von Janus,8.2.2010

 

Herzlich willkommen im Jahr 2010! Auf geht es zur Rückrunde in der 2. Liga, in der Fortuna ja sensationell als Tabellenvierter überwinterte. Quasi nur einen Steinwurf von den Zielen entfernt, die tollkühne Fans allen Widrigkeiten zum Trotz schon 2002 in der Oberliga besungen hatten: „Zweitausendzeeeehn, ihr werdet es schon seh`n...“, der Rest dürfte bekannt sein. Nun, so weit sind wir natürlich noch längst nicht. Aber weil Träumen nicht verboten ist, wurde natürlich auch in den ersten vier Spielen des Jahres alles versucht, zumindest den Schnupperkurs Richtung Aufstiegsplätze möglichst lange beibehalten zu können.

Ja, es ist skurril, es ist eigentlich unglaublich: das Wetter. Auch ich nehme mich nicht davon aus, jahrelang gefordert zu haben, man solle diese ellenlange Winterpause doch gefälligst mal verkürzen, da es gerade Anfang und Mitte Januar in den letzten Jahren erstaunlich mild war und die großen Rückfälle in winterliches Wetter erst im Februar oder gar März auftraten. Wir spielen ja seit einigen Jahren Mitte Januar dieses Wintercup-Freundschaftsturnier in der Arena aus. Ich erinnere mich, in den vergangenen Jahren in meiner jeweiligen Kolumne in der jeweiligen Stadionzeitung bereits zweimal gefordert zu haben, dass am Tag des Turniers Cocktails gereicht werden sollten, weil es draußen deutlich über null Grad waren. In diesem Jahr taten uns die Organisatoren von DFL und DFB den Gefallen, nicht weil sie uns Recht gegeben hätten, sondern aufgrund des gedrängten Terminplans im Zusammenhang mit der anstehenden Fußball-WM in Südafrika. Man ließ die Spiele also bereits am 15. Januar wieder beginnen. Und was passiert – ausgerechnet – in diesem Jahr? Der Winter ist pünktlich! Unfassbar. Der Wettergott kann somit nur noch bedingt als Fußball-Fan bezeichnet werden. Er bescherte uns im Januar eine Rutschpartie in Paderborn und eine Schlammbolzerei in Koblenz. Dazu eine dieser langweiligen 1:0-Spiele gegen Union, wobei aber bei diesen Partien meistens nur das Ergebnis langweilig ist. Und dann, Anfang Februar, ein Rekordspiel gegen den MSV Duisburg. Aber der Reihe nach.

Jahresbeginn

Das Jahr begann mit einem einwöchigen Trainingslager im spanischen Chiclera de la Frontera. Der Satz ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn aufgrund des bereits erwähnten Termindrucks reiste das Team pünktlich am 1. Januar ab. Immerhin, die Einstimmung auf die Rückrunde hätte zunächst nicht besser sein können, denn in Spanien goss es in Strömen. Das hielt den Trainer nicht davon ab, die Mannschaft akribisch vorzubereiten und nebenbei mal eben kurz zu unterschreiben: nämlich seine Vertragsverlängerung für weitere zwei Jahre, bis 30.06.2012. Aufgrund der Entwicklung, die die Mannschaft unter seinen Fittichen genommen hat, ist diese Verlängerung natürlich berechtigt. Aber da wir Fortuna sind und schon alles erlebt haben, hoffen wir natürlich, dass dies nicht dasselbe Signal war, wie es im Jahr 2007 gegeben wurde, als man den damaligen Trainer Uwe Weidemann ebenfalls frühzeitig verlängerte, was einen Teil der damaligen Mannschaft anscheinend dermaßen motivierte, dass ein beispielloser Absturz folgte, der von einem Aufstiegsplatz in der Regionalliga Nord fast noch zum Abstieg in die damalige Oberliga geführt hätte.

Im Rahmen des Trainingslagers gab es dann auch zwei Testspiele gegen Erstligaclubs, die grad in der Nähe residierten. Getreu dem neuen Motto „Jedes Jahr ein 5:5“ erzielte man exakt dieses Ergebnis gegen den FC Schalke 04, natürlich nicht so wichtig wie das 5:5 im letzten Mai in Braunschweig, dafür aber nicht minder spektakulär: bis fünf Minuten vor Schluss führte Schalke nämlich noch mit 5:2, ehe Lawaree mit Doppelpack und Palikuca tatsächlich noch den Ausgleich schafften. So muss ein unterhaltsames Testspiel aussehen. Dass hinsichtlich der Abwehr noch erheblicher Abstimmungsbedarf gegeben war, konnte man einige Tage später sehen, als man sich im zweiten Testspiel gegen den FSV Mainz 05 die Bude vollhauen ließ und 1:5 verlor, wobei es nach bereits neun Minuten 0:3 stand. Vielleicht waren die Spieler auch von der Sonne geblendet, die überraschenderweise mal hervorgekommen war.

Nach der Rückkehr absolvierte man noch pflichtbewusst den vierten Stadtwerke Wintercup in der eigenen Halle (ja, das Dach war zu) und putzte im Rahmen der 45-Minuten-Partien erst Bayer Leverkusen mit 1:0, was recht erstaunlich war, weil es viel zu niedrig ausfiel, von den Chancen her hätte man dem etwas unlustigen Herbstmeister durchaus richtig einen mitgeben können. Im Finale verlor man dann mit 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach, durch einen Treffer in der letzten Spielminute, was zwar bedauerlich war, aber die Statistik-Freunde unter uns jubilieren ließ, schließlich war es Gladbachs zweiter Sieg in dieser Veranstaltung und nach dem ersten im Jahr 2007 stiegen sie bekanntlich ab; ein schönes Omen für ein Derby in der kommenden Saison.

Einen Nachbrenner gab es auch noch aus dem letzten Jahr. Der Trainer von Arminia Bielefeld, Thomas Gerstner, durfte 2.000 Euro aus der Portokasse für sein jetzt schon legendäres Interview nach dem Spiel seiner Truppe in Düsseldorf an den DFB latzen. Berufsverbot in deutschen Landen für das komplette Schiri-Gespann fordern, die entscheidende Szene des Spiels vor einem Millionenpublikum komplett falsch beurteilen („Das war kein Freistoß vor dem Elfmeter, und Elfmeter war es auch nicht“), dem Schiri mit einer Gegenklage drohen, die an Albernheit nicht mehr zu überbieten ist („Vielleicht verklagen wir ihn auf die entgangenen Punkt- und Siegprämien“), eine Woche später wieder vor einem Millionenpublikum eine dunkle Verschwörungstheorie stricken (Aussage nach dem 1:1 gegen Union Berlin, dass sich ihm mittlerweile ein Verdacht aufdränge, den er aber nicht öffentlich kundtun dürfe, sonst müsse er mit weiteren Strafen rechnen), all das bekommt man beim DFB also für schlappe zwei Riesen. Und anschließend darf er wahrscheinlich wieder das Vorbild für die Jugend geben. Sollte die Arminia am Ende der Saison den Aufstieg knapp verpassen, darf man gespannt sein, dazu wird ihm dann diesbezüglich sicherlich auch noch etwas einfallen.

Fortuna schlug tatsächlich noch einmal auf dem Transfermarkt zu: einen Tag vor dem Spiel in Paderborn wurde Thorsten Oehrl von Werder Bremen bis Saisonende ausgeliehen, die zweite Stürmer-Leihe von der Weser nach Martin Harnik. Der baumlange Mittelstürmer kam mit der Empfehlung von sechs Treffern in der 3. Liga während der Hinrunde mit Werder II. Und seinen neuen Arbeitsplatz hatte er auch schon gesehen, als dieser sich von seiner besten Seite gezeigt hatte: Oehrl gehört zu jener Elf von Werder II, die am 23.05.2009 vor 50.095 Zuschauer in unserer Arena spielen und 0:1 verlieren durfte, was bekanntlich sowohl für unseren Aufstieg als auch für deren Klassenerhalt reichte. Und da es derzeit einfach läuft bei Fortuna, erschien Oehrl noch an jenem Donnerstag auf der Transferliste, was bedeutete, dass er am kommenden Tag gegen Paderborn würde eingesetzt werden können. Was angesichts der Sperre von Jovanovic auch dringend nötig war.

Nix Neues im Möbelhaus

Die Rückrunde startete am 15.01.2010 mit dem Auswärtsspiel beim SC Paderborn. Natürlich ein Freitag, darüber muss nicht diskutiert werden. Das Wetter hielt sich auch noch im Rahmen, zum Glück kein starker Schneefall. Dennoch gab es natürlich lange Staus bei der Anfahrt, schließlich mussten Rheinland und Ruhrgebiet zur besten Verkehrszeit am Freitag Nachmittag durchquert werden. Ich denke, sky kann so langsam zum letzten Schritt übergehen und solche Spiele mal morgens um 10 Uhr an einem Wochentag ansetzen. Größer kann der Andrang im morgendlichen Berufsverkehr eigentlich auch nicht mehr sein.

Den Austragungsort des Spiels, diese Wellblechhütte an der A 33, habe ich in der letzten Saison schon ausschweifend beschrieben, als wir sie zum allerersten Mal betraten. Der interessierte Leser möge die entsprechenden Schilderungen somit bitte in meinem Bericht vom Dezember 2008 nachhalten, dann sparen er und ich uns zwei Seiten Wiederholungen. Denn geändert hat sich nichts. Halt, natürlich doch, das Wichtigste im modernen Fußball: das Stadion heißt seit 01.07.2009 nicht mehr paragon, sondern energieteam arena. Ansonsten ist aber wirklich alles wie vorher.

Die Gastgeber erwischten auf dem rutschigen, aber schneefreien Geläuf vor 8.980 Zuschauern den besseren Start und waren in der ersten Halbzeit ganz klar die tonangebende Mannschaft. Offenkundig kam man mit dem Geläuf wesentlich besser zurecht als unsere Eisprinzessinnen, die einige beeindruckende Pirouetten drehten. Dementsprechend boten sich Paderborn auch einige Chancen. Eine, die von der Entstehung her eigentlich gar keine war, nutzten sie dann zur Führung: Gaetano Manno spielte in der 29. Minute von halbrechts einen weiten hohen Pass in die linke Strafraumhälfte, eigentlich schon eher eine Flanke. Und links im Strafraum rauschte der permanente Unruheherd auf Fortunas rechter Seite, Daniel Brückner, heran und verwandelte die Kugel direkt, per Dropkick mit der Innenseite, als Flachschuss in die lange Ecke unter gütiger Mithilfe des dort befindlichen Pfosten. Ein technisches Sahnestück auf diesem Boden, völlig aus dem Nichts, das Ganze hatte von Mittelfeld bis Toreinschlag keine fünf Sekunden gedauert. Zähne knirschend musste man einen blitzsauberen Treffer attestieren. Und zu diesem Zeitpunkt, wie auch zur Pause, war die Führung durchaus verdient.

Dies änderte sich grundlegend in der zweiten Halbzeit, und auch das ist Fortuna in dieser Saison. In früheren, leider nicht ganz so weit entfernten Zeiten genügte der erste Gegentreffer, um das Spiel abzugeben, weil man im Angriff zu schwach war. In dieser Saison juckt uns das nicht besonders. Paderborn war bereits das siebte Spiel, in dem wir einen Rückstand ausgleichen konnten, und nur in St. Pauli und in Rostock verloren wir anschließend trotzdem! Ich glaube, in allen vier Jahren Regionalliga Nord 2004 bis 2008 kamen wir nicht auf so viele Spiele, in denen wir nach Rückstand zurück schlagen könnten. Ist natürlich auch ein Grund, warum wir aktuell so weit oben in der Tabelle stehen.

Ach ja, den Ausgleich erzielte natürlich Martin Harnik. Es war eine von mehreren Großchancen, die die Fortuna kurz hintereinander hatte, die genaue Reihenfolge krieg ich auch nicht mehr hin, zu überlegen war man in dieser Phase, und zu sehr ließen sich die Paderborner hinten rein drängen. Der genesene Spielmacher Marco Christ, zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt und nach seiner langen Verletzungspause gleich mit mächtig Power im Hintern auf dem Platz unterwegs, vergab eine Hundertprozentige, als er allein vor Masuch die Kugel an diesem, allerdings auch am Tor vorbei legte. Ähnlich knapp zielte Andreas Lambertz aus sechzehn Meter vorbei, und als Krönung vergab Thorsten Oehrl seinen Traumeinstand, indem er den Ball völlig frei stehend aus ungefähr sechs Meter in Rücklage links oben in den Winkel zirkeln wollte, aber auch haarscharf drüber lag.

Zwischen all diesen Chancen lag der Ausgleich zum 1:1 in der 63. Minute, genial durch seine Schlichtheit. Ecke Christ von links, Kopfball Harnik, Tor. Das Verblüffende daran war, dass Harnik sich maximal zwei Meter vor dem Paderborner Kasten befand – und völlig frei stand. Wirklich unglaublich, im Umkreis von einem Meter kein Gegenspieler, und das fast auf der Torlinie, nach einem Eckball! So etwas hab ich lange nicht gesehen, das war ein kollektiver Blackout der Paderborner Hintermannschaft. Verdient war der Ausgleich allemal, in der 2. Halbzeit war Fortuna die klar bessere Mannschaft. Aufgrund der schwächeren ersten Hälfte ging die Punkteteilung letztendlich in Ordnung, auch wenn es natürlich ärgerlich ist, wenn man in der 2. Halbzeit mehrfach den Führungstreffer auf dem Schlappen hat.

Und da das Aufeinandertreffen bei unserem ersten Gastspiel in der neuen Arena letzte Saison mit einem 0:0 ebenfalls unentschieden endete, passte auch das 1:1 in das abschließende Fazit: wirklich nix Neues in der Lagerhalle von Möbel Finke.

Die Serie der Minimalisten

Am Freitag, den 22.01.2010, erschien mal wieder Union Berlin in Düsseldorf. Die Truppe, gegen die wir zuletzt viermal hintereinander mit 0:1 verloren hatten. Und gegen die wir im April letzten Jahres unsere letzte Heimniederlage kassierten. Quasi unser aktueller Angstgegner, nachdem wir nicht mehr auf dem Nebenplatz 11 des Weserstadions gegen Werder II antreten und 0:2 verlieren müssen. Aber in dieser Saison heißt es eben: bange machen gilt nicht. Augen zu und durch!

Für dieses Spiel war unser Stürmer Ranisav Jovanovic übrig wieder spielberechtigt. Seine Sperre war von vier auf drei Spiele reduziert worden, weil er in der Berufungsverhandlung mittels eines wissenschaftlichen Gutachtens (!) hatte nachweisen können, dass seine Armbewegung, mit der er damals den Bielefelder Abwehrspieler Mijatovic aus dem Weg räumte, keine Absicht sondern eine Reflexbewegung gewesen sei! Also Sachen gibt es...Folgerichtig befand der DSF-Reporter, der die Partie abends kommentierte, dass Jovanovic ja konsequenterweise gar nicht erst hätte gesperrt werden dürfen, wenn der DFB solch ein Gutachten mal bei der ersten Verhandlung angefordert hätte. Recht hat er, allerdings vergaß er natürlich routiniert, dass es damals erst sein Reporter-Kollege Dahlmann gewesen war, der diesen „Skandal“ mittels Super-Zeitlupe und Standbild aufgedeckt hatte. Da steht das DSF mit seiner rückgratlosen Aufklärungspflicht zur Quotengewinnung nun aber ziemlich dumm da, wenn man schon durch wissenschaftliche Gutachten widerlegt wird. Moderne Zeiten halt. Somit Jovanovic von Beginn an dabei, Neuzugang Oehrl musste auf die Bank.

Zunächst stellte dieses Heimspiel für mich eine kleine organisatorische Hürde dar, befand ich mich doch bis Freitag Mittag beruflich in der russischen Taiga. Naja, nicht ganz, es war dann doch nur Brandenburg, vom trostlosen Anblick der konturlosen, da unter Schneewehen verschwundenen Umgebung meines Aufenthaltsortes und von den Temperaturen her fühlte man sich aber eher einige Tausend Kilometer weiter östlich ausgesetzt. Als ich dann noch ein Reh erblickte, welches aus dem angrenzenden Wald heraus einen kleinen Spaziergang in der Liegenschaft durchführte, dachte ich mir, es wäre langsam angebracht, wieder abzureisen, da es nur noch eine Frage der Zeit sein konnte, bis dem Bambi, der Nahrungskette entsprechend, der erste hungrige Wolf folgen würde. Eine etwas unwirtliche Gegend um diese Jahreszeit, so möchte ich es ausdrücken.

Dementsprechend war ich ausnahmsweise ein wenig verärgert darüber, dass wir an jenem Freitag ein Heimspiel hatten. Denn Auswärtsspiel bei Union Berlin, da wäre ich ja der König gewesen. Eine Stunde von meinem Aufenthaltsort mit der S-Bahn nach Berlin rein, und ich wäre mittags der erste Fortune am Platze gewesen. Aber nein, ausgerechnet an diesem Wochenende war es natürlich ein Heimspiel gegen Union.

Da alles jammern aber nichts nutzte, überließ ich dies anderen. Nämlich denjenigen, die an jenem Freitag nach 16.30 Uhr auf der Autobahn Richtung Düsseldorf unterwegs waren, als ich mich am Flughafen Köln/Bonn endlich ins Auto setzen und es ihnen nachtun konnte. Da ist bestimmt die ein oder andere Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Strecke geblieben, schätze ich mal. Aber das war auch dringend nötig, denn bei der Abfahrt von der Autobahn in den Düsseldorfer Freitags-Feierabendverkehr gab es nur noch Stop and Go, oder wie der erfahrene Verkehrsfunkhörer zu sagen pflegt: zäh fließenden Verkehr, natürlich bis hin zur Arena. So wurde es wirklich eine Minutensache. Um exakt eine Minute vor 18 Uhr war ich in den Katakomben der Arena, das nenn ich Maßarbeit! Bis ich im Oberrang angekommen war, waren allerdings schon drei Minuten gespielt, aber ich schien bis dahin nicht viel verpasst zu haben.

Somit Auftritt janus im weiten Rund nach vier Spielminuten: majestätisch betrete ich den mir zugewiesenen Block und entere die Treppe, die zu meinem Platz auf halber Höhe führt. Dort angekommen drehe ich mich rum, gestatte mir einen, den ersten Blick auf das Spielfeld – und sehe, wie Heidinger aus sechzehn Metern, halblinke Position, abzieht, nachdem wohl ein Eckball in seine Richtung abgewehrt wurde. Der Ball ist schön halbhoch auf die rechte Ecke gezirkelt, Union-Keeper Glinker fliegt, was das Zeug hält, aber leider vergebens – dann scheppert es einmal kurz, der Ball ist an den rechten Pfosten geknallt. Das wäre doch mal ein Auftakt gewesen! Ist mir auch noch nie passiert, mit dem allerersten Anblick eines Spiels direkt einen Treffer zu sehen. Diesmal haben nur Zentimeter gefehlt.

Nun, im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit bot das Spiel dem gestressten Reisenden durchaus die Möglichkeit, erst mal zur Ruhe zu kommen. Oder anders formuliert: die erste Halbzeit war sehr von der Taktik geprägt. Union stand sicher und ließ die Unsrigen kommen. Denen wiederum fiel nicht allzu viel ein, um die EinszuNullinger ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Den größten Alarm veranstaltete immer wieder Heidinger, der zwar wie üblich manchmal sogar für den Ball zu schnell war, aber immer wieder für Unruhe in der gegnerischen Abwehrreihe sorgte. Er ließ auch noch einen ordentlichen Böller aus zwanzig Metern los, aber Glinker war auf dem Posten und stand genau richtig. Bei einem weiteren Fernschuss von Christ lag er dann auch richtig und konnte den Ball festhalten, was einigermaßen schade war, denn Harnik hatte sich bereits als Abstauber in Position geschlichen.

Viel mehr kam bei aller Feldüberlegenheit nicht rum, meistens war am Sechzehner Endstation, auch wurden erstaunlich viele Bälle überhastet abgespielt und gute Chancen mangels Übersicht schon im Ansatz erstickt. Was Union so trieb, löste auch bei deren Fans nicht gerade Begeisterungsstürme aus. Immerhin bequemte man sich in den ersten 45 Minuten dann doch zweimal nach vorne. Bei der ersten Annäherung sprang nur ein harmloser Kopfball von Mosquera heraus, kein Problem für Keeper Ratajczak. Beim zweiten Angriff, kurz vor der Pause, musste man auf Seiten des Heimteams schon kräftiger durchatmen. Paul Thomik, ein Winterpausen-Schnäppchen der Unioner, da zuvor ein halbes Jahr vertragslos, steuerte über halbrechts den fortunistischen Strafraum an und zwirbelte die Kugel dann aus sechzehn Metern mit dem linken Fuß schön Richtung linke Ecke. Das Leder beschrieb einen munteren Halbkreis und flog nur Zentimeter am Pfosten vorbei, Riesenglück für Fortuna bei diesem tollen Schuss. Thomik ärgerte sich zurecht, und ich fragte mich nicht zum ersten Mal an diesem Abend, wie dieser Spieler ein halbes Jahr lang arbeitslos sein konnte, er war mit Abstand bester Berliner auf dem Feld. Wahrscheinlich war er aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit beim VfL Osnabrück wollitz-geschädigt und brauchte nach dem Abstieg im Sommer erst einmal eine Pause zur Regeneration, anders ist das kaum zu erklären.

Schwupps, schon war die erste Halbzeit rum, mit einem 0:0, so steht es meistens zur Pause, wenn die beiden Teams gegeneinander antreten. Vorbei war es wohl auch mit einem mittelfristig geregelten Finanzplan für einen Besucher in der esprit-Arena: dieser Honk hatte dem Berliner Spieler Thorsten Mattuschka Mitte der ersten Halbzeit vor einem Eckball für Union ein Feuerzeug an den Kopf geworfen. Das Ärgerlichste bei solchen Pfeifen ist ja immer wieder, dass sie nicht nur blöd genug sind, den Inhalt ihrer Taschen aufs Feld zu werfen, sondern dass sie auch noch treffen. Dann folgten jedoch zwei bemerkenswerte Dinge: zunächst fasste sich Mattuschka zwar an den Kopf und machte Schiri Weiner auch auf das Feuerzeug aufmerksam, das dieser an sich nahm, anschließend markierte der Spieler aber eben nicht den sterbenden Schwan, meckerte noch nicht einmal rum, sondern spielte ganz normal weiter als sei nichts geschehen. Das sieht man schon selten. Was ich in der heimischen Arena noch gar nicht gesehen habe, passierte dann aber tatsächlich als zweites: empörte Fans, die den Werfer wohl gesehen hatten, reichten diesen an die Ordner weiter! Und zwar lebend, auch wenn Trainer Meier diesbezüglich wohl leichte Zweifel hatte, schließlich sagte er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel: „Soweit ich gehört habe, wurde diese Person von den umstehenden Fans eliminiert.“ Also ganz so schlimm war es dann wohl doch nicht. Speziell für diesen intellektuellen Grobmotoriker hatte der Geschäftsstellenleiter Paul Jäger nach dem Spiel die Aussage bereit, dass derjenige sich schon mal freuen könne, da Fortuna die Rechnung, die der DFB für diesen Vorfall erneut schreiben würde, umgehend an ihn weiterreichen würde. Und das wird nicht billig, erst einen Tag vor dem Spiel war Fortuna zu 4.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden, aufgrund von fliegenden Gegenständen und gezündeten Böllern bei den Spielen gegen Bielefeld und in Rostock. Da war die Strafe für die Böller aus Paderborn noch gar nicht mit drin, die würde sicherlich in die neue Zahlungsaufforderung mit einfließen. Wie gesagt: wird für den Werfer jetzt etwas schwierig mit seiner mittelfristigen Finanzplanung, aber irgendwie hält sich mein Mitleid in Grenzen. Irgendwann ist auch Dummheit nicht mehr niedlich.

Die 2. Halbzeit hielt direkt zu Begin einen Paukenschlag bereit, durch den das Spiel dann auch richtig gut wurde: in der 50. Minute pfeift Weiner Freistoß für Fortuna auf halblinks, ca. 25 Meter vom Gästekeeper entfernt. Die Formulierung lässt es erahnen: man konnte nur mit viel Phantasie von einem Foul an Lambertz sprechen, eine der vielen kleinen Fehlentscheidungen des munteren Trios von Unparteiischen, die alle drei nicht ihren besten Tag erwischt hatten. Da sie dies aber gleichermaßen auf beiden Seiten auslebten, kann sich eigentlich niemand beschweren.

Also, Freistoß für Fortuna, eine Sache für Marco Christ. Der zwirbelt die Kugel als Flanke in den Strafraum, und dort steigt Anderson am höchsten und nickt die Pille aus ca. acht Metern ein. Torwart Glinker sah dabei etwas unglücklich aus, er war schon auf halbem Weg aus dem Tor heraus. Allerdings hätte er auch auf der Linie seine Probleme mit dem wuchtigen Kopfstoß gehabt. Und ein anderer sah bei diesem Treffer auch alt aus, wurde dadurch aber ganz groß: als Gegenspieler für Anderson bei Standards war nämlich der bereits erwähnte Mattuschka eingeteilt, der in dieser Situation aber die Füße nicht vom Boden bekam. Der nahm nach dem Spiel nicht nur die Schuld an dem Gegentreffer auf sich, nein, der fügte auch noch ungefragt den Halbsatz an, dass ihn der Treffer durch das Feuerzeug in der ersten Halbzeit beim Gegentor nicht behindert habe (Schmerzen, Sehstörungen oder was einem sonst noch so einfallen könnte...), um gleich den Medien den Wind aus den Segeln zu nehmen, die natürlich genau auf eine diesbezügliche Aussage spekuliert hatten. Klasse. Und da ich der Meinung bin, dass solches Fair Play, auch mal belohnt werden sollte, weil es viel zu selten vorkommt: wie wäre es, wenn der Mattuschka sich nachträglich noch eine Gehirnerschütterung attestiert und zur Reha mal eine Woche in eins dieser Fünf-Sterne-Wellness-Zentren einkehrt? Denn auch Union weiß ja jetzt, an wen sie anschließend die Rechnung schicken könnten. Vorbildliches Verhalten von Mattuschka, um seinen sensationsgeilen Beobachtern, sei es mit Feuerzeug oder Kamera, erst gar keine weitere Angriffsfläche zu bieten. Musste mal gesagt werden, kommt ja eher selten vor.

1:0 für Fortuna durch das erste Saisontor unseres Brasilianers, der damit eine wieder einmal starke Leistung krönte. Fortan konnten sich die 25.300 Zuschauer entspannt zurück lehnen, soweit sie für Fortuna angereist waren, denn das Endergebnis stand ja bereits fest. Dies musste auch unser Abwehrchef Jens Langeneke in der 67. Minute feststellen. Parensen hatte den Ball am eigenen Strafraum gegen unseren Verteidiger van den Bergh verloren, der zur völligen Verwirrung seines Gegenspielers mal ein bisschen Forechecking gespielt hatte. Van den Bergh lief in den Strafraum und wurde von Parensen mittels Hechtsprung ans linke Bein zu Fall gebracht, rappelte sich auf und wurde vom nächsten Berliner Bein erneut geplättet. Das war dann des Guten ein wenig zuviel, es gab Elfmeter. Jens Langeneke, in dieser Saison bereits dreimal vom Punkt aus erfolgreich, trat an. Und hier muss ich mir zunächst Tränen der Rührung aus den Augenwinkeln wischen – hat der Jens doch glatt meinen Dezember-Bericht gelesen! Denn dort hatte ich ja geschrieben, dass er endlich mal Elfmeter trainieren solle, weil seine Art, die Kugel permanent in die Mitte des Tores zu dreschen, irgendwann auch nur noch begrenzt Überraschung beim gegnerischen Torhüter erzeugen würde. Und der Jens muss es gelesen haben! Das ist so schön...denn diesmal schnippte er die Kugel in die linke Ecke, während Glinker nach rechts sprang. Und der Ball ging dann auch gleich so weit nach links, dass er – an den Pfosten sprang und nach außen wegsprang. Sauerei! Ich hatte es doch nur gut gemeint! Anschließend brachte Fink die Kugel nochmals nach innen, wo Heidinger sie neben das Tor setzte. Diese Chance war eigentlich noch größer als der Elfer, denn Heidi stand genauso frei wie Langeneke vorher beim Anlauf, und die Entfernung zum Tor betrug keine elf, sondern nur noch fünf Meter. Trotzdem flog der Ball Zentimeter am rechten Pfosten vorbei, die Doppelchance zur Vorentscheidung war dahin. Aber konnte dies wirklich überraschen?

Nein, konnte es nicht, denn der Kenner weiß Bescheid: Fortuna hatte nicht nur vor diesem Spiel viermal in Folge 0:1 gegen Union verloren – nein, die letzten sechs Spiele beider Teams gegeneinander endeten mit diesem Ergebnis! Fünfmal siegte Union, einmal wir. Und da anscheinend irgendwann heimlich, still und leise ein Gesetz verabschiedet wurde, dass die Spiele zwischen Fortuna und Union auf unbestimmte Zeit immer mit diesem Ergebnis enden müssen, war es nur logisch, dass auch der Elfer nicht rein ging, obwohl er gut geschossen war. Vor diesem Hintergrund konnte man es verschmerzen, auch wenn man in jenem Moment noch dachte: ohweh, hoffentlich tut uns das hinterher nicht Leid.

Musste es nicht, Fortuna brachte den Vorsprung nach Hause, zumal Union trotz eines Powerplays zum Schluss inklusive Torwart Glinker als Dauergast im heimischen Strafraum in der zweiten Halbzeit keine nennenswerten Torchancen mehr herausspielte. Auch drei Minuten Nachspielzeit schadeten der Heimmannschaft nicht, wobei sie sich zwei dieser drei Minuten durch völlig unnötige Schauspieleinlagen einhandelten. Die Beratungsresistenz seitens der Spieler in diesem Punkt finde ich immer wieder bedauernswert, egal, bei welcher Mannschaft dies vorkommt. Ist einfach nur albern.

Fortuna gewann also mit 1:0, das siebte Spiel in Folge gegen Union mit demselben Ergebnis, und bei allen sieben Spielen stand es zur Pause 0:0, die erste Halbzeit könnte man sich also zukünftig sparen. Der erste Sieg gegen Union seit August 2007. Zwischen jenem Erfolg und dem neuesten Streich gab es neben dem identischen Ergebnis weitere bemerkenswerte Parallelen: zum einen wurde das Goldene Tor in beiden Spielen durch einen Innenverteidiger erzielt, damals Cakir, diesmal Anderson, beide Treffer waren Kopfballtreffer, und in beiden Spielen wurde ein Elfmeter verschossen, diesmal Langeneke, damals war es der bereits mehrfach erwähnte Mattuschka, der an unserem Keeper Melka scheiterte. Schon merkwürdig, welche Gemeinsamkeiten man manchmal entdecken kann. Und ganz heimlich träume ich vom August 2006, als wir zuletzt ein Heimspiel gegen Union gewannen. Das war nämlich ein 2:1 – ein echter Kantersieg bei einem Spiel zwischen den beiden. Vielleicht erlebe ich es ja noch mal.

Genau wie ein „Geisterspiel“, das hab ich noch nie gesehen. Leider rückt es immer näher. Für die Vorfälle in Paderborn und gegen Union Berlin strich der DFB vom Verein nämlich weitere 35.000 Euro Geldstrafe ein, nebst der Ankündigung, beim nächsten Vorfall ein Heimspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten zu dürfen. Und da ich mir irgendwie nicht vorstellen kann, dass wirklich gar nichts mehr in Bezug auf fliegende Gegenstände passiert, seien es Böller oder Feuerzeuge oder Becher, fürchte ich, dass ich in dieser Saison doch noch in den Genuss eines Meisterschaftsspiels mit der Atmosphäre eines Trainingskicks komme. Wir sind anscheinend zu schnell wieder zu gut geworden. Neue Zuschauer haben die Fortuna entdeckt, ältere, die seit Jahren eh alles gewusst haben und deshalb zuhause geblieben sind, kommen auch wieder, und rein statistisch gesehen ist dann auch immer ein gewisser Prozentsatz derer dabei, die mal austesten möchten, was man sich in einem Stadion alles so ungestraft erlauben darf, zumal man es im ungünstigsten Fall dann immer noch mit „Emotionen“ und drei Promille intus abwiegeln kann. Auf Kosten des Vereins und auf Kosten derjenigen Fans, die ihre Feuerzeuge nur zum Anzünden von Glimmstengeln benutzen, auf einen Euro Becherpfand nicht verzichten wollen, und Pyro oder Böller gleich zuhause lassen, weil sie wissen, dass der Verein schon beim kleinsten Zündeln dran ist. Aber so ist es ja fast überall – ein Häuflein Idioten reicht aus, um den Rest dumm dastehen zu lassen. Traurig, aber wahr.

Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren

Es kam der nächste Freitag, es kam das nächste Spiel. Auswärtsspiel bei der TuS Koblenz am 29.01.2010. Damit hatte Fortuna in puncto Freitagsspielen endlich eine Quote erreicht, die auch der Dümmste noch selbst ausrechnen konnte: 20. Saisonspiel, 10. Freitagsspiel. 50 % unserer Zweitliga-Partien wurden bis zu jenem Zeitpunkt also freitags ausgetragen, einsamer Rekord in der 2. Liga. Warum das so ist, weiß kein Mensch bzw. wissen nur die ganz wichtigen Leute, also die von der DFL und sky, und von denen kenne ich nun mal keinen. Ich habe auch nicht das Geringste gegen Freitagsspiele, im Gegenteil, ich mag die eigentlich lieber als Partien am Samstag oder gar am Sonntag, aber die Uhrzeit geht nun mal gar nicht. 18 Uhr ist und bleibt eine Frechheit, besonders wenn es an jedem zweiten Wochenende auftritt. Aber ich bin selbst Schuld, ich könnte ja auch zuhause bleiben. Und genau das wollen die verantwortlichen Strategen wohl auch erreichen, anders machen diese Ansetzungen wirklich keinen Sinn. Aber gut, vom Jammern ändert sich auch nichts. Und diesmal hatte ich sogar noch Glück, da es sich bei dem Spiel in Koblenz um mein heimliches Heimspiel handelte. Also ab ins Auto und los.

Jawohl, es ist in der Tat so, dass mein Weg zum Stadion Oberwerth in Koblenz um ca. fünf Kilometer kürzer ist als der zur Esprit-Arena. Das machte die Anfahrt allerdings keineswegs positiver, schließlich hieß das Zauberwort „A 61“, und wer die schon mal befahren hat, besonders freitags nachmittags, der weiß, was da auf einen zukommen kann. Außerdem muss man sich, von ebendieser Autobahn kommend und dann eine Ausfahrt über die A 48 kreuzend, sodann auf der B 9 durch die halbe Koblenzer Innenstadt quälen, und das ist auch kein Quell reiner Freude. Ich dachte mir also, auch aufgrund der angekündigten klimatischen Turbulenzen wäre es eine gute Idee, möglichst schon um 14 Uhr loszufahren und gen Stadion zu schleichen. Es war eine schlechte Idee, denn irgendwie bewogen die Wetterkapriolen anscheinend einen Haufen Autofahrer, sich die Sache mit dem Gas geben an jenem Tag noch mal zu überlegen, sprich: die Autobahn war frei, geradezu unfassbar für einen Freitag Nachmittag. Bereits um kurz nach 15 Uhr gelangte ich zur ersten Parkkontrolle, und der „Spaß“ begann.
Hier sollte meine Eintrittskarte auf mich warten, zusammen mit einem Parkschein für das Auto, wohlverpackt in einem Briefumschlag. Der vor mir an der Kreuzung stehende Ordner blätterte auch wie wild seinen Packen Briefumschläge durch, tat es auch gerne ein zweites Mal, aber mein Name tauchte nicht auf. Und dann hatte ich Glück. Normalerweise wird man für so etwas ja direkt standrechtlich erschossen, allein schon wegen der kleinen, aber feinen Schlange, die sich hinter meinem Wagen gebildet hatte und die ich am wohlverdienten Abbiegen hinderte. Allerdings waren zuvor wohl schon zwei Kollegen aus Düsseldorf an eben jener Kontrolle erschienen, deren angeblich dort hinterlegte Tickets ebenfalls nicht aufzufinden waren. Damit war wohl klar, dass es sich eher um ein Versehen denn um eine arglistige Täuschung meinerseits handelte. Also schickte mich der Ordner weiter Richtung Stadion mit dem Hinweis, dort befände sich am Eingang eine bestimmte Kasse, an der die Karten dann wohl hinterlegt seien. Somit durfte ich abbiegen und nach einiger Zeit auch auf dem Parkplatz direkt vor dem Stadion einparken, nachdem der dortige Ordner meine Geschichte ebenfalls geschluckt hatte. Hierfür schon mal ein großes Lob an die Ordnerfraktion, da kenn ich auch ganz andere Reaktionen. Offenkundig hatte der Verein ein paar Koordinationsschwierigkeiten, und es wurde nicht am Besucher ausgelassen! Kommt selten vor, sollte daher erwähnt werden.

Ich fuhr also auf den mir zugewiesenen Parkplatz und stieg mal versuchsweise aus. Außentemperatur plus ein Grad. Dauerregen. Überall neben mir schmelzender Schnee und Eisbrocken. Eisiger Wind, der vom Rhein rüber pfiff. Direkt über dem Stadion verläuft die B9 in mehreren Hochtrassen, alles dermaßen grau in grau, man glaubt es kaum. Dem passte sich dann auch der Rasen an, der noch grün war, allerdings auch nur ein wenig. Und da stand ich nun im Regen, zitterte mich im Wind warm und dachte das, was ich ungefähr einmal im Jahr denke, ganz kurz nur, in Anlehnung an ein Transparent, welches ich vor vielen Jahren mal beim FSV Zwickau sah (ich glaube zumindest, dass es Zwickau war): „Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren!“ Dann wäre mir dieser deprimierende Ersteindruck von unserer Partie gegen die TuS Koblenz erspart geblieben. Aber wie gesagt, so etwas denkt man vielleicht einmal im Jahr für fünf Sekunden, dann gibt man sich einen Ruck und sagt sich: „Muss ja. Also los!“

Wobei es in diesem Fall zunächst hieß: vorwärts, wir müssen zurück! An der Sonderkasse von der Größe einer Telefonzelle befand sich nämlich noch niemand, ein freundlicher Mitarbeiter des daneben geparkten TuS-Fanmobils klärte mich darüber auf, dass die Kasse erst um 16 Uhr öffnen würde. Somit stolperte ich wieder ins Auto zurück, um nicht weiter dem peitschenden Regen ausgesetzt zu sein, und verbrachte die nächste halbe Stunde damit, den Spielerinnen der Mädels-Mannschaft zuzusehen, die allen Unbillen zum Trotz auf einem Platz direkt neben dem Parkgelände den Trainingsbetrieb aufnahmen. Respekt, die hätten nach zehn Minuten auch alle im nächsten Miss Wet-Trainingsklamotten-Wettbewerb auftreten können. Von denen wird die ein oder andere wohl auch daran gedacht haben, wie sie diesen Freitag Nachmittag gemütlicher hätte verbringen können.

Um kurz nach 16 Uhr rutschte ich wieder zurück zur Sonderkasse, die mittlerweile besetzt war, nur um anschließend herauszufinden, dass dort auch kein Briefumschlag auf meinen Namen aufgefunden werden konnte. So langsam wird’s lustig, dachte ich mir, und wählte, nichtsahnend, wie lustig das noch werden könnte, die Nummer der Geschäftsstelle der TuS. Auch hier dasselbe Bild: sie waren freundlich, hatten aber keine Ahnung. Dann aber erneut das Unfassbare: die Dame hängte mich erst in eine Warteschleife, die ich meiner Kundschaft noch nicht einmal zumuten würde, wenn ich wüsste, dass sie zufrieden wäre, meldete sich anschließend wieder mit dem Versprechen, mich zurückzurufen und tat dies auch zwei Minuten später! In der Zwischenzeit hatte sie sich den Allerwertesten für mich aufgerissen und überall nachgefragt, wo die Tickets denn sein könnten – auch hierfür ein dickes Danke, denn auch das macht nicht jede/r. Und wo waren sie dann schließlich, die Tickets? Natürlich beim Ordner an der ersten Parkkontrolle, die ich eine Stunde zuvor schon passiert hatte. Der hatte nämlich in der Zwischenzeit eine Nachlieferung an Briefumschlägen bekommen. Dumm war nur, dass er seit unserer ersten Begegnung seinen Standort nicht verändert hatte. Dies musste demnach ich selbst nun tun, will sagen: zu Fuß zurück zu diesem ersten Checkpoint, eine Viertelstunde durch den strömenden Regen latschen, um anschließend tatsächlich fündig zu werden. Unter anderem erhielt ich einen Parkschein für den Parkplatz, auf dem ich schon seit einer Stunde stand, aber hey, besser spät als nie! Und da just in dem Moment, in dem mir der Mann den entscheidenden Briefumschlag überreichte, auch noch ein Auto mit vier Kollegen aus Düsseldorf den Ordner zum Wahnsinn trieben, was u.a. daran lag, dass für das zweiköpfige Live Ticker-Team eine Arbeitskarte beim Ordner lag, die zweite allerdings erst hinterher an der Sonderkasse auftauchte, nutzte ich die günstige Gelegenheit, mich auf die Rückbank zu werfen und somit wenigstens den Rückmarsch zum Stadion etwas angenehmer und vor allem trockener zu gestalten.

Nun habe ich diese Angelegenheit etwas ausschweifender geschildert, nicht um etwa der TuS Koblenz organisatorisch einen reinzuwürgen, die bemühten sich ja wenigstens noch um Abhilfe, auch wenn dies zur Folge hatte, dass ich, obwohl mit dem Auto angereist, das Stadion schließlich patschnass und halb erfroren betrat. Nein, der Kenner ahnt schon, warum ich hier schonungslos die Weichei-Aspekte meines fortgeschrittenen Alters zu Tage treten lasse – vom eigentlichen Grund für diese Tortur, nämlich dem Fußballspiel ab 18 Uhr, gibt es nicht ganz so viel zu berichten. Dies lag zum Einen an dem Geläuf, welches mit „schwer bespielbar“ äußerst diplomatisch umschrieben werden kann, zum Anderen an beiden Teams, die einen derartigen Gurkenkick hinlegten, wie ich in dieser Saison noch keinen gesehen habe, zumindest nicht in Spielen, an denen Fortuna beteiligt war. Koblenz kämpfte und pöhlte die Bälle planlos nach vorne, Fortuna versuchte zu spielen, und als das auf dem Boden nicht klappte, versuchten sie es noch einmal, und als das nicht klappte, versuchten sie es noch einmal, und als das nicht klappte, war das Spiel dann vorbei und mit 0:1 verloren. So richtig verdient hatte keine der beiden Mannschaften den Sieg, andererseits war auch klar, dass in einem Spiel mit dem gigantischen Chancenverhältnis von 2:2 derjenige siegen würde, der das erste Tor macht. Leider waren dies die Koblenzer, und bei ihrer Art, Fußball zu spielen, war es natürlich ein Standard, der die Entscheidung brachte. Der war auch nicht ganz unumstritten, nach einem üblen Fehlpass von Johannes van den Bergh hatte ein Koblenzer mal aus 25 Metern abgezogen, der Ball wäre wohl neben das Tor gegangen, aber Ratajczak packte trotzdem zu und bekam den glitschigen Ball erst im Nachfassen unter Kontrolle. Der soll dabei aber schon die Grundlinie überschritten haben. Naja. Auf jeden Fall gab es Eckball von rechts in der 71. Minute, auf den kurzen Pfosten, dort verlängerte ein Koblenzer per Kopf, und in der Mitte tauchte Innenverteidiger Matej Mavric völlig frei auf und nickte die Kugel aus Nahdistanz am nunmehr völlig chancenlosen Ratajczak vorbei ins Netz. Das war`s. Nebenbei wird der Mavric sich den Tag rot im Kalender anstreichen, schließlich machte er nicht nur das Siegtor, sondern er hatte an jenem Tag auch noch Geburtstag. Schön, wenn wir helfen konnten...

Bezeichnend für die Spielweise beider Mannschaften war, dass auch die zweite Koblenzer Chance in diesem Spiel, statistisch gesehen die erste, weil sie sich in der ersten Halbzeit zutrug, aus einer Standardsituation entsprang, als ein Koblenzer nach einem Freistoß mit dem Kopf vor Ratajczak am Ball war, die Kugel allerdings neben das Tor setzte. Und beide klaren Torchancen, die Fortuna hatte, waren herausgespielt: in der 9. Minute bediente Harnik sehr schön Jovanovic, doch der scheiterte aus Drehung am Koblenzer Ersatzkeeper Paucken; knapp zehn Minuten vor Schluss spielte der mittlerweile eingewechselte Thorsten Oehrl diesmal Martin Harnik links im Strafraum mustergültig frei, der zielte flach aus spitzem Winkel auf die lange Ecke, und das Ding hätte auch gepasst, wenn der Paucken da nicht irgendwie noch den linken Arm dran bekommen und die Kugel am Tor vorbei gelenkt hätte. Ein toller Reflex, gefolgt von einer mehrsekündigen Tanzeinlage des Keepers im Fünfmeterraum. Angesichts des Wetters kann das nur ein Regentanz gewesen sein.

Zwischen diesen beiden Chancen versäumte es Fortuna, kämpferisch mit den Gastgebern mitzuhalten, sodass die ständig ein Übergewicht im Mittelfeld hatten, was sie allerdings lediglich dazu nutzten, Standards herauszuspielen. Naja, was heißt „lediglich“, an jenem Abend reichte das dann auch. Und somit verlorenen wir vor 8.900 Zuschauern schließlich die Partie, nicht ganz verdient, weil dieser Graupenkick eigentlich keinen Sieger hätte haben dürfen, aber auch nicht ganz unverdient, weil man sich nur in Ansätzen bemühte, kämpferisch mit dem Gegner mitzuhalten. Und dann darf man sich eben auch nicht wundern, wenn ein Spiel mal durch eine Allerweltssituation verloren geht, obwohl der Gegner eigentlich so was von harmlos ist. Trainer Meier drückte sich etwas gewählter aus, als er nach dem Spiel mit finsterer Miene sagte: „Wir werden nicht den Fehler machen, die Niederlage mit den schlechten Platzverhältnissen zu entschuldigen.“ Wohl gesprochen, und sicherlich nicht unbedingt ein Anreiz für die Truppe, sich auf die kommenden Trainingseinheiten zu freuen. Selbst Schuld.

Und wenn’s schon mal schlecht läuft, dann auch gleich richtig. Rechtsverteidiger Christian Weber erhielt in der zweiten Hälfte die Gelbe Karte. Einerseits ärgerlich, weil es eine Karte für nix war, Weber hatte zurückgezogen, und sein Gegenspieler hatte unberührt trotzdem eine schöne Rutschpartie auf der Seitenlinie hingelegt. Andererseits doppelt ärgerlich, weil es seine fünfte Verwarnung war, somit ein Spiel Pause. Und das ausgerechnet für denjenigen Spieler, der als Einziger im Fortuna-Dress bis dato (bzw. eben bis Spielschluss) in jeder Minute der Saison auf dem Platz gestanden hatte. Und doppelt „ausgerechnet“ traf es denjenigen Spieler, der schon seit Wochen auf die kommende Partie gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber MSV Duisburg hin gefiebert hatte. Wie gesagt, wenn schon, denn schon.

Und da sich auf dem „Rasen“ somit absolut nichts Bewunderungswürdiges tat, möchte ich diesbezüglich eher mit den Randerscheinungen des Spiels schließen. Zum Beispiel mit den tapferen Fans, die auf den unüberdachten Stehplätzen in den Kurven ausharrten, während das Spiel immer schlechter und der Regen immer heftiger wurde. Zumindest die Koblenzer Freischwimmer wussten aber nach dem Schlusspfiff, dass es sich gelohnt hatte. Oder dass die TuS in diesem doch eher tristen Ambiente rund um das Spiel tatsächlich ein Highlight bei der Verpflegung anbot: es gab fünf verschiedene Wurstsorten, darunter meinen All-time-favorite Feuerwurst, der sehr nahe an die weltmeisterliche Mannheimer Feuerwurst herankam. Oder dass ich die Rückfahrt sehr zügig absolvierte, zwar stets im strömenden Regen bzw. kurz darauf in dichtem Schneetreiben, aber ich schaffte es tatsächlich, immer ein Stück vor den Schneeverwehungen und quer stehenden LKW zu fahren, vor denen im Viertelstundentakt aus dem Autoradio gewarnt wurde. Bei mir zuhause lag übrigens kein Schnee, was mich am nächsten Morgen, als ich aus dem Fenster blickte und die ca. drei Meter Neuschnee inspizierte, die sich in der Nacht angesammelt hatten, für einen Moment glauben ließ, ich hätte den Ausflug nach Koblenz doch eigentlich nur geträumt. Dem war leider nicht so.

Tristes Spiel in tristem Wetter bei tristem Umfeld mit tristem Ergebnis. Es gibt halt Tage, da ist sogar Fußball doof. So ca. drei Stunden lang, dann geht’s wieder.

Zebras zur (Rekord-)Strecke gebracht

Am 07.02.2010, ja, man glaubt es kaum, es war ein Sonntag und kein Freitag, stand für uns das nächste Spiel an. Und es war schon ein besonderes Spiel. Es kam der MSV Duisburg. Die Mannschaft, gegen die wir in der Hinrunde 0:3 verloren hatten, da war also noch etwas auszudiskutieren, zumal der Sieg in dieser Höhe damals selbst Peter dem Großen Neururer peinlich gewesen war. Mittlerweile sagt er ja in Bezug auf Duisburg gar nix mehr, und der aktuelle Trainer des MSV, Milan Sasic, spricht wesentlich auch weniger Worte als dies sein Vorgänger im Amt tat, ist dafür aber umso unfreundlicher. Außerdem musste Sasic auch gar nicht großartig etwas sagen, die Bilanz sprach für sich: der MSV hatte die letzten fünf Auswärtsspiele in Serie gewonnen. Da kam also die auswärtsstärkste Mannschaft der Liga zur heimstärksten Mannschaft der Liga. Interessant. Außerdem war es das Spiel des Tabellenfünften gegen den Tabellensechsten, beide punktgleich. Auch interessant. Des weiteren würde der Sieger am Relegationsplatz 3 dran bleiben, zumal der dort platzierte FC Augsburg am Tage zuvor bei Union Berlin nur 0:0 gespielt hatte, man konnte mit einem Sieg also wieder bis auf einen Punkt an die Augsburger heranrücken. Das war schon richtig interessant. Und als letzter Punkt: Düsseldorf und Duisburg trennen nur 20 km, man kann ohne umzusteigen mit der Straßen- bzw. U-Bahn von einer Stadt in die andere gelangen. Da wurde es dann hochgradig interessant.

Oder um die ganze Einleitung in eine einzige Zahl zu kleiden: 48.250. Dies war die Zuschauerzahl an jenem diesigen Sonntag Nachmittag. In einem Zweitliga-Spiel. Okay, ein kleines Derby. Okay, ein kleines Verfolgerduell um den Relegationsplatz. Okay, zwischen zwei Teams, die ihre Stärken laut Statistik exakt in dieser Konstellation (Düsseldorf Heimspiel, Duisburg Auswärtsspiel) hatten. Aber es war doch erst der 21. Spieltag. Und trotzdem: 48.250 Zuschauer. Manchmal muss man sich kneifen, um zu glauben, was derzeit abgeht.

Diese Zahl war übrigens gleichbedeutend mit einer ausverkauften Arena. Es passen zwar eigentlich 51.000 und ein paar Zerquetschte rein, um aber genau diese zu vermeiden, hatte die Polizei aus Sicherheitsgründen zwei Pufferblöcke rechts und links des Gästebereichs gefordert, für die keine Karten verkauft werden durften. Ähnliches gab es schon im Mai 2009 beim Aufstiegsspiel gegen Werder II. Damals waren aber nur 20 Bremer am Start, wenn überhaupt so viele, für die brauchte man nicht viel Puffer, deshalb konnten 50.095 Zuschauer rein. Diesmal brauchte man etwas mehr Leerraum, denn es kamen 7.200 Zuschauer von der Wedau. Ich glaube, in schlechten Zeiten haben die noch nicht mal so viele Zuschauer bei Heimspielen. Aber diesmal, siehe oben, passte eben alles. Volle Hütte und natürlich Zuschauerrekord für die laufende Zweitliga-Saison. Und es dürfte schwer werden, den zu toppen, über ein Stadion mit entsprechender Kapazität verfügt eigentlich nur der TSV 1860 München, und die spielen ja eigentlich nicht so, dass man ein ausverkauftes Haus erwarten würde, egal gegen wen. Also, ein schönes zusätzliches Gimmick für die Fortuna, und ein warmer Geldsegen für die Kasse.

Fortuna schlug den MSV Duisburg völlig verdient mit 2:0. Besonders in der ersten Halbzeit wurden die Zebras schwindlig gespielt, es gab nicht einen einzigen Torschuss für Duisburg vor der Pause. Schon nach vier Minuten tauchte Jovanovic nach Zucker-Lupfer von Christ allein vor MSV-Keeper Tom Starke auf, allerdings war der Winkel doch etwas spitz, der Ball sprang auch nicht besonders günstig. Jovanovic brachte ihn zwar noch auf die kurze Ecke, aber Starke war auf dem Posten. Einige Minuten später ebenfalls, als Harnik nach schöner Flanke von Jovanovic frei zum Kopfball kam. Starke stand genau richtig und lenkte den Ball an die Latte, von dort aus übers Tor. In der 17. Minute stand er dann auch goldrichtig. Nach einem Ballverlust der Duisburger war Kapitän Andy Lambertz von der linken Seite zur Mitte des Spielfelds gezogen, wobei er drei Gegenspieler stehen ließ. Anschließend fabrizierte er von der Strafraumgrenze etwas, das man nur mit viel Phantasie als gefährlichen Torschuss sehen konnte. Oder anders formuliert: da hätte man ein Handtuch hinterher werfen können. Außerdem, wie gesagt, kam der Ball genau auf Mann. Starke kniete ab, um die Kugel aufzunehmen, unmittelbar vor ihm versprang sie auf dem Rasen kurz, und der eigentlich beste Torwart der 2. Liga winkte dieses Schüsschen durch die eigenen Hosenträger durch. Selbst danach überquerte der Ball nur mit Mühe noch die Torlinie – 1:0. Der Treffer selbst war natürlich ein Witz, so etwas passiert dem Starke vielleicht einmal alle paar Jahre. Die Führung an sich war jedoch nicht unverdient, von Duisburg war absolut nichts zu sehen, es spielte nur Fortuna. Und nur sieben Minuten später wurde allergrößtes Tennis zelebriert, ein Genuss, dabei zusehen zu dürfen. Halblinks, knapp in der gegnerischen Hälfte, spielt van den Bergh einen hohen weiten Pass auf Lambertz. Der steht 20 Meter vor dem Tor, ein paar Meter vor der Seitenauslinie, und leitet den Ball direkt per Kopf weiter in die linke Strafraumhälfte. Dort kommt Harnik heran gerauscht, und dann wird’s brasilianisch: mit dem rechten Außenrist lupft er die Kugel quer nach innen, über seinen sichtlich überforderten Gegenspieler, umkurvt diesen, und erwischt die Kugel dann direkt aus der Luft mit einem niedrig angesetzten Seitfallzieher als Dropkick. Der Ball rauscht flach links unten ins Netz, und diesmal braucht sich Starke nicht zu grämen – der ist wirklich unhaltbar. Ein Traumtor zum 2:0. Harnik tritt vor Freude anschließend noch die Eckfahne aus ihrem Geläuf und hat Glück, dass es dafür nicht Gelb gibt, wegen Beschädigung von Spielmaterial oder so. 2:0 nach 24 Minuten, hochverdient, denn von Duisburg kam weiterhin nichts. Und über Gegentreffer drei oder vier hätten sich die Duisburger auch nicht beschweren können, die waren in der 1. Halbzeit nur zum Foulen auf dem Platz.

Anfang der 2. Hälfte kamen die Gäste etwas besser auf, besonders durch die Einwechslung von Caiuby, der diversen Fortunen öfter mal Knoten in die Beine spielte. Da darf sich MSV-Trainer Sasic gerne mal fragen lassen, warum er ihn nicht von Anfang an spielen ließ, der war auch beim Hinspiel mit Abstand bester Mann. Aber soll mir natürlich Recht sein, wenn er sein Juwel lieber schont. Caiuby hatte auch die einzig klare MSV-Chance in der 2. Halbzeit, schoss aber volley am Tor vorbei. Fortuna verpasste es recht routiniert, mal wieder einige Konter auszuspielen, das kennt man ja schon, spielte die Partie aber souverän nach Hause, endgültig durch war das Spiel nach Gelb/Rot für Duisburgs Bodzek zehn Minuten vor Schluss. Fortuna schaukelte das Spiel lässig ins Ziel, und Torwart Ratajczak musste während der gesamten Partie keine einzige Parade zeigen. Es passte nicht alles, aber vieles, und es wurde beste Werbung für den Verein gemacht. Oder um mit den Worten des wie immer völlig euphorisierten und quasi ausrastenden Trainers Norbert Meier zu sprechen: „Insgesamt bin ich nicht unzufrieden, und das ist bei mir eher selten der Fall.“

Bleiben noch einige Personalien aufzuarbeiten: der 21jährige Kai Schwertfeger spielte für den gesperrten Weber rechter Verteidiger und degradierte Christian Tiffert zur Bedeutungslosigkeit, eine souveräne Leistung in einer nicht immer sicheren Abwehr, die allerdings wenig gefordert wurde. Vor dem Spiel wurde zudem bekannt, dass Marco Christ und Andreas Lambertz ihre Verträge um jeweils zwei Jahre bis 2012 verlängert haben. Oliver Fink erhielt die fünfte Gelbe Karte und ist somit im nächsten Spiel gesperrt, dafür kann Christian Weber allerdings wieder auflaufen. Einziger dicker Wermutstropfen an diesem schönen Nachmittag: Ranisav Jovanovic erlitt ohne Einwirkung des Gegners einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel, das dürften wohl zwei bis drei Wochen Pause werden.

Einige der ca. 7.200 Zebras im Stadion machten ihrer Enttäuschung dahingehend Luft, dass sie drei Bengalen zündeten und auch den einen oder anderen Gegenstand aufs Spielfeld warfen. Da bin ich jetzt mal gespannt, ob der DFB seine Androhung wahr macht, und Fortuna ein „Geisterspiel“ verpasst, denn man weiß ja, dass der Heimverein immer Mitschuld an solchen Vorfällen trägt. Eine Geldstrafe dürfte auf jeden Fall wieder einmal geben.

Fortuna festigte Platz 5, ist jetzt punkt- und torgleich mit Arminia Bielefeld (jeweils 37 Zähler), die Ostwestfalen haben allerdings ein Tor mehr erzielt, und nehmen daher Platz 4 ein. Man steht nur einen Punkt hinter dem FC Augsburg auf Platz 3. Genau dorthin müssen wir am nächsten Sonntag. Für mich sind die Augsburger die derzeit stärkste Mannschaft in der Liga. Außerdem ist noch Karnevalssonntag. Und Valentinstag. Eigentlich also kein Tag, den man als Düsseldorfer in der Fremde verbringen sollte. Außerdem haben wir schlechte Erinnerungen an letztes Jahr: da fuhren wir auch am Karnevalswochenende nach Bayern, allerdings nach Unterhaching, und verloren mit 1:2.
Aber in Augsburg hat man wirklich nichts zu verlieren, eine Niederlage würde niemanden sonderlich überraschen. Vielleicht können wir sie ja ein wenig ärgern, wie Union Berlin am letzten Spieltag, die gegen Augsburg ein 0:0 holten. Wir werden sehen.

Und wenn wir dort tatsächlich etwas holen sollten...dann beginnt es langsam, mulmig zu werden. Trainer Meier hatte nach dem Spiel gegen den MSV zwar noch was zu lachen, als er sagte: „Uns fehlen noch drei Punkte, dann haben wir die ominösen 40 Punkte für den Klassenerhalt erreicht“ Tja, bei einem Sieg in Augsburg hätten wir die – allerdings wären danach noch zwölf Spieltage übrig. Und wohin es dann gehen kann – wer weiß das schon? Spannend wird es auf jeden Fall!

Möchte dieses Jahr an Karneval nicht wieder die Pappnase in Bayern geben: janus