von Janus: 7. bis 10. Spieltag

 

Tach zusammen,

Zeit für die nächste Beichte. Ha, von wegen! Endlich – eine Zusammenfassung, in der nicht nur Niederlagen vorkommen, die erste in dieser Saison! Auch für mich lächelt also doch noch der schriftstellerische Glücksstern, weshalb ich mich auch gar nicht mit langen Vorreden aufhalten will. Über einen Ausflug in die Nord-Region, ein Spiel mit Papst in der Tasche, eins nun wirklich ganz ohne, und das schlechteste „Straßenbahn-Duell“ seit Menschengedenken. Und natürlich ist Lena auch dabei.

Wir haben einen!

Am 02.10.2010 stand das nächste Auswärtsspiel an, es ging zum VfL Osnabrück, wo wir in den letzten Jahren eigentlich immer auf die Mütze bekommen hatten, ich habe im letzten Bericht kurz darauf hingewiesen. Dass Union Berlin, unser letztjähriger Mitaufsteiger und aktuell ebenso schwächelnd, dort einige Wochen zuvor mal eben vier Stück abgefasst hatte, war auch kein Grund für allzu große Zuversicht. Und dazu noch dieses Wetter! Nass, kalt, windig, alles grau in grau, bestes norddeutsches Schmuddelwetter, Verzeihung, „Bestes Osnabrücker Wetter“, wie der Stadionsprecher es formulierte, und der Mann wird ja wohl wissen, wovon er redet, weshalb ich Ausflüge ins Osnabrücker Umland auch nur bedingt empfehlen möchte. Man sollte schließlich immer auf die Eingeborenen hören! Und da ich erst im vorigen Bericht die Gelegenheit hatte, ausufernd zu schildern, wie es auf deutschen Autobahnen gen Süden derzeit aussieht, spare ich mir diese Litanei für die Fahrt nach Norden nunmehr. Sie hätte nämlich fast identisch geklungen, nur die Nummern der Autobahnen hätten gewechselt. Dazu dieses Heimpublikum in Osnabrück, das sich anscheinend für die norddeutsche Reinkarnation von Kaiserslautern hält, mit dem Nachteil, dass ich in Osnabrück leider jedes Wort verstehe, mit dem auf der Haupttribüne beleidigt wird. Also, mal wieder beste Voraussetzungen für einen echten Arschkarten-Trip.

Aber alles wurde anders. Fortuna gewann mit 3:2 beim VfL Osnabrück vor 14.400 Zuschauern und fuhr im siebten Versuch endlich den ersten Sieg und gleichzeitig die ersten Punkte der Saison ein. Es war kein hochklassiges, aber ein spannendes Spiel, und der Sieg war nicht ganz unverdient, vornehmlich aufgrund des Osnabrücker Unvermögens, ihrer permanenten Feldüberlegenheit gerade gegen Ende der Partie auch echte Torchancen folgen zu lassen. Und weil ihre Abwehr genauso wenig Bock auf Arbeit hatte wie unsere in den Spielen zuvor.

Der Trainer ließ seine Freude am Rotieren diesmal ein wenig stecken, zumindest was die Startelf auf dem Rasen betraf. Zehn der elf Spieler, die aufliefen, hatten dies nämlich bereits im Spiel zuvor gegen Bochum getan. Einzig Kapitän Lambertz war nach seiner Rotsperre wieder ins Team gerückt, dafür musste Rechtsverteidiger Christian Weber nach seiner leicht indisponierten Vorstellung gegen Bochum zum ersten Mal seit seiner Verpflichtung im Sommer 2009 auf die Bank. Zwischen Selbiger und der Tribüne packte Coach Meier allerdings mal wieder den Kreisel aus und wechselte ein wenig durch, mit der Folge, dass sich unsere brasilianische Achse Tiago (Abwehr)/Rockenbach da Silva (Mittelfeld)/ Wellington (Sturm) erstmals komplett auf der Tribüne wiederfand. Das macht auch nicht jeder Trainer, eine komplette angebliche Samba-Fraktion zuschauen zu lassen. Aber an Mut für zunächst leicht obskur wirkende Aufstellungen hat es der Übungsleiter ja noch nie mangeln lassen. Und dieses Mal gab ihm der Erfolg Recht.

Auch, weil wir unsere wenigen Chancen endlich mal konsequent ausnutzten. Man hatte sich den Hintern noch nicht richtig angewärmt, da stand es schon 1:0 für uns, eigentlich unfassbar. Von links hatte van den Bergh in die Mitte geflankt, Jovanovic war natürlich beim Schussversuch geblockt worden, der Ball sprang in die linke Strafraumhälfte zurück, konnte dort von Bröker aufgenommen werden, der sich im Nachschuss versuchte, dann wurde ein bisschen Ping-Pong gespielt, als der eine Osnabrücker abwehrte und den anderen traf – und plötzlich trudelte die Kugel rechts im Strafraum zum völlig frei stehenden Patrick Zoundi, der sie aus relativ kurzer Distanz unter die Latte hämmerte. 1:0 für Fortuna in der 3. Minute, eigentlich ein Unding. Aber man nahm es ja gerne mit.
Und weil wir grad so gut drauf waren, nahmen wir auch gleich das 2:0 mit. In der 11. Minute wieder ein leichtes Kuddelmuddel auf der rechten Osnabrücker Abwehrseite, Thomas Bröker bekommt die Kugel und bringt sie direkt scharf an die Strafraumgrenze. Dort steht Abwehrrecke Gorka, deutlich innerhalb des Sechzehners, und klärt mal eben mit der Hand. Schiri Zwayer pfeift Elfmeter, und niemand protestiert. Also zumindest nicht auf dem Rasen. Der Unglücksrabe mit dem Reflex zur falschen Zeit schüttelt nur den Kopf und senkt selbigen dann, auch die Spieler in seinem Umkreis trollen sich sofort, niemand regt sich auf.

Als Trainer sieht man das natürlich anders. Osnabrücks Übungsleiter Karsten Baumann, von der Szene mindestens 50 Meter entfernt und somit um einiges weiter als alle seine Spieler, von denen niemand protestiert, wird nach Spielschluss sinngemäß zu Protokoll geben, dass der Elfmeter für ihn ein Witz war. Anders ist seine Bemerkung „Zum 2:0 sage ich nichts“ einfach nicht zu deuten. Wohl dem, der solche Falkenaugen hat und es natürlich besser weiß als die eigenen Spieler, die zwei Meter entfernt standen!
Wie dem auch sei, Jens Langeneke trat an, verwandelte mal wieder durch die Mitte, wir führten 2:0 und hatten nach 11 Minuten genauso viele Tore erzielt wie zuvor in der gesamten Saison. Das war schon unheimlich.

Nun heißt dies natürlich nicht, dass wir in der Abwehr plötzlich wieder erfolgreich Beton anrühren könnten, die diesbezüglichen Maurermeister sind immer noch im Bummelstreik. Die Innenverteidigung mit Lukimya und Langeneke zeigte sich zwar verbessert, und außen machten van den Bergh und der junge Schwertfeger eigentlich auch ganz gut dicht, aber „ganz gut“ reicht eben nicht, zumal wenn man sich im Mittelfeld weiterhin die gefühlt hundertfachen unnötigen Ballverluste leistet. Osnabrück spielte natürlich sofort offensiv nach vorne, unsere Hintermannschaft begann zu schwimmen, erhielt aber den ersten Niederschlag nicht allein durch den Gegner: In der 21. Minute spielte Bröker den Ball schlampig zurück auf Fink, der geriet dadurch unter Druck und anstatt zu klären, spielte er noch ein wenig schlampiger zurück, leider auf den Osnabrücker Bencik, der zog gen Strafraum, legte dann einmal quer, und aus sechzehn Metern schlenzte Heidrich den Ball in die linke Ecke, Melka auf dem falschen Fuß erwischt – 1:2-Anschlusstreffer.

Osnabrück danach natürlich weiter im Vorwärtsgang, die Fortuna kam kaum noch dazu, mal ein wenig Gegenwehr aufzuziehen, und wenn doch, wurden die Bälle meist viel zu früh wieder hergeschenkt. Allerdings sprang für Osnabrück nicht viel mehr heraus als ein Kopfball auf die Latte von Konstantin Engel, als die fortunistische Abwehr bei einer Standardsituation mal wieder geschlossen pennte. Zum Glück hatte sie dies nicht exklusiv, denn in der 33. Minute konnte plötzlich folgende Szenerie gesichtet werden: Freistoß aus halblinker Position durch Marco Christ, etwa 40 Meter vor dem Tor. Und nachdem Christ die Kugel in den Strafraum gezogen hat, stehen dort plötzlich zwei Fortunen so was von frei, dass ich zunächst spontan glaube, in der Osnabrücker Stadionwurst müsse der ein oder andere Glück bringende Stoff eingearbeitet sein, sodass ich nunmehr zu Halluzinationen neige. Aber so was von frei...man könnte glatt meinen...aber davon später.
Auf jeden Fall stehen zwei Mann frei, und es ist Oliver Fink, der den Ball per Kopf rechts unten ins Eck verlängert. Ausgerechnet der Spieler, der das Gegentor verbockt hat, macht seinen Fehler wieder gut, wenn das demnächst die Regel wird, dann würde ich Tiago wieder aufstellen, der wird Torschützenkönig.

Auch zu diesem Treffer hatte Osnase Karsten Baumann nach dem Spiel natürlich noch etwas zu sagen. Nämlich dies: „Zum 3:1 sage ich nichts.“ Beziehungsweise, der Kenner weiß es natürlich bereits, er packte seine Entrüstung über beide Tore in einzigen Satz, der aber bei der Schilderung des 2:0 von mir leicht verkürzt wurde, damit sich die Spannung erhalten möge: „Zu den Toren zum 2:0 und 3:1 sage ich nichts.“ Adlerauge Baumann hatte mal wieder mit gebührendem Abstand gesehen, dass die Entscheidung Freistoß in dieser Szene angeblich falsch war. Abgesehen davon, dass auch das wieder mal eine Falscheinschätzung seinerseits war – wenn eine Freistoßentscheidung vierzig Meter vor dem eigenen Tor vom „benachteiligten“ Trainer als spielentscheidender Schiri-Fehler angesehen wird, dann scheint der seine Hintermannschaft ja gut zu kennen. Da hätten wir uns aber in den ersten Spielen um einiges mehr aufregen können, bei der bekannten „Stärke“ unseres Teams bei Eckbällen und Freistößen, bei denen durchaus auch einige zweifelhafte dabei waren. Aber es wälzt sich halt so schön schnell über ein Mikro die Verantwortung ab, wenn man nicht verlieren kann. Da scheint noch ein Hauch seines langjährigen Vorgängers über der Bremer Brücke zu liegen, wenn der Osna-Trainer das Wort ergreift. Schade drum.

Zumal ich eigentlich dachte, als der nach dem Spiel auf den Schiri zu sprechen kam, wollte er sich bei diesem bedanken, weil der die Heimmannschaft im Spiel gehalten habe. In der zweiten Hälfte regnete es nämlich Freistöße für Osnabrück, und nicht einmal Herr Baumann wird die alle für berechtigt gehalten haben. Musste er auch nicht, hatte er doch schon wieder einen neuen Aufreger: Beim Versuch eines Osnabrücker Torschusses ziemlich zu Beginn der zweiten 45 Minuten lag unser Innenverteidiger Lukimya nämlich quer im Strafraum und klärte mit der Hand. Dachte der Baumann, dachte ein Großteil der anwesenden Zuschauer, und natürlich dachten dies auch alle Osnabrücker Spieler, die anschließend demonstrierten, wie fein sie gestikulieren können anstatt ihrem erlernten Beruf nachzugehen. Schiri Zwayer dachte dies nicht und ließ weiterspielen, weil er das gesehen hatte, was man auch im Fernsehen hinterher prima sehen konnte: Dass Lukimya nämlich auf dem nassen Rasen unmittelbar vor dem Schuss schlicht und ergreifend ausgerutscht und dann, am Boden liegend, Arme eindeutig am Körper, von dem Ball getroffen worden war. Weder Absicht, noch wurde eine Torchance verhindert, somit kein Elfer. Kann man so machen, hätte es für solch eine Aktion auf der Gegenseite Elfmeter gegeben, wäre Herr Baumann hell empört gewesen, und ich hätte ihm zugestimmt.

Nun, es langte doch noch zum Anschlusstreffer für Osnabrück und zu einer heißen Schlussviertelstunde. Ursächlich dafür verantwortlich war Fortuna-Stürmer Jovanovic, der nach einer knappen Stunden, von Bröker brillant frei gespielt, völlig allein vor dem Tor an Osna-Torwart Berbig scheiterte. 4:1 für uns, und der Fisch wäre gegessen gewesen. Stattdessen nickte der eingewechselte Dennis Schmidt für Osnabrück in der 75. Minute eine Rechtsflanke ein, als unsere Abwehr grad mal wieder Pause machte. Dieser Schmidt hatte übrigens zuvor bereits zwei Minuten nach seiner Einwechslung die Gelbe Karte erhalten. So etwas konnte der ungekrönte König blitzschneller Karten in unseren Reihen, Marcel Gaus, natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Und so holte der sich kurz darauf nach seiner Einwechslung ebenfalls überfallartig Gelb ab. Zwar war sein All-time-record von 7 Sekunden im September 2008 in Sandhausen nicht gefährdet, aber er war doch um einiges schneller als Schmidt. Dass diese zwei Heißdüsen direkt von Null auf Hundertzwanzig waren, zeigt, wie verbissen das Spiel geführt wurde. Es blieb spannend bis zum Schluss, aber bis auf eine wirklich gefährliche Situation, als Schwertfeger eine Hereingabe (eher einen verunglückten Schuss) von Bencik knapp über das eigene Tor klären konnte, erspielte Osnabrück keine echten Torchancen mehr, trotz Zweidrittel Ballbesitz, eine Statistik, die wir selbst nur allzu gut kennen. Im Gegenteil, gegen Ende des Spiels erlahmten die Kräfte der Gastgeber, und die Fortuna schaukelte die letzten zehn Minuten eigentlich recht souverän nach Hause. Der Sieg war insgesamt vielleicht ein wenig glücklich, aber nicht ganz unverdient, da Osnabrück viel zu planlos anrannte und auch eher zufällig Chancen heraus spielte.

Da nicht sein kann, was nicht sein darf, war es natürlich der Schiri Schuld. Das hatten sie sich so schön vorgestellt: mit ihrer Selbstbeweihräucherung, wie unfassbar heimstark sie seien, dann kommt ein Gegner, den sie in der jüngeren Vergangenheit zuhause stets weggeputzt hatten, der tritt aktuell auch noch mit null Punkten und sechs Niederlagen in Folge an, da war der Drops wohl schon vor dem Spiel gelutscht. Und dann führt diese Himbeertruppe nach einer halben Stunde plötzlich mit 3:1. Da muss man sich dann halt ein wenig abreagieren.

Lustig fand ich allerdings einen Osnabrücker Journalisten, der unmittelbar hinter mir saß und sich schon nach 20 Minuten furchtbar über den Schiri aufregte und Manipulation unterstellte. Dass dies einem Osnabrücker in den Sinn kommt, die ja nu wirklich bei jedem Wettskandal stets an erster Stelle genannt werden, verwundert selbstverständlich nicht. Deshalb habe ich natürlich auch sofort gefragt, ob er neue Erkenntnisse habe, welcher seiner Spieler diesmal gekauft worden sei, um das Spiel zu verlieren, da Schuon und Cichon bekannterweise nicht mehr im Verein spielen und Reichenberger nicht mehr eingesetzt wird. Leider hatte er darauf keine Antwort, somit bleibt es also eine gewagte These seinerseits. Schade eigentlich, hatte auf sensationelle Enthüllungen gehofft, wenn er sich doch schon so aufregt...aber wahrscheinlich hat er sich später beim Anblick der beiden völlig frei stehenden Fortunen beim 1:3 auch schon wieder seine Gedanken gemacht. Man darf gespannt sein, welche Namen dieser Enthüllungsjournalist nennen wird!

Auch nett: der NDR sprach nach Spiel und Ergebnis von einer „nicht für möglich gehaltenen Mega-Überraschung“. Das stimmt natürlich, denn schließlich war Osnabrück von Beginn der Saison an eigentlich der heimliche Durchmarschfavorit, was bei dem Kick & Rush & Grätsch-Zauberfußball, den die spielen, niemanden wirklich überraschen mag. Vielleicht haben sie beim NDR ja auch zuviel von der Bratwurst genascht, da werde ich langsam wirklich misstrauisch....

Wenn man so etwas sieht und hört, dann wundern einen auch die erstligareifen Preise natürlich nicht mehr, nach dem Aufstieg frisch in Schwindel erregende Höhe geschraubt: Bekannte von mir zahlten 34 Euro für einen überdachten Tribünenplatz (ohne Überdachung wären 28 Euro fällig gewesen, den Stehplatz gibt es zum Schnäppchenpreis von 13,20 €) und wurden trotzdem nass, weil der Wind den Regen unters Tribünendach drückte. Teurer ist meines Wissens nach nur Augsburg - derzeit ja ähnlich megaerfolgreich. Und so war es dann doch ein recht vergnüglicher Ausflug in ein Stadion voller beleidigter Leberwürste, die aber wenigstens gutes Geld an uns verdient haben. Und da wollen wir mal nicht so sein – wer weiß schon, wie teuer es für die wird, wenn demnächst mit bekannter Routine mal wieder Spiele verloren werden müssen. Ich denke so etwas ja eigentlich nicht, aber wie ich schon sagte: natürlich höre ich immer auf die Eingeborenen...

Zwischenspiele

Das Wochenende nach dem ersten Sieg war dann länderspielfrei. Ich bedauerte dies doch ein wenig, zumal der kommende Gegner, Aufstiegsaspirant FC Augsburg, soeben die dritte Niederlage in Folge hingelegt hatte, da erschien mir eine Verschnaufpause etwas ungünstig. Aber natürlich juckt das die UEFA nicht. Und so schaute ich mir an, wie der europäische Fußball am 8. und 12. Oktober mal wieder ein wenig aus den Fugen geriet: Nordirland gegen Italien 0:0, Färöer gegen Nordirland 1:1, England gegen Montenegro 0:0, Aserbaidschan putzt die Türkei 1:0, und die deutsche Nationalmannschaft lässt sich in Kasachstan zwischenzeitlich beinahe den Ausgleich einschenken von einem Spieler, der bei RW Oberhausen sein Geld verdient. Aber genießen wir diese Spiele, solange es noch geht – wenn bei der EM-Endrunde 2016 endlich 24 statt 16 Länder an den Start gehen werden, dann werden sich solche Quali-Spiele bei nur 53 europäischen Ländern vielleicht schnell relativieren. Ich frage mich sowieso, warum die UEFA nicht auch für ihre EM schon längst auf diese lustigen Ranglisten zurückgreift, die man in der Champions League zum Wohle des Fernsehzuschauers einsetzt. Einfach die ersten 12 der Rangliste als Teilnehmer setzen, dann gibt’s auch kein Gejammer mehr von wegen hohe Belastung der Nationalspieler. Dann müsste sich zwar beispielsweise Karl-Heinz Rummenigge ein neues Betätigungsfeld suchen, aber man ist ja gerne behilflich, wenn es darum geht, etwas eindimensionalen Menschen neue Wege aufzuzeigen.
Während wir also am Bildschirm verfolgen konnten, dass auch die EM-Qualifikation ab und zu „ihre eigenen Gesetze“ hat und es „keine kleinen Gegner“ mehr gibt, gab es bei Fortuna einen Neuen und etwas Neues, ohne dass beides sonderlich neu gewesen wäre. Zum einen verpflichtete man Sascha Rösler bis Saisonende. Den Ex-Ulmer, Ex-Aachener, Ex-Mönchengladbacher, Ex-„Löwen“ und Ex-wasweißichnoch hätte man vor knapp zwei Jahren, im Dezember 2008, schon gerne gehabt, als ihm in Ostholland der Stuhl vor die Tür gestellt wurde, allerdings konnte man ihn damals nicht bezahlen, sein Halbjahresgehalt von 400.000 Euro war für einen Drittligisten nicht zu stemmen. Nachdem man nunmehr in der 2. Liga ist, und Röslers Stuhl diesmal bei 1860 München vor die Stelle gerückt wurde, an der der Maurer das Loch in der Wand gelassen hat, sah dies anders aus. Rösler war nämlich seit dem Sommer vertragslos, hielt sich im Camp für vertragslose Profi-Fußballer fit (oder wie das offiziell heißt), und dürfte daher seine Gehaltsforderungen auch ein wenig der Realität angepasst haben. Ein zusätzlicher Vorteil seiner Vertragslosigkeit war natürlich, dass er sofort spielberechtigt war.
Ein Transfer, der mich zunächst etwas zweifeln lässt. Wenn wir schon weitere Spieler holen, hätte ich zuallererst jemanden für die Defensive bevorzugt. Man muss nämlich vorne eine Menge Tore schießen, will man jeden Fehler ausgleichen, der derzeit hinten noch gemacht wird. Aber natürlich müsste ein entsprechender Spieler auch zur Verfügung stehen, vielleicht war dies nicht der Fall. Auch die Personalie Rösler selbst bringt mich ein wenig in Zwiespalt, ein ausgesprochener Stinkstiefel, sowohl auf als auch neben dem Platz, der kaum mal einen seiner Vereine im Frieden verließ. Auf dem Platz kann man so jemanden in einer solchen Situation sicherlich gebrauchen, ob er allerdings so richtig gesund für Mannschaftsklima und –gefüge sein wird? Fußball spielen kann er unbestritten, und wir wollen natürlich hoffen, dass er bald seine Form aus guten Aachener und Gladbacher Tagen wieder findet. Immerhin macht jetzt der Transfer von Olivier Caillas nach Erfurt Sinn, die beiden sind sich doch irgendwie ähnlich, und bevor die sich schon im Training gegenseitig auf die Glocke hauen…

Und dann kam ja noch, was kommen musste: Der Eurovision Song Contest 2011 (ESC) wird in der Tat in der esprit-Arena in Düsseldorf ausgetragen. Bei der Stadt freut man sich ein Loch in den Bauch und spricht von einem Werbewert von mehreren Hundert Millionen Euro, ohne dass mal jemand schlüssig und nachvollziehbar erklären könnte, wie er auf diese Zahlen kommt. Wozu auch, ist ja eh nur statistisch geschätzt. Nebenan in Köln freut man sich auch schon, denn da die Stadt Düsseldorf bei ihrer Bewerbung fröhlich ignoriert hat, dass man zur selben Zeit am selben Ort die weltweit größte Verpackungsmesse am Hacken hat, sind eh schon die Hälfte der Unterkunftsmöglichkeiten in Düsseldorf belegt, sodass auch Bahnhofskapellendorf noch ein Stück vom Kuchen abbekommen wird. Wie gerne der neue Oberbürgermeister von Düsseldorf, Dirk Elbers, die Schuhe seines Vorgängers anprobiert, wird auch daraus ersichtlich, dass der OB bei der Vergabe des ESC schon mal vergnügt dahin sagte, im Groben stünde die Planung ja schon und alles wäre kein Problem, einen Tag später gefolgt von einer offiziellen Aussage aus dem Polizeipräsidium, man habe noch überhaupt keine Vorstellung davon, wie das jetzt über die Bühne gehen solle. Aber wer fragt schon die Polizei, wenn er zwei solche Großveranstaltungen am selben Platz ausrichten will! Ein echter „Macher“ natürlich nicht, der schafft halt Tatsachen, und um den Kleinkram können sich irgendwelche Schergen kümmern, dann ist er wenigstens nicht verantwortlich. Sauerland und Konsorten lassen grüßen.
Nun sollte uns das fürchterlich egal sein, wo im nächsten Jahr diese Göre aus Hannover mal wieder irgendwas nachsingt, was ihr der Metzgermeister aus Köln auf den Leib geschrieben hat, mich persönlich interessiert das eigentlich nicht die Bohne. Fatalerweise blockt dieser Wettbewerb die Arena für volle sechs (!) Wochen, und frag mich bitte niemand, warum. Dass die nicht nur diese Finalsendung haben, sondern auch noch eine Vorausscheidung, das hab ich ja mittlerweile begriffen. Dass jeder der Finalteilnehmer drei Proben auf der Bühne haben muss, sehe ich zur Not auch noch ein. Aber sechs Wochen? Was bauen die da bitteschön auf und anschließend wieder ab? Das Brandenburger Tor mit Originalmaterialien?

Da der Wettbewerb bekanntermaßen in die letzten Wochen der aktuellen Zweitliga-Saison fällt, gibt es nur einen dummen August in der ganzen Sache: Fortuna. Wie im letzten Bericht schon geschrieben, muss die Fortuna somit für die letzten drei Heimspiele der Saison gegen Union Berlin, Arminia Bielefeld und Alemannia Aachen ausweichen. Die DFL genehmigte den Antrag, ins Paul-Janes-Stadion zu gehen, vorausgesetzt, dieses ist bis dahin zweitligatauglich. In erster Linie bedeutet dies, dass das Fassungsvermögen auf mindestens 15.000 Zuschauer aufgestockt werden muss. Da wird man dann wohl ein paar Zusatztribünen aufbauen, die hinterher genauso schnell wieder abgebaut werden. Wie das aber mit der Infrastruktur funktionieren soll, das wird noch eine spannende Angelegenheit. Ich behaupte einfach mal, darüber hat sich bei der Stadt noch niemand Gedanken gemacht, das wird noch knifflig. Die Polizei freut sich sicherlich auch schon ganz dolle, zumal die Gegner vom „Fan-Material“ her auch nicht von Pappe sein werden. Auch hat Fortuna für diese Saison über 12.000 Dauerkarten verkauft. Das heißt, alle diese Leute haben Anspruch auf einen überdachten Platz, und zwar größtenteils Sitzplatz. Entweder man überdacht den Rest des Stadions jetzt auch noch (ist bislang nur bei der Haupttribüne der Fall), oder aber Fortuna muss den Leuten einen Teil des Geldes zurückerstatten. Wird eh ein richtiges Chaos geben, jedem Dauerkartenbesitzer einen Platz zuzuweisen, da halte ich jede Wette. Ich kann mich noch an das Durcheinander erinnern, als in der Saison 2004/05 drei Spiele vom Flinger Broich in die damals neue Arena verlegt wurden. Und da gab es noch nicht einmal die Hälfte der jetzigen Dauerkartenbesitzer.
Fortuna macht eh Verlust bei der ganzen Sache. Die Spiele gegen diese drei Gegner sahen in der letzten Saison insgesamt 81.000 Zuschauer. Im Flinger Broich sind – wenn die Zahlen einer maximalen Kapazität von 18.000 Zuschauern umgesetzt werden sollten – höchstens 54.000 Zuschauer möglich. Schon kann man lesen, dass Fortuna von der Stadt eine Ausgleichszahlung erhalten soll. Da bin ich wirklich mal gespannt. Sollte mich nicht wundern, wenn es hinterher heißt, dass das einfach mit den Mietschulden verrechnet wird, die Fortuna für die Spiele in der Arena eh bei der Stadt stehen hat. Und wer jetzt meint, das wäre doch eine faire Lösung, der sei mal kurz daran erinnert, dass es beim Arena-Bau zunächst hieß, für Fortuna lohne es sich erst, dort ab 2. Liga zu spielen (was genau stimmt, wie die letzte Saison gezeigt hat), der Verein aber schon in der Regionalliga in die große Turnhalle musste, weil dies ein Aufsichtsrats-Mitglied so wollte und durchsetzte – eben das verflossene Oberhaupt der Stadt.

Fortuna ist also mal wieder Spielball der Stadt. Besonders gut kam dies meiner Meinung nach dadurch zum Ausdruck, dass bei den entsprechenden Artikeln zum Thema in der Stadionzeitung und auf der Homepage des Vereins offensiv mit dem Slogan „Fortuna und Stadt Hand in Hand“ geworben wurde. Wer so verzweifelt darauf aufmerksam machen will, dass er gleichberechtigter Partner in einer Angelegenheit sei, der hat meist genau gar nichts zu sagen. Folgerichtig dauerte die „kurzfristig einberufene Gesprächsrunde“ zwischen den Stadtoberen und den Fortuna-Offiziellen am 22. September, nach der der OB offiziell erklärte, es gäbe nun keine Hindernisse mehr, den Wettbewerb in Düsseldorf zu veranstalten, noch nicht einmal eine Stunde. Unmittelbar nach diesem Gespräch stellte der Verein den entsprechenden Antrag an die DFL, dem am 6. Oktober stattgegeben wurde. Bei solch einem Blitzgespräch wird man schon richtig in die Details gegangen sein, und der „gleichberechtigte Partner“ wird sicherlich seine Vorstellungen zu der ganzen Angelegenheit dargelegt haben. Ja nee, is klar. Wenn echte „Macher“ sich ein Hemd anziehen, dann krempeln sich die Arme auch von alleine hoch.
Aber was soll man den Kopf schütteln, es ist ja alles in trockenen Tüchern, und ich möchte wetten, dass der OB zu keinem der drei Heimspiele erscheinen wird. Das zu vermutende Chaos bei An- und Abreise ist solch einem Mann sicherlich nicht zuzumuten. Da wird er bestimmt eine Loge beim ESC vorziehen.

Glückstag

Am 15.10.2010 spielte Fortuna zuhause gegen den FC Augsburg. In der spielfreien Woche hatte man übrigens noch schnell Bayer Leverkusen in einem Testspiel mit 2:1 besiegt, ein bisschen Werbung kann ja nie schaden. Mit dem ersten Saisonsieg und dem Skalp eines Bundesligisten im Gepäck zog man tatsächlich erstaunliche 21.054 Zuschauer in die Arena, keine Selbstverständlichkeit, denn schließlich war man trotz des Sieges in Osnabrück weiterhin Tabellenletzter. Und mit dem FC Augsburg stellte sich immerhin ein akuter Aufstiegsfavorit vor, der allerdings – siehe oben – aktuell ein wenig schwächelte. Ob es an dieser Schwächeperiode gelegen hat, dass insgesamt nur handgezählte 52 Augsburger Fans den Weg nach Düsseldorf fanden? Natürlich ist der Termin freitags um 18.00 Uhr Scheiße, keine Frage. Allerdings hatten die Augsburger ein gutes Jahr zuvor, im September 2009, ebenfalls freitags um 18.00 Uhr in Düsseldorf gespielt, und damals waren doch irgendwie mehr Gästefans am Start. Naja, ein Verein, der selbst während der erfolgreichsten Phase der Vereinsgeschichte zuhause niemanden so recht interessiert – für das Relegationsspiel zur 1. Liga im Mai schickten die Augsburger 2.000 der 4.000 Gästekarten ins circa 10.000 km entfernte Nürnberg zurück, weil diese nicht verkauft worden waren –, bei dem darf dann sicherlich auch nicht mit gigantischen Scharen an Auswärtsfans gerechnet werden, wenn es mal nicht läuft. Trotzdem ein irgendwie trauriger Anblick, die leere Gästekurve.

Fortuna bot den 21.000 Heimfans auch endlich etwas Neues, nämlich den ersten Heimsieg der Saison. Mit 1:0 wurde der FC Augsburg geschlagen, man verließ endlich den letzten Tabellenplatz. Der Sieg war nicht unverdient, was Augsburg insbesondere in der 1. Halbzeit bot, war schon recht schwach. Das Glück der Fortuna lag denn auch im zweiten Abschnitt, da machte man dem Vereinsnamen endlich einmal wieder alle Ehre.

Wie gesagt, in der 1. Halbzeit war davon nichts zu bemerken, Fortuna war die klar überlegene Mannschaft, vergab durch Bröker und Zoundi, jeweils auf Vorarbeit von Jovanovic, gute Chancen, Zoundi und Lambertz scheiterten noch mit Fernschüssen an Deutschland drittschönstem Keeper, Simon Jentzsch (wird in dieser Kategorie niemals an Tim Wiese und Roman Weidenfeller vorbei kommen). Augsburg nur mit einer gefährlichen Situation: Auf links setzte sich Axel Bellinghausen, einer von drei Ex-Fortunen im Trikot der Schwaben und an jenem Abend mit Abstand bester Augsburger, durch, zwirbelte eine schöne Flanke in die Mitte, dort übersprang Torjäger Thurk locker van den Bergh und nickte die Kugel knapp am Tor vorbei. Das war schön rausgespielt und Pech im Abschluss. Wie man so etwas besser macht, demonstrierte die Fortuna dann in der 43. Minute: Aus dem Mittelfeld heraus chippt – jawohl, auch beim Tabellenletzten der 2. Liga darf ab und zu mal gechippt werden – Oliver Fink einen Traumpass in den Lauf von Patrick Zoundi. Der spurtet dem Ball noch rechts im Strafraum hinterher, als der Drittschönste völlig unmotiviert aus seinem Tor heraus gestürzt kommt, es sind noch zwei Abwehrspieler vor Ort. Aber wir wollen uns ja nicht beklagen. Zoundi ist klar vor Jentzsch am Ball und lupft die Kugel nach innen, Jentzsch ist mit der Hand noch dran, kann aber nicht verhindern, dass die Kugel in der Mitte zum mitgelaufenen Bröker kommt, der sie aus fünf Metern zum 1:0 abstaubt, die beiden Abwehrspieler kommen zu spät. Klarer Torwartfehler, aber eine verdiente Führung. Das erste richtig heraus gespielte Tor der Saison.

Die zweite Halbzeit ist schnell erzählt, sie sah zumeist Augsburg im Vorwärtsgang und Fortuna auf Konter lauernd, aber insgesamt doch zu harmlos. Bis auf drei Szenen, in denen sehr klar wurde, dass wir an jenem Abend vielleicht nicht spielerisch besser waren, aber endlich mal den Papst in der Tasche hatten.

Da war zuerst die nächste Maßflanke von Axel Bellinghausen, genial genau zwischen Langeneke und van den Bergh an den Fünfmeterraum gesetzt. Dort rauscht Thurk heran und bringt das Kunststück fertig, den Kopfball links am Tor vorbei zu setzen. War es in der ersten Halbzeit noch Pech, so muss man hier sagen, dies war eine Hundertprozentige, die gerade Thurk normalerweise mit verbundenen Augen reinmacht. Eigentlich unfassbar.

Das war allerdings nichts gegen das, was so um die 65. Minute rum passierte. Man möge mir die etwas ausführlichere Darstellung nachsehen, es war einfach zu göttlich. Ex- Fortune Bellinghausen (1998-2005) serviert die nächste Maßflanke in den Strafraum, diesmal auf den langen Pfosten. Dort steht Ex-Fortune Torsten Oehrl (Januar bis Mai 2010) und zelebriert ein technisches Kabinettstückchen: Aus der Luft spielt er den Ball mit der rechten Innenseite sauber aufs Tor, zwar ohne Druck, aber wunderbar gegen die Laufrichtung von Torwart Melka, der nur noch bewundernd hinterher schauen kann. Der Ball segelt in gemütlichem Tempo und unerreichbar für irgendeinen Fortunen zum Ausgleich ins linke Eck, man sieht sofort, der passt genau – und dann?

Dann kommt Ex-Fortune Marcel Ndjeng (2004/05) und haut die Kugel, die eh ins Tor geflogen wäre, aus 30 Zentimetern noch über die Linie. Leider steht er dabei circa hundert Meter im Abseits, und der Treffer zählt nicht. Man konnte es kaum glauben, Oehrl schon mal gar nicht, der gab Ndjeng verbal dermaßen einen mit, dass man Angst haben musste, der Schiri würde ihn verwarnen. Köstlich. Die beste Co-Produktion ehemaliger rot-weißer Götter, die ich seit langem bewundern durfte.

Und wer sich jetzt sagt, das kann wohl nicht mehr zu toppen sein, den belehre ich gerne eines Besseren: In der Nachspielzeit dringt Thurk von rechts in den Strafraum ein. Er legt sich den Ball Richtung Grundlinie vor, da kommt von der Seite Jens Langeneke heran gerauscht und schickt Thurk mittels Blutgrätsche in die ewigen Jagdgründe. Langenekes Fuß war noch nicht mal in der Nähe des Balles. Eine solche Aktion in der 91. Minute muss eigentlich zur Folge haben, dass sich der Verursacher am darauf folgenden Montag auf die Couch eines Therapeuten begibt, um mal verständlich darzulegen, was er sich dabei gedacht hat. Ein solcher Blackout, ausgerechnet vom erfahrensten Spieler der Fortuna, das gibt es eigentlich gar nicht.

Schiri Wingenbach gibt Abstoß.

Dass sich ganz Augsburg darüber aufregt, ist klar. Und womit? – mit Recht. Eine ganz dicke Fehlentscheidung, es sei denn…und das ist wirklich das Einzige, das den Schiri bewogen haben könnte, weiterspielen zu lassen…Thurk hatte sich den Ball ziemlich weit vorgelegt und hätte diesen wohl auch ohne den Rasenmäher-Einsatz von Langeneke nicht mehr vor der Torauslinie erreicht. Vielleicht. Somit wurde keine Torchance verhindert, also konnte man weiterspielen lassen. Ich bin geneigt, eher diese Version zu glauben, die andere Möglichkeit würde Herrn Thurk nicht gefallen: nämlich, dass der Schiri die Szene nicht genau gesehen hätte, sich nicht schlüssig gewesen wäre und deshalb auf Torabstoß entschieden hätte, weil Thurk nunmal als Spieler gilt, der sich alle Naselang auf sein Hinterteil setzt und anschließend motzt. Und da wollte es der Schiri nicht riskieren, in der 91. Minute eine Entscheidung von solcher Tragweite zu fällen, wenn er nicht ganz sicher ist, ob es nicht doch eine Schwalbe ist. Egal wie, sehr, sehr viel Glück für Fortuna, denn eigentlich war dies ein Elfer. Und auch wenn dies nicht zwingend den Ausgleich hätte bedeuten müssen, schließlich hat ja ausgerechnet Thurk im letzten Jahr in der Arena verschossen, den Jens wäre man für ein Spiel los gewesen, er hatte schon Gelb, kommt der Elfmeterpfiff, kommt auch Gelb/Rot. So kam aber nur ungläubiges Kopfschütteln plus befreiender Jubel, als der Schiri eine Minute später das Spiel beendete. Selbst Langeneke sprach anschließend davon, dass er sich über einen Elfmeter nicht hätte beschweren können. Sprach`s und entschwand in die Katakomben. Hoffentlich zu seinem Therapeuten.

Natürlich regten sich die Augsburger nach dem Spiel über den Schiri auf. Lustig vor allem, wie schnell Möchtegern-Managerchen Andreas Rettig mal wieder auf dem Platz war, nachdem das Spiel abgepfiffen worden war, um mit dem Schiri zu diskutieren. Der hatte bereits im letzten Jahr schon ein nettes Zwiegespräch an der Seitenlinie, damals mit Olivier Caillas. Naja, Rettig ist ja bekannt dafür, immer in der ersten Reihe zu stehen, wenn es was zu pöbeln gibt.

Ein Highlight gab es dann noch, als der Drittschönste interviewt wurde. Simon Jentzsch sagte ins Mikro, O-Ton: „Wenn ein Spieler in dieser Situation so reingeht, muss es allein dafür schon Elfmeter geben.“ Recht hat er. Allerdings wäre es mir lieber gewesen, wenn der sport1-Befrager die Ironie erfasst hätte, die gerade in der Aussage des Drittschönsten lag, und er Jentzsch im Gegenzug mal gefragt hätte, wie er denn die Aktion des Gäste-Keepers kurz vor der Pause bezeichnet hätte. Selbstredend fiel dem guten Mann dies weder auf noch ein, Ironie war noch nie deren Stärke. Und dass die Telekom den flotten Jungs des Privatsenders in nichts nachsteht, konnte man an der Aussage des Liga-Total-Reporters feststellen, der Axel Bellinghausen mal eben für die letzten acht Jahre (!) ins Augsburger Trikot verfrachtete. Sowas nenn ich dann aber schon Höchststrafe.

Ach ja, Sascha Rösler gab ab der 70. Minute sein Debüt für uns. Gefühlte drei Ballkontakte, dafür aber mindestens fünfmal Gegenspieler und Schiri angemotzt und so für ordentlich Stimmung gesorgt. Spielerisch geht es wohl noch besser, aber das war ja zu erwarten. Ein unterhaltsames Debüt.

Wenn man also alles zusammen nimmt, eigentlich ein recht humoristischer Abend mit dem glücklicheren Ende für Fortuna. Aber da Augsburg die erste Halbzeit komplett verschlief, dürfen die sich eigentlich auch nicht beschweren. Erster Heimsieg, erstes Zu-Null-Spiel der Saison – wer hätte im Sommer noch gedacht, dass man darauf bis Mitte Oktober warten muss?

Nach diesem Spieltag wurde übrigens bekannt, dass die DFL den TSV 1860 München mit dem sofortigen Abzug von zwei Punkten bestrafte, wegen „unzureichender Informationen im Lizenzierungsverfahren“. Oder wie es Neu-„Löwen“-Geschäftsführer Dr. Robert Niemann darlegte: „Es wurden damals Informationen vorgelegt, die unzureichend waren. Würden diese im Lizenzierungsverfahren angegebenen Finanzierungsmittel zur Verfügung stehen, hätten wir jetzt nicht die aktuellen Probleme.“ Auf gut Deutsch: gemogelt und erwischt. Jetzt also schon zu Beginn der Saison, wird immer doller. Die „Löwen“ wurden somit nach dem 8. Spieltag von 14 auf 12 Punkte gestutzt.

Klatsche im Möbelhaus

Am 24.10.2010 ging es nach Paderborn, ins dortige Möbelendlager, in dem man zuvor „noch nie“ gewonnen hatte. Allerdings auch noch nie verloren, beide Spiele dort endeten nämlich unentschieden. Ein nicht ganz unwichtiges Spiel. Zuvor hatte Union Berlin in Augsburg verloren, die hätten wir mit einem Sieg genauso kassiert wie Paderborn selbst. Parallel zu unserer Partie bekam auch Karlsruhe in Duisburg auf die Mütze, die hätten wir mit einem Sieg auch noch überholen können. Ein Sprung ins untere Mittelfeld winkte also, gut für die Psyche, wenn auch natürlich zu diesem Zeitpunkt der Saison noch nichtssagend. Aber immerhin mal ein netter Anblick in der Tabelle. Es kann nicht zweifelhaft sein, was unsere Truppe daraus machte, oder?

Fortuna verlor beim SC Paderborn mit 0:3, und es tröstet nicht, dass die Niederlage zwei Tore zu hoch ausfiel, da die Gastgeber wirklich auch keine Bäume ausrissen. Es war die Art und Weise der Niederlage, die aufregte.

Denn in der ersten Halbzeit war Fortuna mal wieder die klar bessere Mannschaft, es war sogar eine der besten Saisonleistungen. Besonders in der Anfangsphase lief das Bällchen recht rund, Paderborn stolperte nur hinterher und leistete sich bedenkliche (aus unserer Sicht: erfreuliche) Stolperer in der Abwehr. Torchancen ergaben sich fast von selbst, aber Jovanovic zwirbelte die Kugel knapp übers Tor, Lukimya bekam nach einer Ecke nicht genug Druck hinter den Ball und Zoundis Schuss wurde in letzter Sekunde noch neben das Tor abgefälscht. Und das waren nur einige Beispiele. Auf der Gegenseite parierte erst Melka einen Kopfball von Kapllani; derselbe Spieler brachte dann noch das Kunststück fertig, völlig freistehend aus zehn Metern neben das Tor zu schießen, nachdem die Fortuna-Abwehr in einem Kuddelmuddel den Ball nicht wegbekam. Mehr gab es von Paderborn nicht in der ersten Halbzeit, es war doch recht vielversprechend. Das 0:0 zur Pause schmeichelte eher den Gastgebern.

Und dann kommt die Truppe in rot-weiß (wieder wurde das rot-blaue Auswärtstrikot geschickt umgangen) zu Beginn der 2. Halbzeit auf den Rasen zurück, und es passiert genau das, was wir in dieser Saison schon des Öfteren gesehen haben: In der Kabine wird wohl neuerdings der Pausentee mit Baldrian gereicht. In der Folgezeit stolperten die Fortuna-Spieler über den Platz, als ob sie grad vom Dämmerschoppen kämen, und alles, was in der ersten Halbzeit gut aussah, verkehrte sich ins Gegenteil. Konnte man direkt nach Wiederbeginn noch durchatmen, als wieder Kapllani dermaßen frei am Sechzehner angespielt wurde, dass er vor lauter Verwirrung einen Kringel zuviel drehte und vom herbei geeilten van den Bergh noch geblockt werden konnte, so war es in der 56. Minute vorbei, und zwar auf eine Art und Weise, die uns klar machte, dass jetzt wieder alles seinen gewohnten Gang gehen würde: Eckball, Kopfball, Tor. Zum Wahnsinnigwerden. Die erste (!) Ecke für Paderborn – wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon sechs Stück verballert, ohne dass etwas dabei rum gekommen wäre – nickte Mohr gegen den linken Innenpfosten, weil er völlig frei stand, Melka mal wieder auf der Torlinie blieb und dem Ball bewundernd hinterher starrte, und van den Bergh am Pfosten auch nicht mehr klären konnte. Man dachte, sie hätten die Standards mittlerweile im Griff, aber nix da, ein einziger reichte mal wieder aus, um die Mannschaft auf die Verliererstraße zu bringen. Auch danach gab es kaum ein Aufbäumen zu sehen, mit dem siebten Rückstand in dieser Saison verlor das Team auch gleich zum siebten Mal. Ein Kopfball des eingewechselten Gaus konnte noch gesichtet werden, sicher gehalten von Masuch, sowie eine schöne Einzelleistung von Bröker, der sich rechts im Strafraum durchsetzen und den Ball flach in die Mitte ziehen konnte, an Freund und Feind vorbei. Beziehungsweise nur an Feind, es war nämlich kein Fortune mitgelaufen, um den Ball aus fünf Metern im leeren Tor unterzubringen, man hatte es wohl als unrealistisch angesehen, dass Bröker sich wirklich würde durchsetzen können.

Anschließend versenkte sich die Fortuna mit einem Doppelschlag in der 80. und 82. Minute selbst, beide Scorerpunkte gingen nämlich an Innenverteidiger Lukimya: Erst legte er Kapllani am Sechzehner den Ball vor, und diesmal ließ sich der Albaner die Chance ausnahmsweise nicht entgehen und lochte aus zehn Metern flach ein; anschließend klärte unser hüftsteifer Kleiderschrank flach genau auf den am Sechzehner völlig frei stehenden Wemmer, der die Kugel ebenfalls flach zur Entscheidung ins linke Eck schoss. Wobei ich Lukimya bei beiden Treffern noch nicht einmal die Alleinschuld geben würde. Beim ersten wurde er von einer sehr überlegten Kopfball-Rückgabe von Fink unter Druck gesetzt, auf dem falschen Fuß erwischt und musste trotzdem zum Ball gehen, da hinter ihm ein weiterer Paderborner ansonsten alleine gen Melka gestrebt wäre; er erwischte den Ball nur noch mit der Hacke, dieser fiel dann eben Kapllani vor die Füße. Beim zweiten Abwehrversuch zwei Minuten später rutschte Lukimya auf dem nassen Rasen aus (es regnete mal wieder, in den letzten Wochen regnet es immer, wenn Fortuna spielt), natürlich sehr unglücklich, aber warum Wemmer am Sechzehner dermaßen frei auf den Abpraller lauerte, darf sich auch der Rest der Abwehr gerne fragen; und Sturm und Mittelfeld gleich mit, denn bei uns lauert vorne bei Angriffen, Eckbällen oder Freistößen auch nie jemand auf Abpraller. Nienienie.

Wie gesagt, im Endeffekt war es natürlich zu hoch, Paderborn legte zwar nach der Pause einen Gang zu, aber es blieb auch bei ihnen vieles Stückwerk. Völlig egal, sie wussten ja, sie müssen nur eine einzige Ecke herausspielen, das reicht dann schon. Unglaublich, dass es in dieser Saison immer noch so einfach ist, gegen uns zu gewinnen.

Nebenbei, sie haben immer noch diese Blut, Schweiß & Tränen-Vereinshymne, und die Freistöße werden auf der Anzeigetafel immer noch präsentiert von Autohaus xy, vom übrigen Unfug mal ganz abgesehen. Mein Gott. Aber da sie die drei Punkte behielten, hatten sie natürlich alles richtig gemacht. Ein ganz derber Rückfall in der Kommerzzentrale von Möbel Finke.

Das Letzte

Am 01.11.2010 trat Fortuna zum dritten Montags-Heimspiel der noch jungen Saison an. Und nach Niederlagen gegen Hertha BSC und den VfL Bochum klappte es diesmal auch mit einem Montags-Sieg: Fortuna schlug den MSV Duisburg mit 1:0.

Ich möchte die Berichterstattung zu diesem Spiel dann doch relativ kurz halten. Meine Herren, war das schlecht. War das schlecht. War das schlecht. 31.400 Zuschauer sahen insgesamt 294 (!) Fehlpässe (kein Witz, sondern statistische Auswertung) und zwei Torhüter, die beide im gesamten Spiel wirklich und wahrhaftig keine einzige Parade zeigen mussten. Das heißt, es kam kein Ball mal derart ordentlich aufs Tor, dass ein Eingreifen der Keeper nötig gewesen wäre, mit jeweils einer Ausnahme hüben wie drüben: in der Halbzeit wemmste Opa Ivica Grlic für Duisburg einen Freistoß aus 20 Metern ans Lattenkreuz. Fortuna-Keeper Melka guckte den Ball von der Torlinie aus interessiert ans Gebälk und hätte bestimmt noch verblüfft Beifall geklatscht, wenn die Kugel in den Winkel gepasst hätte, da er sie wohl einigermaßen unterschätzt hatte. Vorausgegangen war dem Freistoß die eigentlich unglaublichste Szene des gesamten Spiels: bei einem langen Ball an den Fortuna-Strafraum war Melka plötzlich völlig unmotiviert aus Selbigem herausgestürmt, die Tatsache ignorierend, dass sich um ihn herum noch ungefähr acht eigene und gegnerische Spieler standen, er also auch mit ganz viel Goodwill nicht als „letzter Mann“ bezeichnet werden, was ein Herauseilen aus dem Tor gerechtfertigt hätte. Mit gesundem Menschenverstand ist diese Aktion nicht zu erklären; nur gerecht, dass Linksverteidiger van den Bergh, der vor ihm am Ball war, den plötzlich heran rauschenden Keeper anscheinend für einen Gegenspieler hielt und ihm den Ball vom Fuß spitzelte. Hätte ich an seiner Stelle wahrscheinlich auch gemacht.
Die Szene wurde allerdings sofort noch unglaublicher: der Ball wanderte von van den Bergh zu Langeneke, etwa 18 Meter vor dem eigenen Tor. Und was macht der? Nimmt den Ball an, geht einen, zwei Schritte – und bleibt einfach mal stehen! Und das, obwohl Melka immer noch ungefähr zehn, zwölf Meter vor dem eigenen Kasten herum turnt. Ehrlich, Langeneke stand da rum, als würde er auf jemanden warten, den er nach dem Weg fragen kann. Eine der skurrilsten Szenen, die ich in den letzten Jahren beobachten musste. Langeneke blieb tatsächlich so lange mit dem Ball stehen, bis ihm ein Duisburger von hinten die Pille abnahm und Langeneke ihn dann natürlich foulen musste, um Schlimmeres zu verhüten. Dies war dann der Freistoß, den Grlic ans Lattenkreuz setzte. Ein unfassbarer Blackout, erst vom Torwart, dann vom Innenverteidiger, bei beiden hatte man in dieser Szene den Eindruck, die wüssten gar nicht, wo sie wären. Richtig unheimlich. Und da Langeneke ja schon beim letzten Heimspiel gegen Augsburg völlig unmotiviert versucht hatte, dem Gegner in der Nachspielzeit noch einen Elfer zu schenken, weiß ich nicht, ob der nicht langsam mal eine CT machen sollte. Da stimmt doch irgendetwas nicht.

Insgesamt stimmte in der Mannschaft eh nicht viel, es war zum Haareraufen, wie das Mittelfeld einfachste Bälle herschenkte, wie die Abwehr beim kleinsten Anzeichen eines gegnerischen Angriffs mal wieder schwamm und wie der Sturm, wenn er mal einen Ball bekam, fast nichts damit anfangen konnte. Was das Ganze doch recht lustig machte: die Duisburger waren sogar noch schlechter. Was die sich, vor dem Spieltag angeblich Tabellenzweiter, zusammen spielten, war sogar noch unterirdischer, was man auch daran sieht, dass wir, obwohl mit höchstens drei Spielern in Normalform auf dem Platz, sogar noch 12:2 Ecken rausholten. Nicht dass auch nur eine davon richtig gefährlich gewesen wäre, aber es liest sich doch gar nett. Dazu drei Freistöße aus verheißungsvollen Positionen, die Rösler – erstmals von Beginn an dabei –, Lambertz und Bröker dermaßen weit am Tor vorbei setzten, dass ein genervter Forums-User nach dem Spiel meinte, zukünftig könne es bei solchen Situationen direkt Abstoß für den Gegner geben, damit spare man Zeit.

Als es tatsächlich so schien, dass sich beide Seiten mit dem 0:0 zufrieden geben würden, gab es in der 84. Minute den einzigen Torschuss der Fortuna, der das Prädikat auch verdiente, weil er tatsächlich aufs Tor kam: Zoundi hatte auf halblinks zu Rösler geköpft und war dann links in den Strafraum gesprintet. Rösler wartete und spielte dann genau im richtigen Moment flach in den Lauf von Zoundi, der seinen Gegenspieler überflügelte und die Kugel mit dem rechten Außenrist an MSV-Keeper Yelldell vorbei in den Fünfmeterraum zirkelte, wo sie von Veigneau verwertet wurde? Veigneau? Noch nie gelesen, diesen Namen auf diesen Seiten? Genau, ist nämlich ein Duisburger. Das Spiel benötigte in der Tat ein Eigentor, um einen Sieger zu finden. Wobei ich in diesem Fall den Treffer Zoundi gutschreiben würde, denn man konnte sehen, der Ball wäre auch ohne Veigneau reingegangen, hinter ihm war nur noch die Torlinie, sonst nix. Sein Klärungsversuch landete im linken Eck, der Ball von Zoundi wäre rechts reingetrudelt, das war der ganze Unterschied. Selbst die Besten der Besten in punkto Statistik waren sich nicht ganz einig nach dem Spiel: der kicker vermeldete ein Eigentor, der DFB vermeldete auf seiner Website einen abgefälschten Schuss, somit Tor von Zoundi, und genial waren die Fußballkenner von n-tv, die mangels Ahnung den Überblick verloren hatten und schlicht „Eigentor Zoundi“ schrieben. So geht’s doch auch!

Also, mit diesem Treffer von wem auch immer gewann die Fortuna das Spiel, vielleicht gar nicht einmal unverdient, denn zumindest zeigt das Verhältnis der (harmlosen) Eckstöße an, dass wir wenigstens versuchten, nach vorne zu spielen, während der MSV Duisburg in der zweiten Halbzeit keine einzige Torchance mehr hatte. Aufgewertet wurde dieser Grottenkick dann ausgerechnet durch Gäste-Trainer Milan Sasic, ansonsten ein Freund offener Worte, der seine Mannschaft nach dem Spiel ausdrücklich lobte und davon sprach, dass er stolz auf das Team sei, welches nur unglücklich verloren habe. Seitdem fragt sich jeder, der im Stadion war, auch seine eigenen Spieler, welches Spiel er heimlich auf seinem Handy auf der Ersatzbank geguckt hat, das solche Begeisterungsstürme in ihm auslöste. Seine Meinung zum Spielverlauf hatte er zumindest an diesem Abend völlig exklusiv.

Denn als einziges Fazit dieses Gewürges und Gebolzes am Montagabend bleibt: Fortuna konnte auch endlich mal wieder ein echtes Gurkenspiel gewinnen. Es geht also doch! Man konnte nur hoffen, dass die sich nichts darauf einbildeten, ansonsten würde es nämlich nur vier Tage später bei Erzgebirge Aue kräftig die Hucke voll geben.

Fortuna steht nunmehr auf Platz 15, mit 9 Punkten nach zehn Spieltagen. Das sind nicht viele, aber immerhin fünf Punkte mehr als die Inhaber der beiden direkten Abstiegsplätze, Bielefeld und Ingolstadt, derzeit haben, das beruhigt wenigstens kurzfristig. Man hat auch den Karlsruher SC überholt (8), der Trainer Markus Schupp entlassen hat und vorläufig mit dem Trainer der 2. Mannschaft weiter macht, aber eben nur vorläufig, da dieser nicht die erforderliche Lizenz besitzt; heißer Kandidat auf die Nachfolge ist derzeit Benno Möhlmann.
Fortuna ist punktgleich mit Union Berlin und hat nur einen Zähler Rückstand auf Osnabrück und Paderborn, der Anschluss an das untere Mittelfeld ist also hergestellt. Er hat viel Mühe gekostet und ist manchmal weiterhin furchtbar anzusehen. Aber immerhin gab es drei Siege aus den letzten vier Spielen, das lässt doch hoffen. Und zwar, dass das Team an den nächsten Freitagen auch ordentlich etwas mitnehmen kann. Jawohl, im November verlegen wir die 2. Liga auf freitags, beziehungsweise nicht wir, sondern die DFL, die irgendwie fand, wir seien an diesem Tage unterrepräsentiert und sie müssten dringend einschreiten. Und so ist es egal, wo wir im November spielen, zunächst in Aue, dann Heimspiel gegen RW Oberhausen, dann Doppel-Auswärtsspiel in Berlin und in Bielefeld – alles freitags. Erst am 05.12. (Sonntag) mit dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC haben wir die nächste Partie, die nicht freitags ausgetragen wird. Danke, DFL, für soviel Berücksichtigung. Besonders die Auswärtsspiele am Freitag in Aue und Berlin – beide selbstverständlich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Düsseldorf gelegen, werden sicherlich Tausende Fans mitreisen lassen. Ach nee, ich vergesse immer, dass genau das bei euch gar nicht so erwünscht ist. Unter dieser Maßgabe natürlich eine pfiffige Spielplanung. Von der wir uns hoffentlich nicht aufhalten lassen und trotzdem weiter punkten. Damit man nicht mit ganz hohem Abstiegsfieber in die kühle Vorweihnachtszeit gehen muss.

Die Gegner müssen glauben, es wäre Freitag, der 13.! fordert: janus