von Janus, 14.3.2009

 

Weiter gehts in Liga 3! 23.-26. Spieltag

Und weiter geht`s in der 3. Liga! Am 22.02.2009, Karnevalssonntag, wurden die süddeutschen Wochen fortgesetzt. Fortuna reiste nach Unterhaching, die dortige Spielvereinigung zu diesem Zeitpunkt durchaus als Verfolger im Nacken wahrnehmend. Leider bedeutete Süddeutschland zu Beginn dieses Jahres eigentlich nur, dass es andauernd schneite. Die Tage vor diesem Spiel waren keine Ausnahme. Für den Rasen in Unterhaching war dies kein Problem, der verfügt über eine entsprechende Heizung. Die Zuschauerränge und Anfahrtswege eher weniger. Und so hub in der Woche vor dem Spiel das große Schneeschippen an, denn Unterhaching wollte die Partie unbedingt austragen. Selbst am Samstag vor dem Spiel holte man sich willige Fans, um die Ränge freizuschaufeln. Und es gelang, man musste zwar einige Tribünenteile sperren, aber ein ausverkauftes Haus hatte eh niemand erwartet, zu Recht, es waren schließlich 3.000 Zuschauer, darunter knapp 500 Fortunen, anwesend. Und während sich rund um den Rasen die Schneewälle türmten, erstrahlte das Geläuf in doch ziemlich beeindruckendem Grün. Es konnte also tatsächlich los gehen.

Karnevals-Pleite

Es folgte eine unnötige 1:2-Niederlage der Fortuna im Generali-Sportpark. In der 2. Halbzeit hatte man durchaus die Gelegenheit, zumindest einen Punkt mitzunehmen. Verspielt wurde ein Erfolgserlebnis mal wieder in der 1. Halbzeit, als man sich binnen drei Minuten zwei Gegentreffer fing, beide durch Hachings Torjäger Fink erzielt. Beim ersten Treffer profitierte er noch von der reichlich fragwürdigen Entscheidung des Schiedsrichters, der nach einem Zusammenprall zwischen Rathgeber und Torwart Melka zur Überraschung vieler einfach mal auf Elfmeter entschied, obwohl sich selbst die Hachinger schon auf Abstoß eingestellt hatten. Fink verwandelte souverän (27.) und war kurz darauf erneut zur Stelle, um einen Pfostentreffer von Rathgeber im Nachschuss einzunetzen. Hierbei wirkte die gesamte Abwehr ein wenig desorientiert, insbesondere Abwehrchef Langeneke, ansonsten die Übersicht in Person, musste sich in dieser Situation fragen lassen, ob er schon auf dem Rasen festgefroren war. Er vertändelte auf der rechten Abwehrseite leichtfertig den Ball, den er wohl ins Toraus rollen lassen wollte. Aus der anschließenden Flanke resultierte der Pfostentreffer von Rathgeber, den Abstauber machte Fink dann rein. Zwei Gegentore binnen zwei Minuten, auch bei uns nicht unbedingt alltäglich.

In der zweiten Halbzeit machte Fortuna auf und drängte den Gegner hinten rein. Belohnt wurde dies bereits in der 54. Minute, als Marco Christ mit einem Freistoß aus 16 Metern in den Winkel den Anschlusstreffer markieren konnte. Fortuna drückte weiter und hatte die große Möglichkeit zum Ausgleich, als Kadah nach gut einer Stunde am 5-m-Raum gut frei gespielt wurde und zum Schuss kam, aber den Ball nicht voll traf. Anschließend ging es munter hin und her, da auch Haching gute Konterchancen hatte. Cebe und Kadah hatten noch Möglichkeiten für Fortuna, während bei Haching unter anderem Zillner einen Alleingang auf Torwart Melka damit abschloss, den Ball in den Münchner Winterhimmel zu befördern, anstatt den mitgelaufenen Copado zu bedienen. So blieb es am Ende bei einer unnötigen Niederlage, auch die Rote Karte für Hachings Suslak kurz vor Schluss änderte daran nichts mehr.

Fortuna musste Platz 3 wieder an Emden abgeben, das gegen Jena gewann, und hatte nun auch noch Unterhaching im Nacken, das mit einem Sieg in seinem Nachholspiel sogar noch hätte vorbei ziehen kann. Es war die fünfte Niederlage im fünften Sonntagsspiel der Saison. Es gibt halt Serien, die braucht kein Mensch, aber so etwas fällt ja bald schon unter „running gag“.Unterhaltsamer Nachmittag

Am letzten Tag des Februars 2009 spielte Fortuna gegen den SV Sandhausen. Gegen die hatte man im Hinspiel 0:2 verloren, außerdem reiste Sandhausen mit dem Skalp des Top-Favoriten Paderborn an, den man in dieser Saison gleich zweimal rasiert hatte. Nicht unbedingt von Nachteil war für uns allerdings, dass die Sandhäuser neben ihrem Coup in Paderborn zwei Wochen vor dem Spiel gegen uns noch kein Pflichtspiel im neuen Jahr bestritten hatte, alle weiteren Partien waren ausgefallen. Dennoch natürlich ein schwieriger Gegner, dessen Trainer im Interview vor dem Spiel auch noch selbstbewusst verkündete, man sehe sich durchaus noch im Rennen um Platz 4, was ja die direkte Qualifikation für den DFB-Pokal bedeuten würde. Nun, wie ein Tabellen-Vierter spielten sie nicht gerade, denn da standen wir ja, und wir waren besser. Es wurde ein knapper, aber hoch verdienter 3:2-Sieg der Fortuna vor 9.200 Zuschauern gegen die nickligen Nachbarn von Dietmar Hopp, die holzten, was das Zeug hielt, nur um bei Körperkontakt selbst tot umzufallen. Ein trauriger Auftritt der Kraichgauer, die in ihren lichten Momenten durchaus einen ansehnlichen Ball spielten. Aber was zum Teufel trainieren die bloß so unter der Woche?

0:1 in der 12. Minute durch Boskovic. Nach einem Freistoß legte Langeneke unglücklich per Kopf vor, ein Sandhäuser legte per Kopf zurück und Boskovic grätschte die Kugel und Deniz Kadah aus ca. 30 cm Entfernung über die Torlinie. Überflüssig wie ein Kropf, vielleicht sogar ein Foulspiel. Aber der Schiri gab den Treffer, worüber wir im Nachhinein nicht undankbar sein sollten, wie noch zu zeigen sind wird.

Was das Ganze richtig skurril machte: zum Zeitpunkt der Führung, wie gesagt: 12. Minute, hatte Fortuna durch zweimal Christ, Sieger und Hergesell schon vier Chancen vergeben. Besonders das Ding von Hergesell, als er aus ca. acht Metern links im Strafraum die Kugel Richtung rechte Ecke schlenzte, sahen viele schon drin, doch Sandhausens Keeper Gurski, der einen guten Tag erwischt hatte, war rechtzeitig unten und konnte parieren. Dann kam der erste Angriff der Sandhäuser aufs heimische Tor, und schon war der Ball drin. Nicht dass wir so was nicht kennen würden, aber es verblüfft doch immer wieder.

Noch merkwürdiger war allerdings das, was die Gäste anschließend auf den Heiligen Rasen zauberten. Mit dieser Führung nämlich stellte man sich auf eine 78minütige Abwehrschlacht ein und begann mit unfassbarem Zeitschinden, während man selbst die Keule rausholte und alles umgrätschte, was ihnen zu nahe kam. Den Höhepunkt des schlechten Geschmacks stellte Roberto Pinto dar, der nach einer knappen halben Stunde in Höhe der Mittellinie den sterbenden Schwan darbrachte und für eine minutenlange Unterbrechung sorgte. In der Pause gab es die Möglichkeit, sich diese Szene nochmals in der Fernsehaufzeichnung anzusehen, und siehe da – da war nix! Kein Foul, noch nicht einmal ein Pressschlag. Herr Pinto hatte einfach den Ball verloren und dann gesehen, dass er nicht mehr drankommen würde. Da hatte er es sich halt ein wenig gemütlich gemacht. Schon traurig, was über 130 Bundesliga-Spiele für Verwüstungen in puncto „Spielkultur“ hinterlassen können…

Fortuna baute auch weiterhin Druck nach vorne auf, spielte jetzt schon Powerplay und kam zu zahlreichen Chancen. Dennoch benötigte man die Hilfe des unfassbar schlechten Schiri-Gespanns, um zum hoch verdienten Ausgleich in der 39. Minute zu kommen: Jovanovic stürmt alleine auf Torwart Gurski zu und wird im Strafraum von Leandro von hinten natürlich wieder weg gegrätscht. Das Foul war wirklich für jeden sichtbar. Elfmeter für Fortuna und als angenehmer Nebeneffekt Rot für Leandro wegen Notbremse – klare Angelegenheit. Bis auf eine Sache: beim Pass von Caillas stand Jovanovic ebenso klar im Abseits, die Szene hätte es somit gar nicht geben dürfen. Ein Geschenk des Schiedsrichtergespanns, vielleicht auch ein wenig Retourkutsche dafür, dass sie beim Treffer von Boskovic einfach mal internationale Härte unterstellt hatten. Egal warum, Langeneke verwandelte souverän, und es ging mit einem 1:1 in die Pause.

Es war wohl die entscheidende Szene, die das Spiel kippte. Denn nach dem Wechsel knipste man die Gäste ruckzuck aus, Doppelschlag binnen drei Minuten, erst Kadah in der 48. Minute, nach Ecke und Kopfballverlängerung Sieger prallt ihm die Kugel am 5-m-Raum gegen das Knie, er dreht sich blitzschnell und zimmert den Ball unter die Latte. Hierbei ereignet sich eine ungeheuerliche Szene: die Spieler jubeln an der Seitenlinie, in der Nähe der Trainerbank, da kommt Trainer Norbert Meier dazu und kickt den Torschützen in den Hintern! Gut, dass das der Schiri nicht gesehen hat. Aber unser Coach hat Deniz Kadah nicht mit Albert Streit verwechselt, es ist nur ein Ausdruck der Freude, dass Kadah sich von seiner vergebenen Großchance in Unterhaching gut erholt hat. Der Rest der Mannschaft anscheinend auch, denn in der 51. Minute setzt man noch einen drauf: Lambertz krönt einen tollen Spielzug, den er selbst mit einem Zuckerpass auf Jovanovic eingeleitet hat. Der lässt seinen Gegenspieler stehen und anschließend aus 16 Metern ein richtiges „Geschoss“ auf das Sandhäuser Tor ab. Diesen Hammer kann Gurski noch hervorragend parieren, aber Lambertz ist mitgelaufen und versenkt den Nachschuss ins leere Tor. In den folgenden 10 Minuten hätte man die Gäste richtig abschießen können, deren Trainer Dais sagte nach dem Spiel, da wäre ihm „Angst und Bange“ um sein Team gewesen. Binnen kurzer Zeit hätte man zwei, drei Treffer nachlegen können. Natürlich versäumte man es, den Sack zuzumachen, pennte mal kurz bei einem Ballverlust im Mittelfeld, und Sandhausen machte mit der zweiten Chance durch Pinto das 2:3 (66.). Der Ex-Bundesliga-Spieler wurde mit einem langen Pass schön ins Szene gesetzt und konnte Melka ganz routiniert tunneln. Somit zitterte man wieder bis zum Schluss, zumal es der Schiri versäumte, kurz vor Schluss das reguläre 4:2 durch Terodde anzuerkennen, dieser es anschließend versäumte, das leere Tor zu treffen, und der Schiri nochmals anschließend nicht noch mindestens zwei Sandhäuser Holzhacker vorzeitig zum Duschen schickte. Dies tat er dann in der 90. Minute mit Kadah, der nach einem „Schlappen draufhalten“ Gelb/Rot sah – eine durchaus vertretbare Entscheidung, aber wenn es dafür einen Platzverweis gibt, hätte Sandhausen das Spiel auch nur mit 7 Mann beenden dürfen. Für meinen Blutdruck bleibt zu hoffen, diesen Schiri in dieser Saison nicht mehr bei Fortuna sehen zu müssen. Der traute sich eindeutig nicht, bei den Gästen mal richtig durchzugreifen, ließ eine Menge Tritte in die Knochen von hinten ungeahndet, zeigte aber unter anderem einmal Gelb wegen Meckerns und einmal wegen Ballwegschießens. Somit durchaus eine Gesundheit gefährdende Leistung des Unparteiischen.

Nach dem Spiel ging es dann noch weiter. So kam vor der Pressekonferenz der Manager der Fortuna, Wolf Werner, auf seinen Gegenüber aus Sandhausen zu und sagte zu diesem: „Ihr habt aber wirklich jeden Konter mit Foul unterbunden, das war schmutziger Fußball!“ Reaktion seines Ansprechpartners: breites Grinsen sowie die Antwort: „Ja, war doch gut, oder?“ Ich dachte, ich hätte mich verhört, aber dem war leider nicht so.

Da wollte dann auch Fortuna-Trainer Norbert Meier nicht mehr zurück stehen. In der Pressekonferenz sprach er von einem „hoch verdienten Sieg“, was zweifellos richtig war. Anschließend sagte er dann noch, dass er und sein Trainerstab eher Sorge hatten, dass sich das Team von den Schauspieleinlagen der Gäste zu sehr provozieren lassen würde. Und das, obwohl: „Wir hatten davor gewarnt, wir wussten, was auf uns zukommen würde.“ Das war dem gegnerischen Trainer dann aber auch keinen Handschlag am Ende der Konferenz mehr wert. Verständlich, aber wenn er sich danach das Spiel noch einmal auf Video angeschaut hat, muss er rein objektiv festgestellt haben, dass unser Trainer nicht übertrieben und auch nichts durch die rot-weiße Vereinsbrille gesehen hatte. Das war zum Teil abenteuerlich erbärmlich, was seine Schützlinge da auf dem Rasen ablieferten. Eigentlich unverständlich, denn wie gesagt, ab und zu zeigten sie, dass sie durchaus die Sportart beherrschten, um derentwillen sie eigentlich angereist waren. Wahrscheinlich kam ihr Führungstor doch viel zu früh – für sie selbst.

Fortuna mit diesem Sieg wieder oben dran. Und dann man grad so schön dabei war, machte man gleich mit dem Süden weiter und absolvierte eine weitere Fahrt ins Neuland.

Ausflug in die Stadt der Wunder

Am 07.03.09 spielten wir beim SSV Jahn Regensburg. Zu diesem Zeitpunkt war dies die Mannschaft mit den wenigsten Pflichtspielen im Jahr 2009 im deutschen Profi-Fußball. Ein ganzes Spiel hatten die bis dato absolvieren können, der Rest war ausgefallen. Außerdem eine in den letzten Jahrzehnten eher unbekannte Gegend, wenn es um Meisterschaftsspiele der Fortuna ging. Daher dachte ich, es könnte sich lohnen, bereits einen Tag vorher anzureisen, und die Domstadt einer genaueren Besichtigung zu unterziehen. Es lohnte sich sehr wohl, auch wenn es mit diversen merkwürdigen Begebenheiten verbunden war. Zunächst traten wir die Reise bereits am Freitag Vormittag an und rauschten ohne Aufenthalt durch bis zu einer Pause an der Raststätte Jura West in Velburg. Klingt jetzt nicht besonders dolle, hat aber schon eine 9er-Postleitzahl und ist somit Bayern. Dort überraschten die Toiletten. Nicht dass ich an deutschen Raststätten-Toiletten im Laufe der Jahrzehnte noch irgendetwas überraschend finden würde – vielmehr war es die doch eher ungewöhnliche Space-Trance-Musik, die dort aus den Lautsprechern erschallte, die mich zu heftigem Stirnrunzeln veranlasste. Man lief bei diesem Gedudel nämlich akut Gefahr, am Urinal stehend einzupennen. So etwas habe ich noch nicht gehört, und ich warte nunmehr auf die ersten Toiletten mit Walgesängen.

Übrigens, das mit dem „ohne Aufenthalt“ bei der Anreise klingt auch nicht besonders dolle, war es aber doch. Davon können diejenigen berichten, die sich am Samstag Vormittag auf den Weg nach Regensburg machten. Eigentlich ist dieser Weg ja berauschend einfach. Irgendwo in NRW auf die A 3 fahren und in Regensburg wieder runter. Dass einige Fans ganz andere Dörfer in Bayern auch aus der Nähe kennen lernten, lag an Würzburg. Dort befinden sich derzeit zwei große Baustellen, am Samstag war man großzügig und packte noch eine Tagesbaustelle dazu. Das Ergebnis waren bis zu 22 km Stau rund um Würzburg am Samstag Mittag! Die meisten konnten diesen, so er denn rechtzeitig gemeldet wurde, eigentlich ganz gut umfahren, lernten dabei noch die Schönheiten Bayerns auf dem Lande schätzen. Diejenigen, die im Stau drin steckten, hatten diese Chance leider nicht, es kamen etliche Leute erst 30 Minuten nach Anpfiff ins Stadion. Dagegen hatten wir am Freitag eine Traumanreise, da war nämlich noch alles frei.

In Regensburg angekommen, bereicherten wir den örtlichen Verkehrsfluss rund um den Hauptbahnhof zunächst mit drei sehenswerten U-Turns auf der Hauptstraße, denn das Hotel lag zwar gut sichtbar an einer Straßenecke, die Zufahrt zum Parkplatz des Hotels hingegen gut versteckt in einer Seitengasse im Wohngebiet. Aber auch dies wurde gemeistert. Beim Einchecken registrierten wir amüsiert, dass die Dame an der Rezeption reichlich erstaunt über doch schon so einige Gäste aus dem Düsseldorfer Umfeld war. Von einem Fußballspiel am nächsten Tag wusste sie nichts. Kurz darauf wunderten wir uns über gar nichts mehr: Nach Besichtigung des Regensburger Doms stießen wir in der ersten Brauerei am Platze auf Bekannte, die vor uns dort eingetroffen waren. Diese waren kurz zuvor bei der Touristeninformation gewesen, um Stadtpläne abzustauben. Als sie ein Schild sahen, wonach dort auch Tickets für „Sportevents“ verkauft wurden, fragten sie natürlich sofort nach Karten für das Spiel gegen Fortuna, denn sie hatten noch keine. Antwort der Dame hinterm Tresen: „Was für ein Spiel?“ Diese Reaktionen mögen verdeutlichen, dass in Regensburg kaum einer merkt, wenn die heimische Mannschaft im Premiumprodukt 3. Liga anzutreten pflegt. Wobei ich fairerweise sagen muss: es ist natürlich möglich, dass mich im Brauhaus oder im Hotel der ein oder andere Einheimische auf das Spiel am nächsten Tag angesprochen haben mag. Leider verstand ich keinen von ihnen. Bei deren Dialekt geht`s mir so wie den Japanern, die neu in Düsseldorf sind: immer schön lächeln und „Ja ja“ sagen, wird hoffentlich die richtige Reaktion sein. In dieser Brauerei, die an jenem Abend ziemlich fest in Fortuna-Hand war, selbst das Altbierlied wurde angestimmt und von den Einheimischen wahrscheinlich auch nicht verstanden, hing übrigens auch das einzige Plakat in der gesamten Altstadt, welches auf das Spiel am nächsten Tag hinwies. Dennoch ein gelungener Abend in einer Stadt, deren Altstadt, Dom, Schloss und Donaubrücken ich bedenkenlos jedem empfehlen kann, der sich für solche antiken Bauten interessiert, absolut sehenswert. Da ist es dann auch ziemlich egal, ob man die Einheimischen versteht oder nicht.

Bedenklich wird es dann nur, wenn meine Freunde von der Deutschen Bahn, mehrfacher Deutscher Meister im Nichtverstehen von Kundenbedürfnissen, sich den Gegebenheiten vor Ort nahtlos anpasst. Mir liegt ein Foto vor, welches ich selbst „geschossen“ habe, vom Regensburger Hauptbahnhof, an dem wir bei der Rückkehr zum Hotel noch schnell Getränke einkauften. Ein normales, unschuldiges Bild von einem Hinweisschild auf ein Gleis, zu welchem die Treppe hinter dem Schild führt. Nix Besonderes also. Bis auf die Aufschrift, die besagt nämlich: „9 und 109“. Nun muss man wissen, dass dieses vorbildliche deutsche Service-Unternehmen an „guten Tagen“ weiterhin bis zu 15.000 Minuten Verspätung pro Tag produziert. Das sind zehneinhalb Tage Verspätung – pro Tag. Die haben die Zeitreise erfunden. Und am Regensburger Hauptbahnhof, wo Züge diesem Schild zufolge nicht einfach auf Gleis 9, sondern auf Gleis 9 und 109 zugleich einlaufen, da wird diese Erfindung zum ersten Mal öffentlich! Und da wundert es doch auch nicht, dass Regensburg auf Engste verbunden ist mit dem privaten und öffentlichen Wirken des Kardinals Ratzinger, der mittlerweile als Papst Benedikt XVI. im Vatikan ganz andere Wunder erklären muss als das eines pünktlich ankommenden Zuges. Da haben wir es doch! Diese Stadt ist eine Stadt der Wunder, da kann man sich nicht wirklich Zeit für so etwas Profanes wie ein Fußballspiel nehmen. Und wenn doch, auch dafür hatte man etwas parat, wie man noch sehen wird.

Am nächsten Tag gab es eine erfreuliche, weil nur fünfminütige Anreise vom Hotel zum Stadion. Jedoch musste man sich für die Strecke des Stadtplans bedienen, denn das Stadion ist zumindest von der Innenstadt her nicht ausgeschildert. Mehr noch, das Einzige, was man von der Hauptstraße aus sehen konnte, war ein recht kleines Tor mit einem Schild darüber, welches verkündete, dass es sich um den Gästeeingang handeln würde, mehr nicht. Selbst der Haupteingang ist in einer Wohnstraße versteckt. Dort kurvten wir in der Nachbarschaft ca. 15 Minuten rum, bis wir eine Parklücke entdeckten. Dies war auch dringend nötig, denn Parkplätze am Stadion gibt es nicht, offiziell wird auf zwei in der Nähe gelegene Parkhäuser verwiesen. Ein Spiel in einer Stadt, in der sich kaum jemand dafür zu interessieren scheint, in einem Stadion, welches ich bei aller Vorliebe für alte Schätzchen trotzdem als ziemliche Bruchbude bezeichnen muss, und an dem man als Ortsunkundiger locker dreimal vorbei fahren kann, ohne es zu bemerken, bei arschkaltem Wetter, ein Grad plus mit Schneeregen – das alles versprach einen ungemütlichen Nachmittag. Und der wurde es dann auch.

Eigentlich verdient, letztlich aber doch mit Hängen und Würgen, gewann Fortuna mit 2:1 beim Abstiegskandidaten. Auf einem unglaublichen Acker gab es das erwartete Kampfspiel, da filigrane Technik hier kaum weiterhelfen konnte. Marco Christ erkannte dies als Erster und ließ direkt mal zwei gefährliche Fernschüsse los, von denen der erste knapp am Tor vorbei ging, und der zweite von Keeper Sattelmaier pariert werden konnte. Danach gab Fortuna das Spiel aber unerklärlicherweise aus der Hand und war eine Viertelstunde in der Abwehr „vogelwild“. Zunächst vergab Beigang frei vor Melka, anschließend traf Romminger mit 16-m-Schuss nur den Pfosten (Melka war noch dran), nach der anschließenden Ecke und Kopfball auf den kurzen Pfosten rettete Hergesell - in dieser Phase hätte man sich über ein 1:0 für Regensburg nicht beklagen dürfen. Stattdessen fiel in der 36. Minute eher aus dem Nichts das 0:1, als Christ eine zu schwache Abwehr nach Flanke aus gut 25 m halbhoch rechts ins Eck setzte. Danach schaukelte man das Spiel wieder halbwegs ruhig in die Pause.

Den Stadionsprecher focht das nicht an - er verkündete zur Pause, es stünde „0:0-Unentschieden“. Der war in der 36. Minute. wohl mal kurz pinkeln…

Als Lambertz in der 59. Minute mit einem haltbaren Schlenzer nach schöner Kombination über Heidinger und Terodde das 0:2 machte, schien die Sache gelaufen, zumal Terodde anschließend noch freistehend das 0:3 vergab. Statt dessen musste man wieder das Zittern beginnen, aufgrund dieser unglaublichen Lachnummer in der 63. Minute, wahrscheinlich bald ausgiebig in irgendwelchen Jahresrückblicken oder Kuriositätenshows zu bewundern..

Da zeigte man uns nämlich, dass man in dieser Stadt auch aus den alltäglichen Dingen des Lebens gar Wundersames zu schöpfen vermag: nämlich wie man ohne eigene Torchance in der 2. Halbzeit ein Tor erzielen kann, wenn auch unter der gütigen Mithilfe unseres Keepers. Michael Melka hatte eine Flanke sicher abgefangen und eilte mit dem Ball in der Hand nach vorne zur Strafraumgrenze, um mit einem seiner bekannt weiten Abschläge Olivier Caillas ins Szene zu setzen, der in der gegnerischen Hälfte so ziemlich alleine stand. Und da Melkas Blick schon in die Ferne auf Caillas gerichtet war, übersah er das bzw. den Naheliegenden: Beim Abschlag ballerte Melka den einen halben Meter vor ihm postierten Regensburger Dennis Grassow den Ball versehentlich an den verlängerten Rücken. Und in jedem anderen Stadion hätte es vielleicht ein wenig Verwirrung im Strafraum gegeben, mehr nicht. Aber hier, in der Stadt mit dem großen klerikalen Hintergrund und den fast schon metaphysischen Erfindungen der Deutschen Bahn – hier flog das Leder schnurstracks ins Netz, und zwar ohne zuvor nochmals den Boden zu berühren. Bedarf es eines weiteren Beweises, dass es sich bei Regensburg um die Stadt der Wunder handeln muss? Ich glaube, nein. Ich konnte es kaum fassen, hatte die Augen schon auf Höhe der Mittellinie gerichtet, um die Flugbahn des Balles zu verfolgen, der dann nicht kam, blickte aber rechtzeitig zurück, um zu sehen, wie sich die Bogenlampe schön links ins Eck senkte. Als einer der Wenigen, die in ihrer Karriere mal so ein Ding live im Stadion sehen, kann ich sagen, es sieht wirklich beeindruckend aus. Aber muss es denn ausgerechnet bei der eigenen Mannschaft passieren?

Sofort war die ganze Souveränität der Fortuna wie weggeblasen, Regensburg hatte Oberwasser. Aber sie rannten zwar an, hatten allerdings außer Kick & Rush nichts zu bieten und erspielten trotz mehrerer Ecken und Freistöße keine nennenswerten Torchancen mehr. Somit ein letztlich verdienter Sieg der Fortuna, den man fast (wieder einmal) selbst noch kaputt gemacht hätte.

Dazu passte auch Gelb/Rot für Marcel Gaus in der vorletzten Aktion des Spiels (die letzte war der Freistoß nach Gaus`Foul). Nicht nur, dass der Trainer die Spieler von der Zwoten mitnehmen muss, weil ihm die von der Ersten ausgehen (in Regensburg fehlten mit Lawaree, Jovanovic und Kadah die drei „ersten“ Stürmer im Kader), nein, den konnte er für das nächste Spiel auch direkt abschreiben.

Amüsant waren natürlich die Äußerungen nach dem Spiel. Torwart Melka nahm es souverän und mit Humor, was sollte er auch sonst machen? Torschütze Dennis Grassow wurde befragt, was er zu seinem Treffer sagen könnte und antwortete erfrischend ehrlich: „Ich hab einen Riesenabdruck am Rücken, mehr nicht.“ Und Fortuna-Trainer Meier war sich mit seinem Regensburger Kollegen Markus Weinzierl einig. „Wir könnten jetzt rausgehen und versuchen, das nachzustellen. Es würde in 1000 Versuchen nicht einmal klappen.“ Zum Thema Gelb/Rot für Gaus äußerte sich der Übungsleiter ebenfalls locker: „Das sind Erfahrungswerte, die man so braucht. Der junge Mann will halt Bäume versetzen und hat selbst mich schon im Training umgenagelt.“

Alles in allem somit eine recht erfreuliche Tour nach Regensburg. Und gerne werde ich am Ende der Saison nochmals eine Wallfahrt nach Regensburg veranstalten und im Dom ein Kerzlein entzünden: wenn nämlich dieser unglaubliche Treffer in der Endabrechnung keine Rolle spielen sollte. Dann darf er auch gerne „Tor des Jahres“ werden.

Sächsischer Beton

Zum Abschluss dieser Berichterstattung wollen wir es kurz machen, denn das Spiel war dementsprechend. Am 14.03.09 scheiterte Fortuna am neuen Exportschlager aus Sachsen, selbstangerührtem Beton. Erzgebirge Aue nämlich holte mit einem 0:0 das vierte Auswärtsremis hintereinander – und davon war es das dritte 0:0 in Folge. Jeder kann sich also wohl vorstellen, wie die auswärts aufzulaufen pflegen. Sollten sie in den anderen Auswärtsspielen zuvor noch munter mitgespielt haben (keine Ahnung, ich hab sie nicht gesehen), so war dieses Thema bereits nach 20 Minuten erledigt: da nämlich flog mit Arne Feick einer der beiden Auer Offensiven wegen Tätlichkeit vom Platz, er hatte nach Foul von Cebe gegen diesen nachgetreten. Der Schiri holte kurz eine Erkundigung bei seinem Assistenten ein und zückte anschließend Rot. Daraufhin wechselte Aue spontan die Sportart von Fuß- auf Handball und versammelte sich zu zehnt am eigenen Strafraum, nur Stürmer Agyemang, ziemlich nicklig, aber auch recht agil und daher immer im Auge zu behalten, versuchte ab und zu vorne sein Glück. Kein Zufall, dass er es war, der die einzige echte Auer Torchance des Spiels hatte, die er in der 62. Minute aber doch ziemlich kläglich vergab. Nur, Fortuna hatte trotz siebzigminütiger Überzahl auch nicht mehr zu bieten, ihnen fiel einfach nichts ein, um die doppelte Viererkette der Gäste am und im Strafraum zu knacken. Zwischenzeitlich hatte ich Tränen der Rührung in den Augen, weil das Gekicke der Gäste so schön an Ristic`sche Zeiten bei uns erinnerte, damals auch gerne mit elf Mann auf dem Feld. Dass es bei Fortuna an diesem Tage nichts wurde, lag zum Gutteil an einer weltmeisterlichen Anzahl von Fehlpässen, so viele habe ich in dieser Saison überhaupt noch nicht gesehen. Keine Ahnung, was die unter der Woche vor dem Spiel trainiert hatten, Passspiel kann es definitiv nicht gewesen sein. Selbst auf dem Stolperacker von Regensburg in der Woche zuvor hatte man besser kombiniert, das machte schon stutzig.

An richtig guten Chancen für Fortuna sind mir nur zwei in Erinnerung, beide in der zweiten Halbzeit. Zum einen ein toller Kopfball von Stephan Sieger, aus ca. 8 Meter, als Aufsetzer genau in die rechte Ecke platziert, für Aue-Keeper Männel auch noch verdeckt, was diesen allerdings nicht daran hinderte, den Ball mit Wahnsinns-Reflex noch von der Linie zu kratzen. Der weiß bestimmt heute auch nicht mehr, wie er den gehalten hat. Und da der Torwart sowieso bester Auer auf dem Feld war, half ihm in einer Situation dann noch das Glück des Tüchtigen: bei seinem einzigen schweren Patzer tauchte er nämlich unter einer Ecke durch und verfehlte den Ball völlig. Die Kugel fiel daraufhin dem eingewechselten Cakir auf den Kopf, der darüber zu überrascht war, um den Ball noch drücken zu können. Immerhin brachte er ihn noch Richtung Tor, wo sich die Flugbahn dann aber um ein paar Zentimeter zu hoch für Jovanovic erwies. Daher konnte der den Ball auch nicht mehr drücken und nickte ihn aus zwei Metern über das Tor. Sah blöd aus, war aber wirklich nicht besser zu machen. Und das war`s. Alle anderen Angriffe, Freistöße, Flanken, Ecken, verpufften wirkungslos, und immer war ein Auer Abwehrbein oder –kopf zur Stelle. Auch nach vier Minuten Nachspielzeit war nichts Zählbares zu verbuchen, und Trainer Meier sagte nach dem Spiel resigniert: „Ich glaube, wir hätten noch 10 Stunden weiter spielen können, und wir hätten trotzdem kein Tor gemacht.“ Gibt halt solche Tage.

Eine große Chance wurde verpasst, denn da einen Tag später Paderborn und Emden gegeneinander spielten, wobei Paderborn 2:0 gewann, hätte man sich mit einem Sieg vor Emden auf Platz 3 etablieren können, selbst wenn die ihr Nachholspiel gewinnen würden. Immerhin, auch dann stünde Emden auch jetzt nur einen Punkt vor Fortuna, man hat also mit dem guten Start ins neue Jahr (vier Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage) tatsächlich etwas Boden auf Emden und auch Paderborn gut gemacht. Auf Union Berlin nicht, die sind wohl weg. Aber es ist auch noch nicht aller Tage Abend.

Allerdings kommt es jetzt langsam dicke, am 21.03.09 muss man nach Erfurt, und am 28.03.09 kommt Kickers Emden zum Spitzenspiel in die LTU-Arena. Auf dem Rasen haben wir noch kein Heimspiel gegen die Ostfriesen gewonnen (1:2, 1:1, 0:2), nur die erste Niederlage wurde damals in einen 2:0-Sieg umgewandelt aufgrund eines Dopingvergehens bei Emden. Wird also Zeit, endlich mal drei Punkte nach 90 Minuten gegen die einzufahren. Eine der wenigen Teams der Liga, gegen die unsere Auswärtsbilanz besser ist als die Heimbilanz.

Zwei Dinge bleiben noch nachzutragen: unter den 12.000 Zuschauern gegen Aue waren auch erfreulich viele Gästefans, zumal einige bei Fortuna ja mit einigen bei Aue freundschaftlich verbunden sind. Und so zeigten beide Fan-Lager zum „Action Day“ des antirassistischen Netzwerks „Alerta“ in ihren Blöcken denn auch gemeinsame Transparente, wobei auf dem Auer Transparent „Mein Freund ist rot-weiß, nicht braun“ zu lesen stand, während beim Fortuna-Transpi das „rot-weiß“ durch „lila-weiß“ ersetzt wurde. Und bei uns ist wirklich niemand der Meinung, mit „lila-weiß“ könnte die Truppe von „Pelé“ Wollitz aus Osnabrück gemeint sein. Außerdem hatten die Auer noch ein Transparent dabei, um die kürzlich gegründete Düsseldorfer Fan-Initiative für Stehplätze in der LTU-Arena zu unterstützen: „Ein Stadion ohne Stehplatz ist wie Düsseldorf ohne Altbier.“ Insgesamt sehr gelungene Aktionen, die zeigen, dass es manchmal auch miteinander ganz gut geht. Dafür Respekt!

Die zweite Sache betrifft Fortuna II. Die waren in der neuen NRW-Liga (ehemalige Oberliga) eigentlich nur zum Klassenerhalt angetreten, aber wenn sonst keiner will…am Sonntag, 15.03.09, gewann die Mannschaft von Trainer Goran Vucic mit 3:0 beim Ex-Zweitligisten SF Siegen. Es war das 18. Spiel in Folge, das die Bubitruppe ungeschlagen blieb, und somit ist man derzeit Tabellenführer der Liga mit 50 Punkten (die beiden Erstplatzierten steigen auf). Wenn das so weiter geht, spielen die in der nächsten Saison gegen RW Essen. Gegen RW Essen I natürlich. Das wäre doch mal ganz lustig, nach allem, was in den letzten 10 Jahren schon mit seiner zweiten Garnitur gegen unsere Erste antreten durfte.

Aber auch zu diesem Thema wird noch viel Wasser den Rhein runterfließen. Und ich hoffe, dass der Fluss bei meiner nächsten Zusammenfassung nicht schon die ersten Aufstiegsträume mitgenommen hat. Sowohl von Erster als auch Zweiter Mannschaft.

Jetzt wird`s Ernst, vermutet: janus