Eintracht Braunschweig vor knapp 14.000 Zuschauern.

Die Fortuna startete gut in die Partie, versuchte durch schnelles Spiel nach vorne die tief stehende Braunschweiger Abwehr zu überwinden und das frühe Tor zu erzielen. Und es gelingt bereits in der 7. Minute, als Cebe den Verstolperer eines Braunschweigers im Mittelfeld für eine schöne Steilvorlage per Kopf nutzte und den Ball in den Lauf von Jovanovic spielen konnte. Zwei Verteidiger waren nicht in der Lage den Stürmer zu halten, und der schlenzte an Gästekeeper Fejzic zum 1:0 ein. Man konnte sich glatt an das Spiel gegen Offenbach erinnert fühlen. In der Folgezeit übrigens auch, denn wie schon gegen die Hessen, so gab die Fortuna auch gegen die Eintracht die Partie relativ zügig aus der Hand. Man überließ dem Gegner das Mittelfeld, spielte nur noch lange Bälle nach vorne und zeigte deutliche technische Schwächen bei Ballannahme und Passspiel. Der Gegner merkte dies und kam nach und nach besser auf. Nach 24 Minuten hatten sie die Riesen-Gelegenheit zum Ausgleich, aber den abgefälschten Freistoß konnte Schlussmann Melka, bereits in die falsche Ecke unterwegs, mit einem sensationellen Reflex noch klären. Auch in der 38.Minute war Melka zur Stelle und konnte den Ausgleich verhindern, als er einen Volleykracher von Kruppke abwehren konnte. Zwei Minuten später aber dies: an der Mittellinie nimmt Benjamin Fuchs den Ball an und marschiert nach vorn. Niemand fühlt sich bemüßigt, ihn anzugreifen, zumal er die Kugel relativ freiwillig wieder hergibt: aus gut 30 Metern knallt der einfach mal drauf. Die Kugel fliegt Richtung linkes Eck (vom Schützen aus), Melka macht die entsprechenden Schritte dorthin – und bleibt auf halbem Wege einfach stehen. Dafür hat er dann aber auch den Platz in der ersten Reihe der „Etwas-ungläubig-Gucker“, als der Ball links oben im Eck einschlägt. Da hat sich unser Keeper wohl etwas verschätzt, warum sollte er sonst plötzlich stehen bleiben, wenn nicht aus dem Grunde, dass er den Ball am Tor vorbei fliegen sieht? Der Ball tat es leider nicht und Fortuna-Trainer Norbert Meier nannte den Ausgleich anschließend „folgerichtig“. Mit dem 1:1 ging es auch in die Pause, obwohl direkt nach dem Ausglich wieder einmal Ahmet Cebe, in letzter Zeit ein wenig neben sich stehend, die erneute Führung auf dem Fuß hatte: nach herausragendem halbhohen Anspiel durch Jovanovic schaffte er es jedoch, den Ball völlig freistehend per Volleyschuss aus ca. 8 m „meilenweit“ über das Tor zu setzen. In puncto Großchancen vergeben dürfte er damit allmählich alleiniger Spitzenreiter in der Mannschaft sein…

Die zweite Halbzeit begann für die Fortuna optimal. Drei Minuten sind gespielt, da lässt sich Olivier Caillas mal wieder erweichen, ein bisschen was von dem Genius auszupacken, den er ab und zu im Füßchen hat. Ein traumhafter Pass, genau im richtigen Moment, an den Sechzehner auf Axel Lawarée, der steht nicht im Abseits, stoppt das Ding in aller Ruhe und hebt über den heraus eilenden Torwart zum 2:1 ins leere Tor. Ein schöner Auftakt.

Danach lebte das Spiel eigentlich nur noch vom Kampf, und, um es positiv auszudrücken, es verlagerte sich mehr in die Mitte des Spielfeldes. Die Gäste aus Niedersachsen blieben zwar stets gefährlich, hatten allerdings eigentlich nur noch eine dicke Chance, aber was für eine: in der 58. Minute Flanke in die linke Strafraumhälfte, da steht der Pfitzner völlig frei und nimmt die Kugel direkt aus der Luft, scheitert aber erneut an Keeper Melka, der mit einer sensationellen Fußabwehr klären kann. Gegen Ende der Partie schienen die Kräfte auf beiden Seiten nachzulassen, Jovanovic und Caillas verpassten es, ihre jeweiligen Sololäufe auch entsprechend abzuschließen, Braunschweig versuchte zwar alles, biss sich aber an unsere starken Innenverteidigung die Zähne aus, und daher hielt das Ergebnis bis zum Ende. Das hätte ich eine halbe Stunde zuvor noch nicht geglaubt, zu viele Fehler waren im Spiel, ich hatte fest damit gerechnet, dass wir das Spiel nur würden nach Hause schaukeln können, wenn wir einen dritten Treffer nachlegen. So kann man sich täuschen. Am Ende waren alle platt wie die Flundern, aber die drei Punkte unter Dach und Fach. Und nebenbei war man für eine Nacht Tabellenführer! Am Samstag siegte Paderborn erwartungsgemäß 4:0 gegen den VfR Aalen und übernahm die Spitze wieder, mit jetzt 35 Punkten. Fortuna ist Zweiter mit 32 Punkten, punktgleich, aber in der Tordifferenz einen Treffer besser als Union Berlin auf Platz 3. Die hatten auch ein apartes Erlebnis hinter sich, sie gewannen gleichzeitig mit uns am Freitagabend mit 2:0 in Regensburg. Dies ist an sich nichts Ungewöhnliches, schon eher allerdings, dass in dieser Partie in der ersten Hälfte drei Elfmeter verschossen wurden, zwei für Regensburg, einer für Union. Warum so einfach, wenn es auch kompliziert geht? Am selben Abend wurden unsere 17 Minuten Spielunterbrechung aus der Partie gegen Wuppertal eingestellt, in Erfurt hatte man eine Unterbrechung derselben Dauer im Spiel gegen den VfB Stuttgart II, allerdings verlor man dort den Überblick nicht aufgrund irgendwelcher Rauchschwaden sondern weil es wie bekloppt schneite. Als das Unwetter nachließ, spielte man das Spiel zu Ende und Erfurt gewann 1:0. Um einen Spielabbruch aufgrund der Witterung kam man also erfolgreich herum.

Vierter in der Tabelle ist Kickers Emden mit 31 Punkten, die können allerdings noch vorbei ziehen, denn sie haben ein Spiel weniger. Ihre Partie gegen Bayern München II wurde wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt. Das erstaunt natürlich Laien wie mich ein wenig, ich hielt den Platz der Emder in bisher allen Gelegenheiten, zu denen ich dort sein durfte, für unbespielbar, egal welche Jahreszeit. Und auch die Erklärung der Emder Geschäftsstelle, es befänden sich große Wasserpfützen auf dem Platz, die eine Austragung des Spiels unmöglich machen würden, lässt mich fragend zurück, denn zu anderen Gelegenheiten lässt man dort ja durchaus mal „zufällig“ einen Schlauch platzen, um in Spielen bei 28 Grad im Schatten genau diese Wasserpfützen zu zaubern. Schon manchmal merkwürdig, dieses Premiumprodukt 3. Liga …

Ach was soll`s, heute wollen wir fröhlich gestimmt sein. Die Vorweihnachtszeit beginnt, und wir stehen sehr ordentlich da. Was eigentlich ziemlich verwundert, denn die Leistungen ließen in den letzten Wochen doch ziemlich nach, was allerdings auch nicht verwundern sollte, die Truppe marschiert langsam auf dem Zahnfleisch. Der Kader ist ja eh schon ziemlich klein in dieser Saison, hinzu kommt eine wirklich unglaubliche Verletztenliste, wie ich es in den letzten Jahren selten gesehen habe. Aktuell ist unser Kapitän Andreas Lambertz, wie bereits geschrieben, erneut außer Gefecht gesetzt, hat kaum die Hälfte aller Spiele mitmachen können. Stürmer Kenan Sahin fehlt seit Wochen ebenso verletzt wie Mittelfeldspieler Oliver Hampel, von Stürmer Bekim Kastrati wollen wir mal gar nicht reden. Immerhin saß der beim Braunschweig-Spiel zum ersten Mal in dieser Saison wieder auf der Bank. Ich hoffe, er hat sich beim Abgang aus dem Innenraum nicht wieder irgendwas gezerrt. Auch Bruno Custos und Henri Heeren sind nicht einsatzbereit, gegen Braunschweig spielte Jovanovic stark grippegeschwächt, als er ausgewechselt wurde, war er stehend k.o. Wir haben in diesem Jahr wirklich nix zu lachen. Wollen wir hoffen, dass die Truppe bis Weihnachten durchhält.

In der Vorweihnachtszeit kommen ja auch immer die erste Wechselgerüchte auf, schließlich naht die Winterpause und mit ihr die Öffnung des Transferfensters, um noch ein bisschen frischen Wind in die Ligen zu blasen. Und so liest man in letzter Zeit ja auch die erstaunlichsten Sachen: Sascha Rösler zur Fortuna, Lukas Podolski heim zu Mutti, Diego zu Sarah Connor und so weiter. Ich persönlich hätte nichts gegen Rösler, vorausgesetzt, er ließe mit seinem ganzen Ärger auch gleich seine Gehaltsvorstellungen in Mönchengladbach zurück. Oder aber es käme, ganz weihnachtlich, noch der eine oder andere Gönner plötzlich aus dem Mittelfeld der Anhängerschaft gestürmt und würde uns den Spieler quasi passend zu den festlichen Tagen einnetzen. Auf eine hübsche Verpackung darf dann auch gerne verzichtet werden.

Aber bis sich noch etwas in Sachen Neuverpflichtungen tun kann oder unsere Spieler mal in Ruhe ihre Wehwehchen auskurieren können, haben wir noch ein schweres Programm. Nächste Woche geht es zu Carl Zeiss Jena, wo wir unserem Ex-Torwart Carsten Nulle gerne die Bude vollhauen würden, wenn der nicht grad top in Form und Jena allgemein auf dem aufsteigenden Ast wäre. Aber wird werden es versuchen. Danach kommt zum letzten Heimspiel des Jahres der VfR Aalen in die LTU-Arena, dann schon mit Jürgen Kohler als Sportdirektor (vom Trainerjob ist er letzte Woche auf ärztliches Anraten zurückgetreten) und Petrik Sander als neuem Coach, zwei Betonmischer vor dem Herrn, eine ziemlich unangenehme Aufgabe. Und zum Jahresabschluss gibt es noch zwei Auswärtsspiele: zunächst geht es zum letzten Vorrundenspiel auf den verfluchten Nebenplatz 11 nach Bremen. Die sind derzeit Tabellenletzter, man könnte also meinen, die Chance, dort endlich, endlich, endlich mal zu gewinnen, könnte größer nicht sein. Ich bin da skeptisch, sechs Fahrten dorthin haben es mir tief ins Hirn eingepflanzt, dass die stehen können, wo sie wollen, wir lassen trotzdem immer die Punkte dort. Sollte diesmal ein Sieg für die Fortuna heraus springen, wäre ich versucht, vor Freude gleich alle Trainingsplätze zu umrunden, die ihr Dasein im Schatten des Weserstadions neben Platz 11 fristen. Aber hey, seh ich aus wie der Goldmedaillengewinner im Marathon? Das sind nämlich so ca. 20 Stück. Und ich will ja auch irgendwann mal wieder nach Hause…

Als letztes Spiel vor der Winterpause dann noch ein echtes Highlight, Beginn der Rückrunde mit dem Spiel beim aktuellen Tabellenführer SC Paderborn, erstmals in deren neuer Spielstätte, der paranoid-arena, oder so ähnlich. Da wäre noch eine Rechnung vom Hinspiel offen, welches wir 1:4 vergeigt haben. Aber so etwas sollte man sich nicht explizit vornehmen, das geht dann meist in die Hose. Außerdem ist Weihnachten das Fest der Nächstenliebe, da muss es Kompromisse geben. Und deshalb hätte ich ganz nächstenlieb gar nichts dagegen, wenn wir dort nur 1:0 gewinnen würden. Ja, so bin ich!

Ob`s geklappt hat oder nicht, davon lest ihr beim nächsten Mal. Bis dahin erst einmal viel Spaß mit gepanschtem Glühwein, giftstoffbelasteten Bratwürstchen und gemieteten Weihnachtsmänner von der Studenten-Zeitarbeit. Oder was man sonst so hierzulande „Vorweihnachtszeit“ nennt…

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…und ausnahmsweise (noch?) nicht der Baum, säuselt: janus