von Janus, 17.8.2008

 

Spieltag 1 bis 3

Herzlich willkommen zurück bei Fortuna Düsseldorf! Neues Spiel, neue Liga, neues Glück – nur der Verein ist noch immer derselbe, wie gleich sofort festzustellen sein wird. Aber mal ehrlich – wollen wir das überhaupt anders? Wollen wir so drängende Probleme bearbeiten wie Schalke oder Bremen, nämlich ob wir einen Spieler für Olympia abstellen müssen, einen einzigen Spieler, dessen Fehlen natürlich das gesamte Mannschaftsgefüge in der Vorbereitung so dermaßen zusammenbrechen lässt, dass man jetzt schon eine gute Erklärung für einen eventuell folgenden Fehlstart in der Liga hat? Oder wollen wir wirklich Trikotpräsentationen wie von Bayern München, in der irgendwelche Hupfdohlen zu bombastischer Klassikmusik in einer ausgeklügelten Light-Show präsentieren, mit welchen Leibchen die Herren Ballbeweger demnächst ihre gefühlt 48. Deutsche Meisterschaft einfahren werden, weil die Konkurrenz ja schon anhand dieser lustigen Veranstaltung resigniert sagt: „Die spielen in einer anderen Liga!“? Oder wollen wir einen TED, wie ihn SAT.1 nach dem Spiel des FC Telekom gegen den HSV schaltete, und in dem man allen Ernstes fragte, ob der Favorit nach einem 2:2 (!) am ersten (!!) Spieltag um den Titel bangen müsste? Natürlich wollen wir das nicht, wir wollen uns weiter ärgern, dass wir mit irgendwelchen drittklassigen Krampen in einer zu Dreivierteln leeren Arena spielen müssen, wir wollen weiter ganz fest daran glauben, dass der millionenschwere Deckel, den wir bei der sportwelt/kinowelt-Connection stehen haben, sich bei nur allzu intensivem Anstarren schon irgendwann in Luft auflösen wird, und wir wollen wieder mit dem Schicksal hadern, wo wir hätten stehen können, wenn wir nur richtig eingekauft hätten. Wobei Letzteres ein Thema ist, bei dem wir uns diesmal gar nicht lange aufhalten mussten. Also: los geht’s!

Sommerpause


Ja, in der Sommerpause, da rotiert das Personalkarussell. Es sei denn, man ist bei Fortuna, da kreist höchstens der Blocker der Putzfrau auf der Geschäftsstelle. Bis Saisonbeginn waren ganze zwei Neuverpflichtungen drin, mit denen man das Abenteuer 3. Liga angehen will. Und während mit Stephan Sieger vom neuen Mitkonkurrenten Offenbacher Kickers noch solide Qualität für das defensive Mittelfeld eingeholt wurde, muss dies bei Neu-Stürmer Deniz Kadah vom VfB Lübeck zumindest hinterfragt werden, allzu viel hat der nämlich auch noch nicht gerissen. Ausgerechnet unsere Sorgen-Abteilung, der Sturm, wurde also nicht zielgerecht verstärkt. Richtig zur Posse wurde das Transfergeschäft, als es um Nils Fischer ging. Der ist rechter Außenverteidiger bei Arminia Bielefeld II, kam zum Probetraining, überzeugte, und sollte ausgeliehen werden. Jawohl, ausgeliehen, die Bielefelder wollten den nämlich gar nicht abgeben, die wollten nur, dass er Spielpraxis bekommt. Wäre auch alles kein Problem – wenn in letzter Minute nicht der Vorstand der Fortuna dazwischen gefunkt und seine Zustimmung zu dieser Personalie verweigert hätte. Nicht weil die Bielefeld oder den Fischer nicht leiden können, nein, sondern weil angeblich derzeit kein finanzieller Spielraum für diese Verpflichtung gegeben sei! Also ich weiß ja, dass wir pleite sind, aber dass es noch nicht mal mehr zur Leihe eines Oberligaspielers reicht, das gibt mir doch zu denken. Wobei es dann natürlich von Seiten des Vorstandes ganz flugs hieß, das habe nix mit den Finanzen zu tun, sondern man sähe die „sportliche Notwendigkeit“ einer solchen Leihe nicht. Aua, ein Vorstand, der meint, sportliche Belange besser einschätzen zu können als Trainer und Manager, die beide Fischer haben wollten. Was müssen wir sportliche Koryphäen im Vorstand haben – oder halten die unseren Trainer und Manager nur für eine etwas bessere Laienspielschar auf diesem Gebiet? Man weiß es nicht genau. Aber anscheinend tummeln sich in unserem Kader noch zu viele „Altlasten“, die man eigentlich abbauen wollte. Bei David Krecidlo gelang dies, der wechselte zum SC Paderborn. Christian Erwig, einer der Stürmer, die in der letzten Saison nicht überzeugt hatten, war immerhin mal zum Probetraining bei einem österreichischen Erstligisten, habe verdrängt, welcher es war, Sturm Graz, glaube ich. Was er sich da zusammen spielte, gefiel den Ösis so „gut“, dass sie bis heute nichts mehr von sich hören ließen. Erwig kam zurück und tat das, was er am besten kann, nämlich Tore am Fließband gegen unterklassige Testgegner schießen. Mehr kam dann wohl aber nicht, denn zumindest in den ersten beiden Saisonspielen gegen Paderborn und Stuttgart saß er noch nicht einmal auf der Bank. Stattdessen schoss er dann in den Testspielen der Zweiten Mannschaft, deren Saison erst am 17.08.08 begann, Tore am Fließband gegen unterklassige Mannschaften. Ich möchte wirklich mal wissen, was mit dem los ist...

Verzichtet hätte man auch gerne auf die Dienste von Marek Klimczok und Henri Heeren. Da beide jedoch einen Vertrag bis 2009 haben, entschlossen sie sich, diesen zunächst einmal auch auszusitzen. Eine Maßnahme, die zumindest den sportlichen Manager Wolf Werner keinesfalls erzürnen dürfte – selbiges hatte er nämlich Olivier de Cock öffentlich geraten als klar wurde, dass wir den nicht würden halten können. Die Situation ist verzwickt: de Cock war ja nur ausgeliehen, hat noch ein Jahr Vertrag in Brügge. Die brauchen ihn nicht mehr, legen aber Wert auf eine Ablösesumme, die Fortuna nicht zahlen kann. Und als die Tage vergingen und es immer noch kein Geld vom Himmel regnete, da empfahl der gute Herr Werner dem Cockie, sich halt zur Not diese Saison in Brügge auf die Tribüne zu setzen und im nächsten Jahr ablösefrei wieder zu uns zu kommen. Leider tat er dies recht öffentlich, nämlich im Rahmen eines Zeitungsinterviews. Da werden sich Klimczok und Heeren wohl vor Freude auf die Schenkel geklopft haben, als sie dies lasen.

Markus Anfang hingegen konnte man zwar vom Spielfeld runterholen, bezahlen darf der Verein aber weiter für ihn, er ist jetzt nämlich Co-Trainer bei der Zweiten Mannschaft. So hat auch einst Uwe Weidemann angefangen, wenn mich nicht alles täuscht...

Und wenn man schon keine Neuen verpflichten kann, muss man es eben besonders hervorheben, wenn die Alten bleiben wollen. Andreas Lambertz zum Beispiel hatte konkrete Angebote des VfL Osnabrück und von Alemannia Aachen. Man konnte ihn halten und machte ihn auch gleich zum Mannschaftskapitän (da hatte er in der letzten Saison als Stellvertreter ja auch genug Zeit zum Üben, weil Henri Heeren eher selten über eine gesamte Spieldauer auf dem Platz zu sehen war), musste sich aber finanziell bis zur Decke strecken. Und sollte ganz oben unter der Decke noch ein bisschen Luft geblieben sein, so wurde die anschließend für Hamza Cakir verbraucht, der krasse Angebot von Wuppitaler SV hatte. Auch ihn konnte man überreden, seine sportliche Herausforderung weiterhin bei Fortuna zu sehen, aber weniger als vorher wird er wohl kaum verdienen. Insgesamt natürlich erfreulich, zwei echte Leistungsträger und Identifikationsfiguren halten zu können, aber da soll es dann tatsächlich Fans geben, die sich wundern, wenn anschließend kein Geld mehr da ist...

Immerhin langte es noch zur Verpflichtung einer echten Granate: vom ETB SW Essen kam Torjäger Sascha Wolf, mit der Empfehlung von fast 80 Toren in den letzten vier Oberliga-Jahren. Der Ex-Essener und Ex-Schalker weiß wirklich noch, wo das Tor steht. Leider ist auch er schon 36 Jahre alt. Er wurde als Leitwolf für die Zweite Mannschaft geholt, für die kann er Gold wert sein. Aber wenn der in der neuen NRW-Liga weiter wie blöde knipst, dann kann man ihn ja zumindest mal bei der Ersten auf die Bank setzen, um den eigentlichen Stürmern Feuer unterm Hintern zu machen...

Also: der beste Abwehrspieler der letzten Saison wohl weg, drei Leute, die man nicht mehr auf der Gehaltsliste haben wollte, immer noch da, nur zwei Neue, insgesamt nur 18 Mann im Kader – das ließ für die neue Saison ja nicht viel Gutes erahnen.

In acht Testspielen wurde vor Saisonbeginn geglänzt, mit sieben Siegen und einem Unentschieden sowie einem Torverhältnis von 63:1. Natürlich waren dies unterklassige Gegner, die da vermöbelt wurden, aber das ein oder andere Highlight gab es trotzdem. Am 05.07.08 zum Beispiel spielte man beim A-Kreisligisten SV Sötenich, im Rahmen des einwöchigen Trainingslagers in Bitburg. Dort war man im letzten Jahr bereits angetreten und hatte 10:0 gewonnen. Dies hatte den Eifelanern anscheinend so viel Spaß gemacht, dass sie die Fortuna nochmals einluden und mit Flyern und Zeitungsanzeigen für das Spiel warben. In diesen Anzeigen wurde vollmundig die „Revanche“ für dieses 0:10 angekündigt. Es wurde eine. Und wie! Ich sag nur: SV Sötenich - Fortuna 1:25! Das genaue Ergebnis war nur anhand hartnäckiger Recherche rauszufinden, da auch die entsprechenden Printmedien so ab Tor Nr. 18 wohl nicht mehr so richtig mitgezählt hatten. Da ging es ihnen wie den Spielern, kleiner Dialog nach Spielschluss beim Abgang: Christian Erwig zu Stephan Sieger: „Wie ist es eigentlich ausgegangen?“ - Sieger: „Keine Ahnung.“ Auf der Fortuna-HP wurde dann auch zunächst recht diplomatisch formuliert: „In einer eher einseitig geführten Partie gewann Fortuna am Nachmittag beim SV Sötenich mit ca. 23:1 bis 25:1.“ Aber nach Befragung des Schiedsrichters hat man dann zum Glück doch noch alles rausgekriegt. Ahmet Cebe machte nach 12 Sekunden das 1:0, und für die Gastgeber wäre es besser gewesen, das Spiel wäre sofort danach abgepfiffen worden. So war es eine schöne Unterhaltung für die knapp 500 Zuschauer. Ein netter Verein, wir kommen gerne mal wieder. Ansonsten ließen sich aus diesem Spiel natürlich keine Erkenntnisse gewinnen, außer dass unser Sturm mit Leichtigkeit trifft, sobald der Gegner sechs oder sieben Klassen tiefer spielt. Aber neu ist das nun wirklich nicht.

Man holte noch ein sehr ordentliches 0:0 gegen den FC Messias, formerly known as 1.FC Köln, die auch wirklich mit dem auf dem Platz standen, was sie für eine erfolgreiche Anfangsformation zum Ligastart hielten; im Rahmen der Saisoneröffnung besiegte man auch Zweitligist TuS Koblenz mit 1:0. Etwas relativiert wurde dieser Erfolg dadurch, dass die Koblenzer aufgrund von Verletzungen und Erkrankungen gerade mal mit 13 Feldspielern anreisten, was allerdings zu einem besonderen Auftritt führte: in der 58. Minute wurde der Koblenzer Co-Trainer Mario Basler eingewechselt und mit frenetischem Applaus von allen Seiten begrüßt. Da Super-Mario nach ca. 5 Minuten konditionell schon ein wenig schwächelte, beschränkte er sich überwiegend darauf, in der Vierer-Abwehrkette auszuhelfen. Ein großer Auftritt! Das Tor für Fortuna erzielte Cebe, daneben gab es noch drei fortunistische Latten- und Pfostentreffer zu bestaunen. Chancen vergeben können wir also schon wieder wie die Großen...

An jenem Wochenende, um den 19.07.08 herum, gab es dann noch drei lustige Schmankerln rund um das „Premiumprodukt“, wie der DFB die 3. Liga auf seiner offiziellen Website benennt, mittlerweile ein geflügeltes Wort unter den Fans (auch ich muss sagen: ich liebe es, deutlicher kann man nicht zeigen, wie sehr man sich im Verband von der Sportart entfernt hat). In der ARD-Sportschau gab es einen Vorbericht zur 3. Liga, sozusagen einen Anschmecker, denn die Liga würde ja am darauf folgenden Wochenende den Spielbetrieb aufnehmen. Als es um die Entfernungen zwischen einzelnen Spielstätten ging, die sich ja für einige Klubs (unter anderem uns) doch ziemlich vergrößert haben, fiel u.a. der Satz: „Finanzstarke Traditionsclubs wie Fortuna Düsseldorf können sich dies problemlos leisten.“ Wurde anschließend in unserem Forum spontan zum Satz des Jahres gekürt. 7,5 Mio. € Verbindlichkeiten (höflich geschätzt und nach unten abgerundet) heißen bei der ARD also „finanzstark“. Aber okay, die berichten ja auch normalerweise über Clubs wie Dortmund, bei denen dann ganz andere Zahlen im Fokus stehen, muss man verstehen.

Zum anderen gab der Sicherheitschef des FC Bayern (keine Ahnung, wie der Trulli heißt) auch mal was zum Besten. Zur neuen Saison des FC Bayern II befragt, meinte er: „Die Zeit der Ausflüge aufs Land sind vorbei, jetzt bekommen wir Hochsicherheitsspiele mit Gegnern wie Dynamo Dresden, Eintracht Braunschweig und Fortuna Düsseldorf.“ Abgesehen davon, dass die Aussage ziemlich unverschämt ist - ein Glück, wenn so ein Sicherheitschef es sich leisten kann, so richtig die Klappe aufzureißen. Schließlich spielt Bayern II ja bekanntermaßen in einer multifunktionalen Hochsicherheitsarena, dem Stadion an der Grünwalder Straße. Wie man selbst in einer Hütte spielen kann, in der man durch einfaches Handling faustgroße Betonbrocken aus den Stehstufen herausdrehen kann und sich dann über anderer Leute Fans aufregen kann - nun, dazu muss man schon Bundesligist sein, denn bei deren Zweitmannschaften erscheint in der Sommerpause auch keine Sicherheitskommission des DFB. Wie es sich gehört natürlich.

Zu beiden Punkten kann man sagen: wenn man keine Lust hat, gründlich zu recherchieren, sollte man eigentlich einfach nur das Maul halten. Aber das gibt’s ja heutzutage nicht mehr.

Erheiternd wirkte auch die Aussage von Hermann Gerland, dem Trainer von Bayern II, der angesichts der neuen Herausforderungen meinte, der Zuschauerschnitt in der 3. Liga würde wenig zu wünschen übrig lassen, denn: „Wenn wir Bayern kommen, rennen die Leute den Vereinen die Bude ein, auch wenn es nur die 2. Mannschaft ist.“ Wieder einer, der die Bodenhaftung ein wenig verloren hat. Auch ich halte Bayern II zwar spielerisch für eine der besten Truppen in der Liga, aber ob das diejenigen Leute in Düsseldorf, Emden oder Paderborn hinter dem Ofen hervor lockt, die sich normalerweise kein Spiel ansehen würden - nur weil beim Gegner „Bayern München“ drauf steht? Ich darf da mal zumindest leise Zweifel anmelden...

Als letzten Punkt gab es dann aber noch einen echten Schildbürgerstreich: es stand zu befürchten, dass Fortuna ihr erstes Auswärtsspiel bei den Stuttgarter Kickers im Gottlieb-Daimler-Stadion des VfB austragen musste (Moment, haben die ihren Bunker nicht kürzlich erst wieder umbenannt? Keine Ahnung, falls ja, möge man mir dieses sponsoren-feindliche Verhalten meinerseits verzeihen).. Die Stuttgarter Polizei wollte nämlich Spiele im Kickers-Stadion Auf der Waldau verbieten, weil dort keine mobilen Arrestzellen vorhanden seien! Diese waren bei einer österreichischen (!) Firma bestellt, werden aber wohl erst Mitte August geliefert. Bis dahin sollte dort kein Heimspiel ausgetragen werden dürfen. Dies betraf das erste Heimspiel des VfB II gegen Offenbach und eben das erste Heimspiel der Kickers gegen uns. Und dazu fiel mir eigentlich gar nix mehr ein...

Was noch skurriler gewesen wäre: unser Auswärtsspiel beim VfB II findet Ende Oktober statt. Da der VfB II seine Heimspiele ebenfalls im Kickers-Stadion austragen wird, und man davon ausgehen kann, dass die Ösis bis dahin die mobilen Knäste geliefert haben, hätte sich ein schönes Bild für Fortuna ergeben: Auswärtsspiel bei den Kickers im VfB-Stadion, Auswärtsspiel beim VfB im Kickers-Stadion...

Ja, liebes erstliga-verwöhnte Volk...so ist das halt, wenn man im neuen Premiumprodukt des DFB mitspielen darf. Wir sind premium!

Ich darf kurz vorweg greifen, im Endeffekt stimmte die Polizei einer Austragung des Spiels Kickers gegen Fortuna im Waldau-Stadion zu. Keine Ahnung, wie sie das mit ihren mobilen Knästen gelöst haben. Gebraucht hätten sie eh keine, soviel vorweg.

Das letzte Testspiel vor Saisonbeginn gewann Fortuna mit 13:0 bei Agon 08 Düsseldorf. Keine große Sache, es standen mit Erwig, Kadah, Caillas und Hampel auch nur vier Spieler der ersten Mannschaft auf dem Platz. Und das auch nur in Teilzeit, ab der 60. Minute spielte komplett die 2. Mannschaft. Dies führte auch mal zu einer lustigen Einwechslung unsererseits: da die Zwote schon einen Tag danach wieder testete, wurde zur Entlastung in den letzten 20 Minuten nicht nur Co-Trainer Uwe Klein, sondern auch noch Physiotherapeut Bernd Restle eingewechselt, wobei Restle das abschließende 13:0 sogar noch herausragend vorbereitete. Als wichtigstes Fazit dieses Spiels konnte daher gelten, dass sich kein Spieler der Ersten Mannschaft auf dem stumpfen Kunstrasen verletzt hatte...wie auch, wenn kaum einer spielt? Ich als Trainer hätte genauso gehandelt.

Bei Fortuna war vor der Premiere am 26.07.08 gegen den SC Paderborn lediglich Robert Palikuca angeschlagen, der an einer Prellung des rechten Fersenbeins laborierte. Physio Bernd Restle war allerdings zuversichtlich, dass er ihn bis zum Spiel noch hinbekäme, und er behielt Recht. Wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, hätte er halt selbst gespielt, am Dienstag zuvor hatte er ja bewiesen, dass es noch für ein paar Minuten reichte. Außerdem, solange Palikuca nur am Fuß verletzt ist, macht das nix, ist schließlich ein Körperteil, den er im Spiel eher selten gebraucht. Kopfschmerzen wären bei ihm wesentlich schlimmer...

Ach ja, und natürlich ist Bekim Kastrati mal wieder verletzt, sechs Wochen Pause. Der hat dermaßen die Seuche, dazu fällt einem nix mehr ein. Insoweit war die Nachricht auch wirklich keine große Überraschung, schließlich war er schon den gesamten April und Mai gesund! Ich glaube, das ist sein derzeitiger Rekord bei uns...

Einen Tag vor dem ersten Saisonspiel musste dann jemand in der Presse doch noch richtig draufhauen. Früher war das der Job des Oberbürgermeisters, kurz vor der Saison noch einmal allen überdeutlich zu erklären, dass ohne ihn ja eh nix laufen würde. Diesmal war es der bekannte und beliebte Hermann Tecklenburg, auch einer, auf den ein Schlachtruf der Fans leicht abgewandelt prima passen würde: „Vorstandsmitglied? – Keiner weiß, warum!“ Damit man auch merkt, wie wichtig er ist, plaudert er von Zeit zu Zeit in den ortsansässigen Gazetten gerne mal Interna aus, ohne dafür belangt zu werden. Diesmal war es mehr ein Rundumschlag gegen alles, was ihn so bei Fortuna stört. Bevor ich das alles aufzähle, mach ich es lieber andersrum und schreibe über das, was ihm im Gegensatz dazu bei Fortuna gefällt: nix. Auf jeden Fall erwähnte er nichts Positives. Der Mann hat sich wirklich bestens als „echter Fortune“ „intrigiert“. Vielleicht war diese Aktion ja wirklich in memoriam Erwin, der letztes Jahr eine Woche vor dem Start (im Kirmeszelt!) ordentlich abgeledert hatte, wozu er jetzt verständlicherweise nicht mehr in der Lage war...Aber einen Tag vor dem ersten Saisonspiel via Klatschpresse dermaßen einen rauszuhauen, zeugt schon von ganz besonderer Ahnung...

Premium-Klatsche

Wenn die Premium-Liga startet, dann darf es natürlich nicht ein banaler Fortuna-Fehlstart sein - nein, auch das 1:4 gegen den SC Paderborn am 26.07.08 hatte durchaus Premium-Qualität. Seit dem 0:4 gegen Chemnitz 2001 (damals natürlich am 1. Spieltag...) hat man sich zuhause nicht mehr so vermöbeln lassen. Wobei Paderborns Trainer Dotchev sicherlich Recht hatte, als er nach dem Spiel meinte, der Sieg sei doch um ein Tor zu hoch ausgefallen. Denn in der ersten Halbzeit war Fortuna vor 15.000 Zuschauern die klar tonangebende Mannschaft und netzte auch sofort nach 3 Minuten durch Ahmet Cebe auf Flanke von Hergesell ein. Der schnellste Treffer des Premium-Produkts am 1. Spieltag, oder muss ich dazu jetzt vielleicht „kick-in“ oder etwas Ähnliches sagen? Würde mich auch nicht mehr wundern. Auf jeden Fall, Fortuna nach noch nicht einmal 180 Sekunden in Führung, das ließ sich doch gut an. Dann aber konnte man bis zur Pause schon erahnen, dass nix mehr gehen würde.

Verantwortlich dafür waren zum großen Teil zwei Herren: Dominik Kumbela, von Eintracht Braunschweig nach Paderborn gewechselter Stürmer sowie Kaspar Jensen, von Jena nach Paderborn gewechselter Keeper. Kumbela erzielte mit zwei Fernschüssen (6./22.) die Führung für Paderborn; es war die beiden ersten Torschüsse der Gäste im Spiel. Der erste wurde von Langeneke abgefälscht und erwischte Melka auf dem falschen Fuß; der konnte die Kugel nur noch ins Tor ablenken, und da es immer etwas komisch aussieht, wenn das Ei dann dermaßen provokant langsam über die Linie rollt, kamen einige Leute auf die Idee, dies als Torwartfehler auszulegen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass dieselben Leute auch schon mal im Tor gestanden haben. Die zweite Wuchtbrumme von Kumbela, wieder aus knapp 18 Metern abgefeuert, nur diesmal vom linken statt vom rechten Strafraumeck, knallte links gegen den Innenpfosten und rollte dann auf der Torlinie nach rechts, wo er wieder mit letzter Kraft selbige überquerte - zwei Sonntagsschüsse also. Bis zur Pause schaffte Fortuna es, aus dicksten Chancen kein weiteres Tor zu machen, und das lag an Kaspar Jensen. Der parierte einen Kopfball von Sieger aufs kurze Eck, eine Kopfballverlängerung von Sieger aufs lange Eck, einen Kopfballheber von Lawaree, einen Distanzhammer von Christ und was weiß ich noch alles, und als er dann mal nicht mehr parieren konnte, hatte er das Glück des Tüchtigen, denn bei einem Kopfball von Palikuca stand er schon geschlagen auf der Torlinie, aber ein Abwehrspieler konnte die Kugel von der Linie weg befördern. Das ist der Jensen, der sich in der letzten Saison im Kasten von Jena beim Auswärtsspiel in Bahnhofskapellendorf drei Bälle quasi selbst ins Tor geworfen hatte, woraufhin die Kölner aus einem 1:3 noch ein 4:3 hatten machen können. Aber gegen uns hält der plötzlich wie ein Weltmeister. War aber auch klar. Nach Jena war er nämlich aus Bremen gekommen, wo er als Keeper von Werder II schon 2006 mal eben einen Elfmeter von Albertz pariert hatte, als wir uns dort unsere übliche Niederlage abholten. Es war wie verhext, an dem Mann gab es kein Vorbeikommen mehr in Halbzeit 1. Und bevor man sich in der 2. Halbzeit an die weitere Aufholjagd begeben konnte, war das Spiel schon durch, weil Fischer (zum Glück nicht Nils Fischer, der sportlich nicht notwendige rechte Verteidiger von Bielefeld II) in der 48. Minute das 3:1 erzielte. Damjanovic machte den Sack dann in der 65. Minute zu. Fortuna erspielte in der 2. Halbzeit keine echte Torchance mehr.

Fazit: auf der ersten Halbzeit konnte man aufbauen, vorausgesetzt, man würde auch mal öfter ins Tor treffen; da zeigte die Fortuna starken Angriffsfußball und schnürte den hohen Aufstiegsfavoriten zeitweise regelrecht ein. die zweite konnte einen Angst und Bange machen, weil klar wurde, dass die Mannschaft auch in der neuen Saison anscheinend noch keine Ahnung hat, wie man mit einem Rückstand umgehen muss. Etwas ungünstig war natürlich, dass man nunmehr zwei Auswärtsspiele am Stück bei den Stuttgarter Kickers und in Burghausen hatte. Da konnte man den Fehlstart praktisch schon riechen...

Ein Riesengag des Trainers war auch die Einwechslung von Henri „Rennschnecke“ Heeren zur Pause für den zugegebenermaßen gelb/rot-gefährdeten Cakir. Als ich noch überlegte, wie viele Minuten der Henri mittlerweile für die 100-m-Strecke braucht, wurde er schon von Kumbela überlaufen, der passte nach innen auf den völlig freien Fischer, 1:3, aus die Maus. Und weil Heeren so gut drauf war, verschuldete er das 1:4 auch gleich noch mit. Mit Johannes Walbaum saß ein gelernter Rechtsverteidiger auf der Bank, allerdings aus der 2. Mannschaft. Aber der hätte auch nicht mehr verkehrt gemacht. Mir unbegreiflich, wie man einen Spieler, dem man kurz zuvor noch mitgeteilt hat, dass man nicht mehr mit ihm plant, bei dieser Konstellation zur Pause bringen kann. Denn der Schnellste war der gute Henri ja noch nie, auch nicht, wenn er topfit war. Das 1:3 war somit ein Kontertor mit Ansagen.

Immerhin: aufgrund des erzielten Treffers war man nach dem ersten Spieltag nicht Tabellenletzter...diesen Platz belegte Werder II mit einem 0:3 in Unterhaching. War jetzt aber irgendwie auch nicht tröstlich.

Einen lustigen Nachklapp gab es auch noch: Manager Wolf Werner beklagte sich nach dem Spiel in der Presse, er sei enttäuscht gewesen, dass „nur“ 15.000 Zuschauer zum Start des Premium-Produkts in der Arena gewesen seien. Das ließ mich darüber nachdenken, ob man dem netten älteren Herrn vor dem Interview vielleicht das Galama weggenommen hatten oder womit er sich sonst fit hält. Hallo??? 15.000 Zuschauer gegen einen Gegner wie Paderborn (Top-Favorit okay, aber ich meine vom Namen her), bei dem Sommertheater mit kaum Neuverpflichtungen, Schwierigkeiten mit „Altlasten“ und krakeelenden Funktionären – und vor allem bei einer Preiserhöhung für Eintrittskarten, die sich im Durchschnitt bei ca. 40 % einpendelte – also ich wäre hoch zufrieden gewesen. Zumal die Zuschauer auch noch eine Mörder-Choreo der Fortuna-Fans geboten bekamen, bei der wirklich jeder Fan auf der Südtribüne eingespannt wurde und bei der symbolisch an die erste und letzte Meisterschaft der Fortuna vor 75 Jahren erinnert wurde (derjenige Klugscheißer, der mir jetzt mit der Amateur-Meisterschaft der Zweiten Mannschaft von 1977 kommt, wird von mir ausgelacht). Und diese Zahl 15.000 muss man nach solch einem Heim-Auftakt beim nächsten Heimspiel erst einmal erreichen, ich habe da meine Zweifel. Herr Werner ist anscheinend wie der DFB der Meinung, allein der Reiz einer ganz neuen Liga treibe die Menschen in Scharen in die Stadien, egal, wer da gegen wen spielt oder was es kostet. Nun ja, beim DFB ist es schlichte Nichtahnung, bei Werner wohl das Greifen nach dem Strohhalm: die 3. Liga hat dieselben Lizenzbedingungen mit denselben Auflagen wie die 2. Liga, man hat mittlerweile auch dieselben Reisen wie ein Zweitligist – aber ein Zweitligist bekommt in dieser Saison 7,3 Mio. Euro Fernsehgelder, ein Drittligist ganze 580.000. Das kann gerade bei finanziell angeschlagenen Vereinen auf Dauer nicht gut gehen, da bettelt man um jeden Zuschauer. Zumal wenn man für’s Heimspiel noch Miete abdrücken oder sich zumindest einen schönen Deckel machen lassen muss. Aber man sollte es dann nicht mit ganz so weltfremden Äußerungen tun.

Ab in den Süden

Am 02.08.08 war es wieder so weit: nach langen Jahren der Abstinenz (eigentlich seit der Regionalliga West/Südwest, also Saison 1999/2000) fuhr der Fortuna-Tross mal wieder in den Süden. Und zwar nach Baden-Württemberg zu den Stuttgarter Kickers. Erstes Auswärtsspiel in der 3. Liga, also auch gleich die erste Partie gegen ein Team aus der ehemaligen Regionalliga Süd, einer Liga, die in hiesigen Breiten immer gerne mit der griffigen Formel „Kühe – Schweine – Südvereine!“ zusammen gefasst wurde. Natürlich ist dies nicht ganz fair, zumindest von der sportlichen Seite, da gab und gibt es wirklich keinen Grund, einen Club aus dem Süden zu unterschätzen. Aber die Namen einiger Vereine animieren wirklich zu gedanklichen Assoziationen von ländlicher Bevölkerung und glücklichen Kühen. Damit hört es dann aber auch schon auf. Der VfR Aalen zum Beispiel, mit Edgar „Euro-Eddy“ Schmitt als Trainer, verfügt über einen Etat, der um zwei Millionen Euro höher ist als unserer. Wer von leicht dörflich klingenden Vereinsnamen wie Wacker Burghausen, SpVgg Unterhaching oder SV Sandhausen auf die Stärke der dort beheimateten Fußballvereine schließt (und das werden zumindest in Düsseldorf genug Leute tun...), der wird sich noch schwer umschauen, das habe ich ja bereits zum Ende der letzten Saison geschrieben. Da war es gut, dass mit den Stuttgarter Kickers zumindest ein alter Bekannter den Anfang machte. Gegen die StuKis haben wir im Laufe der Jahre schon überall gespielt, in der 1. Liga, in der 2. Liga, im DFB-Pokal (schlechte Erinnerung ans Halbfinale 1987, als wir dort mit einem 0:3 ausschieden und das Finale gegen den HSV verpassten) – nur in der Drittklassigkeit noch nicht. Höchste Zeit, dies nachzuholen! Die StuKis hatten sich auf den letzten Drücker für die 3. Liga qualifiziert, erst am letzten Spieltag kletterte man durch ein 2:0 gegen Elversberg auf den rettenden zehnten Tabellenplatz, und das auch nur weil der SSV Reutlingen in Siegen verlor. Sie brillieren eigentlich seit Jahren (hier und da mal eine Ausnahme bestätigt die Regel) mit spektakulären Fehlstarts, die sie in der Rückrunde mit deutlicher Leistungssteigerung bis zum Happy End wieder wett zu machen pflegen. Dahingehend pflichtgemäß hatten die StuKis auch ihr erstes Saisonspiel 0:2 in Burghausen verloren. Es trafen also zwei Verlierer des ersten Spieltags aufeinander.

Für mich war es die erste Anfahrt mit dem eigenen Auto zum „GAZi-Stadion auf der Waldau“, wie das schöne kleine Teil sponsoren-gerecht heißt. Und da kam ich direkt in den Genuss, mit meinen 60 PS ab Karlsruhe mal die A 8 zu befahren. Ich fuhr also von der A 5 auf, bog um eine Kurve und dachte, ich wär im falschen Film – das „ist ab und zu ein bisschen hügelig“ einer Bürokollegin als Zustandsbeschreibung fand ich plötzlich ziemlich untertrieben, als es direkt mal eine gefühlt 20%ige Steigung hinauf ging. Als ich mit durchgetretenem Gaspedal gerade noch volle 80 Sachen machte, fand ich es doch an der Zeit, mal einen kleineren Gang einzulegen und den Rest des Mount Everest eher hinauf zu keuchen. Sehr erstaunliches Erlebnis für jemanden, der ansonsten eher Flachland fährt. Und damit das Ganze für den A 8-Neuling auch noch unvergessen bleibt, dafür gibt es Pforzheim. Die Stadt kann irgend jemand nicht leiden. Klar, die A 8 ist stellenweise in atemberaubendem Zustand, besonders was die Fahrbahndecke angeht. Aber muss man deshalb gleich drei Großbaustellen quasi hintereinander aufmachen, 22 km Baustelle auf einer Strecke von 30 km? Und alles rund um Pforzheim. Auch die dickste Steigung liegt in einer Baustelle mit Verkehrsumleitung und Spurverengung, sodass ich mich plötzlich hinter einem Lkw wiederfand, mit flotten 30 km/h den Anstieg wagend, immer in der Befürchtung, der Anhänger meines Vordermanns würde sich gleich selbständig machen und mich den gesamten Berg wieder runter kegeln. Ein echtes Erlebnis. Und das bei eigentlich recht freier Straße. Wie das Ganze im Berufsverkehr aussieht, mag ich mir gar nicht vorstellen. Und ja, denjenigen, der sich so etwas ausdenkt, den hätte ich an jenem Samstag gerne mal getroffen,. Am besten voll zwischen die Augen. Ich denke, wenn sie direkt hinter der dritten Baustelle noch eine vierte aufmachen, können sie das Ganze als touristisches Highlight vermarkten. Unglaublich.

Der Rest des Weges war im Vergleich dazu ein Kinderspiel, sodass ich bereits um halb 12 am Stadion vorfuhr. Die verbliebene Zeit nutzte ich dazu, mir Stuttgart und Umgebung vom Fernsehturm aus anzusehen, denn das Stadion befindet sich quasi direkt unter Selbigem. Wie praktisch. Und auch wenn ich kein Fan großer Höhen bin, muss ich zugeben, dass die Aussicht etwas hatte. Zumal das Wetter ja auch mitspielte, es gab herrlichen Sonnenschein, vielleicht sogar schon etwas zu warm für Fußball.

Als die Stadiontore öffneten, zog ich mir erst mal eine Stadionwurst, von der ich leider abraten muss, die war nix. Was diese „Roten“ angeht, die gönn ich mir seit Mannheim und Pfullendorf immer gerne, wenn ich mal im Süden bin, aber dieses Stuttgarter Exemplar entging nur knapp einer Meldung bei amnesty international. Auch die Cola war nicht so ganz meine, weil von Pepsi. Aber das restliche Umfeld stimmte: nette, freundliche Ordner, Polizei, Würstchenverkäufer, Heimfans, die alle irgendwie völlig tiefenentspannt und deeskalierend auftraten. Ich verstand zwar die Hälfte von dem, was sie sagten, nicht, es scheint so, dass dort auch nur Leute mit 100% Schwäbisch-Kenntnissen ein- bzw. abgestellt werden, aber insgesamt war alles ruhig und friedlich. Eigentlich kaum zu glauben, dass dieses Spiel fast wegen fehlender mobiler Knäste hätte verlegt werden müssen...Mütter rollten ihre Kinderwagen zur Haupttribüne herein (denn da gibt es eine Stehplatzreihe direkt am Zaun, ohne Stufen), packten Butterbrotdosen mit Schnittchen aus, für den DFB alles potentielle Wurf-Terroristen, schätze ich mal, und auf der Eintrittskarte steht, dass die Mitnahme von TetraPaks ab 0,5 Liter nicht gestattet ist, was im Umkehrschluss heißt, dass weniger als 0,5 kein Problem sind. So locker kann es sein, beim Premiumprodukt! Aus Düsseldorf waren 1.500 Fans mitgereist, die erst zwei Hintertortribünen okkupierten und anschließend die Kuh fliegen ließen, ein beeindruckender Support im ersten Auswärtsspiel. Klar, diejenigen, die bei der Heimpremiere bereits nach 75 Minuten fluchend die Arena verlassen und vom feststehenden Abstieg orakelt hatten, nur um zu ergänzen, dass man es ja eh schon vorher gewusst hatte, die trifft man auswärts normalerweise auch nicht.

6.900 Zuschauer sahen insgesamt eine durchschnittliche Partie, in der die Kickers in der ersten Viertelstunde zeigten, dass sie die Herren im Haus waren. Aber auch schon in dieser ihrer besten Phase des Spiels zeigten sie, woran es ihnen in dieser Saison wohl mangeln wird: sie spielen zu wenig gute Chancen heraus. Da wurde bis zum Strafraum flott kombiniert, das war’s dann aber auch. Wo sie anschließend die Bälle hinschossen, war schon spektakulär, zweimal gab es sogar Einwurf für Fortuna...das müssen sie dringend abstellen, wenn es etwas werden soll mit dem Klassenerhalt, den ich ihnen gönnen würde, denn ich finde sie wirklich sympathisch. Fortuna-Keeper Melka bekam nur einen wirklich gefährlichen Ball aufs Tor, eine schöne Direktabnahme von Rosen aus sechzehn Metern, die er aber abfangen konnte. Einmal hatte er noch Glück, als ihm ein harmloser Kopfball aus spitzem Winkel am kurzen Pfosten durch die Beine rutschte, und das Leder gegen das Aluminium kullerte. Sah blöd aus, machte aber nichts, weil der Schiri zuvor schon Abseits gepfiffen hatte. Was im Nachhinein übrigens diejenigen, die die Leistung des Torwarts gegen Paderborn schon kritisiert hatten, nicht davon abhielt, ihm diese Szene ebenfalls anzukreiden...na ja, wer’s braucht.

Und Fortuna? Da gab es erst einmal eine Überraschung in der Aufstellung, Trainer Meier hatte die Konsequenzen aus dem erschreckenden Auftritt von Henri Heeren gegen Paderborn gezogen. Der tauchte noch nicht mal mehr im Kader auf, dafür spielte Johannes Walbaum aus der 2. Mannschaft sein Drittliga-Debüt als rechter Verteidiger von Anfang an. Eine mutige Entscheidung des Trainers, die zunächst mit einigen Stock- und Stellungsfehlern des Auserwählten belohnt wurden, klar war der nervös. Als aber in der ersten Viertelstunde vom Gegner daraus kein Kapital geschlagen wurde und Fortuna langsam ins Spiel kam, wurde auch er immer mutiger, souveräner und abgeklärter und lieferte insgesamt einen recht überzeugenden Einstand. Das machte Hoffnung! Von der übrigen Fortuna sah man am Anfang nicht viel, außer einer Szene, in der ich mich ein wenig über Herrn Caillas echauffierte, um es mal diplomatisch zu formulieren. Nach 6 Minuten ein schöner Angriff der Fortuna über rechts, der Ball wird in die Mitte gespielt, kommt am Sechzehner zu Sahin. Der versucht mal wieder, die gesamte Abwehr der Kickers auszuspielen und kommt dabei zu Fall. Sah von der Tribüne ein wenig grenzwertig aus, ich bin aber derselben Meinung wie Bundesliga-Schiri Dr. Fleischer, dass man das nicht pfeifen muss. Und auch wenn es ein glasklares Foul gewesen wäre, hätte kein Grund bestanden, das Spiel zu unterbrechen. Denn der Ball, von einem Abwehrbein weggespitzelt, rollt nach links in den Strafraum, und da ist nur einer mitgelaufen, nämlich Caillas, vor sich nur noch den Torwart. Der denkt aber gar nicht daran, zum Ball zu gehen, er ist nämlich in diesem Moment damit beschäftigt, auf fünf Meter Entfernung den Schiri anzumotzen und Elfmeter zu fordern. Also läuft das Spiel weiter, ohne Elfmeter und auch ohne Torchance. Bei so was platzt mir regelmäßig der Kragen. Vielleicht hat der Herr Caillas einfach nur eine andere Auffassung von der Sportart als ich. Im Meckern ist der sowieso König. Es soll natürlich nicht verschwiegen werden, dass Caillas im Laufe des Spiels bester Fortune war, aber in dieser 6. Minute hätte ich ihn am liebsten mal übers Knie gelegt. Lässt eine freie Einschussgelegenheit sausen, nur um den Schiri anzumachen, der sich darauf ja auch gaaaanz bestimmt spontan anders entschieden und doch Elfmeter gepfiffen hätte!

Im Laufe der ersten Halbzeit entwickelte Fortuna eine gewisse Überlegenheit, ohne großartig Chancen rauszuspielen. Ein Kopfball von Sahin, am Tor vorbei, ein Flachschuss von Cebe nach schöner Einzelleistung, souverän gehalten von Keeper Salz, viel mehr gab es in der ersten Hälfte nicht. Auch nach der Pause kamen die Kickers in den ersten fünf Minuten besser in die Gänge, aber dann übernahm Fortuna endgültig, und Stuttgarts Keeper rückte in den Mittelpunkt des Interesses. Dies geschah aber auch aufgrund der Wechsel, die Trainer Norbert Meier in der Pause zwangsweise vornehmen musste. Denn ausgerechnet jetzt, wo wir sowieso nur einen sehr schmalen Kader zur Verfügung haben, schlug direkt zu Saisonbeginn das Verletzungspech zu. Andreas Lambertz musste nach einem Pressschlag zur Pause ebenso verletzt raus wie Robert Palikuca, für den neuen Kapitän der Fortuna vier Wochen, für den langen Schlacks in der Abwehr zwei Wochen Pause. Für Palikuca kam Hamza Cakir, zum Teil immer noch erstaunlich unsouverän, aber für Lambertz erschien Marco Christ auf dem Spielfeld, und der sorgte doch für mächtig Dampf, sei es als Passgeber, als Freistoß- und Eckenschütze oder gleich selbst als Abschließender, bei seinem Schuss aus zwanzig Metern musste sich Salz ganz lang machen und eine glänzende Parade hinlegen, um den Rückstand zu verhindern. Auch gegen Cebe war er auf dem Posten, als dieser bei einem schnellen Angriff schon am Keeper vorbei gekurvt war, aber zu weit abgedrängt wurde. Aus spitzem Winkel lief er dann aufs Tor zu, aber Salz war schon wieder anwesend und konnte anschließend zur Ecke klären. Die Kickers fanden nach vorne so gut wie gar nicht mehr statt, sie konnten sich bei ihrem Torwart bedanken, dass hinten noch die Null stand. Falls sie diesen Dank ernsthaft in Erwägung gezogen haben, hoffe ich, dass sie sich beeilt haben, denn nach 65 Minuten war es auch damit vorbei. Vorausgegangen war eine klasse Aktion von Caillas, der sich auf der linken Seite wieder mal durchgesetzt und den Ball dann an einem weiteren Gegenspieler vorbei in den Strafraum gespielt hatte. Da stand eigentlich Sahin, aber der brauchte etwas lange, um zu kapieren, dass er sich jetzt mal in Bewegung setzen könnte. Zum Glück, denn Caillas überlief den Gegenspieler, ließ auch Sahin stehen und servierte von der Torauslinie eine butterweiche Flanke, die Lawaree gegen die Laufrichtung des etwas zu weit vor seinem Kasten stehenden Keepers zur verdienten Führung einnickte. Ja, Axel Lawaree spielt auch immer noch bei uns, auch wenn ich ihn auf den bisherigen neun Seiten nicht ein einziges Mal erwähnt habe! Aber der hatte schließlich noch einen Vertrag, um ihn musste nicht gefeilscht werden, und in den ersten drei Halbzeiten der Saison hinterließ er nichts Erwähnenswertes für die Nachwelt. In der 65. Minute war er dann im richtigen Moment an der richtigen Stelle. So muss es sein.

Und da eine Reaktion der Kickers weitgehend ausblieb, machte man knapp zehn Minuten später auch gleich den Sack zu, auf besonders originelle Weise: Debütant Walbaum wird auf rechts gefoult, weit in der Fortuna-Hälfte, Freistoß für uns. Es gibt noch eine kleine Diskussion seines Gegenspielers mit dem Schiri, der Ball liegt da irgendwo rum, alles ganz entspannt – und plötzlich nimmt Walbaum drei Schritte Anlauf und fabriziert etwas, das später in der „Sportschau“ durchaus zutreffend mit „Lothar-Matthäus-Gedächtnis-Pass“ umschrieben wird. Die Kugel fliegt über knapp sechzig Meter, über Freund und Feind hinweg, freundlicherweise auch über die beiden Kickers-Spieler in deren Strafraum, nur einer hat aufgepasst und steht goldrichtig: Kenan Sahin, der die Kugel gar nicht mehr pflücken muss, so genau kommt sie in seinen Lauf. Er lässt sie einfach auftitschen und macht dann aus zehn Metern das 0:2. Natürlich darf einer Mannschaft so etwas nicht passieren, aber wie gesagt, die Gegenwehr der Kickers war zu jenem Zeitpunkt schon ziemlich eingeschlafen. Und ein schöner Geistesblitz unseres Drittliga-Neulings Walbaum, der damit seine starke zweite Halbzeit krönte.

Mit dem Treffer war das Spiel durch, alleine Sahin hätte die Kickers noch richtig abschießen können, nur eine Minute nach dem Treffer stand er an fast derselben Position schon wieder völlig frei vor dem Tor, aber diesmal konnte Manuel Salz parieren. Anschließend flog Sahin bei einer Hereingabe von rechts noch um Zentimeter an Ball und leerem Tor vorbei, also es hätte wirklich noch dicke kommen können für die Gastgeber, wobei das sicherlich nicht ganz gerecht gewesen wäre. Zum Schluss mühten sie sich noch mal ein wenig, aber Fortuna-Handschuhträger Melka musste nur noch einmal eingreifen, als der Ball nach einer Ecke am Fünf-Meter-Raum herunter kam. Melka stürzte sich ins Getümmel und hatte den Ball im Nachfassen, dann war das Spiel beendet, und Fortuna hatte den kompletten Fehlstart im Gegensatz zu den Gastgebern vermieden. Der historische erste Fortuna-Sieg in der 3. Liga ist unter Dach und Fach, und zwar völlig verdient, wenn auch mit einigen Anlaufschwierigkeiten. Und inwieweit er teuer erkauft wurde wegen der ganzen Verletzungen (auch Caillas meldete sich nach dem Spiel für zwei Wochen ab), wird man dann sehen. Auf jeden Fall war er sehr wichtig!

Nach den verletzten Spielern befragt, meinte auch Trainer Norbert Meier nach dem Spiel: „Vielleicht muss ich demnächst selbst auflaufen. Wär doch mal was Neues, ein 49jähriger auf dem Feld. Aber ich habe ja keinen Spielerpass mehr.“ Was man durchaus schnell ändern könnte. Vom „Sportschau“-Moderator wurde diese Aussage kommentiert: „Wenn sogar ein Norbert Meier lacht, dann muss es Fortuna gut gehen.“ Vielleicht etwas übertrieben, aber doch tatsächlich ein kleiner Beleg dafür, dass uns bestimmt so einige Steine vom Herzen gefallen sind.

Übrigens, was das für eine Saison werden könnte, wurde eigentlich schon nach dem 2. Spieltag klar. Es blieb nämlich genau eine Mannschaft übrig, die ihre beiden Spiele gewonnen hat, Kickers Emden. Kein anderes Team hatte zwei Siege auf dem Konto. Natürlich kann man nicht von zwei Spieltagen auf eine Saison hochrechnen, aber es war doch bemerkenswert. Könnte wieder eine ganz enge Saison werden.

Ah, Thema Spielverlegungen! Da hätte ich noch einen. Meine persönlichen Lieblinge in dieser Disziplin, die Jungs von Werder Bremen II, sind ja auch wieder am Start und wollen von Anfang keine Zweifel aufkommen lassen, wer König in der Sparte „Spielverlegung aus unglaublichen Gründen“ war, ist und wohl auf ewig sein wird. Und nachdem sie vorletzte Saison (aber im letzten Kalenderjahr, also Anfang 2007) schon das Spiel gegen St. Pauli verlegt hatten, weil der Rasen im großen Weserstadion nicht beschädigt werden durfte, in der letzten Saison gegen Magdeburg nicht antraten, weil angeblich zu wenig Parkplätze zur Verfügung standen (bei den bestimmt 800 Zuschauern, die man erwartete) und anschließend auch gegen Emden nicht zum ursprünglich vereinbarten Termin spielten, weil ihnen 2 (zwei) Spieler ihres selbstverständlich nur elf Spieler umfassenden Kaders aufgrund einer Abstellung fehlten, da hauten sie jetzt wieder ordentlich einen raus: die Partie gegen den SV Sandhausen vom 02.08.08 musste leider verlegt werden, weil – am 03.08.08 am Weserstadion „Tag der Fans“ war. Da hätte ein Drittliga-Spiel auf dem Nebenplatz 11 selbstverständlich nur gestört. Macht ja nix, spielten sie halt erst am 09.08.08. Ich gebe ja ehrlich zu, dass ich sie für diese Unverschämtheiten langsam bewundere. Ich bin schon sehr gespannt, wie der Grund für die nächste Absage lautet, die sie völlig selbstverständlich auch beim DFB durchbekommen werden. Der Auftakt hat zumindest gezeigt, dass bei den Fischköppen die Kreativität nicht gelitten hat. Bitte mehr davon!

In der Woche nach dem Spiel gab es dann noch eine eher erfreuliche Personalie zu vermelden: der Verein löst endlich den Vertrag mit Ex-Trainer Uwe Weidemann auf und zahlte ihm eine Abfindung. Nicht, dass ich was gegen den Uwe gehabt hätte, aber so als Leerposten auf der Gehaltsabrechnung des Vereins macht sich niemand auf Dauer gut. Uwe bekam eine ordentliche Abfindung, der Verein sparte auch ein wenig Geld aus seinem noch bis Juni 2009 laufenden Vertrag, und so trennte man sich im Frieden. Alles Gute, wohin auch immer es dich verschlagen möge.

Und einen Tag später gab es sogar eine Pressekonferenz zu den neuesten Entwicklungen im Fall Kölmel/Sportwelt. Da ich bei dieser Angelegenheit als Außenstehender schon lange nicht mehr durchblicke, zitiere ich einfach die Pressemitteilung anstatt mich auf juristisch ganz dünnes Eis zu begeben:

„Fortuna Düsseldorf hat am Donnerstagabend in einer notariellen Vereinbarung die Zusammenarbeit mit verschiedenen Gesellschaften der „Sportwelt-Gruppe“ auf eine neue Grundlage gestellt.

Als Ergebnis der Vereinbarung erhält Fortuna Düsseldorf nunmehr wieder die uneingeschränkten Rechte an der Marke „Fortuna Düsseldorf“ und alle damit verbundenen Rechte. 

Die Verbindlichkeiten des Vereins gegenüber der Sportwelt wurden reduziert. Auch im Bereich der audiovisuellen Vermarktung hat der Verein eine Verbesserung erzielt. Ferner hat Fortuna Düsseldorf ein Erwerbsrecht bezüglich der noch ausstehenden audiovisuellen Rechte.

„Das ist ein wichtiger und zukunftsorientierter Tag für die Fortuna. Die über lange Zeit laufenden Gespräche, um zu einer gemeinsamen Vereinbarung zu kommen, wurden nun erfolgreich abgeschlossen. Herr Dr. Kölmel hat erneut deutlich werden lassen, dass er mit dazu beitragen möchte, dass Fortuna sich erfolgreich entwickelt“, äußerte sich Vorstandsvorsitzender Peter Frymuth zu der Vereinbarung.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats von Fortuna Düsseldorf, Dr. Reinhold Ernst, der für den Verein die Verhandlungen mit der Sportwelt geführt hat, zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden. „Ich bin sehr froh, dass wir in diesem für Fortuna so bedeutenden Komplex eine Einigung erzielt haben. Herrn Dr. Kölmel möchte ich für die fairen Verhandlungen und das Entgegenkommen danken, das Fortuna wieder die notwendige Handlungsfreiheit gibt“.

Das klang ja auch halbwegs positiv. Somit konnte man sich zur Abwechslung mal wieder auf Fußball konzentrieren, und das hieß: 1. Runde FVN-Pokal am 10.08.08 gegen die TGD Essen. Heimspiel im Paul-Janes-Stadion, weil die Essener diese Partie auf ihrem Sportplatz nicht ausrichten konnten, wofür die Spieler sicherlich dankbar waren, weil es ihnen den Essener Ascheplatz ersparte. Wir wollen es kurz machen, Fortuna siegte 4:0, nachdem man in der torlosen ersten Halbzeiten mal wieder Großchancen im halben Dutzend versemmelt hatte. Die tapfer mithaltenden Essener um ihren überragenden Torwart hielten eine Stunde lang die Null und brachen dann ein. Am Ende also ein Pflichtsieg mit holprigem Anlauf. Gegner in Runde 2 im Oktober wird Galatasaray sein – allerdings Mülheim, nicht Istanbul. Ist doch auch mal was.

Anschließend, die Wunder nahmen überhaupt kein Ende mehr, verpflichtete man sogar einen dritten neuen Spieler, Clement Halet. Wer das ist? Das ist ein Spieler des 1.FC Saarbrücken, der im Juni schon mal zum Testen dabei war, allerdings nicht besonders positiv auffiel, und der nach einem Rippenbruch auch vorzeitig aus dem Trainingslager abreisen musste. Hinzu kam, dass der 21fache Zweit- und 26fache Regionalligaspieler (alles mit Saarbrücken, die haben es in den letzten drei Jahren ja von der Zweiten bis in die Fünfte Liga geschafft, Glückwunsch dazu, ist selbst uns zu unseren Glanzzeiten nicht gelungen) eh noch an den langwierigen Folgen eines Kreuzbandrisses laboriert. Er wurde daher zunächst auch nur als Ergänzungsspieler für die Erste Mannschaft geholt, wenn er völlig fit ist, wird man weitersehen. Positiv: Halet wird extern über einen Sponsor finanziert. Von denen stellte man im Laufe der Woche übrigens noch zwei neue vor, an der Sponsoren-Front tut sich also ein bisschen was, auch wenn beide eher mit fünfstelligen Beträgen an den Start gehen werden. Aber damit es auch was zu schmunzeln gibt: Clement Halet ist rechter Verteidiger, spielt also genau auf der Position, auf der Testspieler Nils Fischer überzeugt hatte, der aber nicht verpflichtet wurde, weil der Vorstand keine sportliche Notwendigkeit sah, aber der daraufhin drei Wochen später bei einem Spieler zugriff, der auf dieser Position in der Vorbereitung erheblich weniger überzeugt hatte als Fischer...Fortuna halt. Der ausschlaggebende Faktor dürfte also sehr wohl gewesen sein, dass Halet extern finanziert wird. Wer immer das auch tun mag, dem möchte ich zurufen: Was hast du gegen Fischer? Warum konntest du den nicht extern finanzieren? Naja, auf Logik wird ja auch in unserem Umfeld bekanntermaßen kein gesteigerter Wert gelegt, das sehe ich ja quasi täglich an mir selbst. Aber ein bisschen merkwürdig war das schon...

Aber genug des offiziellen Krimskrams. Am 16.08.08 ging es endlich in der Liga weiter. Und zwar direkt mit einer Premiere. Und die war so was von gelungen, dass es selbst im Verein zu Verwirrung führte.

Wacker geschlagen bei Wacker Burghausen


Fortuna spielte zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte gegen Wacker Burghausen. Dies war auch gleich die weiteste Anreise, die man als Auswärtsfan zu bewältigen hatte – ca. 678 km von Düsseldorf aus. Wobei die neue Liga für mich ja auch einen Vorteil bringt – so ungern ich auch in den Süden fahre, ich hab in dieser Richtung bei jedem Auswärtsspiel ca. 100 km weniger abzureißen. Etwa 500 Unentwegte ließen sich von der Entfernung nicht abschrecken, fuhren teilweise zu abenteuerlichen Zeiten los, die Fan-Busse starteten zwischen 00.00 Uhr und 2.00 Uhr in der Früh. Irgendein Wahnsinniger hatte auch mal die Routen mit dem Wochenend-Ticket der Bahn abgesteckt, er kam auf knappe zwei Tage. Es gab sogar ein oder zwei Leute, die das ausprobieren wollten. Falls sie es getan haben und tatsächlich heil wieder nach Hause gelangt sind – mein höchster Respekt, das ist die Art von (positivem) Wahnsinn, von der selbst ich mich nicht mehr anstecken lassen möchte. Zwei Tage Bahn...das ist für mich wie eine Woche Musikantenstadl, nur schlimmer. Wie gesagt: Respekt!

Die Mannschaft der Fortuna bezog Quartier in Österreich, da das Hotel in Ach durch die natürliche Grenze des Flusses Salzach vom direkt gegenüber liegenden Burghausen nicht nur räumlich, sondern gleich auch staatlich getrennt ist. Am Samstag setzte man dann mal kurz über diesen Rubikon nach Deutschland über, kam, sah, siegte und fuhr wieder Hause. Julius Caesar wäre stolz gewesen. Mit 4:0 bügelte man Wacker ab.

Dies lag daran, dass man in diesem Spiel plötzlich ungeahnte Qualitäten zeigte, nämlich die Chancen frühzeitig zu nutzen. Okay, zunächst blieb alles beim Alten: erst in der Mannschaftsaufstellung, aufgrund der Verletzungen von Lambertz und Palikuca spielten wieder Christ und Cakir, Johannes Walbaum erneut als Rechtsverteidiger auf dem Platz, mit Andreas Altenbeck und Marcel Gaus zwei weitere Spieler der Zweiten Mannschaft auf der Bank, da die Personaldecke weiterhin reichlich dünn ist. Und auch auf dem Platz sah man zunächst Bekanntes: keine zwei Minuten gespielt, Cebe setzt sich auf rechts durch, bringt den Ball auf den langen Pfosten, dort steht Caillas mutterseelenallein, leider schließt er nicht direkt ab, bei der Ballannahme verspringt ihm die Kugel, er kommt zwar noch zum Abschluss, aber Burghausens Keeper Kern kann parieren. Schon wieder eine 100%ige versiebt, die Anfangsphase scheint generell nicht das Ding von Caillas zu sein. Im Mai, am letzten Spieltag in Erfurt, hatte er ein ähnlich klares Ding auch schon nach ein paar Minuten verschleudert, vor zwei Wochen in Stuttgart, wie geschildert, bereits in der 6. Minute freistehend verweigert wie ein schlaues Pferd beim Springreiten (ja, auch ich schau ab und zu Olympia). Für ihn wäre es vielleicht besser, wenn das Spiel erst ab der 10. Minute beginnen würde, dann ist er stets voll da.
Nun, in Burghausen hätte er dann schon die Vorentscheidung verpasst, nach 9 Minuten führte Fortuna nämlich 2:0, eigentlich unglaublich, aber wahr. Gründe dafür war eine unglaubliche Abwehrleistung der Burghauser und ein Sahnetag von Axel Lawaree.
In der Burghauser Abwehr fehlte Kapitän Björn Hertl, und gemäß des Mottos: „Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch“ machten die übrigen Burghauser Defensivstrategen, was sie wollten, nur nix Gutes. Was mich dazu bringt, bereits jetzt für das Rückspiel zu fordern, dass der Hertl möglichst in der Woche zuvor die fünfte Gelbe sehen möge. Es war unglaublich, wie man die Fortunen zum Tore schießen einlud, es war allerdings auch unglaublich, dass wir die Einladungen endlich mal konsequent annahmen.
6. Minute, Foul an Marco Christ in etwa am Mittelkreis. Der hat sofort die Erleuchtung, wie Walbaum in Stuttgart das 2:0 vorbereitet hat, führt den Freistoß blitzschnell aus, hoher Pass an den Strafraum. Dort lässt Abwehrspieler Wolf den Ball freundlich passieren, weil er denkt, sein Torwart wird ihn greifen, der kommt aber zu spät raus, weil er denkt, Wolf wird klären – und bevor beide zu Ende gedacht haben, ist der Ball im Netz, denn Lawaree hat aufgepasst und hebt die Kugel aus 16 m über den heraus stürzenden Keeper ins leere Tor. 0:1.
9. Minute, langer Ball von Torwart Melka, knapp außerhalb des eigenen Strafraums bis an den gegnerischen, und wieder dasselbe Bild: Wolf ist sich mit sich selbst nicht einig, ob er die Kugel per Kopf zu seinem neben ihm postierten Mitspieler oder zu seinem heraus eilenden Torwart zurück nicken soll, entscheidet sich ganz konfuzianisch für die goldene Mitte und legt den Ball in die Gasse zwischen beiden, dort ist aber wieder Axel Lawaree mitgelaufen und lupft das Leder zum 2:0 ein. Was für ein Auftakt!

Und damit war das Spiel eigentlich auch durch, weil Burghausen an diesem Tag einfach zu schwach war. Fortuna spielte nicht mal besonders stark, hatte aber alles im Griff, dazu noch das Quäntchen Glück, denn bei der einzigen ernsthaften Chance der Oberbayern in Halbzeit 1 pfiff der Schiri Calamita zurück (und zeigte ihm anschließend Gelb, weil er sicherheitshalber doch mal ins Tor geschossen hatte), obwohl es wohl eher kein Abseits war. Besonders bemerkenswert: als man wirklich mal ein wenig wackelte, nach knapp einer Stunde, da zog man kurz das Tempo an und entschied das Spiel endgültig. Zuvor musste Melka einen Schuss von Calamita parieren, hatte Glück, als er einen schon sicher geglaubten Ball unfreiwillig wieder ins Spiel brachte, was die Burghauser allerdings nicht nutzen konnten, und auch bei einem Freistoß von Bonimeier war es knapp, aber eben vorbei. Gerade als man das Gefühl hatte, wenn die Gastgeber irgendwie einen rein wursteln, dann geht für sie vielleicht noch was, machte Fortuna den Sack zu: langer Ball auf die linke Seite, in Höhe des Strafraums, Bonimeier hat den Ball eigentlich sicher, aber Lawaree setzt nach und kriegt beim Befreiungsschlag noch einen Fuß dazwischen, die Pille kommt zu Sahin, der tanzt seinen Gegenspieler auf dem Bierdeckel aus und schließt trocken und hart ab, aus ca. zehn Metern, halblinke Position, in die lange Ecke. Drin, das Ding, durch, das Spiel!

Aber der Lawaree war noch so fit, der hatte noch Bock aufs Spiel. Sollte mich nicht wundern, wenn der ein oder andere Burghauser Abwehrspieler nach dem Spiel schlecht von unserem Belgier geträumt hat. In der 72. Minute taucht er zur Abwechslung mal rechts an der Seitenlinie auf und nimmt wieder dem völlig überforderten Bonimeier die Kugel ab, treibt sie in den Strafraum und serviert dann eine wunderschöne Flanke hinter den langen Pfosten. Dort kommt Caillas völlig losgelöst angerauscht, und da die ersten zehn Minuten des Spiels ja definitiv um sind, trifft er mit einem ebenso schönen Flugkopfball zum 4:0. Lawaree somit mit zwei Toren und zwei Assists, was müssen sie in Reihen der Oberbayern innerlich Kreuze geschlagen haben, als der Mann in der 79. Minute endlich ausgewechselt wurde! Der war an diesem Tag wirklich ein zu großes Mysterium für sie. Folgerichtig blieb es auch beim 4:0, obwohl Fortuna durchaus noch hätte nachlegen können, zu überlegen war man zum Schluss, zu schwach zeigten sich die Gastgeber.

Eine erstaunliche Leistung, besonders wenn man die aktuelle Personaldecke der Fortuna bedenkt. Trainer Meier gab sich nach dem Spiel dann auch generös und meinte, es gäbe natürlich bei solch einem Spiel wenig zu meckern, aber wenn er sich die Partie in der Nacht noch einmal auf Video ansehen würde, würde er sicherlich noch etwas finden. Und in der Tat sollte man den Sieg nicht überbewerten, denn die Gastgeber luden mit unglaublichen Abwehrfehlern ja förmlich zum Tore schießen ein. Aber ganz wichtig, dass man es diesmal auch ausnutzen konnte. Es lässt hoffen. Also freuen, aber nicht überbewerten, dafür war der Gegner an diesem Tag nicht gut genug. Die können sicherlich auch anders.

Dieser klare Sieg verwirrte dann auch noch die Vereinsoffiziellen völlig. Auf der Fortuna-Website wird nämlich im Rahmen des Spielberichtes stolz verkündet, dies sei der höchste Auswärtssieg seit dem 12.11.2005, als mit gleichem Ergebnis beim Chemnitzer FC gewann. Dies ist unzweifelhaft richtig – also dass wir damals 4:0 in Chemnitz gewannen, meine ich. Leider fehlt da ein Spiel in der Statistik, und das ist noch gar nicht so lange her. Vor knapp zweieinhalb Monaten, am letzten Spieltag der letzten Saison, 31.05.2008, gewann man ebenfalls mit 4:0 bei RW Erfurt. Schon verdrängt? Andererseits durchaus nachvollziehbar. Wir schießen eben selten so viele Tore, das kann einen schon mal verwirren, wenn es plötzlich zweimal in einem fortunistisch gesehen so kurzen Zeitabstand vorkommt...

Damit konnte Fortuna den kompletten Fehlstart nach der Auftaktniederlage gegen Paderborn vermeiden und steht nach drei Spieltagen mit zwei Auswärtssiegen und sechs Punkten doch sehr ordentlich da. Im Gegensatz zum Nachbarn Wuppertaler SV, der den Start völlig versemmelte und mit einem Punkt aus drei Spielen einen Abstiegsplatz besetzt. Aber was heißt das schon? Irgendwelche Spielereien mit Tabellenpositionen kann man sich eh noch schenken – kleiner Nachweis gefällig? Top-Favorit Paderborn putzte am ersten Spieltag Fortuna mit 4:1, kassierte am zweiten gegen die ebenfalls stark eingeschätzten Unterhachinger erst in letzter Sekunde unglücklich den Ausgleich und fuhr als haushoher Favorit mal eben nach Sandhausen, die nach zwei Spieltagen überhaupt noch keinen Punkt hatten. Es wurde kurz und schmerzlos – Sandhausen siegte 4:0, und Paderborn kam dabei noch gut weg, denn die Gastgeber trafen noch Latte und Innenpfosten. Der Top-Favorit kam im gesamten Spiel zu genau einer einzigen klaren Torchance. Also geht mir weg mit irgendwelche Tabellenständen, es scheint derzeit wieder eine Liga zu werden, in der jeden jeden schlagen kann, was auch nicht verwundert, wenn man sich die Zusammensetzung anschaut. Da spielen nun mal die 16 stärksten Drittligisten der letzten Saison und vier Zweitliga-Absteiger. Da ist das Niveau eng zusammen. Und das ist allemal spannender als eine Erste Liga, in der es normalerweise eine Übermannschaft gibt, dazu fünf, sechs Vereine, die ab und zu auch mal ganz brauchbare internationale Klasse beweisen, und der Rest spielt um die Goldene Ananas bzw. gegen den Abstieg. Klar ist dort das Niveau höher (bzw. sollte es sein), aber dass so viele Mannschaften in etwa gleich stark sind, das hat man dort nicht. Also gibt es in der 1. Liga vielleicht besseren Fußball, aber bei uns wird es wohl wieder mal spannender werden. Irgendwie möchte ich nicht tauschen.

Die Südwochen gehen für Fortuna weiter, der nächste Gegner ist Unterhaching, eine saustarke Truppe, in der mit Tyce, Frühbeis, Bucher, Fink oder Schweinsteiger (der große Bruder von „Schweini“, falls sich irgendwelche WM- oder EM-Touristen hierher verirren sollten) reichlich Erst- und Zweitliga-Erfahrung auf dem Platz rumläuft, dann geht es Ende August nach Sandhausen, und wer die nach ihrem Spiel gegen Paderborn unterschätzt, dem ist wirklich nicht zu helfen. Schauen wir doch mal, wie es dann aussieht. Auf jeden Fall nach dem verkorksten Start derzeit eine positive Entwicklung. Aber Luft nach oben gibt es ja immer.

Übrigens: ein Wort noch zu Olympia. Wie schon gesagt, ab und zu guck ich mal rein. Am Sonntag nach dem Burghausen-Spiel gab es Amüsantes: in der Segelklasse der 49ers (und frag mich bitte niemand, was das ist, ich hab keine Ahnung) gewannen zwei Dänen Gold. Das wäre jetzt nichts Außergewöhnliches, allerdings gewannen die beiden Dänen nicht mit ihrem eigenen Boot, sondern mit einem, dass sie sich von ihren kroatischen Mitstreitern ausgeliehen hatten. Und das ist doch wohl mal eine Leistung! Angesichts unseres letzten Auftritts in Burghausen fordere ich daher, dass alle Fortuna-Stürmer in den nächsten Wochen die abgelegten Schuhe von Axel Lawaree auftragen müssen. Und wenn die dann genauso treffen und auflegen wie er, dann sehe ich dem weiteren Verlauf der Saison gelassen entgegen. Der Auftakt lässt zumindest ein wenig hoffen.

Wackere olympische Premium-Grüße: janus