von Janus,11.3.2007

Wieder haben wir eine Winterpause hinter uns gelassen, es durfte erneut gerockt werden. Und natürlich ist mittlerweile, Mitte März, eigentlich nur klar, dass gar nichts klar ist. Wobei diese Saison in puncto diffusen Aussagen zu möglichen Aufstiegskandidaten alles toppt, was bislang da war. Noch nie hatten so viele Teams um diese Uhrzeit noch die Chance, im nächsten Jahr im DSF antreten zu dürfen. Und Fortuna ist immer noch mittendrin, obwohl schon mehr möglich gewesen wäre. Leider ließ der Verein hier und da zuviel liegen, seien es nun Punkte oder Gegenstände auf dem Spielfeld. Aber der Reihe nach.

Immerhin wurden bei Fortuna während der spielfreien Zeit zwei Personalien klar gemacht: mit Sebastian Kneißl von Wacker Burghausen kam ein Offensivspieler, der sogar über einige Jahre Spielzeit bei Chelsea London verfügt, allerdings nicht grad als Stammspieler in der ersten Mannschaft. Bei Wacker wurde er zunehmend im Mittelfeld eingesetzt, kam dort nicht zurecht und wanderte auf die Bank. Von dort holte ihn Fortuna für die Rückrunde zum Schnäppchenpreis, sprich: ablösefrei. Man durfte gespannt sein, ob er wieder zu alter Stärke zurückfinden würde.

Außerdem bekam Fortuna endlich einen neuen Manager. Wolf Werner, einst Trainer in Mönchengladbach und seit einiger Zeit bei Werder Bremen in der Talentsichtung beschäftigt, erhielt den Posten zum 01.07.2007. Etwas überraschend, da doch zuvor Michael Zeyer und Christian Hochstätter im engeren Kreis gewesen waren. Doch beide fielen wohl bei der Präsentation ihres Konzepts durch. Vielleicht war es die ein oder andere PowerPoint-Folie zuviel, wer weiß das schon. Hochstätter heuerte ja dann in Hannover an, an der Leine gibt es auch sicherlich mehr Geld auszugeben als bei uns, und ersetzte dort das Managerlein Ilja Kaenzig, bei dessen Scharmützel mit Fortuna im letzten Sommer bezüglich Denis Wolf ja schon klar geworden war, wie „gut“ es um sein Standing innerhalb des Vereins Hannover 96 bestellt war. Als Hochstätter aus dem Rennen war, und auch Holgi Fach einen Job bekam, den er sich redlich verdient hatte, nämlich Trainer in der Einöde bei Paderborn unter einem Präsidenten, der nicht viele Widerworte duldet, da atmete ich tief durch. Diese Doppel-Gefahr ist für’s Erste gebannt.

Wolf Werner ist in puncto Scouting anerkannter Fachmann, einziges Problem ist, dass der Mann nun auch schon 64 Lenze zählt, man weiß also nicht genau, wie lange er sich so etwas noch antun will. Deshalb war ja auch eine Lösung mit Michael Zeyer als „Praktikant“ in den Raum gestellt worden. Da steht sie auch heute noch, Werner soll es jetzt erst einmal alleine richten. Derzeit bemüht er sich, mit Werder darüber Einigkeit zu erzielen, dass er seine Tätigkeit bei Fortuna schon etwas früher aufnehmen darf. Das macht auch Sinn, weil er ja bei der Zusammenstellung der Mannschaft für die nächste Saison mit von der Partie sein soll, und da darf man natürlich gerne schon vor dem 01.07. Hand anlegen. Momentan laufen die Gespräche noch.

Die Winterpause ließ ich ausklingen mit einem Besuch des Bundesliga-Spiels Bayer Leverkusen gegen Werder Bremen am 31.01.07. Ich bekam Erstaunliches geboten, zum Beispiel bei der Anfahrt. Da mir noch in guter Erinnerung war, wie lange ich im Oktober letzten Jahres mit diesen Shuttle-Bussen vom Stadion zum P&R-Parkplatz gebraucht hatte, und da bei der Anreise mit der Bahn nach dem Spiel, welches ja erst um 20.00 Uhr angepfiffen wurde, mit einem etwas längeren Rücktransport zu rechnen gewesen wäre, wählte ich die Goldene Mitte und fuhr mit dem Wagen, den ich dann am „Eisenbahnknotenpunkt“ Leverkusen-Mitte abstellte, um von dort aus zu Fuß zum Stadion zu gehen. Und da hätte ich direkt mal eine Frage: wie lange muss man im Planungsamt von Leverkusen eigentlich den Dämpfen der Bayer AG ausgesetzt sein, bevor man aktiv ins Stadtbild eingreifen darf? Ziemlich lange, so meine Vermutung, denn was die Herrschaften sich bei der Konstruktion ihrer beiden Kreisverkehre gedacht haben, die man auf dem Weg von der Abfahrt an der A 3 bis zum Bahnhof und zurück durchqueren muss, kann man wohl nur verstehen, wenn sich das Hirn schon auf einer PCB-Wolke verabschiedet hat, oder was in dieser Stadt normalerweise so an Atemluft gereicht wird. Speziell dieser Europaring, unmittelbar vor der Zufahrt zum Bahnhof gelegen, ist besonders Leuten zu empfehlen, die denken, sie hätten schon alles gesehen. Ein Kreisverkehr in Form eines Ovals, bei dem man sich tunlichst richtig einsortieren sollte, weil zwischen den beiden Spuren teilweise eine lustige Betontrennung hochgezogen wird, ein Schild, das auf die richtige Abfahrt Richtung Autobahn hinweist, und das man ca. drei Meter vorher auch richtig prima erkennen kann, so „groß“ ist es, und als Krönung noch ein Fußgängerüberweg mitten im inneren Kreisel – da macht Autofahren richtig Spaß. Ich jedenfalls machte drei Kreuze, als ich durch war und bin seitdem versucht, mir für jeden völlig sinnlosen Kreisverkehr, den ich durchfahre, eine neue Kerbe ins Armarturenbrett zu ritzen. Ganz oben auf meiner Hitliste steht bislang das Gebilde, welches sie in Mannheim auf die Straße gesetzt haben, wenn man von der A 656 zum Stadion fährt, inklusive Ampel im Kreisverkehr (nicht davor!), aber Leverkusen kommt schon nah ran. Wenn man so etwas täglich fährt, gähnt man bestimmt nur noch darüber, aber als einmaliges Erlebnis im Jahr wirken solche Konstrukte mit Sicherheit adrenalinfördernd.
Im Gegensatz zum Spiel in Leverkusen übrigens, das gewann Werder relativ locker mit 2:0. Erstaunt war ich nur über die vielen Bremer, die auf den Sitzreihen hinter mir jubelnd aufsprangen, als Miro Klose das 1:0 für Werder erzielte, denn eigentlich wähnte ich mich eher auf der „Heim-Tribüne“. Aber es schienen nur relativ wenig Bayer 04-Fans anwesend zu sein. Vielleicht lag dies ja auch an der unglücklichen Anstoßzeit, mitten in der Woche um 20.00 Uhr, da ist es natürlich schwierig, die Schichtgänger mal eben ins Stadion abzukommandieren. Vollends suspekt wurde mir das Ganze, als der Herr, der neben mir saß, unüberhörbar lautstark beide Teams anfeuerte. Merkwürdige Fan-Szene. Aber gut, jeder so, wie er will. Und schließlich hatte dieser Mann, egal bei welchem Spielverlauf, nach dem Abpfiff sein Erfolgserlebnis. So sehen Sieger aus!


Als Sieger wollte ich mich auch gerne am 10.02.07 sehen. Start der Restrückrunde der Regionalliga Nord, und damit es nicht hieß, man würde sich langsam warm spielen können, kam zum Auftakt direkt mal der Tabellenführer vorbei. Spitzenspiel gegen den VfL Osnabrück sofort im ersten Spiel – so muss ein Fußballjahr beginnen!

Gelungener Auftakt

Und es begann schon vor dem Spiel mit einem Paukenschlag: Fortuna-Trainer Uwe Weidemann tauschte den Torwart aus und erklärte Kenneth Kronholm, vor der Saison von Wormatia Worms an den Rhein gewechselt, zur neuen Nummer Eins. Er hatte sich anscheinend im Winter-Trainigslager im türkischen Belek gegen Patrick Deuß durchgesetzt. Meiner Ansicht nach lange überfällig, war Deuß in der Hinrunde doch öfter negativ aufgefallen als dass er gute Partien abgeliefert hatte (auch wenn die selbstverständlich ebenfalls dabei waren). Ob das jetzt allerdings so schlau war, den Torwart ausgerechnet vor dem Spitzenspiel auszutauschen, vor großer Kulisse, nachdem er im Laufe der Saison überwiegend in der Verbandsliga zum Einsatz gekommen war, war eine andere Frage. Ein mutiger Schritt des Trainers, der mich allerdings etwas nervös werden ließ...

Aber was spielen meine Nerven schon für eine Rolle? Vor 24.090 Zuschauern besiegte die Fortuna im ersten Pflichtspiel des Jahres 2007 Tabellenführer Osnabrück mit 2:0 und rückte auf Platz 2 der Regionalliga Nord vor.

Nach einer halben Stunde verteilten Spiels, mit je einer „halben“ Torchance hüben wie drüben, erzielte Kapitän Marcus Feinbier in seinem ersten Spiel nach über 3 Monaten Verletzungspause auf Flanke von Henri Heeren per Kopf das 1:0. Bis zur Pause ging es hin und her, die Osnabrücker verpassten den Ausgleich, Chitsulo traf nur den Pfosten, den Abpraller setzte Menga über das weitgehend leere Tor. Fortuna versäumte es hingegen, das zweite Tor nachzulegen, Lambertz traf per Kopf die Latte, Podszus mit dem Fuß den Pfosten. Zum Glück holten sie dies in der 2. Halbzeit nach, als Feinbier nach Vorarbeit von Krecidlo und Ausrutscher seines Gegenspielers den Ball aus 9 m unter die Latte setzte. Osnabrück war in der Folgezeit im Spiel nach vorne zu harmlos, Fortuna vergab noch einige Konterchancen, ließ sich allerdings auch nicht durch die gelb/rote Karte für Oliver Barth 5 Minuten vor Spielende irritieren. Ein verdienter Erfolg vor beeindruckender Kulisse! Kenneth Kronholm im Fortuna-Tor zeigte im übrigen einen guten Einstand, was allerdings auch daran lag, dass er kaum etwas aufs Tor bekam. Ob der Torwartwechsel richtig war, würde sich somit erst in den nächsten Spielen zeigen.

In der Woche darauf war Fortuna spielfrei, und man erlebte gar Wundersames: fast alle anderen Teams überboten sich darin, uns in der Tabelle nicht überholen zu wollen. Erfurt verlor in Osnabrück, Lübeck in St. Pauli, Wuppertal spielte nur Unentschieden in Kiel, Dresden verlor 0:3 in Ahlen – wie kann man sich bei diesen Bauern nur so abschlachten lassen, ich versteh’s nicht... Einzig und allein die zweite Mannschaft des Hamburger SV nutzte die Gunst der Stunde und eroberte durch ein 2:0 gegen die Reserve des BVB den 2. Tabellenplatz. Da die aber bekanntermaßen gar nicht aufsteigen dürfen, konnte uns das völlig Latte sein. Fortuna somit trotz spielfreiem Wochenende weiter auf einem Aufstiegsplatz. Vielleicht ja ein gutes Omen für die nächsten Spiele?

Zudem gab es an jenem Wochenende noch das 0:5 des 1.FC Köln beim Abstiegskandidaten RW Essen zu bestaunen. Köstlich. Ich habe ja auch von der eigenen Mannschaft schon viele Blamagen gesehen, aber das toppte so ziemlich alles. Dies sah wohl auch die aktive Kölner Fan-Szene so und verhängte einen Fan-Boykott für die erste Halbzeit des nachfolgenden Heimspiels gegen den SC Paderborn. Um die Spieler wachzurütteln. Vom Trainer ist in solchen Situationen in Köln eigentlich weniger die Rede, der kann machen, was er will. Dazu gehört auch, dass ihm keine lästigen Fragen gestellt werden, wie zum Beispiel, warum er beim Tabellenvorletzten mit einer ganzen Spitze antritt oder wieso die Mannschaft an jenem Karnevalssonntag eigentlich noch schlechter spielte als in der Hinrunde, obwohl unter anderem vier Neuzugänge auf dem Platz standen, die er selbst geholt hatte. Nicht dass der Erlöser plötzlich schlechte Laune bekommt! Köln dürfte somit so ziemlich die einzige Stadt auf Erden sein, in der man erst die Jünger kreuzigt, bevor man sich an den Messias rantraut. Hallelujah! Sehr unterhaltsam.

Fortuna machte in der Woche vor dem nächsten Spiel dann noch Nägel mit Köpfen und verlängerte den Vertrag mit Trainer Uwe Weidemann um zwei Jahre bis 2009.


Das Unentschieden, das nach gar nichts aussah

Weiter ging es am 24.02.2007 um 14.00 Uhr im Steigerwaldstadion bei Rot-Weiß Erfurt. Aber zuvor wurde mal wieder gezeigt, auf wen beim Amateur-Fußball zwingend Rücksicht zu nehmen ist. Das kostet den DFB nur ein unterwürfiges „Jawoll!“, und schon kommt eine Meldung wie die folgende vom 23.02.2007 zustande:

„Der Regionalliga-Ausschuss beim Deutschen Fußball- Bund (DFB) hat mehrheitlich dem Antrag des SV Werder Bremen zugestimmt, die für Sonntag angesetzte Partie der Werder-Reserve gegen den FC St. Pauli auf Ende März/Anfang April zu verlegen. Das bestätigte der DFB.

Die Bremer hatten die Verlegung beantragt, weil sonst der Rasen im Weserstadion zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werde. Dort sollte die Partie aus Sicherheitsgründen ausgetragen werden, weil nach Polizei-Schätzungen rund 5.000 St.Pauli-Fans anreisen wollten.“

Alles klar? Wenn ein Bundesligist sich nicht den Rasen versauen lassen will, dann sagt er halt in der Regionalliga mal eben kurz das Spiel ab. Ist ja kein Problem, das Einzige, was man beim DFB hört, wenn so etwas mal aufkommt, ist das Zusammenschlagen der Hacken. Denn es war ja nicht das erste Mal. Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir im Sommer 2001 zum Meisterschaftsspiel bei Bayer Leverkusen II antreten sollten. Auch dieses Spiel fiel aus, weil wir in der BayArena hätten spielen sollen. Dort wurde aber vier Tage später Champions-League-Quali gegen Roter Stern Belgrad gespielt, also konnte unser Spiel leider erst einige Wochen später stattfinden. Prioritäten, you know? Ebenso wurde unsere Partie im September 2004 gegen den 1.FC Köln II verlegt, weil denen 2 (zwei) Spieler fehlten, die im Mittelrhein-Pokal eingesetzt wurden. Eine Aufgabe, die sie dermaßen mitnahm, dass sie zum Nachholtermin fünf Tage später gar nicht erst eingesetzt wurden, dafür aber als Ersatz sieben Spieler aus dem Profi-Kader. Sie machen halt, was sie wollen, weil sie wissen, dass sie es sich leisten können. Selbst wenn so ein Bundesligist für seine zweite Mannschaft kein Stadion zur Verfügung hat, weil das kleine aufgrund vieler anreisender Gäste-Fans eben den Sicherheitsstandards nicht genügt, und das große nicht betreten werden darf, um den Rasen zu schonen, dann gibt es keinen Punktabzug, nein, da wird das Spiel einfach abgesagt. Dies mit einem schönen Gruß nach Dresden – ist dort nicht die Lizenz in Gefahr, wenn die kein neues Stadion bauen? Ach, wär man doch wieder Bundesligist...solche Extravaganzen möchte ich mir auch mal wieder leisten! Einfach mal gucken, wie die Mannschaft aktuell so spielt (Werder II zu jenem Zeitpunkt recht schlecht), und wenn’s einem nicht passt, dann muss halt der Rasen geschont werden. Praktische Lösung.

Aber zurück zu den niederen Amateuren. RW Erfurt besitzt im Gegensatz zu Werder Bremen anscheinend ein regionalligataugliches Stadion, denn es konnte gespielt werden. Mit dem 1:1 vor 6.968 Zuschauern holte Fortuna einen Punkt, der durchaus zwiespältig zu betrachten ist. Zum einen konnte man mit diesem Auswärtspunkt zufrieden sein, stand Erfurt doch nur einen Zähler hinter uns, ist somit beileibe kein sportliches Leichtgewicht. Zum anderen wäre mit ein wenig mehr Einsatz eventuell sogar ein Sieg drin gewesen. Und damit hätte man wirklich der Konkurrenz eine lange Nase drehen können, denn Wuppertal, Lübeck und auch Dresden waren so freundlich, gleichzeitig ihre Spiele zu verlieren. So machte Fortuna leider nur einen Punkt auf die Rivalen gut und musste den dritten Tabellenplatz sogar an Kickers Emden abgeben, die die Gewinner des Verfolgerfelds waren. Sie ermurmelten sich ein 1:0 bei Hertha II und standen plötzlich auf einem Aufstiegsplatz. Aber verloren war diesbezüglich für Fortuna nach dem Remis in Erfurt natürlich nichts.

Es war ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten, in den ersten 45 Minuten durchaus flott anzuschauen, hier wurde auch der Grundstein für das Unentschieden gelegt. Die Erfurter legten vor mit einem Pfostenschuss des Ex-Düsseldorfers Moritz Stoppelkamp, die Fortunen zogen nach, als Albertz einen Freistoß an Freund und Feind vorbei gegen den linken Innenpfosten semmelte. Und als Fortuna in der 30. Minute in Führung ging, weil ein Erfurter Abwehrspieler bei der Abseitsfalle pennte und Marcus Feinbier aus 16 m flach vollstrecken konnte, da glichen die Erfurter direkt mal im Gegenzug aus, nach einer Ecke von links über sämtliche im Strafraum anwesenden Köpfe hinweg konnte Kumbela die Kugel von rechts nochmals in den Strafraum heben, und Junioren-Nationalspieler Tom Bertram glich per Kopf aus. Naja, und was so ausgeglichen ist, das kann ja auch nix werden, dachten sich wohl die Spieler und stellten über den größten Teil der zweiten Halbzeit die Arbeit ein, Mit Ausnahme eines Fernschusses von Andreas Lambertz, den Erfurts Keeper Orlishausen sicher parieren konnte, sowie auf der anderen Seite einer Chance für Stoppelkamp, dessen Schuss Kronholm jedoch abwehrte. Dann war es vorbei, und man hatte einen Punkt in Erfurt geholt, von dem niemand so richtig wusste, was man davon halten sollte – genau wie beim 2:2 im Vorjahr. Erfurt gibt uns halt immer Rätsel auf. Kein Rätsel, sondern einfach nur ärgerlich war die 5. Gelbe für Henri Heeren (auch noch für Unsportlichkeit, als er nach einem Abseitspfiff des Schiedsrichters den Ball noch ins leere Erfurter Gehäuse schob). Er würde somit beim nächsten Spitzenspiel, dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden am 03.03.2007, fehlen.

Das Unentschieden, das wie ein Sieg aussah

Dieses Spiel stand von Anfang an unter keinem guten Stern, für beide Seiten. Am Sonntag, 6 Tage vor dem Spiel, nach der Heimniederlage der Dynamos gegen Osnabrück, tauchten mal eben 50 unzufriedene Anhänger der Dresdner beim Training auf. Da sie sich zu diesem Zwecke zum großen Teil vermummt hatten, war eigentlich nicht zwingend von einer friedlichen Demonstration auszugehen. Es ging dann wohl doch ohne Ausschreitungen über die Bühne, sie werden sich also wirklich nur vermummt haben, weil sie sich so schämten, Dynamo-Fans zu sein, das muss man verstehen. Oder weil sie einfach nur alle unheimlich wichtig sein wollten und schon lange nicht mehr im Fernsehen waren. Nun, die Dresdner Spieler empfanden es als das, was ich auch dazu gesagt hätte, nämlich als Bedrohung. Irgendwo hört es wirklich mal auf. Die ganze Aktion sorgte für erhebliche Unruhe in Dresden. Des weiteren waren einiger der Dresdner Ultras unglaublich künstlerisch kreativ und komponierten ein nettes Bildchen (vielleicht war es auch ein Flyer, ich habs nur im Internet gesehen), auf dem ein Bomber-Flugzeug im Sturzflug auf die LTU-Arena ansetzt, schlicht übertitelt mit „Angriff 03.03.“. Ja, das kommt anscheinend davon, wenn man am Fußballspiel selbst nur nebensächlich interessiert ist.

Für Unruhe in Düsseldorf hingegen sorgte vor dem Spiel eigentlich wieder mal nur der ortsansässige Boulevard, der den schlechten Ruf der Dynamo-Anhänger allgemein sowie diesen Auftritt beim Training speziell dafür zum Anlass nahm, vor dem kommenden Spiel eher zu warnen als Werbung dafür zu machen. Man hätte meinen können, Attila der Hundekönig würde wieder mal aus dem Osten einfallen. So kann man Zuschauer natürlich auch vom Stadion fernhalten.

Nachdem also von beiden Seiten hinlänglich demonstriert wurde, dass Fußball nicht zwingend etwas mit Fußballspiel zu tun haben muss, wollte die Mannschaft der Fortuna anscheinend nicht zurückstehen, ein Teil hielt sich dann auch mal fern. Heeren war ja eh wegen der fünften Gelben Karte gesperrt, er zog sich dann aber auch gleich noch eine Adduktorenzerrung zu. Somit war die Position des linken Verteidigers vakant. Die hätte Tim Kruse ausfüllen können, aber der laboriert seit der Winterpause an einem Außenbandriss. Kein Problem, zur Not kann auch Erdal Eraslan diese Position bekleiden. Allerdings nicht mit der Rippenprellung, die er sich in der Woche vor dem Spiel zuzog. Drei Spieler für eine Position, alle gleichzeitig verletzt – muss man auch erst einmal schaffen. Das muss Trainer Weidemann nun so verwirrt haben, dass er zu einer ganz anderen Lösung kam: Stürmer Yusuf-Muri „Jupp“ Adewunmi hatte wohl im Trainingslager beim Spiel gegen die albanische Nationalmannschaft mal auf dieser Position ausgeholfen. Da das Spiel 0:0 geendet hatte, konnte er somit nicht alles falsch gemacht haben, sodass der Trainer auf die Idee kam, den Jupp gegen Dresden als linken Verteidiger aufzubieten. Ein sehr großes Risiko, meiner Meinung nach hätte es eine Umstellung innerhalb der übrig gebliebenen Abwehrspieler auch getan.

Dann allerdings ging es Schlag auf Schlag. Zwei Tage vor dem Spiel meldete sich Marcel Podszus mit einer Knöchelprellung ab, für ihn würde Neuzugang Sebastian Kneißl von Beginn an stürmen. 24 Stunden vor dem Spiel war selbiges auch für Mittelfeld-Stratege Markus Anfang und Abwehr-Recke Jens Langeneke schon vorbei, sie mussten aufgrund einer fiebrigen Erkältung passen. Derselbe Virus fand dann, dass aller guten Dinge bekanntlich drei seien und legte am Morgen vor dem Spiel auch noch Trainer Weidemann flach. Der beorderte noch mit letzter Kraft wieder einmal zwei Spieler der Zweiten Mannschaft auf die Ersatzbank und musste anschließend das operative Geschäft auf ebendieser Bank seinem Co-Trainer Uwe Klein überlassen.

Das Spiel selbst geriet für Fortuna zu einem ziemlichen Alptraum. Dieser hatte sogar einen Namen: Oliver Herber. Bei dem jungen Mann handelt es sich um den Dresdner Torwart. Nicht um die Nr. 1, im übrigen, die heißt Tino Berbig und konnte ebenfalls wegen Grippe nicht spielen. Warum auch, wenn man solche Ersatztorhüter hat! Herber hatte seinen ganz großen Tag, war der Mann der tausend Arme. Fortuna war über die gesamte Spielzeit drückend überlegen, spielte eine Großchance nach der anderen heraus, aber egal, wohin sie den Ball schossen – Herber war schon da. Und so konnte man sich im Verlauf des Spiels nur noch ungläubig an die Stirn fassen – da trafen sie endlich mal so oft aufs Tor wie sie sonst Einschussmöglichkeiten Richtung Eckfahne oder in den Oberrang zimmern, und trotzdem klappte es wieder nicht mit dem Toreschießen, weil dieser Wahnsinnige im Dresdner Tor flog und hechtete, fing und faustete, als ob es kein Morgen geben würde.

Seine Feldspieler hingegen war ausschließlich zum Toreverhindern angereist, einen solch destruktiven Aufstiegskandidaten hat man in der LTU-Arena lange nicht gesehen. Aber effektiv waren sie: mit dem ersten und einzigen Torschuss in der 1. Halbzeit machte Vorbeck das 1:0 für Dynamo in der 23. Minute, als ein abgefälschter Schussversuch bei Orman landete, der Vorbeck den Ball zum Abstauben an den 5-m-Raum servierte.

Aber auf der anderen Seite: allein dreimal verhinderte Herber einen Düsseldorfer Treffer gegen den besonders in der 1. Halbzeit sehr agilen Jörg Albertz. Oliver Barth, als „6er“ im defensiven Mittelfeld quasi beschäftigungslos, weil die Gäste ja größtenteils gar nicht nach vorne spielen wollten, hätte an jenem Nachmittag zum Torschützenkönig avancieren können, aber egal, ob er aus 12, 16, 20 oder 25 Metern abzog, Herber hatte die Finger dran. Und als der bei einem Barth-Kopfball in der 2. Halbzeit dann doch mal geschlagen war, rettete Cozza auf der Linie. Es war zum Wahnsinnigwerden.

Zum Kopfschütteln animierte auch die Leistung der übrigen Dresdner, die außer Foul spielen und Provozieren wirklich nichts drauf hatten. Fünf Fouls in den ersten sechs Minuten zeigten von Beginn an recht deutlich, wie der Hase laufen sollte. Ermuntert wurden sie dazu allerdings durch Bundesliga-Schiri Kinhöfer, der, wie alle Erstliga-Schiris, die in die Regionalliga abkommandiert werden, erst mal ein wenig internationale Härte einfließen lassen wollte, und daher ein volles Dutzend gelbwürdiger Fouls zwar mit Freistößen, aber nicht mit Gelben Karten ahndete. Natürlich kam es, wie es kommen musste, kurz nach dem Wiederanpfiff griff er erstmals in die Brusttasche und verwarnte Marcus Feinbier – weil der sich über ein weiteres Foul beschwert hatte (als Kapitän!). Fußball ist schließlich ein Männersport. Dann aber, wie schon so oft in dieser Saison gesehen, drehte er richtig auf und zeigte eine Gelbe nach der anderen, einem Herrn sogar zweimal, Gelb/Rot für Dresdens Hauser nach 69. Minuten. Das war kein übles, noch nicht einmal ein taktisches Foul gewesen, er war einfach bei einem Zweikampf zu spät gekommen. In der ersten Halbzeit wäre er wohl mit einem Kopfnicken des Schiris davon gekommen, nun war das Maß voll. Ich frage mich immer wieder, wo die Herren Bundesliga-Schiris so etwas lernen.

Als Herber noch sein Glanzstück ablieferte, nämlich binnen drei Sekunden dreimal gegen Feinbier (aus 5 m), gegen Cakir (aus 3 m) und vor Adewunmi (1 m) zu retten, gab ich die Hoffnung so langsam auf. Wer solche Dinger nicht rein macht, der kann normalerweise zwei Stunden weiter spielen, ohne ins Tor zu treffen. Obwohl, einmal hatten sie ja getroffen, beim einzigen Fehler von Herber ließ der im Luftkampf einen Ball fallen, und Feinbier netzte ein. Schiri Kinhöfer pfiff Behinderung des Torwarts, obwohl dieser sich meilenweit außerhalb des 5-m-Raums befand. Etwas merkwürdig, gelinde gesagt.

Co-Trainer und „Chef für einen Tag“ Uwe Klein griff zum Äußersten, wechselte mit Cebe, Pusic und Wolf noch mehr Offensivdrang ein. Letzterer hatte in den ersten beiden Spielen des neuen Jahres gar nicht erst im Kader gestanden, zu schwach waren seine Trainingsleistungen gewesen. Deshalb war er wohl auch der letzte Spieler, der eingewechselt wurde, er kam erst in der 87. Minute. Schiri Kinhöfer ließ vier Minuten nachspielen, eigentlich zu wenig, denn die Dresdner hatten wirklich alles Menschenmögliche versucht, um Zeit zu schinden, dazu hatte es noch einige Verletzungsunterbrechungen gegeben. Und vielleicht wäre schon alles vorbei gewesen, wären die Dresdner nicht auf die intelligente Idee gekommen, mitten in der Nachspielzeit noch einmal zu wechseln, wobei sich keiner der Herren auf dem Platz zum Verlassen desselben aufgefordert fühlte. Es dauerte derart offenkundig lange, dass der Schiri nochmals ein paar Sekunden drauf packte. Die nutzte zunächst Torwart Herber mal wieder für eine spektakuläre Flugeinlage, mit der er ein Volleygeschoss von Ivan Pusic entschärfte. Letzte Ecke für Fortuna, von Feinbier nach innen gebracht, und da stand Denis Wolf, ca. 10 Meter vor dem Tor, nicht gerade als Kopfballungeheuer bekannt und vielleicht deshalb auch nicht so sehr von der Abwehr beachtet, die waren wohl mehr auf Torwart Kronholm fixiert, der schon seit zwei Minuten nur noch im gegnerischen Strafraum herumturnte. Und dieser Wolf, wie gesagt: erst in der 87. Minute eingewechselt, hielt die Rübe hin und zimmerte den Ball genau links oben in den Winkel, wo Herber beim besten Willen nicht mehr herankommen konnte. Es passte zu diesem Spiel, dass ausgerechnet einer der Kleinsten im Fortuna-Trikot per Kopf den Ausgleich markierte. Der war aber auch so was von verdient, das sieht man selten. Ich hab schon 1:1-Spiele von Fortuna gesehen, sowohl in der Arena als auch im Flinger Broich als auch im Rheinstadion, da war bei jedem Gottesdienst der katholischen Kirche mehr los. Diesmal war es die gerechte Belohnung für ein sehr gutes Spiel, und deshalb wurde der späte Ausgleichstreffer auch wie ein Sieg gefeiert. Obwohl es eigentlich zu wenig war. Ich hoffe nur, jemand redet den beiden Trainer-Uwes fürs nächste Mal die Nummer mit Jupp als linkem Verteidiger aus. Zum Glück hatte er nicht viel zu tun, seine Nervosität war allerdings unverkennbar, hinzu kam, dass der vor ihm im linken Mittelfeld postierte Albertz doch eher offensiv agierte und Adewunmi des Öfteren allein auf seiner Seite zurückließ. Dieses Experiment würde ich tunlichst nicht allzu oft wiederholen, es könnte auch mal gegen Mannschaften gehen, die auch Lust haben, nach vorne zu spielen, und die würden diesen Schwachpunkt schnell ausmachen und ausnutzen.

Noch eine Anmerkung zum befürchteten Gästeanhang: ca. 3.000 Dresdner waren unter den insgesamt 18.000 Zuschauern in der Arena, verhielten sich völlig friedlich und machten ordentlich Stimmung. Die erneut zu erwartende Geldstrafe für Fortuna resultierte vielmehr aus der Rauchentwicklung und dem Werfen von Gegenständen aus der Fortuna-Fan-Kurve, wahrscheinlich mal wieder durch absolute „Stimmungsexperten“, die sich anschließend wohl gratuliert haben mögen, dem modernen Fußball wieder einmal erfolgreich (und vor allem für sie kostenlos) die Stirn geboten zu haben. Im übrigen verwehrte Fortuna vor der Partie sowohl den Journalisten des ZDF als auch einem Kamerateam von „spiegelTV“ die Akkreditierung. Beide hatten Reportagen zum Thema „Gewalt unter Fußball-Fans“ drehen wollen, „spiegelTV“ wollte sogar im Dresdner Fan-Pulk mitreisen. Fortunas Geschäftsstellenleiter Paul Jäger lud die Fernseh-Teams mit der Begründung, dass es bei dem Spiel um Fußball gehe und den möglichen Chaoten kein Forum geboten werden sollte, offiziell wieder aus. Ein Schritt, den ich gut nachvollziehen kann. Und hinterher war die ganze Panikmache auch wieder völlig unnötig gewesen.


Das Unentschieden, das wie eine Niederlage aussah

Fortuna schloss ihre „Ost-Wochen“ am 10.03.2007 mit dem Spiel beim 1.FC Magdeburg ab. Zuvor gab es allerdings das, was irgendwann einmal fällig war, nämlich eine Ankündigung des DFB, dass bei nächsten Vorkommnis, an dem Fortuna-Fans beteiligt sein würden, nicht nur die übliche Geldstrafe (die jetzige wurde übrigens in fünfstelliger Höhe in Aussicht gestellt), sondern auch eine Platzsperre bzw. ein Geisterspiel fällig sein würden. Ich bin sicher, das Volk, welches so gerne Gegenstände auf den Rasen wirft, wird das auch nicht die Bohne jucken, und die Hüter der „wahren“ Fan-Kultur, die nur durch den Einsatz von Rauch & Pyro ein Fußballspiel genießen können, werden sich wohl auch nur temporär davon beeindrucken lassen. Ich gehe somit davon aus, dass wir in dieser Saison noch mindestens einmal vor leeren Rängen antreten dürfen. Und da darf doch mal eine Nachfrage erlaubt sein. Sicherlich gab es in den letzten Jahren zahlreiche Vorfälle bei Fortuna-Spielen, in denen die bereits genannten Tätigkeiten eine eher unrühmliche Rolle spielten. Und vielleicht ist die Androhung dieser geharnischten Strafe aus Sicht des DFB vielleicht sogar gerechtfertigt, nachdem sich trotz wiederholten Verhängens beeindruckender Geldstrafen nicht wirklich etwas gebessert hat. Aber da ich ein großer Fan von Gleichberechtigung bin, sei die Frage erlaubt, warum zum Beispiel Dynamo Dresden (jaja, ich weiß, immer auf die bösen Ossis, aber es ist nur das eklatanteste Beispiel, das mir auf Anhieb einfällt, andere Vereine dürfen sich genauso angesprochen fühlen) überhaupt noch Heimspiele vor Publikum austragen darf bzw. noch nicht an sechsstelligen Geldstrafen pleite gegangen ist. Wenn ich bedenke, dass bei unserem Gastspiel dort in jeder Ecke des Spielfelds Regenschirme bereit gelegt und von den Ordnern auch genutzt wurden, um unsere Spieler beim Ausführen von Eckbällen vor fliegenden Gegenständen zu schützen, wenn ich bedenke, welches „Liedgut“ dort manchmal aus den Fan-Blöcken erklingt, und wenn ich weiter bedenke, was dort so alles im Umfeld eines Spiels passiert, dann kann ich nur zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass der DFB hier mit zweierlei Maß misst. Besonders wenn man es unter dem Stichwort „Wiederholungstäter“ betrachtet, das ja zumindest in unserem Fall für den DFB doch eine gewisse Rolle zu spielen scheint. Vielleicht haben sie bei einigen Auswüchsen ja auch zuviel Respekt bekommen und fürchten, bei der Verhängung einer entsprechenden Strafe mal Besuch von einer Fan-Abordnung vor der eigenen Zentrale in Frankfurt zu bekommen? Etwas weit hergeholt, zugegeben, aber eine andere Erklärung habe ich derzeit wirklich nicht. Gleiche Behandlung von gleichen Sachverhalten sieht für mich jedenfalls anders aus.

Fortuna beendete ihre Ost-Wochen selbstverständlich mit einem Unentschieden, 2:2 hieß es nach 90 Minuten in Magdeburg. Was denn sonst. Somit sind wir endgültig die Remis-Könige der Liga, schon zehnmal gab es in dieser Saison eine Punkteteilung. Kurioserweise sind wir dadurch das Team mit den wenigsten Niederlagen. Kurios deshalb, weil uns dies nichts nützen wird. Nur mit Unentschieden steigt man nämlich dummerweise auch nicht auf, da kann man noch so selten verlieren.

Diesmal war es ein Unentschieden der etwas merkwürdigen Art. Zunächst glücklich, weil Magdeburg eindeutig mehr vom Spiel hatte. Besonders in der 2. Halbzeit holten sie den Hammer raus und spielten dermaßen druckvoll nach vorne, dass Fortuna nur noch selten überhaupt einmal hinten rauskam. Da sollte man mit einem Punkt schon sehr zufrieden sein. Besonders wenn man sich mal wieder die Verletztenliste anschaut, von den fehlenden Spielern der Vorwoche war lediglich Markus Anfang wieder dabei, und das auch nur auf der Bank, für 90 Minuten reichte es noch nicht, er wurde im Verlauf der 2. Halbzeit eingewechselt. Auch Trainer Weidemann musste vor seiner verschleppten Nasen-Nebenhöhlenvereiterung erneut kapitulieren, Co-Trainer Uwe Klein war wieder der Mann an der Linie. Insoweit sicherlich ein Punktgewinn.

Dass der sich – im Gegensatz zur Vorwoche – eher wie eine Niederlage anfühlte, lag an einer besonderen Konstellation zur Pause: da führte Fortuna nämlich mit 2:0. Und auch, wenn das nicht unbedingt verdient war, wenn man aufsteigen will, muss man in solchen Rumpelspielen auch mal eine Führung ins Ziel retten.

Natürlich war es Marcus Feinbier, der beide Treffer erzielen konnte, der hat momentan einfach einen Lauf und trifft alles. Kaum vorstellbar, wo wir stehen könnten, wäre er in der Hinrunde nicht drei Monate verletzt gewesen. Aber es ist müßig, darüber nachzudenken, denn auch in der feinbierlosen Zeit gab es einige Spiele, die man hätte gewinnen müssen, in denen man sich aber nur die Punkte teilte.

Das Besondere an den Treffern war, dass er sie im Abstand von 68 Sekunden erzielte. In der 37. Minute spielte Cebe am Sechzehner drei Gegenspieler schwindlig, steckte den Ball dann zu Feinbier durch, die Kugel wurde von einem Magdeburger noch abgefälscht und fiel dem Torjäger sogar noch passgenau vor die Füße, Flachschuss aus ca. 8 Metern ins kurze Eck, drin. Nach dem Anstoß eroberten die Fortunen sofort wieder den Ball, langer Pass auf rechts, wieder auf Cebe, der brachte die Pille volley in die Mitte, und da kam wieder Feinbier und nickte aus vollem Lauf und ungefähr zehn Metern Entfernung gegen die Laufrichtung von Torwart Beer ein. Feinbiers Gegenspieler, der ihn bis dahin absolut im Griff hatte, muss gedacht haben, er sei im falschen Film. So muss ein Stürmer agieren. Eigentlich ein tragischer Witz für uns, dass der Mann schon 37 Jahre alt ist.

Aber ein 2:0 heißt bei Fortuna ja noch gar nichts, besonders wenn man sich die Anschlusstreffer immer so früh fängt. Diesmal war es in der 55. Minute, und es war eine Premiere: Magdeburg spielt ja seit November 2006 in einer neuen, schmucken kleinen Arena und hatte in den zwei bis dato ausgetragenen Heimspielen dort noch keinen Treffer markieren können. Kullmann war derjenige, der die Kugel im Anschluss an eine Ecke im Gewühl aus kurzer Distanz über die Linie drückte, wobei das Gewühl so groß war, dass niemand genau sehen konnte, was eigentlich geschah. Aber auch das half Kullmann nicht, er wurde als Torschütze erkannt und muss daher nunmehr den Preis entgegen nehmen, der für das erste Heimtor des FCM im neuen Stadion ausgelobt war: eine Dauerkarte für die Heimspiele, und zwar für den Rest seines Lebens. Ich hoffe, er wird glücklich damit, werde aber trotzdem in den nächsten Wochen mal bei eBay reinschauen, was so an Tickets für Heimspiele des 1.FC Magdeburg angeboten wird...

Falls noch eine zweite Dauerkarte zur Verlosung stand, dann geht die nach Düsseldorf. Zwar ließ sich beim Ausgleich in der 77. Minute Sven Kubis enthusiastisch für ein besonderes Bravourstück feiern: er wurde eingewechselt, rannte nach vorne und köpfte 12 Sekunden nach seiner Einwechslung einen Freistoß zum 2:2 ein. Allerdings war es dann doch eher eine Eigentor von David Krecidlo, der den Ball raffiniert über Schlussmann Kronholm ins Netz hob. Wieder nix mit einem Sieg, die Remis-Könige waren wieder da. Wir schaffen das, und wenn wir selbst mit Hand anlegen müssen!

Wie gesagt, es war ein glücklicher Punkt, Torwart Kronholm hatte eigentlich seine erste große Bewährungsprobe, die Magdeburger ballerten aus allen Rohren, er musste allein dreimal gegen Spieler parieren, die frei vor ihm auftauchten. Bis auf eine Flanke, die er unterlief, machte er ein gutes Spiel und rettete der Mannschaft das Unentschieden.

Tja, und nu? Nu sind wir Tabellen-3., was momentan einen Aufstiegsplatz bedeutet, da auf Platz 2 weiterhin die Zweitvertretung des HSV steht. Aber hat das etwas zu bedeuten? Mitnichten, denn bis auf Platz 13 sind es nur unglaubliche 3 Punkte Vorsprung. So etwas hat man lange nicht gesehen, und mit den ganzen Unentschieden kann man sich aus diesem Pulk auch nicht besonders gut absetzen. Wenn man etwas mit dem Aufstieg zu tun haben will, sollten auch mal wieder Siege her. Im März wird es noch reichlich Gelegenheiten dafür geben, zunächst kommt am nächsten Samstag (17.03.) der punktgleiche Wuppertaler SV zum Nachbarschaftsderby nach Düsseldorf, anschließend geht es in den Signal-Iduna-Park, eines der schönsten zukünftigen Zweitliga-Stadien, zum Spiel bei Borussia Dortmund II (24.03.), das nächste Spitzenspiel dann am Mittwoch, 28.03., zuhause gegen den VfB Lübeck, und abgeschlossen wird der März mit der Partie am 31.03. bei unserem „Lieblingsgegner“ Werder Bremen II, gegen den wir noch nie gewonnen haben, der uns aber diesmal gerüchteweise das Weserstadion und nicht diesen Nebenplatz 11 als Spielort kredenzen will.

Es darf somit weiterhin nach oben geschaut werden, allerdings durchaus auch nach unten. Noch muss man sich auch auf Platz 13 keine Sorgen machen, im Aufstiegskampf nicht mehr eingreifen zu können. Ich schätze mal, Ende März wird dies nicht mehr der Fall sein, daher sollte man sich von solchen Tabellenregionen ab sofort tunlichst fernhalten, will man die Saison nicht bereits Anfang April wieder abhaken können. Also, Jungs: tut was! Am besten gewinnen. Nur mal so als Tipp.

Unentschieden sind doof, aber immer noch besser als nix, meint: janus