von Janus: 22. bis 25. Spieltag

 

Zwei Heimsiege, zwei Auswärtsniederlagen beinhaltet diese Zusammenfassung. Business as usual also in dieser Saison. Und was so normal ist, sollte auch nicht mit irgendetwas Besonderem eingeleitet werden. Obwohl auch diesmal in der Normalität wieder besondere Gesichtspunkte zu finden waren. Also, starten wir verzugslos in den 22. bis 25. Spieltag!

Der Mühsal Lohn

Am Sonntag, den 13.02.2011 kam der Tabellenvorletzte FC Ingolstadt 04 in die esprit Arena. Vielleicht ein Richtung weisendes Spiel. Wenn man die schlagen könnte, hätte man mit 15 Punkten Vorsprung auf den ersten direkten Abstiegsplatz – genau den belegte nämlich der FC Ingolstadt – wohl endgültig Ruhe vor der Gefahr eines direkten Abstieges. Allerdings kam hier eine Mannschaft, für die es jetzt schon um alles ging, die in der Rückrunde bis dato gute Leistungen gezeigt und den Anschluss an den Relegationsplatz hergestellt hatte. Allein vom zu erwartenden Dagegenhalten, von der kämpferischen Einstellung des Gegners her, durfte man kein zweites Frankfurt erwarten. Man befürchtete ein schweres Spiel, mit Hauen und Stechen, mit Grätschen und Schubsen, mit Kampf um fast jeden Zentimeter, kurz: mit einem unangenehmen Gegner.
Nun, ganz so schlimm wurde es dann zum Glück nicht. Aber auch nicht allzu leicht, denn das Prädikat „unangenehmer Gegner“ traf auf Ingolstadt durchaus zu. Am Ende stand ein 3:1-Arbeitssieg der Fortuna. Mühsam, aber verdient.

Fortuna nicht nur ohne die länger verletzten Lambertz und Bröker, nein, unter der Woche meldete sich auch noch Abwehrhüne Assani Lukimya mit einer Wadenverletzung ab. Dies animierte Trainer Meier dazu, unserem letzten verbliebenen Brasilianer, Tiago Branco Coelho Calvano, zu seinem Rückrunden-Debüt zu verhelfen und ihn in der Innenverteidigung aufzustellen. Konnte man nach dessen Katastrophenleistungen zu Beginn der Saison durchaus skeptisch sehen, aber es ist ja nicht so, dass der vor dem Wechsel zu uns Kreisliga gespielt hätte. Irgendwann muss er es ja mal gekonnt haben. Und dass der vorherige Satz keine hohle Phrase ist, zeigte Tiago dann auch, mit einer durchaus guten Leistung, auch wenn man ehrlich sagen muss, dass die Ingolstädter nur selten direkte Gefahr für das Tor verbreiteten. Überhaupt, „Gefahr“ war für beide Teams in der ersten Halbzeit ein Fremdwort, man rieb sich im Mittelfeld auf, ohne dass jemand besondere Akzente setzen konnte, und als ich mit einem Blick auf die Uhr feststellte, dass fast schon Pause war, und zwar ohne, dass etwas Nennenswertes passiert wäre, da musste man ehrlich konstatieren, dass Ingolstadt bis dahin das bemühtere Team gewesen war, welches auch deutlich mehr Ballbesitz aufzuweisen hatte als der Gastgeber. Sie machten halt nur nix draus.
Die spannendste Szene der Partie bis zur 44. Minute war in der Tat ein verunglückter Abwurf von Torwart Melka, der nach links auf van den Bergh werfen wollte und im letzten Moment erkannte, dass dieser gar nicht zu ihm hinsah. Melka wollte den Abwurf noch verhindern, hatte aber schon zuviel Schwung im Wurfarm, daher flog ihm die Kugel ca. zwei Meter aus der Hand. Zum Glück in den Rücken von Jens Langeneke, der daraufhin einen schönen Befreiungsschlag zelebrieren konnte. Nicht auszudenken, wenn sein Gegenspieler sich vor ihm kurz umgedreht hätte. Und dass bei der doch recht schwankenden Form, die Melka in den Wochen zuvor zum Besten gegeben hatte…Aber es ging ja noch mal gut.

Wie gesagt, bis zur 44. Minute war dies die einzige Szene, die den Puls des Beobachters ein wenig in die Höhe schnellen ließ. Aber dann: ein Vorstoß der Fortuna durch Tiago. Der hatte sich schon ein-, zweimal zuvor über die Mittellinie getraut und mit einem gar nicht mal so schlechten Auge gezeigt, dass es eventuell eine Option sein könnte, ihn anstatt in der Innenverteidigung mal als „Sechser“ aufzustellen, was nebenbei auch die Position ist, auf der er zuvor in Duisburg regelmäßig gespielt hatte. Tiago führte den Ball also in des Gegners Hälfte, als er nicht angegriffen wurde, führte er ihn noch ein bisschen weiter, und als er immer noch nicht angegriffen wurde, da ließ er aus gut 25 Metern mal ein richtiges Pfund los. Und was für eins, das Ding hätte gepasst, FCI-Keeper Sascha Kirschstein musste sich lang machen, um den Ball parieren zu können. Ein kerniges Ausrufezeichen des Brasilianers! Nicht ganz so kernig war der „Rebound“, den holte sich nämlich Sascha Dum, der dann auch noch auf der Torauslinie seinen Gegenspieler austanzte, aber partout nicht auf Ken Ilsø abspielen wollte, der sich schon wieder an den Fünfmeterraum geschlichen hatte. Dum zögerte und zögerte und spielte dann zu spät ab, Chance vorbei.

Aber als ob dies ein Signal gewesen wäre, es jetzt doch mal mit Fußball zu versuchen, gab Fortuna noch einmal zwei Minuten Gas und holte noch einen Freistoß raus, mittig zum Tor, ca. 25 Meter von Selbigem entfernt. Sascha Rösler schoss diesen sensationell schlecht, der Ball verhungerte am Sechzehner. Allerdings war es ein Aufsetzer, und als Ingo-Spieler Fink klären wollte, sprang die Kugel nochmals auf, und Fink produzierte einen sauberen Querschläger in die Menschentraube im Strafraum. Aus dieser reckte sich – ausgerechnet – Tiago am höchsten und gewann das Kopfballduell mit dem Rücken zum Tor – allerdings nicht wie weiland Uwe Seeler per Hinterkopf aufs Tor, nein, der legte schön per Kopf quer nach rechts auf den völlig frei stehenden Maximilian Beister. Sieh mal einer an! Beister ließ die Kugel einmal springen und haute dann volley aufs Tor, Malte Metzelder fälschte noch ab, 1:0 für Fortuna – ein Witz, um ehrlich zu sein. Fand der Schiri wohl auch, denn er ließ gar nicht mehr anstoßen, sondern schickte beide Teams sofort nach dem Treffer in die Kabine, damit er selbst auch ungestört lachen konnte.

Der Schiri hieß übrigens Harm Osmers, 26 Jahre jung, und leitete seine allererste Zweitliga-Partie. Das merkte man dahin gehend, dass er bereits in der ersten Halbzeit gleich mal vier Gelbe Karten verteilte, die man nur mit viel Phantasie oder als sport1-Reporter für gerechtfertigt halten konnte. Es war zunächst ein nickliges Spiel, und er wollte wohl direkt Ruhe reinbringen. Zu unserem Glück übersah er das schlimmste Foul, nämlich als Langeneke den Ingolstädter Buchner von hinten wegputzte, woraufhin dieser bereits in der 16. Minute ausgewechselt werden musste und den letzten Diagnosen zufolge wohl Saisonende hat. Völlig unnötiges Foul, das mindestens mit Gelb hätte bestraft werden müssen. Natürlich Glück für uns, wie die zweite Hälfte zeigen sollte.

Und zu Beginn von Halbzeit Zwei setzte Osmers noch eins drauf, indem er in der 48. Minute zur Überraschung aller Elfmeter für Ingolstadt pfiff. Von der Tribüne sah es so aus, als ob Fortuna-Verteidiger Kai Schwertfeger mit seinem Gegenspieler im Strafraum zusammen geprallt sei, deshalb fand ich es zunächst unfassbar, dass der Schiri dafür Elfer gab. Später im Fernsehen konnte man sehen, dass Schwertfeger wohl tatsächlich zum Ball ging, diesen verfehlte und stattdessen Fink erwischte. Kann man geben.
Ingo-Kapitän Stefan Leitl lief an, haute drauf, links oben, Melka lag rechts unten, 1:1. Noch nicht einmal unverdient, auch wenn wir natürlich alle glaubten, der Schiri habe diesen Elfmeter verschenkt, quasi sein Einstandsgeschenk. Entsprechend aufgeheizt ging es weiter, zum Glück erstmal nur drei Minuten. Dann gab’s Freistoß für Fortuna von der rechten Seite, nahe am Strafraum, vielleicht vier, fünf Meter von der Torauslinie entfernt. Schwertfeger lief an, schlug aber nicht die erwartete Flanke, sondern passte plötzlich flach in die Mitte, wo in Höhe des kurzen Pfostens Maxi Beister mit Gegenspieler angelaufen kam. Beister ließ den Ball dann durch die Beine, und der hinter ihm postierte Jens Langeneke hatte keine Mühe, zum 2:1 abzuschließen, wobei auch dieser Ball noch abgefälscht wurde. Aber ansonsten war das alles viel zu schnell für Ingolstadt gegangen. Ich traute meinen Augen kaum: eine Variante! Bei einem Freistoß! Bei Fortuna! In dieser Saison!! Man wagt ja schon kaum noch, darüber nachzudenken, was die noch so alles drauf haben…

Einen kleinen Assist für diesen Treffer kann man auch Sascha Rösler zuschreiben. Der holte erst den Freistoß raus und pöbelte anschließend einen Reservespieler der Ingolstädter weg, der sich warmlaufend von seiner Seite aus bedrohlich der Torauslinie genähert hatte. Der Spieler trollte sich auch folgsam, und Kai Schwertfeger hatte freie Bahn, die Variante zu spielen. Ja, der Rösler. Wirkte in der zweiten Halbzeit ziemlich platt, manchmal mit Bewegungsradius Bierdeckel, es kamen auch kaum noch ordentliche Pässe von ihm – aber dann muss er eben seine anderen Qualitäten einsetzen…

Knapp zehn Minuten später war das Spiel dann durch. Einen Hammer aus 16 Metern von Sascha Dum hatte Torwart Kirschstein noch gut pariert, der Abpraller landete bei Beister, der anschließend von Caiuby geplättet wurde, fertig war der Konzessionselfmeter. Natürlich kam Caiuby zu spät und ließ dadurch das Bein stehen, ebenso natürlich fädelte Beister aber auch mal sofort ein und drehte seine Pirouette. Den kann man selbstverständlich auch geben, bei dem darf man sich aber nicht wundern, wenn er eines Tages mal nicht gegeben wird, weil das Einfädeln ein wenig auffällt.

Jens Langeneke machte den Elfer zum 3:1 rein, wieder mal genau in die Mitte, aber dazu schreib ich schon gar nix mehr. Ich erfreue mich lieber am zitronensauren Gesicht von Keeper Kirschstein, nachdem der Elfmeter verwandelt worden war. Der reihte sich in die mittlerweile recht beeindruckende Phalanx von Torhütern ein, die einfach nicht glauben können, dass Langeneke auch zum gefühlt 50. Male beim Elfmeterschuss dieselbe „Variante“ anwendet. Ergo hatte auch er sich eine Ecke ausgesucht und den Ball dann „im Flug“ „unter“ seinen Füßen durch ins Netz bekommen. Wäre er einfach nur stehen geblieben, hätte er unserem Ersatz-Käptn die Kugel mittels Volleyschuss direkt wieder an die Rübe donnern können. Aber man will ja nicht klagen. Höchstens, dass auch dieser Treffer zeigt, dass bei mir noch niemals ein gegnerischer Torwart mitgelesen hat. Aber darüber will ich dann auch nicht klagen.

Das Spiel war durch, die restlichen knapp 25 Minuten tat sich nicht mehr viel. Ingolstadt bemühte sich, nach vorne zu spielen und hatte noch einen Torschuss von Hartmann, der Ball ging knapp drüber, und dann in der 84. Minute, eine Premiere: einen 16 Meter-Böller, ich glaube, von Caiuby, bei dem sich Melka lang machen musste, um ihn zu parieren. Abgesehen vom Elfmeter war dies der einzige Schuss der Oberbayern im gesamten Spiel, der auf das Tor kam! Und deshalb verloren sie auch verdient, trotz ihres Einsatzes, trotz ihrer Bissigkeit, trotz des überlegenen Ballbesitzes. Sie waren nach vorne hin einfach zu harmlos. Fortuna siegte nach harter Arbeit mit 3:1. Der Mühsal Lohn: man kletterte erstmals in dieser Saison auf einen einstelligen Tabellenplatz, nämlich auf die 9. Mein Gott, wohin soll das noch führen?

(K)ein gutes Omen

Am Freitag, den 18.02.2011, folgte das Auswärtsspiel bei der Übermannschaft der Stunde. Der VfL Bochum, neun Spiele hintereinander ungeschlagen, achtmal hintereinander gewonnen, und damit aus dem unteren Mittelfeld bis auf Platz 3 der Tabelle geklettert. Und wieder ein schönes Beispiel für unseren missratenen Saisonstart mit den sechs Pleiten am Stück: vom siebten Spieltag an gerechnet, hatte Fortuna bis zu jenem Freitag nämlich genauso viele Punkte geholt wie der VfL Bochum im selben Zeitraum. Da die allerdings keinen ultramiesen, sondern einen mittelmäßigen Saisonstart hatten, hatten sie auch neun Punkte mehr auf dem Konto. Außerdem in letzter Zeit auch die Gunst der letzten Minuten. Bevor die Siegesserie am Wochenende vor dem Fortuna-Spiel mit einem 2:2 in Bielefeld riss, hatte man die letzten drei Spiele vor der Partie in Bielefeld jeweils durch einen Treffer innerhalb der letzten fünf Spielminuten gewonnen. Und auch in Bielefeld hätten sie in der Nachspielzeit eigentlich noch einen Handelfmeter bekommen müssen. Aber zum Glück gibt es ja die berühmte ausgleichende Gerechtigkeit, wie wir gleich noch sehen werden…

Zunächst einmal wieder herzlichen Dank an die DFL für den lustigen Spieltermin. Am Freitagnachmittag durchs Ruhrgebiet, eine ganz tolle Idee. Wie toll die war, konnte man daran sehen, dass der Stadionsprecher unmittelbar nach dem Anpfiff bat, dass in gewissen Blöcken die Fans (Heim wie Auswärts!) noch ein wenig nach unten rücken mögen, da noch so einige Leute beider Farben vor der Tür stünden. Die kamen dann mit durchschnittlicher Verspätung von 10 Minuten ins Stadion. Aber wie werden sie sich bei der DFL sagen? „Hauptsache, für die Fernsehzuschauer zuhause wurde pünktlich angepfiffen!“ Der Rest ist dann auch eher unwichtig. Zum Schluss waren es laut offiziellen Angaben 24.100 Zuschauer, darunter ca. 5.000 Fortunen, von denen bei weitem nicht alle das volle Spiel über 90 Minuten gesehen haben dürften. Immerhin war auch Pelé Wollitz am Start, zwei Reihen vor mir, in etwas gehüllt, das beim besten Willen nur die Assoziation hervorrufen konnte, er würde beim anstehenden Karneval als Michelin-Männchen gehen. Aber bestimmt schön warm, deshalb blickte ich ein wenig neidisch auf den Meister des rhetorischen Feinschliffs aus der Lausitz. Ich selbst fror doch ziemlich, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Aber genug von den Rahmenbedingungen gejammert. Schließlich hatten wir ja auch noch ein Spiel, und über das kann man auch trefflich jammern, zumindest über zwei Szenen. Wobei die eine in der 33. Minute auch noch eine mit Vorlauf war.
Zunächst noch eine Ergänzung zu meiner Anmerkung, Bochum sei derzeit die „Übermannschaft“ der Liga: wer sich für die Zweite Liga interessiert, der kennt sicherlich die Namen Giovanni Federico, Chong Tese und Mahir Saglik. Drei Stürmer des VfL, derzeit mit insgesamt 15 Treffern und 10 Assists in der Statistik (und bevor mir einer schreibt: ja, ich weiß auch, dass man das nicht auf 25 zusammen rechnen und dann behaupten kann, die seien für fast alle Bochumer Treffer – vor dem Spiel 31 – verantwortlich. So blöd bin noch nicht mal ich.). Keine schlechte Bilanz, denke ich. Solch ein Stürmertrio würde wohl jeder Zweitliga-Trainer – zunächst einmal komplett auf die Bank setzen, wie es Bochums Coach Friedhelm Funkel sich leisten kann und an jenem Freitag auch tat. Da bleibt einem schon vor dem Spiel die Spucke weg.

Aber gut, ob die Bochumer diese drei vorne drin stehen haben, oder Aydin, oder Dedic oder Korkmaz, ist eigentlich latte. Zumal, wenn dann noch die Auswahl des Schiris stimmt. An der Pfeife war an jenem Abend nämlich Herr Deniz Aytekin. Und der kannte beide Teams schon recht gut, was allerdings auch nicht verwundern durfte, schließlich hatte er auch das Hinspiel geleitet. Und damals unter anderem dadurch verblüfft, dass er den Bochumer Chong Tese nach einer Tätlichkeit zu Beginn des Spiels nicht des Feldes verwies, was dieser ihm kurz darauf dahin gehend dankte, dass er das Goldene Tor erzielte. Eingedenk seiner „tadellosen“ Leistung im Hinspiel sprach der Stadionsprecher nunmehr vor dem Rückspiel auch die – man möchte sagen – prophetischen Worte, als er das Schiri-Gespann vorstellte: „Das Spiel wird geleitet vom Unparteiischen Deniz Aytekin aus Oberasbach, der bereits das Hinspiel gepfiffen hat, was hoffentlich ein gutes Omen für uns sein wird.“ Danke für die Aufklärung, und nur ein bisschen Kritik meinerseits an dieser Durchsage – das „hoffentlich“, das hätte er ruhig weglassen können.

Fortuna begann gut und aggressiv gegen den Favoriten, der aber auch gut dagegen hielt. So entwickelte sich ein schnelles, abwechslungsreiches Spiel, dem nur die Torszenen fehlten. Von unserer Seite kam herzlich wenig in den gegnerischen Strafraum, die Bochumer hingegen versuchten es gerne mal mit Distanzschüssen, auch weil sie schnell feststellten, dass Fortuna-Keeper Melka an jenem Abend nicht dazu berufen war, diese Bälle auch festzuhalten. Aber eigentlich hatten beide Abwehrreihen alles im Griff. In der 20. Minute wäre Fortuna sogar fast in Führung gegangen, nach einer wieder einmal zu kurzen Ecke von Rösler hatte Langeneke am kurzen Pfosten den Ball irgendwie Richtung Tor gemogelt, und Ostrzolek musste auf der Linie klären. Es schien, als ob das die Gastgeber ein wenig aufgeweckt hätte, denn danach gaben sie mal ein bisschen Gas. Und wurden schon drei Minuten später belohnt. Aydin hatte sich auf rechts am Strafraum gegen van den Bergh durchgesetzt. Dieser wusste sich nicht anders zu helfen und zupfte am Trikot des Gegners. Aydin wiederum kämpfte sich noch heldenhaft in den Strafraum vor und fiel dann um. Und Schiri Aytekin würdigte den großen Einsatz seines Fast-Namensvetters, indem er den Beginn des Fouls einfach flugs in den Strafraum verlegte und Elfmeter pfiff. Wahrscheinlich wollte er sich seine Nebentätigkeit als gutes Omen nicht gleich verderben. Die Entscheidung war ein Witz, das erste Festhalten am Trikot erfolgte mindestens einen Meter außerhalb des Strafraums, aber was interessiert das schon einen FIFA-Schiedsrichter, wenn sein „guter Ruf“ auf dem Spiel steht? Eine fette Fehlentscheidung, eigentlich nur noch dadurch getoppt, dass sein Fähnchenmann auf der gegenüber liegenden Seite stumm wie ein Fisch blieb, und der hatte aus drei Metern Entfernung drauf geschaut und muss es nun wirklich gesehen haben. Und nachdem ich nun diese Herrn und das fröhliche Gespann um Herrn Rafati in den letzten Wochen erleben durfte, darf doch die Frage mal gestellt werden – wie wird man beim DFB eigentlich FIFA-Schiri? Würfeln die das zu Beginn einer jeden Saison einfach mit dem großen Schaumstoffwürfel aus? Dann bewerb ich mich auch mal, denn solche Fehlentscheidungen kriege ich auch noch hin. Kein Mensch sagt was, wenn es wirklich um Zentimeter-Entscheidungen geht, die der Schiri binnen einer Sekunde fällen muss. Aber hier war es so offensichtlich, dass ich eigentlich dachte, der kann sich das unmöglich trauen. Tja, falsch gedacht.

Das gute Omen gab also den Elfmeter in der 24. Minute, Marcel Maltritz machte ihn flach rein zum 1:0 und die Bochumer Serie konnte wieder ihren gewohnten Gang gehen. Nur direkt im Gegenzug hätte es fast noch mal gescheppert, als Ken Ilsø sich am Sechzehner durchsetzen und ein ordentlicher Pfund auf den Bochumer Kasten loslassen konnte. In das Torschützen-Geschrei des Stadionsprecher hinein wäre fast der Ausgleich gefallen, aber Bochums Keeper Andreas Luthe zeigte eine tolle Reaktion und konnte den Ball parieren. Und das war es dann auch schon fast.

Denn in der zweiten Halbzeit wurde Fortuna schon recht früh, nämlich in der 59. Minute abgeschossen, sodass das Spiel eigentlich ab diesem Zeitpunkt durch war. Bezeichnend für seine derzeitige Form ist, dass Fortuna-Keeper Melka den zweiten Treffer der Bochumer einleitete. Nachdem Langeneke den Ball auf ihn zurück gepasst hatte, hatte Melka alle Zeit der Welt, um die Kugel mittels Befreiungsschlag aus der eigenen Hälfte zu befördern, vielleicht nicht ganz schön anzusehen, doch immerhin effektiv. Aber nicht mit uns, schließlich haben wir ja einen „spielenden“ Torwart! Und so täuschte er den großen Hammer nur an und spielte dann flach auf Innenverteidiger Lukimya, der ungefähr an der Strafraumgrenze stand. Der hatte mit dieser technischen Feinheit wohl ebenso wenig gerechnet wie alle anderen, zumal sich zwei Bochumer in seiner Nähe befanden, die ihn nach einer Schrecksekunde auch sofort attackierten. Derart unter Druck gesetzt, bekam er dann Ball nicht weit genug weg, die Bochumer setzten nach, niemand anderer der Gäste konnte klären, und am Schluss dieses Tohuwabohu fasste sich VfL-Neuzugang Ümit Korkmaz ein Herz, zog aus 20 Metern ab, und weil in solchen Momenten einfach alles passt, wurde der Ball abgefälscht und senkte sich hinter Melka als Bogenlampe schön ins lange Eck. 2:0, Spiel gegessen. Und wiederum eine weitere Meisterleistung unseres Keepers, der leider seit Wochen unsicher und außer Form wirkt, sodass seine Anhänger – besonders diejenigen vom Blatt mit den vier großen Buchstaben – schon immer weiter zurück gehen müssen, um seine Verdienste um die Nummer Eins im Tor zu preisen. Jetzt sind sie schon bei „Aufstiegsheld“ und somit im Jahr 2009 angelangt. Mal sehen, wann ihnen einfällt, dass er auch schon mal zwei Spiel entscheidende Elfmeter gehalten hat, in Berlin und in Wuppertal – im Jahr 2007…

Bochum gewann letztendlich verdient mit 2:0, weil sich deren Abwehr solche Sperenzchen eben nicht erlaubte, weil man auch im Mittelfeld mit dem überragenden Azaouagh den dominanteren Part hatte und auch insgesamt mehr Einsatz in das Spiel investierte. Fortuna hielt eigentlich sehr gut mit, hatte aber nach dem Rückstand so gut wie keine echte Chance mehr, weil die „Durchschlagskraft“ fehlte, wie beide Trainer nach dem Spiel folgerichtig analysierten. Tja, und wenn dann noch das gute Omen und ein Torwart mit Gefühl im Fuß mitspielen, dann hat man gegen ein Team wie Bochum eben keine Chance.

Nach Schlusspfiff verlief ich mich erst noch im undurchdringlichen Dickicht von Trainingsplätzen hinter dem Bochumer Stadion, deren Zwischenräume zum Parken frei gegeben sind. Eine Gasse sieht aus wie die nächste, die Beleuchtung war auch nicht immer die beste und die Ordner schien man sich bei Hertha BSC ausgeliehen zu haben, die wussten auf Nachfrage auch genau nix. Nach zehnminütigem Umherirren zwischen Zäunen und Hecken fand ich dann aber doch noch meinen Wagen wieder und hatte somit das einzige Erfolgserlebnis an jenem Abend. So wenig sollte es wirklich nicht sein. Aber ich hatte ja auch den ganzen Tag über schon kein gutes Omen am Start…

Das letzte Spiel im Februar sollte dann aber Denkwürdiges zu Tage fördern. Am 27.02.2011 kam der VfL Osnabrück in die esprit-Arena, in akuter Abstiegsgefahr. Ein ganz normales Spiel gegen einen nickligen Gegner, wieder mal dazu geeignet, entscheidend Luft nach unten zu gewinnen. Zwei Tage zuvor hatte RW Oberhausen gegen den MSV Duisburg 0:0 gespielt, dies bedeutete, mit einem Sieg gegen Osnabrück konnte die Fortuna zwischen sich und den unteren Relegationsplatz, den Oberhausen belegte, wieder zwölf Punkte Abstand legen, was zu diesem Zeitpunkt der Saison doch eigentlich für klare Verhältnisse in Sachen Nichtabstieg sorgen sollte.
Und es gelang. Aber es war beileibe nicht nur irgendein Sieg. In jeder Hinsicht.

Rekord mit diversen Knallern

Zunächst einmal konnte man beim Anmarsch zur Arena schon das kleine mobile Ausweichstadion begutachten, welches direkt neben der großen Turnhalle errichtet wird. Es ist fast fertig, sogar die Flutlichtmasten stehen schon. Doch erstaunlich, wie schnell so etwas heutzutage gehen kann. Die in Fan-Kreisen kolportierte „Lenarena“ (derzeit offiziell noch namenlos und der Einfachheit halber nach ihrem Ort ASP = Arena Sport-Park benannt) wird 20.000 Zuschauer fassen und für die letzten drei Heimspiele gegen Union Berlin, Arminia Bielefeld und Alemannia Aachen benötigt. Nachdem in der Woche zuvor noch erwartungsgemäß irgendetwas über Bau- und Sicherheitsmängel sowie Nachbesserungsbedarf geschrieben wurde, schreiten die Arbeiten munter voran und man darf sich wohl auf schöne Heimspiele in schnuckeliger Atmosphäre freuen. Somit also nur noch drei Heimspiele in der mittlerweile wieder zur Festung avancierten „großen“ Arena: Osnabrück, Paderborn und Aue.

Einer verpasste das erste der letzten drei „großen“ Heimspiele. Torwart Michael Melka, seit Wochen doch eher mit Unsicherheiten aufgefallen, zuletzt gegen Bochum auch wieder Wegbereiter eines Gegentors, was den allgemeinen Ruf nach einem Torwartwechsel wieder hatte lauter werden lassen. Genau in der Woche, in der man mutmaßte, jetzt werde Trainer Meier doch wieder einen Tausch vornehmen, erledigte sich die Torwartfrage quasi von selbst: Melka zog sich im Training einen Kapselriss zu und meldete sich für mindestens zwei Wochen ab. Comeback also für Michael Ratajczak, der nach dem vierten Spieltag und der vierten Niederlage weichen musste. Schon ein kleiner Knaller vor dem Spiel.
Dass der Trainer weiterhin Leute wie Sandor Torghelle oder Marco Christ noch nicht einmal auf die Ersatzbank lässt, ist mittlerweile Usus und daher nicht mal mehr als überraschend zu bewerten. Schon eher erstaunlich, dass der VfL Osnabrück locker 2.000 Fans mitgebracht hatte, da sind wir von anderen Abstiegskandidaten wie Ingolstadt oder Karlsruhe auch andere Sachen gewohnt. Insgesamt 22.200 Zuschauer, wieder einmal eine schöne Sache.

Von denen hielten sich zwei Minuten nach Spielbeginn 22.199 erst einmal die Ohren zu. Nicht aufgrund der Nachwehen der Stadionmusik vor Spielbeginn, da können wir uns, im Gegensatz zu fast allen anderen Stadien, in denen ich in dieser Saison zu Gast war, nun wahrlich nicht beklagen. Nein, ein Spacken im Stadion hatte mal wieder die ihm eigene Vorstellung von Spaß ausgelebt und einen Böller gezündet und natürlich geworfen, die Dinger anschließend in der Hand zu halten, ist ja auch zu gefährlich. Also für einen selbst. Deshalb warf dieser Hirntote seinen Böller von der Hintertortribüne in den Innenraum. Es knallte einmal mächtig, und dann gab es Einsatz für die Sanitäter: ein hinter dem Tor postierter Kameramann, sein Mitarbeiter und ein Balljunge wurden mit Knalltrauma ins Krankenhaus gebracht, aus dem sie glücklicherweise noch vor Spielschluss wieder entlassen werden konnten, was sie allerdings nicht unverletzter macht oder das Ganze als Bagatelle erscheinen lässt. Zu solchen Typen wie dem Böllerwerfer fällt mir eigentlich gar nix mehr ein. Nur dass der unwiderruflich und nachweislich nicht alle Latten am Zaun haben kann. Denn es gibt doch nur zwei Möglichkeiten: entweder er wollte bewusst jemanden mit der Aktion verletzen, dann war es ein Anschlag ohne Fußball-Hintergrund; oder aber, wie schon vermutet, das ist seine Art, beim Fußball Spaß zu haben, und da muss man halt mit so etwas rechnen, das heißt, wenn du zum Fußball gehst, musst du damit rechnen, zum sprengmitteltechnischen Kollateralschaden zu werden, nur weil jemand der Meinung ist, Böller gehören zum Fußball zwingend dazu. Diesen Gedanken weitergesponnen, können wir ja bald auf die erste Detonation einer Sprenggranate hoffen. Völlig kaputt, solche Leute.

Nun, es wurde erst einmal Fußball gespielt, und in der ersten Halbzeit sah das ganz okay aus. Nix Dolles, aber das erwartete auch niemand gegen diesen nickligen Gegner, der selbst versuchte, mitzuspielen, aber nach vorne dermaßen harmlos war, dass nicht ein Schuss auf das Tor von Ratajczak kam. Der musste eigentlich nur zweimal bei Flanken eingreifen und erledigte dies souverän, das hatte zuletzt bei Melka noch ganz anders ausgesehen.

Fortuna die bessere Mannschaft, die Führung war eine logische Folge der Überlegenheit und der Harmlosigkeit der Gäste. In der 24. Minute war es so weit: zunächst hatte Ken Ilsø, diesmal mehr als hängende Spitze agierend, mit einem Freistoß an Freund und Feind vorbei Osna-Keeper Berbig zu einer Glanzparade gezwungen. Den abgewehrten Ball bekamen die Osnasen nicht entscheidend geklärt, nach kurzer Unterbrechung ging es wieder auf das Gäste-Tor. Patrick Zoundi, nach mehrwöchiger Verletzungspause erstmals wieder dabei, spielte Sascha Rösler an, der knapp im Strafraum stand, mit dem Rücken zum Tor. Rösler nahm die Kugel an, drehte sich, verzögerte noch den Bruchteil einer Sekunde und schlenzte die Kugel dann mit links an seinem Gegenspieler vorbei halbhoch ins linke Eck. Ein Klasse-Treffer aus dem Stand. Aber der Rösler ist nicht umsonst zusammen mit Jens Langeneke der älteste Spieler im Kader, der hat vielleicht nicht mehr die Kondition, aber eben doch die Routine, um solche Situationen auch mal auszunutzen. Verdiente Führung, die auch verdientermaßen bis in die Pause währte, wobei man noch das 2:0 auf dem Fuß bzw. auf dem Scheitel hatte: eine Ecke von Rösler hatte Langeneke noch vor dem kurzen Pfosten mit dem Kopf Richtung langes Eck verlängert, Keeper Berbig guckte nur staunend hinterher, aber am langen Pfosten stand noch ein Osnabrücker und haute die Kugel wieder raus. Schade, es hätte wohl für eine ruhigere zweite Hälfte gesorgt.

Unmittelbar nach dem Abpfiff des Schiris zur Pause nahm sich Fortuna-Vorstandsmitglied Paul Jäger ein Mikrofon, baute sich vor der Südtribüne auf und verlangte lauthals die Auslieferung des Böller-Täters, eine Ansage, welche an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Denn irgendwann ist es eben kein dämlicher Streich mehr, sondern Körperverletzung, und eine Meldung des Täters kein Denunziantentum sondern die Mitwirkung an der Aufklärung einer Straftat. Jäger beendete seine Ansprache mit den Worten: „Wenn ihr mir den Täter nicht gebt, könnt ihr auch von mir nichts mehr erwarten!“, ein deutliches Anzeichen dafür, wie verstimmt der Herr war. Kann ich verstehen. Die meisten anderen auch, es gab mehrheitlich Applaus für die Ansage. Dann dürfen wir mal gespannt sein, ob irgendjemand den Täter meldet oder ob auch Leute unmittelbar neben ihm mit Blindheit geschlagen waren.

Der nächste Knaller erfolgte zu Beginn der zweiten Halbzeit. Das Spiel lief schon wieder, als ich feststellte, dass Ersatz-Kapitän (für den verletzten Lambertz) und Turm in der Innenverteidigung Jens Langeneke nicht wieder aufs Spielfeld zurück gefunden hatte. Offenkundig eine Verletzung. Statt seiner lief nun der Brasilianer Tiago auf, um gemeinsam mit Lukimya die Innenverteidigung zu schmeißen. Da ging bei mir schon das Zittern los, bevor überhaupt ein Osnabrücker den Ball berührt hatte. Für eine abwechslungsreiche zweite Halbzeit war somit gesorgt.

Fortuna hätte den Sack frühzeitig zumachen können, ja müssen. Nach noch nicht einmal einer Stunde Spielzeit ergab sich die wohl größte heraus gespielte Torchance der gesamten Saison, als die Kugel nach einem Eckball der Osnabrücker geklärt wurde, und sich in Höhe der Mittellinie lediglich noch Maximilian Beister befand, alle Osnabrücker waren in die Fortuna-Hälfte aufgerückt. Rösler spielte den Ball in den Lauf, und Beister stürmte über 40 Meter mutterseelenallein auf das Tor der Gäste zu. Deren Torwart Berbig fand es reichlich sinnlos, von der Strafraumgrenze bis zur Torlinie zurück zu eilen, nur um anschließend wieder kehrt zu machen und blieb daher direkt an der Sechzehnmeterlinie stehen. Leider bemerkte Beister dies nicht, er hätte in aller Gemütsruhe einen Heber ansetzen können, Berbig hätte keine Chance gehabt. Stattdessen lief unser Stürmer weiter auf Berbig zu, Maxi allein mit Ball, und als er am Strafraum angekommen war, verließen ihn wohl Puste und Übersicht, seinen schwachen Abschluss konnte Berbig parieren. Die Chance zur Vorentscheidung, und mal wieder ein schönes Argument dafür, die jungen Hüpfer nicht immer alleine rumlaufen zu lassen, denn solche Dinger vergibt bei uns normalerweise nur der nahezu gleichaltrige Marcel Gaus.
Anschließend brachte Trainer Meier den genesenen Thomas Bröker, der auch mal sofort zeigte, dass er wieder in die Stammelf will, indem er sich einige Strafraumszenen erarbeitete und ebenfalls mit zwei dicken Chancen an Berbig scheiterte. Die Führung war mittlerweile hoch verdient, das Spiel hätte längst durch sein müssen, Osnabrück spielte zwar jetzt mutiger nach vorne, von Torchancen war allerdings weiterhin nichts zu sehen, sieht man von einem Fernschuss des eingewechselten Krük ab, ein dankbarer Ball für jeden Torwart, weil halbhoch und lange unterwegs, was von Ratajczak natürlich auch zu einer schönen Flugeinlage mit weicher Landung inklusive Festhalten des Balles genutzt wurde. Alles schien in trockenen Tüchern, das 2:0 nur noch eine Frage der Zeit.

Folgerichtig kassierte man eine Viertelstunde vor Schluss plötzlich das 1:1, völlig aus dem Nichts. Nach einer Flanke von links in den Strafraum hatte Tiago per Kopf geklärt, 25 Meter vor dem Tor kam der ebenfalls eingewechselte Kotuljac für Osnabrück ans Leder, mogelte sich zwischen zwei Fortunen durch, von denen keiner Lust hatte, mal anzugreifen, und als ihn nach ungehindertem Weiterführen des Balles immer noch niemand angriff, schoss er den Ball einfach ins Tor, ein schöner Distanzschuss, knapp über der Grasnarbe, allerdings auch gefühlte Ewigkeiten unterwegs. Aber Ratajczak fiel in dieser Szene wie eine Bahnschranke und winkte den Ball unter seinen Händen durch. Schwupps, waren zwei Punkte futsch, und Ratajczak hatte sich sein bis dahin recht souveränes Comeback versaut, der Ball war zwar hart geschossen, aber eindeutig haltbar.

Fortuna war wie vor den Kopf geschlagen und brauchte einige Minuten, um sich zu erholen. Dann aber schaltete man noch einen Gang hoch und versuchte, das drohende Unentschieden abzuwenden, gegen Osnabrücker, die nun natürlich mit Zähnen und Klauen den Punkt verteidigen wollten. Ich will es kurz machen, das Spiel dauerte ja auch nicht mehr lange. Als man sich innerlich schon mit dem Remis abzufinden versuchte, holte der eingewechselte Marcel Gaus in der 89. Minute noch einen Freistoß heraus, direkt am rechten Strafraumeck. Völlig berechtigt, sein Gegenspieler war zu spät gekommen und ihm in die Parade gefahren. Es lief an Sascha Rösler, eigentlich schon eine Option, den Schlusspfiff herbei zu sehnen, schließlich hatte Rösler bis dato in dieser Saison Freistöße beigesteuert, die nicht unbedingt zur Erheiterung des Publikums beigetragen hatten, entweder direkt in die Mauer oder turmhoch ins Fangnetz. Diesmal jedoch nahm er zwei Schritte Anlauf und haute die Pille rechts oben in den Winkel! Ein Traumtor zum Sieg, ein Doppelpack von Rösler sichert die beiden Punkte, und beide Tore mit nicht mehr Einsatz als zwei, drei Schritten erzielt – daraufhin dachte Rösler wohl, er habe sich einen freien Rosenmontag verdient. Prompt entledigte er sich beim Torjubel seines Trikots, kassierte dafür Gelb, es war seine fünfte, Sperre für das Spiel in Augsburg. Clever gemacht.

Nein, bei aller Abgezocktheit von Rösler, in solchen Momenten würde ich niemals jemandem Absicht unterstellen. Ich an seiner Stelle wäre wahrscheinlich direkt aus der Arena gestürmt und hätte ergriffen eine Runde um das Geläuf gedreht, auf dem ich gerade einen der schönsten –und vor allem auch noch Spiel entscheidenden – Treffer meiner Karriere erzielt hätte. Und das mit dem freien Rosenmontag kann er sich auch abschminken, Trainer Meier meinte später, auf den Treffer und die Sperre angesprochen, augenzwinkernd: „Ist das ein abgezockter Hund. Den nehme ich mit nach Augsburg, zur Unterstützung der Mannschaft.“ Das war’s dann für Rösler mit Kamelle und Bützchen…

Fortuna siegte völlig verdient, letztendlich aber natürlich glücklich mit 2:1 gegen den VfL Osnabrück und kletterte damit auf Platz 8 der Tabelle, wieder eine Bestleistung in der aktuellen Saison. Aber es war auch in anderer Hinsicht ein bemerkenswerter Sieg: es war der neunte Heimsieg in Folge und somit ein neuer Vereinsrekord. Die alte Marke aus den 1980er Jahren von acht Heimsiegen in Serie war bereits in der letzten Saison eingestellt worden, diesmal setzte man noch einen drauf. Nach Negativ-Startrekord jetzt also Heimsieg-Rekord, in dieser Saison ist wirklich einiges drin. Und wer weiß, vielleicht geht der Rekord ja noch ein bisschen weiter…

Bescheuerte Böllerwerfer, bildschöne Traumtore, bedeutende Rekorde – es war somit in jeder Hinsicht ein besonderes Heimspiel, auch wenn es „nur“ ein 2:1 gegen einen Abstiegskandidaten war. Das Schlusswort hat der Trainer: „Sagen wir mal so: Wir hatten schon Spiele, da waren Saschas Freistöße ungefährlicher.“ Stimmt.

IntermezZo(o)

Eine kleine Abschweifung sei mir gestattet. Am 1. März spielte in der Regionalliga West Fortuna II beim Wuppertaler SV. Der Verein, der das für ein Derby hält, bei dem wir so oft in den letzten Jahren im Stadion Am Zoo mit der Ersten Mannschaft antreten mussten und mit dem es im Umfeld eigentlich immer Ärger gab. Nun einmal mit der Zweiten Mannschaft dort auflaufen zu dürfen, das hatte irgendwie etwas, so was gönnt man sich gerne mal, genau wie das Spiel in der letzten Saison bei RW Essen.
Zunächst muss man sagen, dass man über keinerlei Erfahrungen aus dem Hinspiel verfügte – dies war nämlich das Hinspiel! Eine Partie aus der Hinrunde, dem damaligen Winter zum Opfer gefallen, und das gleich zweimal, dieses war der dritte Versuch, auch mal die Hinrunde abzuschließen. Und obwohl es an jenem Abend im Stadion Am Zoo arschkalt war, gefühlter Windchill von minus 20 Grad, diesmal konnte gespielt werden. Fortuna II holte ein verdientes 2:2, eigentlich nicht schlecht, für die aktuelle Situation leider zu wenig, denn damit blieb man auf dem vorletzten Tabellenplatz.

Aber die 1.600 Zuschauer bekamen für kleines Geld richtig etwas geboten. In der, sagen wir mal: intensiv geführten Partie gab es acht Gelbe sowie eine Gelb/Rote Karte (für den WSV), vier Tore, drei Elfmeter, ein Eigentor des Jahres sowie reichlich kuriose Begleitumstände. Fortuna II mit vier Spielern aus der Ersten Mannschaft am Start, was bekanntermaßen auch mich nie besonders froh stimmt, aber diesmal fast nix machte, da nahezu die gesamte aktuelle Wuppertaler Mannschaft aus ehemaligen Fortunen besteht, die haben uns vor der Saison die halbe Zweite Mannschaft weggekauft. Also quasi nur Fortunen auf dem Platz. Einer von denen, die jetzt das Trikot der Zoologen tragen, Haas, flog mit Ampelkarte vom Platz, ein anderer, Bekim Kastrati, schoss den Vogel schlechthin ab. Den Elfmeter zum 2:1 machte er noch lässig rein. In der 90. (!) Minute gab es dann beim Stande von 2:2 den zweiten Elfer für Wuppertal, den er selbst auch rausgeholt hatte. Er trat nochmals an und versuchte - wie gesagt: 90. Minute - einen Panenka/Zidane-Gedächtnislupfer in die Tormitte! Fortuna-Keeper Schulzer Niehues, der schon auf dem Weg in die rechte Ecke war, hatte alle Zeit der Welt, wieder umzukehren und den Ball mit der Kappe zu fangen. Nach dem anschließenden Schlusspfiff gab es dann noch eine Rangelei zwischen Schulze Niehues und Kastrati, weil, und ich darf zitieren: „...der Düsseldorfer Keeper den Schützen nach dem gehaltenen Elfmeter ausgelacht hatte.“ Das ist Fußball!

Nebenbei erzielte der Fortune Incilli (lustigerweise ein Ex-WSVer...) ein herausragendes Eigentor zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich für die Wuppis, als er dem Keeper nach einem eigentlich abgewehrten WSV-Angriff am Fünfmeterraum den Ball vom Fuß nahm, dann nicht wusste, wohin damit und die Kugel, als ihn nach einigen Sekunden ein Wuppertaler attackierte, völlig lässig ins eigene Tor schob. Da stimmte wohl die Grobmotorik nicht so ganz.

Außerdem konnte während des Spiels noch eine Ente gesichtet werden, die das Spielfeld inspizierte und trotz einiger Bemühungen von Stürmer Torghelle nicht eingefangen werden konnte. Wer sich noch an Sepp Maier und ein ähnliches Szenario erinnern kann, der weiß, wie das ausgesehen hat...Insgesamt also ein sehr erheiternder Abend mit allem, was das Fußballherz begehrt. Es muss halt nicht immer Bayern gegen Dortmund sein. Aber wer wüsste das nicht?

Viertklässler beim Karneval

Am 07.03.2011 präsentierte uns die DFL endlich mal etwas Neues. Nein, nicht, dass wir an diesem Tag auswärts beim FC Augsburg antreten mussten, da waren wir in der letzten Saison bereits, also nix Neues. Aber wer mal genau auf den Kalender guckt, der weiß, warum bei uns allgemein von einem Fake die Rede war, als die Spielansetzung bekannt gegeben wurde. Die DFL schaffte es, uns erstmals – zumindest in meiner „Geschichte“, eventuell sogar in der Vereinsgeschichte? – ein Spiel an Rosenmontag zu verpassen! Dazu fiel mir nun beim besten Willen nichts mehr ein. Ausschlaggebend war natürlich, dass sport1 sich das Spiel als Montagsspiel gewünscht hatte, aber dass die DFL dann so hurtig springt, hätte ich auch nicht gedacht. Fortuna auswärts am Rosenmontag – und dann noch in Augsburg, also praktisch um die Ecke, nur knappe 600 km entfernt. Da zeigte sich mal wieder das gute Herz, dass die mit Fußball beschäftigten Organisationen für die Fans vor Ort hat. Gut, wie bereits im letzten Bericht erläutert, gibt es ja momentan Nationalspieler, die in der Werbung öffentlich dazu auffordern, bei den Spielen gefälligst zuhause zu bleiben und sich vor den Fernseher zu hocken. Dies scheint dann ein Auswuchs davon zu sein. Und während der FC Bayern München aufgrund seiner erwiesenen Wichtigkeit natürlich kein Heimspiel am ersten Februar-Wochenende haben darf (siehe auch letzten Bericht), sieht aber niemand dieser fußballerischen Totengräber bei DFL und sport 1 ein Problem darin, Rheinländer am Rosenmontag mal eben 600 km in die Pampa zu schicken. Die haben sich wohl gesagt, och, die Jungs haben sich doch Dienstag bestimmt eh alle frei genommen, da können wir die auch ein bisschen durch die Gegend fahren lassen. Quasi ein 600 km langer Rosenmontagszug durch die Republik, bestehend aus ein paar hundert Autos und einigen Bussen, begleitet von einzelnen Waggons der Deutschen Bahn. Und es machte auch nicht viel Spaß, sich auszurechnen, wann man bei Spielbeginn 20.15 Uhr ungefähr wieder in heimischen Gefilden sein würde. Aber sport1 beweist ja immer gerne, dass es sogar unbeachtet ihrer lustigen Kommentatoren immer noch schlechter geht. Und die DFL kuscht natürlich wieder brav. Ein echter Witz, aber selbstverständlich auf Kosten derjenigen Deppen, die auch vor Ort sein wollten. Vielen Dank!

Nebenbei bin ich sicher, dass es der DFL ganz besondere Freude machen wird, im nächsten Jahr die Partie der Fortuna gegen Borussia Mönchengladbach auf den Rosenmontag zu terminieren. Das hätte doch mal was.

Und so fuhren wir also brav am Rosenmontag nach Augsburg. Die idyllische Tour nach dort habe ich schon einmal ein wenig ausführlicher geschildert, als wir im letzten Jahr in Augsburg antreten mussten. Und zwar am Karnevalssonntag, ich sag`s ja, die bei der DFL werden sich vor Lachen bestimmt auf die Schenkel geklopft haben. Karnevalssonntag nach Augsburg, Rosenmontag nach Augsburg, und schon wieder waren ca. 800 Leute dabei, einfach nicht totzukriegen, diese bekloppten Rheinländer.
Das Karnevalswochenende lag im letzten Jahr ein wenig früher, es war Mitte Februar. Interessierte Leser mögen die Anreise im dortigen Bericht nachblättern. Diesmal gab es strahlenden Sonnenschein mit auf den Weg, was allerdings nichts daran änderte, dass es arschkalt war. Spätestens, als wir auf der A 8 den Aichelberg bezwungen hatten und uns dort noch am Anblick ausgedehnter Schneefelder zwischen all dem Grünzeug erfreuen durften, war klar, dass es nur unwesentlich wärmer als im letzten Jahr werden würde. Und so war es dann auch, es war eher kälter. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt im März dermaßen gefroren habe, aber das wollen wir mal als Weichei-Faktor abtun.

Da tat es gut, wenn man direkt nach der Ankunft etwas zu lachen hatte. Oder zu weinen, je nach Gemütslage. Beim Warmlaufen der Teams wurde nämlich klar, dass Fortuna erstmals in einem Pflichtspiel mit diesen unfassbaren blau-roten Auswärtstrikots antreten würde (siehe meinen Bericht vom Saisonbeginn). Passend zum Tag hatte sich die Mannschaft also als Wuppertaler SV verkleidet! Dazu wiederum passend, wurde dieser Auftritt von den mitgereisten Fans zunächst mit den Sprechchören „Wuppertal – asozial!“ gewürdigt. Und was passiert, wenn sich solch ein Viertklässler bei einem Zweitliga-Spitzenteam vorstellt, das konnte man sich wohl vorstellen, ist ja schließlich nicht der DFB-Pokal mit seinen „eigenen Gesetzen“. Den gewissen Klassenunterschied, den die Fortuna wohl von Beginn an allein schon mit dem Outfit suggerieren wollte, den sah man zumindest in der 2. Halbzeit. Und das reichte dann auch.

Fortuna-Trainer Norbert Meier ersetzte den gesperrten Rösler durch den wieder genesenen Bröker und ließ seine Wuppertaler mal los laufen. Er selbst hatte sich den Hintern noch nicht auf der Bank angewärmt, da stand es schon 1:0 für Augsburg. Nando Rafael hatte sich im Strafraum irgendwie durchgewurstelt, aber irgendwie auch wieder nicht. Lukimya blockte den Ball am Fünfmeterraum gut gegen Rafael ab und erwartete dann irgendwie, dass Torwart Ratajczak sich auf die Kugel werfen würde. Dieser erwartete wiederum wohl, dass Lukimya das tat, was man als Abwehrspieler in solchen Situationen macht, wenn man am eigenen Fünfmeterraum an den Ball kommt, nämlich die Kugel raus zu pöhlen. Ehrlich gesagt hätte ich das eigentlich auch erwartet. Also packte Ratajczak einen Moment zu spät zu, Lukimya hatte nicht mit den langen Gräten von Rafael gerechnet, der noch nachstocherte und einen Fuß an den Ball bekam, Ratajczak konnte noch abwehren, aber den Abpraller machte Ex-Fortune Axel Bellinghausen aus sechs Metern ins leere Tor rein – Führung für Augsburg nach 3 Minuten und ein paar Sekunden. Immerhin schon eine Steigerung zum Vorjahr, da hatte Thurk schon nach 65 Sekunden getroffen. Trotzdem ein schlechter Karnevalsscherz, dieses Tor.

Apropos Thurk: den Stinkstiefel hatte Trainer Jos Luhukay aufgrund mangelnder Trainingsleistungen zusammen mit den weiteren Stammspielern Baier und de Roeck einfach mal aus dem Kader gestrichen. Merkte man rein gar nichts von. Das ist dasselbe, wie wenn ein Friedhelm Funkel in Bochum solche Leute wie Federico oder Chong Tese permanent auf die Bank setzt und sagt einiges über die Besetzung solcher Truppen aus. Da können unsere einfach nicht mithalten.

Nun, zunächst schon, denn überraschenderweise hatte Fortuna so gleich die passende Antwort parat. Bereits in der 11. Minute glich man aus: Foul von Verhaegh an Zoundi, ja, liebe Augsburger, der traf bei seiner Grätsche auch den Ball, fidelte den Zoundi aber gleich mit weg. Und da darf man sich nicht beschweren, wenn es dann Freistoß wegen gefährlichen Spiels gibt, liebes Vorstandsmitglied unbekannten Namens, der du in der Pause beim sky-Interview genau das Gegenteil sagtest. Regeln lesen bildet, macht aber keinen Spaß, sehe ich ein.
Auf jeden Fall Freistoß für Fortuna, und den setzte Ken Ilsø aus 23 Metern mit dem rechten Fuß locker links oben in die Ecke. Schon wieder solch ein Sahne-Freistoß, genau wie in der Woche zuvor Rösler gegen Osnabrück. Entweder die trainieren das mittlerweile heimlich, oder der Trainer hat ne Kiste Alt ausgelobt für denjenigen, der es endlich mal wieder in die Auswahl zum Tor des Monats schafft. Auf jeden Fall ein toller Treffer.

Und während die Augsburger noch rätselten, was passiert war, hatte Fortuna das Spiel gedreht. In der 19. Minute wehrten die Augsburger, in der Abwehr alles andere als souverän, einen Eckball schlecht ab, an der Strafraumgrenze kam Beister vor Brinkmann an den Ball, und der Abwehrspieler traf ihn am Fuß. Elfmeter für Fortuna, keine Frage. Jens Langeneke lief an und – schob den Ball in die rechte Ecke! Nicht in die Tormitte! Dass ich das noch erleben darf! Dazu veranlasst haben könnte ihn der kleine Plausch, den Ex-Fortune Thorsten Oehrl vor der Ausführung des Elfers noch mit Torwart Jentzsch führte. Oehrl weiß schließlich selbst noch am besten, wohin Langeneke normalerweise immer schießt. Nutzte nix, unser Ersatzkapitän improvisierte mal kurz und schon stand es 2:1 für Fortuna. Langeneke ist damit aktuell erfolgreichster Torschütze der Fortuna mit fünf Treffern – vier davon durch Elfmeter.

Fortuna rettete das Ergebnis in die Pause, obwohl Augsburg schon in der restlichen ersten Hälfte klar überlegen war, und dann noch Pech hatte, als Oehrl mit einem Kopfball nur die Latte traf. Die 2:1-Pausenführung für die Gäste war hochgradig glücklich, was die Zuschauer des Gastgebers jedoch nicht daran hinderte, ihre Mannschaft zum Pausenpfiff ordentlich auszupfeifen. Man merkt schon, hier ist man anderes gewohnt.
Jeder Fortuna-Anhänger im Stadion träumte wohl in der Pause von einem überraschenden Auswärtssieg. Zuhause werden sie sich vor dem Fernseher wohl schon heimlich die Tabelle vorgenommen und den verbleibenden Rückstand auf Platz 3 ausgerechnet haben. Und es gehört zu den unabänderlichen Aspekten des Lebens, dass man aus manchen Träumen ziemlich jäh gerissen wird. So brutal und rücksichtslos passiert das zwar selten, aber es kommt vor. Und da die Augsburger sich keine Zeit dafür nahmen, nehme ich mir auch keine sondern mache es so fix wie die Gastgeber nach der Pause:

52. Minute: Flanke von rechts in den Fortuna-Strafraum, Nando Rafael nimmt die Kugel aus zehn Metern volley aus der Luft und zimmert sie in den Winkel – 2:2;
56. Minute: Eckball von rechts, Ex-Fortuna Thorsten Oehrl kommt völlig frei zum Kopfball – 3:2;
58. Minute: Freistoß, ca. 25 Meter vor dem Fortuna-Tor, wird in den Strafraum gelupft. An der linken Fünfmeterraumecke kommt der gerade eingewechselte Lukas Sinkiewicz völlig frei an den Ball und bringt die Kugel mit seiner ersten (!) Ballberührung aufs Tor; Ratajczak kann noch parieren, aber den Abpraller hämmert Nando Rafael aus sechs Metern unter die Latte – 4:2;
67. Minute: Lukimya zupft Oehrl am Trikot, die 2-Meter-Kante fällt um, als ob sie mit einem Bulldozer zusammen gestoßen wäre, hat aber noch Zeit, publikumswirksam in Richtung Schiri Kinhöfer zu winken; der fühlt sich geschmeichelt, dass an ihn gedacht wurde und gibt Elfmeter, eine Konzessionsentscheidung, ich denke wirklich, den hätte er nicht gegeben, wenn er uns nicht vorher schon einen zugesprochen hätte; Oehrl macht den Ball rein – 5:2.

Und das war`s, mehr passierte nicht. Fortuna ging unter in dem Sturmwirbel der Augsburger, ohne selbst überhaupt noch eine Torchance zu haben. Man muss schlicht anerkennen, dass dieser Gegner, den man in der ersten Halbzeit noch mühsam im Zaum halten konnte, im zweiten Abschnitt einfach eine Nummer zu groß war. Der Druck der Fuggerstädter war so heftig, dass sich deren Trainer Luhukay nach der 67. Minute wohl bis zum Ende des Spiels überlegt haben mag, wo er diesen Namen „Thurk“ schon mal gehört haben und wer das eigentlich sein könnte. Eine beeindruckende Vorstellung. Fortuna kassierte drei Treffer durch Ex-Fortunen sowie mal wieder drei Stück nach bzw. durch Standardsituationen, wobei ausgerechnet der vielleicht entscheidende Treffer zum 3:2 meinen Unmut erregte – wie kann es sein, dass ausgerechnet jemand wie der gefühlt 3,60 Meter große Thorsten Oehrl bei einem Eckball im Strafraum übersehen wurde. So etwas kann ich nicht verstehen. Ansonsten sag ich mal, wenn es bei einer Mannschaft läuft, dann läuft es halt. Dann schießt der Mittelstürmer eben ansatzlos das Tor des Monats, dann klappt auch eine Freistoßvariante direkt am Strafraum, dann kriegt man für solch ein Zupferchen eben auch den Elfmeter. Und hochverdient war es allemal. Recht gut ersichtlich wurde dies in einer Szene gegen Ende des Spiels, als die Augsburger die Fortuna-Abwehr wieder einmal schwindlig gespielt hatten, man aber letzten Endes per Befreiungsschlag klären konnte. Die Kugel landete am Mittelkreis tatsächlich bei einem Fortunen, dem zwischenzeitlich eingewechselten Torghelle, der den Ball allerdings sofort wieder los war, und das nicht, weil er über seine eigenen Füße stolperte, sondern weil vier (!) Augsburger um ihn rum waren, von denen ihm einer Kugel abnahm. Auch ohne überragende mathematische Kenntnisse kann man somit ausrechnen, dass in den Sekunden zuvor zehn Fortunen im und am eigenen Strafraum von sechs Augsburgern ausgetanzt worden waren. Und das muss man dann auch mal als klare Überlegenheit akzeptieren. Auch wenn es weh tut.

Was blieb von dieser Klatsche vor gerade mal 17.400 Zuschauern, war die Erkenntnis, dass die Abwehr diesem Druck nicht gewachsen war, das Mittelfeld nicht zur Entlastung beitragen konnte und der Sturm, weitgehend auf sich allein gestellt, in der zweiten Halbzeit nicht eine gefährliche Torchance zustande brachte. Abhaken und schnell vergessen, ansonsten wäre diese zweite Halbzeit sehr dazu angetan, das Selbstvertrauen der Mannschaft nachhaltig zu beschädigen. Und dafür war diese Niederlage dann doch nicht wichtig genug.

Immerhin ist mir eine kernige Verkehrsdurchsage von jenem Tag noch in Erinnerung geblieben. So warnte der Moderator des Radiosenders SWR 3 vor einem sechs Kilometer langen Stau auf der A 61 bei einem Parkplatz namens Erpelrain. Dieser Name gefiel dem Mann so gut, dass er öffentlich Mutmaßungen anstellte, der legendäre Prince könnte bei einer seiner Welttourneen in den 1980ern mal auf diesem Parkplatz gehalten haben, um in die Büsche des Hunsrück zu pischern, woraufhin er durch den Parkplatznamen Erpelrain, in englischer Aussprache gelesen, zu seinem Welthit „Purple Rain“ inspiriert worden sein könnte. Gesagt, getan: als bei der nächsten Durchsage der Stau immer noch bestand, sagte der Sprecher tatsächlich die sechs Kilometer vor dem Parkplatz „Urple Rain“ an. Großes Kino, aber gleichzeitig die Bitte an den SWR, die Moderatoren am Rosenmontag vielleicht nicht direkt vom Umzug ihrer Heimatstadt ans Mikro zu lassen.

Als Fazit dieses Rosenmontag könnte somit stehen: Für 100 Euro Sprit verfahren, den Arsch abgefroren und eine ordentliche Packung kassiert. Aber sehen wir es doch lieber umgekehrt: Bis auf die ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit war es ein ordentlicher Ausflug.

Trotz dieser Klatsche steht Fortuna weiter auf Platz 8, mit 35 Punkten, eigentlich jenseits von Gut und Böse, wenn man weiter konstant punktet, und sei es nur in den Heimspielen. Dann besteht die Aussicht, in einem spannenden Vierkampf mit Alemannia Aachen (ebenfalls 35), dem TSV 1860 München (34) und dem FSV Frankfurt (33) um diesen Platz 8 zu streiten. Ich sag mal so: selbst ein Spiel um die Goldene Ananas wäre ungleich interessanter. Aber ich bin weiterhin froh, nach den ersten sechs Spieltagen einen solchen Satz schreiben zu können.

Hofft ganz verwegen sogar auswärts noch auf den einen oder anderen Punkt: janus