von Janus, 12.2.2009

 

Winterpause, 21.-22. Spieltag

Herzlich willkommen im Jahr 2009!
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Transfer-Kapriolen

Als der Run auf die Transferliste einsetzte, blieben unsere Verantwortlichen natürlich ganz ruhig. So ruhig, dass man schon der Meinung sein könnte, sie seien darüber schlicht eingepennt. Denn während der Rest der Liga sich in den Kaufrausch stürzte, reichte es bei uns zu einer einzigen Neuverpflichtung, und die stand schon vor Weihnachten fest: Simon Terodde (20), Perspektivstürmer vom MSV Duisburg II, immerhin schon mit zwei Kurzeinsätzen in der 2. Liga, normalerweise aber in der NRW-Liga und somit fünftklassig zuhause, wurde geholt. Was heißt geholt? Er wurde für den Rest der Saison ausgeliehen, mit einer Kaufoption für die nächste. Und nicht, dass jemand meint, wir hätten zufällig kurz zuvor Geld geerbt: diese Ausleihe eines Fünftliga-Spielers wurde von externen Sponsoren übernommen. Noch Fragen?

Ziemlich nah dran war man erstaunlicherweise an Sascha Rösler. Nachdem der von Hans Meyer in Gladbach gefeuert worden war, fragte man pro forma mal an, zumal Rösler in seinem ersten Ärger erklärte, wenn möglich, in NRW bleiben zu wollen. Natürlich hätte man keine Chance gegen Erst- oder Zweitligisten gehabt, als aber u.a. Arminia Bielefeld nach kurzer Bedenkzeit doch abwinkte, war Rösler zu einem Kompromiss bereit: Wenn sich bis Weihnachten kein anderer Verein bei ihm melden würde, würde er für ein Engagement in Düsseldorf eventuell auch seine Gehaltsforderung überdenken, die sich im Bereich von 400.00 Euro für die Halbsaison bewegte (laut Vertrag bei Mönchengladbach bekam er 800.000 Euro pro Saison). Es ist natürlich die Frage, ob wir genug externe Sponsoren gefunden hätten, die das hätten stemmen können, oder ob der Vorstand die gesamte Winterpause singend in der Unterführung beim Carsch-Haus in der Altstadt hätte verbringen müssen, um die Kohle zu sammeln. Aber immerhin: die Möglichkeit einer Verpflichtung von Rösler blieb somit realer als mancher gedacht hätte. Erst kurz vor Terminschluss meldete sich dann doch der TSV 1860 München. Der dürfte dem Rösler erklärt haben, dass München zwar nicht in NRW liegt, aber trotzdem eine „sportliche Herausforderung“ ist, und damit war das Thema durch. Schade eigentlich, so einen Stinkstiefel im offensiven Mittelfeld hätten wir natürlich sehr gut gebrauchen können.

Im Rahmen des Trainingslagers in der Türkei und der weiteren Vorbereitung gaben sich drei Testspieler die Ehre, von denen ich den ersten blind genommen hätte: Ian Joy, amerikanischer Blutgrätscher, zuvor schon beim HSV II und beim FC St. Pauli aktiv, bei einem Spiel mit Pauli in der LTU-Arena auch schon vom Platz geflogen, von daher mit unseren Örtlichkeiten bestens vertraut, derzeit in der amerikanischen MLS unter Vertrag. Er flog zum Trainingslager in die Türkei und beeindruckte insbesondere beim Testspiel gegen den russischen Erstligisten FK Tomsk (2:0), bei dem einige Spieler dieses Testspiel anscheinend mit dem CL-Finale verwechselten und von der ersten Minute an knüppelten, was das Zeug hielt. Joy hielt dagegen und sorgte mit einer schönen Spagateinlage in die Beine des Gegners für Ruhe. Den hätte ich auch gerne haben wollen. Aber er sagte dann aus privaten Gründen ab.

Zum „Wintercup“, diesem Turnier mit Bundesliga-Beteiligung in der LTU-Arena, erschien der Schwede Simon Chekroun und beackerte im Spiel gegen den MSV Duisburg die linke Abwehrseite. Ein echtes Rätsel, bei fussballdaten.de wurde er als Stürmer geführt, bei transfermarkt.de als Mittelfeldspieler, bei uns wurde er als Verteidiger eingesetzt. Ja watt denn nu? Anscheinend doch eher Mittelfeld, denn hinten links machte er keinen so guten Eindruck und wurde daher nicht verpflichtet. Ebenso wenig wie der Japaner, dessen Namen ich verdrängt habe, und der kurz nach Chekroun mittrainierte. Und das war es dann in puncto Transferbemühungen der Fortuna. Dem eh schon viel zu dünnen Kader gab Trainer Meier dann sein uneingeschränktes Vertrauen, indem er ihn noch ein wenig verkleinerte, nach Kenan Sahin im Dezember flog auch Ex-Kapitän Henri Heeren im Januar aus der Mannschaft, er wird den Rest der Saison und seines Vertrages bei der Zwoten verbringen. Und zum langzeitverletzten Axel Lawaree kam dann auch gleich der nächste Ausfall: bei einem Hallenturnier in Hamburg Anfang Januar versuchte sich Linksverteidiger Fabian Hergesell mal bei einem kleinen Pressschlag – Teileinriss des Innenbandes, auch ihn konnten wir erst einmal abschreiben. Daraus entstand auch das Werben um Joy, der exakt diese Position normalerweise bekleidet, sowie der Versuch, Chekroun in nur einer Halbzeit (die Spiele beim Wintercup dauerten nur jeweils 45 Minuten) zum Linksverteidiger umzufunktionieren. Da beides nicht klappte und mit Heeren auch der einzige Ersatzmann gefeuert wurde, der die Position hätte spielen können, sollte es nun vertretungsweise Oliver Hampel richten, nach mehrmonatiger Verletzungspause. So sieht es dann halt aus, wenn man nicht nur kein Geld, sondern verletzungstechnisch in dieser Saison auch noch die Scheiße am Schuh hat…

Da musste man erstmal wegstecken was die Konkurrenz sich alles so gönnte: der SV Sandhausen zum Beispiel holte Stürmer Danko Boskovic, vormals Paderborn und RW Essen, Erzgebirge Aue verpflichtete Sven Schaffrath von RW Ahlen, der Paderborner Präsident verkaufte noch ein paar Möbel mehr und gönnte seinem Trainer auch zwei Zweitliga-Spieler, nämlich Tom Bertram und Daniel Brückner von Greuther Fürth. Richtig zugeschlagen wurde in Offenbach, das Ex-Stürmer Suat Türker aus Freiburg zurückholte und mit Mounir Chaftar auch einen zweitliga-erfahrenen Akteur aus Duisburg einsammelte, sowie bei den Bobfahrern aus Unterhaching, die nicht nur Manuel Konrad vom SC Freiburg holten, sondern auch einen ganz besonderen Rückkehrer begrüßen konnten: Francisco Copado von der TSG Hoffenheim. Also bei dem muss es echt Liebe sein, ist ja wohl kaum vorstellbar, dass der aus finanziellen Gründen gewechselt haben sollte. Der schrottkompetente Präsident des VfR Aalen stellte seinem Coach Petrik Sander gleich ein halbes Dutzend neuer Spieler hin, darunter die nicht ganz so unbekannten David Müller aus Oberhausen und Petr Ruman aus Mainz. Ach ja, und Union Berlin verpflichtete den von uns gefeuerten Kenan Sahin, warum, wusste auch in Berlin keiner so ganz genau. Immerhin, einen Grund wüsste ich schon: als Kuschelbruder für den ebenfalls völlig pflegeleichten Dustin Heun. Privat werden die sich bestimmt prima verstehen, da bin ich sicher. Ob den Berlinern diese Verpflichtung anderweitig noch etwas bringt, bei der Konkurrenz im dortigen Sturm (Patschinski, Benyamina, Biran, Heun), bleibt abzuwarten. Außer, dass er natürlich im Rückspiel bei uns einnetzen wird…

Erfreulich immerhin, dass sich unser Neuzugang gleich gut einfügte, beim 8:0-Testspielsieg in Ratingen lochte Terodde gleich viermal ein, im „Wintercup“ traf er beim 3:1-Sieg gegen seinen eigentlichen Arbeitgeber, den MSV Duisburg, ebenfalls zweimal, was prompt ein Déjà vu seines Vorgängers, Testspielkönig Christian Erwig, verursachte. Aber man soll ja nicht von Anfang an schwarzsehen. Irgendwann müssen ja auch wir mal wieder Glück haben.

Winterpausen-Ärger

Dass es vor Beginn des ersten Meisterschaftsspiels im neuen Jahr gegen die Stuttgarter Kickers allerdings noch richtig Ärger gab, lag nur zum Teil an Fortuna. Dieser Teil war das FVN-Pokal-Viertelfinale am 31.01.09 bei RW Essen. Auf einem Acker, den selbst die Essener als „eigentlich unbespielbar“ bezeichneten, die eine Hälfte gefroren, die andere Hälfte Matsch, hatten die Unsrigen zwar noch das Glück einer überraschenden Führung in der 9. Minute durch Jovanovic, ließen sich dann aber vom Viertligisten überrollen und lagen zur Pause 1:2 zurück. Und zwar nur 1:2, Torwart Melka verhinderte mehrfach, dass die Partie schon zur Pause entschieden war. Nach dem Wechsel und einer Kabinen-Ansprache, über deren Lautstärke der Trainer nach dem Spiel auf Anfrage meinte, er habe eigentlich erwartet, dass die versammelte Journaille diese auch noch auf der Tribüne habe hören können, kam Fortuna etwas besser auf, aber es war schon kein Zufall, dass ausgerechnet ein Spieler aus der 2. Mannschaft, Marcel Gaus, den 2:2-Ausgleich in der 75. Minute erzielte. Da war er grad sieben Minuten auf dem Feld. Die Arrivierten kriegten auch weiterhin nichts auf die Reihe, und an solchen Tagen spielen dann natürlich auch die Gesetzmäßigkeiten mit: wenn schon Scheiße, dann bitte auch alles. Und so erzielte Stephan Sieger zwei Minuten vor Schluss den etwas schmeichelhaften Siegtreffer, mit dem man das Spiel mit einem blauen Auge hätte abhaken können. Denkste. Es war zwar ein einwandfreies Tor, auch in den Fernsehaufnahmen gut zu erkennen, aber der Schiri pfiff einfach mal abseits. Selbst die Essener wissen bis heute nicht, warum. So kam es, wie es kommen musste, und nach der torlosen Verlängerung und dem Elfmeterschießen unterlag die Fortuna insgesamt mit 10:11 und schied aus dem Pokal aus. Zunächst fragte ich mich entgeistert, wie Trainer Meier auf die Idee gekommen war, ausgerechnet Palikuca als vierten Schützen aufzustellen, den man bei seiner bekannt guten „Technik“ eigentlich nur bringen kann, wenn Innovations-Künstler Sepp Blatter eines Tages das Elfmeterköpfen einführen wird. Da der Trainer sich aber nach dem Spiel relativ stark darüber echauffierte, dass es nicht angehen könne, dass er praktisch schon den fünften Schützen zur Ausführung prügeln müsse, weil sich alle drücken wollten, erscheint mir die Nominierung von Pali dann doch in einem anderen Licht..

Also, Pokal adé, selbst wenn wir 10 Tore in Essen schießen, gehen wir halt als Verlierer vom Platz, muss man leider so hinnehmen. Aber schon vorher hatte ein anderer Verein hohe Wellen geschlagen, und dieser Tsunami wird wohl noch eine Weile andauern. Ich sag nur: Bayer Leverkusen.

Dass Bayer Leverkusen alle ihre Heimspiele in der Rückrunde bei uns in der LTU-Arena austragen würde, war schon längst bekannt. Der Verein hatte dies bereits Anfang letzten Jahres angemeldet, als man die weiteren Bauabschnitte des Umbaus der BayArena festgelegt hatte. Toll fanden wir das nicht, aber es hatte uns auch nicht großartig interessiert. Die Pillen spielen ein paar Spiele in der Arena, drücken für jede Dauerkarte (angeblich 16.000) einmalig einen Euro an Fortuna ab, sowie zusätzlich noch je einen Euro für jede verkaufte Tageskarte bei ihren Liga-Spielen, das alles übrigens zweckgebunden für die Fortuna-Jugend, also nicht z.B. für Spieler-Transfers oder zur Schuldentilgung einsetzbar. Und dann verschwinden sie mit ihren drei Fans wieder in ihre doch etwas merkwürdige Stadt, dessen Verkehrsknotenpunkt, der Bahnhof Leverkusen-Mitte, seit jeher für mich zu den größtmöglichen Lachnummern im öffentlichen Verkehrswesen zählt. Der Düsseldorfer Eventgucker, der sich für Fortuna erst wieder in der 1. Liga interessiert, bekommt ein paar Bundesliga-Spiele geboten, und das war`s dann.

Tja, und so hätte es auch kommen können, wenn man nicht seit Januar diesen Jahres zu spüren bekommen hätte, was es heißt, einen Bundesligisten in der Stadt zu haben, dazu noch einen mit viel Einfluss beim DFB und mit einer, sagen wir, sehr übersichtlichen Anhängerschaft in der eigenen Stadt. Zunächst einmal hatte man beim DFB damals den Ausweichwunsch der Pillendreher akzeptiert (wahrscheinlich mit einem strammen „Jawoll, Rudi“) und sich dann wichtigeren Geschäften zugewandt, von denen wir kleine Drittligisten sowieso nichts verstehen. Nur so ist zu verstehen, was dann im Januar geschah: unser Auftakt in die Restrückrunde am Wochenende 06.-08.02.09 war das einzige Wochenende, an dem wir beim Heimrecht mit Leverkusen kollidierten. Wir hatten Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers, Leverkusen gegen den VfB Stuttgart. Da wir mit zwei Heimspielen hintereinander starten würden, war somit ab der Woche danach keine Terminüberschneidung mehr gegeben. Zusätzlich fand in der Woche nach der Terminkollision in Düsseldorf auch noch das unglaublich wichtige Testspiel der Nationalmannschaft gegen den Weltgegner aus Norwegen statt. Die Situation war also folgende: am 06.02. Fortuna gegen die StuKis, am 07.02. Leverkusen gegen den VfB, am 11.02. Deutschland gegen Norwegen, am 14.02. Fortuna gegen Burghausen. Vier Spiele in acht Tagen in der Arena. Die Arenabetreiber-Gesellschaft wird sich gefühlt haben wie an Weihnachten und Ostern zugleich, endlich mal eine griffige Auslastung.

Und obwohl genau diese Konstellation beim DFB spätestens seit letzten Sommer mit Festlegung der Rahmenspieltage und Terminierung des Länderspiels bestens bekannt war, war dies in Frankfurt natürlich keinerlei Überlegung wert. Die erfolgte dann drei Wochen (nicht Monate!) vor dem ersten Fortuna-Termin. Da teilte der DFB nämlich kurz und bündig mit, dass das Auftaktspiel der Fortuna verschoben werden würde – auf Donnerstag, 05.02.09, 19.00 Uhr. Ich gebe feierlich zu Protokoll, so etwas noch nicht erlebt zu haben.

Beim DFB will man ganz spontan bemerkt haben, dass diese Ballung von Terminen dem Rasen nicht so gut tun könnte. Dies war auch die offizielle Begründung für die Verschiebung. Es passte zeitlich irgendwie nicht. Vor jedem Kick der supideutschen Nationalmannschaft, egal wie wichtig oder unwichtig er auch sein mag, muss eh ein neuer Rasen verlegt werden. Damit musste am Sonntag vor dem Spiel begonnen werden, sonst hätte es zeitlich nicht mehr gepasst. Eine Verlegung des Leverkusen-Spiels auf Sonntag kam daher schon mal gar nicht in Betracht. Nun sollte man meinen, Fortuna freitags, Leverkusen samstags, sonntags neuer Rasen – kein Problem. Damit hatte allerdings doch jemand ein Problem, und zwar jemand, der mit dem Spiel an sich nicht das Geringste zu tun hat, der aber uns Drittliga-Proleten deutlich zeigte, wer das Sagen in der schönen neuen Bundesliga-Welt hat: der Fernsehsender Premiere nämlich monierte, dass es ihm leider unmöglich sei, in der Zeitspanne nach dem Fortuna-Spiel am Freitag Abend bis zum Samstag Mittag seinen ganzen Schnickschnack in der Arena aufzubauen. Und da sprang der DFB dann auch sofort, da eine Verlegung des Leverkusen-Spiels nach hinten, wie schon erwähnt, nicht möglich war (und auch da hätte Premiere erst zustimmen müssen), wurde halt das Düsseldorf-Spiel flugs nach vorn verlegt. Dass ja z.B. Leverkusen auf den eher fernsehtauglichen Fußball-Mittwoch ausweicht, wir dann am Freitag klaglos auf diesem Acker unser Spiel abgeliefert hätten, und der DFB anschließend mehrere Tage Luft gehabt hätte, um seinen Püppchen auch ja einen neuen Rasen hinzustellen, das stand überhaupt nicht zur Debatte. Diejenigen, die seit Jahren dort ihre Heimspiele austragen, und in deren Stadt diese Arena steht, wenn auch nicht unbedingt von allen geliebt, die durften auf den Donnerstag ausweichen. 3. Liga interessiert ja eh keinen, wird man sich gedacht haben. Allerdings hatte man sich dies erst im Januar gedacht, vorher hatte sich monatelang niemand darum gekümmert. Fortuna durfte pro forma kurz dagegen protestieren, erhielt eine kleine Ausgleichszahlung, um den zu erwartenden Einnahmeverlust auszugleichen, und durfte ansonsten die Klappe halten. Die Stuttgarter Kickers, die schon Wochen vor dem Spiel stolz drei ausverkaufte Fan-Busse gemeldet hatten, man wollte nach dem Spiel noch einen Altstadtbummel einlegen und erst um Mitternacht nach Stuttgart zurück reisen, brachten es nach der Spielverlegung noch auf ganze 70 Männekes, die mit nach Düsseldorf konnten, und denen dafür mein Respekt gebührt. Aber das war natürlich alles erträglicher, als wenn sich vielleicht ein Rudi Völler öffentlich über eine Terminverschiebung aufregen würde. Nun ja, vielleicht haben sei auch beim DFB geglaubt, die UEFA mit diesem Termin an einem Donnerstag dermaßen zu verwirren, dass das Spiel für diese alberne 5-Jahres-Wertung der deutschen Mannschaften gewertet werden würde. Tät mich auch nicht wundern.

Aber es wurde ja noch besser. Leverkusen eröffnete seine Heimspielsaison in der Arena Ende Januar mit dem DFB-Pokal-Spiel gegen Cottbus (3:1). Offiziell waren es 16.000 Zuschauer, sozusagen alle Dauerkartenbesitzer. Die inoffizielle Zählung, nämlich die Anzahl der elektronischen Pings an den Drehkreuzen, soll sogar nur 14.000 Zuschauer ausgewiesen haben, aber das ist natürlich nur so ein Insider, den ich niemals offiziell schreiben würde. Ein Anhänger der Leverkusener versuchte dies im Fortuna-Forum dergestalt zu erklären, dass der Gegner halt keinen interessieren würde, und außerdem sei ja noch diese unfassbare Anreise von 40 km zu einem Heimspiel zu berücksichtigen, ein Argument, über das zumindest ich persönlich herzlich lachen kann. Rosinenpicker Bundesliga halt.

Aber irgendwie scheint man in der Bayer-Führungsetage dieselben Gedanken gehabt zu haben. Denn nach dem Spiel gegen Cottbus lief die Werbemaschinerie der Chemiker richtig zu Hochform auf. Meterhohe Plakate in ganz Düsseldorf werben für die Bayer-Heimspiele, es wurden und werden reichlich Freikarten an Düsseldorfer Schulen verteilt, der einheimische Boulevard titelte: „Eine lange Durststrecke geht zu Ende – endlich wieder Bundesliga in Düsseldorf“, der derzeit verletzte Nationalspieler Bernd Schneider erschien in der Düsseldorfer Altstadt in einem Brauerei-Ausschank, um Autogramme zu schreiben, und wahrscheinlich musste man noch dankbar sein, dass während der Anwesenheit des Leverkusener Trosses dort nicht eine Stunde lang Kölsch ausgeschenkt werden musste. Als „Sahnehäubchen“ gab es noch das Interview mit dem Bayer-Sportbeauftragten Meinolf Sprink, der mal locker von sich gab, natürlich versuche man, in Düsseldorf Fans abzuwerben und Sponsoren mit besonderen Angeboten die Marke Bayer 04 schmackhaft zu machen. Alles übrigens Aktionen, die dem bekennenden Ignoranten der Sportart, die er von Zeit zu Zeit zu moderieren oder kommentieren pflegt, Reinhold Beckmann nämlich, zu der Wertung „Ein Riesen-Erfolg für Bayer“ veranlassten. Okay, dessen Kopf ist in Bezug auf Fußball schon längst eine tote Telefonleitung: da klingelt nix mehr. Insoweit nicht überraschend.

Aber damit ist das Maß dann doch voll. Zumal die Fortuna-Führung zu alldem natürlich taktvoll schweigt, als guter Gastgeber dastehen will und außerdem ja mit dem „Fortuna-Euro“ auf die Eintrittskarten ruhig gestellt wurde. Aber ein Verein, der das eigene Stadion mit 22.000 Plätzen eh schon nur voll bekommt, wenn er reichlich Freikarten verteilt, ein Verein dieser so unglaublich tollen Event-Bundesliga, ein Verein, der, hab ich mir sagen lassen, sogar mal in einem Champions League-Endspiel gestanden haben soll, dieser Verein ist nicht nur nicht in der Lage, den Umbau seines Stadions so zu organisieren, dass man den Ligabetrieb aufrecht erhalten kann (wie es z.B. in Hamburg, in Dresden, ja sogar in Poldi-Land funktioniert hat bzw. funktioniert), nein, dieser Verein zahlt dem Heimverein seines Exils großzügig eine Prämie, um dies dann zum Anlass zu nehmen, sich werbetechnisch wie die Axt im Walde zu benehmen. Die versuchen gar nicht erst, in der eigenen Heimatstadt neue Zuschauer zu werben und denen ihr Event dermaßen schmackhaft zu machen, dass diese neuen Fans in den ersten sechs Monaten ihrer neuen Fanliebe mal 40 km zu einem Heimspiel zurücklegen, nein, die versuchen in der Stadt ihres Gastgebers dem dortigen Drittliga-Club auch noch die letzten Fans und Sponsoren wegzunehmen. Für den Erstliga-gestählten Leser mag dies zum üblichen Business gehören, für mich fällt dies unter den Begriff „Heuschrecken“ – alles abgrasen und kahle Erde zurücklassen, und zwar genau da, wo sowieso kaum noch was wächst. Und das Ganze dann mal lässig mit den „peanuts“ eines „Fortuna-Euro“ abzahlen und wieder verschwinden. Man könnte meinen, Nokia hätte noch eine Zweigstelle in Leverkusen.

Übrigens, hier zeigt sich auch wieder die große weite Fußballwelt, von der wir Amateure keine Ahnung haben: die Vereinbarung mit dem Zusatz-Euro gilt natürlich nur für die Liga-Spiele, wie schon gesagt. Und als dann das DFB-Pokal-Viertelfinale ausgelost wurde, da haben sie sich in Leverkusen bestimmt auf die Schenkel geschlagen vor Lachen. Leverkusen gegen Bayern – und wir gucken mal gepflegt in die Röhre. Und ich bin überzeugt davon, dass gerade vor diesem Spiel die Werbelawine der Pillendreher erst richtig in Fahrt kommen wird.

Und so kommt es, wie es kommen muss: Leverkusen hatte zum ersten Liga-Heimspiel gegen den VfB Stuttgart 32.000 Zuschauer, davon 10.000 Freikarten. In der Sportschau wurde dies dann als „Größter Zuschauerzuspruch, den Bayer in der Bundesliga je hatte“ verkauft. Dass in die Arena 51.000 Zuschauer reinpassen, wurde mal schnell vergessen mitzuteilen. Nach der 2:4-Pleite der Chemiker gab es übrigens aus dem Fortuna-Forum den nett gemeinten Vorschlag, der Boulevard könne doch jetzt mal titeln: „Eine lange Durststrecke geht zu Ende – endlich wieder Bundesligaheimniederlagen in Düsseldorf“. Die gleiche Anzahl – 10.000 – Anti-Leverkusen-Aufkleber eines Fortuna-Fan-Clubs gingen beim Spiel der Fortuna gegen die Stuttgarter Kickers über den Tisch, waren schon vor Spielbeginn ausverkauft. Man ist es ja gewohnt, als Fortuna-Fan wirklich alles zu ertragen, aber wenn sich ein Verein aus einer anderen Stadt dermaßen breit macht und man auch im einheimischen Boulevard nachlesen muss, nach 12 Jahren Durststrecke käme endlich mal wieder guter Fußball in die Landeshauptstadt – sorry, aber was zuviel ist, ist zuviel. Und dass diejenigen Fans, die (wie ich nicht) täglich in Düsseldorf an den überdimensionalen Plakaten der „Werkself“ vorbei kommen und in Düsseldorfer Zeitungen lesen dürfen wie toll es doch ist, die Erste Liga in der Stadt zu haben, und die sich dann Werbung für Bayer 04-Spiele im Düsseldorfer Lokalradio anhören oder sogar auf den Toiletten Düsseldorfer Szene-Kneipen anglotzen dürfen – also dass diejenigen, die schon seit Jahren mit ihrer Drittliga-Graupentruppe mitfiebern, dann irgendwann mal genug davon haben, dürfte sogar dem ein oder anderen Eventzuschauer einleuchten. Und büßen müssen es dann in erster Linie die richtigen Bayer-Fans. Das sind vielleicht nicht so viele, aber die hat auch keiner gefragt, ob sie gerne in Düsseldorf spielen würden. Die kriegen es dann allerdings auch ab, wenn es mal richtig raucht.

Es hätte ein friedliches Gastspiel sein können, nicht schön für uns, aber ohne großes Aufheben, im Mai wäre der Spuk vorbei gewesen. Aber die Bayer-PR-Abteilung hatte wohl eindeutig etwas dagegen. Weil so ein Event heutzutage wohl nur noch läuft, wenn man es ordentlich krachen lässt. Und wenn dann die Reaktion kommt, sind die Verantwortlichen ja eh nicht betroffen.

Eine besonders nette Deutung des Gastspiels schrieb mir übrigens ein Leverkusen-Fan in einem Forum. Das Problem bei Bayer (im Gegensatz zu den von mir genannten Stadionumbauten in Hamburg oder Köln) sei ja, dass durch die fehlende Größe im Rahmen des Umbaus nur noch ca. 12.000 Zuschauer in die BayArena gepasst hätten, deshalb sei der Umzug nötig geworden. Ich gebe zu, dass dies für solch einen Konzern wie Bayer nicht gerade rentabel ist, Bundesliga vor 12.000 Männeken. Aber da drängt sich mir natürlich sofort ein anderer Gedanke auf: für ein Stadion, welches bei der Hälfte aller Heimspiele nur noch 12.000 Zuschauer fasst, hätte es nach den Regularien des DFB ja wohl kaum eine Spielerlaubnis für die Erste Liga gegeben, da wäre es ja schon in der Dritten Liga eng geworden. Haben wir Bayer 04 Leverkusen somit vor dem Zwangsabstieg bewahrt? Wenn ja, wäre dies erst recht ein Grund für den Konzern gewesen, als Gast in Düsseldorf mal kleinere Brötchen zu backen. Nein, ich bin kein Träumer, selbst wenn es so gekommen wäre, hätte es für solch einen wichtigen Club selbstverständlich eine Ausnahmegenehmigung gegeben. Aber es ist doch ein reizvoller Gedanke. Erste Liga, dankt uns! Ohne uns wäre Bayer vielleicht nur noch ein Drittligist! Dann müssten sie wenigstens keine Freikarten mehr verschenken, das hätte dann auch keinen Zweck mehr.

Man darf somit gespannt sein, wie sich diese Geschichte weiter entwickelt. Spätestens zum letzten Auftritt der Leverkusener, am vorletzten Spieltag ausgerechnet gegen Mönchengladbach, befürchte ich so einiges im Umfeld. Und der Bayer-Konzern sollte sich mal eine Regel hinter die silbernen Löffel schreiben: man kann auch auf Leuten, die schon am Boden liegen, noch rumtrampeln. Die meisten sind so (fried)fertig, dass sie das über sich ergehen lassen, macht ja eh nix mehr. Aber wenn einige dann doch mal zurück schnappen, darf man sich auch nicht wundern. Es ist immer noch Fußball. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Maßvoller Auftakt

Nachdem uns die große weite Welt des Fußballs somit eingeholt hatte, starteten wir in das Jahr 2009 also am Donnerstag, den 05.02.09, mit dem Spiel gegen die Stuttgarter Kickers. Das Positivste an diesem Spiel, außer dem Ergebnis, nehme ich mal direkt vorweg: 9.125 Zuschauer. Beim Spiel zweier Drittligisten, von denen der Eine sich am Wochenende zuvor im Pokal bei einem Viertligisten blamiert hatte, während es sich bei dem Anderen um den aktuellen Tabellenletzten der Liga handelte. An einem Donnerstag Abend. Kleine Nachfrage nach Leverkusen: wie viele Zuschauer wären denn zu euch in die BayArena gekommen, bei dieser Konstellation? Und wenn ihr dann noch bei der Anfahrt großflächige Werbung eurer angrenzenden Großstadt, nämlich aus Köln, gesehen hättet, dann wärt ihr auch mächtig froh gewesen, oder?

Es wurde ein glanzloser, verdienter 2:0-Sieg gegen die StuKis, die sowas von schlecht waren, dass man sich fragte, ob die ernsthaft um den Klassenerhalt spielen oder nur noch Freundschaftsspiele absolvieren wollen. Cebe versiebte bereits nach 27 Sekunden (!) freistehend vor Torwart Salz, somit ein Auftakt wie gehabt. Die Vorarbeit kam übrigens von Simon Terodde, der von Beginn an spielte und somit direkt einen gelungenen Einstand hatte. Aber es kam noch besser: In der 10. Minute eine schöne Einzelleistung von Jovanovic, der sich gegen zwei Gegenspieler durchsetzt, ein weiterer rutscht freundlicherweise noch aus und macht den Weg frei. Jovanovic strebt alleine dem Tor zu und hat noch einen Blick für die mitgelaufenen Nebenmänner: vor Torwart Salz spielt er quer, und Terodde tut mir den Gefallen, vor Cebe am Ball zu sein und den Querpass einzunetzen. Sein erstes Pflichtspieltor im ersten Meisterschaftsspiel.

In der ersten halben Stunde war Fortuna klar überlegen, vergab mehrere gute Möglichkeiten, stellte dann aber wieder mal das Fußball spielen ein. Dadurch wurde es ziemlich langweilig, weil von den Gästen auch nix kam, ein Schuss von Rosen aus 16 m in der 1.Halbzeit, flach und knapp links am Tor vorbei, war die einzig gefährliche Kickers-Situation im gesamten Spiel.

Anschließend wurde nur noch Gefahr verbreitet, wenn die Fortuna mal in Strafraumnähe zum Freistoß antrat. In der 1. Halbzeit schlenzte Jovanovic die Kugel aus 18 m an die Latte, in der 2. Halbzeit machte es ihm Caillas aus derselben Entfernung ein wenig strammer nach. Völlig humorlos dann in der 77. Minute der eingewechselte Marco Christ, der den Ball vom rechten Strafraumeck halbhoch in die linke Ecke semmelte. Ein Schuss wie ein Strich, toll anzusehen.

Es war ein Pflichtsieg, der durchaus höher hätte ausfallen müssen gegen einen total harmlosen Gegner. Es war noch sehr viel Sand im Getriebe, es lief noch nicht allzu viel zusammen, und eine wirkliche Steigerung zur ersten Halbzeit in Essen war nur selten zu erkennen. Man konnte nur hoffen, dass sich dies in den kommenden Wochen bessern würde, denn wäre der Gegner nicht so entsetzlich schlecht gewesen, hätte das ganz böse ins Auge gehen können.

Ach ja, einen zum Schiri hätte ich noch: es war Kuno Fischer, Schirigott aus Ostfriesland. Zuletzt pfiff er uns im April 2007, bei jenem denkwürdigen Spiel gegen den HSV II, welches wir in letzter Sekunde 3:2 gewannen (beide Gegentore damals übrigens durch Olli Hampel, der jetzt bei uns spielt) - aber erst, nachdem Kuno gleich vier Spieler des Feldes verwiesen hatte. Auch diesmal hatte er die Hand an der Tasche: Als in der einzig unfairen Szene des Spiels der Stuttgarter Rosen Clement Halet wegsenste und anschließend selbst von Jovanovic weggeschubst wurde, sah ich Jova schon mit Rot in die Kabine abwandern, eine selten dämliche Aktion. Aber Kuno Fischer langte nur zur Brust, nicht zum Gesäß, und zog Gelb für beide – für exakt dieselbe Aktion hatte er damals gegen den HSV Markus Anfang schon nach 20 Minuten runtergeworfen. Ein Glück, dass auch Schiris lernfähig sind.

Echt Valentin

Am 14.02.09 traten wir zum nächsten Heimspiel gegen Wacker Burghausen an Wieder so ein unbequemer Gegner, der sich hinten rein stellen, aber trotzdem unbedingt zu beachten sein würde. Die hatten zwar nur 20 Punkte nach 19 Spielen, aber von diesen zwanzig Zählern mal locker sechs mit Siegen gegen Paderborn und Emden geholt, hatten zudem die letzte sechs Spiele vor der Winterpause nicht verloren. Schongang würde man sich diesmal also abschminken können. Und wie man sich so richtig lächerlich macht, wenn man Schongang spielt, konnten die Fortuna-Spieler ja drei Tage zuvor in der eigenen Arena bestaunen, als sich die deutsche Nationalmannschaft mit dem 0:1 gegen die Fußball-Weltmacht Norwegen bis auf die Knochen blamierte. Ich sah nur die zweite Halbzeit im Fernsehen, wenn die erste auch nur halb so schlecht war, hätte ich als zahlender Zuschauer mein Geld zurück verlangt. Lustig war immerhin, dass das Siegtor der Norweger just in dem Moment fiel, als man gut hörbar trotzige „Fortuna Düsseldorf“-Fan-Gesänge vernehmen konnte. Ja, das funktioniert! Wenn die paar Fortuna-Fans, die im Stadion sind, schon ihre Heimmannschaft anfeuern, deren Vereinsfarben rot-weiß sind, und dann schießt die Mannschaft in rot-weiß ein Tor - eigentlich ganz logisch. Dass nicht die Deutschen, sondern die Norweger in rot-weiß aufgelaufen waren, ist dann halt Pech.

Aber wichtiger war eh, was sich in der Arena am so genannten „Valentinstag“ zutrug, dem offiziellen kleinen Konjunkturprogramm für die deutsche Blumenindustrie, witzigerweise genau der Tag, an dem sich ja alle lieb haben sollen, weswegen es streng logisch betrachtet eigentlich Unfug ist, an diesem Tag sportliche Wettkämpfe, vielleicht sogar direkte Duelle auszutragen. Aber soweit sind wir zum Glück noch nicht. Jedoch musste man am Ende des Spiels feststellen, dass vielleicht doch etwas dran ist an diesem merkwürdigen „Feiertag“. Denn wenigstens zu uns Fortunen waren alle recht lieb.

Es wurde ein verdienter 3:1-Sieg der Fortuna gegen biedere Oberbayern, die jedoch mit einigem Aufwand niedergekämpft werden mussten. 9.200 Zuschauer sahen bei Arschkälte, wie die Gäste wie alles, was aus dem Süden zu uns zu Besuch kommt, sich erstmal hinten rein stellten. Egal ob Burghausen, Regensburg, Unterhaching, Stuttgart oder Aalen – immer wird zunächst mal das eigene Tor zugemauert. Da hilft natürlich ein frühes Tor. Zu diesem Zweck hatte man den eigentlich verletzten Jovanovic fit gespritzt, um wenigstens eine Halbzeit lang eine Hälfte unseres ersten Sturms aus dem Feld zu haben. Geradezu sensationell war das Comeback von Fabian Hergesell, der erheblich früher als erwartet wieder auflief, ich hielt es erst für einen Druckfehler auf der Mannschaftsaufstellung. Das war aber auch bitter nötig, denn kaum war der Linksverteidiger wieder da, war der Rechtsverteidiger wieder weg: Clement Halet hatte sich im Spiel gegen Stuttgart eine Verletzung zugezogen und war noch nicht mal im Kader. Da Selbiger über die bekannte „Größe“ verfügt, musste Trainer Meier mal wieder ein wenig umdisponieren und wurde diesmal richtig tricky: Offensivspieler Ahmet Cebe wurde abgestellt, um die rechte Außenbahn hinten dicht zu machen. Vielleicht hatte ja irgendjemand dem Trainer geflüstert, dass Cebe unter Weidemann bis auf Torwart schon so ziemlich jede Position mindestens einmal bekleidet hatte. Der Tipp war gut, Cebe machte eines seiner besten Saisonspiele. Überraschend auch noch, dass der Trainer in der Innenverteidigung Robert Palikuca den Vorzug vor Hamza Cakir gegeben hatte. Die Aufstellung somit wieder mal eine Wundertüte.Fortuna von Beginn an im Vorwärtsgang, und natürlich war es Jovanovic, der nach 9 Minuten knapp rechts neben das Tor zielte. Anschließend hätte Caillas bei einer Direktabnahme links vor dem Tor liebend gerne den Burghauser Keeper mit durchs Netz geschossen, wurde aber von seinem Gegenspieler noch entscheidend gestört und verzog. In der 19. Minute dann jedoch ein Ding, bei dem allen der Mund offen blieb: nach einem Katastrophen-Quer-/Rückpass vor dem Burghauser Tor setzte sich Jovanovic prima gegen seinen Gegenspieler und gegen Torwart Riemann durch - nur um dann aus ca. 10 m das leere Tor zu verfehlen! Ich glaube, so etwas nennt man schon Kunstschuss, unglaublich...Jovanovic selbst konnte es gar nicht fassen, kein Wunder, er ist normalerweise unser treffsicherster Spieler, und zwar bevorzugt mit solchen Abstaubern, und das auch, wenn ihm sogar noch ein Torwart vor der Nase steht. Eine Szene, die hoffentlich ihren Seltenheitswert behalten wird. Zum Glück musste man darüber nur fünf Minuten ungläubig den Kopf schütteln, dann tat dies ein anderer – und zwar Robert Palikuca. Christ zog eine Ecke von links bis weit hinter den langen Pfosten, was Wacker-Keeper Riemann dermaßen verwirrte, dass er unter den Ball tauchte, und Palikuca nickte die Kugel aus spitzem Winkel zur verdienten Führung ein. Es war sein erstes Saisontor. Verdient war die Führung auch zur Pause, es gab nicht einen Torschuss von Burghausen bis dahin!

Dies änderte sich mal flugs nach der Pause, in der Jovanovic seinen Arbeitstag beendete und mit Deniz Kadah ein neuer Stürmer kam. Nachdem Christ zunächst eine gute Möglichkeit vergeben und Palikuca bei einer weiteren Ecke wieder demonstriert hatte, dass der Fuß nicht sein natürlicher Freund ist (seinen Nachschuss hätte man mit einem Fernglas noch lange verfolgen können, wäre er nicht hoch oben vom Fangnetz aufgehalten worden), brachte derselbe Palikuca mit einem Fehlpass auf der linken Abwehrseite seinen Gegenspieler Cappek in Position. Der ließ ihn anschließend stehen und flankte, in der Mitte stand Torjäger Calamita völlig frei, leider ganz knapp nicht im Abseits, und nickte Ball und Torwart Melka zu seinem 10. Saisontor ein. Melka hatte das Pech, sich die Kugel quasi selbst reinzuboxen, weil Calamita ihn aus kurzer Distanz anköpfte, und er gerade mitten in der Bewegung war. Ausgleich in der 58. Minute mit dem ersten Ball, den Burghausen auch tatsächlich gefährlich aufs Tor brachte.

Erstaunlicherweise war Fortuna wieder nur kurz geschockt, denn erneut nur 5 Minuten später stand der Ein-Tore-Abstand wieder. Marco Christ, an jenem Tag mit seinen Fernschüssen ähnlich erfolgreich wie Palikuca zuvor bei seinem einzigen Versuch, hatte diesmal allerdings ein feines Füßchen bei den Standards ausgepackt. Freistoß von rechts, Kopfball Kadah, wieder mal Latte, aber diesmal köpfte Stephan Sieger den Abpraller aus kurzer Distanz zu seinem ebenfalls ersten Saisontor ein. Kurz darauf rettete Hergesell noch einmal für seinen geschlagenen Keeper vor dem einschussbereiten Calamita, aber das war es von Gästeseite dann auch, man war wieder lieb. Endgültig durch war die Partie in der 78. Minute: Traumpass von Christ auf die rechte Seite, wo sich Cebe in seinen eigentlich angestammten Bereich nach vorne geschlichen hat, der bringt den Ball direkt hart und flach in die Mitte, dort grätscht Kadah um Fußspitzenbreite am Ball vorbei, aber Caillas ist am langen Pfosten mitgelaufen und pöhlt die Kugel wie ein Flipper zurück in den Winkel der anderen Ecke. Sein zweiter Saisontreffer, seinen ersten hatte er – im Hinspiel in Burghausen erzielt. Ein toll heraus gespieltes Tor, welches das Spiel entschied, ein verdienter Sieg gegen einen insgesamt zu schwachen Gegner. Und nach dem Spiel wurde es dann so richtig kuschelig: nicht nur, dass Emden die 1:0-Pausenführung in Braunschweig noch hergegeben und 1:2 verloren hatte, nein, auch Paderborn riss nicht wirklich Bäume aus, sondern erlebte beim Heimspiel gegen Sandhausen ein Phänomen, das wir auch gut kennen: 19:4 Torschüsse, aber 1:2 verloren. Danach hatten sich bei uns erst recht alle lieb. Dank dieser zeitgleichen Niederlagen von Paderborn und Emden überholte Fortuna die Ostfriesen in der Tabelle und kletterte auf Platz 3 der Tabelle, mit nur noch zwei Punkten Rückstand auf den Tabellenzweiten Paderborn. Auf die hat man in den beiden Spielen nach der Winterpause sechs Punkte gut gemacht. Endlich war es mal so, dass wir unsere Pflichtsiege einfahren und von Patzern der Konkurrenz profitieren konnten, das war bislang ja eher umgekehrt. Und damit kann man natürlich von seinem sehr gelungenen Auftakt ins Jahr 2009 sprechen. Zudem waren wir in diesem ganzen Kuddelmuddel um den Spielplan zwar natürlich die Mannschaft, die am meisten benachteiligt wurde, aber auch die Mannschaft, die als einzige ihre „Heimspiele“ in der LTU-Arena gewinnen konnte, nicht wahr, Leverkusen, nicht wahr, Nationalmannschaft? Allerdings hatten wir auch dankbare Gegner, die bis auf Burghausen eine Viertelstunde lang in beiden Spielen eigentlich keinerlei Gefahr verbreiteten. Dies wird sich jetzt wohl grundlegend ändern, denn am nächsten Sonntag (22.02.09) geht es nach Unterhaching, zu einem direkten Verfolger. Dort wird man sich allerdings doch steigern müssen, will man aus München etwas Zählbares mitbringen. Und wer den Gegner des nächsten Heimspiels am 28.02.09, den SV Sandhausen unterschätzt, nach Hinspielniederlage und dessen aktuellem Coup in Paderborn, dem ist eh nicht mehr zu helfen. Das werden also ganz andere Gradmesser.

Das Spiel in Unterhaching findet übrigens tatsächlich am nächsten Sonntag statt, nicht am Samstag. Begründung: man wolle nicht, dass die Fortuna-Fans auf ihrer Fahrt nach München eventuell den Fans von Podolski begegnen, die von Bahnhofskapellendorf ebenfalls nach München fahren, um ihrem großen Idol dabei zuzusehen, wie er bei Bayern während des Spiels gegen ihren Verein seinen Hintern auf der Ersatzbank anwärmt. Gerüchteweise werden Großpackungen Kleenex mit auf den Weg gehen, damit sich die Kölner Fans die Tränen der Ergriffenheit aus dem Gesicht wischen können, wenn sie ihren Superstar dort so verkannt und gedemütigt sitzen sehen werden. Und nebenbei wollen sie vielleicht auch gucken, wie ihre aktuelle Mannschaft sich bei den Bayern schlägt, aber wie gesagt, das dürfte nur Nebensache sein, wie immer in den letzten Monaten. Und damit diese Weichflöten in Ruhe fahren können, dafür wurde unser Spiel dann auf Sonntag verlegt. Wir sind halt nur ein unwürdiger Drittligist. Naja, man hilft ja gerne. Und auch bei dieser Spielansetzung dürfte man es noch pünktlich zum Rosenmontag wieder nach Düsseldorf zurück schaffen.

Hofft, dass sich die Mannschaft nächsten Sonntag nicht auch die Pappnase aufsetzt: janus