von Janus: 26. bis 29. Spieltag

 

So, jetzt haben wir den Durchblick. In dieser Ausgabe ist alles, was man dafür braucht: die letzten Heimspiele in der esprit-Arena ohne Niederlage, eine wieder mal unnötige Auswärtsniederlage, damit man ja nicht auf die Idee kommt, in der Tabelle noch nach oben zu schielen sowie endlich mal wieder ein Auswärtssieg, mit dem gleichzeitig auch der Klassenerhalt perfekt gemacht wird, sodass man auch nicht mehr nach unten schielen muss. Und wer nicht schielt, der kann den Blick nach vorne richten. Wollen wir doch zumindest hoffen.

Eine echte Nullnummer

Am 12.03.2011 spielte Fortuna zuhause gegen den SC Paderborn. Nach neun Heimsiegen in Folge gab es nun ein 0:0. Siegesserie gerissen, aber immerhin nicht verloren. Und das ist das Einzige, was aus diesem Spiel in Erinnerung bleiben sollte.

Es war ein Spiel, zu dem man nichts sagen kann. Ein 0:0 der „typischen“ Art, im Gegensatz zur oft – auch von mir – zitierten „besseren“ Art. Man möchte es in zwei Sätze kleiden: erstens hatte dieses Spiel keinen Sieger verdient. Zweitens wäre schon ein 1:1 unverdient gewesen. Solch ein Spiel war das.

An jenem Samstag spielte schlicht „Kann nicht“ gegen „Will nicht“. Beide Teams noch stark verunsichert vom vorherigen Spieltag, an dem Fortuna fünf Stück in Augsburg und Paderborn fünf Stück gegen Cottbus bekommen hatte. Und so sah das dann auch aus. Paderborn verzichtete gleich von vorne herein auf den Versuch, vielleicht auch gewinnen zu wollen. Die beste „Chance“, die die Gäste hatten, war ein Kopfball von Krösche ans Außennetz, als Fortuna-Keeper Ratajczak unter einer Flanke durchgesprungen war, allerdings so nah bei Krösche, dass dieser den Ball gar nicht kontrolliert köpfen konnte. Das war’s, mehr hatten die Jungs vom Möbellager Finke nicht zu bieten. Aber das reichte ja auch, um einen Punkt mitzunehmen, weil Fortuna gegen die gut gestaffelte Paderborner Abwehr nicht allzu viel einfiel. Maxi Beister glänzte aus Verzweiflung mit zwei Fernschüssen, gar nicht mal übel, aber trotzdem beide am Tor vorbei, und die einzigen beiden Gelegenheiten im Spiel, bei denen es wirklich mal hätte scheppern können, hatte unser „Sechser“ Adam Bodzek, was, so glaube ich, alles über die Offensivbemühungen der Fortuna aussagte. Zunächst eine schöne Verlängerung eines Rösler-Freistoßes mit dem Hinterkopf, allerdings genau auf Paderborns Torwart Masuch, der die Kugel daher ungerührt zur Seite abklatschen konnte. Das zweite Ding von Bodzek war die einzige Szene im Spiel, in der man von einer heraus gespielten Großchance sprechen konnte: in der 87. Minute hatte der eingewechselte Sascha Dum mal wieder einen seiner – leider nur gelegentlich zelebrierten – Auftritte als Kurzstreckensprinter auf der linken Seite. Er ließ Freund und Feind stehen und passte dann von der Torauslinie flach zurück in den Sechzehner, sehr schön gemacht. Bodzek stand acht Meter vor dem Tor völlig frei, die gesamte Abwehr war durch den Pass in den „Rückraum“ ausgehebelt, unser Defensivstratege konnte sich die Ecke aussuchen. Er suchte sich die falsche aus, der Paderborner Mohr warf sich heldenmütig in den Schuss und blockte ab. Das war’s. Ein sang- und klangloses 0:0 ohne weitere Erinnerungsbedürftigkeit. Wie gesagt, am Ende des Tages konnte nur ein winziges positives Fazit für den Optimisten in uns allen stehen: wenigstens nicht verloren.

Ränkespiele

Vor dem nächsten Auswärtsspiel beim MSV Duisburg wurden noch zwei Personalien geklärt. Die eine betraf unser kleines Ausweichstadion, welches in jener Woche seiner Fertigstellung entgegen sah. Mitte April geht es also ins neue Stadion, das bis dato noch gar keinen Namen hatte. Man sprach nur vom „ASP“, für Arena-Sportpark, aber das war natürlich ein wenig altbacken. Ich fand – wie bereits bekannt sein dürfte – den des Öfteren kolportierten Namen „Lenarena“ irgendwie knackig, der hat was. Das irgendwie metaphorisch angehauchte „Lena`s Döschen“ hatte auch was, war aber vielleicht ein wenig zwielichtig. Meinetwegen hätte man auch richtig aufdrehen können, "The Arena formerly known as Trainingsplatz" (TAFKAT). Sehr schön, weil der Name des Erbauers drin steckt, gleichzeitig eine Kampfansage an die Gegner, wäre auch "Hier gibt`s was auf die Nüssli-Stadion". Oder einfach „BBA“? Klingt nach einem fetten, geheimnisvollen Sponsor, heißt aber nur BerlinBielefeldAachen. Da wäre der Spielplan direkt im Namen mitgeliefert worden.
Man merkt schon: Mir persönlich war das völlig egal. Ich hätte mich sogar mit „No Name Ground“ angefreundet. Denn Hauptsache ist doch, dass die Fortuna in dem Teil drei Heimsiege einfährt. Und deshalb ist das Wichtigste am neuen Stadion...Achtung, auf diesen Kalauer freue ich mich seit Beginn dieses Abschnittes: dass Fortuna den Esprit aus der Arena mit ins neue Stadion nimmt. Dann sollte alles klar gehen. Und wir bauen die Hütte im Juni wieder ab und melden uns für das Buch der Rekorde an: als einziger Verein, der mal alle Spiele in seinem Stadion gewonnen hat. Wie viele „alle“ waren, interessiert die Statistik ja nicht.

Langer Rede kurzer Sinn: Es wurde schließlich die „airberlin world“. Die Fluglinie lässt sich das Sponsoring des Vier-Spiele-Stadions (die drei Heimspiele der Fortuna plus – quasi als Starter – das U17-EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen die Ukraine am 26. März) angeblich 200.000 Euro kosten. Die sind im Übrigen für die Stadt Düsseldorf, nicht dass irgendjemand anfängt zu träumen. Fortuna sieht davon nichts. 20.200 Zuschauer passen in die kleine Hütte, die von außen jetzt schon einen netten Eindruck macht. Dem Argument, dass Fortuna in den drei Spielen aufgrund der begrenzten Zuschauerkapazität Einnahmeverluste zu erwarten habe – in den drei Heimspielen gegen Berlin, Bielefeld und Aachen kamen in der letzten Saison 85.000 Zuschauer, diesmal ist bei 60.600 Schluss – begegnete man seitens der Stadt mit dem pfiffigen Argument, schließlich würde Fortuna für das kleine Stadion auch wesentlich weniger Miete zahlen als für die esprit-Arena. So sieht das aus, wenn man „Hand in Hand“ geht, ich hatte in den vergangenen Berichten mehrfach darauf hingewiesen.
Also, es wird die „airberlin world“, und die Einnahmeverluste könnten sogar noch ein wenig höher werden als kalkuliert. Damit hatten die Stadt, Lena und der Eurovision Song Contest allerdings nichts zu tun. Sondern die eigenen Leute.

Denn in derselben Woche kassierte der DFB bei der Fortuna noch einmal ordentlich ab. 25.000 Euro Strafe für insgesamt drei Vorfälle mit Böllern und Pyro, direkt en gros abgerechnet. Insbesondere der Böller-Vorfall im Spiel gegen Osnabrück veranlasste den DFB, mit einer Platzsperre bzw. eben mit einem „Geisterspiel“ zu drohen, sollten sich die Vorfälle in absehbarer Zeit wiederholen. Da wollen wir doch gleich mal sehen, inwieweit die Fans nach dieser Androhung mal wieder den Verein unterstützen würden…

Auch noch vor dem Duisburg-Spiel gab es die zweite Personalie, einen etwas unschönen Abgang. Fortuna-Eigengewächs Marcel Gaus, bislang über den Status eines Ergänzungsspielers nicht hinaus gekommen, lehnte das neue Vertragsangebot der Fortuna ab. Dies erzürnte einen Großteil der Fans natürlich, allerdings nicht in Richtung Gaus, sondern in Richtung Trainer und Manager, von denen man eh der Meinung ist, sie würden nur äußerst selten die eigene Jugend fördern. Nun ist es allerdings so, dass es hieß, der 22-jährige Stürmer habe über seinen Berater nicht nur mehr Geld gefordert (welches er erhalten hätte), sondern auch noch mehr Einsatzzeiten. Dies deckt sich mit diversen Äußerungen Gaus’ aus der Vergangenheit, in denen er beklagte, dass er zu wenig Chancen erhalte. Kann ich auch durchaus nachvollziehen. Wie man dann allerdings via Berater fordern kann, diese Einsatzzeiten auch vertraglich zu fixieren, ist mir wiederum ein Rätsel. Das Ende vom Lied: Vertrag nicht unterschrieben, Trainer sauer über die Forderungen, Gaus vom Spiel- und Trainingsbetrieb der Ersten Mannschaft suspendiert, er darf die Saison jetzt in der Zweiten Mannschaft und der Regionalliga West zu Ende bringen. Unglückliches Ende einer langjährigen Beziehung, aber 22-Jährige, die sich Einsatzzeiten in ihren Vertrag schreiben lassen wollen und nicht zufällig Messi heißen, kann man nun wirklich nur schwer gebrauchen. Gaus hat in der Zwischenzeit beim Liga-Konkurrenten FSV Frankfurt einen Einjahresvertrag mit Option auf ein weiteres unterschrieben. Schade, aber nicht mehr zu ändern. Er wird mir fehlen. Und seine sieben Sekunden, die er einst im Jahr 2008 in Sandhausen benötigte, um von der Einwechslung zur Gelben Karte zu gelangen, werden wohl noch lange Fortuna-Rekord bleiben.

Alles wie damals (und wie neulich)

Am 18.03.2011 war es dann soweit, endlich wieder was zu lachen bezüglich einer Auswärtsfahrt. Das Duell beim Nachbarn MSV Duisburg wurde nämlich in deren Stadion ausgetragen, welches seit dieser Saison einen neuen Namen trägt: Schauinsland-Reisen-Arena. Also bitte. Manche Leute tun echt alles für Geld. Und ja, das werde ich auch schreiben, wenn für unsere Arena ein ebenso, sagen wir: kreativer Name gefunden werden sollte. Schauinsland-Reisen-Arena – das toppt nu ehrlich rewirPower Stadion und Trolli Arena um Längen.
Sportlich gesehen war das Spiel dann auch keine so unlösbare Aufgabe wie man beispielsweise noch in der Hinrunde glauben mochte. Der MSV Duisburg hat in dieser Saison anscheinend alle Kräfte auf den DFB-Pokal konzentriert und nach Erreichen des Halbfinals und dem anschließenden Einzug ins Finale auch mal flugs alle Aufstiegschancen in der Liga verspielt, mit dem Höhepunkt einer schon eher peinlichen 1:2-Heimniederlage gegen Arminia Bielefeld – es war der erste Auswärtssieg des Tabellenletzten in dieser Saison. Also, so ganz konzentriert man sich in Meiderich wohl nicht mehr auf die Meisterschaft. Vielleicht konnte da was gehen.

Und es ging sehr wohl etwas, allerdings erst, nachdem man die Anfahrt bewältigt hatte. Am Freitagnachmittag über die Autobahn durch Köln und anschließend durchs Ruhrgebiet, das hat schon was. Da beneidet man Landstraßenfahrer, die 80 km/h fahren können, eventuell sogar eine halbe Stunde am Stück! Ich jedenfalls benötigte von Bonn über zwei Stunden, um zu dieser Butterfahrten-Arena (etwas anderes vermag ich mir bei einem Reiseunternehmen mit dem Namen „Schauinsland“ leider nicht vorzustellen) zu gelangen, und ich war wirklich früh dran, oder andersrum: der Verkehr wurde auch nach meiner Ankunft nicht gerade weniger. Aber muss ja irgendwie. Und über 5.000 Fortuna-Fans dachten dasselbe und waren ebenfalls vor Ort.

Als das Spiel dann pünktlich um 18 Uhr begann, war die Heiterkeit allerdings mit einem Schlag jäh verflogen. Eine Fan-Gruppierung war nämlich so frei, mal kurz zu demonstrieren, wie sie sich die Unterstützung des Vereins angesichts der erst wenige Tage zuvor ergangenen Geldstrafe und Androhung eines „Geisterspiels“ vorstellte – mit einer zünftigen Pyroshow im Gästeblock vor dem Anpfiff. Muss wohl schon eine Gruppierung gewesen sein, denn dass so viele Einzel-Stimmungsmacher zufällig ihre Bengalen am Start hatten und ebenso zufällig zeitgleich zündeten, darf getrost ins Reich der Fabel verwiesen werden. Natürlich war das Ganze von den Pyro-Befürwortern mal wieder als furchtbar kontrolliertes Abbrennen geplant, natürlich klappte dies wieder mal nicht, weil zumindest ein Stratege sein Fackelchen direkt nach Zündung in den Innenraum werfen musste. Spaß, you know. Und wenn es noch so kontrolliert gewesen wäre, es war selten schlau, diese Aktion zu jenem Zeitpunkt durchzuziehen. Sah eher nach einer Machtdemonstration aus denn nach einem Ernst gemeinten „Appell“ für Pyrotechnik im Stadion. Und wie gesagt, mindestens ein Depp tanzt eh immer aus der Reihe, egal wie „kontrolliert“ das wirken soll. Somit per se vergebliche Liebesmüh.

Immerhin schien den Fortuna-Spielern durchaus ein Licht aufgegangen zu sein, nämlich jenes, dass man auch bei einem Team wie den Streifeneseln munter nach vorn spielen darf. Ist nicht verboten, auch wenns ein Auswärtsspiel ist. Und so boten die Gäste in der ersten Halbzeit das, was ich (zusammen mit dem Auftritt bei Hertha BSC) als beste Auswärts-Leistung der Saison bezeichnen möchte. Wenn man sagt, die Duisburger wurden „in Grund und Boden gespielt“, so mag dies übertrieben sein, aber ein Körnchen Wahrheit steckt doch drin. Denen gelang so gut wie nichts in der ersten Halbzeit, während unsere Recken Chance um Chance heraus spielten. Bereits nach drei Minuten musste sich MSV-Keeper Yelldell lang machen, um einen Distanzschuss von Dum zu fischen, kurz darauf wurde Fink am Sechzehner schön von Bröker ins Szene gesetzt, aber sein Flachschuss ging knapp am Tor vorbei. Und dann gab es noch die Doppelchance auf die Führung: eine missglückter Abwehr aus dem Duisburger Strafraum heraus nahm Fink zum Anlass, den Ball volley aus der Luft Richtung MSV-Gehäuse zu zimmern. In acht von zehn Fällen wird bei solchen Versuchen das Netz hinter bzw. über dem Tor in Mitleidenschaft gezogen, beim neunten Versuch fliegt der Ball darüber hinaus in den Oberrang oder gleich ganz aus dem Stadion heraus. Dieses war aber der zehnte Fall, Fink traf den Ball genau richtig, ein Sahne-Schuss, Yelldell konnte nur bewundernd hinterher schauen, und dann machte es klatsch! – und der Ball war gegen den rechten Pfosten geknallt. Anschließend bekamen die Duisburger die Kugel wieder nicht aus der Gefahrenzone, Flanke von der rechten Seite auf den langen Pfosten, dort kam Sascha Rösler zum Abschluss und zog den Ball wiederum nur Zentimeter am langen Pfosten vorbei. Eine dieser beiden Chancen hätte wahrlich ein Tor verdient gehabt. Und in diesem Stil ging es weiter, es gab mindestens sechs dicke Gelegenheiten für die Fortuna vor der Pause. Beim MSV Duisburg konnte man lediglich Sturmtank und Stinkstiefel Stefan Maierhofer vollen Einsatz attestieren, der sich bei jedem Pfiff des Schiris bemühte, schneller als unser Kapitän Jens Langeneke beim Unparteiischen zu sein, um meckern zu können. Ein echtes Traumpaar, die beiden.

Nach der erwähnten Doppelchance skandierte der direkt hinter Yelldell angesiedelte Duisburger Fan-Block hektisch „Aufwachen, aufwachen!“, und die Heimmannschaft wurde zur Pause mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine verabschiedet. Soweit also alles nach Plan, mit nur einem Schönheitsfehler: es stand immer noch 0:0. Unser Team, mit gleich vier Ex-Duisburgern am Start (Trainer Meier, Adam Bodzek, Christian Weber sowie auf der Bank Tiago), hatte eigentlich alles im Griff, dabei aber das Toreschießen vergessen. Und das kam uns übel bekannt vor: in der letzten Saison als man in der Hinrunde beim MSV angetreten war, hatte man damals als Aufsteiger den hohen Favoriten in der ersten Hälfte auch nach Belieben dominiert, nur das Toreschießen vergessen. Damals geriet man kurz vor der Pause durch einen Fernschuss unglücklich mit 0:1 in Rückstand und verlor anschließend 0:3. Der Spielverlauf war dermaßen ähnlich, dass man eigentlich nur noch auf den entsprechenden Fernschuss wartete. Er kam in der 65. Minute, abgefeuert von Maierhofer aus gut 25 Metern Entfernung, Torwart Ratajczak wurde auf dem falschen Fuß erwischt und machte – wie schon bei Fernschuss-Gegentor gegen Osnabrück – keine besonders gute Figur, diplomatisch formuliert. 1:0 für den MSV, war ja klar.
Dabei war dies zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so unverdient wie es in Halbzeit Eins, die Spieler des MSV hatten sich von Trainer Sasic in der Pause wohl deutliche Worte anhören dürfen und kamen wesentlich engagierter aus der Kabine. Fortuna ließ sich ein wenig hinten rein drängen, allerdings nicht völlig überlaufen, wie noch in Augsburg, hatte aber Schwierigkeiten, selbst weiter so druckvoll nach vorne zu spielen wie in den ersten 45 Minuten. Trotzdem ist es natürlich ärgerlich, wenn man ein derartiges Déjà-vu hat, dass einem selbst die Entstehung des Gegentores merkwürdig bekannt vorkommt. Koblenz lässt grüßen.

Tja, und das war es dann auch schon. Duisburg brachte den Sieg trotz kleiner Drangphase der Fortunen zum Ende des Spiels nach Hause. Aufgrund der zweiten Halbzeit kann man sagen, das ging in Ordnung, aufgrund der ersten Halbzeit war das ein schlechter Witz. Demnach wäre ein Unentschieden sicher die gerechte Lösung gewesen, aber an jenem Abend wollte der Ball einfach nicht ins Duisburger Tor. Und dann muss man eben hinnehmen, dass eine Mannschaft trotz unterirdischer erster Hälfte alle drei Punkte behält.

Apropos: hinnehmen musste man auch einen weiteren Unterstützer des eigenen Vereins, der kurz vor Schluss eine weitere Bengale zündete und diese gleich schwungvoll durch das Fangnetz in den Innenraum hinters Tor warf. Diesmal allerdings nicht aus dem Fan-Block, der sich in einer Ecke des Stadions befindet, sondern von den Zuschauerrängen direkt hinter dem Gehäuse. Über den Intelligenzquotienten des Werfers möchte man hierbei nicht weiter spekulieren. Über seinen privaten Vermögensstand hingegen sehr wohl, denn die Blitzbirne wurde von benachbarten erbosten Zuschauern ausfindig gemacht und dem Ordnungsdienst übergeben. Fortuna-Geschäftsführer Paul Jäger kündigte nach dem Spiel schon mal an, dass man denjenigen für alles in Regress nehmen werde, was der DFB sich diesmal einfallen lassen wird. Da kann man unserem Bengalen-Freund nur wünschen, dass er den ein oder anderen Bausparvertrag laufen hat, ansonsten könnten das teure kommende Jahre für ihn werden. Aber mal ehrlich: so blöd kann man doch eigentlich nicht sein? Anscheinend doch.

Somit verlor Fortuna das Spiel, die Fan-Szene mal wieder an Ansehen und wer weiß, vielleicht qualifizieren wir uns ja demnächst wirklich noch für „Die zehn dümmsten Aktionen des Jahres“ bei RTL oder einem kulturell artverwandten Sender. Es ist schließlich schon ungewöhnlich genug, ein Ausweichstadion für ganze drei Heimspiele zu bekommen. Eins davon aber eventuell noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen zu müssen, das wäre dann wirklich einmalig.

Welcome, dude!

In der Woche nach dem Spiel schneiten uns dann noch zwei Premieren ins Haus: exakt eine Woche nach der Partie verpflichtete Fortuna ihren ersten Neuzugang für die kommende Saison: Robbie Kruse, 22-jähriger australischer Nationalstürmer, kommt für drei Jahre zu uns. Kruse kommt von Melbourne Victory, wo er in der laufenden Saison in 19 Spielen bislang elf Tore erzielte. Bei uns wäre er damit aktueller Torschützenkönig, und zwar mit großem Abstand. Eine sehr interessante Verpflichtung, zudem ungewöhnlich früh. Natürlich wird Kruse, der erstmals den australischen Kontinent für eine längere Zeit als ein Länderspiel verlassen wird, eine gewisse Eingewöhnungszeit brauchen, außerdem ist er mit seinen 22 Lenzen ganz sicher noch entwicklungsfähig. Wäre prima, wenn er die entsprechende Zeit bei uns nutzen und dann bombig einschlagen würde. Und wer jetzt denkt, dass zum ersten Mal solch ein Känguru in die Landeshauptstadt kommt, den darf ich korrigieren: er ist in den letzten knapp 15 Jahren bereits die Nummer drei aus Down Under. Von 1997 bis 1999 hütete Frank Juric unser Gehäuse, ebenfalls in der 2. Liga; da dieser allerdings mittlerweile die kroatische Staatsangehörigkeit hat, ist natürlich die Frage, ob man ihn überhaupt noch mitzählen darf. Unvergessen hingegen ist für Kenner der Auftritt von Anthony Roche von den Brisbane Strikers in unserer Oberligasaison 2003/04. Unvergessen deshalb, weil dieser „Sturmtank“ noch nicht mal ein offenes Scheunentor traf, demzufolge in die Zweite Mannschaft verbannt wurde, dort aufgrund von Personal-Engpässen als Aushilfs-Libero auflief und halbwegs ordentliche Leistungen zeigte. In einem Gespräch mit dem damaligen Zwote-Trainer Uwe Weidemann stellte sich dann eher zufällig heraus, dass dies auch die Position war, die Roche in Australien gespielt hatte, was nun seine Ausfälle im Sturm der Ersten Mannschaft durchaus erklärte. Des Rätsels Lösung war ebenso simpel wie genial: Roche, eigentlich Turm in der Schlacht bei Brisbane, musste mal eine Saison im Sturm aushelfen, als man dort grad knapp an Personal war. Das lief ganz gut, er erzielte einige Treffer, und mit einem Video dieser Treffer bot Roches Berater seinen Schützling dann bei der Fortuna an. Der große Fußballkenner und damalige General Manager of Everything, Thomas Berthold, ließ sich davon überzeugen, ein echtes Schnäppchen zu machen und holte den hüftsteifen Brecher für den Sturm. Und allein dafür wird der Tony bei mir ewig Kult bleiben. Er konnte nix, zeigte aber sehr schön, dass wir einen sportlichen Leiter hatten, der sogar noch weniger konnte. Zumindest in Sachen sportlichen Humors sind daher die Australier für mich seitdem eine Bank.

Nun, bei Kruse fällt das alles weg, der Mann ist echter Stürmer inklusive Nationalmannschaft, es sei denn, er spielt schon seit 15 Jahren den Blender, was dann aber natürlich auch eine stolze Leistung wäre. Wir sind alle sehr gespannt auf ihn. Und wenn man jetzt noch die Kaufoption bei Ken Ilsø ziehen würde, könnte das ein sehr interessantes, quirliges, junges Sturmpaar in der nächsten Saison werden. We’ll see.

Einen Tag später dann noch ein „Neuzugang“: Mit dem U 17-Länderspiel Deutschland gegen die Ukraine wurde auch unser Ausweichstadion airberlin world feierlich eingeweiht. Es ist also tatsächlich gelungen, die Hütte binnen drei Monaten termingerecht aufzubauen. Zwar gab es von einigen Fans, die die Gelegenheit zur Besichtigung bei verbilligten Eintrittspreisen nutzten, auch einige Kritikpunkte, aber im Großen und Ganzen scheint das ganz ordentlich zu sein. Wobei man einen Haufen Schüler und Spielermuttis sicherlich nicht mit dem Auflauf vergleichen kann, den 15.000 Fortuna-Fans und Gäste aus Berlin, Aachen und Bielefeld veranstalten werden. Aber als kleines Generalpröbchen konnte man schon mal ein vorsichtiges „Ist geglückt“ verlauten lassen. Ernst wird es hier am 15. April, wenn Union Berlin kommt.

Zwei Abschiede, bei denen alles passte

Am 02.04.2011 kam es dann zum letzten Heimspiel der Saison, das in der esprit-Arena ausgetragen wurde. Anschließend wurde dieser ganze überflüssige Kram aus der Multifunktionsarena entfernt, der an Fußball erinnert, damit die Crème de la Crème des schlechten Musikgeschmacks sich ein paar Wochen während des Eurovision Song Contest austoben kann. Naja, wenn man bedenkt, dass in der Arena auch schon mal Gestalten wie André Rieu oder Jon Bon Jovi auftreten, dann ist der musikalische Absturz zu dieser Kasperle-Veranstaltung sicherlich nicht ganz so groß. Nur schade für den Fußball. Aber Fortuna wird bekanntlich nicht gefragt, ob sie auch die komplette Saison in der Arena spielen wollen. Vor einigen Jahren, in der Regionalliga, da wurde man erst gar nicht gefragt, ob man überhaupt darin vor 5.000 Zuschauern spielen will, das wurde einfach befohlen seitens der Stadt, um wenigstens eine kleine regelmäßige Auslastung dieses Groschengrabs zu erreichen. Nun, da man sich dort etabliert hat, muss man alle Nase lang weichen oder Spiele verlegen, um Platz für andere Veranstaltungen zu machen. The times, they are a-changing wie Bob Dylan näseln würde.

Da somit – wie schon mehrfach erwähnt und endlich auch baufachlich abgenommen und eingeweiht – die letzten drei Heimspiele im Mobilen Ausweichstadion nebenan stattfinden würden, war die Partie gegen Erzgebirge Aue tatsächlich der letzte Auftritt des Teams in der esprit-Arena für 2010/11. Da war ein schöner Abgang Pflicht, um Lust zu machen auf mehr, wenn ab dem Sommer wieder in der Villa Kunterbunt gespielt werden wird. Und wer nach diesem Nachmittag nicht „Lust auf mehr“ bekommen hat, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Oder vielleicht hat ihm das Essen in der VIP-Lounge nicht geschmeckt. Alle anderen Heimzuschauer hingegen mussten begeistert sein. Fortuna spielte die Gäste an die Wand, siegte vor 20.400 Zuschauern leicht und locker mit 3:0. Und wartet seitdem auf die schriftliche Danksagung aus Aue, dass es nur drei Stück waren.

Erzgebirge Aue soll ja vor der Partie angeblich auf Platz 4 gestanden haben. Nach den 90 Minuten konnte man nur darüber staunen, wie das wohl zustande gekommen war. Natürlich soll die großartige Saison-Leistung des Aufsteigers nicht geschmälert werden, aber an jenem Samstag hatten die Erzgebirgler nicht den Hauch einer Chance. Null Torschüsse, eine Ecke – so lautete die ernüchternde Bilanz des Gastes nach dem Abpfiff. Dafür aber drei Stück kassiert und noch ein wenig an Personal eingebüßt – ein schwarzer Tag für die Aufsteiger.

Hingegen ein Sahne-Tag für die Fortuna. Da fiel auch nicht ins Gewicht, dass man sich besonders zum Ende der ersten Halbzeit eine etwas längere Auszeit nahm und auf dem Wetter angemessenen Sommerkick umstellte. Der Gegner kam auch in dieser Zeit nicht einmal aus dem Quark. Das Hauptaugenmerk der Schilderung liegt natürlich auf den ersten 45 Minuten, in denen Aue eindrucksvoll klar gemacht wurde, dass an diesem Tag bei uns nichts zu holen sein würde.

Dem Spiel vorausgegangen war eine eindrucksvolle Choreo der Fortuna-Fans zu Ehren des 11-jährigen Benni. Der schwerbehinderte Junge, der ein großer Fan der Fortuna gewesen war, war eine Woche vor dem Spiel gestorben. Die Eltern – selbst große Fortuna-Fans – hatten im Fan-Forum eher schüchtern angefragt, ob vielleicht einmalig zu einem Heimspiel ein kleines Banner zur Erinnerung an ihren Sohn ausgebracht werden könnte. Und die Fortuna-Fan-Szene – in anderen Themen alles andere als immer einer Meinung – stellte ihre kleinen Zwiste kurzerhand ein und zog an einem Strang, um einen unvergesslichen Abschied zu zelebrieren, mit einem fetten „In Memoriam“-Banner, Tausende von Handzetteln, die hoch gehalten wurden, dazu wurde „You’ll never walk alone“ gespielt, was bei uns vor dem Spiel eigentlich nie der Fall ist (wozu auch?), hier aber genau passte. Darüber hinaus erhielten die Eltern nach dem Spiel nicht nur das Banner zur Erinnerung überreicht, sondern auch die speziell für dieses Spiel angefertigte, Benni gewidmete Kapitänsbinde von Andreas Lambertz. Eine ganz tolle Aktion aller Beteiligten, besonders wenn man bedenkt, dass sich diese Protagonisten gerade aufgrund einiger Vorfälle in letzter Zeit (Böller, Pyro) untereinander nicht zwingend grün sind. Aber es gibt Momente, in denen das zurückstehen muss. Dass dies gelang, und mit welchem Eifer alle Beteiligten hier gemeinsam am Werk waren, nötigt Schreiberlingen wie mir einfach nur riesigen Respekt ab – und natürlich ein Ernst gemeintes „Dankeschön!“, das gar nicht groß genug sein kann. Wenn’s Ernst wird, steht die Familie halt doch zusammen. Alles Gute für die Eltern.

Nachdem der letzte Takt der Schnulze, die ich persönlich schon lange nicht mehr hören kann, die aber – wie gesagt – zu diesem Anlass genau passte, verklungen und das Spiel angepfiffen worden war, benötigte Fortuna gerade mal 100 Sekunden, um durch Oliver Fink den ersten Warnschuss auf das Gäste-Tor loszulassen, der knapp drüber ging. Anschließend schaltete man ein wenig den Turbo ein und nahm die Gäste in den ersten 20 Minuten gepflegt auseinander. Beisters Böller aus 20 Metern, der noch das Lattenkreuz außen streifte, war die letzte Warnung, dann gings ab. Und allein das 1:0 war schon eine Augenweide – Balleroberung Lukimya in der eigenen Hälfte, Maxi Beister treibt die Kugel nach vorne, befördert sie anschließend per Außenrist (!) links in den Strafraum, wo der genesene Andreas Lambertz – nach knapp sieben Wochen Verletzung direkt wieder von Beginn an dabei – die Kugel erläuft, anschließend ein bisschen Ringelreihen mit seinem Gegenspieler tanzt und schließlich präzise auf den langen Pfosten flankt, in den Lauf von Rösler, der den Ball aus der Luft in die Strafraummitte zurück legt, wo Ken Ilsø mutterseelenallein darauf wartet, aus fünf Metern sein fünftes Saisontor abzustauben. Ein Sahne-Spielzug, diese frühe Führung!

Acht Minuten später war das Spiel eigentlich durch. Freistoß Ilsø von halblinks, ungefähr acht Meter von der Torauslinie entfernt. Mit dem rechten Fuß zwirbelt Ken die Kugel rechts um die Mauer herum auf den kurzen Pfosten, Oliver Fink verlängert, Gegenspieler Hensel ist wohl auch noch mit der Fußspitze dran, genau kann dies auch durch achtzigmaliges Betrachten der Fernseh-Zeitlupe nicht geklärt werden. Ist auch egal, wer es war - entscheidend ist, dass ein anderer nicht mehr dran kommt, nämlich Torwart Männel. Der Ball zischt ins kurze Eck, 2:0 nach 18 Minuten.

Danach nahm sich die Fortuna die erwähnte Auszeit und schaltete auf Sommerfußball um, was den Gästen allerdings auch nichts nutzte. Zwei Fernschüsse ins Fangnetz sowie ein gewonnenes Kopfballduell im Strafraum, das als Aufleger für den Kollegen dienen sollte und nicht ankam, das war alles, was Aue nach vorne zu bieten hatte. Gegen Ende der ersten Halbzeit drehten die Gastgeber noch einmal mächtig auf und spielten den Gegner an die Wand, und das Unfassbare daran war eigentlich, dass daraus nichts Zählbares entstand. Hier das Kurzprotokoll der letzten beiden Minuten:

Beister setzt sich über rechts durch, geht in den Strafraum und legt zurück auf Ilsø; unser Däne lässt seinen Gegenspieler mit einfacher Körpertäuschung aussteigen und nagelt die Kugel aus acht Metern volle Kanone an die Unterkante der Latte; der Abpraller wird an der Strafraumgrenze von Fink volley aufs Tor gebracht, Abwehrspieler Schlitte rettet in höchster Not kurz vor der Linie. Die anschließende Ecke wird abgeblockt, neuer Aufbau über rechts, Flanke Christian Weber, und in der Mitte steht Innenverteidiger Lukimya – der gar nicht erst zurück gelaufen ist, warum auch, hinten ist eh nix los – aber so was von frei, dass er es selbst nicht glauben kann; er kann den Ball per Kopf leider nicht mehr drücken, setzt ihn knapp übers Tor und verpasst dadurch sein erstes Saisontor; und als man denkt, jetzt könnte ruhig abgepfiffen werden, setzen sie noch einen drauf: langer Ball auf Beister, der kurvt von rechts in den Strafraum ein, legt am Fünfmeterraum zurück auf den heran stürmenden Ilsø, aber der ist einen Tick zu schnell und kann den Ball nicht kontrollieren, sodass die Pille am Tor vorbei fliegt. Dies alles in den letzten beiden Minuten vor der Pause, Aue muss sich vorgekommen sein wie im falschen Film. Und deren Trainer Rico Schmitt sagte nach dem Spiel völlig zu recht: „Eigentlich muss es zur Pause 4:0 für Fortuna stehen. Mindestens.“

Nachdem man es in der zweiten Halbzeit zunächst etwas gemächlicher angehen ließ, nur Kapitän Lambertz verbreitete Gefahr als Alleinunterhalter mit zwei Fernschüssen und einem tollen Solo mit anschließendem Lupfer knapp neben das Tor, sorgte Aue selbst für die Entscheidung und dafür, dass noch mal richtig Leben in die Bude kam: In der 66. Minute spielt Beister auf der linken Außenlinie seinen Gegenspieler aus. Eine Kardinalsfrage in dieser Szene ist, ob der Ball bei dieser Aktion die Seitenlinie in vollem Umfang überschritten hat; ich meine nein, sky meint das auch, die Sportschau wiederum sagt, es war doch so – allein daraus, dass zwei Fernsehsender mit 26 Zeitlupen zu unterschiedlichen Schlüssen kommen, kann man sehen, dass man es wohl nicht endgültig entscheiden kann. Der Schiri jedenfalls lässt laufen, Beister kurvt wie gewohnt in den Strafraum und wird von Schlitte unsanft und ziemlich offenkundig von den Beinen geholt. Elfmeter für Fortuna, überhaupt keine Frage, und dann wird es richtig lustig: der Schiri zeigt Schlitte Gelb für das Foul, stellt fest, dass er ihn schon verwarnt hat und zieht direkt die Rote hinter; dies animiert einen anderen Abwehrrecken der Gäste, Pierre le Beau, dem Schiri den Vogel zu zeigen. Dieser ist hier noch gnädig, zeigt dafür nur Gelb, stellt aber fest, dass auch le Beau schon verwarnt war und wirft auch ihn runter. Elfmeter für Fortuna und zwei Platzverweise für Aue binnen 26 Sekunden! Das kann auch nicht jeder, sag ich mal.

Jens Langeneke verwandelte den Elfer sicher, schön hoch in die Ecke gedroschen (ja, das kann der jetzt auch), 3:0 gegen neun Auer, Drops gelutscht. Und Langeneke holt sich dadurch die alleinige Führung in der internen Torjägerliste zurück – mit sechs Treffern, davon fünf Elfmeter. Aber schließlich ist er ja auch Innenverteidiger…
Anschließend holt Trainer Meier den Kapitän vom Platz, 70-minütiges, ganz starkes Comeback von „Lumpi“ Lambertz, damit konnte man in dieser Form sicherlich nicht rechnen. Anschließend durfte noch jemand ins Spiel eingreifen, der in der ersten Halbzeit nu wirklich keinen Ball gesehen hatte, nämlich Gäste-Keeper Männel. Der hielt noch einige schöne Bälle, unter anderem vereitelte er sowohl einen Treffer von Lukimya als auch ein Sahne-Tor von Beister, der sich gegen fünf ziemlich lustlose Gegenspieler durchgesetzt hatte und schließlich am guten Auer Schlussmann scheiterte. Aue selbst tat nach vorne natürlich nichts mehr, sondern versuchte, sich nicht weiter auseinander nehmen zu lassen, was schließlich auch gelang. Es blieb bei einem hochverdienten 3:0 sehr engagierter Fortunen gegen ultraschwache Auer, wie insbesondere zwei Faktoren zeigen: Innenverteidiger Lukimya verpasste gleich dreimal seinen ersten Saisontreffer, was schon sehr ungewöhnlich ist, schließlich kennt der normalerweise die gegnerische Spielhälfte nur vom Hörensagen; und das Trikot von Fortuna-Keeper Ratajczak konnte nach dem Spiel wieder ungewaschen in den Schrank, er bekam nicht einen einzigen Ball aufs Tor.
Fortuna hatte von Anfang an das Heft fest in der Hand und sorgte bereits im Mittelfeld dafür, dass der Gegner seine bekannten Stärken, die Standards, nicht ausspielen konnte; die von mir immer viel kritisierten Freistöße aus dem Halbfeld, 20 bis 25 Meter vor dem Tor, die stets einiges Chaos in der Fortuna-Hintermannschaft anrichten, die vermied man diesmal komplett, und es gab auch nur eine einzige Ecke im gesamten Spiel für die Gäste. So seiner stärksten Waffe beraubt, musste der Aufsteiger versuchen, spielerisch mit- bzw. gegenzuhalten, und das war an jenem Tag einfach nicht möglich.

Fortuna verabschiedete sich somit für die laufende Saison aus der esprit-Arena, in der man nach den drei Heimspielniederlagen zu Beginn der Saison (Hertha, TSV 1860 München, Bochum) zehn Siege und ein Unentschieden in Serie erreichte. Nach dem Gastspiel des VfL Bochum im September letzten Jahres nahm nur noch der SC Paderborn ein Pünktchen mit, der Rest hätte auch gleich zuhause bleiben können. Eine beeindruckende Bilanz und der Garant dafür, dass man sich mit nunmehr 39 Punkten wirklich keine Sorgen mehr um den Abstieg machen musste. Höchstens dergestalt, dass man in der kommende Woche den Tabellenvorletzten RW Oberhausen noch ein Stück weiter Richtung 3. Liga befördern konnte.

Wieder einer da, wieder einer weg

Und wenn es dann auf dem Platz schon wieder einigermaßen ruhig ist, machen wir halt im Umfeld wieder ein wenig Rabatz: Fortuna gab bereits den zweiten Neuzugang für die kommende Saison bekannt: Karim Aouadhi kommt an den Rhein. Bei dem 24-Jährigen mit den vier Vokalen am Stück im Namen handelt es sich um einen Tunesier, der tatsächlich auch aus Tunesien kommt. Will sagen: Kaum jemand kennt ihn, niemand außer denjenigen, die seine Verpflichtung klar machten, hat ihn jemals spielen sehen, ergo weiß niemand, ob er auf dem Feld was am Ball kann oder besser neben dem Grün den Balljungen assistieren sollte. Eine echte Wundertüte also. Der 1,94 Meter große Recke soll im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Da, wo derzeit schon Costa, Bodzek oder Fink um die Wette grätschen können. Und wenn man so viele Defensive hat, muss man halt in der Offensive ausdünnen: zwei Tage nach der Verpflichtung von Aouadhi konnte man seitens des Vereins hören, dass man das Angebot der Vertragsverlängerung an Patrick Zoundi zurückgezogen habe. Der konnte sich wohl nicht entscheiden, von welchem Berater er sich bei den Verhandlungen nun veräppeln, äh vertreten lassen wollte. Die Kündigung seines ehemaligen Beraters und die Installation von Ex-Fortune Axel Lawarée als neuem Händchenhalter war wohl rechtlich nicht so ganz in trockenen Tüchern. Auf jeden Fall hatte Fortuna die Verhandlungen im März ausgesetzt mit der Maßgabe, Zoundi möge dieses Problem erstmal lösen. Er tat es nicht, und Fortuna zog die Konsequenzen. Schade um Patrick, der besonders in der Hinrunde mit starken Leistungen aufgefallen war, in der Rückrunde allerdings merklich abgebaut hatte. Alemannia Aachen soll an ihm interessiert sein.

Wenn die Stadionzeitung das Spiel entscheidet…

Am 09.04.2011 sicherte sich Fortuna auch rechnerisch den Klassenerhalt in der Saison 2010/11. Vor 8.200 Zuschauern gewann man beim Tabellenvorletzten RW Oberhausen mit 2:1 und konnte mit 42 Punkten auch die zweite „Mission 2. Liga“ erfolgreich gestalten. Und das nach diesem Saisonstart, man kann es gar nicht oft genug sagen. Man kann es schon deshalb nicht oft genug sagen, wenn man sich die Bilanz beider Teams nach dem sechsten Spieltag anschaut: Fortuna bekanntermaßen Tabellenletzter mit null Punkten, Oberhausen Tabellendritter mit 13 Punkten! Und nun kann man gerne diskutieren, welche Serie unglaublicher ist: dass wir in den nachfolgenden 22 Partien 42 Punkte gemacht haben oder dass RWO im selben Zeitraum nur noch ganze elf Pünktchen holen konnte. Der nächste Abstieg in die 3. Liga scheint in Oberhausen unmittelbar bevorzustehen.

Für die Oberhausener Offiziellen ist das alles keine Überraschung, bei deren Außendarstellung bekommt man das Gefühl, die scheinen sich stark zu wundern, dass sie überhaupt drei Jahre lang so hoch spielen durften. Immer wieder wird die Mär von der „Malocherschicht“ rausgeholt, diese Saison steht bei denen unter dem Motto „Klassenkampf“ (auch auf den Eintrittskarten nachzulesen), die Mannschaft wurde in den letzten Jahren kaum verstärkt, weil sie doch ach so wenig Geld haben. Das ist schon bewundernswert, wenn der Club aus so wenig so viel machen kann, allerdings stellt sich bei mir die Frage, ob RWO in den letzten drei Saisons von der Vergabe der Fernsehgelder ausgeschlossen war, die ja nun wirklich erheblich von denen in der 3. Liga differieren. Und falls sie doch von den Fleischtöpfen der Liga naschen durften, sollte sich der gemeine RWO-Fan mal fragen, wo die ganze Kohle geblieben ist. In der Mannschaft steckt sie nicht, das wird ja auch immer wieder von den Offiziellen betont, und das war an jenem Samstag auch deutlich zu sehen. Haben die das Geld ausschließlich dazu verwendet, ihre Schulden abzuzahlen? Solch „schlaue“ Verträge haben noch nicht mal wir, dass wir solche Gelder komplett an Gläubiger weitergeben müssen. Nach der Niederlage gegen uns verkündete RWO-Vorstandsvorsitzender Hajo Sommers, bei einem Abstieg könne man für die 3. Liga melden, allerdings würde es dort wohl auch nur gegen den Abstieg gehen. Vorsorglich wurde gleichzeitig allen Mitarbeitern der Geschäftsstelle gekündigt, wirksam beim Abstieg. Der Etat müsste von 8,9 Millionen Euro auf 4,8 Millionen nahezu halbiert werden. Moment mal – 8,9 Millionen Euro, und die reden vom „Klassenkampf“? Dieses Pleite-Kollektiv lässt auch musikalisch vor dem Spiel gerne – und gut gelungen, wie ich finde – verkünden, es habe „keine Kohle“? Bei einem Etat von 9 Millionen? Das sind mal Sorgen…da könnte man wirklich mal fragen, warum so wenig davon in den letzten Jahren in die Mannschaft geflossen ist. Mit „Armut“ kokettieren mag ja ganz nett sein, aber man sollte es nicht übertreiben. Aber mir soll`s egal sein, ich bin ja kein RWO-Fan.

Und natürlich will ich fair bleiben: ich habe in den letzten Jahren bei Auswärtsspielen der Fortuna in Oberhausen stets gerne die mangelhafte Organisation der Gastgeber kritisiert, aus verschiedensten Gründen. Diesmal gibt es von meiner Seite nix zu meckern, sondern zu loben, es lief alles rund, so rund ums Spiel. Natürlich gab es was zum Schmunzeln, dazu gleich mehr. Was diesmal völlig fehlte, waren die offiziellen Spitzen gegen Düsseldorf, weder im Vorfeld noch über diesen fidelen Stadionsprecher. Von einer Sache abgesehen, die war wirklich stark: etwa eine halbe Stunde vor dem Spiel stand ich auf die Haupttribüne ganz oben am Aufgang und rauchte ein Zigarettchen. Daraufhin wurde ich von einem Ordner in die Schranken gewiesen, der mich darüber aufklärte, dass das Rauchen dort verboten sei. Kann man schon mal machen, denke ich. Kann man allerdings absolut nicht machen, wenn man über einen Vorstandsvorsitzenden Hajo Sommers verfügt, der nahezu alle zwei Wochen bei sport 1 gezeigt wird, wie er nahezu an selbiger Stelle sitzt und sich eine Kippe selbst dreht und anschließend sogar raucht. Dann wirkt das Ganze etwas unverschämt. Auf meine Rückfrage, was denn der Herr Sommers von diesem Verbot halten würde, da er doch schließlich regelmäßig rauchend auf eben dieser Tribüne bundesweit im Fernsehen auftritt, murmelte der Ordner auch nur noch etwas von „Ist erst seit heute so“, und ward nicht mehr gehört. Ja klar, und wahrscheinlich nur für Düsseldorfer Kippen, da muss man schließlich streng trennen. Unglaublich.

Ansonsten war es recht charmant. Zu unserer großen Erleichterung stellten wir vor dem Spiel fest, dass sich zumindest in einem Punkt glücklicherweise nichts geändert hatte. Der ehemalige Caterer von RWO, der diese fluffigen Nackensteaks serviert hatte, die auch schon mal zur Pause ausverkauft waren, der hatte ja in der letzten Saison nach 18 Jahren seinen Hut genommen. Man durfte als nicht gerade kulinarisch verwöhnter Gästefan schon Angst haben, dass damit auch eine der letzten Bastionen des guten Geschmacks fallen würde. Hierzu darf ich frohgemut verkünden, dass dem nicht so ist. Auch der neue Caterer weiß, was man in Oberhausen erwarten darf – Nackensteaks und Currywurst sind nicht nur immer noch da, sondern auch immer noch qualitativ mit „beide Daumen hoch“ zu bewerten. Schön, wenn solche Traditionen nicht so leicht aussterben!

Darüber hinaus stellte ich erstmals fest, dass RWO beim Einlass tatsächlich über eine „Spätkommerkasse“ verfügt! Eine sehr nette Wortschöpfung, wie ich finde, auch wenn man sie natürlich irrtümlich mit dem Gedanken assoziieren könnte, dass Leute, die zu spät kommen, dann tatsächlich nochmal extra zahlen müssen. Anschließend zeigten uns die Malocher noch, wie gut sie Geld ausgeben können, indem sie mittags um 13 Uhr, bei strahlendem Sonnenschein und tiefblauem Himmel, tatsächlich das Flutlicht anknipsten. Dafür sparten sie im Gegenzug an der elektronischen Anzeigetafel, die war nämlich kaputt und blieb während des gesamten Spiels tiefschwarz. Ich hätte ja eine Idee gehabt: mal kurz nebenan in Krefeld anrufen und darum bitten, dass die dortige Anzeigetafel des KFC Uerdingen in der Grotenburg eingeschaltet werden sollte. Dieser weiterhin unübertroffene Weltmeister in der Darstellung grellster Farbtöne hätte sicherlich bis nach Oberhausen gestrahlt und wäre auch im Stadion Niederrhein gut zu erkennen gewesen. Machten sie aber nicht, war ja auch nur eine Idee.

Vor dem Anpfiff noch einige liebenswürdige Kuriositäten aus dem Stadionheft „Kleeblatt“, ein dickes DINA 5-Heft, sehr gut gemacht, nur bei dem Artikel, der die Gastmannschaft vorstellte, hatte man es wohl etwas eilig gehabt. Deshalb teile ich den „Malochern“ gerne mit, dass wir nicht zuletzt – wie geschrieben – 1992, sondern 1997 in der Ersten Liga vertreten waren. Das war aber nur der kleinere Kinken. Der größere lag in einem Satz, der mich beim ersten Lesen schon stutzig machte und mir keine Ruhe ließ. Es ging darum, dass die Fortuna bei den Auswärtsspielen in Oberhausen in den letzten Jahren eigentlich ergebnistechnisch immer recht gut ausgesehen habe. Stimmt. Dann kam der entscheidende Satz: „Die letzte Niederlage im Stadion Niederrhein datiert vom 09. April 2004, also exakt vor sieben Jahren. Helmut Gorka und Detlef Dezelak schossen Oberhausens 2:0-Sieg heraus. Am Ende der Saison feierte RWO übrigens den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga…“
Äääääh, wie bitte? Fortuna-Füchse unter den Lesern haben jetzt natürlich schon den Kopf geschüttelt, genau wie ich, als ich den Satz las. Im April 2004 waren wir nämlich definitiv noch in der Oberliga. Gleich zwei Klassen unter der 2. Liga, in der RWO damals die Klasse hielt. Der 9. April 2004 war darüber hinaus ein Freitag. Nicht wirklich ungewöhnlich als Spieltermin, das gebe ich zu – allerdings handelte es sich dabei um den Karfreitag 2004. Was die alles können (wollen)…

Nun liegt hier ja offen auf der Hand, dass es sich um einen Fehler handelt. Eine Ziffer in der Jahreszahl falsch? Zahlendreher, irgendwie? Mitnichten. Das beschriebene Spiel mit dem Ergebnis und den beiden Torschützen existiert wirklich. Und es fand auch an einem 9. April statt, in der 2. Liga. Und es war tatsächlich der letzte Heimsieg von RWO gegen die Fortuna. Allerdings am 9. April 1988! Neunzehnhundertachtundachtzig! Also wie man 1988 mit 2004 verwechseln kann, das ist schon große Kunst, da stimmt ja nicht eine einzige Ziffer. Aber wenn man es erstmal raus hat, war es doch gute Unterhaltung.
Übrigens verbirgt sich im Stadionheft neben diesen kleinen Ausrutschern sogar noch eine gar Spiel entscheidende Äußerung, aber davon später mehr.

Der Leser ahnt schon: wenn soviel auf die äußeren Umstände der Partie eingegangen wird, kann das Spiel selbst nicht allzu viel getaugt haben. So war es auch. Ziemlich schwaches Spiel beider Teams, ein echtes Gewürge und Gebolze. Zum Einen lag dies sicherlich an der Qualität der Mannschaften, Oberhausen wirklich grottenschlecht, vielleicht auch hypernervös, keine Ahnung, auf jeden Fall zum Abgewöhnen, Fortuna passte sich fürsorglich an, bei denen weiß ich ja zumindest, dass wir es ab und zu mal besser können. Ob dies bei Oberhausen auch der Fall ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Schuld war aber auch der Rasen, vor dem Spiel von allen, die ihn betreten hatten, einhellig als „Katastrophe“ betitelt. Der sah ganz harmlos aus, was allerdings in ihm steckte, konnte man sehen, als nach dem Anpfiff der erste Flachpass gespielt wurde: ein Acker, auf dem jeder flache Ball gnadenlos spätestens nach drei Metern versprang. Wenn man ein wenig ungestört kombinieren wollte, tat man wohl daran, dies mit hohen Bällen zu versuchen. Und wenn man dann technisch etwas limitiert ist, weils halt doch nur 2. Liga ist, dann kommt solch ein Spiel dabei heraus.

Je zwei gute Chancen gab es vor der Pause: bei Fortuna nahm Beister seinem überforderten Gegenspieler an der Torauslinie den Ball ab und passte nach innen, wo Sascha Rösler zwei Schritte zu spät kam, um ins leere Tor abzustauben, da fehlte ein wenig die Koordination; und als Rösler von Ilsø mit einem schönen Pass halbrechts auf die Reise geschickt wurde, da verzichtete der umgekehrt darauf, in die Mitte auf den mitgelaufenen Beister zu passen und versuchte es lieber selbst, aber RWO-Keeper Pirson konnte souverän parieren.

Selbiges gelang Fortuna-Torwart Ratajczak bei einem Schuss von Strafraumgrenze durch Kaya, und der hatte kurz vor der Pause dann die Chance, das Herzflattern der RWO-Anhänger ein wenig zu beruhigen. Nach schöner Kombination hatte er sich in den Strafraum durchgesetzt, ließ auch noch Lukimya ins Leere laufen und strebte völlig allein auf Ratajczak zu! Und strebte und strebte…und vergaß vor lauter Hektik wohl den Torschuss, während der Fortuna-Keeper, der einfach stehen blieb, wahrscheinlich immer größer wurde. Aus fünf Metern (!) schloss Kaya schließlich ab und zielte ziemlich genau auf Ratajczak, der den Ball mit einer Armbewegung wegwischen konnte. Sorry, RWO – aber wer solche Dinger nicht rein macht, der steigt dann halt ab.

In der zweiten Hälfte gab es dann doch noch Tore. Und wie es zu solch einem Sommerkick gehört, waren es zunächst zwei Elfmeter. Erst war Oberhausen dran, unter freundlicher dreifacher Mithilfe der Fortuna: In der 51. Minute Freistoß in den Fortuna-Strafraum, abgeblockt. Der Ball wird nochmals in den Strafraum gehoben, mehr hoch als weit. Ratajczak kommt aus dem Fünfmeterraum raus, wird vom eigenen Mitspieler behindert, die Faustabwehr misslingt. Er hechtet hinterher, kann nochmals per Faustabwehr klären, leider genau auf einen RWO-Spieler, der zwanzig Meter vor dem Tor steht. So weit, so schlecht. Der setzt nun einen Heber, der der Hereingabe wenige Sekunden zuvor in nichts nachsteht – zwanzig Meter weit, aber mindestens genauso hoch und daher gefühlt mehrere Stunden in der Luft unterwegs. Trotzdem gelingt es Lukimya, kurz vor der Torlinie postiert, recht souverän, das Ding falsch zu berechnen, er verfehlt die Kugel. Der Ball springt an den Pfosten, wieder ins Feld, Bodzek klärt – aber nur ca. drei Meter weit, völlig missratener Befreiungsschlag, der genau bei Schmidtgal landet. Bodzek geht hinterher und grätscht Schmidtgal von hinten um. Klare Sache, Elfmeter. Fünf Sekunden hatten ausgereicht, die Fortuna-Abwehr in komplette Konfusion zu stürzen. Den anschließenden Elfmeter schaufelte Kaya lässig rein – 1:0 für RWO, kollektives Durchatmen auf der Tribüne.

Dass Fortuna, nachdem man sich von dem schlechten Spiel der Gastgeber hatte einlullen lassen, die Partie jetzt doch etwas ernster nahm, muss man anerkennen. Sie hätten ja auch Nachbarschaftshilfe leisten und das Spiel abschenken können. Aber man raffte sich auf und drehte die Sache binnen drei Minuten um. Zunächst brach Ken Ilsø durch die gegnerische Abwehrreihe, mit Glück und ein wenig Billard mit einem Gegenspieler, aber warum die in dieser Situation dermaßen weit aufgerückt waren, wussten sie wohl selbst nicht. Wahrscheinlich einer dieser lustigen Versuche, auf Abseits zu spielen, ohne daran zu denken, dass der Ball führende Spieler es auch alleine versuchen könnte. Dies war der Fall, Ilsø strebte allein auf das Tor zu und wurde von RWO-Kapitän Pappas von hinten noch zu Fall gebracht. Elfmeter und Rot für Pappas. Die Elfmeter-Entscheidung war etwas zwittrig, vielleicht war das Foul auch vor dem Strafraum, je nach Perspektive schwer zu sehen, vielleicht hätte man den Acker doch etwas intensiver abkreiden sollen. Falls es doch vor dem Strafraum war, dann ist es Pech für Oberhausen, aber Pfiff und Rot waren auf jeden Fall berechtigt. Langeneke machte den Elfer ebenso lässig rein wie zuvor auf der anderen Seite Kaya – 1:1 in der 58. Minute, Langeneke siebter Saisontreffer, der sechste Elfmeter.

Und drei Minuten später war das Spiel durch. Einer hatte es gewusst und zuvor in der Stadionzeitung verkündet: RWO-Trainer Theo Schneider wurde im obligatorischen Interview befragt, welche Erkenntnisse er aus seinem Besuch in Düsseldorf eine Woche zuvor gezogen hatte, als wir dort 3:0 gegen Aue siegten. Seine Antwort gipfelte in den beiden Sätzen: „Gerade die Spieler auf den Außenbahnen waren gegen Aue sehr beweglich. Diese geballte Offensivkraft müssen wir stoppen.“ Und als Gegner sag ich dann doch mal artig: Danke, dass der Trainer dies zwar dem Redakteur, aber wohl nicht seiner Mannschaft erzählt hatte. Denn was konnte in der 61. Minute gesichtet werden? Der gerade mal 50 Sekunden im Spiel befindliche Sascha Dum – bekanntermaßen auf der linken Außenbahn angesiedelt – startete einen seiner Flankenläufe, die auch Theo Schneider in der Vorwoche nicht entgangen waren, er überlief seinen Gegenspieler einfach, zog bis zur Grundlinie, dann der Rückpass in den Strafraum, Höhe kurzer Pfosten, und Maxi Beister setzte den Ball mit links in die lange Ecke. Wir haben diese Nummer schon mehrfach in dieser Saison gesehen, den Oberhausener Spielern war dies anscheinend völlig neu, und ihr Trainer hatte es nur der Stadionzeitung erzählt. Eventuell ein teures Versäumnis, denn es war der Siegtreffer.

Bemerkenswert am Spiel nur noch die Gelb/Rote Karte in der Nachspielzeit für Innenverteidiger Langeneke wegen Meckerns. Die Gelbe Karte hatte er sich zuvor im Spiel wegen – Meckerns eingehandelt. Für solch einen Blödsinn habe ich eigentlich kein Verständnis, wer es schafft den Schiri über ein gesamtes Spiel derartig zu nerven, dass dieser zwei Karten dafür zieht, der sollte wirklich mal irgendeinen Ausgleichssport fürs Gemüt in Erwägung ziehen, zumal Langeneke von seinen bisher neun Gelben Karten allein sechs wegen Meckerns kassierte. Die Gelb/Rote Karte war schon deshalb unnötig, weil Langeneke in dieser Szene zuvor vom etwas indisponierten Schlieter erst weggerempelt und anschließend angepöbelt worden war. Der Herr war anscheinend etwas zu lange in der Sonne herum gelaufen. Langeneke hielt sich auch erst brav zurück und antwortete auf das Geseier des Oberhauseners leider erst, als der Schiri direkt daneben stand. Müssen wohl gegenseitig nicht ganz so nette Worte gewesen sein, denn Schiri Schalk – der des Öfteren in diesem Spiel den Durchblick verlor – ließ die Sache nicht auf sich beruhen und zeigte beiden Spielern Gelb, für Langeneke damit Gelb/Rot. Idiotisch, aber vielleicht hatte er auch vor dem Spiel noch schnell ein Date für den kommenden Freitagabend ausgemacht, wer weiß das schon. Zusätzlich hatte sich Außenverteidiger Johannes van den Bergh zuvor schon die fünfte Gelbe eingehandelt, sodass Trainer Meier sich für das nächste Spiel einen neue Abwehr basteln darf.

So endete dieser Sommerkick mit einem Sieg für Fortuna, damit verbunden auch der rechnerisch sichere Klassenerhalt, für Oberhausen wird es dagegen duster. Ich werde die Nackensteaks vermissen. Ganz ehrlich.

Und so geht es in die letzten Aufgaben der Saison wesentlich entspannter, als man dies noch im Januar befürchten musste. Es geht jetzt noch um einen versöhnlichen Saisonabschluss, vielleicht ein bisschen was ausprobieren auf dem Spielfeld. Aber es geht auch darum, sich in den letzten fünf Spielen nicht hängen zu lassen. Denn die drei Heimspiele finden in der kleinen airberlin world statt, die wollen wir den jeweiligen Gegnern, für die es auch um nichts mehr gehen wird (Union Berlin, Bielefeld und Aachen) ja nicht kampflos überlassen, schließlich wird die Hütte danach wieder abgebaut. Und in den beiden verbleibenden Auswärtsspielen sollte man auch kein La Paloma spielen, das können für die Gegner Karlsruhe und Greuther Fürth schließlich noch wichtige Partien werden. Also, gehen wir es an: irgendwie erleichtert, aber doch mit dem gebotenen Ernst. Sowas hatten wir schließlich schon lange nicht mehr.