von Janus, 22.9.2008

 

Spieltag 4 bis 7

Eine neue Folge im Premiumprodukt des DFB. Vier weitere Runden sind gespielt, Fortuna eher durchschnittlich, aber mit Tendenz nach oben. Es sieht oft nicht schön aus, ist aber manchmal wenigstens effektiv, was die Truppe derzeit so abliefert. Wobei mit „die Truppe“ wirklich der komplette Kader gemeint ist, denn eins muss man angesichts von Sperren und Verletzungen jetzt schon sagen: wir geben wirklich jedem eine Chance! Vielleicht sollte ich doch mal meinen uralten Spielerpass suchen, die Chancen auf einen Einsatz standen noch nie so gut wie derzeit. Aber eventuell ist ja doch etwas Entspannung in Sicht. Und immerhin: nach dieser Zusammenfassung kennt wohl jeder den kompletten Kader der Fortuna...

Vor dem vierten Spiel gab es personell noch etwas Neues: man gab Marek Klimczok in die Regionalliga zum 1.FC Kleve ab, wo er prompt in der ersten Partie direkt ein Tor erzielte; nun konnte ein neuer Spieler her. Es wurde Bruno Custos, Franzose mit Harald-Katemann-Gedächtnis-Einwürfen, auf der rechten Seite vielfältig einsetzbar. Er kam aus Unterhaching und seine erste Aufgabe dürfte es gewesen sein, dem Trainer erst mal detailliert über seine alten Kumpel zu berichten. Denn der Gegner im nächsten Spiel am 23.08.08 in der LTU-Arena hieß – SpVgg Unterhaching.

Nullnummer gegen Bobfahrer


Als sich eine halbe Stunde vor dem Spiel auch noch Axel Lawaree verletzt abmeldete (neben Lambertz, Palikuca, Heidinger, Kastrati und meinetwegen auch noch Heeren), wäre ich mit einem Punkt nicht unzufrieden gewesen, im Nachhinein muss man sagen, da war mehr drin. Gute Leistung dieser personell doch arg gerupften Truppe gegen enttäuschende Hachinger, die größtenteils nur mauerten und zeitweise wüst um sich traten. In der 1. Hälfte hätte Fortuna in Führung gehen können, Marco Christ traf mit einem Freistoß nur dem Pfosten, Sahin hatte drei sehr gute Chancen, Kadah, der etwas blasse Lawaree-Ersatz, eine, und auch Christ hatte mit einem 20 m-Schuss nochmals Pech. Von Haching rein gar nix zu sehen, der erste Torschuss exakt in der 30. Minute, und der war auch noch ein Kullerball.

So ab der 60. Minute gedachten die bislang ungeschlagenen Bayern auch mal ein wenig mitzuspielen, hatten allerdings bis zum Schluss eigentlich nur eine gute Chance durch einen strammen Fernschuss von Schweinsteiger, aber Melka konnte hervorragend parieren. Wie gesagt: bis zum Schluss...Fortuna nach vorne nicht mehr ganz so druckvoll, auch mit weniger guten Chancen, aber immer noch klar tonangebend. Drei Minuten vor dem Ende hatte der eingewechselte schöne Claus noch die Riesenchance zum goldenen Tor für Fortuna, aber er schoss am 5-m-Raum einen Verteidiger an.

Und dann kam der bereits erwähnte Schluss. Denn in der 90. Minute hätte Haching fast noch den unverdienten Lohn kassiert, als wiederum Schweinsteiger völlig alleine auf Melka zu kurvte, nachdem der schlechteste Mann auf dem Platz, Schiri Gagelmann, ein klares Foul an Fortunas Neuzugang Custos (Mitte der 2. Halbzeit ebenfalls eingewechselt) „übersehen“ und Haching dadurch erst den Konter ermöglicht hatte. Aber Melka konnte auch hier großartig parieren und den Punkt retten. Im Endeffekt wohl eher zwei verschenkte Punkte gegen Münchner Langweiler, die man gegen Ende der Partie aber immer im Auge behalten musste. Bestnoten von mir für den abgeklärten Sieger und den erstaunlich sicheren Walbaum, der immer besser wird. Eine glatte „6“ für Hachings Keeper Kampa, der außer fliegen (und dabei zugegebenermaßen den ein oder anderen Ball abwehren) genau gar nix drauf hatte, keine Flanke konnte der fangen, und der Fuß scheint sein natürlicher Feind zu sein, wenn es darum geht, das Spielgerät vom Tor wegzubefördern. War natürlich schade, dass Fortuna nicht mehr aufs Tor brachte, aber wie ist solch eine Krampe eigentlich mal in die 1. Liga gekommen?

Eine noch wohlwollend bewertete „7“ für Bundesliga-Schiedsrichter Gagelmann, der mal wieder seine Linie durchzog: den Gegner von hinten umgrätschen, das ist internationale Härte, den Schiri böse angucken, das ist Gelb, und die Linienrichter sind eh nur Staffage, auf die man nicht achten muss. Es ist wirklich unglaublich, was der sich jedes Mal rausnehmen darf. So ließ er dreimaliges Hachinger Grätschen von hinten unbeachtet, ehe er sich mal zu Gelb bequemte, zeigte Tyce nicht Rot, als der gegen Walbaum nachtrat, zeigte Fink und Caillas nicht Gelb/Rot und Rot, als Fink wieder mal von hinten foulte und Caillas im Fallen nachtrat. Dafür gab es Gelb für Christ, der sich bei einem Freistoß für Fortuna beschwert hatte, dass Gaga einen klaren Vorteil abgepfiffen hatte und Gelb/Rot für Hachings Vilar, als der aufgrund eines Platzfehlers vor des Schiris Füße stolperte, was dieser wiederum als Schwalbe auslegte. Mit anderen Worten: eine wieder mal souveräne Leistung, die den DFB sicherlich dazu ermutigen wird, Herrn Gräfe, äh, Gagelmann bald auch mal international anzumelden. Zum Kotzen, diese Selbstdarsteller aus der 1. Liga...

Ach ja: 10.000 Zuschauer, fand ich persönlich ganz ordentlich. Aus Haching waren keine 100 am Start, dafür aber gefühlt jeder zweite mit einer eigenen Fahne. Also einer Bayern-Fahne, nicht Haching (und auch nicht Schnaps, so weit ich das beurteilen konnte). Und sorry, Jungs, auch wenn ihr euch schon längst im deutschen Fußball etabliert habt, auch wenn unsere Abwesenheit aus der 1. Liga schon länger währt als eure, auch wenn ihr dort an einem letzten Spieltag mal bundesweite Aufmerksamkeit bekamt – ich muss trotzdem immer noch lachen, wenn ich euer Vereinswappen sehe. Mag ja sein, dass der Bobsport das Erfolgreichste ist, was Unterhaching je hervor gebracht hat – aber auch nach so vielen Jahren erschließt sich mir nicht wirklich, was ein Bob in eurem Wappen zu suchen hat. Heißt der Verein mit dem Bob im Wappen nicht Spielvereinigung? Na dann, weiterhin viel Spaß weiterhin beim Bobspiel...

Keine Sandburgen in Sandhausen

Am Sonntag, den 31.08.08, musste Fortuna beim SV Sandhausen antreten. Eine Spielverlegung, die mir sehr zupass kam. Am Samstag zuvor hatte ich einen unaufschiebbaren Termin, am Montag morgen um 3.20 Uhr startete ich vom Flughafen Köln/Bonn in den Urlaub. Da passte eine Tour nach Sandhausen ja noch genau dazwischen.

Für diejenigen, die es noch nicht wussten: Sandhausen liegt in der Nähe von Heidelberg, über die A 5, Ausfahrt Walldorf/Wiesloch, recht fix zu erreichen. Nach der Autobahnausfahrt zweimal links, und man fährt genau drauf zu. Biegt man an der zweiten Kreuzung nicht links ab, sondern fährt geradeaus, kann man fünf Minuten später bei der SAP vorfahren und Herrn Hopp mal persönlich sagen, was man von seiner TSG Hoffenheim hält. Eine hochinteressante Gegend also.

In die die erste Mannschaft von Fortuna auch zum allerersten Mal fuhr, ein Pflichtspiel SV Sandhausen – Fortuna Düsseldorf gab es zuvor noch nie. Einzig die Zweitvertretung der Fortuna musste vor vielen Monden schon einmal gegen Sandhausen antreten – dies allerdings sehr erfolgreich, denn durch ein 2:2 und 1:0 gegen die Sandhäuser (ich hab mich bei Einheimischen erkundigt, die Bezeichnung stimmt) wurde Fortunas Zwote im Jahr 1977 Deutscher Amateurmeister, eine Ausspielung, die 1998 abgeschafft wurde. Dieser Triumph ist im Badischen selbstverständlich unvergessen. Es war klar, dass man auf Rache sinnen würde, war ja kaum 31 Jahre her. Und das bei unseren Fans, die ja als Auswärts-Vandalen bekannt sind! Das konnte doch nur schief gehen! So dachte man es sich jedenfalls augenscheinlich beim DFB, dem Fachorgan für uralte Ansichten, und setzte das Spiel als „Risikospiel“ an. Das weigerte sich mein Verstand zunächst, zu glauben, aber die Antwort der ebenfalls angesäuerten Sandhäuser von deren Geschäftsstelle ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:

„Das Spiel am Sonntag wurde als Gefahrenspiel eingestuft. Wir möchten darauf hinweisen, dass - entgegen einiger Meinungen in diversen Foren - die Risikoeinstufung einzelner Begegnungen vom DFB und nicht von der Polizei oder des SV Sandhausen ausgeht. Es tut mir leid, aber die anreisenden Fans müssen gleich nach der Ankunft in ihre Blöcke C bzw. D2. Ein gemeinsames Treffen in Biergärten oder Restaurationen im Stadionumfeld ist nicht möglich. Ich würde raten, evtl. an einer Autobahnhaltestelle (z.b. Hemsbach, dort ist auch ein MD) einzukehren. Zur Anreise mit der S-Bahn gibt es folgende Änderung: Die S3 erhält einen zusätzlichen Wagon, so dass die Bahn längenbedingt in St.Ilgen-Sandhausen nicht halten kann/wird. Der Zug wird zum Bahnhof nach Wiesloch fahren und von dort aus stehen Shuttlebusse zur Verfügung. Die Buslinie 720 wird aus der Anfahrtsbeschreibung ganz herausgenommen, da die Hauptstrasse gesperrt ist und der Bus nicht zum Stadion fahren kann. Die IC/ICE-Zugfahrer müssen bitte mit der S3 nach Wiesloch fahren und dort in die Shuttlebusse steigen. Das sind viele nicht so gute Nachrichten. Ich hoffe aber, dass es ein gutes und stimmungsvolles Spiel wird. Sollte sich nochmals was ändern, melde ich mich. Wir freuen uns riesig auf euch!

SVS-Geschäftsstelle, Frau Ingrid Gebert, Leiterin GS, Presse und Marketing“

Wie man sieht, ist man in Sandhausen genauso begeistert wie bei uns von der neuen Aufmerksamkeit, die einem das Premiumprodukt 3. Liga verschafft...

Natürlich hatten die Sandhäuser an jenem Nachmittag Zahltag, es waren 5.200 Zuschauer im Stadion, ansonsten haben die wohl so um die 3.000. Und natürlich ist das Stadion klein, idyllisch im Wald gelegen und es gibt nur eine einzige Zufahrtsstraße dorthin. Aber reicht das aus, um mal eben ein Risikospiel daraus zu machen? Die hieraus resultierenden Einschränkungen wurden natürlich voll durchgezogen, sowohl für die Bahn- als auch für die Autofahrer. Ich als Beifahrer gehörte zu den Letzteren. Als wir nach der oben erwähnten zweiten Abbiegung geradeaus auf der Landstraße dahin düsten, war diese plötzlich zu Ende. Nein, sie endete nicht im großen badischen Nichts, auch hatte Herr Hopp, dem Presse und gegnerische Fans ja mittlerweile alles zutrauen, dort kurzerhand binnen sieben Tagen das nächste Trainingszentrum aus dem Boden gestampft, die Straße war schlichtweg durch die Polizei gesperrt worden. Ankommende Wagen wurden nach links auf die „Sandhäuser Höfe“ abgeleitet, das sind noch im Bau befindliche Parkflächen aus Sand, Kies und Schotter, auch recht idyllisch zwischen Maisfeldern gelegen. Da es an jenem Tag sehr warm war, stand dort die Luft durch den aufgewirbelten Staub wie eine Eins. Und wen das noch nicht ins Schwitzen brachte, der hatte immerhin noch einen ca. 20minütigen Fußmarsch zum Stadion vor sich, um in transpiratorische Wallung zu geraten. Allerdings wurde der Anmarsch doch ein wenig unterhaltsam gestaltet durch den Blick auf die „Teufelsparker“, die von der anderen Seite der Straße bis zum Stadion vorgedrungen waren (dort hatte die Polizei nicht abgesperrt), und die Stoßstange an Stoßstange mit zum Teil gefährlicher Schräglage zum Straßengraben hin aneinander standen. Es war schon mächtig was los. Vor dem Stadion angekommen, musste ein kritischer Test absolviert werden: ein Sandhäuser Fan hatte sich zuvor im Fortuna-Forum gemeldet und u.a. die dortige Feuerwurst hervor gehoben. So etwas lasse ich mir als bekennender Fan der Mannheimer Feuerwurst natürlich nicht zweimal sagen! Bzw. eigentlich doch, denn rätselhafterweise musste man vor dem Erwerb von Grillgut erst die klingende Münze in Essenmarken umsetzen. Das ist mir wirklich neu in einem Fußballstadion. War das auch Auflage der Polizei oder wurde der Caterer von einem Sommerfest eingekauft? Na egal, auch dies gelang, und ich muss sagen – jawohl, schmeckt sehr gut! Da es sich bei diesem köstlichen Imbiss jedoch um eine Mettwurst handelt, ergibt sich dennoch nur Rang 2 in meiner persönlichen Würstchen-Hitparade (* grummel *, wollte noch „Charts“ schreiben, ich werde echt langsam alt...). Eine schöne Idee darüber hinaus, als „Gastmahl“ rheinische Senfrippchen anzubieten. Mein persönlicher Fall ist das Zeug nicht, aber man sieht, dass auch Sandhausen alles andere als ein Risikospiel erwartete. Natürlich ist das Stadion etwas kleiner, knapp 10.000 Leutchen passen rein, wenn man hinter der Haupttribüne aufs Klo wollte, musste man den Bereich komplett verlassen, denn die Toiletten befanden sich hinter einem Zaun. Die einzige Örtlichkeit in der Tribüne war für die Spieler bestimmt, so die Auskunft eines freundlichen Ordners. Sei’s drum, solange sie einen wieder reinlassen, und das taten sie.

Neben dem gelungenen Ambiente gab es ja leider noch das Spiel. Nachdem Sandhausen im Heimspiel zuvor Paderborn 4:0 abgebügelt hatte, war eigentlich jedem klar, dass die nicht auflaufen würden, um mit unserem Team Sandburgen zu bauen. Stattdessen guckten sie zu. In der ersten Hälfte war Fortuna nämlich eigentlich die tonangebende Mannschaft, die klar mehr vom Spiel hatte und sich auch entsprechende Chancen erarbeitete. Oder um, ganz ohne rot-weiße Vereinsbrille, den Sandhäuser Trainer Gerd Dais nach dem Spiel zu zitieren: „Wir haben die ersten 45 Minuten mit Glück und Können überstanden.“ Kann man so unterschreiben. Sie machten hinten halbwegs ordentlich dicht, und wenn die Unsrigen mal durchkamen, hatten sie das Glück, dass wir wieder mal nicht zum Toreschießen angereist waren. Wie auch, wenn Axel Lawaree fehlte, im jetzigen Saisonabschnitt so ziemlich der einzige Stürmer, der so etwas wie Torgefahr verbreitet. Denn die Chancen, die waren wieder da, vornehmlich für Kenan Sahin, der jedoch, genau wie gegen Unterhaching, Möglichkeiten versiebte wie nix Gutes. Beim Glanzstück fortunistischen Unvermögens, den Führungstreffer zu erzielen, hatte er zudem noch Pech: in der 22. Minute nahm Cebe seinem Gegenspieler links auf der Torauslinie den Ball ab, den dieser ungeschickt ins Aus trudeln lassen wollte, und bediente Sahin mustergültig, und da konnte man doch wohl erwarten, dass der Stürmer aus kurzer Distanz völlig frei stehend treffen würde. Tat er auch – und zwar den Pfosten.

Dies wäre im Gegenzug fast bestraft worden, bei der einzigen echten Chance der Gastgeber in den ersten 45 Minuten war Melka bereits geschlagen, als Haas einen Ball zu einem Mitspieler köpfte, doch Langeneke ging dazwischen und konnte den wohl sicheren Rückstand verhindern. So ging es mit einem 0:0 in die Pause, das für die Hausherren doch recht schmeichelhaft war.

Pling! – Das war der Euro ins Phrasenschwein für den nun folgenden Spruch „Wenn man vorne die Tore nicht macht, darf man sich nicht beschweren, wenn es dann hinten einschlägt.“ Denn genau so kam es in der 2. Halbzeit, und zwar ohne dass es dazu einer besonderen Steigerung der tapfer kämpfenden, aber doch recht biederen Hausherren bedurfte. Die hatten einfach etwas, das schon traditionell eine Schwachstelle bei uns ist: Standardsituationen. Freistoß Mintzel, Kopfball Beisel, 64. Minute – 1:0; Freistoß Grgic, direkt ins Tor, 78. Minute – 2:0. So leicht geht das. Von Fortuna außer einem korrekterweise nicht gegebenen Handtor von Sahin nichts mehr zu sehen, mit zwei Ausnahmen, und die waren nicht gerade geeignet, das Spiel noch zu unseren Gunsten zu wenden: in der 74. Minute wurde Youngster Marcel Gaus eingewechselt und benötigte exakt sieben Sekunden und null Ballkontakte, um sich Gelb abzuholen. Mal sehen, wann dieser Rekord gebrochen wird. Hiervon augenscheinlich inspiriert, verabschiedete sich Fabian Hergesell in der 83. Minute mit Gelb/Rot nach wiederholtem Foulspiel und vermehrte somit den „Schatten-Kader“ derjenigen, die Trainer Meier im nächsten Spiel nicht zur Verfügung stehen würde. Die konnten gegen die letzten Aufrechten im Training bald schon Elf gegen Elf spielen. Wenn wir denn 22 Mann im Kader hätten...

Auf jeden Fall, mit diesem Platzverweis war das Spiel dann durch, und Fortuna verlor 0:2 beim SV Sandhausen – letztlich nicht unverdient, aufgrund des oben getätigten Phrasenschwein-Spruchs, aber auch, weil nach dem Rückstand wieder mal gar nichts kam. Und auch der Schiri trug sein Scherflein dazu bei, unser alter Kumpel Thorsten Schriever aus Otterndorf war an der Pfeife, bei dem hab ich eh immer ein mulmiges Gefühl. Er pfiff eigentlich gar nicht schlecht, aber dann wurde es ihm anscheinend zu warm, und er wollte das Spiel wohl vorzeitig entscheiden, um eine hektische Schlussphase zu vermeiden. Dies gelang ihm glänzend: die Entscheidung auf Freistoß für Sandhausen in der 78. Minute, schön mittig, 20 Meter vor dem Fortuna-Tor, war nämlich dermaßen albern, dass es die Sandhäuser Rentner vor mir vor Lachen aus den Sesseln haute. Schön, wenn man dann gleich weiter strahlen konnte, als Grgic die Kugel humorlos im linken Eck versenkte. Naja, ansonsten hätten wir wohl 0:1 verloren, was soll’s. Trotzdem immer wieder ärgerlich.

Und wieder insgesamt 500 km für lau abgerissen. Erheiternd wirkte auf dem Rückweg wenigstens, dass in einem Auto vor uns in der Warteschlange, um aus der Agrarwirtschaft wieder auf die Landstraße zu gelangen, die Zeit damit überbrückt wurde, das angrenzende Möhrenfeld abzuernten und so für einen kleinen Snack während der Rückfahrt zu sorgen. Auch das Hinweisschild „Frische Kartoffeln, 4. Hof rechts“ an der Kreuzung machte deutlich, von wo wir gerade kamen. Richtig Schwung kam auf der Rückfahrt dann noch kurz vor dem Ende, als auf der A 61 ein 18 km langer Stau zwischen Niederzissen und dem Kreuz Meckenheim gemeldet wurde. Wir schafften gerade noch so die Abfahrt in Niederzissen, während 50 Meter vor uns das Stauende stand, und fuhren anschließend über Niederzissen, Königsfeld, Bad Neuenahr, Dernau und Esch (oder so) zum Kreuz Meckenheim und zur A 565. Hierbei konnte außer viel Land auch ordentliches Weinberg-Sightseeing durchgeführt werden, nebst drei Weinfesten mit Tanz und Gesang in den Dörfern, die wir durchquerten. Danach konnte ich mit Fug und Recht sagen: gut, dass ich anschließend in Urlaub fuhr...

Ohne Pfiff gegen die Domspatzen


In der folgenden Woche karrte ich ein wenig durch Libyen, dessen Steinwüste als Vorläufer der Sahara mich irgendwie an die Sandhäuser Parkplätze erinnerte, und verpasste bei Höchsttemperaturen von 43 Grad unser spielfreies Wochenende ebenso wie das glorreiche 6:0 der Nationalmannschaft in Liechtenstein. Leider verpasste ich auch das WM-Qualifikationsspiel Libyen gegen Ghana in Tripolis, obwohl ich mich an jenem Freitag in der Hauptstadt aufhielt. Aber mein Reiseleiter, anscheinend kein Fußballfan, hatte mir den Termin arglistig verschwiegen, und als ich es endlich herausfand, war es zu spät – in der Stadt wäre eh kein Durchkommen mehr gewesen, zumal an jenem Freitag auch noch eine gewisse Condoleeza Rice ihre Aufwartung machte, und unter Hupen und Sirenen in ihrem Konvoi vor meiner Nase durch die Stadt brauste. Somit also hohe Politik statt Fußball – man kann halt nicht alles haben im Urlaub! Ich hoffe auf mehr Glück beim nächsten Mal, wo auch immer.

Als ich dann über Djerba wieder nach Hause gelangt war (kleiner Tipp – wer da hinfährt, ist selbst Schuld – lieber Geld sparen und zum Ballermann fahren, ist so ziemlich dasselbe. Wer’s braucht...ich zumindest war froh, dort bei der An- und Abreise jeweils nur einen Tag verbringen zu müssen, dann geht’s grad noch so), hatte sich im Fortuna-Kader schon wieder etwas geändert: der Testspielkönig war weg. Christian Erwig sollte erst zu Preußen Münster wechseln, die verkündeten den Neuzugang bereits auf ihrer Website, als er plötzlich doch noch ein Haar in der Suppe fand, ich nehme an, es wird die Höhe des Salärs gewesen sein. Und gerade als man sich damit abfand, dass auch er seinen Vertrag auf der Tribüne absitzen würde, fand sich doch noch ein Interessent, und zwar ein alter Bekannter – also für ihn, meine ich. Erwig wechselte zum FC Schalke II – wieder zurück, denn von dort war er im letzten Sommer zu uns gekommen. Eigentlich schade, ich bin überzeugt, dass er ein Guter ist, aber es reicht halt nicht, wenn man dies überwiegend in Testspielen unter Beweis stellt. Immerhin war er erstaunlich effektiv: auf ganze zwei Törchen brachte er es in Meisterschaftsspielen für uns – es war beide Male entscheidende, einmal zum 1:0-Sieg in Wuppertal, einmal zum Last-Minute-Ausgleich gegen Braunschweig. Schade, dass es nicht zu mehr langte. Alles Gute!

Im Gegenzug legte Fortuna noch einmal nach und verpflichtete Ranisav Jovanovic. Der spielte vorher beim FSV Mainz 05, in der letzten Saison allerdings so gut wie gar nicht mehr. Ein 1,91 m großer, kopfballstarker Hüne, der allerdings auf unglaublich dünnen Beinchen daher gestakst kommt. Egal – wenn irgend jemand unsere Stürmerkrise beenden kann, dann würde ich auch Bibo verpflichten. Jovanovic erhielt zwei Testspiele zum Reinschnuppern und stand gegen Regensburg in der Startformation, neben dem wieder halbwegs genesenen Axel Lawaree.

Vor dem nächsten Fortuna-Spiel gab es noch einen höchst amüsanten WM-Qualifikations-Spieltag zu bestaunen. So unterhielt ich mich prächtig, als Deutschland sich von den Finnen die Bude voll hauen ließ, ein Glück, dass wenigstens Klose Bock auf Fußball hatte; anschließend bestaunte ich, wie das bekannte Trainertalent Berti Vogts mit Aserbaidschan seinen ersten Punkt einfuhr – 0:0 gegen Liechtenstein, und das auch nur, weil einer seiner Spieler kurz vor Schluss auf der Torlinie den Siegtreffer der Fußball-Giganten verhinderte. Vollends vom Sofa kippte mich jedoch das Ergebnis Schweiz gegen Luxemburg. Ich vertrete seit Jahren die vielleicht gewagte These, dass Ottmar Hitzfeld als Trainer genau gar nichts drauf hat. Als Gute-Laune-Onkel für 15 Millionärs-Püppchen mag er ja noch taugen, sowohl in Dortmund als auch in München, aber wenn es darum geht, selbst etwas aufzubauen oder etwas zu vermitteln, hielt ich ihn eigentlich immer für recht unfähig. Schön, dass er mich mit diesem Spiel bestätigte. Jungejunge, 1:2 zuhause gegen Luxemburg (die vor vier Jahren selbst gegen Liechtenstein 0:4 verloren hatten) – wenn uns das jemals passieren sollte, kann man eigentlich nur noch seinen Personalausweis wegwerfen und leugnen, jemals in diesem Land gewesen zu sein. Ein herzliches Dankeschön somit auch an premiere-Leo, der durch die „spochtliche Herausforderung“ eines sehr gut dotierten „Experten-Vertrags“ (haha!) gleich zweimal, in den Jahren 2000 und 2004, verhinderte, dass der Otti Nationaltrainer in Deutschland werden konnte. Kann ich meinen Perso also noch ein bisschen länger behalten.

Aber genug von unwichtigen Spielen! Am 13.09.08 ging der Ernst des Lebens weiter, mit dem Heimspiel der Fortuna gegen den SSV Jahn Regensburg. Ja, das Spiel konnte tatsächlich ausgetragen werden. Für jenes Wochenende wurde die Bundesliga-Partie Frankfurt – Karlsruhe abgesagt. Nach einem Konzert der Selbsterfindungsmaschine Madonna war der Rasen im Frankfurter Stadion dermaßen ramponiert, dass an Fußball nicht zu denken war. Was das mit uns zu tun hat? Nun, schaut doch mal nach, in welcher weiteren deutschen Arena die Pop-Diva in der Woche vor dem Spiel noch auftrat...aber für uns kein Problem, augenscheinlich werden an unser Drittliga-Gebolze andere Anforderungen gestellt als an ein Püppchen-Spiel der 1. Liga. Passend dazu zickte die DFL noch rum, Frankfurt versuchte nämlich noch, die Partie von Freitag zumindest auf Samstag oder Sonntag zu verlegen, um eine Austragung des Spiels eventuell doch noch möglich zu machen. Die DFL lehnte ab, und DFL-Scherge Holger Hieronymus begründete dies wie folgt: „Bei allem Respekt vor Drittveranstaltungen, aber wir lassen uns davon nicht den Spielplan vorschreiben.“ Das sind noch Begründungen! Okay, den wahrscheinlich wahren Grund, dass nämlich ein gewisser Bezahlsender damit nicht einverstanden gewesen wäre, den durfte er natürlich nicht bringen. Wenn man sich dann aber schon etwas ausdenken muss, sollte es wirklich nicht dermaßen blöd sein. Der gute Herr Hieronymus kann ja mal beim DFB nachfragen, wie es mit Spielverlegungen aufgrund von Drittveranstaltungen aussieht, wenn Werder Bremen II an einem Samstag nicht auf Nebenplatz 11 gegen den SV Sandhausen spielen will, weil am Sonntag (!) im Weserstadion (!!) der „Tag der Fans“ stattfindet...Wirklich putzig, diese Absage, und ein weiterer Beweis, wie weit sich diese Krawattenhengste bei DFL oder DFB von der Sportart entfernt haben. Nicht, dass ich persönlich noch zusätzliche Beweise benötigen würde...

Fortuna gewann 3:1 gegen den SSV Jahn Regensburg, und alles gähnte. Okay, das ist natürlich übertrieben. Aber es war ein merkwürdiges Spiel, trotz vier Toren irgendwie langweilig. Fortuna beileibe nicht gut in Form, viele Fehlpässe, auch wieder mit teilweise schlechtem Spielaufbau, aber endlich mal mit gelungener Chancenauswertung. Die Domspatzen mit einem Übergewicht im Mittelfeld, aus dem sie allerdings nichts machen konnten, größtenteils überboten sie sich in Harmlosigkeit. Und wie gesagt: wenn Unsere mal Chancen hatten, konnten sie diesmal konsequent genutzt werden. Auch wenn es stets unter gütiger Mithilfe der Gäste geschah. Zunächst aber der erste Auftritt von Neu-Stürmer Jovanovic, der nur anderthalb Minuten brauchte, um mit Regensburgs Ersatzkeeper Sattelmaier zusammen zu rasseln (Stamm-Ballfänger Becker war rotgesperrt). Da er ja jetzt bei Fortuna spielt, hätte es mich nicht gewundert, wenn Jovanovic nach dieser Szene humpelnd in die Kabine entschwunden und für die nächsten sechs Wochen nicht mehr in der Nähe eines Spielfelds gesichtet worden wäre. Aber er kam mit einem „Pferdekuss“ davon. Der Torwart (Rouven Sattelmaier aus Regensburg – klingt irgendwie nach Bijou Schmitz aus Köln-Kalk, nur mal so am Rande) war von diesem Zusammenprall wohl etwas angepisst, nicht nur dass er sich direkt danach noch kurz mit Jovanovic anlegte, er behielt seinen Adrenalinschub auch noch bis zur 12. Minute bei: toller Pass von Sieger aus dem Mittelfeld, genau in den Lauf von Cebe, der erreicht die Kugel am linken Strafraumeck. Sattelmaier stürmt völlig unmotiviert aus dem Tor. Anschließend muss Cebe noch nicht mal seine anerkannten Schauspielkünste unter Beweis stellen, denn der Keeper rennt ihn einfach über den Haufen. Klarer Elfer, ebenso klar verwandelt von Ersatzkapitän Langeneke (Lambertz weiterhin verletzt, aber immerhin erstmals wieder auf der Bank). Das war vorher übrigens gar nicht klar, denn zunächst hatte sich Olivier Caillas den Ball geschnappt, dann aber doch Langeneke den Vorrang gelassen. Kommentar Langeneke nach dem Spiel: „Es war klar, dass ich schieße. Der Oli darf mir aber jederzeit gerne wieder den Ball holen.“ Von mir aus auch, wenn dieses Ergebnis dabei rumkommt.

Danach hatte Fortuna etwas Glück, als in der 25. Minute Bambera völlig frei zum Schuss kam, das Leder jedoch volley aus ca. 12 Metern über die Latte setzte. Das sah alles andere als sicher aus. Zum Glück gab es in der 35. Minute eine Ecke für Fortuna, und ich sag mal: hurra, sogar wir haben mittlerweile eine Variante! Denn Cebe spielt die Ecke flach zurück auf Marco Christ, der aus 20 Metern Maß nimmt. Leider trifft er den Ball nicht richtig, es wird eher ein Schüsschen denn ein Distanzhammer, aber er hat gleich zweifach Glück: zum einen wird die Kugel noch freundlich abgefälscht, zum anderen ist dem Keeper die Sicht durch zwei Dutzend Beine verstellt, er sieht den Ball zu spät und hat keine Chance – 2:0.

Anschließend tat sich nicht viel, hüben wie drüben, Fortuna ließ den Gästen viel Platz zum Spielen, und da die dazu keine große Lust zu haben schien, ging es mit dem 2:0 in die Pause. Wie gesagt, ein merkwürdig laues Spiel irgendwie. Dafür konnten auch die wilden drei Minuten nach dem Wechsel nicht entschädigen. Denn danach ging es weiter wie vor der Halbzeit. Aber zunächst pennte Oliver Hampel in der 52. Minute, als Fortuna mal wieder auf Abseits spielte. Dank ihm war es tatsächlich keins, als Petr Stoilov auf halblinks schön bedient wurde, in den Strafraum zog und den Ball an Melka vorbei ins lange Eck schlenzte. Das hätte man sich denken können, war Stoilov doch der einzige Domspatz an jenem Nachmittag, der so etwas wie Gefährlichkeit mitgebracht hatte. Zum Glück für uns.

Und ebenfalls ein Glück, dass Fortuna diesmal postwendend antwortete. Keine zwei Minuten später bediente Cebe mit einem tollen Direktpass Caillas, der stürmte alleine auf das Regensburger Tor zu, Kollege Sattelmaier mal wieder ohne Chance – doch der Ball knallte nur gegen die Latte. Aber eine Minute später war Caillas wieder da, setzte sich auf links durch, schöne Flanke von der Torauslinie, und in der Mitte köpfte Axel Lawaree ein, dermaßen frei, dass er noch nicht mal abspringen musste, um einzunetzen. Das war die Entscheidung und man konnte wieder zur Tagesordnung übergehen. Melka musste noch einen gefährlichen Regensburger Schuss abwehren, auf der anderen Seite erarbeitete sich der für Jovanovic eingewechselte Sahin zwei schöne Chancen, die er aber wieder mal souverän vergab, er scheint momentan die Seuche am Fuß zu haben. Das war’s auch schon – bis zur 90. Minute. Da flog Sieger nach einem völlig unnötigen Foul am Mittelkreis doch noch mit Gelb/Rot vom Platz, nachdem unser „Sechser“ schon über eine Stunde gelb-belastet überstanden hatte. Der Schiri war dermaßen verwirrt, zu so später Stunde noch eingreifen zu müssen, dass er aufgrund eines Griffs in die falsche Brusttasche Sieger statt der Gelben Karte zunächst seinen Notizblock unter die Nase hielt. Leider bemerkte er seinen Irrtum sofort und zog doch noch die richtigen Karten. Ein völlig unnötiger Platzverweis, den sich nicht nur Sieger auf die Fahne schreiben kann, sondern auch Trainer Meier, denn der hätte ihn längst auswechseln können, bei seiner bekannten Spielweise als „Staubsauger“ musste man damit rechnen, dass das nicht gut gehen konnte. Umso ärgerlicher, dass es tatsächlich bis zur 90. Minute gut ging, aber eben nicht bis zum Abpfiff, welcher kurz darauf erfolgte und Fortuna den ersten Heimsieg der Saison bescherte, irgendwie glanzlos, aber verdient. Beim kommenden Spiel in Aue würde also Hergesell wieder mitmachen dürfen, dafür aber Sieger nicht. Der imaginäre Trainer unseres Schatten-Kaders reibt sich wieder die Hände...

Ein Wort noch zu den Zuschauern, es waren 8.039 an der Zahl, darunter ca. 70 aus Regensburg, die dem Spielverlauf zum Trotz gut Stimmung machten. Wie hinterher verlautete, waren einige der Regensburger Ultras erst am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr wieder in heimischen Gefilden – ihr Bus hatte auf der Rückfahrt gestreikt, ausgerechnet in Köln, und sie hatten wohl so ihre Schwierigkeiten, dort eine offene Werkstatt zu finden. Kleiner Tipp von mir, Jungs: beim nächsten Mal einfach vor die Werkstatt stellen, „Viva Colonia“ grölen, vielleicht noch „Wir finden Poldi toll“ singen und sich dazu bekennen, dass man vielleicht kein Bier, aber immerhin gerne Kölsch trinkt – schon wird man euch für Einheimische halten und wahrscheinlich im Eiltempo unterstützen. Das ist halt der geistige Horizont dieser Art von „rheinischer Fröhlichkeit“. Also vor eurem Ausritt nach Wuppertal, der ja über dieselbe Strecke führen dürfte, besser noch mal üben!

Irgendwie gewonnen

Am 20.09.08 stand mal wieder eine etwas weitere Tour an, es ging zum Zweitliga-Absteiger FC Erzgebirge Aue. Die Sachsen, als Absteiger automatisch bei vielen auf der Liste der Aufstiegsfavoriten, sind derzeit noch damit beschäftigt, ihren neuen Kader kennen zu lernen. 19 Abgänge, 21 Neuzugänge – Saisonstart total verpennt, erst in der Vorwoche gelang der erste Sieg, vorletzter Tabellenplatz. Und dazu noch als Trainer Heiko Weber. Nix gegen Heiko Weber, das ist schon ein Guter – außer wenn’s gegen Fortuna geht. In der letzten Rückrunde war er Trainer von Energie Cottbus II – Fortuna gewann 3:0. In der Saison 05/06 schaffte Weber mit Carl Zeiss Jena den direkten Durchmarsch von der Ober- in die Zweite Liga – Fortuna war das einzige Team, das beide Spiele in jener Saison gegen Jena gewann. Wir scheinen also nicht gerade sein Lieblingsgegner zu sein. Hinzu kam, dass Aue in dieser Saison nicht nur noch kein Heimspiel gewonnen, sondern noch nicht einmal ein Heimtor erzielt hat. Da konnte also wirklich was gehen.

Fortuna-Trainer Meier feierte am Spieltag seinen 50. Geburtstag. Ob er sich vorsichtshalber ein neues Paar Fußballschuhe schenken ließ, weiß ich nicht, aber zumindest hatte er wieder mal die ehrenvolle Aufgabe, seine erste Elf neu zusammen zu stellen. Sieger gesperrt, Walbaum und Hampel als Neuverletzte gar nicht erst im Kader (schließlich ist Bekim Kastrati seit letzter Woche wieder im Mannschaftstraining und Kapitän Andy Lambertz konnte wieder auf der Bank Platz nehmen, also nicht, dass den Physiotherapeuten die Arbeit ausgeht...). Und über den Zusammenprall von Jovanovic mit dem Regensburger Torwart in der 2. Minute des vorigen Spiels habe ich bereits einen schalen Witz gerissen – prompt musste der Neuzugang aufgrund des dort erlittenen „Pferdekusses“ zunächst auf der Bank Platz nehmen. Also vier Neue rein. Es wurden der schöne Claus auf der Sieger-Position, Kenan Sahin im Sturm sowie in der Abwehr der wieder „entsperrte“ Hergesell und – zur allgemeinen Überraschung – Clement Halet, der seinen verletzungsbedingten Trainingsrückstand aufgeholt hatte und zuletzt mit guten Leistungen in der Zweiten Mannschaft aufgefallen war. Trotzdem natürlich ein gewisses Risiko, ihn von Anfang an zu bringen.

Das Interessanteste an der ersten Viertelstunde des Spiels war der Blumenstrauß, den Meier unmittelbar vor dem Anpfiff überreicht bekam – vom Gegner, eine schöne Geste. Danach sahen 7.400 Zuschauer, darunter ca. 400 Fortunen zunächst nichts wirklich Weltbewegendes auf dem Rasen. Nach der Aufwärmphase kam allerdings kurzzeitig richtig Schwung in die Partie. Erst kam Sahin zum Schuss, giert allerdings ins Straucheln und konnte den Ball nicht richtig kontrollieren – vorbei. Anschließend ein Zauberpass von Cebe auf den am 5-m-Raum völlig frei stehenden Claus Costa. Den hatten sie bei Aue wohl irgendwie übersehen. Oder aber gewusst, dass der schöne Claus bestimmt alles ist, nur kein Torjäger. Und richtig, auch diesmal schaffte er es nicht, den Ball im Netz unterzubringen, Aues Keeper Flauder konnte abwehren. Ein Nebensatz übrigens, den man noch so manches Mal verwenden könnte, um Spielsituationen zu beschreiben, Flauder schien einen großen Tag erwischt zu haben. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass es sich bei ihm um den Ersatztorwart handelt, Stammkeeper Männel saß nach überstandener Verletzung vorerst nur auf der Bank. Aber zunächst hatte Aue wirklich kein Torwart-Problem.

Daraufhin gedachten sie, auch mal mitzuspielen, schließlich stand bei denen das erste Heimtor auf dem Programm. Im Gegenzug somit ein schöner Distanzschuss von Cimen, den Melka parieren konnte. Die anschließende Ecke geriet zu kurz, fand aber Klingbeil, der die Kugel listig auf den kurzen Pfosten spitzelte. Da hätte Melka Schwierigkeiten gehabt, noch ran zu kommen, zum Glück stand Christ goldrichtig und konnte zur nächsten Ecke klären. Es war also tatsächlich endlich was los im Erzgebirge-Stadion.

In der 32. Minute war sogar noch mehr los. Im Mittelkreis spielte der Auer Steve Müller (Namenswertung von mir siehe Rouven Sattelmaier) einen Fehlpass auf Axel Lawaree. Völlig übermotiviert sprintete er hinterher, zumal Lawaree der Ball etwas vom Fuß sprang. Anschließend gedachte der Herr Müller wohl, unseren Stürmer mittels eines beidbeinig eingesprungenen Rittbergers mit fünf Meter Anlauf aus den Schuhen zu wuchten, was ihm auch durchaus gelungen wäre, wenn Lawaree nicht noch rechtzeitig hoch gesprungen wäre, sodass er nur einen Eisenfuß abbekam und nicht die komplette Blutgrätsche. Schiri Welz aus Wiesbaden zog sofort Rot, Fortuna somit eine Stunde lang in Überzahl.

Dies hatte jedoch zunächst zur Folge, dass es im Stadion erst einmal rund ging. Intensive Rudelbildung nach dem Foul auf dem Rasen, Gelb für Aues Kapitän Tomasz Kos und für Marco Christ, und zumindest im Fall Kos unterstelle ich dem Schiri, dass er sich in dieser Situation nicht die Traute hatte, den Polen auch mal sofort zum Duschen zu schicken, der war gar nicht mehr zu beruhigen, schubste hier, zerrte da, pöbelte dort. Auf den Rängen kochte die Volksseele, die in solchen Fällen nur ein Thema kennt – die Benachteiligung des gemeinen Ostdeutschen durch den überheblichen Wessi, zumal ja nicht nur der Gegner, sondern auch der Schiri aus dieser, wie es den Anschein hat, unabhängigen Teilrepublik stammt. Nicht dass das irgendwie neu wäre – so ziemlich alle Beleidigungen in dieser Richtung haben wir ja schon im Mai nach dem Spiel in Erfurt abgegriffen. Eine ausgesprochene Jammer-Einlage der Einheimischen, die mich mal wieder auf die Frage bringt, wer in diesem Land bis heute was nicht verarbeitet hat. Aber wie gesagt, es entlockt einem eigentlich nur noch ein Gähnen...

Apropos Jammern: neuer Preisträger in dieser Kategorie ist für mich der Schmierfink, der den Live-Ticker von Erzgebirge Aue für dieses Spiel verbrochen hat. Dem fiel zu dieser Aktion, fast ganz ohne liafarbene Vereinsbrille, nämlich Folgendes ein: „Steve Müller sieht Rot für ein Allerweltsfoul. Welz dreht durch!“ Wenn das ein Allerweltsfoul war, möchte ich gar nicht wissen, welche Sportart dieser Idiot normalerweise betreibt. Wenn ich was zu sagen hätte, könnte den nur noch retten, wenn er demütig erklären würde, die Szene gar nicht gesehen zu haben. Zumal nach dem Spiel sowohl der Rotsünder als auch sein Trainer unisono erklärten, dass dies ein dummes Foul gewesen sei, für das man durchaus Rot habe zeigen dürfen. Aber was interessiert das solche Nulpen? Hauptsache, Stimmung machen.

Bis zur Pause mühten sich die Gastgeber zunächst, die Null in selbige zu retten, wobei man wiederholt zu rustikalen Mitteln griff. Es gelang, wobei zuvor Keeper Flauder bei zwei Distanzschüssen von Christ, einer aus dem Spiel heraus und ein Freistoß, nochmals sein Können zeigen musste, was ihm beide Male auch sehr gut gelang. Somit 0:0 zur Pause.

Und wenn ich jetzt schreibe, dass sich das Bild nach dem Seitenwechsel nicht großartig änderte, dann heißt dies, dass man eigentlich nicht merkte, dass Aue in Unterzahl spielte. Die Gastgeber kehrten zu dieser für gewisse Live-Ticker-Schreiber wohl eher langweiligen Version der Sportart zurück – sie spielten nämlich Fußball, standen gut hinten drin, dachten aber gar nicht daran, es dabei bewenden zu lassen, sondern konterten auch geschickt, sobald sich Möglichkeiten ergaben, waren also zu jeder Zeit Ernst zu nehmen. Fortuna fiel nicht besonders viel ein, um das Übergewicht im Mittelfeld auszunutzen. Die erste Chance nach Wiederanpfiff war dann auch eine Einzelaktion, als sich Sahin auf links sehr gut gegen drei Gegenspieler durchsetzte, der dritte bekam noch ein Bein an den Ball, das Leder sprang hoch, Sahin erkannte die Chance und zog sofort volley vom linken Strafraumeck ab, Flauder war endlich mal geschlagen – aber der Ball knallte nur gegen die Latte. Da wollte sich Aue nicht lumpen lassen, im Gegenzug wurde Hensel auf rechts sehr schön frei gespielt und steuerte allein auf Melka zu, aber der Winkel wurde zu spitz, und unser Keeper konnte den Lupfer abwehren.

Und so würgte man sich über die Spielzeit, hatte ab und zu eine Chance, aber so richtig dolle war es nicht. Nach einer Stunde wurde Jovanovic für Sahin eingewechselt, ein Zeichen, dass der Trainer den Gegner weiterhin Ernst nahm, Stürmer für Stürmer. Der Neue hätte mit seiner ersten Szene fast direkt getroffen, als er sich im Strafraum um seinen Gegenspieler ringelte und aus spitzem Winkel aufs lange Eck zielte, aber Flauder konnte mal wieder parieren. Drei Minuten später servierte Jovanovic für Costa, der mit Direktabnahme aus ca. sechs Metern, wieder war Flauder da. Es war zum Verrücktwerden. Und als der Keeper vier Minuten vor Schluss auch noch einen Kopfball von Costa entschärfen konnte, da dachten wohl viele, dass so ein 0:0 vielleicht auch nicht ganz verkehrt sein könnte. Erinnerungen an Unterhaching wurden wach, die in der letzten Minute in Unterzahl fast noch das Siegtor erzielt hätten, und solche Chancen vergibt ja nicht jeder Stürmer...

Dann die 87. Minute: Axel Lawaree, im Spiel sonst kaum zu sehen, ist zur Stelle, als Paulus im Strafraum einen hübschen Querschläger produziert. Volley jagt er das Ding über die Latte. Allerdings war Flauder auch hier wohl noch dran, es gibt Ecke. Ob dem wirklich so war, kann zumindest ich nicht klären. Könnte also auch eine Fehlentscheidung des Schiris gewesen sein. Der Eckball kommt von der rechten Seite, Caillas tritt ihn, und da ist er – der erste und einzige Fehler des Auer Keepers im Spiel, er kommt raus, aber nicht ran, Jovanovic und sein Gegenspieler sind am Ball, und mit Kopf, Schulter und Gegenspieler, irgendwie etwas von allem, bugsiert der Lange den Ball über die Linie, ein spektakulärer Scherenschlag des Auer Spielers auf der Linie kommt zu spät – 0:1. Ein reingewürgtes Tor, passend zum Auftreten der Fortuna über einen Großteil des Spiels. Aber das interessiert am nächsten Tag mal genau gar niemanden mehr, besonders nicht, weil es das einzige Tor des Spiels bleibt. Fortuna gewinnt glücklich, aber nicht ganz unverdient trotz schwachen Spiels mit 1:0 in Aue und feiert somit den dritten Auswärtssieg im vierten Auswärtsspiel.

Puh, so was kann man nur abhaken und weiter nach vorne sehen. Positiv sicher die Einstellung des Teams, das geduldig bis zuletzt an die entscheidende Chance glaubte; positiv auch, dass die Ersatzleute Costa und Halet doch sehr ordentlich spielten, wobei ich mich langsam frage, ob der Costa in seinem Vertrag stehen hat, wirklich niemals ein Pflichtspieltor für uns erzielen zu dürfen; verdient hätte er mittlerweile längst eins. Positiv auch, dass Andreas Lambertz in der letzten Viertelstunde eingewechselt wurde und somit erstmals seit dem 2. Spieltag wieder auf dem Feld stand. Positiv natürlich auch, dass Neuzugang Jovanovic direkt in seinem zweiten Spiel traf, nachdem er im ersten schon nach wenigen Sekunden diese Dröhnung kassiert hatte, das baut sicherlich auf. Man darf nunmehr gespannt sein, ob der Trainer auch am nächsten Spieltag mehr Alternativen zur Verfügung hat, oder ob sich unter der Woche wieder der ein oder andere Spieler verletzt abmeldet, wie es in dieser Saison bislang nicht so guter Brauch gewesen ist.

Fortuna somit nach sieben Spieltagen mit 13 Punkten, der Kontakt zur Spitze ist hergestellt. Da kommen die nächsten beiden Spiele genau richtig, zunächst erscheint mit RW Erfurt die Mannschaft in der LTU-Arena, die punktgleich und nur ein einziges Tor schlechter ist, quasi ein Verfolgerduell auf Augenhöhe. Anschließend gibt es endlich wieder Fischbrötchen, es geht zu Kickers Emden, derzeit Tabellenzweiter und erst am 7. Spieltag mit der ersten Saisonniederlage, gegen den neuen Spitzenreiter Paderborn. Beide Teams sind nur drei Punkte von uns entfernt.

Nebenbei purzelten beim Premiumprodukt natürlich schon die ersten Trainer. Nach nur vier Spieltagen erwischte es Edgar „Euro-Eddy“ Schmitt vom VfR Aalen, dem allmächtigen Präsidenten, Hauptsponsor und Arena-Namensgeber war er nicht erfolgreich genug, wahrscheinlich spielte dort auch noch die Enttäuschung über den knapp verpassten Aufstieg aus den Vorsaison mit (als Aalen über drei Viertel der Saison auf einem Aufstiegsplatz stand und schlussendlich doch noch Ingolstadt und Frankfurt vorbei ziehen lassen musste). Und als Neuen holte man direkt mal einen „Könner“ – Jürgen Kohler. Der hatte ein Spitzendebüt, er verlor nämlich mit seiner Truppe bei Kickers Emden knapp mit 2:5, und das gegen eine Mannschaft, die normalerweise im Durchschnitt ein Tor pro Spiel erzielt. Anschließend zeigte er aber, was seine Lieblings-Beschäftigung als Spieler war – Aalen holte gegen die beiden offensivstarken Zweitvertretungen aus München und Stuttgart jeweils ein 0:0. Passend zum Schrottgroßhandel des Hauptsponsors wird also jetzt noch jede Menge Beton auf der Schwäbischen Alb angerührt.

Nach dem 6. Spieltag war auch für Henning Bürger Feierabend, die 0:6-Heimpleite von Carl Zeiss Jena gegen Stuttgart II war dann doch des Guten ein bisschen zuviel. Da man auf die Schnelle niemanden zwingen konnte, sich freiwillig zu melden, saß beim Spiel in Offenbach Mark Zimmermann, eigentlich der Co und bis Mai noch aktiver Spieler in Jena, auf dem Chefsessel – nutzte nix, man verlor unglücklich 1:2 und steht gemeinsam mit Mitabsteiger Erzgebirge Aue derzeit auf zwei der drei Abstiegsplätze. Erstaunlicherweise noch im Amt, zumindest zum Zeitpunkt, da ich dies niederschreibe, ist Stefan Minkwitz bei den Stuttgarter Kickers, trotz exakt eines einzigen erzielten Punktes, trotz des letzten Tabellenplatzes und trotz des etwas peinlichen Ausscheidens im Verbandspokal gegen die Weltmannschaft Sonnenhof Großaspach. Aber wenn es dort so weiter geht, ist der auch bald Geschichte, da nutzt ihm auch anerkanntes Pech nix mehr – gegen Aue kassiert man das 1:2 in der 90. Minute, das 2:3 in Erfurt fiel gar erst in der Nachspielzeit. Wenn man die Seuche hat, dann auch richtig.

Nachtrag: kaum hatte ich das runtergeschrieben, erwischte es ihn doch: Stefan Minkwitz wurde am Tag nach dem 2:3 in Erfurt beurlaubt.

Apropos Verbandspokal: da steht für Fortuna ja in der 2. Runde das Duell gegen Galatasaray Mülheim an, Termin um den 11. Oktober rum. Beziehungsweise jetzt wohl nicht mehr, denn die Mülheimer haben Insolvenz angemeldet und die Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet. Ganz besonders dürfte dies die Vereinsoberen des VfL Rhede erzürnen, gegen die traten die Mülheimer in der ersten Runde nämlich noch an und gewannen nach Verlängerung und Elfmeterschießen, sodass Rhede das Heimspiel gegen einen Drittligisten entging. Falls der Verband sich hier nicht mehr anders entscheidet, sieht es also derzeit nach einem Freilos für Fortuna aus. In der 3. Runde würde dann ein richtiger Brocken warten – Auswärtsspiel an der Hafenstraße bei RW Essen. RW Essen? FVN-Pokal? War da nicht was in diesem Jahr? Jawohl, allein das Stichwort „Duisburg“ reicht schon aus, um den Fortuna-Anhängern die Zornesfalten ins Gesicht zu treiben, unvergessen, wie die Truppe dort im April im Pokalfinale durch einen Larifari-Auftritt gegen RWE die Teilnahme am DFB-Pokal in den Sand setzte. Da wäre also noch etwas zu regeln, wobei ich mich keinen Deut davon blenden lasse, dass RWE derzeit viertklassig ist. Die Mannschaft ist für die Regionalliga West deutlich überqualifiziert, was man auch daran sehen kann, dass sie derzeit das einzige Team ist, das an der Tabellenspitze mit den Publikumsmagneten Dortmund II, Kaiserslautern II und Bochum II mithalten kann. Wenn es also wirklich RWE wird, auch noch als Auswärtsspiel, dann wird das eine ganz harte Nummer, deren Ausgang zumindest für mich keineswegs von vorne herein feststeht. Damit es dazu kommt, muss Essen allerdings erst noch durch die zweite Runde, deren Gegner, Ex-Zweitligist FC Remscheid (mittlerweile in der Landesliga angekommen), ist nämlich, zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt, noch nicht insolvent.

Es warten also aufregende Wochen auf die Fortuna, mit Spielen gegen Erfurt, Emden, Bayern II und Stuttgart II. Mal sehen, wo wir uns dann wieder finden. Und mal sehen, ob wir vielleicht mal wieder mit dem auflaufen können, was sich der Trainer unter einer Stammformation vorstellt. Wäre ja ganz was Neues in dieser Saison. Andererseits: in der 1. Liga hat es ein gewisser Herr Klinsmann ja auch geschafft, dass es einem gewissen Herrn Hoeneß nach einem Spiel endlich mal die Sprache verschlagen hat. Da bekommt man doch Hoffnung, dass alles gut wird. Irgendwann einmal.

Nicht verletzt und nicht gesperrt: janus