von Janus: Sommerpause, 1. und 2. Spieltag

 

Liebe Freunde des Balles!

Die längste Sommerpause aller Zeiten ist vorbei! Jedenfalls kam sie mir so vor, weshalb ich die Berichterstattung zur neuen Saison direkt mit diesem Superlativ einleiten wollte. Über drei Monate kein Fußball mit Fortuna, da kann auch so eine Weltmeisterschaft vor dem Fernseher nur als kleine Zwischenmahlzeit gelten. Lieber nach Ingolstadt oder Fürth fahren als noch mal Schweiz gegen Honduras anschauen zu müssen! Und deshalb blicken wir auch gar nicht groß zurück, sondern steigen gleich voll ein. Natürlich mit einem kurzen Rückblick.

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Fahren wir doch noch schnell mit den Personalien fort, bevor es los geht. Die Neuzugänge Thiago Rockenbach da Silva (RW Erfurt), Assani Lukimya-Mulongoti (Carl Zeiss Jena), Sascha Dum (Energie Cottbus), Thomas Bröker (RW Ahlen) und Sandor Torghelle (FC Augsburg) hatte ich ja noch Abschlussbericht zur letzten Saison angesprochen, die standen relativ frühzeitig fest. Aber das war noch nicht alles. Anschließend wurde mit Maximilian Beister noch ein Youngster für die Offensive verpflichtet. Beister kommt auf Leihbasis für zwei Jahre vom Hamburger SV II. Er ist beeindruckende 19 Jahre jung und Jugendnationalspieler. Zusammen mit Marco Königs aus der Zweiten Mannschaft, der einen Profi-Vertrag erhielt sowie Marcel Gaus können wir jetzt auch eine „Bubi-Offensive“ starten. Da man für die Abwehr noch einen Mann für’s Grobe benötigte, griff man beim Liga-Konkurrenten MSV Duisburg zu und holte den Brasilianer Tiago Coelho und noch mindestens zwei weitere Namen mit „o“. Der brillierte erst mal dadurch, dass er beim Vorbereitungsturnier in Aachen im Spiel gegen die Gastgeber direkt mit Gelb/Rot vom Platz flog, und das, obwohl bei diesem Turnier ein Spiel nur 45 Minuten dauerte. Eine beachtliche Leistung! Es wird schon kein so großer Zufall sein, dass Tiago für das erste Meisterschaftsspiel auch noch gesperrt sein würde, weil er diese Reststrafe für eine Rote Karte aus der letzten Saison noch in die neue Spielzeit hinüber gerettet hatte. Da man auch bei Lukimya-Mulongoti sehen konnte, dass der ganz ordentlich Eisen biegen kann, geht es in der Abwehr also „back to the roots“, die Spielübersicht und Abgeklärtheit eines Anderson aus der letzten Saison haben beide nicht mal zusammen genommen, aber das konnte man auch nicht erwarten. Mal sehen, wer sich langfristig neben Jens Langeneke in der Innenverteidigung wird durchsetzen können.

Schließlich gönnte man sich noch eine weitere Ausleihe. Der Brasilianer Wellington Luis de Souza kam, ausgerechnet von der TSG Hoffenheim. Mäzen Dietmar Hopp hatte 5,5 Mio. Euro für den Angreifer nach Brasilien überwiesen, da Brasilien bekanntlich eine Region rund um Hoffenheim ist, und der Didi ebenso bekanntermaßen nur junge Talente aus der Region Kraichgau fördern will. Unter Rangnick spielte Wellington allerdings kaum, machte nur ein paar Jokertore, und wurde in der letzten Saison nach Holland an Twente Enschede ausgeliehen. Die wurden zwar sensationell niederländischer Meister, aber der Anteil von Wellington am Titelgewinn beschränkte sich auch dort auf das starre Festhalten an der Position, die er schon gut kennt, nämlich der Ersatzbank, er machte bei Twente auch nur drei Spiele. Verkanntes Genie oder schlampiger Talentwegwerfer? Nun, dies darf er jetzt nach Hoffenheim und Enschede in Düsseldorf aufklären. Der Anfang beim Pokalspiel in Koblenz war schon mal wenig verheißungsvoll, machte aber Mut: schlechter ging es kaum, es konnte eigentlich nur bergauf gehen.

Natürlich gingen all diese Neuzugänge nicht spurlos am Kader vorüber, will heißen: es gab auch noch ein paar Abgänge. Die Mannschaft wurde ordentlich durcheinander gewirbelt. Martin Harnik nach Stuttgart und Anderson nach Mönchengladbach waren ja ebenfalls bereits länger bekannt, auch dass man Hamza Cakir anscheinend nicht mehr haben wollte und froh war, dass er das Angebot von Kayserispor in der Türkei annahm. Dann verabschiedete sich Außenverteidiger Fabian Hergesell, der seinen Platz in der letzten Saison an Christian Weber (rechts) sowie Johannes van den Bergh (links) verloren hatte. Er wechselte zu Liga-Konkurrent RW Oberhausen.

Was wirklich wehtat, und was ich bis heute nicht verstanden habe, war der plötzliche Abgang von Sebastian „Heidi“ Heidinger zu Arminia Bielefeld. Warum man den plötzlich nicht mehr wollte, ist mir ein Rätsel. Vielleicht wollte er ja auch nicht mehr, denn trotz doch recht guter Leistungen hatte er es auch in der vergangenen Saison nicht zum Stammspieler geschafft. Und die Bielefelder, die in der Sommerpause noch kurz vor dem finanziellen Aus gestanden hatten, erholten sich wieder so gut, dass sie als neuen Trainer immerhin Christian Ziege und als neuen „Leitwolf“ Oliver Neuville präsentieren konnten. Dem soll der Heidi jetzt wohl die Bälle auflegen. Schade drum, aber wie gesagt, vielleicht ging der Wechsel ja auch von ihm aus, und da sag ich mal mit allen Vereinsfanatikern dieser Welt: Reisende soll man nicht aufhalten.

Außerdem erhielt Olivier Caillas keinen neuen Vertrag. Da für ihn aber bis zum Saisonstart kein Club anfragte, trainierte er erst mal weiter mit. Die Saison hatte schon begonnen, als er Ende August doch noch einen neuen Verein fand: Caillas unterschrieb beim Drittligisten RW Erfurt.

Auch nicht mehr am Start für die Fortuna sind Stephan Sieger (1.FC Saarbrücken), Dmitrij Bulykin (wechselte zu ADO Den Haag nach Holland), Axel Lawarée holt sich sein Gnadenbrot beim Landesligisten TuS Bösinghoven. Bei Torsten Oehrl war das Ausleihgeschäft mit Werder Bremen beendet, und ehe man noch darüber nachdenken konnte, ob man ihn eventuell verpflichten möchte, schnippte der FC Augsburg mal kurz mit dem (materiellen) Finger, und Oehrl war weg. Deniz Kadah, der uns in der 3. Liga am vorletzten Spieltag in Aalen auf den ersehnten Aufstiegsplatz köpfte, in der 2. Liga allerdings kaum zum Zuge kam, ist ebenfalls weg, keine Ahnung, wohin. Und auch unser Japaner Yuki Kozo verließ uns. Der hatte in seinen zwei Einsätzen in der Ersten Mannschaft im Großen und Ganzen gar nicht mal schlecht gespielt, aber wenn er in der Zwoten genauso viele Kerzen am eigenen Strafraum produziert hat, kann ich den Abgang schon verstehen.

Apropos: schwenken wir doch mal kurz um auf Fortuna II, deren Saison in der Regionalliga West noch nicht beendet war, als ich meinen letzten Bericht verfasste. Sie mündete in einen echten Abstiegskrimi. Fortuna II rutschte am drittletzten Spieltag erstmals auf einen Abstiegsplatz, gewann am vorletzten Spieltag das Abstiegsendspiel gegen Leverkusen II mit 1:0 und tauschte mit den Pillen den Rang. Am letzten Spieltag gab es ein wahres Herzschlagfinale um den dritten und letzten Abstiegsplatz (Worms und Trier standen schon vorher als Absteiger fest). Fortuna II gewann mit 2:1 beim Bonner SC und beendete dadurch die Saison tatsächlich noch als Tabellenelfter mit 41 Punkten, während sich dahinter fünf Teams mit 40 Punkten tummelten (Schalke II, Waldhof Mannheim, Mainz II, Leverkusen II, Mönchengladbach II), von denen die Truppe mit dem schlechtesten Torverhältnis die Arschkarte zog, es waren die Ostholländer. Daran kann sich die Bundesliga gerne mal ein Beispiel nehmen – welch ein spannender Saisonabschluss! Und wie sinnlos, denn zwei Wochen später stand fest, dass der Bonner SC, Waldhof Mannheim und auch RW Essen keine Lizenz für die Regionalliga erhalten würden, und es somit keine sportlichen Absteiger geben würde. Auch Trier und Worms blieben drin, Trier nach 19 (!) Spielen in Folge ohne Sieg, Worms bereits zum zweiten Mal in Folge am Grünen Tisch. Worauf es ihnen reichte, und sie sich für die neue Saison in der Regionalliga Süd anmeldeten, wenn man schon nicht absteigen kann, dann will man für die ganzen Freundschaftsspiele in einer Saison natürlich auch nicht so weit fahren. In den anderen beiden Regionalligen machten mit TeBe Berlin, Eintracht Bamberg und dem SSV Reutlingen noch drei weitere Clubs Pleite, aber der DFB sieht natürlich weiterhin keine Veranlassung, etwas zu unternehmen. Die Regionalliga West besteht in der Saison 2010/2011 aus zehn Zweiten Mannschaften und acht Clubs, die nebenbei auch noch ein bisschen mitspielen dürfen. Hochspannung und volle Stadien garantiert. Einfach nur traurig, wie der DFB mit voller Absicht den höherklassigen Amateurfußball vor die Wand fährt, weil man den Bundesligisten so nett zu Diensten sein will.
RW Essen konnte wenigstens noch für die NRW-Liga, die fünfte Liga, melden, und geht jetzt gegen Teams wie den FC Wegberg-Beeck und Westfalia Rhynern an den Start. Das ist allerdings mehr, als man vom Bonner SC behaupten kann. Der erhielt weder eine Zulassung für die NRW-, noch für die darunter befindliche Mittelrheinliga, steht in Letzterer damit jetzt schon als Absteiger fest, nimmt in dieser Saison nicht am Spielbetrieb teil und kann 2011/12 dann in der 7. Liga wieder mitmischen. Vielleicht. Und das bei einem Verein, der in der Hinrunde abgeschlagen auf einem Abstiegsplatz stand und sich mit einer Riesen-Rückrunde noch gerettet hatte, obwohl der Verein mit den Gehaltszahlungen der Spieler zeitweise drei Monate im Rückstand war. Aber soviel Spiele konnten die Kicker gar nicht mehr gewinnen und soviele Steine konnten die Arbeiter von Klubchef Viol in seinen afrikanischen Steinbrüchen gar nicht klopfen, um das Defizit noch auszubügeln. So etwas ist schon eine kleine Tragödie, auch wenn der Bonner SC in Bonn selbst keine tausend Leute pro Heimspiel interessiert hat.

Ach ja, und selbst wenn es in der Sommerpause nix zu meckern gegeben hätte, hätte es etwas zu meckern gegeben. Die Fortuna-Marketing-Abteilung wollte nämlich mal wieder clever sein und etwas Neues auf den Markt bringen. Das hätten sie ja auch gerne tun dürfen, aber mussten es unbedingt die neuen Auswärtstrikots sein? Rot-blau gestreift sind sie. Sie sollen an den großen FC Barcelona erinnern, unseren Gegner im Europapokalfinale 1979, welches wir unglücklich 3:4 n.V. verloren. Eine Niederlage zwar, aber dennoch der größte sportliche Erfolg der Fortuna. Ne Riesenidee, eine ganze (Auswärts-)Saison lang an ein Ereignis von vor über 30 Jahren erinnern zu wollen, welches weit weg in den Tiefen der Zeit schlummert.
Besonders wenn man dabei das Naheliegende übersieht. In unmittelbarer Nähe von Düsseldorf liegt ja dieses kleine Örtchen Wuppertal, mit dem einheimischen Fußballverein, der just aus der 3. Liga abgestiegen ist in die Regionalliga West. Mit diesem Wuppertaler SV haben wir in den letzten Jahren so manches Scharmützel ausgefochten, deren Anhänger sind bei uns in etwa so beliebt wie Kölsch. Und was sind die Vereinsfarben dieses putzigen Vereins? Genau, rot-blau. Was natürlich auch jedem sofort einfällt, denn wie gesagt, Wuppertal ist ja nicht Tausende von Kilometern entfernt wie Barcelona, und wir haben nicht zuletzt vor 30 Jahren gegen die gespielt. Da hat das Marketing in ganz großen Dimensionen gedacht und dann doch ein bisschen eine Lachnummer produziert, weil man vor der eigenen Haustüre nicht nachgeschaut hat. Aber so war wenigstens die weitgehend ereignislose Sommerpause gerettet.

Nun aber genug abgeschweift und zusammengefasst – die neue Saison von Fortuna I darf starten. Wenn es nach der einheimischen Lokalpresse und doch so einigen Fans, größtenteils in der letzten Saison neu oder wieder dazu gestoßen, geht, muss der Anspruch nach der letzten Saison selbstverständlich dahin gehen, dass aufgestiegen wird. Ob die Mannschaft überhaupt noch so stark ist wie in der letzten Saison, wurde nicht gefragt. Ich glaube nämlich, eher nicht. Aber ich war ja schon immer ein ziemlicher Pessimist.

Somit war auch ich froh, als es am 15.08.2010 nach über drei Monaten Sommerpause endlich wieder los ging. Noch nicht mit der 2.Liga, die würde eine Woche darauf starten, nein, sondern mit dem DFB-Pokal. Hier hatte man in der letzten Saison als Zweitliga-Aufsteiger mit einem 3:3 nach Verlängerung und unglücklichem Aus im Elfmeterschießen gegen den Hamburger SV brilliert, zur besten Sendezeit montags abends in die deutschen Wohnstuben übertragen. Diese tolle Leistung hatte die Mannschaft damals in die Saison getragen. Daran konnten wir jetzt eigentlich anknüpfen. Passend dazu verletzten sich in Testspielen Kapitän Andreas Lambertz und Mittelfeldspieler Oliver Fink noch etwas langfristiger, während Neuzugang Thomas Bröker direkt eine Verletzung mitbrachte, die ihn die ersten drei Wochen der Vorbereitung kostete. Alles schöne Bräuche, die wir ja eigentlich aus jeder Saisonvorbereitung kennen. Also alles wie im letzten Jahr.

Und der Gegner war ja auch nur so ein pisseliger Neu-Drittligist, nämlich Zweitliga-Absteiger TuS Koblenz. Fortan wurde in den Fan-Foren mehr darüber diskutiert, wie enttäuschend reizlos diese Auslosung doch sei, im Vergleich zum letzten Jahr. Das Spiel war von vorne herein bei den meisten schon abgehakt.

Völlig zu Recht übrigens. Aber eben anders, als die meisten es sich vorgestellt hatten.

Sommerloch

Ja, der DFB ist lustig. In der Sommerpause zeigt er jetzt auch schon Wiederholungen, ich dachte, das gibt es nur bei ARD und ZDF. Und deshalb verlor Fortuna am 15.08.2010 mit 0:1 in Koblenz, was mir aber keine Sorgen machte, denn es konnte ja nur die Wiederholung der Partie am 29.01.2010 an gleicher Stelle gewesen sein. Da stimmte dermaßen exakt alles überein, inklusive Dauer-Starkregen, Grottenkick, Großchance für Jovanovic in der 9. Minute und Siegtor für die Gastgeber durch Kopfball nach Standard, dass ich jetzt schon gespannt bin, wann und wo Fortuna die 1. Pokalrunde absolvieren wird, denn das Spiel an jenem Sonntag kann es wirklich nicht gewesen sein.

Man hat ja des Öfteren déjà-vu's beim Fußball, aber bei diesem Spiel war es schon unheimlich. Als Jovanovic exakt in der 9. Minute wieder wie im Januar frei vor dem Keeper stand und wieder den Ball nicht rein bekam (diesmal traf er immerhin die Latte, aber das nutzte ja auch nix), ahnte ich schon Böses, beim Anblick des Siegtreffers durch Johannes Rahn in der 84. Minute war eigentlich jedem klar, dass wir einpacken konnten, denn aufgrund der exakten Wiederholung war eben nichts mehr zu erwarten, und so kam es dann auch. Wieder konnte man sich noch vor dem Liga-Start ganz auf Selbige konzentrieren, und nach dem, was ich an diesem Wolkenbruch-Sonntag sehen konnte, würde dies nötiger sein als im letzten Jahr. Immerhin konnte man einige Neuzugänge erstmals richtig in Aktion sehen, was dann auch der einzige Unterschied zum Januar war und uns schmerzhaft klar machte, dass wir eben nicht in einer Zeitschleife gefangen waren.

Lukimya-Mulongoti in der Innenverteidigung eigentlich recht souverän, die Abwehr wurde von den größtenteils harmlosen Koblenzern allerdings auch nicht sonderlich gefordert - deren Abwehr von uns allerdings auch nicht, besonders in der zweiten Halbzeit. Man sah zwar, dass er an Vorgänger Anderson nicht heranreichen wird, was die Technik und den Spielaufbau betrifft, allerdings konnte man auch gut sehen, dass da, wo der hinlangt, wirklich nur noch relativ wenig Gras wächst. Endlich wieder einer, der den Ball nicht nur auf, sondern bei Bedarf auch über die Tribüne ballern kann! Sandor Torghelle vorn fand ich eigentlich recht agil, das sah ich allerdings anders als Trainer Meier, der ihn, und nicht den ultraschwachen Jovanovic, Mitte der zweiten Halbzeit gegen Wellington auswechselte. Zur Leistung des Letzteren fällt mir eigentlich nur ein: kann es sein, dass das Hopps Rache an uns ist, für was auch immer? Unfassbar, was der sich zu Recht spielte. Wie schon geschrieben, dann kann es eigentlich nur aufwärts gehen. Eigentlich, hoffentlich. Sascha Dum rotierte sich nach 25 Minuten aus der Mannschaft, er hätte eigentlich nach 17 Minuten mit Gelb/Rot vom Platz gehen müssen, der Schiri beließ es bei einer letzten Ermahnung, und alle waren froh, dass er die paar Minuten bis zum Wechsel ohne weiteres Foul überstand, ein unterirdischer Auftritt. Für ihn kam Maximilian Beister, von dem gab es leider auch nicht viel zu sehen. Warum Rockenbach da Silva auf der Bank Platz nehmen musste, habe ich ebenso nicht verstanden wie ich dankbar für dasselbe Plätzchen bei Tiago war. Alles in allem eine verdiente Niederlage, besonders aufgrund der grottenschlechten zweiten Hälfte mit dem ersten (!) Torschuss in der 80. (!) Minute durch Rechtsverteidiger (!) Weber. 9.000 Zuschauer, davon 4.500 Fortunen, bekamen wahrlich keinen Pokalknaller geboten. Dafür war aber die Hälfte von ihnen pudelnass, denn soviel Starkregen wie an jenem Sonntag hab ich schon lange nicht mehr gesehen – eigentlich nicht mehr seit dem 29. Januar an derselben Stelle, nur dass damals der Regen anschließend in Schneefall überging. Aber ansonsten war wirklich alles gleich. Das Stadionumfeld versank in den Fluten, der Weg zu Gästeblöcken war eine einzige Schlammbank, da anscheinend das Geld fehlt, um wenigstens diesen einen Zugangsweg asphaltieren zu lassen, und wir sprechen hier nicht über eine kilometerlange Strecke, sondern über wenige hundert Meter! Es war so schlimm, dass mehrere Beschwerden an die TuS Koblenz gerichtet wurden, was allerdings herzlich wenig nutzen wird, denn der Oberwerth ist ein städtisches Stadion. Die Klagen mündeten in die Bitte eines Fans, demnächst den Transport der Gästefans vom Parkplatz zum Eingang per Fähre durchführen zu lassen. Das war natürlich eine Übertreibung – aber nur eine kleine. Gut, dass nicht alle ihren Humor im Wasserschutzgebiet gelassen hatten.

Und natürlich gab es in dieser ersten Pokalrunde noch die ein oder andere Blamage, gegen die unsere Niederlage nun wirklich nicht überraschend wirkte. Gerade die Zweitligisten hatten nix zu lachen, so ließ sich Absteiger und Topfavorit VfL Bochum beim Drittligisten Offenbacher Kickers gleich mal 0:3 verprügeln und kam mit diesem Ergebnis noch recht glimpflich davon. Union Berlin verlor beim Viertligisten Hallescher FC mit 0:1, und RW Oberhausen schoss den Vogel ab – 0:1 beim Fünftligisten Victoria Hamburg auf einem Platz, dem ich, als ich ihn im Fernsehen sah, eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Nebenplatz 11 in Bremen nicht absprechen konnte. Das war alles schon recht heftig, aber man musste dankbar sein. Zu sehen, dass die Konkurrenz auch schon eine solch „überragende“ Frühform hatte, war doch zumindest ein wenig tröstlich.

Also, Pokal abhaken, volle Konzentration auf die Liga! Und die startete dann auch endlich, für uns genau eine Woche später. Am Sonntag, den 22.08., legten wir direkt am ersten Spieltag die weiteste Auswärtsreise hin und fuhren 648 km zu Energie Cottbus und ihrem bei uns hoch geschätzten Trainer Pelé Lausitz in die Wollitz. Oder so ähnlich. Now let the Games begin!

Nix wirklich Neues

Fortuna verlor den Saisonauftakt in Cottbus mit 0:2. Das war nun nicht gerade überraschend, schließlich hatte man sich an selbiger Stelle schon im April vier Buden eingefangen. Das ist aber genau das, was es so deprimierend machte. Denn als Fazit aus den ersten beiden Pflichtspielen konnte ja nunmehr gelten: unsere Auswärtsschwäche aus der letzten Saison scheinen wir zunächst nahtlos in die neue Spielzeit hinüber gerettet zu haben. Dies ist eine Art von Kontinuität, auf die ich gerne verzichtet hätte.

Zumal Fortuna die Partie im ersten Abschnitt ganz klar nach Hause hätte spielen müssen. Cottbus hatte vielleicht mehr vom Spiel, aber die besseren Chancen hatten eindeutig die Jungs mit den hässlichen Auswärtstrikots, die diesmal noch hässlichere Ausweichtrikots trugen. Allein Sandor Torghelle vergab drei dicke Dinger, das dickste zweifelsohne, als er frei auf Keeper Kirschbaum zusteuerte und vergeblich versuchte, diesen zu tunneln. Als Sturmpartner Jovanovic dann unmittelbar nach der Pause völlig freistehend versemmelte, nachdem die Cottbuser nach einer Ecke gepennt hatten, da konnte man schon ahnen, dass es auch diesmal nix werden würde mit dem ersten Saisontreffer. Cottbus machte durch Jula und Petersen seine beiden Tore, und was höchst bedenklich stimmen muss, war die Tatsache, dass beide Treffer verdächtig demjenigen ähnelten, mit dem uns Koblenz aus dem Pokal geknipst hatte: Flanke, Kopfball, Tor. Die gesamte Hintermannschaft der Fortuna einschließlich Torwart Ratajczak sah dabei so alt aus, wie sie wahrscheinlich niemals werden will. Fortuna gelang es nicht, den Schwung aus der ersten Hälfte mit in die zweite zu nehmen, Cottbus stand jetzt sicherer und ließ nach der Führung nicht mehr viel zu. Da nutzte auch das Comeback von Kapitän Andreas Lambertz nichts mehr, der nach vierwöchiger Verletzungspause in der zweiten Hälfte eingesetzt wurde. Durch Unkonzentriertheiten sowohl vor dem gegnerischen als auch vor dem eigenen Tor wurde der auf jeden Fall mögliche eine Punkt leichtfertig verspielt, es wäre eigentlich auch mehr drin gewesen.

Fortuna drohte somit ein klassischer Fehlstart in Pokal und Meisterschaft. Denn zum ersten Heimspiel kam ausgerechnet Hertha BSC, der selbst ernannte „FC Bayern der 2. Liga“. Gegen die war man auch nicht gerade zwingend Favorit. Mit der zweiten Niederlage in der Meisterschaft würde der Fehlstart perfekt sein und in Düsseldorf mal wieder der Baum brennen.

Alles hat ein Ende...

...und wenn das Ende dem Anfang entspricht und sich damit der Kreis schließt, vielleicht gibt es ja noch Hoffnung. Am Montag, den 30.08.2010, erwischte es die Fortuna nach 20 ungeschlagenen Heimspielen in Serie direkt beim ersten Heimrecht der neuen Saison. Die letzte Heimniederlage hatte es am 18.04.2009 gegeben – gegen Berlin. Die erste Heimniederlage danach gab es – gegen Berlin. Das macht Hoffnung, stiegen wir doch nach der damaligen Niederlage anschließend auf. Derart vermessen, das auch diesmal zu glauben, bin ich allerdings nicht. Zumal es ja ein ganz anderes Berlin war.

Fortuna verlor vor 30.600 Zuschauern mit 1:2 gegen Erstliga-Absteiger Hertha BSC. Im Endeffekt sogar noch halbwegs unverdient, weil man gerade in der zweiten Halbzeit viel Druck nach vorn entwickelte und eigentlich den Ausgleich verdient gehabt hätte. Aber doch irgendwie verdient, weil man über weite Strecken viel zu harmlos agierte und besonders in der Abwehr wieder bedenkliche Löcher zeigte.

Hertha nun weiß Gott nicht mit einer Wahnsinnsleistung. Denen reichten jedoch sechs Minuten aus, um das Spiel für sich zu entscheiden. In der 25. Minute Freistoß von halbrechts durch Rukavytsya. Die Kugel segelt in den Strafraum, fällt Rob Friend vor die Füße, und der Kanadier locht aus zehn Metern ein, völlig unbedrängt. Schon erstaunlich, gelinde gesagt. Es war wirklich der allererste Torschuss der Hertha in diesem Spiel, und natürlich entstand der Gegentreffer genauso wie die vorherigen drei in Cottbus und Koblenz: Flanke oder Freistoß aus dem Halbfeld in die Mitte des Strafraums, wo in aller Gemütsruhe ein Spieler einnetzen kann. Einzige Neuerung: nach drei Gegentreffern per Kopf war Friend der erste, der seinen Fuß einsetzen musste, um den Gegner auf die Siegerstraße zu bringen. Und wenn so viele Treffer hintereinander sich so ähnlich sind, muss doch irgendwann mal jemand merken, dass wir bei solchen Situationen ein gewaltiges Problem haben.
In der Innenverteidigung neben Langeneke spielte diesmal der Brasilianer Tiago anstelle von Lukimya, der gegen Cottbus einen eher unglücklichen Auftritt hatte. Natürlich wollte Tiago bei seiner Premiere im Fortuna-Trikot alles besonders gut machen. Was bei soviel Eifer schon mal rauskommen kann, dürfte hinlänglich bekannt sein: Tiago war trotz oder gerade wegen seiner Bemühungen einer der schlechtesten Spieler auf dem Platz, auch beim 0:1 war von ihm weit und breit nichts zu sehen, Sturmtank Friend war völlig ungedeckt. Natürlich tun mir solche Leute Leid, die im eifrigen Bemühen, alles richtig zu machen, dann zu Unglücksraben werden. Aber als Abwehrspieler ist so etwas leider „tödlich“. Gegen Ende der Partie wurde es etwas besser, aber es bleibt abzuwarten, ob er sich mit dieser Leistung nicht für’s Erste aus der Mannschaft rotiert hat.

Wobei dies keinerlei Entschuldigung für seine Nebenleute sein kann, die waren auch nicht viel besser. Drei Minuten später pennte wieder die gesamte Hintermannschaft, als man mal so ein lustiges Abseits ausprobieren wollte. Valeri Domovchyiski sagte danke, strebte allein gen Torwart Michael Ratajczak und brachte dann das Kunststück fertig, den Ball an Torwart und Tor vorbei zu setzen. Quasi Fortuna-Sturm-Qualität. Mit einem Unterschied allerdings: der fasste sich zwar danach auch an den Kopf, wie das bei uns Torghelle und Jovanovic in den ersten zwei Spielen des Öfteren getan hatten; dann raffte er sich allerdings auf und schoss wiederum drei Minuten später das 0:2, mit einem strammen Dropkick aus zehn Metern unter die Latte. Auch bei dieser Situation stand er ziemlich lange ziemlich allein im Strafraum herum, als Rechtsverteidiger Weber noch retten wollte, war es schon zu spät. Binnen sechs Minuten wurde Fortuna abgekocht, und zur Pause konnte man nur hoffen, dass es kein Debakel geben würde.

Ärgerlich war es allemal, weil die Fortuna wieder gut begonnen und einige Chancen gehabt hatte. Pech besonders für Marco Christ, dessen abgefälschter Freistoß kurz zuvor dermaßen knapp am Tor vorbei flog, dass er gegen die hintere Haltestange des Tornetzes prallte und Selbiges anschließend von außen ausbeulte, was auf der gegenüber liegenden Hintertor-Tribüne kurzfristig zu ekstatischen Jubelstürmen führte, denn von dort hatte es so ausgesehen, als ob die Kugel im Tor gelandet wäre. War nix. Dennoch hatte man das Spiel eigentlich gut im Griff. Hertha fand bis zu jener ominösen 26. Minute eigentlich kaum statt. Dann gab es diesen Freistoß, mal wieder einen Rückstand und mal wieder eine Niederlage.

Die auch nicht unbedingt hätte sein müssen. In der zweiten Halbzeit schaltete Hertha nämlich deutlich zurück und kreuzte noch seltener vor dem Gehäuse der Heimmannschaft auf. Was nicht nur deren Trainer Markus Babbel die Zornesröte ins Gesicht trieb, sondern auch die Fortunen wieder auf Trab brachte. Trainer Meier hatte in der Pause Wellington für den harmlosen Torghelle eingewechselt sowie Sascha Dum für den enttäuschenden Christ, und ausgerechnet der Brasilianer Wellington, bislang eher mit unterirdischen Teilzeit-Vorstellungen aufgefallen, deutete erstmals an, warum Hoffenheim einst 4,5 Mio. Euro für ihn locker gemacht hatte. Sehr agil und wendig, forderte er die Bälle und machte auch meistens etwas Konstruktives damit. Als erstes legte er Lambertz per Kopf einen auf, der war auch relativ alleine vor dem Tor, allerdings sprang die Kugel doch etwas hoch. Herthas niederländischer Keeper Maikel Aerts stürmte auf den Kapitän zu, der sich dennoch unerschrocken zum Kopfball entschloss, jedoch an den hochgereckten Pranken des Herthaners scheiterte. Fortuna spielte weiter nach vorne, und die Hertha zeigte, dass ihre Abwehr an jenem Abend auch alles andere als sattelfest war. Die dickste Chance vergab natürlich wieder Jovanovic, wobei man ihm diesmal keinen großen Vorwurf machen konnte: nach einer Traumflanke von Weber um seinen Gegenspieler herum musste Jovanovic grätschen, um am Fünfmeterraum noch an den Ball zu kommen, daher Rücklage, daher Ball in die Wolken. Kann man nix machen, sieht aber natürlich trotzdem doof aus, wenn aus vier Metern mal wieder in die Wolken geballert wird.

Dass es für die Hertha doch noch eng wurde, lag am eingewechselten Wellington, der in der 81. Minute ein echtes Zuckerstück ablieferte: angespielt von Patrick Zoundi, schaute der Wellington mal kurz um sich und schoss den Ball dann einfach ins Tor. Er hatte nämlich gesehen, dass Torwart Aerts zu weit vor seinem Kasten stand, also nagelte er die Pille einfach aus über 30 Metern Torentfernung über den Keeper in den Winkel. Ein Traumtor, und auch genau so gewollt, kein Glücksschuss. Der erste Treffer für die Fortuna in der Saison 2010/2011, der erste Treffer für Wellington im Fortuna-Trikot, und dann gleich ein solcher Hammer. Beeindruckend.

Anschließend wackelte die Hertha, aber sie fiel nicht. Dies lag mitursächlich am für den schönen Claus eingewechselten Thomas Bröker. Zunächst fiel ihm eine Flanke von links und Freund und Feind hinweg hinter dem langen Pfosten auf den Kopf. Was er in seiner Überraschung damit anstellte, vermag ich nicht genau zu sagen, ob er ihn mit der Brust stoppen wollte, oder mit der Hüfte, oder ob das ein verunglückter Torschuss war, keine Ahnung. Auf jeden Fall schaffte er es nicht, das einzig Richtige zu tun, nämlich direkt mit dem Kopf abzuschließen, und die Chance war dahin. Dahin war auch Bröker in der Nachspielzeit, als er sich wegen einer Schwalbe Gelb/Rot abholte. Das hätte nicht sein müssen, sowohl von Bröker nicht als auch vom Schiri, denn so eine richtige Schwalbe war das auch nicht, es gab schon einen kurzen Körperkontakt. Allerdings war es natürlich auch kein Elfmeter, ich denke, er war einfach ins Stolpern geraten und hatte versucht, daraus noch eine schöne Pirouette zu formen. Muss man nicht machen, weder die Pirouette noch die Karte. Zumal die vorherige Gelbe Karte von Bröker nach angeblichem Foul an Kobiashvili auch eher dessen Pirouettenkunst geschuldet war. Aber so flog Bröker eben noch vom Platz und fehlt im nächsten Spiel.

Und damit verloren wir auch das dritte Pflichtspiel der neuen Saison in Folge. Aus im DFB-Pokal, mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet – Fehlstart perfekt. Natürlich wird mal sofort gegen Trainer, Neuzugänge und Alteingesessene geschossen, besonders natürlich von denjenigen, die in der letzten Saison plötzlich gemerkt hatten, dass sie doch noch einen Fußballverein in der Stadt hatten., entweder neu oder „wieder“. Solche Leute sind naturgemäß nie zufrieden zu stellen. Die haben jetzt natürlich einen gewaltigen Schock erlitten: die hatten noch nie (oder sehr lange nicht mehr, wenn sie vor der abgelaufenen Saison zuletzt zehn Jahre nicht im Stadion waren) eine Heimniederlage gesehen. Willkommen beim Fußball! Ist doch gleich viel aufregender, diese Abwechslung, oder nicht? Und Schuldige finden sich ja immer.

Nun ist erst einmal Länderspielpause. Weiter geht es am 11.09. beim FSV Frankfurt, auch dort hat man im März dieses Jahres schon verloren, ein Vergleich zur TuS Koblenz ist durchaus angezeigt. Danach Heimspiel am 19.09. gegen den TSV 1860 München, der Termin wurde von der DFL übrigens gönnerhaft doch schon am 01.09. festgelegt, da können sich die Münchner Fans jetzt hoch erfreut auf die zahlreichen Sonderangebote von Bus und Flug stürzen, die so kurz vor der Termin sicherlich noch verfügbar sind. Am Mittwoch, den 22.09. geht es zum Aufsteiger FC Ingolstadt, Anpfiff um 17.30 Uhr (!), auch so eine Riesen-Ansetzung der DFL. Ich will ja wirklich nicht die ganze Zeit jammern, aber: beim 5. Spieltag handelt es sich um den einzigen Spieltag der gesamten Saison, der „unter der Woche“ stattfinden wird. Da ging es natürlich nicht, dass bei dieser ungünstigen (Wochentag) und unmöglichen (Anstoßzeit) Konstellation der FC Ingolstadt beispielsweise gegen Augsburg, Fürth oder München spielt, und wir beispielsweise in Duisburg, Bochum, Aachen oder Oberhausen, nein, da muss es zwingend Ingolstadt gegen Düsseldorf sein. Ich wette, bei der DFL darf mittlerweile auch offen hämisch gelacht werden, wenn das Schlagwort „Fans im Stadion“ fällt...
Anschließend gönnen wir uns noch das zweite Montagsspiel dieser Saison, am 27.09.2010 gegen den zweiten Erstliga-Absteiger, den VfL Bochum. Mal sehen, wo wir dann stehen.

Und deshalb ist der Bericht auch jetzt schon zu Ende. Nunmehr hat hoffentlich auch der Letzte gemerkt, dass es eine harte Saison werden wird. Mich überrascht dies nicht sonderlich, trotzdem muss auch ich mich erst einmal davon erholen, dass ich eine Zusammenfassung schreiben musste, in der es tatsächlich nur Niederlagen der Fortuna gab. Aber das wird sich ja hoffentlich ändern. Mit dieser Hoffnung wünsche ich einen schönen September.

Rot-weiße Null-Punkte-Grüße
janus