von Janus, 20.9.2009

 

Drei weitere Spiele sind in der 2. Liga absolviert, und die Fortuna ist angekommen. In allen Belangen. Auch Fortunas Zwote in der Regionalliga West hat Fahrt aufgenommen. Und die Besichtigung eines neuen Stadions ist natürlich immer drin. Außerdem will ich so langsam mal in Urlaub fahren. Hier also meine Berichterstattung aus den letzten vier Wochen. Willi Go!

Ein ganz normales Auswärtsspiel

Am 4. Spieltag hatten wir also nach zehn Jahren mal wieder das Erlebnis eines Meisterschaftsspiels am Montagabend live im DSF. Zum Glück unterschied sich meine Anreise zu diesem Auswärtsspiel nicht allzu sehr von einem Heimspiel, schließlich ging es am 31.08.2009 in die Nachbarschaft, zum MSV Duisburg. Wenn man aus Bonn über die A 3 kommt, sind das nur zwei Autobahnabfahrten mehr. Das war also okay. Da somit das komplette Wochenende zur freien sportlichen Verfügung stand, nutzte ich dies zu zwei Blicken über den Tellerrand: Am Freitag, den 28.08.2009, schaute ich mal bei unserer Zwoten vorbei, die sich derzeit als Aufsteiger in der Regionalliga West tummelt, und die eine große Woche vor den Füßen hatte: an jenem Freitag gegen Eintracht Trier, am darauf folgenden Dienstag bei RW Essen, und drei Tage später, wieder freitags, daheim gegen Preußen Münster. Alles erste Mannschaften natürlich. Ich habe ja schon oft genug geschrieben, was ich von zweiten Mannschaften in den höherklassigen Ligen halte, nämlich nichts, deshalb werde ich das auch nicht noch jedes Mal explizit erwähnen, wenn von unserer Zwoten die Rede ist. Aber da dem DFB meine Einstellung seltsamerweise völlig egal ist, kann ich unserer Zwoten natürlich auch die Daumen drücken, wenn sie schon in solchen Ligen antreten. Und wer vor zwei Jahren noch gegen Hönnepel-Niedermörmter spielte (kein Unfug, die heißen wirklich so) und jetzt auf einmal gegen Trier, RWE oder Münster, dem kann ruhig auch ein wenig flau im Magen werden.
Außerdem gab es gegen Trier auch auf der Gegenseite etwas zu gucken. Schließlich werden die von niemand Geringerem als Mario Basler trainiert, der mir persönlich sehr sympathisch ist, außerdem kicken bei der Eintracht mit Torwart Kenneth Kronholm und Mittelfeldspieler Markus Anfang auch noch zwei Ex-Fortunen. Grund genug, einmal ein Auge auf das Spiel zu werfen. Und es lohnte sich, Fortuna II gewann mit 2:1, doch ziemlich überraschend, denn Eintracht Trier präsentierte sich sehr druckvoll und spielsicher, verlor nur mal ganz kurz den Überblick. Dies nutzten die Fortuna-Bubis (ohne Abstellungen aus der Ersten Mannschaft), um die frühe Führung der Gäste durch einen Doppelschlag binnen sechzig Sekunden nach einer halben Stunde umzudrehen und das Ergebnis tatsächlich bis ins Ziel zu retten. Bis heute ist dies die einzige Niederlage der Trierer, die aufgrund der spielerischen Leistung in der zweiten Halbzeit auch nicht unverdient war, wie selbst Mario Basler nach dem Spiel freimütig erklärte. Und fast 1.000 Zuschauer sorgten auch für einen netten Rahmen an jenem Freitagabend.

Dann überraschte uns an jenem Wochenende noch die Fortuna-Führung. Angesichts der Sturmmisere wurde man quasi auf die letzte Sekunde noch einmal auf dem Transfermarkt tätig und lieh Martin Harnik von Werder Bremen aus. Der österreichische Nationalspieler hat in Werders erster Mannschaft derzeit keine Chance, soll Spielpraxis erhalten. Und bevor der unwissende Leser jetzt kombiniert, dass diese Ausleihe bei unserem Personal doch ein Leichtes gewesen sein muss: trotz unseres Trainers Norbert Meier (lange Zeit als Spieler beim SV Werder), trotz unseres Managers Wolf Werner (lange Zeit als Scout beim SV Werder), trotz unseres Vorstandsmitglieds Thomas Allofs (Bruder von SV Werder-Manager Klaus Allofs) – dies war der erste Spieler überhaupt, den wir von Werder holen konnten, seitdem auch nur einer der drei Herren bei uns im Amt ist, und Thomas Allofs ist dies immerhin schon seit 2003. Ist also nicht ganz so leicht, wie es sich auf dem Papier manchmal ausnimmt. Leider war Harnik für das Spiel in Duisburg noch nicht spielberechtigt.

Zur aktiven Spielvorbereitung auf die Partie in Duisburg fuhr ich am Sonntag, 30.08.2009, dann mal nach Aachen, um mir den neuen Tivoli und das Spiel der Alemannia gegen den FSV Frankfurt anzusehen. Ist schön geworden, das Teil, auch braucht man sich keine neue Anfahrt einzuprägen, der neue Tivoli steht genau neben dem alten. Leider durfte man sich neue Preise merken, Stehplätze gibt es für 12 Euro, allerdings nur noch hinter einem Tor, und nicht in Dreivierteln des Stadions wie noch am alten Tivoli. Ich saß in einem Sonderblock direkt daneben (S 6), mit freier Platzwahl und „Steherlaubnis“, in dem aber alles saß. Somit die billigste Sitzplatzkarte – sie kostet 18 Euro. Dafür bot sie aber echtes Urlaubsfeeling, weil viele „ihren“ Sitz dadurch belegten, dass sie ihre Jacke drauf legten und anschließend wieder zum Catering runter gingen. Ich bin dafür, dass Sitze auch im Stadion nur mit Handtüchern belegt werden dürfen! Die „normalen“ Sitzplätze kosten dann von 24 Euro an aufwärts, ziemlich happig, wie ich finde, wobei mir bewusst ist, dass es bei uns auch nicht viel billiger ist. Essen und Getränke bewegen sich sowohl von der Auswahl als auch vom Preis her im Rahmen des Üblichen, zu den Getränken gibt es Wegwerfbecher ohne Pfand. Und zwar aus gutem Grund: man hat es nämlich jetzt auch in Aachen geschafft, diese dämliche Bezahlkarte einzuführen, wie schon in Köln, Schalke, München und wasweißich wo. Ich kann die Dinger nicht ab, aber es sieht wohl so aus, als ob man sich dran gewöhnen müsste...mal sehen, wann bei uns jemand auf diese glorreiche Idee kommt.
Hin- und Rücktransport mit öffentlichen Verkehrsmitteln liefen eigentlich sehr gut, dank einer ellenlangen Busspur direkt an der Hauptstraße waren wir sehr schnell weg. Besondere Erwähnung verdient die Toilettenanlage, wobei ich natürlich keine Ahnung habe, ob das überall im Stadion so ist, oder nur auf dieser Seite hinterm Tor („Bitburger Wall“). Es handelt sich um eine große Anlage, bei der man schnell zum Zuge kommt. Allerdings hat irgendein Witzbold den Eingang genau unter die Schräge des Treppenaufgangs in den Sonderblock gelegt, wo sich aufgrund von Platzproblemen dann ruckzuck alles staut. Man ist also schnell drin, braucht aber umso länger, um wieder rauszukommen. Irgendwie komisch.

Zum Spiel: es war ein verdienter 3:0-Sieg der Alemannia, weil Frankfurt sowas von schlecht war, dass ich mich ernsthaft fragte, was die glaubten, das sie da unten veranstalten. Außer dem Torwart und dem 11er, einem Peruaner namens Junior Ross, schien keiner von denen zu wissen, worum es bei diesem Spiel geht. Als der in der 67. Minute dann noch verletzt vom Platz ging, war es das denn auch für Frankfurt. Coulibaly traf mit einem Flanken-Freistoß, an den keiner herankam, eher „aus Versehen“ das Lattenkreuz, mehr gab es von Frankfurt nicht zu sehen. Aachen war nicht viel besser, nahm den Gegner in der ersten Halbzeit aber mal eine halbe Stunde Ernst und machte die zwei Buden, die das Spiel entschieden. In der 2. Halbzeit ließen sie den Gegner kommen, der das gar nicht wollte und konnte, dementsprechend ein echter Langweiler, nur kurz unterbrochen durch das famose 3:0 von Auer in der 87. Minute.
Auffällig war, dass schon bei Verkündung der Aachener Mannschaftsaufstellung der eigene Trainer ausgepfiffen wurde. Und wenn die Mannschaft dann noch so einen Verwaltungsfußball hinlegt, wird die Einstellung zum Trainer trotz dieses lockeren Sieges wohl nicht viel besser werden. Dachte ich noch so vor mich hin – schwupps, eine Woche später war Trainer Seeberger Geschichte, er wurde in der Länderspielpause beurlaubt. Angeblich habe die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft nicht mehr gestimmt. Und dann nutzt es auch nix, wenn du mal eben 3:0 gewinnst.

Nach diesen Ausflügen war ich gewappnet für das Spitzenspiel in Duisburg. Endlich mal wieder ein kleines Derby, das den Namen auch verdiente. RWE und Wuppertal hab ich eh nie für so etwas gehalten, das sehen wohl nur Marketingabteilungen der beteiligten Vereine als Derbys. Naja, und die Wuppis vielleicht doch auch, denn ansonsten hätten sie ja nie eins.

Also, auf nach Duisburg, zum selbsternannten Aufstiegsfavoriten mit dem Lautsprecher der Liga auf der Showbühne, äh, am Spielfeldrand, Peter Neururer. Der trommelte vor dem Spiel auch gewaltig ins PR-Horn, ließ bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit verlauten, dass er mit 10.000 Düsseldorfern rechne und daher die Duisburger auffordere, ins Stadion zu kommen, damit es für sein Team kein Auswärtsspiel werde. Anscheinend war der Kartenvorverkauf in Duisburg routiniert schleppend verlaufen. „Peter der Große“ schreckte auch nicht davor zurück, dies bei einem Interview im DSF kund zu tun. Ausgerechnet bei jenem Sender also, der das Spiel live übertrug (und dem wir diese Drecks-Anstoßzeit verdanken, das kann man gar nicht oft genug wiederholen), forderte der Peter die Zuschauer auf, eben nicht am Fernseher zu kleben, sondern lieber ins Stadion zu kommen. Der schreckt wirklich vor nix zurück!

Für unseren Coach Norbert Meier war es natürlich ein ganz besonderes Spiel, auch wenn er dies nicht gerne zugab. Er traf zum ersten Mal seit der „Kopfstoßaffäre“ mit dem damaligen Kölner Albert Streit am 6. Dezember 2005 in einem Pflichtspiel auf seinen damaligen Club. Die Emotionen um seine bevorstehende Rückkehr spielte er mit einer schön zweideutigen Aussage herunter, indem er sagte: „Ich bin zwar unter mysteriösen Umständen ausgeschieden, aber ich hatte mit keinem Duisburger Streit.“ Und nach der „Weiterentwicklung“ des Spielers Albert Streit in Köln, Frankfurt, Schalke, Hamburg und aktuell wieder Schalke denke ich, dass der ein oder andere Anhänger der genannten Vereine dem Norbi nachträglich zu dieser Aktion beglückwünschen würde. Die natürlich ein Fehler war, darüber brauchen wir nicht weiter diskutieren.

Nun, es wurden nicht ganz die von „Dancing Pete“ befürchteten 10.000 Düsseldorfer an jenem herrlichen Spätsommerabend, aber so an die 8.000 waren es doch, die den Aufsteiger beim Aufstiegsfavoriten unterstützen wollten. Insgesamt kamen 27.000 Zuschauer, eine recht ordentliche Kulisse für das als durchaus kritisch bekannte Wedau-Publikum, welches in der aktuellen Saison auch tatsächlich alles glaubt, was ihr Trainer ihnen so erzählt. Woher die dieses Selbstverständnis nehmen, ist mir zwar auch ein Rätsel, aber wenn man dadurch besser schläft, dann will ich mal nicht so sein. Jeder so wie er mag.

Fortuna verlor auch das zweite Auswärtsspiel der Saison. 3:0 hieß es am Ende für die Gastgeber, was ein ziemlicher Witz und selbst Peter dem Besten etwas peinlich war. Definitiv um ein, vielleicht um zwei Tore zu hoch fiel der Sieg aus. Nun gut, dafür kann man sich nichts kaufen, aber man konnte einige positive Dinge aus dem Spiel mitnehmen, die das doch deprimierende nackte Ergebnis ein wenig netter gestalten konnten. In der ersten Halbzeit war Fortuna nämlich die klar bessere Mannschaft, spielte munter nach vorne, und der eigentlich schon feststehende Aufsteiger (in memoriam Wolfgang Jerat) MSV Duisburg bekam mal gar nichts auf die Kette. Aber in diesem Spiel sollten wir ganz übel Lehrgeld bezahlen. Die durchaus vorhandenen guten Chancen wurden nicht reingemacht, und dann, zwei Minuten vor der Pause, entwischt die Wolfsburger Leihgabe des MSV, Caiuby, einmal seinem Schatten Claus Costa im Mittelfeld. Der versucht ihn noch festzuhalten, aber Caiuby ist eindeutig schneller. Anschließt legt er die Kugel Tararache auf den Fuß, der schaut einmal und lässt anschließend einen Böller aus 18 Metern los, der links oben in die Ecke passt. Ein Sonntagsschuss, ein prima Tor, so kurz vor der Pause natürlich unglücklich, denn in dieser Situation passt dieser Unfug vom „psychologisch ungünstigsten Moment“ ziemlich genau: Sekunden vor diesem Spielzug hatte es auf Duisburger Seite einen Fehlpass und damit verbunden erste Pfiffe des genervten Publikums gegeben. Wir hatten sie also so weit im Griff, dass selbst die Zuschauer schon ungeduldig wurden – dann ließ der Tararache mal einen los, den er so auch nicht in jedem Spiel trifft, und wir lagen in Rückstand. Ärgerlich.

Das war aber nichts gegen das, was sich kurz nach der Pause ereignete: in der 52. Minute Ecke für Fortuna von links. In der Mitte setzt sich Bulykin durch, kann einen tollen Kopfball auf das lange Eck bringen. MSV-Keeper Starke kommt mit den Fingerspitzen noch dran, lenkt den Ball an den Innenpfosten und dann – springt die Kugel wieder ins Feld zurück! Zwei Duisburger und der Keeper können dann noch gemeinschaftlich den Nachschuss-Versuch von Anderson verhindern, der Ball bleibt im Spiel, der Gegenzug läuft. Über links hat Tararache mächtig viel Zeit zum Flanken, er setzt einen butterweichen Ball auf die Höhe des langen Pfosten, und dort steht mutterseelenallein Christian Tiffert, da hatte wohl kein Fortune grad Zeit, mit zurückzulaufen. Und der setzt nun einen tollen Hechtkopfball gegen die Laufrichtung von Keeper Ratajczak – und der Ball ist drin, 2:0. Unglücklicher geht`s wohl kaum. Natürlich geht das: nur wenige Minuten später erwischt Oliver Fink einen hohen Ball nur mit dem Hinterkopf, verlängert ihn dadurch geschickt über Hamza Cakir hinweg in den Lauf von MSV-Torjäger Sandro Wagner, und der lässt sich die Chance nicht entgehen und netzt aus zwölf Metern flach gegen den machtlosen Ratajczak ein. 3:0, Fisch gegessen. Einmal schieres Pech und ein krasses Missverständnis entschieden die Partie, die der MSV danach routiniert nach Hause spielte. Der Sieg war verdient, nicht aber die Höhe, zumal die Fortuna auch nach dem 0:3 noch weiter versuchte, nach vorne zu spielen, aber die Luft war raus. Zum Schluss musste man noch aufpassen, nicht unter die Räder zu kommen, so gesehen konnte man froh sein, als der Schiri endlich abpfiff. Das war übrigens mein Freund Manuel Gräfe, von daher schon kein gutes Omen für mich. Aber der war diesmal nun wirklich nicht Schuld an der Niederlage. Und zu Ende war der Abend damit für einige noch lange nicht. Hier mein Erlebnisprotokoll:

Duisburg, 31.08.2009, ca. 22.00 Uhr: Der Schiri pfeift die Zweitliga-Partie MSV Duisburg gegen Fortuna Düsseldorf ab. Die Gastgeber haben 3:0 gewonnen, gefühlt ungefähr sechs Tore zu hoch. Aber wer seine Torchancen nicht nur heraus spielt, sondern auch nutzt, der gewinnt halt verdient, Punkt. Der Gast und Aufsteiger hat beileibe nicht enttäuscht, allerdings viel „Lehrgeld“ zahlen müssen. Kann schon mal vorkommen.
22.05 Uhr: die Heimmannschaft begibt sich auf die obligatorische Klatsch-Ehrenrunde und verharrt noch ein wenig vor der eigenen Fan-Kurve. Aus der Gästekurve sind ebenfalls noch lautstarke Gesänge zu hören, schließlich hat die Mannschaft ja auch nicht schlecht gespielt. Soll auch schon mal vorkommen.
22.10 Uhr: die meisten Spieler sind schon in den Katakomben verschwunden, einige geben noch Interviews. Die Heimfans machen sich zufrieden auf den Heimweg. Business as usual. Im Gästeblock wird immer noch gesungen und gefeiert. Das kommt schon seltener vor.
22.20 Uhr: nu ist wirklich keiner mehr auf dem Rasen, der in den vergangenen zwei Stunden etwas abgeliefert hat, was zu bejubeln wäre. Aber so ein leerer Rasen im Flutlicht, quasi nach der Schlacht, spricht auch das nüchternste Fan-Herz natürlich an. Zumindest wird im Gästeblock immer noch gesungen. Und nicht von drei, vier Unverzagten, sondern es sind bestimmt immer noch 2.000 Leute, die ihre Kehlen für den nächsten Arbeitstag ruinieren. Ich stelle mir vor, dass der erste Trommler bereits wegen Sehnenscheidenentzündung behandelt wird und ein Ersatzmann an die Trumm gehen muss. Ordner, die die Werbebanden sortieren, freuen sich über die musikalische Untermalung ihrer ansonsten so nüchternen Arbeit. Darauf angesprochen sagen sie, das käme eher nie vor.
22.30 Uhr: die Situation spitzt sich zu. Müsste erste Heiserkeitsausfälle im Gästeblock geben. An der Trommel stehen sie bestimmt jetzt schon zu dritt. Die ersten Ordner in der Mixed Zone beschweren sich über die Lärmbelästigung am Arbeitsplatz. Aus demselben Grunde wird jetzt MSV-Boss Hellmich im VIP-Raum bestimmt langsam blass. Was das an Überstunden für den Platzwart kostet! Normalerweise hat der um diese Uhrzeit schon das Licht ausgeknipst und sitzt in den Katakomben beim Feierabendbier. Außerdem können gefährliche Verbrüderungsszenen gesichtet werden: die Ordner am Gästeblock wippen erkennbar einige Male mit den Füßen im Takt mit! Und sogar das ein oder andere Grinsen bei der Security kann gesichtet werden. Das kommt hier noch nicht einmal vor, wenn Duisburg I gegen Duisburg II spielt.
Gegen 22.45 Uhr: der Spuk ist vorbei. So zumindest muss es den Duisburgern vorgekommen sein. Die übrig gebliebenen Gästefans ziehen nach der kostenlosen Gesangsstunde friedlich von dannen, und ich hoffe nur, dass keiner von denen später noch in ein Taxi steigen muss. Der kann dann sein Fahrtziel sicherlich nur noch schriftlich mitteilen.
Soweit der Nachklapp zu einem ganz normalen Auswärtsspiel der Fortuna. Eines, das die Fans zu einem ganz besonderen Abend machten, einfach nur, indem sie demonstrierten, dass es manchmal auf das Ergebnis nicht ankommt, wenn die Leistung gestimmt hat. Natürlich bekommen wir dafür keine drei Punkte mehr, noch nicht mal einen Extrapunkt für Kreativität. Aber das spielt auch keine Rolle. Dass selbst die Fernsehleute, die ja eh stets glauben, schon alles gesehen zu haben, wirklich bewundernd den Kopf schüttelten und dass ein Duisburger Ordner mich mit entgeistertem Gesichtsausdruck ansprach: „Hat keiner euren Leuten gesagt, wie das Spiel ausgegangen ist?“ – das sind schon eher Dinge, die nachhaltig bleiben. Die Fortuna-Fans haben an jenem Abend eindrucksvoll gezeigt: wir sind wieder da! Und das in absolut positivem Rahmen. Wer möchte an einem solchen Abend noch mit den Duisburgern tauschen? Ihr habt die Punkte – wir haben die Stimmung! Und manchmal ist eben auch im Fußball weniger mehr. Da beneide ich die Duisburger auch nicht, selbst wenn ich gerade gegen die verloren habe.
Noch eindrucksvoller ist dies natürlich, wenn es sich nicht um den ersten Auftritt dieser Art handelt. Denn bereits am Spieltag zuvor, nach dem Heimsieg gegen Koblenz, verblüfften einige Hundert Fans die siegreiche Mannschaft eine halbe Stunde nach dem Spiel beim Auslaufen noch mit ihren Gesängen, frei nach dem Motto: „Wir gehen heute nicht nach Haus!“ Man darf somit feststellen, dass nicht nur die Mannschaft in der 2. Liga angekommen ist, sondern dass auch von den Fans in dieser schweren Saison mit vollem Einsatz zu rechnen ist. Ein verheißungsvoller Auftakt, hüben wie drüben.

Als ich mich in Duisburg auf den Rückweg mache, kassiere ich an meinem Wagen auf einem der offiziellen Parkplätze direkt vor der Haupttribüne (!) erst einmal drei Flyer ein, mit denen das Auto während des Spiels an Windschutz- und Seitenscheibe zugepflastert worden ist. Einer davon ist wirklich und wahrhaftig das Werbeblatt einer Tabledance-Bar, welches für Junggesellenabschiede wirbt und einen Gutschein über 20 € für einen Tabledance mit der Dame meiner Wahl enthält! Und während mein Meinungsbild noch zwischen „Arme Duisburger“ und „Ist ja eine nette Idee“ schwankt, nehme ich mir vor, diese Bar demnächst mal aufzusuchen. Dann zeige ich meinen Gutschein vor und verlange die Dame Fortuna. Und ich bin sicher – die könnt ihr mir für alle Gutscheine der Welt nicht bieten. Die hat man oder man hat sie nicht. Und mit Preisnachlass bekommt man sie eh nicht. Nur voll und ganz – wie an jenem Abend noch lange nach Spielschluss eindrucksvoll zu sehen und zu hören war.

Zur Abreise dann noch ein kurze Beschreibung: Aufgrund dieser dämlichen Sperrung der Kalkstraße in eine Richtung, das ist die Hauptabgangsstraße rund ums Stadion, verspürte ich wenig Lust, mich in die ellenlange Schlange Richtung Autobahn A 3 einzureihen und wählte daher eine Heimfahrt mit Umwegen, aber schön flott: A 59, B 8, A 44, A 3, A 59 II, A 565 - ich hab sie alle gehabt! Und war immer noch wesentlich früher zuhause, als wenn ich mich brav eingereiht hätte. Diese Sperrung verstehen selbst Einheimische nicht, dann muss ich das auch nicht nachvollziehen können. Erinnerte mich ein wenig an die ebenfalls völlig unsinnige Sperrung in Offenbach am Ostersamstag, die uns aber immerhin nach dem Spiel noch zu einem Autokorso vor dem Offenbacher Rathaus verhalf.

Insgesamt fand ich das Spiel wirklich nicht so schlecht, wie es das Ergebnis aussagte. Lehren ziehen, abhaken und weiter machen!

Noch mehr alte Bekannte

Am Tag nach der Niederlage gab es dann wenigstens noch etwas zu grinsen: unsere Zwote trat bei RW Essen an und schaffte das, was der Ersten seit acht Jahren nicht mehr vergönnt war – sie gewann mit 1:0 bei RWE. Natürlich mit etwas Glück, denn die Gastgeber waren vor über 6.000 Zuschauern eigentlich die dominierende Mannschaft, allerdings im Abschluss zu harmlos, und unsere Bubis (mal wieder ohne Abstellungen aus der Ersten Mannschaft) hielten prima dagegen. Der gerade im August 20 Lenze alt gewordene Stürmer Marcel Gaus, den man noch am ehesten als „Abstellung“ bezeichnen kann, weil er bei den Profis trainiert und meistens bei den Spielen der Ersten Mannschaft auch auf der Bank sitzt und zu Kurzeinsätzen kommt, jener Marcel Gaus also knipste die Essener eine Viertelstunde vor Schluss dann mit dem Goldenen Tor endgültig aus. Und so konnten die paar mitgereisten Fortuna-Fans dann auch intonieren: „Vierte Liga – jeder weiß, warum!“ Und fanden damit wohl auch in Essen selbst Gehör, denn die schauten sich das noch zwei Spiele an und entließen dann Trainer und Manager (undwasweißichnochalles) Thomas Strunz, der nun wirklich kein Glück, aber auch von Anfang an einen schweren Stand hatte. Bei Essen steht derweil die gesamte Saison auf der Kippe, zwar hat man einen Etat, der immer noch um ca. 1 Mio. höher liegt als der der Fortuna, aber auch dieser scheint derzeit nicht auszureichen, um das ein oder andere Loch zu stopfen. Und aktuell stehen sie in der 4. Liga auch nur einen Punkt von einem Abstiegsplatz entfernt. „Fehlstart“ dürfte für die derzeitige Situation dort noch eine sehr gemäßigte Formulierung sein. Natürlich gehören die dort eigentlich nicht hin, wenn ich allerdings rekapituliere, was man sich in den letzten Jahren von dort alles anhören durfte und was man dort auch so alles erleben musste, dann…nun, ich habe es zu Beginn des Absatzes schon geschrieben, dann muss ich halt auch mal grinsen, wenn diese Lautsprecher selbst gegen unsere Zwote verkacken. Selbiges gilt auch für den Wuppertaler SV, aktuell souveräner Tabellenletzter in der Dritten Liga mit dem schönen Uwe auf der Trainerbank, und derzeit auf dem besten Wege, in der nächsten Saison ebenfalls gegen unsere Zwote antreten zu dürfen. Wie war noch der unvergessene Spruch von Wuppi-Präsident Friedhelm Runge vor dem Spitzenspiel in der Regionalliga Nord bei uns im Februar 2008: „Mir ist egal, wer hinter uns Zweiter wird!“ Da gab es wohl auch einige Leute, die ihm das geglaubt haben. So schnell kann es gehen. Aber es bleibt für beide Clubs ja noch genügend Zeit in dieser Saison, um das Ruder herumzureißen. Oder komplett abzustürzen.

Es folgte das schon erwähnte spielfreie Wochenende aufgrund der Länderspiele. Dies galt natürlich nicht für die Regionalliga West, weshalb ich mich an jenem Freitag dann wieder aufmachte, um die Zwote zum Abschluss ihrer „Traditionswoche“ gegen Preußen Münster zu begutachten. Diese Idee hatte ich nicht exklusiv, insgesamt waren es 1.515 Zuschauer, ein toller Rahmen. Und man muss ja auch bescheiden bleiben und kann nicht alles haben – nach den beiden unerwarteten Schelmenstücken der Zwoten gegen Trier und Essen wurde es nun die erste Saisonniederlage – 1:2 gegen Preußen Münster. Auch nicht unverdient, aber unnötig, denn die Preußen waren eher schlechter als in der Woche zuvor Trier. Aber sie nutzten ihre Chancen vor der Pause besser. Alle Treffer fielen im Abschnitt zwischen der 40. und 45. Minute, wer also vorzeitig die Tribüne verließ, um sich zu verpflegen oder aufs Klo zu gehen und den zu erwartenden Menschenschlangen auszuweichen, der hatte Pech und verpasste direkt mal alles. Führung für die Preußen in der 40. Minute, Ausgleich in der 42. Minute, Siegtreffer in der 45. Minute – man kam sich vor dem wie beim Tennis, immer hin und her, und jeder Angriff ein Treffer. In der zweiten Halbzeit fiel der Zwoten nicht viel ein, und die Preußen schaukelten den Sieg halbwegs souverän nach Hause, mussten sich aber zum Schluss bei ihrem Keeper bedanken, der bei der einzigen Fortuna-Großchance in Halbzeit Zwei in der 89. Minute großartig gegen den eingewechselten A-Jugendlichen Martin Blaas parierte und den Sieg festhielt. Schade, aber kein Beinbruch.

Was den Abend dann doch noch überraschend gestaltete, war die Tatsache, dass die Fans von Preußen Münster mit zwei Ultra-Gruppierungen anreisten, die sich untereinander so „gut“ verstehen, dass sie in den beiden Abschnitten des Gästeblocks tatsächlich getrennt untergebracht werden mussten, mit Zaun, verschlossenem Tor, Polizei und Ordnern dazwischen! Warum sich die eine Gruppe von der anderen abgespalten hat, weiß ich nicht, kann und will es daher auch nicht bewerten, gebe aber gerne zu, so etwas auch noch nicht erlebt zu haben. Wie ein User des Fortuna-Forums nach dem Spiel treffend schrieb, dies hatte etwas von der judäischen Volksfront und ihrem unerbittlichen Kampf gegen die Volksfront von Judäa. Monty Python-Liebhaber wissen Bescheid. Die eine Truppe praktizierte eher oldschool-Support, während die andere, zahlenmäßig unterlegen, eher zur Samba-Fraktion des Genres zu gehören scheinen. Und so sangen, trommelten und wedelten sie sich gegenseitig in Grund und Boden, völlig egal, ob es grad zum Spiel passte, und waren auch so mit sich selbst beschäftigt, dass sie zumindest das 2:1 wohl erst wahrnahmen, als die entsprechende Durchsage getätigt wurde. Manchmal verstehe ich diese Welt nicht, aber das muss ich wohl auch nicht. Auf jeden Fall ein höchst interessanter Anblick!

Am 11.09.2009, einem Freitag, ging es dann endlich in der 2. Liga weiter, Heimspiel gegen den FC Augsburg, von vielen als Geheimfavorit eingestuft. Wenn man sich den Kader der Augsburger beschaut, dann ist das durchaus zutreffend, die haben enorm aufgerüstet. Und deren Hauptzahlemann Walter Seinsch hatte auch schon zuvor bei der Einweihung der neuen heimischen Arena verkündet, dass er in diesem Schmuckkästchen sicher nicht noch jahrelang zweite Liga sehen will. Mit dem FCA wird also noch zu rechnen sein, auch wenn der Start in die neue Saison etwas holprig verlief.

Und natürlich waren wieder alte Bekannte am Start, ohne geht`s ja nicht. Wobei uns der eine, Marcel Ndjeng, für uns am Ball in der Regionalliga-Aufstiegssaison 2004/05, herzlich egal war, der wechselt ja eh seine Vereine wie andere Leute ihre Socken, musste ja irgendwann mal wieder gegen uns spielen. Aber der Andere! Axel Bellinghausen, insgesamt sieben Jahre bei der Fortuna am Ball, 2005 nach Kaiserslautern und vor der aktuellen Saison dann nach Augsburg gewechselt. Immer noch absoluter Publikumsliebling bei uns, und das gern verwendete Bonmot, gewissen Leuten nach dem Spiel doch einfach einen Sack über den Kopf zu stülpen und sie hier zu behalten, wäre bei ihm eine ernsthafte Option. Nach vier Jahren kehrte er endlich wieder nach Düsseldorf zurück, leider im falschen Trikot. Aber er ist ja auch lange noch nicht am Ende seiner Karriere…

Die erste Halbzeit des Spiels vor 20.235 Zuschauern war das Schlechteste, was Fortuna in dieser Saison bot. Man kam einfach nicht in die Gänge, der Gegner war klar besser, kombinierte flüssig und hatte im Mittelfeld alles im Griff. Nur ab und zu kam die Fortuna durch, wirklich zwingend eigentlich nur in der 20. Minute, als Jovanovic am Strafraum schön bedient wurde, sein Lupfer über Augsburgs Ersatzkeeper Lukas Kruse (Jentzsch lag mit Magen-Darm-Grippe flach) allerdings misslang und auch von seinem Sturmpartner Bulykin, eh nicht der Schnellste vor dem Herrn, erreicht werden konnte. Augsburg tastete sich so langsam auf den Fortuna-Kasten vor und bekam die große Chance zur Führung auf dem Silbertablett serviert: nach einer knappen halben Stunde drang Stürmer Thurk links in den Strafraum ein, Anderson flog von der Seite heran, Thurk fiel um, und es gab Elfmeter. Sicher einer, den man geben kann, Anderson attackierte zu ungestüm, aber dazu hätte ich später in anderer Sache noch was.
Also: Elfmeter für Augsburg. Thurk selbst will das Ding natürlich versenken – und scheitert an unserem Ersatzkeeper Michael Ratajczak! Der hat dann zwar Glück, dass Ndjeng der Nachschuss verrutscht, und der Ball knapp über das Tor fliegt, aber das schmälert seine Parade nicht im Geringsten. Er hatte sowieso einen ganz großen Tag erwischt.
An ihm lag es auch nicht, dass Augsburg fünf Minuten nach dem verschossen Elfmeter dann doch in Führung ging. Vorbereitet von Ex-Fortune Ndjeng, der alle Zeit zum Flanken hatte, abgeschlossen von Thurk, der in der Mitte völlig frei zum 0:1 unter die Latte köpfte. Sich anschließend noch einige lustige Fingerspiele gegen die Fortuna-Fankurve hinter dem Tor leistete, was merkwürdigerweise vom äußerst schwachen Schiri Tobias Christ nicht geahndet wurde. Ja, der Thurk ist doch immer wieder ein Strahlemann. Aber solange er es sich ungestraft leisten kann…

Die Führung war verdient, keine Frage, und Augsburg nahm sie auch verdient mit in die Pause. Und danach hätten sie sich auch gleich die Vorentscheidung verdient, aber einer hatte etwas dagegen: Michael Ratajczak. Denn da die Fortuna nach der Pause natürlich hinten aufmachte, spielte der FC Augsburg einige mustergültige Konter aus, es war ja genug Platz da. Allein dreimal rettete Ratajczak gegen den völlig frei stehenden Strahlemann Thurk, der es mit zunehmender Spieldauer kaum noch glauben mochte. Glanzstück war sicherlich die Parade auf der Linie, als Thurk nach einem Sahne-Konter der Gäste plötzlich am Fünfmeterraum völlig frei zum Abschluss kam. Ein sensationeller Reflex. Aber auch im Strafraum behielt Ratajczak im Eins gegen Eins die Übersicht und die Fortuna blieb im Rennen. Sie eroberten immer mehr Raum auf dem Platz, drängten nach vorne und erspielten sich peu à peu ihre Möglichkeiten. Dann kam auch noch Pech hinzu: in der 77. Minute fasste Kruse bei einer Ecke mal daneben, Jovanovic beförderte den Ball per Kopf Richtung Tor – und da stand ausgerechnet Axel Bellinghausen und rettete per Kopf auf der Linie! Diese Ex-Fortunen, wenn sie vorne mal nicht treffen, verhindern sie hinten die Gegentreffer. So langsam kam mir der Gedanke, dass wir hier noch zwei Stunden weiterspielen könnten, ohne das Tor zu treffen. Zum Glück dachte die Mannschaft nicht so, die spielte einfach weiter. Und wurde belohnt. In der 83. Minute Freistoß von halblinks, Höhe Strafraum. Linksverteidiger Weber schießt die Kugel knapp über der Grasnarbe in den Strafraum, gefühlte hundert Beine strecken sich danach, keiner kommt ran, und dann ist der Ball plötzlich in der langen Ecke. Ausgleich! Sicherlich glücklich, aber aufgrund des großen Kampfgeistes in der 2. Halbzeit nicht unverdient. Und den Augsburgern muss man ganz klar das sagen, was wir uns in den letzten beiden Jahren oft genug selbst sagen mussten: wenn man solche Chancen hat und den Sack nicht zumacht, darf man sich nicht wundern, wenn es dann hinten noch einschlägt. Wie gesagt: kennen wir selbst zur Genüge. Dass es uns auf der Habenseite auch mal was bringen würde, dieses Gefühl kennen wir eigentlich weniger. Von daher ein ganz klarer Punktgewinn.

In der Nachbereitung des Spiels gab es noch zwei Dinge, die sehr schön die Kompetenz des DSF aufzeigen. Da wäre zum Einen die Elfmeterentscheidung. Wie gesagt, ich finde, den kann man geben, weil ein Schiedsrichter eben keine Zeitlupe hat, unser Verteidiger sehr ungestüm in den Zweikampf ging und auch eine Berührung stattfand. Das fand auch der Kommentator des DSF, den Namen habe ich verdrängt. Der fand das allerdings immer noch so, während zeitgleich die zweite Zeitlupe des „Fouls“ lief, eine Nahaufnahme der Situation. In der man dann sehr schön sehen konnte, wie Thurk sein rechtes Bein bei Anderson einhakt und den Elfer somit quasi „im Vorbeigehen“ mitnimmt. Deshalb war er ja auch so schnell wieder auf den Beinen, sowas fällt bei dem ja unter „Schlitzohrigkeit“. Wie gesagt, für den Schiri war das nicht zu sehen. Dass der Mensch vom DSF aber hartnäckig von einem „hundertprozentigen Elfmeter“ spricht, während die eigene Zeitlupe das Gegenteil zeigt und zwar genau in dem Moment, in dem er seine Weisheit heraus posaunt – das ist schon, naja, sagen wir lustig. Alles Andere würde diese Inkompetenz nur aufwerten.
Wie zum Beispiel die zweite „Anekdote“, die ich weniger lustig fand. Das DSF filmte nämlich per Zufall ein kurzes Wortgefecht zwischen Fortuna-Spieler Olivier Caillas und FCA-Manager Andreas Rettig beim Gang in die Halbzeitpause. Gehört hatten sie dummerweise nichts. Um ihrem Anspruch des Schlüsselloch-Journalismus auch entsprechend gerecht zu werden, wollte man nach dem Spiel ein Statement von beiden Protagonisten. Von Caillas bekamen sie keins, dem hatte Fortuna-Manager Wolf Werner einen Maulkorb verpasst. Dies kommentierte die DSF-Moderatorin Daniela Fuß mit den Worten: „Bei einigen scheinen die Nerven jetzt schon blank zu liegen.“ Eine fluffige Rufschädigung zur besten Fußball-Sendezeit. Sie hatte keinen Plan, worum es überhaupt ging, aber genau dazu musste sie dann ihr sendereigenes Statement loslassen. Wahrscheinlich weil die es nicht gewohnt sind, wenn man sie mal nicht so bedient, wie sie es gerne hätten.

Der Rettig gab dann noch die Auskunft, Herr Caillas sei kein fairer Sportsmann, angeblich habe er beim Schiri Gelbe Karten für die Augsburger Spieler gefordert. Kann man mal sagen. Was man dann nicht sagen kann, ist, dass man den Caillas ja schon seit Jahren kennen würde, das wäre ja nix Neues, diese Unsportlichkeit. Das kann man schon mal gar nicht sagen, wenn man Andreas Rettig heißt. Natürlich tat er es trotzdem. Dieser kleine Pinscher faselt etwas von sportlichem Auftreten, ausgerechnet der! Bei mir unvergessen sein legendärer Auftritt bei der ebenso legendären, weiter oben bereits beschriebenen Kopfstoß-Aktion unseres jetzigen Cheftrainers, damals im Spiel Duisburg gegen Köln. Da stürmte der Rettig, damals noch Manager des 1.FC Bahnhofskapellendorf, nach dem Zwischenfall an der Seitenlinie von der Tribüne aus (!) auf den Platz, um sich anschließend mit dem damaligen Duisburger Keeper Georg Koch auf dem Feld anzulegen. Und das ist ja nicht der einzige Zwischenfall, bei dem er seine Klappe meterweit aufriss. Von so jemandem muss man sich nun wirklich nicht moralisch belehren lassen, auch Olivier Caillas nicht, dessen nicklige Spielweise ich an manchen Tagen auch nicht mag, das schrieb ich auch schon des Öfteren. Aber ausgerechnet der Rettig gießt dann noch Öl ins Feuer. Wenn man Spieler wie Stinkstiefel Thurk oder Holzhacker Sinkala in der Mannschaft hat, der bereits nach zwanzig Minuten routiniert unseren Abräumer Claus Costa aus dem Spiel knickte und dafür noch nicht mal Gelb sah, und wenn man sich selbst auch nie so ganz zurückhalten kann, dann sollte man in puncto Fair Play etwas mehr Zurückhaltung üben. Aber er ist natürlich ein PR-Profi und weiß, dass das DSF genau so etwas hören will. Und die übernahmen es ja dann auch begeistert. Das ist also die schmierige Art der Berichterstattung, an die man sich in der 2. Liga gewöhnen muss. Aber ich hab mich früher ja auch schnell daran gewöhnt, dass Raider auf einmal Twix hieß. Ich schaff das auch mit dem DSF. Die Wertigkeit dieser beiden „Häppchen“ ist ja nahezu gleich.

Abschließend zum Spiel hier noch die Aussage von Ex-Fortune Axel Bellinghausen, der der Augsburger mit den meisten Ballkontakten an jenem Abend war und der uns fast noch das Unentschieden verhagelt hätte. Bis zum nächsten Mal, Axel!

„Für den Familienfrieden ist das 1:1 vielleicht das beste Ergebnis, aber den hätte ich für ein Wochenende auch geopfert. Wir haben hier zwei Punkte liegen lassen. Dass ich den einen Ball dann noch vor der Linie kläre, ja okay, Entschuldigung dafür.”

Gelungene Revanche

Am 19.09.2009 schließlich ging es ins Münsterland, zum Tabellenvorletzten RW Ahlen. Einen ganzen Punkt aus fünf Spielen hatten die bisher geholt, dazu ein einziges Tor erzielt, das auch noch auswärts. Allerdings sprach so einiges auf dem Papier gegen Fortuna. In der letzten Saison gab es diese Partie nicht, da spielte Ahlen schon in der 2. Liga. In den beiden Spielzeiten zuvor jedoch hatte Fortuna in der Regionalliga Nord im Wersestadion richtig derbe Prügel einstecken müssen – ein 1:5 und ein 1:4 standen zu Buche. Und im aktuellen Kader der Ahlener standen reichlich Spieler, die schon Erfolgserlebnisse gegen Fortuna gehabt haben, sei es mit Ahlen oder mit Wuppertal oder mit Kickers Emden oder mit Paderborn. Reichwein, Toborg, Kumbela, Moosmayer, um nur diese vier zu nennen. Mal ganz abgesehen von Trainer Stefan Emmerling, dem Ex-Fortunen, der uns jahrelang mit Kickers Emden geärgert hatte. Also nicht die allerbesten Voraussetzungen. Aber das Schöne am Fußball ist ja, dass das Papier, auf dem solche Dinge geschrieben stehen, es manchmal nicht wert ist, sich damit den Allerwertesten abzuwischen. Das macht es ja so spannend.

Somit also Anstoß an jenem Samstag um 13 Uhr, 6.600 Zuschauer, davon mindestens 3.500 Fortunen, in diesem lieblos aus alter Tribüne, ganz alter Tribüne, neuer Tribüne und ganz neuer Tribüne zusammengeschusterten Dorfstadion, aber wenigstens die Waffeln-und-Süßigkeiten-Bude hinter der Haupttribüne gibt es noch (endlich mal wieder eine Tüte Gemischtes für einen Euro geholt…für dreißig Cent von der Nr. 3, für dreißig von der Nr. 5 und für vierzig von der Nr. 11, den Sauren…einfach knuffig). Weber bekommt hinten rechts den Ball, spielt ihn lang nach vorn, Harnik verlängert per Hackentrick auf Jovanovic, der lässt den Ball einfach durch, und die Kugel rollt in den Lauf von Andreas Lambertz, der macht noch ein paar Schritte mit dem Ball und biggelt ihn dann unter dem heraus stürzenden Keeper Kirschstein ins leere Tor – 0:1 nach unfassbaren 19 Sekunden. Saisonrekord, wahrscheinlich auch Vereinsrekord. Feinbier traf zwar mal nach 13 Sekunden, 2005 in Berlin, aber das war zu Beginn der zweiten Halbzeit. Ein Traumstart für Fortuna.

Und dann ging es auch so weiter. Fortuna spielte den völlig verunsicherten Gastgeber schwindlig, hatte Chancen im Minutentakt. Insbesondere Jovanovic, immerhin einer von drei Ex-Ahlenern in unseren Reihen (mit Keeper Ratajczak und Innenverteidiger Langeneke, der erstmals in dieser Saison auflaufen konnte) wirbelte, dass den heimischen Abwehrspielern Hören und Sehen verging, bestens unterstützt von Harnik, der den Vorzug vor dem gegen Augsburg völlig enttäuschenden Bulykin erhalten hatte (Harnik war auch dort bereits in der Pause für Bulykin eingewechselt worden). Die zwei veranstalteten in der Ahlener Abwehr ein unglaubliches Tohuwabohu, bestens unterstützt von Kapitän Lambertz, der seine eher durchwachsenen Leistungen der letzten Spiele vergessen ließ und seine beste Saisonleistung hinlegte. Man konnte gar nicht so schnell gucken, wie es vorne rund ging. Harnik setzt sich über links durch, flacher Ball in die Mitte, Jovanovic grätscht um Zentimeter an Ball und leerem Tor vorbei; Jovanovic lässt vier Ahlener (!) stehen, spielt rechts in den Strafraum auf Harnik, der setzt die Kugel flach an den langen Pfosten, Jovanovic macht den Abpraller aus zwölf Metern rein – 0:2 (12. Minute); Harnik und Jovanovic spielen rechts am Strafraum einer mir nicht mehr erinnerlichen Anzahl Ahlenern Knoten in die Beine, den anschließenden Aufsetzer von Jovanovic fischt Torwart Kirschstein so gerade eben noch aus dem kurzen Eck; bei der anschließenden Ecke springen erst Jovanovic, dann Weber am Ball und völlig desorientierten Gegenspielern vorbei. Nach noch nicht einmal zwanzig Minuten musste das Spiel eigentlich durch sein, über drei, vier Gegentreffer hätten sich die Gastgeber zu diesem Zeitpunkt nicht beschweren können. Taten sie übrigens auch nicht, sie waren bemerkenswert hilflos.
Ebenso bemerkenswert, wie Fortuna just nach diesen zwanzig Minuten dem Gegner wieder auf die Sprünge half: Fehlpass von Fink im Mittelfeld, der Ball kommt rechts raus zu Busch, der flankt in aller Seelenruhe in den Strafraum, Bröker gewinnt am Elfmeterpunkt das Kopfballduell gegen Cakir, Torwart Ratajczak steht einen Tick zu weit vor dem Tor und die Kugel senkt sich über ihn ins lange Eck, quasi ein Tor „Union Berlin Reloaded“ – ein Tor, völlig aus dem Nichts. Das erste Heimtor für Ahlen, vom Stadionsprecher, der ansonsten eine ziemliche Nervensäge war, sehr schön kommentiert mit: „Die Älteren unter Ihnen werden sich an diesen Vorgang noch erinnern können – Tooor in Ahlen!“

Prompt ließ Fortuna die Zügel etwas schleifen, die Ahlener kamen besser auf, ohne allerdings wirklich gefährlich zu werden. Bedauerlich dann auch, dass ausgerechnet Jovanovic schon nach 36 Minuten mit Kniebeschwerden vom Platz gehen musste. Für ihn kam Bulykin. Etwas unverständlich, weil man doch glauben konnte, es wäre cleverer, einen schnellen Konterspieler zu bringen, der mit Gaus auch auf der Bank saß. Aber der Trainer würde sich schon etwas dabei gedacht haben. Hoffentlich.

Mit der hoch verdienten, aber viel zu knappen Führung ging man in die Pause, mit besten Aussichten auf eine Zitterpartie danach. Wir verstehen es ja ziemlich oft, gerade solche Gegner gerne mal aufzubauen. Umso erfreulicher, dass es diesmal nicht der Fall war. Man ließ die Ahlener noch fünf Minuten nach Wiederbeginn ein bisschen kommen und legte dann selbst ein paar Briketts nach. Ahlen wurde wieder hinten rein gedrängt, beging wieder Fehler, und legte dann selbst zur Entscheidung auf: Bulykin fummelte sich in den Sechzehner, anstatt zu schießen legte er dann noch quer auf Harnik, was völlig unsinnig war, denn der war von Felgenhauer bestens abgeschirmt, die Chance damit eigentlich vorbei. Aber Felgenhauer war so nett und legte den Ball nochmal quer zu Bulykin, der diesmal geistesgegenwärtig reagierte und sofort mit rechts abzog – drin, 3:1, erstes Saisontor für Bulykin, das Ding war durch. Schön auch, dass die Fans, dies mit „Bulykin, Bulykin!“-Sprechchören honorierten. Der in den letzten Wochen arg Gescholtene strahlte daraufhin wie ein Honigkuchenpferd und drehte noch ordentlich auf. Der dreht sich zwar immer noch so flott, wie eine neue Eiszeit hereinbricht, aber er gewann plötzlich jeden Kopfball, schirmte die Bälle gut ab, legte immer wieder prima auf. Es lief so gut, dass Trainer Meier anschließend auch den Youngster Gaus für den quirligen Harnik bringen konnte, der ein Superspiel von Beginn an lieferte. Und Axel Lawaree ist ja immer noch verletzt. Auweia, nicht dass ausgerechnet wir plötzlich ein Luxusproblem im Sturm bekommen…also ich hätte nichts dagegen!

Den Schlusspunkt setzten dann der Kapitän und der Jungspund. Andy Lambertz spielt auf rechts mal wieder Ringelreihen mit diversen Gegenspielern, zieht im Strafraum zur Grundlinie und spielt dann in den Rücken der Abwehr. Und da rauscht Marcel Gaus heran und versenkt die Kugel aus vollem Lauf links unten im Eck zu seinem allerersten Zweitliga-Tor. Traumhaft.

Solche Spielzüge wie beim ersten, zweiten und vierten Tor hat man bei uns selten mal in einem Spiel gesehen. Natürlich darf dieser erste Auswärtssieg in der 2. Liga seit zehn Jahren nicht überbewertet werden, denn der Gegner war wirklich erschreckend schwach, es gab fast keine Gegenwehr. Am Tag danach machte man in Ahlen dann auch Tabula rasa und entließ mit Trainer Emmerling, Co-Trainer Heemsoth und Manager Grädler gleich drei Leute auf einen Schlag. Etwas skurril war dies besonders im Fall des Managers, der unmittelbar nach dem Spiel im Interview sagte, natürlich werde man sich jetzt zusammensetzen und diskutieren, ob Personalentscheidungen zu fällen seien. Da hatte er wohl dann recht zügig nichts mehr mitzudiskutieren. Aber wie gesagt, oft genug haben wir solche Gegner wieder aufgebaut, ich erinnere nur an Lübeck in der vorletzten Saison. Schön, dass man endlich mal konzentriert spielte, bis auf den kleinen Durchhänger vor der Pause, und den Gegner auseinander nahm. Man kann hochzufrieden mit dem Spiel sein, sollte aber als kleinen Kritikpunkt die Chancenverwertung mitnehmen. Und dass Gegentore eigentlich nicht so aus dem Nichts fallen dürfen. Aber ansonsten: eine beeindruckende Vorstellung!

Und so finden wir die Fortuna nach sechs Spieltagen in der 2. Liga auf Platz 5. Fortuna II steht in der Regionalliga West übrigens auch auf Platz 5, mit 14 Punkten nach acht Spieltagen, das finde ich eigentlich noch viel überraschender. Guck an! Viel wichtiger als die Platzierung der ersten Mannschaft erscheinen mir jedoch die bislang geholten zehn Punkte. Das sind nämlich jetzt schon sechs mehr als die aktuelle Mannschaft auf dem Relegationsplatz, die TuS Koblenz, aufzuweisen hat. Und gar neun mehr als die Teams auf den direkten Abstiegsplätzen, Ahlen und der FSV Frankfurt, auf dem Konto haben. Horte in der Zeit, dann hast du in der Not!

Und nun kommt am nächsten Montag, 28.09.2009, Alemannia Aachen zum „Westschlager“ (ich wette, so oder so ähnlich werden sie es bewerben) in die Esprit-Arena. Ein tolles Spiel, das hoffentlich 30.000 Zuschauer anlocken wird. Ich werde es leider verpassen, denn ich begebe mich übermorgen (Dienstag) in meinen diesjährigen Urlaub. Wer zu einer solchen Zeit Urlaub buchen muss, muss natürlich damit rechnen, ein Spiel zu verpassen. Aber das hätte es nun wirklich nicht sein müssen. Naja, es kommen auch wieder andere Zeiten. Die nächsten beiden Auswärtsspiele zum Beispiel, Greuther Fürth und Kaiserslautern, vom Feinsten. Und dazwischen Heimspiel gegen den Tabellenletzten FSV Frankfurt. Ganz wichtig, gegen die genauso aufzutreten wie in Ahlen. Denn gerade die Frankfurter, die waren nach der Hinrunde der letzten Saison ja eigentlich auch schon abgestiegen und zogen mit einer beeindruckenden Rückrunde noch den Kopf aus der Schlinge. Die haben also schon mal demonstriert, wie schnell sie andere Vereine mit runterziehen können. Muss ich nicht am eigenen Leibe erfahren!

Sagt erstmal tschö: janus