von Janus, 21.12.2008

 

So, in Sachen Fußball wäre das Jahr 2008 auch geschafft. Und während ich dies heute, am 21.12.2008, schreibe, hat die beste Mannschaft der Welt, Fortuna Düsseldorf, dies wohl schon Ende November verinnerlicht. Man muss halt immer seiner Zeit vorauseilen, will man irgendwann mal einen Trend setzen. Dies gelang dem Team in den letzten Wochen famos, weshalb ich jetzt, kurz vor Weihnachten, dem Fest der Liebe, hier auf meinem Stuhl sitze und einen Bericht stricken darf, in dem tatsächlich kein einziger Fortuna-Sieg vorkommen wird. Da gerät auch meine Nächstenliebe schon mal arg ins Wanken. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Dies ist der Euro ins Phrasenschwein. Und das ist der Bericht:

Blöde Serie I

Beginnen wir zunächst einmal auswärtig: Am 27.11.08, da wollte ich mir mal ein wenig internationales Flair gönnen und reiste nach Hamburg, UEFA-Cup-Spiel gegen Ajax Amsterdam. Mir ist der HSV ja nicht unsympathisch, deshalb war ich über die 0:1-Niederlage auch etwas enttäuscht. Übrigens, woran erkennt man das internationale Flair solcher Begegnungen? Genau: Daran, dass der Gastverein anscheinend seine eigene Stadionsprecherin mitbringt, die die Gästefans dann in deren Landessprache anpflaumt, wenn Bengalen im Block gezündet werden. Sehr informativ, wieder etwas gelernt.

So traurig auch das Ergebnis des Spiels für mich war, es gab doch zwei Highlights: zum einen lief mir in der Halbzeitpause rein zufällig ein Mitglied des Fortuna-Fan-Clubs „Hacke Rot-Weiß“ über den Weg, einfach so. Fortuna ist überall! Zum anderen zeigte mir die Deutsche Bahn, dass sie nichts verlernt hat. Eine Durchsage bei der Rückfahrt ab Hamburg Hbf informierte uns, dass für diesen Zug leider die Zeit nicht mehr ausgereicht habe, um die Reservierungen für die entsprechenden Sitzplätze auszubringen, Reisende ohne Reservierungen mögen sich in die hinteren beiden Waggons begeben, wo noch unreservierte Sitzplätze zur Verfügung stünden. Bestimmt riesig nett gemeint, diese Durchsage, nur – in den Zug stiegen gemeinsam mit mir gefühlt 500 Niederländer ohne Reservierung ein, die von der Durchsage kein Wort verstanden und sich über die vielen freien Plätze freuten. Ich sag`s mal so: die Schaffner hatten so ca. bis Bremen gut zu tun…

Und kaum war man zuhause, war man schon wieder weg, nur um sich das nächste 0:1 anzuschauen. So gesehen etwas langweilig, das gebe ich zu. Diesmal betraf es allerdings die Fortuna in Jena am 29.11.08, was selbst die „Sportschau“ dazu veranlasste, endlich mal wieder eine „Serie“ zu diagnostizieren, die man im normalen Leben wohl nur als Mathematiker sofort erkannt hätte: Nämlich dass wir, ausgehend von der ersten Niederlage gegen Paderborn, danach inklusive Jena tatsächlich exakt jedes vierte Spiel verloren haben. Dies reiht sich von der Wichtigkeit her zwar irgendwie ein in solche Serien wie „Schon 420 Einwürfe in Folge, ohne dass daraus ein Treffer resultiert“ oder „Erstes Tor eines 32jährigen Einwechselspielers nach dem 14. Eckball in einem Spiel“, aber für solche Erkenntnisse verfügen die medialen Berichterstatter ja heutzutage anscheinend über extra geschultes Personal, das sämtliche Datenbanken rastlos nach diesen brisanten Informationen absucht.

Eine absolut überflüssige Niederlage der Fortuna in Jena vor 6.000 Zuschauern, aufgrund der ersten Halbzeit allerdings nicht unverdient. Das Tor des Tages durch Riemer fiel bereits in der 4. Minute, eins dieser typischen Langweiler-Tore, Ecke, Kopfball, drin. Somit wurde wieder mal durch eine Standardsituation verloren. Fortuna bekam in der ersten halben Stunde kein Bein auf die Erde und konnte sich bei Torwart Melka bedanken, dass nicht schon nach einer Viertelstunde Feierabend war: Erst Glanzparade nach 16-m-Schuss von Eckardt, den Nachschuss versemmelte Petersen, dann großartiger Reflex im direkten Duell gegen Schembri, der den Ball im Sechzehner von Langeneke geschenkt bekommen hatte. Unser Ersatz-Kapitän hätte dann auch noch mit einem kapitalen Querschläger fast das 2:0 per Eigentor besorgt, der hätte getrost im Bett bleiben können, hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt.

Als Fortuna langsam ins Spiel fand, gab es auch direkt die Doppelchance auf den Ausgleich, erst hämmerte Christ einen Ball aus 20 m an die Latte, Cebe brachte den Abpraller nach innen, wo Lawaree ihn am kurzen Pfosten am Tor vorbei spitzelte. Fortuna allerdings insgesamt ohne Schwung, ohne Ideen und mit dem 0:1 zur Pause noch sehr gut bedient. In der 2. Halbzeit zunächst das gleiche Bild, erst allmählich übernahm man das Spiel und drängte nach vorn. Die Chance schlechthin auf den Ausgleich vergab (leider: mal wieder) Cebe in der 56. Minute: nach weitem Abschlag Melka verschätzt sich Cebes Gegenspielers und unterläuft den Ball, Cebe lupft ihn über Jena-Keeper Nulle, nur um dann aus 5 m Entfernung das leere Tor nicht zu treffen. Unfassbar. Wahrlich nicht die erste hundertprozentige Chance, die Cebe in dieser Hinrunde schon versiebt hat, diesmal allerdings entscheidend. Wer sich bei solchen Szenen noch wundert, warum wir Dritte Liga spielen, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Aber das Gejammer nutzt ja nix, der Ball geht dadurch auch nachträglich nicht mehr rein. Alle anderen auch nicht, hüben wie drüben. Denn zum Schluss gab es natürlich Konterchancen für Jena, eine vergab Sträßer freistehend vor Melka, auf der anderen Seite hatte Sahin per Kopf noch die Gelegenheit zum Ausgleich, vergab aber ebenfalls. Auch dass Melka am Schluss mitstürmte, half nicht mehr, Niederlage durch Gegentreffer in der 4. Minute, sehr ärgerlich.

Nebenbei hütet bei Carl Zeiss Jena ja Carsten Nulle das Tor, von 2004 bis Anfang 2006 bei uns unter Vertrag, eigentlich ein recht souveräner Keeper, nach einigen Böcken allerdings damals von den eigenen Fans zum Buhmann erklärt und anschließend abgesägt. Der war in den letzten Wochen vor Weihnachten in Top-Form und ließ auch gegen uns nichts anbrennen. Vielleicht hätte der Trainer doch einem Vorschlag aus dem Fan-Forum folgen sollen, und Axel Lawaree zur Ablenkung von Nulle in ein Grotifanten-Kostüm zwängen sollen. Unvergessen, wie Nulle 2004 als Fortuna-Keeper anlässlich eines Pokalspiels beim KFC Uerdingen das putzige Krefelder Maskottchen mal kurz weggepumpt hatte, als dieses ihn nach dem Spiel noch auf dem Spielfeld verbal attackierte. Aber leider lief in Jena niemand mit dem großen Elefantenkopf auf, Nulle konnte sich ganz aufs Spiel konzentrieren und hielt seinen Kasten sauber.

Eine Niederlage wie in Sandhausen, Emden und Berlin, eine Halbzeit wurde wieder locker verpennt, und die Gegentore fallen immer wieder durch Standardsituationen. Das wirkt langsam ein wenig albern und sicherlich nicht aufstiegsreif. Übertrieben gesagt weiß mittlerweile jeder Gegner, dass man nur genügend Ecken und Freistöße gegen uns rausholen muss, dann klingelt es irgendwann. Und dieses „irgendwann klingeln“ reicht dann auch meistens, außer dem Spiel gegen Wuppertal wurde ja noch kein einziges gedreht in dieser Saison.

Nikolaus

Am 06.12.08 ging es gegen den VfR Aalen von der Schwäbischen Alb. Die uralte Geschichte mit dem Nürnberger Busfahrer, der einst seinen Fan-Club zum Auswärtsspiel in der 2. Liga nicht nach Ahlen in Westfalen, sondern nach Aalen kutschierte und sich anschließend wunderte, warum er soll schnell in NRW war, die kennt ja wohl mittlerweile jeder, die erzähl ich nicht mehr. Eher schon, dass Aalen vor der Saison zu den Aufstiegsfavoriten zählte. Als man nach vier Spieltagen (!) noch nicht uneinholbar an der Tabellenspitze stand, zog man schnell die Notbremse und entließ den Trainer, Edgar „Euro-Eddy“ Schmitt. Anschließend holte man Jürgen Kohler als Trainer, und die Mannschaft, die in der letzten Saison der Regionalliga Süd mit Abstand den stärksten Sturm hatte, mutierte zur echten Beton-Mischmaschine, ausgehend vom Hauptsponsor und Namensgeber der heimischen Scholz-Arena (Firmenslogan, auch auf dem Mannschaftsbus: „Kompetenz in Schrott“) sowie von der Statistik, die für die 17 Spiele der Aalener vor dem Nikolaustag 2008 immerhin fünfmal das Ergebnis von 0:0 auswies. Dann musste Kohler aufgrund gesundheitlicher Probleme den Trainerjob an den Nagel hängen und wechselte auf den Posten des Sportdirektors. Auch der neue Coach ist kein Unbekannter, es handelt sich um Petrik Sander, einst geschätzter Übungsleiter bei Energie Cottbus. Ich muss nur noch ein wenig überlegen, dann fällt mir bestimmt auch ein, welchem Spielsystem er dort zumeist den Vorzug gab…

Das eigentlich Überraschende an diesem Spiel war dann auch, dass sie in der 1. Halbzeit gar nicht mauern mussten, denn dafür war Fortuna viel zu schlecht. Die erste Hälfte ging ganz klar an Aalen, auch wenn denen vor unserem Tor ebenfalls nicht viel einfiel. Grausamer Fußball, passend zum Wetter. Die 1. Halbzeit war so schlecht, dass ich gleich mit 2. weitermache. Erwähnenswert lediglich das 0:1 in der Nachspielzeit, natürlich nach einer Standardsituation. Einwurf von der rechten Seite in den Strafraum, Kopfballverlängerung am kurzen Pfosten, und in der Mitte setzt sich Seiler mit dem Kopf durch und nickt zum Führungstor für Aalen ein. Ein Witz. Der war allerdings überfällig, trotzdem natürlich ärgerlich, unmittelbar vor dem Pausenpfiff doch noch dieses Tor zu kassieren, als man schon hoffte, sich zwar desolat, aber noch mit einem 0:0 in die Pause zu retten. Der Schiri ließ nach dem Treffer auch gar nicht mehr anstoßen, sondern schickte beide Teams gleich in die Kabine.

In der zweiten Hälfte lief die Partie vor 9.800 Zuschauern erst in diesem Stil weiter. Nach und nach kam Fortuna dann besser auf, allerdings eher, weil der Gegner sich wohl erinnerte, wozu er eigentlich angereist war, sich weiter zurückzog und den Raum freigab. Einen Jovanovic-Kopfball kratzte VfR-Keeper Linse mit Wahnsinns-Reflex aus der Ecke, er war auch noch bei einigen anderen Gelegenheiten auf dem Posten, meist gegen Jovanovic, der als Einziger so etwas wie Torgefahr verbreitete. Nach einer Ecke und einer Unsicherheit von Linse verfehlte Sieger das vom Keeper verlassene Tor, so etwas darf bei uns jeder mal. Okay, kann man nicht wirklich mit der Chance von Cebe in Jena vergleichen, der Ball fiel Sieger am 5-m-Raum doch etwas überraschend vor die Füße, und es standen noch zwei Mann auf der Linie, aber auch so einen darf man gerne mal machen. Dass es noch zum Ausgleich langte, war den Herren Caillas, Jovanovic und Linse zu verdanken: in der 83. Minute setzte sich Caillas prima auf der linken Seite durch und servierte eine schöne Flanke, Jovanovic stieg zum Kopfball hoch und traf den Ball gar nicht richtig, profitierte dann aber von einem Riesenbock von Torwart Linse, der wie eine Bahnschranke fiel und den harmlosen Kopfball ins Tor durchwinkte.

Als besonderes Highlight gab es dann noch Gelb/Rot für Caillas, natürlich wegen Meckerns, weshalb wohl sonst? Dies geschah in der Nachspielzeit, dem Herrn war anscheinend kalt geworden und er hatte überhaupt keine Lust auf das Auswärtsspiel in Bremen, nur so würde seine an Dummheit kaum zu überbietende Aktion Sinn machen. Wäre ich der Trainer, der hätte bei mir das nächste Trainingslager aufgrund seiner Geldstrafe in die Mannschaftskasse dermaßen vorfinanziert, dass er bei selbigem dann meinetwegen auch als Sponsor hätte in Erscheinung treten können. Platzverweise für Ballwegschießen oder Meckern zählen für mich zu den albernsten überhaupt, wer die Mannschaft auf diese Weise schwächt, der dürfte sich bei mir nicht wundern, wenn die Geldstrafe dann etwas höher ausfallen würde…

Im Endeffekt war das nicht unverdient, weil Aalen in der 2. Halbzeit zuviel zuließ. Aber in dieser Form, das konnte man deutlich sehen, würde die Fortuna mit den Tabellenplätzen 1-3 nicht das Geringste zu tun haben. Lambertz, Christ, Walbaum Totalausfälle, der Rest stand auch deutlich neben sich. Das Positive an diesem Spiel war sicherlich, dass man noch einen Punkt holte. Das Negative war, dass für dieses Jahr immer noch nicht Schluss war, sondern noch zwei Spiele auf dem Programm standen. Mit der Leistung vom Aalen-Spiel durfte man getrost für beide Partien schwarzsehen, ohne als unverbesserlicher Pessimist zu gelten.

Blöde Serie II & III

Es gibt Dinge, auf die man sich verlassen kann: den Tod, die Steuern, und dass Fortuna auf dem Nebenplatz 11 in Bremen 0:2 verliert. So geschehen am 14.12.08 (Sonntag) zum fünften Mal beim siebten Auftritt dort. Ein Unentschieden, sechs Niederlagen lautet die mittlerweile beeindruckende Bilanz der Fortuna dort. Und da kümmert es unsere Serien-Freaks in den kurzen Leibchen auch kein Stück, dass Werder II vor dem Spiel Tabellenletzter war. Es spielt keine Rolle, wo in der Tabelle die stehen; wenn wir zum Nebenplatz 11 kommen, dann reicht es, wenn elf von denen auf dem Platz stehen, und das Spiel kann abgehakt werden. Oder wie es ein User im Forum so treffend darlegte: Was will man machen, wenn dieser Sportplatz anscheinend auf einem alten Indianerfriedhof errichtet wurde und auf alle Zeiten verhext ist? Da kann man kämpfen wie man will, der Ausgang des Spiels steht ja von vorneherein fest. So dachte sich das anscheinend zumindest die Mannschaft und stellte von der ersten Minute an die Gegenwehr ein. Nutzt ja eh nix.

Denn wenn die Bremer haushoch überlegen gewesen wären, könnte man es vielleicht sogar verstehen. An guten Tagen kann auch ein Tabellenletzter natürlich mal etwas reißen. Aber die bleiben auch nach diesem Spiel für mich Abstiegskandidat Nummer Eins. Hinten die Bälle rausbolzen, vorne größtenteils völlig harmlos – keine guten Argumente für einen Verbleib in Liga 3. Und jetzt stelle man sich vor, dass Fortuna noch schlechter war und erstmals in dieser Saison wirklich verdient verlor, weil man keine einzige Torchance herausspielen konnte – dann wird man ermessen können, was ein Großteil der 1.000 Zuschauer (nämlich die Fortuna-Fans) bei Temperaturen um den Gefrierpunkt an jenem Sonntag Nachmittag durchmachen mussten. Immerhin, die Kälte hinderte einen daran, vorzeitig einzuschlafen, das hätte dann sogar noch gesundheitsgefährdend enden können. Und das war dieser maue Kick absolut nicht wert.

Um die Qualität dieses Spiels zu verdeutlichen: Werder II machte ungelogen mit dem ersten Torschuss das 1:0 und mit dem zweiten das 2:0. Dazwischen lagen allerdings 64 (vierundsechzig) Minuten, in denen nicht das Geringste passierte. Das konnte auch nicht wirklich verwundern: Nachdem Stürmer Axel Lawaree sich im Training verletzt hatte, ließ Trainer Meier beim Tabellenletzten wahrhaftig mit einer Doppel-6 und einer ganzen Spitze antreten! Vielleicht hat er sich ja auch gedacht: Christ verletzt, Caillas gesperrt, da hab ich eh keinen, der eine vernünftige Ecke oder einen vernünftigen Freistoß treten kann, was soll ich dann in der gegnerischen Hälfte? Safety first, man wollte wohl um jeden Preis so lange wie möglich das 0:0 halten. Dies gelang immerhin fulminante fünf Minuten: In der 6. Minute gab es auf der linken Seite in Strafraumhöhe einen Einwurf für Werder, somit eine Standardsituation, und wen wundert`s, was dann geschah? Am linken Strafraumeck kam die Kugel zu Ex-Zweitliga-Spieler Feldhahn (Erzgebirge Aue), der zog volley ab, und der Ball landete flach im linken unteren Eck. Torwart Melka sah dabei etwas merkwürdig aus, er stand nämlich eigentlich in der richtigen Ecke, schaute dann aber nur staunend zu, wie der Ball neben ihm einschlug. Vielleicht hat er ihn auch zu spät gesehen, es war schon eine gewisse Spielertraube um Feldhahn herum, aber unhaltbar sah der Schuss irgendwie nicht aus.

Dann passierte bis zur 70. Minute nichts mehr. Obwohl, halt, ich möchte nicht Verdacht geraten, die größte, weil einzige Chance der Fortuna in diesem Spiel zu unterschlagen: Mitte der ersten Halbzeit gab es nach einer Ecke für Fortuna ein wenig Durcheinander, die Bremer bekamen den Ball nicht weg. Dies besorgte dann Langeneke, der die Kugel in Rücklage aus sechs Metern übers Tor und vom Gelände schoss. Was dem Aufstiegsaspiranten (kicher) sonst noch so einfiel, kann man vielleicht so darstellen: die beiden gefährlichsten Situationen entstanden nach Abschlägen von Torwart Melka, der seine bekannte Schussstärke dazu nutzte, den Ball mehrfach längs über den kleinen Platz zu dreschen. In einem Fall bekam Cebe die Kugel am linken Strafraumeck, spielte auch seinen Gegenspieler aus, flankte aber anschließend ins Nirwana, weil niemand die Situation erkannt hatte und mitgelaufen war. Ein zweiter Abschlag von Melka flog sogar noch ein Stück weiter, sämtliche Bremer Abwehrspieler unterschätzten den Ball, und Jovanovic wäre fast dran gewesen, aber Bremens Keeper Pellatz hatte den Braten gerochen und konnte unmittelbar vor Jovanovics Schuhspitze zugreifen. Das waren Torchancen!

In der zweiten Halbzeit wurde es eigentlich noch schlimmer, es würde mich nicht wundern, wenn sich beide Torhüter eine Erkältung zugezogen hätten, denn so wirklich etwas zu tun hatten sie nicht. In der 70. Minute sorgte der Trainer dann für ein besonderes Highlight, indem er Custos für Cebe einwechselte. Einen Defensivspieler für einen Offensiven, bei 0:1-Rückstand beim Tabellenletzten…und mag dieser Einwechslung auch ein noch so pfiffiger taktischer Winkelzug zugrunde gelegen haben, den ich in meiner Ahnungslosigkeit bis heute nicht erkenne, für mich war es definitiv die Auswechslung 2008. Anscheinend hatte man sich nun vorgenommen, das 0:1 sicher über die Runden zu schaukeln. Nun, zu Beginn des Spiels hatte das Sicherheitskonzept bekanntermaßen ganze fünf Minuten gegriffen, diesmal wurde man wesentlich schneller bestraft. Dreißig Sekunden nach Custos` Einwechselung, der Platzsprecher war noch mit der Durchsage beschäftigt, lief ein Bremer Konter über rechts, Marc Heider flankte, und in der Mitte prallten Finn Holsing, Torwart Melka und ein Fortuna-Abwehrspieler am 5-m-Raum zusammen, und der Bremer Holsing bekam den Ball irgendwie per Kopf, Schulter, Brust über die Linie. 2:0, Spiel entschieden. Man konnte nur froh sein, dass der Schiri 20 Minuten später abpfiff, denn Bremen hatte nun sogar noch die ein oder andere Konterchance, um noch zu erhöhen, aber Melka machte besonders, als Perthel frei vor ihm auftauchte, eine gute Figur und verhinderte eine höhere Pleite. Auf der anderen Seite kam – genau nichts.

Alles wie immer also auf dem Nebenplatz 11, und wer jetzt noch an der Zwischenüberschrift dieses Berichts herum rätselt, dem sei gesagt, es war nicht nur das siebte Spiel der Fortuna auf Nebenplatz 11, das nicht gewonnen wurde, es war auch das vierte Saisonspiel der Rot-Weißen in der Hinrunde, das an einem Sonntag stattfand. Alle vier Spiele wurden verloren.

Der Trainer sagte nach dem Spiel einen entscheidenden Satz: „Wir müssen uns bei den mitgereisten Fans für diese Leistung entschuldigen.“ Wenn mich nicht alles täuscht, hatte er dies schon im März gesagt, als wir dort zur Abwechslung mal mit 0:2 verloren. Dass die Mannschaft sich mit solch lust- und leidenschaftslosen Auftritten immer mehr von dem Verdacht distanziert, aufsteigen zu wollen, bringt die Fans langsam aber sicher auf die Palme. Ein User im Fan-Forum schrieb dann auch ironisch, ausgehend von den Anstoßzeiten der 2. Liga: „Freitags 18 Uhr ist mir sowieso zu früh, da arbeite ich ja noch.“ Die Mannschaft anscheinend auch.

Der größte Witz an der Sache ist natürlich, dass wir diesen „Fluch“ nächste Saison wohl los sein werden. Nicht weil wir jemals dort gewinnen werden oder weil wir aufsteigen, nein, sondern weil ich weiterhin der Meinung bin, dass Werder II absteigen wird. Ich würde drei Kreuze machen.

Nebenplatz 11 – Scheißplatz, keine Stimmung, immer schlechtes Wetter, immer alles umsonst, grau in grau, trostlos.. Wahrscheinlich würde mir etwas fehlen, wenn es bei meinen Ausflügen nach Bremen wirklich mal anders wäre. Aber ich hätte es doch gerne mal ausprobiert.

Versöhnlicher Abschluss

Okay, was in der Woche vor dem letzten Spiel 2008, dem Rückrundenauftakt beim SC Paderborn am 20.12.08, geschah, passt nicht wirklich zur Überschrift. Fortuna dünnte ihren Kader mal ein wenig aus, ausgerechnet bei den Stürmern, die ja diese Saison so treffsicher sind wie nur irgendwas. Diese Ausdünnung erfolgte allerdings wieder einmal unfreiwillig. Die Verletzung, die sich Axel Lawaree im Training vor dem Werder-Spiel zugezogen hatte, entpuppte sich als Einriss des Syndesmose-Bandes. Chirurgischer Eingriff erforderlich, mindestens sechs Wochen Pause, somit verpasst er die gesamte Vorbereitung, man kann eventuell Mitte März wieder mit ihm rechnen. Was die Verletztenliste in diesem halben Jahr betrifft, kann man schon nicht einmal mehr mit dem Kopf schütteln.

Anschließend wurde Kenan Sahin noch zum Training in die Zweite Mannschaft verbannt, er darf sich in der Winterpause einen neuen Verein suchen. Höhepunkt einer Kette von Disziplinlosigkeiten, die schließlich den Anlass für die Trennung gab. Nur ein Jahr hat er es bei uns ausgehalten, er kam ja erst in der letzten Winterpause. Es wäre also gut, wenn man ihn baldmöglichst von der Gehaltsliste streichen könnte, aber welcher Verein nimmt einen Spieler, der jetzt schon das dritte Mal hintereinander aufgrund solcher Vorkommnisse auf sich aufmerksam macht (vorher in Cottbus und Koblenz)? Wahrscheinlich würde er gut nach Bonn und Ex-WSV-Trainer Wolfgang „Mini-Messias“ Jerat passen, aber bei seinem Selbstverständnis wird Sahin wohl kaum in die 5.Liga wechseln, sondern lieber erstmal seinen Vertrag aussitzen. Naja, vielleicht erbarmt sich ja noch ein Verein…

So reiste Fortuna zum Herbstmeister und Tabellenführer Paderborn, gleich mal ohne Lawaree, ohne Sahin, ohne die schon länger verletzten Hampel und Christ und auch ohne Hamza Cakir, der schon seit Wochen gesundheitlich durchhängt, gar nicht mehr regelmäßig trainiert und sich am Wochenende doch immer auf den Platz gequält hatte. Immerhin konnte Olivier Caillas nach seiner Sperre wieder eingesetzt werden. Paderborn auch nicht grad in der Form ihres Lebens, bevor wir uns in Bremen blamierten, sorgten die für eine nicht minder gute Lachnummer und verloren bei Wacker Burghausen, damals Drittletzter. In der Woche danach verballerten sie gegen den Tabellenvorletzten Stuttgarter Kickers auch alles, was ihnen vor die Flinte kam, aber – und das macht wohl ein Spitzenteam aus – sie trafen in der 86. und 91. Minute dann doch noch zum Sieg. Wenn man allerdings die Formkurve der Fortuna betrachtet sowie die Liste der Ausfälle bzw. Alternativen, die dem Trainer zur Verfügung standen, dann war Paderborn natürlich klarer Favorit. Aber was kümmert uns das – zum Jahresausklang waren es noch einmal 3.000 Fortunen, die sich aufmachten, die nagelneue paragon arena zu rocken.

Für mich begann der Tag mit einer kurzen Fahrt mit der Deutschen Bahn von Bonn nach Köln, um dort ins Auto umzusteigen. Die Bahn zeigte auch sogleich, dass sie für den Kundenansturm bestens gerüstet war: letzter verkaufsoffener Samstag vor Weihnachten, alleine in Köln wurden 1,2 Mio. Besucher erwartet, entsprechend sah es auch auf dem Bonner Hauptbahnhof aus. Um 9.32 Uhr sollte die Regionalbahn nach Köln abgehen. Vier Minuten vorher ließ das serviceorientierteste Unternehmen Deutschlands einen IC, der auch in Köln gehalten hätte, ohne Hinweis ganz normal abfahren. Eine nicht unbedeutende Menschenmenge wartete sodann am Bahnhof auf die Regionalbahn. Dazu wurde erstmal nichts gesagt, erst als die Bahn bereits fünf Minuten überfällig war, erschallte die Durchsage, dass sie 25 (!) Minuten Verspätung haben würde. Die hatte die Bahn sich wohl unmittelbar vor dem Bonner Hauptbahnhof „zugezogen“, anders ist die Unverschämtheit dieser Durchsage nicht zu erklären. Das Ganze fünf Minuten vor der Ankunftszeit durchgesagt, und man hätte einen Teil der Menschenmasse für die eine Station auch im IC mitfahren lassen können, aber das wollte man offenkundig nicht. Nicht dass die mit ihren ekligen Nahverkehrstickets sich plötzlich alle Mann in einem waschechten Qualitätszug tummeln! Und um das auch gleich klar zu stellen, galten die Fahrkarten des Nahverkehrs für den unmittelbar darauf folgenden IC, der ebenfalls über Köln fuhr, selbstverständlich nicht. Während ein Großteil der Fahrgäste anscheinend selten mit der Bahn fährt und daher aufgrund der Durchsage noch etwas ungläubig guckte, sprintete ich zum Fahrkartenautomaten durch, schob alles beiseite, was auch nur entfernt danach aussah, es mir gleichtun zu wollen und zog mir noch eine IC-Fahrkarte. Bei drei Automaten am Bahnsteig dürfte dies somit auch genau drei Leuten gelungen sein, denn kaum war ich damit durch, kam der Zug auch schon. Der Rest der Meute durfte dann halt noch ein wenig länger warten. Ich kam immerhin halbwegs pünktlich in Köln an. Dass ich dafür 9,40 € löhnen musste, die ich nicht ersetzt bekomme, während ich für die Regionalbahn bereits bezahlt habe, weil ich ein Job-Ticket besitze, wird die Bahn sicherlich wenig kümmern. Kommen Sie, wann Sie wollen – wir fahren, wann wir wollen!

Weiter ging es ab Köln mit dem Auto, über die A 1. Die serviert einem in den Bereichen Remscheid, Wuppertal und noch ein Stück weiter dann drei Großbaustellen vom Feinsten. In der Woche zuvor, bei der Fahrt nach Bremen, konnten wir die noch ganz gut umfahren, indem wir damals von der A 2 auf die A 43 wechselten, die erst im Autobahnkreuz Münster-Süd wieder auf die A 1 trifft. Übrigens, nur um dann festzustellen, dass sich auf dem weiteren Weg nach Bremen (für den Fachmann: Lohne/Dinklage) eine weitere Mörder-Baustelle befindet, die im neuen Jahr bestimmt noch für mächtig viel Spaß sorgen wird. Zusammenfassend kann man sagen: wer auf der A 1 von Remscheid bis Bremen fährt, fährt eigentlich permanent in einer riesigen Baustelle. Ich weiß nicht, wer sich so etwas ausdenkt, aber ich bin sicher, diejenigen lachen sich insgeheim halbtot über diese gelungene Planung. Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude.

Am Kreuz Dortmund/Unna gelangten wir dann m strömenden Regen auf die A 44, welche man am Weltkreuz Wünneberg/Haaren dann auf die A 33 in Richtung Paderborn verlässt. Und direkt an der Abfahrt Paderborn-Elsen sieht man dann schon die neue Arena stehen. Ich hielt sie von weitem erst für die öffentliche Schwimmhalle oder eine sonstige kommunale Einrichtung, bei näherer Anfahrt aufgrund der ganzen Werbebanner dann für das Lager des direkt daneben gelegenen Möbelhauses Finke, welches den Bau ja auch bezahlt hat. Wellblech, so weit das Auge reicht. Recht erheiternd wirken die zwei Privathäuschen, die mitten auf dem Gelände des Parkplatzes P 1 stehen. Da war wohl irgendjemand nicht bereit, sein Grundstück für diesen sehr nützlichen Bau abzutreten, da musste man den Parkplatz einfach drum herum bauen. Ein etwas skurriler Anblick.

Innen drin wurde es dann aber noch merkwürdiger. Zunächst einmal scheint man in Paderborn den Begriff „eng“ etwas missverstanden zu haben. Liebe Bauherren: ein „enges Fußballstadion“ ist eins, in dem die Zuschauerränge unmittelbar bis ans Spielfeld reichen, und die Oberränge eine gewisse Steilheit aufweisen, damit man auch in der letzten Reihe nicht das Gefühl hat, sichttechnisch auf dem Mond zu sitzen. Gut, Ersteres ist bei euch vorhanden, Letzteres habt ihr genial dadurch umgegangen, dass es bei euch gar keine Oberränge gibt, wozu auch, bei einem Fassungsvermögen von 15.000 Zuschauern. Soweit ist das also alles okay. Aber: „eng“ bedeutet nicht, dass man auf der Haupttribüne eine Beinfreiheit von gefühlt 20 cm hat, und die Reihen nur an einer Seite über einen Aufgang verfügen. Viel Spaß bei einer Massenpanik, wenn der Mensch auf dem letzten Platz in der Reihe feststellt, dass er an seiner Seite gar nicht rauskommt. „Eng“ bedeutet auch nicht, dass es im Gästeblock genau drei Ausgänge für 3.000 Leute gibt. Okay, so viele waren niemals zuvor da, aber das Stadion ist doch für so viele ausgelegt oder irre ich mich da? „Eng“ bedeutet auch nicht, im gesamten Gästebereich einen einzigen Imbissstand hinzustellen, getreu dem Motto, dass dann allen schön warm wird, wenn man so kuschelig beieinander steht. Auch hier fragt man sich unwillkürlich, was wohl passieren mag, wenn da mal flugs evakuiert werden müsste. Ich frage mich darüber hinaus, wer diese Bude sicherheitstechnisch abgenommen hat. Wenn man bedenkt, dass eine Handvoll Anwohner, deren Grundstücke man beim Bau anscheinend übersehen hatte, ausreichte, um per Einstweiliger Verfügung einen zweijährigen Baustopp zu erwirken, was im Umkehrschluss bedeuten dürfte, dass bei Erteilung der Baugenehmigung nicht ganz so sorgfältig hingeschaut wurde, drängt sich einem unwillkürlich der Gedanke auf, dass die sicherheitstechnische Abnahme wohl auch eher nebenan in der (sehr guten!) Caféteria des Möbelhauses Finke über die Bühne gegangen sein könnte. Hinzu kam eine ziemliche Desorientierung des Ordnungspersonals, welches mit der Masse von 13.300 Zuschauern sichtlich überfordert war. Vorab, es gab keinerlei Randale oder ähnlichen Ärger, man war der Jahreszeit angemessen durchaus friedvoll gestimmt, dennoch verloren die Ordner den Überblick, pferchten in einen bereits ausverkauften und besetzten Gästeblock noch weitere Fans, schickten uns auf der anderen Seite vor den Eingängen von Pontius nach Pilatus, einmal sogar wirklich von links nach rechts und am dortigen Eingang wieder zurück nach links, ich dachte mittlerweile ernsthaft, ich wäre bei Loriot gelandet, kurzum: Das Personal selbst richtete ein ziemliches Chaos an, schon ein kleines Wunder, dass unter diesen Umständen nicht mehr passierte.

Was sie bei der Organisation an klaren Strukturen vermissen ließen, gedachten sie dann aber im Stadion gleich doppelt nachzuholen. Ein Heimspiel beim SC Paderborn scheint ein einziges Kommerzevent zu sein. Gut in Erinnerung bleibt besonders dieser elektronische Gong, mit dem angekündigt wird, dass sich etwas Neues auf der Anzeigetafel getan hat. Dies ist ja nicht ganz uninteressant, wenn Zwischenergebnisse aus anderen Stadien eingeblendet werden. Denselben Ton nutzt man allerdings auch dazu, um mal anzuzeigen, dass nur noch fünf Minuten zu spielen sind, oder dass die Ecken, Gelben Karten und wahrhaftig auch die Freistöße von irgendeinem Sponsor präsentiert werden. Viele Pluspunkte sammeln sie auch in puncto Selbstbeweihräucherung, allen voran der Stadionsprecher, der einen „im schönsten Stadion Deutschlands“ begrüßt und auch ansonsten eine Menge Stuss auf Lager hat. Die fünf Männeken, die vor der Partie mit Großfahnen auf dem Rasen mal kurz den Kasper machen, werden anscheinend traditionell nach ihrem Tipp befragt, da war gegen uns alles dabei – von 3:0 bis 7:3, auf jeden Fall eine glasklare Angelegenheit. Die Stadionanlage ist unverhältnismäßig laut und wurde gerne auch ein wenig lauter gedreht, wenn die Fortuna-Fans sich einsangen, damit man nicht so genau hören konnte, dass 3.000 Gäste im Stadion waren, die um einiges lauter waren als die 10.000 Heimfans. Ein besonderer Höhepunkt waren die Vereins- bzw. Stadtlieder. Selten habe ich so etwas gehört, selbst das Karnevalsgejohle, aus dem beim 1.FC Köln eine solche „Stadionmusik“ besteht, wurde locker von diesen Schmachtfetzen übertrumpft. Mir persönlich hatte es besonders das Vereinslied angetan, ein wahres Kleinod rein deutscher Volksmusik. Kostprobe aus dem Refrain gefällig? „Paderborn, erhebe dich und lauf; Paderborn, denn Helden geben nie auf.“ Da wundert es auch nicht, dass in der zweiten Strophe tatsächlich die Textzeile „…Tränen, Schweiß und Blut…“ vorkam. Ich weiß ja nicht, wer dieses Pamphlet verfasst hat, tippe aber auf einen 80jährigen Großbauern, der noch in alten Zeiten schwelgt. Ich habe schon viel Unfug gehört, was so genannte „Vereinshymnen“ betrifft, aber dies war definitiv die Krönung.

Nachdem der Stadionsprecher dann auch noch die anwesende Mutter des Präsidenten und Hauptsponsors aufs Herzlichste begrüßt hatte (die hätte man mal zu dem Verfasser der Vereinshymne befragen können, ich wette, sie kennt den noch persönlich), nachdem man auf der Anzeigetafel bei den Ersatzspielern der Fortuna mit der Nummer 2 nicht Bruno Custos, sondern Ken Asaeda eingeblendet hatte (an dieser Stelle ein schöner Gruß nach Aschaffenburg, da spielt Ken nämlich, und das nicht erst seit gestern), nachdem auf der Gegentribüne noch das Transparent eines echten Weltvereins ausgerollt wurde „Die SG Druffel gratuliert euch zur Herbstmeisterschaft“, und nachdem musikalisch auch die letzten Bluts- und Schweißtropfen sowie Tränen vergossen worden waren, konnte es dann auch losgehen. Zusammenfassend kann ich somit nur sagen: ohoh, was habt ihr da nur angerichtet? Es hätte doch ein so schönes Stadion werden können. Naja, wenns dem gemeinen Ostwestfalen gefällt…

Die anwesende Fortuna-Schar hatte das Team nach der desolaten Vorstellung von Bremen mit „Wir wolln euch kämpfen sehn!“-Schlachtrufen begrüßt – und zwar schon beim Warmlaufen. Das schien das ein oder andere Spielerohr erreicht zu haben, und zwar nicht nach dem Motto „Zum einen Ohr, zum anderen wieder raus“. Und so bleibt zum Jahresabschluss doch der Eindruck einer vorbildlichen Leistung in allen Bereichen: die Fans standen die gesamten 90 Minuten hinter der Mannschaft und schafften es des Öfteren, das zahlenmäßig dreimal stärkere Heimpersonal in Grund und Boden zu singen; und das Team riss sich endlich mal wieder den Allerwertesten auf und kämpfte mit dem quasi letzten Aufgebot (mit Walbaum und Schwertfeger wieder zwei Spieler aus der Zweiten Mannschaft auf der Bank) den Tabellenführer nieder. Einziger Schönheitsfehler: es fielen keine Tore. Somit wurde es ein 0:0, ein achtbares Ergebnis, eigentlich zwar zu wenig, aber für die derzeitige Situation ein Hoffnungsschimmer, dass im nächsten Jahr vielleicht doch noch etwas geht.

Bezeichnend für das Spiel war, dass Paderborn in der zweiten Halbzeit keine echte Torchance mehr hatte, von einem 16-m-Schuss von Stürmer Löning mal abgesehen, die Kugel flog allerdings recht großzügig weit über das Tor. Die Fortuna-Abwehr stand endlich mal wieder relativ sicher, auch in der ersten Halbzeit hatte man nicht viel zugelassen. Ein abgefälschter Freistoß, den Melka hervorragend parieren konnte, ein Schuss von Kumbela über das Tor, als sich die Abwehr einmal mit dem gefürchteten Kurzpassspiel der Gastgeber aushebeln ließ (was Melka dazu animierte, nach der vergebenen Chance dreißig Meter aus seinem Tor zu laufen und Kapitän Lambertz lautstark zusammenzufalten, weil dieser mit seinem Ballverlust die Chance erst ermöglicht hatte), einmal verpasste Löning ganz knapp eine Flanke von Kumbela – das war es aber auch schon. Auf der Gegenseite hätte einer das Spiel schon in der ersten Halbzeit entscheiden können, es war der eben noch gemaßregelte Andy Lambertz. Ein erster Schuss vom der Strafraumgrenze rutschte ihm noch über den Schlappen, den nächsten bekam er passgerecht serviert, und zwar von einem Paderborner Abwehrspieler, der einen spektakulären Verstolperer am eigenen Strafraum praktizierte. Lambertz strebte allein aufs Tor zu, setzte den Ball dann aber knapp am rechten Pfosten vorbei. Kurz darauf eine nahezu identische Szene, bei einem Pass in die Spitze auf Kastrati wurde dieser festgehalten und zu Boden gerissen, alles wartete auf den Pfiff des Schiris, doch der ließ Vorteil laufen, Lambertz wieder völlig frei im Sechzehner, aber dann verstolperte er in bester Thekenmannschaftsmanier, anstatt quer auf den noch freier stehenden Cebe zu passen (was der allerdings daraus gemacht hätte, bei seinem Faible für Großchancen in der Hinrunde, darüber könnte man natürlich spekulieren…). Insgesamt zeigte sich auch unser Kapitän deutlich verbessert, in solchen Szenen merkte man allerdings recht deutlich, dass er noch längst nicht wieder der alte ist.

Und auch der Trainer überraschte. Hatte ich nach seiner Aufstellung beim Tabellenletzten Bremen insgeheim damit gerechnet, dass er beim Tabellenführer dann wahrscheinlich ein 10-0-0-System präsentieren würde, so wurde ich angenehm überrascht, mit Kastrati und Jovanovic immerhin zwei nominelle Stürmer auf dem Platz zu finden. In der zweiten Halbzeit, als Paderborn gar nichts mehr gelang, ging er sogar so weit, für den angeschlagenen Verteidiger Halet mit Heidinger einen dritten Stürmer einzuwechseln und die Vierer-Abwehrkette aufzulösen! Dies wurde von Heimtrainer Pavel Dotchev natürlich postwendend gekontert, indem er nur eine Minute später mit Güvenisik ebenfalls seinen dritten Stürmer einzuwechseln, aber es passierte nichts mehr. Ein sehr verdientes Unentschieden in Paderborn, mit ein bisschen Glück wäre sogar mehr drin gewesen. Bleibt die Frage, warum man nicht derart konzentriert und mit solcher Leidenschaft in Bremen aufgetreten war. Dann würde man jetzt der Konkurrenz nicht ganz so arg hinterher hecheln.
Einen hab ich noch vom Spielfeldrand: der Schiri, der von einigen Fans nach dem Spiel arg als Heimschiri bezeichnet wurde, was ich nicht ganz nachvollziehen kann, ich fand ihn wohltuend zurückhaltend und eigentlich immer auf Ballhöhe, pfiff die zweite Halbzeit zwei Minuten zu früh an (er pfiff auch beide Hälften überpünktlich ab, hatte wohl noch einen wichtigen Termin). In meinem Bereich der Haupttribüne ergab sich daraus ein Strom verärgerter VIP-Bereich-Besucher, die zu spät kamen, weil der gute Mann sie wohl noch in ihrer Nahrungsaufnahme gestört hatte. Einige beklagten sich sogar lauthals darüber. Fand ich köstlich. Aber die sahen sowieso nicht danach aus, als ob sie sich dafür interessierten, bei welcher Sportart sie sich befanden.

Weniger köstlich war, dass mich ein Ordner nach dem Spiel nicht in den Nachbarblock an den Würstchenstand ließ. In meinem Bereich gab es so etwas nicht, denn direkt hinter mir befand sich der VIP-Raum. Tja, und wer da sitzt und sich keine VIP-Karte kauft, der soll dann halt hungern, so habe ich das verstanden. Vielleicht durften sie auch einfach kein Geld mehr einnehmen, es geht ihnen ja finanziell auch so schon gut genug. Da kann der Service schon mal auf der Strecke bleiben.

Und das war das Kalenderjahr 2008 für die Fortuna. Weiter geht es in der Liga am 06.02.2009 (Freitag) mit dem Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers. Zuvor gibt’s noch das ein oder andere Turnier-Geplänkel, so auch zum dritten Mal den heimischen „Winter-Cup“ in der LTU-Arena. Am 24.01.09 erscheinen neben Fortuna der 1.FC Köln, der MSV Duisburg und Hertha BSC Berlin. Eine Woche später wird es schon wieder Ernst, am 31.01.09 tritt die Fortuna zum FVN-Pokal-Viertelfinale an, ausgerechnet in Essen bei RWE. Das wird bestimmt auch wieder eine lauschige Veranstaltung und ein dicker Brocken dazu.

Fortuna beendet das Kalenderjahr 2008 nach 20 Spieltagen als Tabellen-Vierter. Es sind acht Punkte auf Paderborn, sechs auf Union Berlin und vier auf Kickers Emden. Das wird Schwerstarbeit, da im neuen Jahr noch mal ran zu kommen, aber man gibt die Hoffnung natürlich nie auf. Union Berlin und Kickers Emden müssen beide noch in die LTU-Arena und natürlich besteht die Hoffnung, dass die Mannschaft ihre Krise mit dem Spiel in Paderborn endlich ausgelebt hat. Ansonsten könnte es auch ganz schnell ganz langweilig werden in der Rückrunde. Es kann eigentlich nur etwas gehen, wenn der ohnehin dünne Kader von weiteren schweren Verletzungen verschont bleibt, wobei wir die Hypothek Lawaree jetzt schon mit ins neue Jahr nehmen. Ob noch Verstärkungen in der Winterpause möglich sind, weiß ich nicht. Vielleicht sollte man auch einmal die Trainingsmethoden überdenken, denn wenn tatsächlich schon jeder Feldspieler des Kaders in der Hinrunde mindestens einmal verletzt war, dann wird es langsam schwer, dies einfach mit dem Begriff „Seuche“ abzutun, dann stimmt grundsätzlich etwas nicht. Wenn alle topfit zur Rückrunde (bzw. schon zum Pokalspiel in Essen) antreten und aus ihren Köpfen die letzten Spiele dieses Jahres verdrängt haben, dann könnte noch was gehen. Man darf gespannt sein.

Aber es gab zum Schluss nicht nur Negatives. Die zweite Mannschaft der Fortuna, in der neuen NRW-Liga (die Zusammenlegung der Oberligen Nordrhein und Westfalen) zum Klassenerhalt angetreten, mischte den Laden zum Schluss ganz gehörig auf und steht nach 13 Spielen in Folge ohne Niederlage plötzlich auf Aufstiegsplatz 2. Eine hervorragende Leistung der Jungs um Trainer Goran Vucic, die auch nicht dadurch geschmälert wird, dass der Tabellendritte Westfalia Herne noch ein Spiel weniger hat und mit einem Sieg wieder vorbeiziehen könnte. Damit hatte niemand auch nur annähernd gerechnet, aber die Jungs machen viel Spaß in dieser Saison, und mir macht es viel Spaß, mir vorzustellen, dass die quasi „aus Versehen“ aufsteigen könnten, um dann in der nächsten Saison gegen die Erste von RW Essen zu spielen. Und gegen die des Wuppertaler SV, die haben es nämlich rechtzeitig zum Jahresende auf einen Abstiegsplatz geschafft. Könnte also noch lustig werden.

Schließen möchte ich mit zwei Ausblicken. Zum einen sagt ein Blick auf die drei Regionalligen, mit wem man in der nächsten Saison in der 3. Liga so rechnen darf, da ja in der Regionalliga nur Platz 1 den Aufstieg bringt. In der Regionalliga West führt der 1. FC Kaiserslautern II die Tabelle jetzt schon mit acht Punkten Vorsprung an, vor – Borussia Dortmund II. Die nachfolgenden Vereine RW Essen und SC Verl haben schon 11 Punkte Rückstand auf den Aufstiegsplatz. Und im Süden führt Eintracht Frankfurt II mit zwei Punkten Vorsprung und einem Spiel weniger vor Hessen Kassel, gefolgt von Nürnberg II. Ob ich da wissen möchte, wem man beim DFB die Daumen drückt? Das wird bestimmt eine tolle Ergänzung des Premiumprodukts 3. Liga. Einzig im Norden haben die Zweitvertetungen nichts zu melden, dort bahnt sich ein spannender Dreikampf zwischen Holstein Kiel, dem FC Magdeburg und dem Halleschen FC an. Mal sehen, ob der DFB da nicht noch schnell die ein oder andere Lizenz entziehen kann, wenn es mit dem Aufstieg wirklich Ernst werden sollte…

Zum anderen wurden im November die Fernsehrechte für die Erste und Zweite Liga für die nächsten vier Jahre vergeben, inklusive kleinerer Neuregelungen, was Spieltage und Anstoßzeiten betrifft. Gut, Erste Liga endlich mal auf Landesliganiveau sonntags ab 15.30 Uhr – so viel Selbsterkenntnis hätte ich den Funktionären gar nicht zugetraut. Aber auch zu weiteren alten und neuen Festlegungen – u.a. 2.Liga-Spiele freitags ab 18.00 Uhr, samstags ab 13.00 Uhr – fällt mir eigentlich nur Folgendes ein: wenn früher gesagt wurde, man könne ja mal mittwochs um 11.30 Uhr in der 2. Liga antreten, dann war das ein Riesen-Gag. Heute sage ich: gebt der DFL noch vier, fünf Jahre…

In diesem Sinne, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht:

janus