von Janus, 4.4.2009

 

27. bis 30. Spieltag

Eine etwas undankbare Aufgabe, diese Zusammenfassung, beinhaltet sie doch eigentlich nur Grottenkicks der eigenen Mannschaft. Und so was hakt man am liebsten mit drei Zeilen ab. Dann hätte die komplette Zusammenfassung der Spieltage 27 bis 30 der Fortuna aber diesmal nur die Länge einer kleinen Einleitung. Da bei mir nicht sein kann, was nicht sein darf, habe ich getrickst, zum einen mit der Einleitung, zum anderen mit einem ausschweifenden Bericht meiner Tour nach München. Die war nämlich ganz interessant. Also, es wird trotzdem der zuletzt überwiegend deprimierenden Spiele wieder ein etwas längerer Bericht. Routine setzt sich halt durch.

Einleitung

Am 20.03.2009 zog es mich mal wieder nach Trier. Die dortige Eintracht, aktuell trainiert von Mario Basler, trat in der Regionalliga West gegen RW Essen an. Das konnte ja mal interessant werden. Außerdem ist unsere Zwote weiterhin Tabellenführer in der NRW-Liga, somit gab es die Gelegenheit, mal das Spielniveau zu begutachten, welches unsere Bubis ab August erwarten könnte, wenn der Aufstieg gelingen sollte. Zumal RW Essen ja eine der Truppen in der Liga ist, von denen man doch gehobenes Regionalliga-Niveau erwarten durfte. Naja, was man halt so erwartet…

Es war ein Gurkenkick auf äußerst mäßigem Niveau, dabei doch recht unterhaltsam. In den ersten 10 Minuten war die Abwehr bei RW Essen gar nicht auf dem Platz, Trier vergab zwei Hundertprozentige, schon nach drei Minuten lief Sahr Senesie alleine auf den Essener Keeper zu, übersah aber zwei (!) mitgelaufene Mitspieler und schob den Ball nicht nur am Torwart sondern auch am Tor vorbei. Kurz darauf schafften es drei Trierer nach einem Freistoß nicht, den Ball aus dem 5-m-Raum über die Linie zu drücken. Danach war Essen allerdings technisch, spielerisch, läuferisch eine Klasse besser und ging nach 13 Minuten bereits in Führung. Triers vierter Keeper (die anderen alle verletzt), ein 19jähriger Bubi, der so aussah, als wenn er grad aus der Mittelstufe abgehauen war, konnte einen Schuss von Mölders noch an die Latte lenken, den Abpraller nickte Wunderlich aus 6 m zur Führung ein. Nach dem Treffer zündeten die Essener im Gästeblock eine Freudenbengale, der Stadionsprecher tätigte seine obligatorische Durchsage, schmückte diese dann jedoch noch etwas aus, indem er den Fans erzählte, was sie denn anstelle von Bengalen alles für ihr Geld kaufen könnten ("...Fan-Artikel, Eintrittskarten..."). Sehr unterhaltsam. Essen hatte bis zur Pause alles im Griff, und das war wohl der Fehler, denn in der 2. Halbzeit wollte man das Ganze ohne viel Anstrengung nach Hause spielen und passte sich der Trierer Spielweise an. Höflich formuliert war das Kick & Rush, oder aber auch ein planloses Gebolze in alle Himmelsrichtungen. Mein persönlicher Favorit war der Trierer Abwehrspieler Lacroix, der im zweiten Durchgang handgezählte 12 Kerzen im und um den eigenen Strafraum produzierte. Der Trierer Ausgleich in der 58. Minute ähnelte dem Essener Treffer, entsprang aber purem Zufall, als der Essener Torwart eine harmlose Flanke nicht weit genug klären konnte, was nunmehr der namibische Nationalspieler Wilko Risser ausnutzte, um den Abpraller aus 15 m zum Ausgleich einzunicken. Hierbei standen auf und vor der Linie drei Essener, die sich gegenseitig nicht weh tun wollten und sich den Ball quasi selbst reinlegten. Danach folgten zehn vogelwilde Minuten, in denen auf beiden Seiten beinahe recht kuriose Tore gefallen wären. Gekrönt wurde das Ganze von einer 5minütigen Spielunterbrechung, als um die 70.Minute herum zwei Rasensprenger, einer an der Seitenlinie und einer mitten in der Essener Hälfte, unvorhergesehen den Betrieb aufnahmen. Bei Temperaturen um null Grad sicherlich eine gute Idee. Da sich ein Trierer Spieler auf den Sprenger im Feld stellte, bis dieser ausging, verteilte sich rund um den Tatort eine beeindruckende Pfütze, was von den Essenern sofort bemängelt wurde. Daraufhin zog der Platzwart unter tosendem Applaus mit einem Besen bewaffnet ins Feld, um die Wassermassen zu verteilen, und es konnte endlich weiter gespielt werden. Aber das wollten beide Teams nicht mehr und so würgten sie sich mit einem Fehlpass- und Befreiungsschlag-Festival bis zum Ende. Mit der letzten Aktion des Spiels hätte Risser per Kopf fast noch den Siegtreffer für Trier erzielt, aber der wäre wirklich ein Witz gewesen. Den Essener Fans reichte es auch so zu "Wir ham die Schnauze voll"-Gesängen. Aber immerhin war 3.100 Zuschauer im Stadion, Saisonrekord für Trier. Und den können sie auch nächste Saison wieder holen, denn nach diesem Spiel blieb nur als Fazit: beide können für die nächste Regionalliga-Saison planen.

Schlecht I

Am 21.03.2009 reiste man dann nach Thüringen, zum Spiel gegen RW Erfurt. Eigentlich ein dankbarer Gegner, denn gegen die hatten wir in sieben Spielen noch nie verloren. Klar, dass das geändert werden musste. Es wurde ein 0:2 vor 8.000 Zuschauern, die erste Niederlage gegen die Thüringer überhaupt, leider zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt. Mit einer wieder einmal ziemlich unterirdischen ersten Halbzeit verabschiedete sich Fortuna wohl von den Plätzen 1 & 2. Binnen 7 Minuten fing man sich die entscheidenden Treffer durch Cannizzaro und Cinar (18./25.). Beim ersten Tor pennten Langeneke und Hergesell und ließen den Torschützen einfach laufen, der eine Cinar-Flanke aus kurzer Distanz eindrückte. Der zweite Treffer, bei dem Melka nicht gut aussah, war ein Kopfball von Cinar aufs kurze Eck nach einem Freistoß von rechts. Bzw. es sollte ein Kopfball werden, aber Cinar erwischte den Ball nur mit der Schulter. Reichte gegen uns auch. Dies waren übrigens zwei von drei Erfurter Chancen im gesamten Spiel. Die waren aufgrund ihrer zuvor absolvierten Nachholspiele eigentlich stehend k.o., besonders in der zweiten Halbzeit war dies gut zu sehen. Daraus resultierte auch eine ständige Feldüberlegenheit der Fortuna, was die allerdings daraus machte, war schon aller Unehren wert. Fortuna hatte allein vor den Gegentreffern durch Jovanovic sowie Kadah und Lambertz mit Doppelchance zwei hervorragende Gelegenheiten vergeben , um in Führung zu gehen. Auch nach dem Seitenwechsel bot sich das gleiche Bild: Fortuna war die engagiertere Mannschaft und bemüht um den Anschluss, während die Erfurter sich zusehends um die Verwaltung des Ergebnisses kümmerten. Die Thüringer gerieten ab der 60. Minute häufiger unter Druck, doch echte Torchancen blieben weiterhin Mangelware. Erfurt stellte das Fußballspielen ein, Fortuna gelang es aber nicht, die zeitweise drückende Überlegenheit in Tore umzumünzen. Simon Terodde vergab zweimal allein vor Keeper Orlishausen, besonders der zweite, bei dem er völlig allein auf den Keeper zulief, nur um den Ball dann Zentimeter am linken Torpfosten vorbei zu setzen, hätte einfach drin sein müssen. So gab es eine Niederlage, die fünfte Gelbe für Kapitän Andreas Lambertz obendrauf, und man konnte noch froh sein, dass Kickers Emden sein Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers mit 0:1 verlor. Damit war alles gerichtet für ein echtes Spitzenspiel eine Woche später zwischen zwei Mannschaften, die derzeit ihrer Form meilenweit hinterher laufen, aber trotzdem immer noch in der Tabelle oben stehen. Konnte ja nur „toll“ werden. Wurde es dann auch.

Schlecht II

Ja, viel gibt es wirklich nicht zu berichten. Der Gegner macht mal wieder mit dem ersten Ball aufs Tor das 0:1 und stellt sich hinten rein, Fortuna hat mal wieder kein Mittel dagegen und vergibt die wenigen Möglichkeiten dann zum Teil auch noch kläglich, weil versucht wird, den Ball rein zu tragen. So kann man das Spiel kurz und knapp umreißen. Saisonrekordkulisse, 18.500 Zuschauer, sehr erstaunlich. Die wurden allerdings nicht unbedingt zum Wiederkommen animiert. In der letzten Viertelstunde gab es das Comeback von Axel Lawaree nach 111 Tagen Verletzungspause. Das waren schon fast alle positiven Dinge, die mir von diesem Spiel in Erinnerung geblieben sind. Auch Emden war nur angereist, um sich hinten rein zu stellen, wie fast jede Mannschaft, die in der LTU-Arena aufläuft. Und zum x-ten Male fiel Fortuna dazu nichts ein, außer dem oben Erwähnten. Außer Christ darf wirklich niemand aus mehr als 16 Metern aufs Tor schießen, so langsam will ich mal deren Verträge sehen, das muss da drin stehen, eine andere Erklärung gibt es langsam nicht mehr. Symptomatisch hierfür eine Szene kurz vor dem Rückstand, als Sieger, von sich selbst und Jovanovic schön frei gespielt, völlig unbedrängt am Sechzehner auftauchte und dann noch die Stirn besaß, den Querpass auf Cebe in den Strafraum zu spielen, womit die Chance dann auch vorbei war. Da wirst du wahnsinnig, wenn du so etwas siehst. Folgerichtig fiel auch nur zwei Minuten später der Führungstreffer für Emden, als Hergesell auf der linken Abwehrseite zunächst einen Flankenversuch gut blockte, dann aber untätig stehen blieb und staunend zusah, wie sein Gegenspieler frecherweise den Ball aufnahm und einfach erneut flankte. Und obwohl der Ball mal wieder in 5-m-Raum segelte, blieb Torwart Melka schön brav auf der Linie, was allerdings seine Vorderleute auch nicht entschuldigt, die Emdens Stürmer Enrico Neitzel einfach mal mit Nichtachtung straften, was dieser dazu nutzte, aus 4 Meter einzuköpfen. Erster Ball aufs Fortuna-Tor in der 33. Minute – drin. Wie üblich.

Spielerischer Lichtblick war eigentlich nur der Ausgleich in der 63. Minute, schön von Terodde über links vorbereitet, der in der Mitte Jovanovic flach bediente, der schloss eigentlich auch gut ab, nämlich direkt, prima pariert von Masuch im Emder Tor und geistesgegenwärtig abgestaubt von Cebe, der endlich mal auf den „zweiten Ball“ lauerte, was sonst so gut wie nie einer macht. Der drosch dermaßen auf die Kugel ein, dass ich Angst bekam, er würde sie aus vier Metern noch drüber setzen, aber es passte so grad noch. Ansonsten viel Leerlauf trotz spielerischer Überlegenheit. Eine Minute vor Schluss hatte Cebe noch die Gelegenheit, der absolut Held des Tages zu werden, als er, mehr aus Zufall denn aus der spielerischen Aktion heraus, im Strafraum aus ca. acht Metern halbrechts noch frei zum Schuss kam, aber irgendwie war noch ein Emder Bein dazwischen, die Kugel flog Zentimeter am linken Pfosten vorbei, und das war es dann. Nicht Fisch und nicht Fleisch für beide Teams, keiner wusste, was man mit diesem Resultat anfangen sollte. Darüber hinaus zeigte Bundesliga-Schiri Dr. Drees nur zwei Fortunen Gelb, traf aber stilsicher Christ und Caillas. Für Christ war es die fünfte, für Caillas die zehnte Gelbe Karte, beide fielen damit in der folgenden englischen Woche für das Spiel beim FC Bayern II aus. Wahrlich ein „tolles“ Spitzenspiel.

Das Spiel beim FC Bayern München II wurde für Mittwoch, den 01.04.2009 angesetzt. Dem reisefreudigen Fan bot sich somit die Möglichkeit, ein wenig die Weltstadt München zu erkunden. Fix ein relativ zentrales Hotel sowie zwei Billigflüge gebucht und hin, mit der intensiven Hoffnung, nach den zuletzt gezeigten Leistungen würde die Mannschaft nicht auch noch den Aprilscherz itself geben. Das wäre des Schlechten wirklich ein wenig zuviel.

Die Billigflüge gab es deshalb so billig, weil sie schon im November letzten Jahres gebucht worden waren. Da war das Spiel allerdings noch gar nicht auf Dienstag oder Mittwoch terminiert. Somit mussten natürlich der Hinflug dienstags und der Rückflug donnerstags erfolgen. Zeit für einen kleinen Reisebericht.

München ohne Fußball – schön

Auf vielen Inlandsflügen kann man mittlerweile bereits am Vortag online einchecken und seine Bordkarte ausdrucken. Damit entfällt eine deutsche Lieblingsbeschäftigung, das Schlangestehen. Es mag nun traditionsbewusste Leser geben, die aufmucken und sagen: Moment mal, sich in eine Menschenschlange einzureihen und stundenlang stoisch auszuharren, das dürfte doch eher eine Spezialität derer sein, die auf einer Insel hausen, das haben doch die Engländer erfunden! Zugegeben. Aber wenn es darum geht, an einem Check-in-Schalter stundenlang in einer Schlange zu stehen, in Kombination mit sinnloser Diskussion um die besten Sitzplätze vorn, hinten oder in der Mitte, wenn man dann mal endlich dran ist, was aber bis zum Gehtnichtmehr ausgelebt wird, ungeachtet dessen, dass die Passagiere hinter einem dann noch länger warten müssen – ich denke, das ist schon deutsches Brauchtum. Und bin, wie in allen Fällen, wenn deutsches Brauchtum im Spiel ist, froh, wenn ich drum herum komme. Also flugs von zuhause eingecheckt, und am Flugtag einfach nur durch die Sicherheitskontrolle zum Gate. Leider hat das nicht viel mit „flugs“ zu tun, denn ich muss bei der Sicherheit zum ersten Mal in meinem Leben meine Schuhe ausziehen. Darüber bin ich leicht geknickt. Nicht dass es etwas zu finden gegeben hätte – aber wenn verfassungsbejahendes Schuhwerk unserer Wehrpflichtarmee schon terrorverdächtig ist, dann stimmt etwas nicht in diesem Land. Und deshalb bin ich auch erst zufrieden, als ich sehe, wie es neben mir auch einen älteren Herrn mit harmlosen Slippern erwischt. Anscheinend hat die Security Langeweile.

Der Flug nach München verläuft störungsfrei, bis auf die Landung. Der Pilot hat wohl eindeutig einmal zuviel „Airport“ gesehen. Naja, eine 1-Euro-Landung für ein 1-Euro-Ticket, da kann man nicht meckern.

Der Eindruck der Weltstadt München beginnt dann schon am Flughafen. Nach zwei anstrengenden Minuten gebe ich es auf, die Tarifbedingungen des Nahverkehrs zu verstehen, obwohl das entsprechende Poster groß genug ist. Was die da an Bestimmungen, Tarifen und Beispielen anführen, Zonen, Ringe, Tickets…das kann man sich nicht länger als zwei Minuten mit Verstand antun. Immerhin gelingt es mir, durch unfallfreies Abzählen der Zonen den Fahrpreis zum Münchner Hauptbahnhof zu ermitteln: satte 9,20 € für eine eben so satte Dreiviertelstunde, schließlich ist der Flughafen dermaßen weit draußen und vom Hauptbahnhof entfernt, dass er Ede Stoiber einst zu seiner legendären „Flughafen, Hauptbahnhof…mir doch egal, ich steig überall ein!“-Rede inspirierte. Man rumpelt mit der S 8 also vorbei an so malerischen Orten wie dem Heizkraftwerk Unterföhring, unmittelbar neben der Bahnstrecke gelegen, dessen dichte Rauchwolken mir wirklich zu denken geben würden, würde ich in der Nähe wohnen. Oder am Leuchtenbergring, an dem der Ausblick auf Bürotürme und Lagerhallen, der schon seit einigen Minuten geboten wird, fast schon angenehm aufgelockert wird durch einen Betriebshof der Stadtwerke, auf dem sich dort gelagerte, leere Müllcontainer gefühlt bis an den Horizont erstrecken. Zwischendurch lässt die Fahrt aber noch nostalgische Gefühle in mir aufwallen, nämlich beim Passieren der Station Daglfing. Wer erinnert sich nicht an den legendären, unbestechlichen Adi Furler, wie er einst in der Sonntags-Sportschau regelmäßig die Zahlen eines ominösen Rennquintetts verlas? Ich hab früher nie kapiert, was es mit diesem Rennquintett auf sich hatte, aber eines ist mir noch in Erinnerung, nämlich dass der Adi bei der Ankündigung der Zahlen des Öfteren sprach „- ermittelt auf der Trabrennbahn Daglfing“. Weiß ich also dreißig Jahre später wenigstens, wo damals so eifrig ermittelt wurde.

Nach besagter Dreiviertelstunde komme ich am Münchner Hauptbahnhof an. Sofort umfängt mich Weltstadtflair: So ist zumindest mir neu, dass gewisse Wächter ihre Schriften schon zweisprachig anbieten. Ist aber so – am Münchner Hauptbahnhof kann man wahlweise über den Inhalt des „Wachturms“ oder den des „Torre de Guardia“ diskutieren. Anschließend wird sofort eine Geruchsoffensive geboten, mitten im Bahnhof hat man einen Stand aufgebaut, an dem Allgäuer Bergkäse verkauft wird. Der Stand ist groß, aber selbst wenn er klein wäre, wäre er nicht zu verfehlen, so rein olfaktorisch. Lecker Zeuchs, ich liebe es. Wer seiner Nase folgt, die einen eigentlich schnurstracks an diesem doch etwas strengen Geruch vorbei führen sollte, der weiß nicht, was er versäumt.

Da das Wetter zwar nicht besonders toll, aber trocken ist, beschließe ich, zu Fuß zum Hotel zu gehen, welches sich am Sendlinger Tor befindet. Vor dem Hauptbahnhof tauche ich in die Einkaufsstraße ein, die zum Zentrum hinführt. Ich schaue ein wenig nach den Läden, die sich rechts und links von mir erstrecken. Schon nach fünf Minuten beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl – kommt mir das hier nicht bekannt vor? In der Tat, ich kenne die Gegend – aus Hamburg. Mir scheint, die Einkaufsstraßen deutscher Großstädte, die vom Hauptbahnhof ins Zentrum führen, sind mittlerweile irgendwie genormt. Sieht alles gleich aus.

Über das Münchner Zentrum braucht man dann aber nicht lange zu diskutieren. Karlstor, Stachus, Altes/Neues Rathaus, Viktualienmarkt – alles da, was man zum ordentlichen Sightseeing braucht. Und alles so schön zu Fuß zu begehen. Am Neuen Rathaus, welches ich für das Alte gehalten hätte, während das Alte Rathaus, welches 400 Jahre mehr auf dem Buckel hat, doch fast schon modern daher kommt, biege ich in eine Seitengasse mit dem poetischen Namen Rindermarkt ein, welche nach kurzer Zeit in den „Oberanger“ übergeht, an dessen oberem Ende sich das Sendlinger Tor mit dazugehörigem Hotel befindet. Am Rindermarkt staune ich noch kurz über die Flexibilität bayrischer Kleinunternehmer. In einem Haus befinden sich, darf man den Schildern glauben, folgende Geschäfte unmittelbar nebeneinander: Bücher, Tabakwaren, Umweltladen, Schnitzerei, Herrenbekleidung. Welch eine Vielfalt! Und schön, sich vorzustellen, wie es wohl aussehen mag, wenn sich die Besitzer von Tabakwaren und Umweltladen wegen doch sehr unterschiedlicher Vorstellungen des eigenen Lebensstils ab und zu mal kräftig in die Haare bekommen. Daraufhin leiste ich mir eine erste Bratwurst von der Metzgerei nebenan, die es hier wie Sand am Meer zu geben scheint, und setze meinen Weg fort. Was es nicht alles gibt!

Bevor ich im Hotel einchecke, erwartet mich noch ein Schock. Überall stehen diese Kästen mit den Boulevardzeitungen herum, aus denen man bei Entrichtung des entsprechenden Obolus ein Exemplar entnehmen kann. Natürlich ist auch die Seite 1 der jeweiligen Zeitung ausgehängt, damit man weiß, was einen erwartet. Und die Seite 1 der „Abendzeitung“, einem Blatt, das gerüchteweise noch übler sein soll als die Zeitung mit den vier großen Buchstaben, wartet mit einer wahrhaft fetten Schlagzeile auf, die mich elektrisiert: „Tod in Manila! Michi Beck – Sein wildes Leben!“ Wie bitte, einen der Fantastischen Vier, die einzige Band, bei der ich nicht gleich einschlafe, wenn sie einen deutschen Rap loslassen, einen dieser Schwaben hat es jetzt in Manila dahin gerafft, was diese Abendzeitung sofort dazu nutzt, eine Serie über sein „wildes Leben“ zu starten? Und das hab ich heute noch nirgendwo sonst gelesen oder gehört? Ein Blick auf das beigefügte Bild klärt die Lage dann aber. Keine Ahnung, wer die Gestalt auf dem Foto ist, ich vermute mal, irgendeine Schicki-Micki-Größe, die außerhalb Münchens zu Recht kein Schwein mehr kennt – der Michi Beck von Fanta4 jedenfalls kann es nicht sein. Es kann höchstens sein, dass er sich hinter dem Typ versteckt. Mitsamt Zwillingsbruder, der würde durch diesen bayerischen Koloss auf dem Foto nämlich auch noch verdeckt. Ich atme auf und schreite weiter.

Fünf Minuten später bin ich am Hotel und weiß wieder etwas: der Porsche als Fahrzeug wird völlig überschätzt. Spätestens, als vor einem schicken Bistro, das ich passiere, in den drei Parkbuchten am Straßenrand tatsächlich drei Porsche hintereinander parken, kann ich mich eines Gähnens nicht mehr erwehren, besonders, wenn ich die drei zu dem ganzen Dutzend dazu zähle, welches ich auf meinem Fußmarsch bis hier schon gesehen habe. Für einen Moment bedaure ich, nicht mit dem eigenen Wagen angereist zu sein. Ich hätte zwar genau gar keinen Bock darauf, in dieser Großstadt Auto zu fahren, aber wenn ich meine 60-PS-Schleuder einfach mal hinter diesen Statussymbolen eingeparkt hätte, ich bin sicher, das hätte mal richtig Aufsehen erregt. Vielleicht wären sogar die Porsche-Besitzer vor die Tür gekommen und hätten die Karre bestaunt, eventuell sogar angefasst, ungläubig darüber, dass es so was noch gibt. Und dass man mit so was in der Münchner Innenstadt rumfahren darf.

Nach dem Einchecken im Hotel treibt es mich wieder hinaus. Die weitere Erkundung des Zentrums will wohl vorbereitet sein, und dafür gibt es hier nur eins – Lamm`s am Sendlinger Tor, eine urige bayerische Wirtschaft, wie es hier viele gibt, allerdings mit einem nicht so urigen, sondern viel mehr wahnsinnigen Schild an der Tür: 24 h geöffnet, durchgehend warme Küche. Zwar wanke ich schon am frühen Abend vollgefressen wieder raus, nehme mir aber fest vor, morgen Nacht um 2 Uhr mal anzutesten, ob an dieser Aussage was dran ist…

Als ich auch noch den Rest des Zentrums ablaufe, erblicke ich Sensationelles: das weltberühmte Maggi Kochstudio verfügt in München tatsächlich über einen eigenen Shop! Enttäuscht bin ich nur, dass das Personal nicht auch die entsprechenden Schürzen trägt. Und um Glück sehe ich keinen Shop von der Konkurrenz – niemand hätte mich davon abhalten können, den gesamten Münchner Wochenvorrat an Mirácoli aufzukaufen. Kurz, all diese Sehenswürdigkeiten und Kuriositäten auf engem Raum ergänzen sich hervorragend und runden einen solchen Ausflug zu einem schönen Erlebnis ab.

Am Mittwochmorgen gegen neun Uhr dreißig wandere ich über den Viktualienmarkt und staune. Nämlich darüber, was bei den Einheimischen wohl als zweites Frühstück gilt. Ich sehe mindestens ein Dutzend Leute, die sich Bratwürste, Weißwürste, Haxen reinhauen, begleitet von der obligatorischen Maß Bier. Damit klärt sich auch die Frage, warum die Amis auf die Frage, wie sie sich Deutschland und die Deutschen vorstellen, fast immer Beschreibungen von Bayern und Bayern zum Besten geben. Klar, bei der Ernährung…die Touris müssen sich ja hier wie Brüder und Schwestern im Geiste fühlen…

Mein Weg führt auf die Isarinsel zum Deutschen Museum. Lohnt sich nicht, kann ich nur sagen. Aber man muss mich auch ausreden lassen. Lohnt sich nicht, wenn man dafür nur zwei, drei Stunden Zeit hat. Das Teil ist so riesengroß, und es gibt so viele Exponate und Vorführungen, da kommst du in drei Wochen nicht durch, da bin ich ziemlich sicher. Sehr beeindruckend. Und wieder gibt es etwas Neues: auf der Zugangsbrücke zum Museum befinden sich schöne alte Gaslaternen, die um diese Uhrzeit natürlich nicht brennen. Sollten sie dies auch nach Einbruch der Dunkelheit nicht tun, hat man sich etwas einfallen lassen: ein Aufkleber auf den Laternen teilt eine Telefonnummer des Baureferats München mit, unter der man dann die Störung melden kann. Sicherlich nichts Außergewöhnliches. Aber: mit dieser Störungsmeldung nimmt man dann automatisch an einem Gewinnspiel teil! So etwas hab ich auch noch nicht erlebt. Schau an, das Baureferat – voll am Puls der Zeit!

Da das Spiel zur fanfreundlichen Uhrzeit 18 Uhr angepfiffen wird, kann man sich am Nachmittag schon mal auf den Weg machen. Hier erweist sich das Hotel als strategischer Vorteil – von dort sind nur 20 Meter bis zur U-Bahn-Station, in der auch die Linie 1 hält, die man Richtung Mangfallplatz besteigt und drei Stationen später am Wettersteinplatz wieder verlässt. Voilà, das war`s. Eine entspannte Anreise somit.

München mit Fußball – nicht schön, aber schön – Schlecht III


Schön, wenn dann der Anlass für diese Reise, das Spiel der Fortuna, genau in das bisher Erlebte passt. Das Stadion an der Grünwalder Straße, einst Hochburg der „Löwen“ des TSV 1860 München, heute Austragungsort der Heimspiele der FC Bayern-Bubis, fügt sich nämlich nahtlos in die weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt ein. Oder um es direkt und offen zu formulieren: eine charmante Bruchbude. Mit ziemlicher Sicherheit in dem ein oder anderen Punkt nicht drittligatauglich, dafür aber mit viel Herz. Es könnte allerdings gesünder für das eigene Herz sein, während des Spiels nicht aufs Klo zu müssen. Bei aller Toleranz, das ist unzumutbar. Verpflegung kann man sich auch abschminken, in der Haupttribüne ist nur die alte Sechz`ger Stadiongaststätte geöffnet. Die ist zwar urgemütlich, ähnlich wie in Regensburg Anfang März, aber da es der einzige Ort auf der Haupttribüne ist, an dem man etwas zu trinken und ein paar Würstchen bekommen kann, ist es dementsprechend voll. Somit darbe ich auf einer schmucken Holzbank auf der Tribüne vor mich hin und hoffe, dass ich nicht zwischendurch aufs Klo muss. Aber ansonsten ist es wirklich charmant, besonders die weiterhin mechanische Anzeigetafel, auf der händisch nachgetragen wird, wenn ein Tor gefallen ist, hat es mir angetan. So etwas sieht man heutzutage kaum noch. Derjenige, der Tafeldienst hat, wird sich lange Zeit am schönen Frühlingswetter erfreuen könne, soviel schon vorab.

Übrigens heißt das Stadion offiziell „Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße“, die Anhänger der Bayern-Bubis tauften die Hütte allerdings um, wie man dem Faltblatt zum Spiel entnehmen kann, das die Bayern Zwo-Supporter vor der Partie verteilen. Da heißt die Bude nämlich „Hermann-Gerland-Arena“, was über den Status des raubeinigen Trainers von Bayern II wohl alles sagt. Der Mann wird quasi mit jedem Wutausbruch beliebter.

Bei Fortuna Christ nach der fünften und Caillas nach der zehnten Gelben Karte gesperrt, dafür Kapitän Lambertz nach Gelbsperre wieder im Team, und Bekim Kastrati überraschend im Sturm, dazu noch Sebastian Heidinger von Anfang an dabei, unser Flügelflitzer, der sich seit anderthalb Jahren bemüht, auch mal ein Pflichtspieltor für uns zu erzielen. Darüber hinaus der Einzige im Team, dem das Umfeld ein wenig bekannt vorkommen dürfte, schließlich hat er lange bei der FC Bayern-Jugend gespielt, ehe er über Pfullendorf nach Düsseldorf kam. Trainer Meier beweist dann noch seinen Sinn für Abwechslung, indem er Cakir für Palikuca spielen lässt, also einiges an Veränderungen. Zur fanfreundlichen Anstoßzeit um 18 Uhr (wiederhole ich doch gerne) haben sich erstaunliche 500 Fortunen im Stadion eingefunden, dazu aber auch noch erstaunlich viele andere, da es keine offiziellen Zahlen gab, würde ich knapp 1.500 Zuschauer schätzen.

Und während ich mich noch frage, wer bei Fortuna eigentlich überhaupt einen Frei- oder einen Eckstoß schießen will, wo doch genau die Beiden, die das ab und zu mal können, gesperrt ausfallen, gibt es schon den ersten, es ist ein Freistoß. Nach zwei Minuten zwirbelt Jovanovic die Kugel aus ca. 20 Metern über die Mauer, aber der Bayern-Keeper ist auf dem Posten und dreht den Ball über die Latte. Ein verheißungsvoller Auftakt.

Das ist es dann aber auch schon. Oder anders gesagt: ein Grottenkick zum Abgewöhnen. Die Bayern haben einen Torschuss, den Melka sicher festhalten kann, und wir haben noch einen Freistoß, ein ganz erstaunliches Pfund von Heidinger, das der Keeper nur mit Mühe wegkratzen kann, der Ball hätte genau unter die Latte gepasst. Nach einem Freistoß kommt auch Cakir mal völlig frei zum Kopfball, ist davon aber so überrascht, dass er einige Meter am Tor vorbei köpft, und das war es in Halbzeit 1. Kaum vernünftiges Aufbauspiel, zahlreiche oder eher zahllose Stockfehler auf dem zugegeben ramponierten Rasen, Fehlpässe en masse, keine Ideen, zum Teil übles Gebolze. Und zwar von beiden Seiten, mich wundert es stark, dass die Bayern sich so zurückhalten. Die spielen so, als ob sie das alles nix anginge sehr verhalten. Aber Fortuna macht aus der optischen Überlegenheit genau nichts. Keine große Verbesserung zu den Spielen zuvor.

In der Pause wird darüber diskutiert, ob das Spiel dem Komitee für den Friedensnobelpreis gemeldet werden sollte, so harmlos ist das. Ein Bekannter sagt ergriffen zu mir: „Ein Spiel wie vom anderen Stern..“ – um dann hinzuzufügen – „…wenn ich nur wüsste, von welchem!“

Und so geht es nach dem Wiederanpfiff weiter - nach 80 Minuten bitte ich innerlich um den Abpfiff, man würde zwar fluchen, aber ein Punkt ist ein Punkt. Allerdings ist es gut, dass ich nicht erhört werde, denn die letzten 10 Minuten haben es plötzlich in sich, als Fortuna endlich ein bisschen mehr Druck macht und auch Chancen heraus spielt. Erst zielt Jovanovic knapp am Tor vorbei, dann bugsiert ein Münchner Abwehrspieler bei einem Gestocher nach einer Ecke den Ball von der Torlinie, nachdem Cebe ihn schon am Torwart vorbei gemogelt hat. Und in der 88. Minute entscheiden Lumpi, der Schiri und Heidi das Spiel. Nein, ich hab nicht zu viele Trickfilme gesehen. Schöne Einzelleistung von Andreas „Lumpi“ Lambertz, der sich gegen zwei Leute in den Strafraum durchsetzt, sein Gegenspieler hält ihn ganz klar am Trikot, aber Schiri Meyer lässt erst einmal Vorteil laufen statt Elfer zu pfeifen (bei unserem Glück hätte es eh nur Freistoß gegeben, wo das Foul begann, war nämlich nicht deutlich zu sehen). Lambertz reißt sich los, bringt den Ball aufs Tor, gute Parade des Münchner Schlussmanns, der Ball springt nach links in den Strafraum weg.

Und so wie in der Stadt das Maggi Kochstudio nur einen Steinwurf vom altehrwürdigen Isartor entfernt liegt, so weiß auch das altehrwürdige Stadion mit einer Neuheit zu glänzen: sie kommt von links herangerauscht und heißt Sebastian „Heidi“ Heidinger. Sensationell, wie der den Abstauber zum Siegtreffer einnetzt und gleich zur Fankurve durchrennt. Sensationell deshalb, weil der Bewegungsablauf vom Ansetzen des Sprints bis zum Erreichen des Zaun so flüssig vonstatten geht, dass man den Eindruck gewinnen kann, der Heidi habe diese Aktion exakt so geplant, und den Ball unterwegs nur nebenbei rein gemacht, weil er ihm grad zufällig in den Weg rollt. Zu seinem allerersten Pflichtspieltor für Fortuna überhaupt. Dazu und zur gelungenen Performance, die einem schönen Ausflug die Krone aufsetzt, sag ich Glückwunsch und herzlichen Dank. Und noch die Liebeserklärung des Kapitäns oben drauf. Andreas Lambertz nach dem Spiel über den Torschützen: „Der Heidinger hat einen Pfeil im Arsch, so schnell ist der.“

Denn das ist es, außer dass man sich fast selbst noch um den Lohn bringt, als man in der 90. Minute einen Bayern-Spieler völlig frei zum Kopfball kommen lässt, aber der setzt den Ball drüber, und der Schiri lässt den Abstoß gar nicht mehr ausführen. Ein glücklicher, nicht ganz unverdienter Sieg, weil Fortuna mehr fürs Spiel getan hat als die zumeist völlig passiven Bayern-Bubis. Aber mit dieser Leistung sollte man nicht allzu oft auf drei Punkte hoffen, so harmlos ist nicht jeder Gegner. Deren Trainer setzt natürlich wieder einen drauf und spricht davon, dass einige seiner Spieler den Mund im Training wohl etwas voll nehmen. Das lässt auf einige vergnügliche Einheiten in den nächsten Tagen schließen. Ein ganz wichtiger Sieg mit schlechter Leistung, der noch mal ganz wichtig werden kann.

Damit ist der Abend gerettet. Nach dem Besuch eines Konzertes, diese dämliche Anstoßzeit muss ja auch sein Gutes haben, ich schaffe es locker bis Konzertbeginn, und der Rückkehr zum Hotel, wobei ich dem Taxifahrer auf der Karte den Weg zeigen muss, denn er versteht kein Hochdeutsch, teste ich dann noch, ob es bei Lamm`s wirklich mitten in der Nacht noch warme Küche gibt. Es gibt. Diese Wahnsinnigen.

Hochzufrieden trete ich am nächsten Morgen die Heimreise an, bereichert noch durch das ein oder andere Schmankerl. Zum Beispiel der einigermaßen Furcht erregenden Anzeige in den U- und S-Bahnen, die einen mahnen, bloß nicht ohne gültiges Ticket zu reisen: „Wenn Sie schwarz fahren, sehen wir rot!“ Das lässt so einiges vermuten, wenn sie wirklich mal einen Schwarzfahrer erwischen. Hier wird anscheinend nicht lange gefackelt.

Am Flughafen – nachdem ich die Schuhe wieder anziehen darf – wird die gesamte Reisegesellschaft per Bus vom Terminal zum Flieger kutschiert. Dabei kurvt der Bus so weit aufs Rollfeld hinaus, dass ich befürchte, er dreht gleich auf die neben der Piste gelegene Autobahn ab, wobei uns dann der Busfahrer zu unserer neunstündigen Tour nach Köln begrüßen wird, während der Sicherheitsmensch die ersten Rheumadecken aus der Ablage hervor zaubert. Aber schließlich entlässt er uns doch an einem anderen Terminal. In diesem Ziehharmonikateil, durch das man den Flieger betritt, fällt mir ein Schild an einer kleinen Tür in der Seitenwand auf: „Tür bitte stets geschlossen halten!“ Bei dieser Anweisung wäre es wohl klüger gewesen, erst gar keine einzubauen, nur so als Tipp. Anschließend merke ich noch, mit welcher Bagage ich unterwegs bin, denn sämtliche Passagiere, die vor mir einsteigen, greifen zur angebotenen Lektüre, die in diesem Fall aus zwei Zeitschriften besteht: „Focus Money“ und „Der Aktionär“. Hurra, ich fliege mit dieser überbezahlten Mischpoke, die sich erst die eigenen Taschen vollmacht und anschließend die Firma pleite meldet und betteln geht. Naja, wenigstens hab ich auf dem Flug genug zu gucken, bin ich doch wieder mal einer der ganz Wenigen, die es bis heute nicht geschafft haben, mit Laptop zu reisen. Busy, busy.

Nach ca. 50 Minuten legt Quax, der Bruchpilot mal wieder einen ebensolche Landung hin, scheint derselbe Pilot zu sein wie vor zwei Tagen, oder die Fluggesellschaft legt nicht so viel Wert auf Training ihres technischen Personals. Naja, eine 1-Euro-Landung für ein 1-Euro-Ticket, da kann man nicht meckern.

Anschließend lassen mich die Stadtwerke Bonn eine halbe Stunde auf den Bus vom Flughafen zum Bonner Hauptbahnhof warten, zusammen mit der anschließenden, ebenfalls halbstündigen Fahrt und dem Heimtransport vom Bonner Hauptbahnhof bin ich damit länger unterwegs als der Flug überhaupt gedauert hat. Aber wie kann mich das noch schocken – nachdem wir endlich auch mal eine echte Gurkenpartie gewonnen haben? Fazit: ein schöner Ausflug mit Happy End!

Schlecht IV – Das Letzte

Am 04.04.2009 spielte Fortuna gegen den VfB Stuttgart II 1:1. Über das Spiel, das zu diesem Ergebnis geführt hat, vereinbarten beide Parteien Stillschweigen.

Beziehungsweise ich tue das jetzt und hänge mir den virtuellen Maulkorb um. Was die Truppe in der zweiten Halbzeit gegen die äußerst biederen Schwaben ablieferte, war eine Unverschämtheit. Gegen einen Gegner, der in der ersten Halbzeit nicht einen einzigen Torschuss zu verzeichnen hatte. Dessen Trainer zwei Tage vor dem Spiel in einem offiziellen Interview verkündet hatte, seiner Meinung nach sei eh nicht mit einem Stuttgarter Sieg zu rechnen. Die wollten gar nicht. Und unsere dachten sich in der zweiten Halbzeit wohl: dann müssen wir auch nix mehr tun, wir führen ja schließlich haushoch mit 1:0. Was dann an Stehgeiger-Fußball abgeliefert wurde, spottet jeder Beschreibung. Ich halte mich für ziemlich tolerant, was schlechte Fortuna-Spiele betrifft, man ist ja über die Jahrzehnte abgehärtet. Aber ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Jahren eine solche Nicht-Leistung gesehen zu haben, zumal man bei diesem harmlosen Gegner nur mal fünf Minuten das Tempo hätte anziehen und das 2:0 machen müssen, der Fall wäre erledigt gewesen. Stattdessen wurde, als die Stuttgarter nach ca. 70 Minuten (!) endlich merkten, dass hier vielleicht etwas gehen könnte, auch jeder Ansatz eines Konters verschleppt, es sah fast nach Absicht aus. Wenn man wirklich einen schlechten Tag erwischt, wenn der Gegner wirklich ein bisschen besser ist, oder wenn man einfach 90 Minuten auf ein Tor spielt, und die Pille nicht rein bekommt – für all das habe ich Verständnis. Wie man allerdings nach der Pause gleich drei Gänge runterschalten kann und anscheinend der Meinung ist, man könne den Vorsprung als echte Spitzenmannschaft einfach so nach Hause schaukeln, das hat schon fast etwas von Arroganz. Und so bin ich immer noch stinkwütend darüber, wie die Mannschaft diese drei Punkte einfach wegwarf (bzw. deren zwei, einen behielt man ja noch). In Unterhaching lachte man sich kaputt, gewann gegen Bayern II mit 2:1 und rückte bis auf einen Punkt an uns heran. Dass wir immer noch auf Platz 3 stehen, ist ein besserer Witz, und dürfte mit solchen Leistungen schon nächste Woche Geschichte sein, wenn wir am Ostersamstag in Offenbach antreten müssen. Und am Sonntag danach kommt Spitzenreiter Union Berlin…

Ach ja, zum Spiel noch zwei Anmerkungen: 1:0 Kastrati (38.), 1:1 Walch (83.). Zuschauer: 10.010. Danke. Bitte.

Es existiert derzeit eine Fan-Initiative „25.000+“ mit dem Ziel, zum Spiel gegen Union eben mindestens 25.000 Zuschauer in die Arena zu locken. Da reißen sich diverse Leute den Hintern auf, um selbst entworfene Flyer und Plakate zu verteilen, um die Aktion überall bekannt zu machen, auch der Verein ist von der Aktion begeistert und wirbt fleißig mit. Eine tolle Eigeninitiative einiger Leute, die ihren Feierabend sicherlich auch anders verbringen könnten. Und dann liefert die Mannschaft im letzten Heimspiel vor diesem Knaller so etwas ab. Man könnte tatsächlich glauben, die wollen nicht so viele Leute in der Arena, weil ihnen dann der Druck zu groß wird. Nun, das haben sie jetzt auch wohl eindrucksvoll geschafft.

Andererseits vielleicht gar nicht mal zu kurz gedacht. Denn das Spiel wurde ja auf Sonntag verlegt, und wenn man sich unsere bisherige Sonntags-Bilanz in dieser Saison anschaut – fünf Spiele, fünf Niederlagen –, dann ist es vielleicht ganz gut, wenn nicht so viele Leute mitbekommen, wie auch die letzten Meriten mit der aktuellen „Form“ verspielt werden…

Klar bin ich dabei. Hab ich jetzt schon Angst vor.

Bibbert derzeit vor sich hin: janus