von Janus,10.9.2007
Und weiter geht’s! Aufgrund diverser englischer Wochen sind seit der letzten Zusammenfassung bereits wieder vier Meisterschafts- und ein Pokalspiel ins Land gegangen, ohne dass ich etwas zur besten Mannschaft der Welt, Fortuna Düsseldorf, geschrieben hätte. Und gerade momentan, wo ein Rekord nach dem anderen gebrochen wird, sollte man nicht zu lange warten, wer weiß, wie schnell man wieder solch erfreuliche Dinge berichten kann? Und wenn der Verein schon etwas Besonderes bietet, will ich mich auch nicht lumpen lassen: zusätzlich zur Zusammenfassung biete ich erst mal Einblick ins Allergeheimste: mein persönliches Tagebuch, schonungslos offengelegt! Mehr darüber am Schluss des Artikels. Aber nun lasst uns loslegen!

Spieler auf Fan-Spuren: Anreise aufregender als das Spiel

Am 25.08.07 ging es nach Cottbus, um die Zweite Mannschaft des einheimischen FC Energie zu begutachten, die erstmalig in die Regionalliga Nord aufgestiegen war. Aber halt, so ganz korrekt ist diese Angabe nicht. Die Mannschaft trat die Reise nämlich bereits einen Tag früher an – mit der Bahn. Wir haben also anscheinend nicht nur ein Team von gnadenlosen Abräumern, die einfach kein Gegentor kassieren wollen, dafür aber vorne zumindest ab und zu mal einen Treffer „zulassen“ – Gefahrensucher sind das auch noch. Ich glaube, soviel Mut hatte keine Fortuna-Truppe mehr, seit man im Jahr 2000 mal mit dem Zug zum Auswärtsspiel nach Leipzig reiste, sich ein 1:5 bei den Chemikern abholte und anschließend auf der Rückfahrt noch einen lustigen Ringelpiez inszenierte, in Gestalt von Abwehrrecke Guido Jörres und Geschäftsführer Paul Jäger, die sich im Speisewagen in die Haare gerieten. Dies war anscheinend zumindest für Jörres damals dermaßen bewusstseinserweiternd, dass er im Saison-Eröffnungsheft der nachfolgenden Spielzeit in einem obligatorischen Spieler-Fragebogen auf die ebenso obligatorische Frage: „Was war bisher deine außergewöhnlichste Begegnung?“ nicht mit der Sichtung irgendwelcher Promis zu vorgerückter Stunde in der Düsseldorfer Altstadt antwortete, sondern „Paul Jäger im ICE nach Düsseldorf“ nannte. Es muss also wahrlich beeindruckend gewesen sein.

Nun wollte man also die nicht so guten alten Zeiten aufleben lassen. Dass die Deutsche Bahn AG alles dazu beitrug, dass auch das richtige „event feeling“ einer normalen Zugfahrt aufkommen konnte, versteht sich von selbst. Lassen wir hierzu einfach einen Spieler zu Wort kommen. Linksverteidiger Fabian Hergesell wusste von der Hinfahrt Folgendes zu berichten:

„Das einzige positive an dieser Fahrt war wohl das Ergebnis.

Ich habe mir diese Reise schon vorher sehr anstrengend vorgestellt, dass sie aber letztendlich so anstrengend wird hätte wohl keiner gedacht. Es begann schon mit der Hinfahrt. Eigentlich kann man sich eine 1. Klasse Bahnfahrt mit dem ICE ganz entspannt vorstellen.... wie gesagt... eigentlich, denn was wir für eine Bahnfahrt erlebt haben erinnerte eher an einen Aufenthalt in der mongolischen Wüste Gobi... der Grund: Die Klimaanlage streikte die ganze Fahrt über. Als wir dann endlich in Berlin angekommen waren und in den Express nach Cottbus einstiegen, gab es wieder ein neues Problem. Der Zug war unglaublich voll von Pendlern, so dass ich den Großteil der 1 _ Stunden im Stehen verbringen musste... aber wenigstens ein Stehplatz in der 1. Klasse!

Wir waren froh als wir endlich im Hotel angekommen waren und uns von den Strapazen der Reise erholen konnten. An dem Hotelaufenthalt war dann zum Glück nichts zu bemängeln.

Doch die nächste Strapaze wartete dann unmittelbar vor dem Spiel auf uns. 12.35 Uhr sollten wir von dem bestellten Reisebus abgeholt werden, der uns dann zum Stadion bringen sollte. Daraus wurde leider nichts und so warteten wir bis 13 Uhr auf den Bus. Um die Wartezeit dann wenigstens ein bisschen nutzen, begann unserer Physio Mauri schon mal mit dem Tapen. Als Liege wurden dann kurzzeitig die Gartenmöbel des Hotels genommen. Der Bus kam also dann mit 25 Minuten Verspätung, aber das Härteste war dann noch, dass das gar kein normaler Reisebus war, sondern ein Linienbus. Dass wir nicht noch Tickets ziehen mussten war alles...

13.15 Uhr waren wir dann endlich am Stadion... eine Spielvorbereitung, die nicht schlechter hätte laufen können. ...“ (www.fabianhergesell.de)

Für die 1. Klasse ICE bezahlen, dafür 35 Grad Reisetemperatur bekommen, weil die Klimaanlage streikt, anschließend im Regionalexpress weiterfahren, bei dem der Kenner weiß, dass das Wort „express“ durchaus humorig aufzufassen ist, und der natürlich (an einem Freitag!) knüppelvoll ist, sodass man keinen Sitzplatz mehr erhält – alles im grünen Bereich, bei der Bahn, so und nicht anders kennt man sie. Dass der Fabian dies überhaupt erwähnt, zeigt eindeutig die Verweichlichung von Fußballspielern im täglichen Leben! Da wird sich beklagt, anstatt froh zu sein, dass die Bahn ihm etwas bietet, das er so schnell nicht wieder erleben wird, nämlich aufgrund seines Stehplatzes quasi zu Fuß von Berlin nach Cottbus zu gelangen! Vielleicht sollte man dankbarer sein. Und dass sich die einheimische Organisation nathlos anschließt und erst gar nicht, dann aber wenigstens noch mit einem Linienbus anrückt, rundet diese aufregende Tour nur standesgemäß ab! Und das hat nix mit dem „Wilden Osten“ zu tun – solche Bahn- und Busverbindungen kriegt man nun wirklich in jedem Landesteil geboten. Ich finde es aber gut, auf der Homepage eines Spielers mal solch einen ausführlichen Bericht zum Spiel zu lesen. Eine nette Abwechslung zu all den „Nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen“, “Gekämpft bis zum Schluss“ und „Wir haben eine prima Truppe, die charakterlich intakt ist“ (vorzugsweise nach einem 0:6) oder ähnlich bedeutungsvolle Worte, die man im Regelfall zu sehen bekommt.

Also, nach dieser durchaus der Liga entsprechenden drittklassigen Anreise (zu erstklassigem Preis natürlich, da hat sich die Bahn noch nie lumpen lassen), konnte man, frisch gartenmöbelgetaped, ans Werk gehen. Übrigens weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nur 716 Zuschauer wollten das Spiel sehen. Und die Fortuna-Fans, für die es die weiteste Anreise der Saison bedeutete, waren sogar noch in der Überzahl, mehr als 400 tummelten sich im Stadion der Freundschaft. Das Interesse der einheimischen Vereinsanhänger tendierte also wieder mal gegen Null, auch wenn hier sicherlich bedacht werden muss, dass die Erste Mannschaft von Energie zur selben Zeit in Dortmund antreten musste. Trotzdem immer wieder traurig, wie wenig Interesse doch so eine Zweite Mannschaft weckt. Aber sie müssen nun mal mitspielen, weil sie es nun mal müssen. Sagen sie jedenfalls immer.

Okay, an jenem Nachmittag verpassten diejenigen, die keine Lust auf den Kick ihrer Zwoten hatten, nicht wirklich viel. Es war kein gutes Spiel, aber Fortuna zeichnet aktuell halt aus, dass man solche Spiele mit nur einem Geniestreich nach Hause bringt. In diesem Fall wurde der Geniestreich bereits in der 16. Minute zelebriert: ein Freistoß ca. 20 Meter vor dem Gehäuse der Lausitzer, und Markus Anfang ballert nicht einfach drauf, sondern schiebt auf Marco Christ, der direkt in den Strafraum auf Axel Lawaree weiterleitet. Zack, mit zwei Flachpässen Mauer und komplette Abwehr des Gegners ausgehebelt. So etwas kenn ich auch noch nicht von Fortuna. Lawaree scheiterte zwar noch mit seinem Schuss am sehr guten reagierenden Cottbuser Keeper Männel, aber Mannschaftskapitän Andreas Lambertz (trug die Binde für den zur Abwechslung verletzten Henri Heeren) machte den Abpraller aus 10 Metern rein und erzielte damit das Tor des Tages. Denn ansonsten tat sich nicht mehr viel auf dem Rasen. Fortuna kontrollierte über weite Strecken das Spiel, ohne zu glänzen, hatte auch noch einige gute Gelegenheiten, die Führung auszubauen, zwischendurch muckten die kleinen Lausitzer mal durchaus gefährlich auf, aber Melka konnte einen Kopfball hervorragend parieren, ein anderes Mal hatte er Glück, als Kozar Junior mit einem sehr schönen Schuss aus 16 Metern nur den Außenpfosten traf. Mehr gab es eigentlich nicht. Am Auffälligsten vielleicht noch Robert Palikuca. Nachdem im Essen-Spiel bekanntlich Ahmet Cebe und Jens Langeneke die Partie mit Turbanen beendet hatten, und Cebe in Wuppertal ebenfalls mit Turban des Feldes verwiesen worden war, überraschte der Pali mit einer neuen Variante: er trug eine Gesichtsmaske, da er sich in der Woche zuvor bei einem unglücklichen Zusammenprall mit Torwart Melka das Nasenbein gebrochen hatte. Dass er kein Weichei ist, bewies er gleich in doppeltem Sinne: er lief nicht nur auf und spielte durch, er entledigte sich auch der Maske nach 10 Minuten auf dem Spielfeld und beendete damit Fortunas Ausflug in die Haute Couture. Der Gesichtsschutz hatte sein Sehfeld zu sehr eingeengt.

Fortuna feierte den dritten 1:0-Auswärtssieg am Stück und erklomm mit diesem Spiel tatsächlich die Tabellenführung, zum allerersten Mal in der Regionalliga Nord überhaupt! Mit dem Mörder-Torverhältnis von 5:0 dreizehn Punkte aus fünf Spielen gemacht – auch das dürfte ein Rekord sein. Wen juckt da noch die Deutsche Bahn?

Maximaler Aufwand für minimalen Erfolg

Weiter ging es bereits am 29.08.07 mit der ersten Runde des Verbandspokals beim Linner SV. Die kommen aus Krefeld und sind Landesligist. Im Jahr 2003 hatte Fortuna dort mal ein Testspiel in der Sommerpause ausgetragen, ein sehr idyllisch gelegener Sportplatz in Sichtweite der Burg Linn mit ordentlich „Kaffee-und-Kuchen-Potential“. Da so was für einen gnadenlosen Pokalfight ja nicht angehen kann, zogen die Linner in die Krefelder Grotenburg um. Der Grotifant konnte leider nicht gesichtet werden, dabei spielt Grotifantenschlächter Carsten Nulle gar nicht mehr bei uns, er hätte also gefahrlos auflaufen können. Trainer Weidemann ließ größtenteils die Spieler auflaufen, die noch nicht oder nicht sehr oft in der Ersten Mannschaft zum Einsatz gekommen waren. Das reichte dann auch zu einem glanzlosen 2:0-Sieg durch Tore von Kastrati und Costa. Wobei man sagen muss, dass die Linner überraschend gut dagegen hielten und die Fortuna-Null des diesmal von Michael Ratajczak gehüteten Tores doch kurzfristig in Gefahr geriet. Aber es ging alles gut, und so wartet als nächster Pokalgegner der SV Viktoria Goch vom Niederrhein auf unsere Nullinger.

Am 01.09.07 kam der Hamburger SV II zum Gastspiel in die LTU-Arena. Das konnte ja nur langweilig werden. Fortuna mit fünf Toren in fünf Spielen und ohne Gegentor, der HSV mit fünf Toren in fünf Spielen und viermal ohne Gegentor. Das versprach einen spätsommerlichen (in diesen Breiten somit: einen frühherbstlichen) Gähner. Das letzte Aufeinandertreffen beider Teams knapp drei Monate zuvor war eh nicht zu toppen. Fünf Tore, vier Platzverweise, Siegtreffer in der 90. Minute – nein, ich konnte mir nicht vorstellen, dass es da noch mehr geben könnte. Zumal der Schiri diesmal nicht Kuno Fischer aus Ostfriesland war, sondern Babak Rafati aus der Bundesliga. Da hatte sich der DFB wohl gedacht, schicken wir mal einen Bundesliga-Schiri, das kann bei der letzten Partie ja nur Mord und Totschlag gewesen sein. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich damals kein Schiri-Beobachter ins Stadion verirrt hatte. Um es gleich vorweg zu nehmen: es blieb so friedlich wie einst im Mai, und zum Glück war es dem Schiri auch nicht zu langweilig, sodass das Spiel diesmal tatsächlich mit 22 Mann auf dem Feld beendet wurde.

Fortuna gewann schon wieder 1:0 und festigte damit ihre Tabellenführung. Aber was heißt: schon wieder? Schließlich war es das erste 1:0 der Saison vor heimischem Publikum! Sage noch einer, wir würden nichts Neues bieten! Wer angesichts von 16 Punkten mit 6:0 Toren jetzt aber zwangsläufig von „Minimalisten der Liga“ spricht, der hat mal eindeutig das Spiel nicht gesehen. Minimal war daran nämlich nur das Ergebnis, welches ungefähr zwei bis drei Tore zu niedrig ausfiel. Fortuna schnürte den HSV über weite Strecken ein und machte Druck. Der Gegner kam gar nicht auf die Idee, überhaupt ein Tor erzielen zu wollen. Der einzige (!) Torschuss, den der HSV seinen mitgereisten 28 Fans bieten konnte, war ein 35-Meter-Freistoß in der ersten Halbzeit, als der Schütze in Ermangelung von Mitspielern im gegnerischen Strafraum direkt selbst aufs Tor bzw. knapp vorbei drosch. Ansonsten war Fortuna-Keeper Melka arbeitslos, und so stand hinten weiterhin die Null.

Vorne leider auch, obwohl man den Gegner zeitweise in dessen eigener Hälfte einmauerte, 13:1-Ecken sprechen eine deutliche Sprache. Aber es wurde so manch gute Möglichkeit versiebt oder vom starken HSV-Keeper Höcker vereitelt. Man konnte schon langsam verzweifeln – bis zur 84. Minute. Da drang der inzwischen eingewechselte Bekim Kastrati links in den Strafraum ein, legte die Kugel an die Strafraumgrenze zurück zu Andy Lambertz, und der Kapitän (trug die Binde für den zur Abwechslung verletzten Henri Heeren) ließ vom linken Strafraumeck einen Hammer los, der rechts genau in den Winkel passte. Ein Traumtor, Philip Lahm und das erste WM-Tor gegen Costa Rica lassen grüßen! Natürlich ein Sonntagsschuss, natürlich ein bisschen Glück dabei, aber so was von verdient gegen die hanseatischen Betonmischer! Und wieder ausgerechnet durch „Lumpi“ Lambertz. Nach dessen doch eher durchwachsenem Saisonstart hatten viele Fans vor dem Cottbus-Spiel schon gefordert, dem doch mal eine Ruhepause auf der Bank zu gönnen. Zum Glück liest Trainer Uwe Weidemann im Forum wohl eher nicht mit, er hielt an Lambertz fest, und Lumpi avancierte in den beiden Spielen gegen Cottbus und Hamburg zum Matchwinner. Kurz vor Schluss hätte ausgerechnet der ebenfalls eingewechselte Ex-HSVer Oliver Hampel noch das hoch verdiente 2:0 nachlegen können, aber nachdem er prima von Axel Lawaree frei gespielt worden war, scheiterte auch er aus kurzer Distanz an Torwart Höcker. Zum Glück war dies bedeutungslos, denn kurz darauf pfiff der Schiri ab, und Fortuna hatte die Tabellenführung verteidigt. Und wie verdient das war, zeigt das Statement von HSV-Fußballgott Karsten Bäron nach dem Spiel, der nicht nur aufgrund dieser Aussage für mich eine der sympathischsten Figuren ist, die in der Regionalliga an der Seitenlinie herumlaufen. Als ehemaliger Stürmer hat er natürlich etwas für ausgefallene Tore übrig, was ihn beim Siegtreffer von Lambertz dann fast schon ins Schwärmen geraten ließ. So bezeichnete er es natürlich als „Glücksschuss“, aber auch als „Tolles Tor“, um sich dann zu korrigieren: „Naja, soooo toll fand ich das natürlich nicht, aber für die Zuschauer war es schön anzusehen.“ Viel wichtiger für uns war natürlich, dass er von einem verdienten Sieg sprach und davon, dass seine Mannschaft noch Glück gehabt hatte, nur ein Gegentor zu kassieren. Auch so etwas hat man in Düsseldorf lange nicht gehört.

Und dann gab es noch etwas bei diesem Spiel, das hatte man lange nicht gesehen, um genau zu sein: noch nie. 11.263 Zuschauer sorgten dafür, dass erstmals bei einem Fortuna-Heimspiel gegen eine Zweitvertretung eine fünfstellige Zuschauerzahl anwesend war. Und die dürften sich auch bestens unterhalten gefühlt haben, denn bis auf die Torausbeute war es doch streckenweise ein recht flottes Spiel. Und die Null stand immer noch...

Apropos „bestens unterhalten“: das bin ich in letzter Zeit auch immer, wenn ich die Berichterstattung zur Regionalliga verfolge. Da wird nicht viel Federlesens gemacht, schon gar nicht, was die Recherche betrifft. Im kicker war von 11:1 Ecken die Rede, diese ungefähre Zahl stammt aus einem Interview mit Uwe Weidemann nach dem Spiel, als er sagte: „Ich glaube, wir haben so um die 11:1 Ecken rausgeholt“. Das wurde mal gleich übernommen, zum Selberzählen hatte man beim kicker wohl keine Lust. Da fragt man sich natürlich, warum sie es überhaupt erwähnen mussten. Um zu verdeutlichen, dass es sie nicht interessierte?

Noch besser die Kollegen vom reviersport. Bei der Benotung der einzelnen Spieler ließen sie gleich mal Marco Christ unter den Tisch fallen, Fortuna hatte somit die komplette Partie mit zehn Mann bestritten und gewonnen. Dafür Respekt! Außerdem wandelte die Zeitung das 1:1 von Erfurt in Babelsberg in einen 1:0-Sieg der Thüringer um (faktisch unmöglich, da Babelsberg 1:0 in Führung gegangen war) und setze Erfurt an die Tabellenspitze – was auch bei einem Sieg aufgrund der Punktzahl gar nicht möglich gewesen wäre. Wie gesagt, wenn’s einen nicht interessiert, dann sollte man es auch tunlichst ganz lassen.

Aber was soll’s? Solange man sich derart ignoriert quasi heimlich an der Tabellenspitze festsetzen kann – umso besser. Also gerne mehr davon!

Wieder eine Doppelnull in Dresden

Und direkt die nächste englische Woche. Am 05.09.07 ging es mal wieder in den Osten der Republik. Dynamo Dresden wartete. Allerdings wurde zuvor noch einmal personell nachgerüstet. Just zum Ende der Transferperiode, am 31.08.07, konnte man Olivier de Cock vom FC Brügge ausleihen. Der ist 32 Jahre alt, hat die letzten 27 Jahre in Brügge gespielt, und das nicht nur in der F-Jugend, sondern auch in der Champions League. Natürlich ist de Cock ein Verteidiger, in diesem Mannschaftsteil brennt es bekanntlich seit Beginn der Saison lichterloh. Leider traf die Spielgenehmigung nicht rechtzeitig ein, so einen gestandenen Glatzkopf mit ordentlichen Blutgrätsche-Qualitäten kann man in Dresden ja immer gebrauchen, egal ob auf dem Feld oder daneben.

Dynamo ist sicherlich nicht gerade ein sportliches Leichtgewicht, aktuell allerdings etwas holprig in die Saison gestartet, bis dato auch mit einem lustigen Torverhältnis, nämlich 3:3 nach fünf Spielen. Was bei so einem Spiel rauskommt, war ebenso klar wie am Wochenende zuvor – ein 0:0, genau wie im Vorjahr.

Ein ebenso gerechtes wie verdientes Unentschieden vor 10.000 Zuschauern. Chancen gab es auf beiden Seiten, aber beide Torhüter hatten einen guten Tag erwischt und zeigte einige Glanzparaden. Der Herr im Dresdner Tor, Oliver Herber, war uns ja noch bestens aus diesem unglaublichen Spiel im März bekannt, als er bis zur 93. Minute wirklich alles hielt, was auf sein Tor kam. Nun, diesmal gab es nicht ganz so viel zu tun, dafür hielt er auch seinen Kasten sauber, und als er einmal chancenlos gewesen wäre, bei einem Kopfball von Palikuca, da rettete Penksa auf der Linie. Und als er noch einmal geschlagen war, nach einem Kopfball von Lawaree kurz nach Beginn der 2. Halbzeit, da rettete die Latte, und damit stand das Unentschieden, da auch Melka einige Male gegen Penksa und Jungnickel prächtig reagierte. Fortuna spielte die letzten 10 Minuten zwar noch in Überzahl, nachdem Dresdens Kapitän Stocklasa ein Witz-Rot kassiert hatte, aber wirklich Zwingendes kam nicht mehr dabei rum.

Es war ein torloses Unentschieden der besseren Art, es war viel Bewegung drin. In der Kapitänsbinde der Fortunen übrigens auch. Zunächst trug sie Henri Heeren, der mal wieder mitspielen konnte. Als dieser in der 74. Minute gegen Kastrati ausgewechselt wurde (ja, Uwe Weidemann brachte einen Stürmer für einen Defensivspieler, obwohl wir nicht zurücklagen – in dieser Saison scheint wirklich alles zu gehen, was zuvor unvorstellbar erschien), wanderte sie zu Andy Lambertz, wie gehabt. Als dieser dann zehn Minuten vor Spielende vorsichtshalber ebenfalls ausgetauscht wurde, weil er nach dem Platzverweis gegen Stocklasa als nächster Gelb/Rot-gefährdet war, übernahm Markus Anfang den Stofflappen. Ja, eine Kapitänsbinde kann schon mal viel erzählen, wenn alles vorbei ist! Was kurz darauf der Fall war - Ende, aus, 0:0 – Fortuna weiter ungeschlagen und ohne Gegentor, weiterhin Tabellenführer. Verfolger Wuppertaler SV putzte zur selben Zeit den VfL Wolfsburg II mit 7:2 und erzielte somit in einem Spiel mehr Tore, als wir bis dato in der gesamten Saison, aber wen juckt das schon – einen Punkt mehr hatten weiterhin wir.

Keiner schießt ein Tor in Düsseldorf!

Zum Abschluss der beiden englischen Wochen kam am Samstag, 08.09.07, der Aufsteiger SC Verl. Die waren auch mit Vorsicht zu genießen. Zwar hatten sie bis dato nur 6 Punkte auf dem Konto – aber die hatten sie allesamt auswärts geholt. Nach dem Spiel fragte man sich erstaunt, wie sie das denn fertig gebracht hatten. Die waren mit Abstand das Harmloseste, was bislang in dieser Saison gesichtet werden konnte.

Fortuna-Trainer Weidemann überraschte mit der Dresden-Aufstellung, das heißt, nur eine Spitze (Lawaree), dahinter ein „Hänger“ (Cebe), mit Heidinger, Kastrati und Erwig saßen drei gelernte Stürmer auf der Bank. Eine etwas vorsichtige Variante beim Heimspiel gegen einen Aufsteiger, dachte ich noch – da klingelte es auch schon im Verler Kasten. Fortuna hatte die Ostwestfalen schnell unter Druck gesetzt, zwei kleinere Chancen versiebt, und dann mit etwas Glück in der 16. Minute ein frühes Führungstor erzielt: nach tollem Direktspiel auf der linken Seite von Heeren über Lawaree auf Lambertz, hatte dieser den Ball flach in den Strafraum gespielt, wo Marco Christ heran rauschte. Er versuchte sich aus ca. 10 Metern mit einem Schlenzer, der Ball wurde noch etwas abgefälscht, knallte unter die Latte – und dann glücklicherweise eindeutig hinter die Torlinie, bevor er wieder ins Feld flog. Der Schiedsrichter entschied sofort auf Tor und lag damit, wie die Fernsehbilder belegten, eindeutig richtig. Es gab auch keine Proteste der Verler.

Endlich mal ein frühes Tor! Aber anstatt jetzt ein wenig befreit Ball und Gegner laufen zu lassen, schaltete die Mannschaft einen Gang zurück, und lieferte für den Rest der ersten Halbzeit größtenteils eine Gurkenleistung ab. Fehlpässe, Standfußball, Zeitlupenangriffe – alles schon mal gesehen, ist noch gar nicht so lange her. Aber im Gegensatz zur letzten Rückrunde konnte man sich dies zum Glück auch leisten, denn Verl war so harmlos, die bekamen überhaupt nichts auf die Reihe und wussten mit den Freiheiten, die sie besonders im Mittelfeld zu verzeichnen hatten, absolut nichts anzufangen.

In der Pause weckte der Trainer die müde Truppe dann mal kurz auf und siehe da, es ging doch! Binnen drei Minuten knipsten sie den Aufsteiger aus, benötigten allerdings zunächst die Mithilfe des Schiris: in der 58. Minute kapitaler Bock von zwei Verler Abwehrspielern am eigenen Sechzehner, der eine spielt zu kurz zum anderen, der andere geht nicht entschlossen genug zum Ball. Cebe grätscht dazwischen, rappelt sich auf, wird von seinem Gegenspieler am Trikot gezogen, aber ein Cebe hechtet sich bei solchen Situationen schon automatisch bis in den Strafraum. Der Schiri pfeift und läuft zum Ort des Geschehens, zeigt Freistoß von der Strafraumgrenze an. Ein anderer läuft allerdings auch, und zwar der Schiri-Assistent von der Seiten- zur Torauslinie. Wie man es als Assistent halt macht, wenn es Elfmeter gibt. Kurzer Blickkontakt zwischen den Unparteiischen, und der Schiri schwenkt in den Strafraum ein und erweitert seine Entscheidung auf Strafstoß.

Nicht nur umstritten, sondern auch falsch, denn ein Foul konnte man nur mit gutem Willen erahnen. Aber wenn man das Trikotzupfen dann doch pfeift, hätte es Freistoß geben müssen, denn die Aktion erfolgte vor dem Strafraum. Der Schiri hatte also richtig gesehen, sich aber von seinem Assistenten überzeugen lassen. Glück für uns. Lawaree machte den Ball rein – 2:0.

Zwei Minuten später tauchte Cebe nach einem langen Pass von Christ völlig alleine vor dem Verler Torwart auf, war aber anscheinend so verblüfft darüber, nicht im Abseits zu stehen, dass er sich im Abschluss verhedderte und einen Kullerball aufs Tor losließ. Aber nur eine Minute später zeigte er, dass er im Gegensatz zur Abwehr des Aufsteigers durchaus lernfähig ist: wieder ein langer Ball auf ihn im Strafraum, wieder kein Abseits, vier Verler Abwehrrecken schauen gleichzeitig zum Assi, der zeigt deutlich „Weiterspielen“ an, alle vier bleiben trotzdem stehen. Ich nehme an, in solchen Situationen platzt dir als Trainer innerlich der Kragen. Und Cebe erinnert sich daran, was er erst kurz zuvor aus identischer Situation gemacht und schiebt den Ball lieber quer am Keeper vorbei auf Axel Lawaree, der im Gegensatz zu den Abwehrspielern nicht stehen geblieben ist. Dieser vollstreckt seinen zweiten Treffer an diesem Tag ins leere Tor – 3:0, die Entscheidung. Ein Kantersieg!

Anschließend spielte man die Partie im Schongang zu Ende, hätte noch eins nachlegen können, beschränkte sich aber darauf, Keeper Melka einen neuen Rekord zu kredenzen: die alte Bestmarke eines Torwarts bei Fortuna stand bei 708 Minuten ohne Gegentor, aufgestellt in der Saison 1992/93 von Jörg Schmadtke in der 2. Liga (übrigens: Fortuna stieg trotzdem ab, wie eigentlich immer damals). In der 79. Minute des Verl-Spiels stand Michael Melka dann auch endlich in den Fortuna-Annalen. Und das, nachdem er sieben Jahre in Gladbach gespielt bzw. nicht gespielt hatte! Nach dem Spiel steht er nun bei 720 Minuten ohne Gegentreffer. Im Spiel selbst bekam er eigentlich nur einen einzigen Ball gefährlich aufs Tor, einen Freistoß von Dayangan in der 88. (!) Minute. Er hielt auch diesen und damit erneut die Null. Es gab schon schwierigere Partien für ihn – im gesamten Spiel hatte er genau sieben (!) Ballkontakte. Und natürlich ist diese Serie auch ein Verdienst der hervorragenden Abwehr, die mit dem Belgier de Cock, der auch am Samstag noch nicht spielte, hoffentlich noch verstärkt werden kann. Herzlichen Glückwunsch zum neuen Fortuna-Rekord, Herr Melka! So schnell kann’s halt gehen, dass man vom ungeliebten Bankdrücker in Ostholland zum Helden im Fortuna-Dress werden kann. Wann wird ein Fortuna-Torwart je wieder eine solche Serie hinlegen? Ich kann sagen: ich war dabei! Und bin dabei, denn noch lässt ja das erste Gegentor weiter auf sich warten. Hoffentlich noch möglichst lange.

Schlussworte oder auch nicht

Fortuna somit nach acht Spieltagen weiter Tabellenführer mit 20 Punkten (sechs Siege, zwei Remis) und einem Torverhältnis von 9:0. Auch hierfür kann man sich am Ende der Saison genau gar nix kaufen, deshalb hier auch die Zahl, die zunächst mal wirklich wichtig ist: 10 Punkte Vorsprung auf Abstiegsplatz 11. Und das nach acht Spieltagen, phänomenal. Da darf man gespannt sein, wie es weitergeht. Zumal es derzeit doch recht kurios zugeht in der Regionalliga. Da hat Fortuna mit neun Toren 20 Punkte gemacht, Kickers Emden mit acht Treffern 15 Zähler. Der Wuppertaler SV hat bereits 24mal eingenetzt, deutlich mehr als beide Teams zusammen. Trotzdem gibt es dafür auch nur 19 Punkte, im Gegensatz zu den 35, die Fortuna und Emden mit ihrer Torausbeute erreicht haben. Solange die Abwehrreihen gut stehen, zahlt sich also Effizienz im Sturm derzeit noch aus. Auch kurios Dynamo Dresden mit ihrem Torverhältnis von 5:4. Kurios deshalb, weil Pavel Dobry alle fünf Treffer für die Elbflorenzer erzielt hat. Nicht auszudenken, wenn der tschechische Torjäger mal ein Hüsterchen bekommt! Ich glaube, das ist auch ein Rekord.

Fortuna hat mit ihren neun Treffern übrigens genau so viele Buden gemacht wie Zweitliga-Absteiger Eintracht Braunschweig. Kleiner Schönheitsfehler für die Norddeutschen: Fortuna ist Erster, Braunschweig Letzter. Ein kolossaler Fehlstart der Blau-Gelben mit nur zwei Unentschieden und fünf Niederlagen sorgt dafür, dass Braunschweig bereits jetzt acht Punkte Rückstand auf Platz 10 hat. Und während sich RW Essen nach seinem Fehlstart gefangen und immerhin schon neun Zähler auf dem Konto hat, wurde der Verein in Braunschweig während einer Demo von den eigenen Anhängern schon mal symbolisch beerdigt. Anschließend ließ man sich zuhause vom WSV 1:4 vermöbeln und hatte noch Glück, dass es nur vier Stück waren. Da sind schwere Zeiten angesagt.

Einen Bestpreis gibt es natürlich auch noch, der glückliche Gewinner ist Werder Bremen II. Die verlegten nämlich mal wieder eine Partie, diesmal die vom 05.09. gegen Kickers Emden. Begründung: sie mussten drei Spieler für das U20-Länderspiel gegen Österreich abstellen. Was für eine unmenschliche Belastung, denn wie jeder weiß, verfügt Bremen II nur über einen Kader von 11 Spielern, sodass eine Absage mit dieser Begründung zwingend erforderlich war. Zumal einer der drei Spieler auch noch Kevin Schindler war. Über den habe ich vor einigen Wochen mal gelesen, dass er vermehrt ins Training der Profis einbezogen werden und dort auch spielen soll. Aber wenn es für eine Spielverlegung gut ist, wird er eben fix wieder zur Zwoten dazu gezählt. Das ist ja einfach! würde Boris Becker enthusiastisch ausrufen. Den Bestpreis kassieren die Bremer nunmehr allein schon deswegen, weil sie jetzt schon die ungekrönten Könige der kuriosen bis lächerlichen Spielverlegungen 2007 sind. Man erinnere sich: im Februar konnte man nicht gegen den FC St. Pauli spielen, weil der Nebenplatz 11 zu klein für die Gästefans war und im großen Weserstadion nicht gespielt werden durfte, weil der Rasen geschont werden musste. Da verlegte man die Partie kurzerhand um zwei Monate. Am ersten Spieltag dieser Saison hatte man auch keine Lust und verlegte das Spiel gegen den 1.FC Magdeburg kurzerhand um einen Monat, weil aufgrund von Umbaumaßnahmen am Platz 11 nicht genügend Parkplätze zur Verfügung gestanden hätten. Bei den sicherlich zu erwartenden Besucherströmen bei dieser Partie ja auch durchaus nachvollziehbar. Und nun musste man also zwei, wahlweise drei Spieler ersetzen und argumentierte wahrscheinlich damit, dass der Zwoten nur Recht sein kann, was der Ersten billig ist – schließlich spielen Erste und Zweite Liga ja während der Länderspielpause auch nicht. Drei Knüller binnen sieben Monaten – aber da sie stets mit allem beim DFB durchkommen, der wohl wirklich nur noch diensteifrig abnickt, wenn ein Bundesligist mal was von ihm will, kann man eigentlich nur sagen: Respekt! Ob vor soviel Umsicht oder Unsportlichkeit, möge jeder für sich selbst entscheiden.

Ach ja, ein Nachholtermin für das Spiel gegen Emden steht selbstverständlich noch nicht fest. Eilt ja auch nicht. Und ich bin schon gespannt auf die nächste Ausrede, wenn sie an der Weser mal wieder grad keine Lust haben.

Zum Abschluss dieser Analyse muss ich allerdings noch Abbitte leisten. Habe ich doch einige Seiten zuvor sinngemäß geschrieben, die Regionalliga würde in der Berichterstattung nur wenig beachtet werden. Das war natürlich ein Trugschluss, wie ich noch am Abend des Verl-Spiels herausfand. Da gab es das EM-Qualifikationsspiel Wales gegen Deutschland im Fernsehen, und Bundestrainer Jogi Löw, selbstverständlich bekannt dafür, nur nach Leistung aufzustellen, wechselte mal eben einen gewissen Lukas Podolski ein, den er in der Woche zuvor ins Aufgebot berufen hatte. Dessen Arbeitsnachweis in dieser Saison zur Rechtfertigung seiner Nominierung: zwei Einsätze in der Regionalliga Süd bei Bayern II. Das finde ich prima, dass auch so junge Talente mal eine Chance bekommen, da wird ja wohl ein Späher des DFB-Trainerstabs den aufstrebenden Spieler in der Dritten Liga beobachtet haben. Von wegen keine Beachtung! Zwar spielte Bayern II mit Herrn Podolski 0:0 in Unterhaching und 0:1 gegen die Stuttgarter Kickers, aber er muss schon ordentlich Akzente gesetzt haben. Ansonsten hätte man ihn doch wohl kaum nominiert und andere dafür zuhause gelassen, oder? Und am Mittwoch beim Freundschaftsspiel gegen Rumänien in Köln – in seinem Köln, wie der Reporter des Wales-Spiels schon mal unmissverständlich klar stellte –, da wird er hundertprozentig auch auflaufen, da er dort ja über die zusätzliche sportliche Qualifikation „Publikumsliebling“ verfügt. Sauber. Vielleicht ergibt sich ja beim nächsten Spiel in Düsseldorf dann auch mal die Gelegenheit, einen Fortunen ins Team einzubauen. Leider keine Chance wird Claus Costa bekommen, der ist nämlich definitiv schöner als Olli Bierhoff, und so etwas geht gar nicht im Nationalteam. Obwohl er in puncto Spielpraxis in der Regionalliga fast an Herrn Podolski heranreichen würde.

Aber was reg ich mich darüber auf, dass everybody’s darlings in diesem Land noch nicht mal spielen müssen, um sich (symbolisch gesehen) den Adler überstreifen zu dürfen, er ist schließlich nicht der Erste dieser Sorte. Und außerdem ist das Regionalliga Süd, die ist in dieser Saison für uns noch völlig uninteressant. Und wenn wir fleißig so weiterpunkten können wie bisher, werden die Vereine aus jener Liga uns nächste Saison auch nicht interessieren. Der Weg ist lang, aber wir sind derzeit gut dabei. Hoffen wir, dass es auch so bleibt. Entscheidend wird dabei sein, wie sich die Mannschaft präsentiert, wenn wirklich mal ein Gegentor kommt. Bzw. wenn wir mal in Rückstand geraten. Wie die Truppe damit umgehen wird (und natürlich auch mit einer Niederlage), wird wohl von entscheidender Bedeutung sein. Ich hoffe, sie sind mittlerweile gefestigt und eingespielt genug, um auch auf diese bislang unbekannten Zustände angemessen reagieren zu können. Dann sind wir dabei.

Apropos: wir haben seit dem 01.07.07 überhaupt nur in einem einzigen Spiel zurückgelegen. Das war im Testspiel bei TuRU Düsseldorf. Und genau dies war auch unsere einzige Niederlage bisher. Aber wir wollen ja nicht gleich unken...

Nachklapp

Tjaaaaa, und wer jetzt gedacht hat, er hätte es geschafft, und dieser Artikel wäre zu Ende – falsch! Denn natürlich bin ich mit Absicht eher am Rande auf die vielen Spiele ohne Gegentor eingegangen, ich wollte ja nicht alles zweimal erzählen. Als hätte ich es geahnt, habe ich nämlich von Beginn der Saison an ein Gegentor-Tagebuch geführt. Und jetzt, wo Melka den Rekord hat, und auch aller Wahrscheinlichkeit nach ja demnächst mal mit einem Gegentreffer gerechnet werden muss, möchte ich euch zum Abschluss dieser Zusammenfassung dieses Kleinod aus der Kategorie „Deutschen Literatur, die mit Hilfe einer Taschenlampe unter einer Bettdecke geschrieben wurde“ nicht vorenthalten. Hier also in einem Stück die ungekürzte Version meines Gegentor-Tagebuchs, mit herzlichen Grüßen aus dem Hause janus. Bis zum nächsten Mal! Man liest sich.

Samstag, 28.07.2007: Union Berlin – Fortuna Düsseldorf 0:1

Liebes Tagebuch,

Mann, bin ich glücklich: Fortuna hat das Auftaktspiel gewonnen! Das alleine ist natürlich schon eine Sensation, aber sie haben noch nicht mal ein Gegentor kassiert! Ansonsten gab es doch am ersten Spieltag seit Jahrzehnten zumeist zwei oder drei Stück, außer beim 0:0 gegen Union Solingen im Jahr 2003. Aber damals war es so heiß, da konnten gar keine Tore fallen, weil beide Teams förmlich am Boden festgeklebt waren. Zählt also nicht. Aber jetzt! Kein Gegentor, und das gegen einen Mitfavoriten am 1. Spieltag! Dass ich das noch erleben darf. Ich will ganz lange ohne Gegentor bleiben!

Letzte Nacht geträumt, dass ich meinem Bekannten aus Berlin den Zutritt zu meiner Wohnung verwehrt habe, mit den Worten: „Du kommst hier nit rein!“ Ob der Traum wohl was mit Fußball zu tun hatte? Bestimmt nicht. Ich glaube, ich gucke zu oft schlechte Comedy.

Dienstag, 07.08.2007: Fortuna Düsseldorf – RW Essen 0:0

Liebes Tagebuch,

heute Unentschieden gegen Essen gespielt. Okay, das Spiel war nicht der Hit, aber stell Dir vor – wieder kein Gegentor! Und sooo viele Leute im Stadion, nur um zu gucken, wie kein Tor gefallen ist! Ich persönlich musste sogar aufgrund einiger kleiner Baustellen und damit verbundener Umwege 130 km fahren (einfacher Weg), nur um kein Tor zu sehen! Ich bin begeistert! Da wehte ein Hauch Huub Stevens durchs weite Rund der Arena. Ich glaube, wir haben auch dem Gegner Respekt eingeflößt. Die wollten gar kein Tor schießen! Wenn wir uns jetzt noch daran erinnern könnten, wie wir beim Auftaktspiel einen reingemacht haben, würde ich sagen: so kann es weitergehen!

Letzte Nacht von einer verschlossenen Tür geträumt, die sich nur öffnet, wenn jemand das richtige „Sesam öffne Dich!“ sagt. Während meines gesamten Traums gelang dies aber niemandem. Ob das was mit Fußball zu tun hatte? Bestimmt nicht. Ich glaube, ich gucke zu oft Bollywood-Filme.

Samstag, 11.08.2007: Wuppertaler SV – Fortuna Düsseldorf 0:1

Liebes Tagebuch,

so langsam wird mir die Sache unheimlich. Es kam genauso, wie ich es mir letzte Woche erhofft hatte. Schon wieder kein Gegentor! Und schon wieder einen Elfmeter gehalten. Ist das noch Fußball? Ich zweifle stark, denn ich kenne so etwas nicht. Zumindest nicht bei Fortuna. Eine Verschwörung? Vorsichtshalber im Internet mal bei den „Illuminaten“ recherchiert. Nee, ich kann mir nicht vorstellen, dass einer unserer Spieler da mitmischt. Aber wer weiß das schon so genau bei einem Geheimbund? Eventuell weiße Magie? Vielleicht steigt unser Keeper des Nachts vor jedem Spiel in eine obskure Katakombe ab und opfert dem Fußballgott im Kerzenschein einen Torwarthandschuh? Brr, will ich gar nicht wissen! Aber mysteriös ist es schon.

Letzte Nacht von einer Betonmauer geträumt, die riesenhaft in den Himmel wuchs und sich unendlich zur Seite ausdehnte. Davor Heerscharen von kleinen Männchen, die mit Spitzhacken und Meißeln lächerlich kleine Löcher in die Mauer stanzten. Nach gefühlt 100 Tagen – in einem Traum ist das ja problemlos möglich! – hatten sie ein winziges Loch ins Bollwerk gebohrt; eins der Männlein beugte sich vor und lugte mit einem Auge hindurch, nur um entsetzt zurückzufahren: hinter der Mauer lauerte ein riesiger Krake mit tausend Fangarmen und bewachte eine Schatzkiste, die im Vergleich zu seinen Ausmaßen lächerlich klein wirkte. Der Traum endete mit der heillosen Flucht aller Beteiligten, während der Krake das Loch in der Mauer von innen wieder dicht machte.

Ob der Traum wohl was mit Fußball zu tun hatte? Bestimmt nicht. Ich glaube, ich gucke zu oft Piratenfilme. Oder Herr der Ringe.

Samstag, 18.08.2007: Fortuna Düsseldorf – SV Werder Bremen II 2:0

Liebes Tagebuch,

schon wieder kein Gegentor *gähn*. Selbst die Werder-Bubis, die bislang immer gegen uns getroffen haben, wirklich in jedem Spiel, auch die kommen nicht mehr durch. Normal ist das nicht mehr. Ich habe mittlerweile konkrete Vorstellungen von unserem Gegentor. Eine schöne Hütte soll es sein. Ein unhaltbarer Volleyschuss aus 20 Metern, unser Torwart fliegt und fliegt, hat die Fingerspitzen noch dran, aber der Ball knallt genau unter die Latte und landet im Netz. Drin! Dann sind auch endlich die Spekulationen vorbei. Es glaubt uns doch kein Mensch mehr, dass das noch mit rechten Dingen zugeht! Ein Segen, der zum Fluch wird, ist schließlich auch nicht das Wahre. Wann wird die Kirche zum Boykott von Fortuna-Spielen aufrufen, da wir unzweifelhaft mit höheren Mächten im Bunde stehen müssen? Man sollte es nicht darauf ankommen lassen. Ich weiß übrigens auch schon, wer unser Gegentor erzielen sollte und wann und wie. Als Gegentor-Schützen hätte ich gern „unseren“ Denis Wolf von RW Erfurt. Der darf gegen uns das 1:3-Ehrentor erzielen. Beim Rückspiel in Erfurt. Das kann man doch wohl bis dahin schaffen, oder?

Letzte Nacht geträumt, dass ich Recht hätte. Ob der Traum wohl was mit Fußball zu tun hatte? Bestimmt nicht. Ich glaube, ich habe zu oft Föhn-Frisuren mit F95-Trikots auf dem Platz gesehen..

Samstag, 25.08.2007: Energie Cottbus II – Fortuna Düsseldorf 0:1

Liebes Tagebuch,

wer zum Teufel ist dieser Gegentor?

Ich habe einen Entschluss gefasst: ich trage seit dem Sieg in Cottbus Fortuna-Socken! Das mag nichts Außergewöhnliches sein, aber – ich besitze nur ein einziges Paar! Das trag ich jetzt solange, bis wir das erste Gegentor kassieren. Danach bekommt sie der gegnerische Torschütze. Das hat er dann davon!

29.08.2007: Linner SV – Fortuna 0:2 (1. Runde Verbandspokal)
Liebes Tagebuch,

die Wunder nehmen kein Ende mehr! Auch das ungeschriebene Gesetz der Fortuna „Wenn man gegen die Großen gut spielt, blamiert man sich wenigstens gegen die Kleinen!“ zieht nicht mehr. Kein Gegentor gegen den Landesligisten. Früher, ja früher, da kassierte man sogar als Zweitligist in der 1. DFB-Pokal-Runde mal eben locker vier Stück beim SV Straelen am Niederrhein, die spielten damals (1998) gefühlt irgendwo in der Tulpenzwiebel-Liga. Da war Fortuna noch eine verlässliche Größe! Jetzt gibt es so etwas nicht mal mehr im Verbandspokal! Die aktuelle Mannschaft hebt auch die Naturgesetze aus den Angeln. Wann erhebt sich Andy Lambertz von selbst in die Lüfte und schwebt zu seinem nächsten Saisontreffer im Strafraum ein?

Letzte Nacht geträumt, dass ich eine Karte in der Post hatte, mit diesem Spruch, mit dem glückliche Eltern die Geburt ihres ersten Kindes anzeigen: „Dieser Tag ist das Ende der Welt, so wie wir sie kannten!“ Aber es war keine Geburtsanzeige, sondern eine Eintrittskarte vom ersten Saisonspiel bei Union Berlin. Hätt’ ich das doch bloß früher geträumt! Dann würde mich jetzt auch nix mehr wundern.

Ob der Traum wohl was mit Fußball zu tun hatte? Bestimmt nicht. Ich glaube, in meiner Bekanntschaft gab es nur einen Baby-Boom in den letzten Monaten.

01.09.2007: Fortuna – Hamburger SV II 1:0

Liebes Tagebuch,

ich bin fast ein wenig enttäuscht. Ja gut, gewonnen, weiter Tabellenführer, kein Gegentor, Andy Lambertz macht die Hütte usw. Aber eingeschwebt zum Torschuss ist er nicht, das habe ich deutlich gesehen! Andererseits: noch genügen irdische Mittel, um die blütenreine Weste zu behalten. Warum also sollte man dem Gegner frühzeitig offenbaren, dass unsere Mannschaft in dieser Saison anscheinend von einem anderen Planeten kommt? Clever gemacht! Meine Begeisterung kehrt zurück.

Heute Nacht geträumt, dass die ersten Glückwunsch-Telegramme zu unserer vielbeachteten Serie eintreffen. „Gratulation! Ich wusste immer, dass eine Null auch positiv für dieses Land sein kann!“ (Angela Merkel, Physikerin und aktuelle Teamleaderin ) - „Weiter so! Wichtig ist, was hinten rauskommt, selbst wenn nix dabei rauskommt!“ (Helmut Kohl, altausgesessener Rekordspieler) - „Respekt für diese Leistung! Ich weiß schließlich, dass man Erfolg haben kann, wenn man sich mit Nullen umgibt!“ (Gerhard Schröder, Lückenbüßer).

Ob der Traum wohl was mit Fußball zu tun hatte? Bestimmt nicht. Schon eher mit dem FC Bayern. Die bekommen ja schon Bewertungen verpasst wie „Weltklasse“ (DSF), „Überirdisch!“ (noch mal: DSF), „Unschlagbar!“ (schon wieder: DSF) und „Super-Bayern!“ (zur allgemeinen Überraschung: DSF, alles in einer einzigen Sendung am 02.09.07), nachdem sie mal fast vier Spiele ohne Gegentor geblieben waren. Da hatte ich wohl zu spät umgeschaltet. Dass so etwas aufs Unterbewusstsein durchschlägt, dürfte klar sein.

05.09.2007: Dynamo Dresden – Fortuna 0:0

Liebes Tagebuch,

pssst! Nach dem Spiel wurde mir am Bahnhof ein Gegentor angeboten! Älterer Typ, Brille mit Kassengestell, Trenchcoat. Sagte, er wäre der Zwanziger und hätte da was für mich. Quatsch, er sagte, für nen Zwanziger hätte er da was für mich. Egal, wusste sowieso nicht so genau, was er meinte und habe natürlich abgelehnt. Nach meiner Rückkehr habe ich eine Mail an wikipedia geschrieben und um Auskunft gebeten, was dieses „Gegentor“ überhaupt sein soll. Wird doch wohl nicht eine dieser neumodischen Drogen gewesen sein? Da liegt kein Segen drauf!

Heute Nacht nicht geträumt. Eher bewusstlos gewesen. Es hatte sogar mit Fußball zu tun. Mit meinen Fortuna-Socken sollte ich so langsam nicht mehr in geschlossenen Räumen schlafen...

08.09.2007: Fortuna – SC Verl 3:0

Liebes Tagebuch,

der Michi hat den Rekord vom Schmadtke! 720 Minuten ohne! Der Schmaddi kann jetzt nicht mehr auf der Aachener Geschäftsstelle damit angeben, bei uns noch eine große Nummer zu sein! Da nutzt auch die geile gelbgetönte Brille nix mehr!

Heute Nacht wieder nicht geträumt. Was daran liegen könnte, dass ich gar nicht erst geschlafen habe. Ist ja doch schon reichlich kühl unter freiem Himmel um diese Jahreszeit. Aber wenn man im eigenen Schlafzimmer ausgepfiffen wird, nur weil man es mit Fortuna-Socken betritt, ist es Zeit, das Nachtlager auf dem Balkon aufzuschlagen. Vielleicht wäre ein Gegentor langsam mal...? Papperlapapp! Das bisschen Schlaflosigkeit! Das bisschen Grippe! Ich bin Fortuna-Fan – ich brauche es härter! Schluss und aus!

Schlaflos in Bonn: janus