von Janus, 16.10.2007

 

Ja, auch solche Zeiten müssen mal kommen: nach Glanz und Gloria kommt nun erstmals in dieser Saison ein Bericht, in der kein Meisterschafts-Sieg der besten Mannschaft der Welt zu finden ist. Man kann halt nicht alles haben, und ich hatte immerhin zwei Berichte lang Gelegenheit, zu jubeln. Dies ist schon ungewöhnlich genug für Fortuna. Aber fangen wir doch an, es gibt viel zu erzählen!

Einmal ist immer das erste Mal oder Mein Tagebuch (Epilog)

„Liebes Tagebuch,

es ist vorbei! Nach 802 Minuten hat mal wieder jemand gegen uns getroffen. Dennis Tornieporth aus Magdeburg. Dennis Tornieporth – wer kennt ihn nicht? Vorher Kickers Emden, vorvorher St. Pauli, noch vorher Holstein Kiel – hat nie ein Scheunentor getroffen, wenn es gegen uns ging. Diesmal netzte er acht Minuten vor Schluss ein. Und ich fürchte, ich trage eine Mitschuld! Hatte ich mir doch im ersten Teil des Tagebuchs unser erstes Gegentor von einem Denis gewünscht! Okay, nur ein „n“ und außerdem ein Wolf, aber da hat der Fußballgott wohl nur mit einem Ohr zugehört und nach dem Vornamen abgeschaltet. Gemein! Bevor ich Dich, liebes Tagebuch somit zutiefst betrübt beende, bleiben nur noch die Aufräumarbeiten...

Heute Nacht wieder nicht geschlafen. Eingedenk meiner Ankündigung, was im Falle des ersten Gegentors mit meinen Fortuna-Socken passieren wird, bin ich auf den Balkon geschlichen und habe sie von den Füßen geringelt. Mit der Rohrzange ging das ganz leicht. Ich hatte danach sogar noch Zeit und Muße, dem Geschosshagel empörter Nachbarn auszuweichen, die mir mittels fauler Tomaten und Eier wohl demonstrieren wollten, was sie geruchlich bei meiner Aktion empfanden. Alles Weicheier, die die historische Dimension dieses Ereignisses nicht gebührend respektieren konnten! Das hab ich natürlich nur gedacht, nicht gesagt. Als sie auf dem Rasen unter meinem Balkon anfingen, die Pechfackeln anzuzünden, und auch schon die ein oder andere Heugabel gesichtet werden konnte, schien es mir geraten, die Socken in einen großen Briefumschlag zu stecken. Seitdem hab ich meine Ruhe, und Herr Tornieporth kann sich demnächst auf Post aus der ehemaligen Bundeshauptstadt freuen. Versprochen ist nun mal versprochen! Ich muss mich nur noch erkundigen, was so ein Gefahrguttransport nach Magdeburg wohl kosten mag...“

Ja, auch Jungfrauen fangen mal an. Irgendwann musste es ja passieren, dass wir uns wieder einen einfangen. Das Ärgerliche an jenem Gegentor am 15.09.07 war nur, dass es der einzige Treffer des gesamten Spiels war, und Fortuna somit 0:1 beim 1.FC Magdeburg verlor. Noch ärgerlicher war dies, weil es überflüssig wie ein Kropf war. Fortuna war nämlich über die gesamte Spielzeit vor fast 13.000 Zuschauern eigentlich das bessere Team mit den besseren Chancen. Aber diesmal war es ein typisches 3-€-ins-Phrasenschwein-Spiel à la: „Wenn du die Dinger vorne nicht rein machst, darfst du dich nicht wundern, wenn es hinten einschlägt.“ In der 82. Minute war es soweit: Markus Anfang spielte einen Fehlpass an der Mittellinie, die Gastgeber schalteten sofort um und präsentierten einen hervorragenden Angriff, eigentlich ihre einzige herausgespielte Torchance in der zweiten Halbzeit: langer Pass auf die linke Seite, eine schöne Flanke in die Mitte, hinweg über Sebastian Heidinger, der in dieser Situation rätselhafterweise den letzten Abwehrspieler im Strafraum gab und sich – als Stürmer eher nicht verwunderlich – bei der Flanke verschätzte. Der Ball fiel genau auf den Fuß des oben erwähnten Tornieporth, und der netzte direkt aus der Luft mit der Innenseite ein – noch nicht mal besonders stramm geschossen, aber schön fies gegen die Laufrichtung von Torwart Melka, zudem passte die Kugel noch genau links ins Eck. Ein prima Tor, welches wir allerdings aus gegebenem Anlass gar nicht so prima fanden. Allerdings war es dann doch betrüblicher, als Axel Lawaree nur drei Minuten später eigentlich alles richtig machte, im Strafraum der Magdeburger umher kurvte und die Lücke suchte, diese schlussendlich auch fand und den sehr guten Torwart Beer mit einem Flachschuss überwand – nur um anschließend festzustellen, dass sich in der Zwischenzeit ein Magdeburger auf die Torlinie geschlichen hatte und schändlich klären konnte. Gemein, sowas! Denn damit war das Spiel durch, und Fortuna hatte nicht nur das erste Gegentor nach 802 Minuten kassiert, sondern auch gleich die erste Saisonniederlage. Und die war sowas von vermeidbar, was man allein schon daran sehen konnte, dass sich Magdeburger Fans im Internet-Forum tatsächlich für den Sieg ihrer Mannschaft entschuldigten – ohne Reue natürlich, das wäre ja bei uns auch nicht anders. Als kleinen Nebeneffekt war man an diesem Wochenende dann auch die Tabellenführung los, weil der Wuppertaler SV gegen Babelsberg gewann und vorbeizog, aber das interessiert mich zum jetzigen Zeitpunkt eher weniger. Traurig nur, dass genau das eingetroffen war, was man befürchtet hatte: der erste Rückstand in der Saison bedeutete auch zugleich die erste Niederlage. Das war das eigentlich Bedenkliche an diesem Spiel. Hoffentlich würde man sich schnell „akklimatisieren“ können, um zukünftig auch mal ungewohnte Rückstände aufholen zu können, denn die soll es im Fußball ja tatsächlich ab und zu geben.

Noch ein Nachtrag zu meinem Tagebuch: nach dem Spiel gegen Fortuna traf Magdeburg zunächst auf Ahlen, dann auf Dortmund II. Beide Partien verloren sie. In beiden Spielen wurde Dennis Tornieporth vorzeitig ausgewechselt, und zwar jeweils vor der ominösen 82. Minute, in der er Fortuna ins Unglück gestürzt hatte. Klar werden sie behaupten, es seien taktische Wechsel gewesen. Aber ich weiß es besser. Da hatte wohl ein Gefahrguttransport sein Ziel erreicht und den Spieler nachhaltig geschwächt...ein würdiger Abschluss meines Gegentor-Tagebuchs!

Und wohin fährt man wohl, wenn man am nächsten Tag mal alles hinter sich lassen und den doch nicht geringen Frust mit einem ordentlichen Lachen herunterspülen möchte? Genau, nach nebenan, ins Stadion der Stadt mit der komischen Bahnhofskirche. Wobei das mit dem ordentlichen Lachen nicht nur einfach eine spöttische Bemerkung ist – mir ist aufgefallen, dass die dortige Heimmannschaft in den letzten 12 Monaten regelmäßig den größten Murks zusammenspielt, wenn ich mal im Stadion bin. So auch diesmal. Hätte ich mehr Zeit, würde ich ernsthaft darüber nachdenken, mir für die eine Dauerkarte zuzulegen. Aber an diesem Tag lag das Highlight eindeutig vor dem 0:0 des 1.FC Köln gegen Fürther Greuth oder wie dieser Gegner hieß. Da gab es nämlich auf dem Rasen ein Interview mit einem ca. fünfjährigen Stöpsel, den der Stadionsprecher tatsächlich ernsthaft fragte: „Was erwartest du heute?“ Das kann man einen Fünfjährigen schon mal fragen, finde ich! Ich hab mir nur gewünscht, dass der Kleine den Mund aufgemacht und geantwortet hätte: „Nun ja, ich erwarte einen defensiven Gegner, der aus einem starken Abwehrverband heraus auf Konter spielt!“ Kam leider nicht. Aber der Kleine wirkte auch so schon verwirrt genug. Auf die nächste Frage, ob er das letzte Spiel seines Vereins denn zuhause am Fernseher gesehen oder ob Papa ihm das Ergebnis mitgeteilt habe, erwiderte er ein klares: „Weiß nicht.“ So müssen Interviews sein! Ich fand es herzerfrischend. Genau so wie die Szenerie beim Einlaufen der Mannschaften. Wir hatten auf der Osttribüne Platz genommen. Über uns wollte wohl ein Kölner Fan eine kleine Konfetti-Choreo bieten, jedenfalls regnete es Papierschnitzel auf uns herab. Ist ja nicht weiter schlimm. Im Gegenteil, richtig lustig wurde es, als ich ein Stück Papier, welches mir in den Schoß geflattert war, mal zur Hand nahm. Da hatte jemand beim Zerreißen des Papiers wohl nicht besonders nachgeschaut, ich fand die komplette Adresse des Konfettomanen. Also, lieber Daniel W. aus Kxxxxx, es ist ja toll, dass eure Stadt solche Leute hervorbringt, die ganz prima ganz schnell im Kreis herumfahren können, aber das mit der „Choreo“ solltet ihr beim nächsten Mal vielleicht ein bisschen besser üben. Ein noch größeres Hallo gab es, als meine Nachbarn sich ihre Papierschnitzel auch mal genauer anguckten, anscheinend hatte der gute Mann eine Rechnung oder auch einen Kontoauszug zu Konfetti verarbeitet und an den entscheidenden Stellen etwas schlampig durchgerissen. Und daher möchte ich Daniel zum Abschluss zurufen: das war aber nicht billig, was du dir da geleistet hast! Aber wer hat, der hat...und zeigt es dann (wenn auch eher aus Versehen) gerne schon mal her.

Und als ich dann am Abend noch feststellte, dass sie im Gewinnspielsender DSF zu blöd sind, die richtige Gewinnspiel-Telefonnummer für ihr Gewinnspiel anzugeben (und, wahrscheinlich nach dem Multiple-Choice-Verfahren, vorsichtshalber drei verschiedene Nummern einblendeten), da wusste ich: es ist alles nicht so schlimm. Auch ein Gegentor wirft uns nicht um, solange es noch genug zu lachen gibt. Und ich, der ich in Bonn wohne, hab so etwas ja in der unmittelbaren Nachbarschaft....

Wieder Rückstand – wieder Niederlage

Am 22.09.07 kam der VfB Lübeck in die LTU-Arena und nahm mit einem 1:0 drei Punkte mit, die erste Heimniederlage der Saison für Fortuna. 12.500 Zuschauer sahen zwar, dass auch die wieder ein besserer Witz war, aber das ändert natürlich nichts am Ergebnis. Fortuna ganz klar überlegen, Bekim Kastrati, erstmals in dieser Saison nach seiner Verletzung von Anfang an dabei, zeigte mal gleich, wie er das Spiel zu beflügeln dachte – für seine erste Torchance brauchte er genau 34 Sekunden. Die vergab er allerdings ebenso wie er und andere Spieler so manch andere Chance in diesem Spiel. Die Führung für die Fortuna schien nur noch ein Frage der Zeit, da schlug Lübeck, das man bislang nur am Rande wahrnehmen konnte, unmittelbar vor dem Pausenpfiff erstmalig zurück: bei einem schönen Angriff über links bekam die Fortuna-Abwehr den Ball nicht weg, rechts im Strafraum kam Ex-Fortune Daniel Cartus frei zum Schuss, und dann wurde es tragisch: Torwart Melka konnte den Ball nur prallen lassen, was angesichts der Entfernung des Schützen nicht weiter verwunderlich war, hechtete aber hinter dem Abpraller und hätte ihn auch locker gehabt, wenn – ja, wenn nicht Robert Palikuca aufgetaucht und ihm die Kugel quasi aus den aufnahmebereiten Händen gespitzelt hätte. Auch dagegen ist eigentlich nichts zu sagen, hätte er die Kugel damit auf die Tribüne und somit aus der Gefahrenzone befördert. Leider tat er dies nicht, sondern legte den Ball nur drei, vier Meter vor. Er rauschte hinterher und traf den nachsetzenden Cartus – Elfmeter. Lübecks Routinier Dietmar Hirsch verwandelte sicher zur doch überraschenden Pausenführung.

Noch tragischer wird diese Szene nicht nur dadurch, dass es das Goldene Tor des Spiels war, sondern auch dadurch, dass es kein Elfer war. Im Fernsehen konnte man in der Zeitlupe sehen, dass Palikuca beim Nachsetzen klar den Ball spielte, und Cartus dann erst über seinen Fuß stolperte. Aber wie gesagt: in der Zeitlupe. Hier mag ich Schiri Schrempershauwe keinen Vorwurf machen, den Elfer hätten ich und auch andere wohl ebenfalls gegeben, in der Sekunde der Aktion war das wirklich nicht zu sehen. Dies war allerdings auch so ziemlich das einzig Positive, was man über den Schiri sagen konnte, der das Spiel einerseits mit seiner kleinlichen Regelauslegung völlig zerpfiff, andererseits aber noch nie etwas von der Vorteilsregel gehört zu haben schien, was zumindest in einer Szene zu einem auch sichtbaren Nachteil führte, als ein Fortune am Mittelkreis gefoult wurde, dennoch der lange Pass in die Spitze auf Kastrati kam, der ziemlich allein Richtung Lübecker Tor strebte, um zwei Sekunden später vom Schiri zurückgepfiffen zu werden, der auf Freistoß für Fortuna entschied. Da scheint durchaus Nachschulungsbedarf für den Herrn Spielleiter gegeben zu sein. Als er im Laufe des Spiels dann immer mehr den Überblick verlor, verlegte er sich, wie es so viele Schiris in der Regionalliga zu tun scheinen, darauf, eine Gelbe nach der anderen zu zeigen und dadurch den Grundstein zu legen, dass es auf dem Platz zunehmend leerer wurde: in der 78. Minute wurde Jens Langeneke mit Gelb/Rot des Feldes verwiesen, nach einem dämlichen Frustfoul. Er verlor den Ball an des Gegners Sechzehner, rannte wütend hinter seinem Gegenspieler her und rempelte diesen an der Seitenlinie mal eben weg. Wer schon mit Gelb vorbelastet ist und so rein geht, der kann nur wichtige Termine haben, es sah fast nach Absicht aus. Diese Verwarnung, die den Platzverweis nach sich zog, war also vollends gerechtfertigt, dafür war die Gelbe gegen Langeneke zuvor ein Witz. Der Schiri sorgte dann aber harmonisch für den Ausgleich, indem er zwei Minuten später den Lübecker Caruso ebenfalls mit der Ampelkarte zum Duschen schickte, ebenfalls für ein Allerweltsfoul. Dafür übersah er jedoch zum Beispiel wieder einmal eine glasklare Tätlichkeit des in hiesigen Kreisen mittlerweile sattsam bekannten Ex-Uerdinger Amokläufers Benny Baltes, der dem am Boden liegenden Cebe beim Passieren mal schnell den Fuß ins Gesicht stellte, eine Abart des „Zweikampfs“, die zu jener Zeit auch in der Bundesliga mehrfach beobachtet und nachträglich geahndet werden konnte. Aber natürlich nicht bei uns.

Ach ja, die 2. Halbzeit: da vergeigte Fortuna noch ein paar sehr gute Chancen und verlor deshalb das Spiel, denn von der Lübecker Maurertruppe ging nach vorne keine Gefahr mehr aus. Überragender Spieler der Gäste wurde Torwart Frech, der die Fortunen ein ums andere Mal zur Verzweiflung brachte. Sein Glanzstück lieferte er bereits in der 56. Minute ab: Traumkombination der Fortuna (ja, einmal im Monat können wir das!), eine weite Flanke von links in die rechte Strafraumecke wird von Cebe direkt aus der Luft artistisch nach innen gebracht, genau auf den Kopf des heranstürmenden Kastrati, der aus vollem Lauf per Kopf aus fünf Metern – leider nicht den Ausgleich machte, denn mit eine Wahnsinns-Reflex kratzte Frech das Ding noch von der Linie. Ich bin sicher, er weiß bis heute nicht genau, wie er das gemacht hat, aber es sah super aus, Respekt! Fortuna gab wirklich alles, selbst kurz vor Schluss hatte der eingewechselte Christian Erwig noch die Riesenchance, aber er kam an einen Abpraller nach einer weiteren Parade von Frech nicht richtig heran. Dies wäre auch in der Hinsicht bemerkenswert gewesen, als dass sich zu diesem Zeitpunkt des Spiels nur noch neun Fortunen auf dem Platz tummelten. Markus Anfang musste verletzt ausscheiden, und da schon dreimal gewechselt worden war, musste man das Spiel dann halt mit neun gegen zehn beenden. Mindestens ein Punkt wäre so was von verdient gewesen, aber man verzockte ihn selbst und kann auch nicht die unterirdische Leistung des Schiris als Entschuldigungsgrund heranziehen.

Hinzu kam man schwer gebeutelt aus dem Spiel. Partien gegen Lübeck waren in den letzten Jahren ja fast immer, hm, relativ „intensiv“ geführt, um es mal so auszudrücken. Diesmal war es eigentlich recht fair (außer, wenn der kleine Benny mal wieder wütete), doch der Aderlass war beträchtlich: Platzverweis für Langeneke, Verletzungen von Heeren, Anfang und Lambertz, dem überragenden Spieler der letzten Partien. Das machte die Niederlage doppelt bitter.

Wie man ein Fußballspiel nicht organisiert

Zeit zum Jammern gab es nicht: bereits vier Tage später musste die Fortuna wieder ran, zum Nachbarschaftsduell beim Aufsteiger RW Oberhausen, der einen schwachen Saisonstart hingelegt hatte, aber anschließend richtig aufgeblüht war und Sieg um Sieg eingefahren hatte. Man war sich in Oberhausen sehr wohl bewusst, dass hier ein kleines Spitzenspiel anstand, und mit dem fröhlichen Optimismus aller Dilettanten machte man sich an die Organisation:

„Currywurst gegen Sushi!! Schön gegen Reich!!“ Auf diese bedingt originelle Weise versuchten sie im Vorfeld, für das Meisterschaftsspiel gegen die Fortuna zu werben. Ob mit Newsletter, einem Promo-Team oder auf Handzetteln: Kein Klischee wurde ausgelassen, um einen künstlichen Spannungsbogen zwischen den beiden Städten zu konstruieren. Gleichzeitig teilte man Fortuna mit, man sehe sich außerstande, bei diesem Abendspiel den Verkauf von erwarteten 4.000 Eintrittskarten für den Gästeblock organisatorisch auf die Reihe zu bekommen. Deshalb griff man zu einem anderen Mittel und verkündete, dass es Karten für die Gäste nur im Vorverkauf geben würde, nicht am Spieltag. Gegen entsprechende Vorverkaufsgebühr natürlich. Nur, um am Dienstagabend, also einen Tag vor dem Spiel, bekannt zu geben, dass die Abendkassen nun ebenfalls für Fans aus der Landeshauptstadt geöffnet sein würden. Anscheinend überwog auch im Schatten des Gasometers die tiefere Einsicht, dass Schönheit allein nicht reicht, und man ab und an auch Geld verdienen muss – auch wenn man vielleicht nicht reich werden will. Oder so ähnlich. Aber wahrscheinlich werden sie sich gar nichts dabei gedacht haben. Ebenso wenig wie die Oberhausener Polizei, die am örtlichen Hauptbahnhof bei Ankunft des Sonderzuges aus Düsseldorf mal wieder einen Polizeikessel vom Feinsten inszenierte, dass man sich wirklich nur wundern konnte, wo die ihre Ausbildung genossen hatten. Oder diejenigen, die für den Transport der Fans zum Stadion verantwortlich waren, und zunächst gar keine Busse, diese dann anschließend nur kleckerweise zur Verfügung stellten (zwei Bussen für über 1.000 Fans!). Man ist ja viel gewohnt, aber dass der Heim-Verein die Gäste-Fans erst mal ordentlich verhöhnt, dann beim Kartenkauf über den Tisch zieht, anschließend einkesselt und beim zugesagten Transport völlig versagt – das war dann doch ziemlich neu. Sie waren mit der Organisation völlig überfordert – wie praktisch, wenn man es dann an den Gästen auslassen kann. Auch wer mit dem Auto anreiste, hatte seine helle Freude: wenn man sich erfolgreich durch die Staus durchgekämpft hatte, die Ruhrgebiets-Autobahnen am Nachmittag nun mal zu bieten haben, stellte man anschließend fest, dass schon eine Stunde vor dem Spiel rund um das Stadion gar nichts mehr ging, unter anderem dadurch begünstigt, dass die Anfahrt zum Stadion von der A 42, Ausfahrt Oberhausen-Zentrum, komplett gesperrt war, sodass nahezu jeder mit einem fahrbaren Untersatz über die Ausfahrt Buschhausen anreisen musste, mit den entsprechenden Auswirkungen. Als Krönung wurde das Spiel mit einer Viertelstunde Verspätung aufgrund des großen Zuschauerandrangs angepfiffen – im Laufe des Spiels wollte man der Presse dann weismachen, man bedanke sich bei 8.300 Zuschauern...sehr unhöflich, mindestens 4.000 Zuschauer nicht in ihren Dank mit einzubeziehen. 12.000 Zuschauer war nämlich die ungefähre Schätzung, die gestandene Oberhausener auf der Tribüne abgaben, nachdem sie sich von ihren Lachanfällen erholt hatten. Es war wirklich unglaublich, und als Fazit bleibt eigentlich nur: ich persönlich halte nach jenem Abend die Verantwortlichen von RW Oberhausen noch nicht einmal für fähig, einen Kindergeburtstag zu organisieren. Mit allem, was über 4.000 Zuschauer hinaus geht, scheinen sie schlicht überfordert. Vielleicht sollte sich der DFB hiervon auch mal ein Bild machen. Wenn schon solch unfassbar wichtige Auflagen für die 3. Liga wie „fernsehtaugliches Flutlicht“ gefordert werden, könnte man sich da eventuell auch mal um die Organisation eines Fußballspiels kümmern? Da Wuppertal und Düsseldorf schon da waren und sich ansonsten kaum jemand nach Oberhausen verläuft, könnte der DFB ja mal eine Delegation dorthin schicken, wenn der letzte große Zahltag ansteht, das wäre wohl das Heimspiel gegen RW Essen zu Beginn der Rückrunde. Aber bitte inkognito, damit ihr auch was davon habt! Und da rettet es auch nix mehr, dass die Nackensteaks wieder mal hervorragend waren und, im Gegensatz zur Organisation, völlig zurecht Ansprüche anmelden, in die neue 3. Liga zu gelangen.

Nun, das Spiel bot dann aber zum Glück auch einiges, es wäre ja traurig gewesen, wenn nach all diesem Chaos auch noch ein 0:0-Langweiler herausgekommen wäre. Es war ein abwechslungsreiches Spiel mit vielen Torchancen, und immer spannend. Den Anfang machte RWO. Man hatte sich gerade aufs Spiel eingestellt, da stand es auch schon 1:0 für die Gastgeber. Nach drei Minuten und ein paar Sekunden hatte sich Kapitän Mike Terranova die Kugel an der Mittellinie geschnappt und mal einen kleinen Sprint angezogen. Ihm hinterher hechelte ein Fortune, ohne Chance, ihn stoppen zu können, was allerdings dem Rest der Abwehr völlig ausreichte, um gar nicht erst angreifen zu müssen. So erreichte Terranova weitgehend unbelästigt den Sechzehner, zog einfach mal ab – drin das Ding. Torwart Melka machte bei diesem Treffer keine glückliche Figur, denn der Ball kam doch relativ mittig aufs Tor. Er war allerdings auch spät zu sehen und setzte unmittelbar beim Keeper noch einmal auf.

Der Witz war ja, dass dies nicht die erste Torchance für die Gastgeber war, schon in der 2. Minute hatte ein Kopfball nach einer Ecke sein Ziel nur knapp verfehlt. RWO in der Anfangs-Viertelstunde bärenstark, überrollte die Fortuna praktisch. Bei den Gästen spielte auf der rechten Außenverteidiger-Position erstmals Olivier de Cock, unser Neuzugang aus Belgien. In den ersten zwanzig Minuten lief der auf dem Platz rum wie Falschgeld, war überhaupt nicht im Bilde, wurde überlaufen, so sehr drückten die Oberhausener aufs Tempo. Ein denkbar ungünstiger Start für einen Neuling. Doch de Cock fing sich und avancierte zum stärksten Abwehrspieler auf dem Platz an diesem Abend, ein Debüt, das schlecht begann, aber dann doch sehr viel Hoffnung machen sollte.

Ebenso wie das Spiel der Fortuna. Nachdem man eine Viertelstunde lang nur hinterher gerannt war, wendete sich das Blatt. Fortuna spielte druckvoll nach vorne und drängte RWO in die eigene Hälfte zurück. Chancen waren nur eine Frage der Zeit und wurden diesmal, im Gegensatz zu Magdeburg und Lübeck, auch genutzt. Noch erfreulicher war, dass beim besten Fortunen an jenem Abend, Bekim Kastrati, endlich der Knoten platzte. Der war vorne quasi auf jeder Position zu finden, machte gehörig Alarm und steckte seine langen Gräten wirklich überall rein, wo es eventuell hätte weh tun können. Ein wuseliger Strafraum-Stürmer, genau das Gegenteil von z.B. Feinbier und Podszus aus den letzten beiden Jahren. Das mag nicht immer toll aussehen, das führt natürlich auch vermehrt zu Fehlern aufgrund der vielen Ballkontakte, aber es bringt immer auch Gefahr. Und weil er an diesem Abend so gut drauf war, netzte er gleich zweimal ein. In der 30. Minute war er nach einem Eckball von Marco Christ mit dem Kopf zur Stelle und markierte den Ausgleich. Und in der 44. Minute ging die Fortuna gar mit 2:1 in Führung: nach einem beeindruckenden Querschläger in der alles andere als sattelfesten Oberhausener Abwehr nahm Lawaree die Kugel links im Strafraum auf und brachte sie in die Mitte auf Kastrati, der sowas von frei stand, dass er alle Zeit der Welt hatte, das Leder per Seitfallzieher oben rechts im Eck zu versenkten. Ein tolles Ding, und die Führung war zu diesem Zeitpunkt auch verdient.

Nach der Pause allerdings nicht mehr, denn RWO drückte wieder aufs Tempo und brauchte nur fünf Minuten, um den Ausgleich zu erzielen. Dafür kann es natürlich nur einen geben, nämlich einen Ex-Fortunen, die ja über die Liga gestreut sind wie Sand am Meer: Tim Kruse, im Sommer nach drei Jahren bei uns zum Aufsteiger gewechselt, machte das Tor, mit einem seiner Hämmer aus zwanzig Meter Entfernung, für die er auch bei uns durchaus bekannt war, allerdings auch mit Glück, denn Palikuca fälschte den Ball unerreichbar für Melka ab. Kruse selbst war das ziemlich peinlich, was man bei seinem anschließenden, nicht vorhandenen Torjubel sehen konnte. Ja, ein netter Typ, der nicht zu Unrecht bei uns auch recht beliebt, aber einfach zu oft verletzt war. In Oberhausen übrigens auch, gegen uns machte er sein erstes Spiel nach mehrwöchiger Pause. War ja klar, dass es dann gleich klingeln würde...

Der Rest des Spiels war ein ständiges Hin und Her, sehr unterhaltsam, mit Tempo bis zum Schluss, wobei Oberhausen die besseren Chancen hatte, für Fortuna war meist am gegnerischen Sechzehner Schluss. Nichtsdestotrotz hätte es fast noch ein Happy-End in der 90. Minute gegeben, bei einem letzten schnellen Konter der Fortuna wurde wiederum Kastrati am Strafraum frei gespielt, allerdings mit etwas Glück, deshalb war er auch etwas zu überrascht. Er traf die Kugel nicht voll, und RWO-Keeper Semmler, der schon halb auf dem Boden gelegen hatte und durch einen Lupfer leicht hätte bezwungen werden können, konnte die Situation bereinigen. Es wäre auch nicht verdient gewesen. Somit sprang an jenem Abend ein 2:2 in einem flotten und ansehnlichen Spiel heraus. Wenigstens nicht verloren, und endlich mal einen Rückstand wett gemacht. Ein gutes, faires Spiel, übrigens mal wieder fehlerfrei geleitet von Bibiana Steinhaus, unserer „Bibi“, die am Wochenende zuvor ihr erstes Zweitliga-Spiel souverän absolviert hatte. Zum sechsten Mal pfiff sie ein Spiel der Fortuna, zum sechsten Mal gewannen wir nicht, zum sechsten Mal lag es nicht an ihr. Hier wartet eine weitere Negativserie darauf, gebrochen zu werden...

Natürlich wurde im Forum nach dem Spiel von einem Punktverlust gesprochen, den selbstredend der Trainer zu verantworten hatte. Ganz besonders schlau fand ich denjenigen, der die Kampfstärke und Kondition der Oberhausener hervorhob und hinzu fügte, dass Fortuna in diesen Punkten unterlegen gewesen sei, könne nicht sein. Da würde er auch nicht als „Ausrede“ gelten lassen, dass Oberhausen am Wochenende zuvor spielfrei gehabt habe. Ja nee, is klar – gerade diese beiden Punkte können ja wirklich nix damit zu tun gehabt haben, dass Fortuna binnen vier Tagen zwei Punktspiele hatte und RWO nur eines. Weiß man ja, dass sich so etwas nie, nie, nie z.B. auf die Kondition auswirken könnte. Also zumindest nicht, wenn der Trainer Uwe Weidemann heißt. Ich glaube, bei dem ein oder anderen steht er auch im Verdacht, Gegner-Trainer Hans-Günter Bruns gekauft zu haben, der nach dem Spiel sagte, die Fortuna wäre die stärkste Mannschaft gewesen, die er in dieser Saison bislang gegen sein Team gesehen habe. Naja, der als ehemaliger Ostholländer hat ja auch erwiesenermaßen überhaupt keine Ahnung vom Fußball...

Es war ein unterhaltsamer Abend bei einem starken Aufsteiger. Was den Fußball betrifft. Was die Organisation angeht, so haben die Verantwortlichen an jenem Abend eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie im Sommer definitiv nicht aufgestiegen sind.

Spielfrei

Am Wochenende 28.-30.09.07 hatte Fortuna spielfrei. Wie ich solche Wochenenden zu verbringen pflege, wenn sich die Chance ergibt, kann bei Interesse im Artikel „Arena-Wochenende“ nachgelesen werden. Als ich Sonntag Nacht nach Hause zurück kehrte, konnte ich zumindest feststellen, dass bei Fortuna nicht viel passiert war. Der Trainer war immer noch da, sehr zum Leidwesen einiger Experten, Lambertz, Anfang, Krecidlo, Pusic und Eraslan immer noch verletzt, und in der Tabelle stand man immer noch gut da, weil aus der Spitzengruppe nur Emden gewann, Erfurt und selbst der WSV verloren auch mal ein Spiel. Somit konnte die Truppe einigermaßen erholt am Tag der Deutschen Einheit, 03.10.07, zum FVN-Pokal an den Niederrhein nach Goch reisen und die heimische Verbandsliga-Truppe der Viktoria locker mit 5:1 weghauen. Trainer Weidemann ging kein Risiko ein und schickte nicht die Zweite Mannschaft aufs Feld. Die Erste sorgte bereits in Halbzeit 1 mit einer 3:0-Führung für klare Verhältnisse und schaukelte das Spiel in der zweiten Hälfte locker nach Hause, Erwig, Hampel, Klimczok, Cebe und Kastrati waren die Torschützen. Das war wirklich nichts im Vergleich zu dem, was zeitgleich in Düsseldorf passierte: Regionalliga-Spitzenreiter Wuppertaler SV musste sich ebenfalls zu einem Spiel bei einem Verbandsligisten herablassen, nämlich beim SC Düsseldorf-West. Für die eigentlich schon aufgestiegene Truppe von Star-Trainer Jerat natürlich unzumutbar. Dies dachte sich wohl zumindest der Coach und gab mal wieder eine Kostprobe seiner unnachahmlichen kölschen Art, die ja bekanntermaßen nicht durch einen Hauch von Selbstzweifel getrübt wird. Er ließ eine Reserve-Mannschaft auflaufen und überließ das Coachen an der Seitenlinie auch dem Trainer der Zweiten Mannschaft, er selbst nahm gemütlich auf der Trainerbank Platz und rührte keinen Finger. Dort durfte er dann mit ansehen, wie die Truppe mit einem 1:2 nach Verlängerung aus dem Pokal ausschied, was nach Augenzeugenberichten auch noch völlig verdient gewesen sein soll. Wobei man nicht genau weiß, ob er die entscheidenden Szenen auch gesehen hat, denn, ebenfalls Augenzeugenberichten zufolge, er verschwand zwischendurch mal in ein angrenzendes Gebüsch, um sich zu erleichtern. Vor dem Spiel soll er auch nicht mit der Mannschaft angereist sein, sondern im Privat-Pkw, mit Hund als Beifahrer, und dies auch nicht zum ersten Mal. Und da es wohl nicht die erste Disziplinlosigkeit des Trainers war (wen wundert’s?), erteilte der Präsident des WSV dem Trainer in der Woche danach (der WSV hatte spielfrei) eine allerletzte Abmahnung. Jerat stand nur Zentimeter vor dem Rauswurf, und das als Trainer des Tabellenführers! Sagt wohl auch so einiges über den Herrn...

Natürlich kann ihm das Pokalspiel egal sein, denn da seine Truppe ja sowieso aufsteigt, ist sie damit auch automatisch für den DFB-Pokal qualifiziert, man braucht den Verbandspokal somit nicht. Aber wahrscheinlich ist er jetzt beim Fußballverband Niederrhein schwer im Verschiss. Die hatten bei der „Auslosung“ der Pokalrunden im Sommer ja mal wieder ein gutes Händchen, sodass im Halbfinale wieder die Partie Wuppertaler SV gegen Fortuna Düsseldorf „zufällig“ herausgesprungen wäre – zum vierten Mal in Folge und zum vierten Mal in Folge auswärts im Zoo-Stadion...Und dann kommt der Jerat daher und schickt einfach die zweite und dritte Garnitur aufs Feld! Tststs...wenn die sich das nicht mal merken...

Die nächste Pokalrunde, das Viertelfinale, stand bereits am 14.10.07 (Sonntag) an. An diesem Spieltag war nämlich wieder spielfrei, diesmal gleich für die ganze Regionalliga, aufgrund der EM-Qualifikationsspiele. Weil man ja die Vereine mit vielen Nationalspielern, egal ob In- oder Ausland, nicht benachteiligen darf. Was ja auch ziemlich leicht einzusehen ist, da man diese Vereine selbstverständlich zur Verpflichtung ihrer Nationalspieler gezwungen hat. Oder so ähnlich. Unser Gegner im Pokal würde alles andere als ein Leichtgewicht werden: der 1. FC Kleve würde zum Tanz bitten, ein Team aus der Oberliga-Spitzengruppe, mit neuem Trainer Arie van Lent in dieser Saison bislang gut dabei, obwohl die Truppe mit acht Feldverweisen nach 11 Spieltagen derzeit wohl eher eine rustikale Spielweise pflegt. Auch den prominenten Trainer verschlug es bereits zweimal während eines Spiels zwangsweise auf die Tribüne, er geht also immer noch voll mit. Hinzu kommt, dass bei Kleve seit dieser Saison unser ehemaliger Torjäger-oder-auch-nicht Marcel Podszus spielt, der in der laufenden Saison auch schon 6mal genetzt hat. Allerdings nicht beim Spiel gegen Fortuna II vor einigen Wochen, als man mit 1:3 die erste Saisonniederlage kassierte (natürlich mit zwei Feldverweisen und Trainer van Lent auf der Tribüne). Da fühlte er sich beim Auflaufen am Flinger Broich wohl gleich an alte Zeiten erinnert und vergab zweimal freistehend. Vielleicht hatte er sich seine Treffer aber auch nur für die Erste Mannschaft aufgehoben. Kleve würde im eigenen kleinen Stadion spielen (in der Oberliga 2004 war man noch nach Uerdingen ausgewichen), hierfür schaffte man es, binnen zwölf Stunden nach Feststehen der Partie auch noch die Eintrittspreise zu erhöhen. Hier war also äußerste Vorsicht angesagt, ein sehr unbequemer Gegner.

Am 03.10.07 fand abends allerdings noch ein Spiel statt, welches meine Aufmerksamkeit erregte. Es war mal wieder Derbytime an meinem alten Studienort, Waldhof Mannheim gegen VfR Mannheim in der Oberliga Baden-Württemberg. Ich war ja schon beim Spiel in der letzten Saison dort gewesen, gerade mal vier Monate zurück. Der interessierte Leser wird sich erinnern, da gab es mächtig Rummel um das Spiel, weil der Waldhof in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden ist. Es folgte ein unfassbar schlechtes Spiel, welches der VfR auch noch mit 1:0 gewann. Hier war also noch etwas zu regeln. Der Waldhof ist zwar immer noch 100 Jahre alt, jedoch entfiel das ganze Brimborium vor dem Spiel, man konzentrierte sich auf Fußball. Die Waldhöfer taten nämlich etwas, was sie bei einem Teil der Düsseldorfer Fans wohl auf Anhieb so richtig beliebt machen würde, sie warfen in dieser Saison bereits den Trainer raus – nach der ersten Saison-Niederlage. Muss man auch erst mal machen. Allerdings soll die Truppe auch vorher schon grausam gespielt haben. Neu-Coach ist Alexander Conrad, in dortigen Breiten wohl ein bekanntes Gesicht, mir selbst eher unbekannt. Was allerdings nicht auf Teile des Waldhof-Kaders zutraf, dort können wieder illustre Spieler gesichtet werden: unter anderem liefen Christoph Babatz und Dennis Weiland auf, durch ihre Zeiten u.a. beim FSV Mainz aus Funk und Fernsehen bekannt. Aber auch für mich war etwas dabei: Ermin Melunovic, unser Chancentod aus der Saison 2005/06 ist nach einem Jährchen bei Eintracht Trier wieder in Mannheim angekommen. Fast hätte ich erwartet, auch noch Gustav Policella auflaufen zu sehen, aber er tat mir den Gefallen nicht. Keine Ahnung, wo der abgeblieben ist. Und der Ermin, durchaus ein Sympathieträger in seiner Zeit bei Fortuna, weil er zwar nicht ins Tor traf, aber vollen Einsatz zeigte und auch so manchen Elfmeter herausholte, der zeigte gleich mal, dass er nichts verlernt hatte und verballerte direkt zwei Riesendinger. Davon ließen sich allerdings seine Mannschaftskollegen nicht anstecken und fegten den in allen Belangen unterlegenen Gast von nebenan mit 6:0 aus dem Stadion. Das war mehr als eine Revanche für das Gegurke im Mai, das ging schon eher in Richtung sportliche Exekution, besonders in der zweiten Halbzeit. Über 5.000 Zuschauer waren begeistert, und der neue Coach, gerade mal im dritten Spiel an der Linie, dürfte sich seinen Platz in den Waldhof-Chroniken gesichert haben. Eine vielleicht etwas einseitige, aber sehr unterhaltsame Partie, mal wieder mit bester Feuerwurst, aber das ist ja schon Usus.

Zwei Personalien noch von diesem Spiel: im Tor der Gäste stand Thomas Weiß, der Spieler, der beim Derby im Mai an seinem Geburtstag bei einem Zusammenprall mit einem Waldhof-Spieler so schwer verletzt worden war, dass kurzzeitig Lebensgefahr bestanden hatte. Allein deswegen war sein Auftritt am 03.10. für mich schon bemerkenswert. Dies steigerte sich noch, als ich erfuhr, dass er sich kurz vor dem Spiel auch noch zwei Rippen gebrochen hatte. Der Mann ist sportlich wirklich nicht vom Glück verfolgt. Und trotzdem stand er wieder im Kasten, vor sich diesen Trümmerhaufen von Abwehr, der ihn schändlich im Stich ließ. Fast konnte man Mitleid haben, er musste ein ums andere Mal die Kugel aus dem Netz holen, war an allen Gegentreffern unschuldig und bester Mann seiner Truppe. Daher bleibt mir nur die Gratulation dafür, dass er überhaupt schon wieder auf dem Rasen stand. Aber an jenem Abend wäre ihm auch das wohl egal gewesen.

Und noch etwas Erfreuliches: ich habe ja seit einigen Jahren einen Bekannten, der auch im Tagesgeschäft des SV Waldhof mitmischt (u.a. als Autor in der Stadionzeitung), und der mich vor zwei Jahren überhaupt dazu animierte, mal wieder das Derby zu besuchen. Denn wenn er kommt, kann ich mich schlecht drücken, er wohnt schließlich seit geraumer Zeit in Hamburg! Dieser positiv Bekloppte also wurde von einem Mitarbeiter kurz vor dem Spiel auf den Rasen gelockt, angeblich um ein kurzes Interview mit einem Gast zu führen. Seine weibliche Begleitung sollte hierzu die fotografischen Nachweise liefern. Das war aber natürlich nur ein Trick der Dame, das Interview gab es nicht, stattdessen einen Heiratsantrag. Der so Überraschte nahm mit den Worten an, die sich wohl sicher schon so mancher Mann in vergleichbarer Situation gedacht hat, nämlich: „Was kann ich jetzt noch groß sagen? Natürlich: ja!“ Und ich möchte nicht wissen, wie die anschließende Feier ausgefallen ist, ich musste ja nach dem Spiel wieder nach Hause. Denn zusätzlich hatte er an diesem Tag auch noch Geburtstag! Wiegenfest, Heiratsantrag und das Derby 6:0 gewonnen, alles an einem Tag – würde mich nicht wundern, wenn er erst mal drei Tage dauerbreit gewesen ist. Daher an dieser Stelle auch noch mal meine herzlichen Glückwünsche – und sagt Bescheid, wenn die Hochzeitsglocken läuten!

Soviel zum Thema: wie man sich die Zeit vertreiben kann, wenn der Liga-Betrieb mal eine Woche ruht. Es durfte also weiter gehen.

Wieder nur ein Punkt

Am 06.10.07 kam RW Ahlen in die LTU-Arena. Die waren auch mit Vorsicht zu genießen. Zwar hatte die Truppe des Ex-Nürnberger Profis Christian Wück gleich am ersten Spieltag in Erfurt direkt mal 6 Stück bekommen, anschließend aber kein Auswärtsspiel mehr verloren. Außerdem kam mit Lars Toborg ein Stürmer, der auch weiß, wo die Kiste steht, 7 Saisontreffer bislang. Und wem das noch nicht reichte, der konnte sich ja gerne mal die Statistik der letzten Saison anschauen: 0:3 und 1:4 hieß es da gegen die Münsterländer. Ein unbequemer Gegner.

Den Fortuna in den ersten 20 Minuten vor über 10.000 Zuschauern eigentlich gut im Griff hatte. Man war überlegen und spielte auch die ein oder andere Chance heraus, die größte hatte Kastrati, der schön frei gespielt wurde, aber an Torwart Lenz scheiterte. Anschließend zeigte Ahlen, dass man nicht vorbei gekommen war, um nur blöd zuzuschauen, einige gute Angriffe fanden ihren Weg nach vorne, besonders der quicklebendige Martin Stahlberg war für meinen Geschmack ein wenig zu schnell für so manchen Abwehrspieler der Fortuna. Aber hüben wie drüben passierte nichts Weltbewegendes mehr, und so ging es mit 0:0 in die Pause.

In der 55. Minute dann mal wieder ein Highlight, das bewies, dass sie es doch können, wenn sie nur wollen. Olivier de Cock, diesmal von Anfang an mit bärenstarker Partie, ich glaube, der hat an jenem Nachmittag keinen einzigen Zweikampf verloren, spielt auf halbrechts einen schönen Pass in die Spitze, Axel Lawaree verlängert blitzschnell mit dem Absatz in den Strafraum, und Marco Christ hat sich frei gelaufen und kann die Kugel aus zehn Metern im langen Eck unterbringen. 1:0, ein toller Spielzug!

Leider setzten die Spieler nicht nach, sondern zogen sich peu à peu zurück, um den Vorsprung zu sichern, etwas, das auch der Trainer nach dem Spiel monierte, also kam die Anweisung wohl nicht von ihm. Ahlen brachte allerdings bis auf einen gefährlichen 16-m-Schuss von Stahlberg, den Melka glänzend parieren konnte, auch nicht viel zustande, und so hätte alles gut ausgehen können, wenn es nicht die 85. und 86. Minute gegeben hätte, in denen mal wieder gezeigt wurde, was im Fußball so alles geht.

Zunächst kommt Ahmet Cebe völlig frei im Strafraum zum Schuss, aber er senst über den Ball. Das passte zu seiner einigermaßen indiskutablen Leistung, die er an jenem Tag zeigte. Das war allerdings nichts gegen das, was unmittelbar darauf folgte: keine 30 Sekunden später erkämpfte sich Cebe erneut den Ball, als die Ahlener sich noch nicht geeinigt hatten, wer die Kugel jetzt wegbefördern sollte. Wieder tauchte er völlig frei vor Torwart Lenz auf, sogar noch mit Zeit, den Torwart auszugucken. Das wäre sicherlich die Entscheidung gewesen, aber er schob Keeper Lenz die Kugel in die Arme. Dieser schlug ab, der Ball kam auf einigen Umwegen zum eingewechselten Reus. Der narrte gleich vier Fortunen, ca. 20 Meter vor dem Tor, geriet dann ins Stolpern und spitzelte den Ball dennoch mit der Pieke noch weiter an den Sechzehner. Dort wartete Martin Stahlberg, ließ sofort einen richtigen Strahl aufs Tor los, und der Ball landete rechts oben im Winkel, obwohl Melka noch dran war. 1:1-Ausgleich, noch nicht einmal unverdient, weil Fortuna über weite Strecken des Spiels zu passiv war. Aber wie war das noch mit Freud und Leid, die so dicht beieinander liegen? Noch nicht mal eine Minute war zwischen der möglichen Entscheidung und dem Ausgleich vergangen. Wirklich bitter.

Nun, es hätte natürlich noch bitterer werden können, denn in der 90. Minute hatte Sebastian Schoof gar noch den Siegtreffer für Ahlen auf dem Schlappen, aber er zog das Leder aus kurzer Distanz nach Rechtsflanke über das Tor. Auch das wäre wohl nicht verdient gewesen, das Unentschieden ging in Ordnung. Aufgrund des Spielverlaufs fünf Minuten vor Schluss aber natürlich ein verschenkter Sieg.

Pokal-Nachlese

Zum guten Schluss dieses Berichts stand noch das bereits erwähnte Viertelfinal-Spiel im FVN-Pokal gegen den 1.FC Kleve. Hierzu reiste man bei herrlichsten Wetter nach Kleve an den Bresserberg...nein, pardon, in die Volksbank-Arena. Die ca. 5.000 Plätze, die diese „Arena“ bietet, waren dann auch recht gut besetzt, was man daran sehen konnte, dass die Partie mit 10 Minuten Verspätung angepfiffen wurde. Und auch hier wollte Trainer Weidemann keine Entschuldigungen gelten lassen und stellte die aktuell stärkste Mannschaft auf. Er stellte nur leicht um und ließ Olivier de Cock als klassischen 6er vor der Abwehr spielen, als Beweis für seine Lernfähigkeit. Diesen Posten hatte im Spiel gegen Ahlen noch Robert Palikuca bekleidet, ein für meinen Geschmack etwas unglückliche Wahl, denn so stark der Pali im Kopfballspiel und im Zweikampf manchmal ist, in puncto Technik wirkt er doch zumeist etwas unbeholfen. Da ein wenig Spielkunst aber auf der Position des „Staubsaugers“ allerdings schon von Vorteil wäre, nämlich wenn es gilt, den Ball intelligent nach vorne zu bringen, um vielleicht einen Gegenzug einzuleiten, konnte man die Umstellung nur begrüßen.

Fortuna setzte gleich mal ein Zeichen und ging nach einer Viertelstunde in Führung, als ein Freistoß von Marco Christ im Tor landete. Vielleicht war Hamza Cakir mit dem Kopf noch dran, vielleicht auch nicht, das war schwer zu sehen. Im Anschluss ergab sich ein durchaus gewohntes Bild, die Fortuna überlegen, nutzte aber weitere Chancen nicht und baute den Gegner langsam, aber sicher auf. In der zweiten Halbzeit hielt Kleve ordentlich dagegen, und die Fortuna wackelte. Höhepunkt sicherlich die 60. Minute, als ein Klever Spieler völlig frei vor Melka neben das Tor köpfte. Dieser Spieler war Marcel Podszus, und daher von mir ein großes Dankeschön an die innere Verbundenheit, die Marcel mit seinem alten Verein noch zu pflegen scheint. Das kennen wir ja zumeist anders.

Das Spiel hätte noch einmal kippen können, doch Klimczok konnte eine Viertelstunde vor Schluss einen Kopfball von Goncalves auf der Linie klären. Man überstand auch die letzten Ausgleichsbemühungen der Gastgeber, und in der 91. Minute lochte Lawaree einen Konter zur Entscheidung ein. 2:0 gewonnen, nicht besonders spektakulär, aber wen interessiert das schon? Das Halbfinale des FVN-Pokals ist somit erreicht. Der Gegner wird erst am 24.11.07 im Spiel SSVg Velbert gegen SC Düsseldorf-West ermittelt. Unsere Freunde aus Velbert sind hier natürlich Favorit. Und das könnte bedeuten, dass wir in dieser Saison auch im Pokal doch noch einmal in den Wuppertaler Zoo müssen. Denn selbstverständlich ist auch diese Partie ein Auswärtsspiel (unser letztes Heimspiel im Pokal datiert meines Wissen vom Februar 2003, damals auch gegen Kleve), und ob die Velberter noch einmal gegen uns in ihrem Stadion Sonnenblume antreten wollen oder dürfen, bedarf wohl noch einer abschließenden Klärung. In unserer zweiten Oberliga-Saison, 2003/04, waren sie schon ausgewichen – ins Zoo-Stadion. Ich glaube, so langsam würden wir uns auch unwohl fühlen, wenn wir nicht mindestens zweimal pro Saison in dieser (Noch-?)Bruchbude antreten dürften. Wenn dies nicht eintreten würde, würden wir wahrscheinlich an der LTU-Arena erst mal entgeistert nachschauen, ob der Rhein noch nicht in die richtige Richtung fließt...

Aber diese Frage eilt auch noch nicht, wie gesagt die Viertelfinalpartie der Velberter gegen den WSV-Bezwinger Düsseldorf-West findet erst am 24.11.07 statt und muss natürlich auch erst einmal von den Bergischen gewonnen werden. Und das Halbfinale selbst findet erst Anfang kommenden Jahres statt.

Der eigentliche Hammer dieses Spiels war allerdings, dass man in der Halbzeitpause bemerkte, dass einigen Fortuna-Spielern Geldbörsen und Autoschlüssel geklaut worden waren! Aus der Umkleidekabine, während der ersten Halbzeit, unbemerkt – und das in einer Arena! Ich gebe zu, ich habe schon einiges erlebt, aber so etwas noch nicht. Vielleicht ist das ja auch die Erklärung für die etwas zähe zweite Halbzeit. Wer spielt schon entspannt, wenn vor seinem geistigen Auge immer wieder die Szene abläuft, wie ein Unbekannter in den eigenen Wagen steigt und wegbraust? Die Kriminalpolizei wurde eingeschaltet. Aufklärung folgt (hoffentlich).

Trainer-Possen

Die lustigen Sachen, die ein Wolfgang Jerat so veranstaltet, wurden hier ja bereits genannt. Aber der ist immerhin Tabellenführer. Unser Coach ist weiterhin eher brav und bieder, durchaus nicht unsympathisch, aber einigen Leuten eventuell etwas langweilig. Damit ist er natürlich der perfekte Sündenbock für all diejenigen, die sich ernsthaft wundern, warum wir nicht schon längst aufgestiegen sind.

Nun läuft es derzeit in der Meisterschaft nicht besonders rund für Fortuna. Und an wem das liegt, ist selbstverständlich klar. Es kann nur Trainer Uwe Weidemann sein. Dass ein Spieler wie Cebe mal einen rabenschwarzen Tag erwischt und binnen 30 Sekunden gleich zweimal die Entscheidung vergibt – spielt keine Rolle. Dass vier Spieler nicht in der Lage sind, den Ahlener Reus am entscheidenden Abspiel zu hindern – geschenkt. Da hat der Übungsleiter womöglich etwas Falsches trainieren lassen bzw. lässt die Spieler absichtlich auf falschen Positionen spielen, was diese natürlich dermaßen mitnimmt, dass sie sofort das Fußballspielen einstellen. Und mit „falscher Position“ ist nicht etwa gemeint, dass er Lawaree linken Verteidiger oder Cakir Spielgestalter spielen lässt – nein, schon Verschiebungen von links in die Mitte innerhalb des Defensiv-, Mittelfeld- oder Offensivverbandes verunsichern das Team anscheinend so sehr, dass es mit der Leistung sofort bergab geht. Meinen einige jedenfalls.

Ach was, „Etwas Falsches trainieren lassen“ oder „auf falschen Positionen spielen“ – Begründungen braucht die tapfere Schar „Uwe-Fans“ schon lange niemand mehr. Beispiel aus der Partie gegen Ahlen gefällig? Da wechselte Weidemann unmittelbar nach dem Gegentreffer Kapitän Henri Heeren gegen Fabian Hergesell aus. Dies brachte ihm natürlich empörte Kommentare ein, zumal des Trainers Wechselpolitik schon seit langem umstritten ist. Wie kann der nur den Heeren rausnehmen, wo der doch in seinem ersten Spiel nach seiner Verletzung aus der Partie gegen Lübeck tatsächlich ein solides Match gespielt habe! Ja wie kann er denn nur? Würde man mal ab und zu im Stadion auch auf das Spielfeld achten, hätte einem auffallen können, dass Heeren vorher schon mehrfach seine Auswechslung signalisiert hatte, weil er sich wieder einmal verletzt hatte. Aber das wäre ja langweilig. Und dass Hergesell für ihn ins Spiel kam, also der Spieler, der exakt dieselbe Position spielt, linker Außenverteidiger, das war doch auch wieder so ein Witz des Trainers! Wie gesagt, Heeren zeigte es lang genug an, und als Hergesell dann an der Seitenlinie stand, fiel das 1:1. Da hätte der Uwe dem Hergesell doch sagen müssen, dass es ihm Leid tue, und noch einen Offensiven bringen müssen! Typisch Uwe, so was von unflexibel und vom Fußball nu gar keine Ahnung! Würde man ab und zu im Stadion auch mal auf die eigene Mannschaft achten, hätte natürlich auffallen können, dass Weidemann gar keinen Stürmer mehr bringen konnte – er hatte nämlich keinen mehr. Heidinger und Erwig waren bereits eingewechselt worden. Aber auch das wäre natürlich richtig langweilig, deshalb macht man es gar nicht erst. Von dieser Sorte gibt es mittlerweile unzählige Beispiele. Natürlich macht auch der Trainer Fehler, natürlich muss man manche Dinge durchaus mal hinterfragen, aber es ist schon beinahe rührend, mit anzusehen, wie ihm einige Leute schlicht alles an den Hals hängen wollen, um ihn loszuwerden. Denn eins ist mal klar: die Mannschaft ist natürlich absolut zweitligatauglich. Außer, wenn man nach einem Spiel, vorzugsweise einem schlechten, die Aussagen im Forum liest. Da wird gnadenlos vorgeführt, welche Schwachpunkte die einzelnen Spieler angeblich haben, dass man meinen könnte, hier spielt eine Kreisliga-Truppe. Aber in der Summe, so die Meinung derselben Leute, in der Summe sind diese Spieler aufstiegstauglich. Und weil das so sein muss, kann es ja nur am Trainer liegen, wenn es nicht läuft. Der sie alle ständig falsch einsetzt. Der immer so doofe Interviews gibt (für den Trainer einer Fußballmannschaft natürlich unfassbar wichtig). Der zu weich ist und sich nicht durchsetzen kann. Der zu hart ist und jungen Spielern keine Chance gibt. Letzteres Argument besonders amüsant, weil es in dem Zusammenhang gebracht wurde, er hätte doch anstatt Hergesell in der Schlussphase Klimczok einwechseln sollen. Hergesell ist 21, Klimczok 28 – das sind allerdings Quantensprünge, die dem geneigten Fan mühelos gelingen. Wie gesagt, irgendwelche Erklärungen interessieren ja keinen mehr, das Fazit ist seit Monaten schon gezogen und lautet: dieser Trainer muss weg, und der kommt auch weg!
An dieser Stelle möchte ich das Wort weiter reichen. Es gab nämlich diesbezüglich in der Woche nach dem Ahlen-Spiel einen Beitrag im Forum, der mir ausgezeichnet gefiel. Deshalb habe ich ihn dreist kopiert und hier rein gesetzt, allerdings nicht, ohne den Autor vorher um Erlaubnis zufragen (außer, wenn’s der Trainer geschrieben hätte, dann wäre es auch so kein Problem gewesen). Einen herzlichen Dank daher von mir an partizan23 für die nachfolgenden Zeilen, die mir leider nicht eingefallen sind. Nicht-Fortuna-Fans werden vielleicht Schwierigkeiten mit dem ein oder anderen „Insider“ haben, aber die Intention des Beitrags sollte dennoch deutlich werden. Und um eins vorweg zu sagen: natürlich ist der Beitrag leicht übertrieben. Aber wirklich nur leicht.

„Eine kleine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse

Verdammt noch mal, warum geht denn der Ball zum 2:0 nicht rein, da hätte man doch den Cebe bringen müssen, der hätte den reingepustet, Uwe raus!

Aber Moment mal, das war doch der Cebe, der den Ball vertändelt hat?!

Wie kann dieser Möchtegerntrainer den Cebe bringen und dann noch drin lassen. Weiß doch jeder, dass der im Moment aus fünf Meter kein Scheunentor trifft, der muss raus, genau wie der Uwe!

Aber vielleicht wollte der Trainer dem formschwachen Spieler den Rücken stärken wie bei Lumpi, der ist dann doch richtig stark geworden (Anm.: „Lumpi“ ist Andreas Lambertz)

Pah, der Cebe ist nicht der Lumpi. Weiß doch jeder, dass das bei dem nicht funktioniert, außer Uwe natürlich, Uwe raus! Außerdem kann er nicht mit jungen Spielern, warum spielt Heidi denn nie? (Anm.: Gemeint ist Sebastian Heidinger)

Moment, Heidi spielt ja öfter mal, leider sehr unter seinen Möglichkeiten oder Erwartungen

Ist doch auch klar, außer schnell laufen kann der doch nix. Das sieht nun wirklich jeder! Außer Uwe natürlich. In so einer Situation darf man keine jungen Spieler bringen, sondern Erfahrene, wie den Klimczok, aber der Möchtergerntrainer mit seinem Jugendwahn weiß das natürlich wieder nicht, Uwe raus!

Naja, der Trainer sieht ja alle Spieler fast täglich beim Training, ist oft von Außen schwer zu beurteilen, wer besser spielen sollte und wer nicht, da kann man oft nur vorsichtig vermuten!

Papperlapapp, ich weiß es aber ganz genau. Ich bin Allesfahrer und sehe mir auch alle Spiele der Zwoten an. In der Zwoten spielen fast alles Spieler besser als in der Ersten, die haben halt auch einen richtigen Trainer. Die Erste nicht. Die haben Uwe.Uwe raus!

Vielleicht ist es nicht ganz sicher, ob Spieler, die ganz gut aussehen bei klassentieferen Vereinen wie 'Grüne Borke Haßloch' und der Zweitvertretung von 'Hurrassia Kleinkleckersdorf,` auch in der leistungsmäßig engen Schweineliga im Profifußball mithalten können?

Quatsch, wer in der Oberliga ein ganz Guter ist, gehört in der Regionalliga zu den ganz Großen. Jeder weiß das. Die Allesfahrer. Die Zwote-Gucker. Jeder. Außer Uwe. Uwe raus!

Nun muss man aber bei den letzten Ergebnissen auch betrachten, dass uns mit Lumpi und Anfang das Herz und das Hirn der Mannschaft fehlen, und die beiden wahrhaft nicht zu ersetzen, sondern nur notdürftig ihre Löcher zu flicken sind.

Blödsinn. Redest ja schon wie dieser Möchtegerntrainer. Wir haben mit großem Abstand den besten Kader in der Liga, gegen uns sind alle anderen Clubs Ansammlungen hüftsteifer Oberschenkelamputierter. Und das gilt nicht nur für die Regionalliga. Ohne Uwes Versagen letzte Saison würden wir als verlustpunktfreier Spitzenreiter die Zweite Liga dominieren, und was die Bundesliga taugt, zeigt ja das desolate Auftreten in der CL. Ich sehe in Deutschland nur einen Kader annähernd so stark wie unsere Erste Mannschaft - das ist unsere Zweite Mannschaft. Damit würde jeder Trainer ohne Aufwand jedes Spiel gewinnen. Jeder Trainer. Außer Uwe. Uwe raus!

Aber ist es nicht so, dass wir von Finanzrahmen eher zu den Kleinen in der Liga gehören ? Haben doch fast alle einen wesentlich größeren Etat als wir, und deutlich weniger Schulden. Müssen wir uns denn da nicht etwas mit unserer Erwartungshaltung einschränken?

Nein! Wir sind Düsseldorf. Hier sind alle reich und schön. Wir haben die schönste Stadt, die schönsten Fans und den besten Fußballverein aller Zeiten. Nur der Uwe, der alte Zonenhansel macht uns alles kaputt! Uwe raus!

Aber ist es nicht so, dass die 10 Trainerjahre vor Uwe eine mit Grauen gefüllte Geschichte war und allesamt wirklich schädliche und schlechte Trainer für Fortuna waren ? Sticht da Uwe, und das nicht nur statistisch seiner Ergebnisse nach, dann doch eher positiv raus?

Ich kann mich an die letzten 10 Jahre vor Weidemann nicht erinnern. Darauf gebe ich Ihnen mein Barschel´sches Ehrenwort. Kann aber nicht so schlimm sein gewesen sein wie unter Weidemann. Wahrscheinlich haben wir ganz gut in den oberen Ligen mitgekickt oder so. Pest, Atomkrieg, Guantanamo-Folter – alles ein gemütliches Nonnenpicknick gegen das

Schlimmste, was einem Fan, vor allem Allesfahrer, passieren kann: Uwe Weidemann! Uwe raus!

Na gut, nehmen wir mal an, die jetzige Misere eines unerträglichen dritten Platzes hat nur und ausschließlich der Trainer zu verantworten. Wer bezahlt seinen Vertragsauflösung und wer kommt dann als neuer Trainer ?

Wenn Weidemann weg ist, kommt der Erfolg, und damit mindestens 20.000 Zuschauer pro Heimspiel mehr. Eher 30.000. Die kommen doch jetzt alle nicht, weil so schlechter Fußball gespielt wird, und das in der Landeshauptstadt! Muss man sich mal vorstellen! Uwe raus!

Und welcher Trainer soll es dann richten ?

Ist doch egal, jeder, wirklich jeder Mensch auf diesem Planeten kann es besser als Uwe. Uwe raus!

Einen Namen hätte ich ja schon ganz gern. Ein guter Trainer, bezahlbar, frei verfügbar. Bitteschön:

Naja, einen Namen habe ich nicht parat. Aber ich habe da so meine Vorstellungen, irgendwer, der die besten Eigenschaften der besten Trainer vereint, kann ja nicht so schwer sein. Wir sind schließlich ein Riesenverein, da werden die Bewerber ja Schlange stehen. Selbstverständlich werden sie auch auf einen großen Teil des Gehaltes verzichten, schließlich dürfen sie den besten Kader in der tollsten Stadt der Welt trainieren. Und haben einen einfachen Job. Immer nur gewinnen, gewinnen, gewinnen. Jeder weiß das. Jeder. Außer Uwe natürlich, der verbaselt es wieder. Typisch! Uwe raus!

Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben wir nur ablösefreie Talente im Kader, teilweise aus der Oberliga, mehr gibt das leere Portemonnaie nicht her. Haben wir den wirklich ein so starkes Team wie Du behauptest ?Oder muss es nicht erst einmal ein wenig reifen und wachsen um ein Spitzenteam in der Regionalliga zu werden?

Nein, Nein, Nein, Nein, Nein! Die Spieler, die Wolf Werner ganz alleine geholt hat (gegen den Willen von Uwe), sind alle mindestens mittlere Weltklasse und verpflichten jeden Trainer zu einer beispiellosen Siegesserie, egal, in welcher Liga. Würde auch jeder Trainer dieser Welt schaffen, außer Uwe natürlich mal wieder. Uwe raus!

Und die Spieler, die Uwe in Zeiten seiner Doppelbelastung als Trainer und Sportdirektor gleichzeitig verpflichtet hat?

Krüppelfüße, allesamt Krüppelfüße. Reine Gefälligkeitsverpflichtungen vom Zonen-Uwe, einfach widerlich. Damit hat er dem Verein, der vor seiner Verpflichtung glänzend da stand, fast ruiniert. Und jetzt versauen seine Idioteneinkäufe unseren Kader.

Öööh, Moment. Ich denke wir haben den besten Kader der Liga?! Und jetzt haben wir auch viele schlechte Spieler? Passt für mich nicht zusammen, bitte um Erklärung!

Ist ja egal,. Hauptsache, Uwe raus! Der und seine Lieblinge, ich könnte kotzen. Wie der den Podszus und den Feinbier immer wieder gebracht hat, das war nur noch widerlich. Das hat uns die Teilnahme an der „Besten Zweiten Liga aller Zeiten“ (sagt Zweitliga-Top-Übertrager DSF ) gekostet. Wie lange will der blonde Hampelmann denn noch an diesen Lieblingen

festhalten? Versager! Uwe raus!

Jetzt wird es aber durcheinander. Podszus ist doch weg und „Liebling“ Feinbier ist auf Wunsch von Uwe nicht mehr hier.

Na siehste, das zeigt doch seine Inkompetenz. Feinbier schießt in der bärenstarken RL Süd Tore am Fließband, und Podszus trifft in Kleve, wie er will. Die beiden hätte man nie ziehen lassen dürfen. Das wusste damals jeder. Jeder! Außer Uwe! Uwe raus!

Aber wollten nicht alle neue, junge, hungrige Spieler, die noch was erreichen wollen ?

Pah, so läuft das doch nicht. Was sollen wir mit jungen Talenten? Wir wollen, nein, müssen aufsteigen, weil wir der tollste Verein in der tollsten Stadt (Landeshauptstadt!!!) sind. So Leute wie Albertz bräuchten wir, erfahren und mit allen Wasser gewaschen. Das weiß jeder, nicht nur die Allesfahrer! Uwe natürlich auch nicht. Uwe raus!

Naja, ganz davon ab das sich Ali körperlich nicht mehr so einbringen konnte wie er es gerne hätte, war er wohl auch nicht mehr bereit, sich Woche für Woche vom hirntoten Asozialenpöbel anmachen zu lassen, sonst hätte er noch ne Saison draufgelegt.

Pah, der Albertz. der größte Arsch des Jahrtausends. Söldner! Ganz übel. Hat über seine klägliche „Karriere“ irgendwo im schottischen Sumpfland kein Geld für die Altersvorsorge zurücklegen können und hat deswegen die Fortuna ausgesaugt. Schlimm! Den hat ja auch der Uwe geholt, wer sonst?! Uwe raus! Quatsch, Uwe raus, wieder einstellen und nochmal sofort rausschmeißen, nur damit er es mal lernt!

Aber hat Uwe denn niemals ein glückliches Händchen bei Neuverpflichtungen gezeigt?

Nein, nie! Am schlimmsten war diese Denise Wolf, schlimme Frisur, schlimmer Fußballer, bestenfalls zum Eiskunstlaufen geeignet oder für Schwulenpornos. Es gibt nur einen Trainer in der Welt, der so einen Müll verpflichten würde: Uwe Weidemann! Uwe raus!

Gut, er wirkte sehr talentiert, hat sich aber letztlich leider nicht bei uns durchsetzen können. Aber bei seinem neuen Club Erfurt läuft es doch.

Ha, da sieht man es wieder. Ohne Weidemanns Dazutun wurde damals ein Rohjuwel verpflichtet, Denis Wolf hat das Zeug zu nem ganz, ganz Großen. Das sieht jeder, selbst ein Blinder. Ein Allesfahrer erkennt das blind und taub! Nur einer wieder nicht, und der verhökert den besten RL-Spieler aller Zeiten an die Konkurrenz, und das noch an seinen alten Club in der Ostzone. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Danke, Uwe, danke für nichts. Uwe raus!

Ich merke schon, irgendwie dreht sich das hier im Kreis. man kann es drehen und wenden wie man will, der Uwe hat wohl immer an allem Schuld, was schlecht ist, und nix damit zu tun, was gut ist...

Yeah ma, you got it! Das ist Uwe Weidemann. Alles falsch und nie was richtig. Warum das nur eine Handvoll Fans erkennt, weiß ich auch nicht, peinlich ist das. Aber unser Kampf geht weiter. Wir wollen endlich wieder die guten alten Zeiten mit Köppel & Co zurück, mit Uwe ist es nicht mehr auszuhalten, Uwe raus!

Manche „Experten“ bringen den Namen Willi Reimann als Nachfolger ins Spiel. Ist das nicht ein absolutes Trainerauslaufmodell, das seine letzten Erfolge hatte, als die meisten Weidemann-raus-Rufer noch gar nicht geboren waren ?

Unsinn. Der Willi isset. Man kann auch den Namen viel besser langgezogen ausrufen, Uweeeeeeeeeeee klingt irgendwie blöd, Willlllliiiiiiiiiiiiii klingt viel geiler. Das ist wichtig für guten Support. Der wird im Moment hauptsächlich durch schlechte Leistungen der Mannschaft unmöglich gemacht. Und wer ist dafür verantwortlich? Richtig! Der Uwe. Uwe raus!

Ich geb´s auf, egal wie man es dreht und wendet, Du findest ja immer nur eine Schuldzuweisung an den Trainer, ich glaube das hat alles keinen Zweck mehr hier. Möchtest Du zum Schluss der Community noch etwas mitteilen?

Uwe raus!

Vielen Dank für dieses Gespräch

Fortsetzung folgt leider permanent in diesem Forum...“

Also ich finds sehr unterhaltsam. Und wie der Schreiber schon ankündigt, und dafür muss man auch kein Hellseher sein: Fortsetzung folgt. Solange, bis er weg ist. Und dann hat man mal drei Wochen Ruhe, bis der Neue (wer eigentlich? Egal.) das erste Mal wieder Mist baut.

Mittlerweile soll auch Sportdirektor Wolf Werner ein wenig verstimmt sein. Aber der hat ja auch schwer zu kämpfen. Nach dem Spiel gegen Ahlen unterstellte auch ihm nämlich ein Besucher mangelnde Begeisterungsfähigkeit für den besten Verein der Welt. Begründung: der Herr Werner sei kurz vor Schluss, beim Stande von 1:1, zur Toilette gegangen. So etwas macht man doch nicht, wenn man sich voll für den Verein einbringt! Kein Witz, das war Ernst gemeint! Darum votiere ich auch hier dafür, bei Fortuna endlich Piss-Pagen einzustellen, damit das fortunistische Funktionspersonal während des Spiels nicht abgelenkt wird und in bösen Verdacht geraten kann. Vielleicht auch eine Überlegung für WSV-Trainer Jerat, aber das nur am Rande. Ja, der Piss-Page aus Mel Brooks’ „Verrückter Weltgeschichte“ – 25 Jahre lang hab ich das für einen lauen Witz des Altmeisters lauer Witze gehalten. Aber wie heißt es doch so schön? Wir sind Fortuna – wir können alles! Also her mit dem Piss-Pagen! Wobei ich mir gut vorstellen kann, wen einige Leute für diesen Posten vorschlagen würden...

Inzwischen sollen auch Teile des Vorstands und des Aufsichtsrates nicht mehr bedingungslos hinter dem Trainer stehen. Inwieweit da was dran ist oder es nur eins der üblichen Gerüchte darstellt, vermag ich aufgrund meiner räumlichen Entfernung zu Düsseldorf nicht zu beurteilen. Trotzdem lässt sich zusammenfassend sagen: das sind also die Spielchen, mit denen man sich in Düsseldorf die Zeit vertreibt, wenn man Tabellen-Dritter ist, im Halbfinale des Verbands-Pokal steht, die beste Abwehr der Liga hat, und bislang in allen Spielen, außer der Partie in Oberhausen, eigentlich die bessere Mannschaft war...das könnte bald wieder so lustig wie in alten Zeiten werden.

Natürlich hat die Mannschaft vier Spiele nacheinander nicht gewonnen. Natürlich sind es auch nur fünf Punkte bis Platz 11, dem ersten Abstiegsplatz in dieser Saison. Aber hat irgendjemand behauptet, dass es leicht wird? Wohl nur diejenigen, die jetzt schon wieder die Messer wetzen. Die nächsten Wochen werden sicherlich hochinteressant werden. Man darf gespannt sein.

Hofft auf einen Goldenen Herbst: janus