von Janus,2.6.2008

 

Ende, Aus, Mickymaus

Ja, liebe Freunde der Regionalliga Nord, das war es tatsächlich! Die Liga hat ihre drittklassigen Pforten am 31.05.08 für immer (oder bis zur nächsten DFB-Reform) geschlossen. Zwei Spiele schulde ich der geneigten Leserschaft noch, und da will ich mich nicht lumpen lassen, und ausführlich über die letzten elf Tage Regionalliga berichten. Auch wenn es am Anfang (und zwischendrin) durchaus auch wieder um Dinge geht, die im ersten Anschein nicht viel mit Fußball zu tun haben. Aber genug geschwätzt, fangen wir doch einfach an – richtig zu schwätzen!

Betrübliches

In der Woche vor dem Spiel gegen Babelsberg verstarb am 20.05.2008 der Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Joachim Erwin, nach langjähriger Krankheit doch ein wenig überraschend, denn kurz zuvor hatte er noch einen Dienstbesuch in China absolviert. Dass dies natürlich eine menschliche Tragödie ist, braucht nicht weiter erläutert zu werden. Man darf aber auch nicht übersehen, dass es für Fortuna ebenfalls von nicht unerheblicher Bedeutung war. Joachim Erwin war Vorsitzender des Aufsichtsrats von Fortuna sowie im Aufsichtsrat aller Unternehmungen, die etwas mit Fortuna zu tun haben: bei der Stadt-Sparkasse und den Stadtwerken Düsseldorf, den beiden Hauptsponsoren der Fortuna, oder bei der Arena-Betreibergesellschaft, die Fortuna, wie unlängst auf der Jahreshauptversammlung bekannt wurde, bislang einen nicht unerheblichen Teil der Stadionmiete stundet. Und da darf man sich schon mal die Frage stellen, wie es zukünftig mit Fortuna weitergehen wird, jetzt, wo der „starke Mann“ von eigenen Gnaden nicht mehr da ist. Besonders was die Arena betrifft, denn bezüglich deren Finanzierung liegt ja bis heute einiges im Dunkeln, weil der Oberbürgermeister erfolgreich einen allzu tiefen Blick in die Unterlagen verhindert hatte. Man kann nur hoffen, dass diesbezüglich nicht irgendwann etwas ans Licht kommt, das auch Fortuna noch in die Bredouille bringt. Um mehr darüber zu schreiben, fehlt mir als Außenstehender eindeutig der innere Einblick, weshalb ich es auch dabei bewenden lassen möchte. Seine Leistungen für Fortuna sind unbestritten, auch wenn die Art und Weise manchmal nicht mal mehr diskussionswürdig war. Möge er in Frieden ruhen und den Verein nicht irgendwann einmal aus dem Grab heraus in selbiges hinein manövrieren, weil sie im Rathaus vergessen haben, irgendeine Unterlage Nr. 3157 b ordnungsgemäß zu schreddern. Man weiß doch, wie’s läuft.

Herzschlaghalbfinale


Am 24.05.2008 erschien Absteiger SV Babelsberg 03 zum letzten Heimspiel in dieser Saison in der LTU-Arena. Die Ausgangslage war klar: man würde spielen können wie man wollte – wenn Oberhausen sein Heimspiel gegen Erfurt gewinnen würde, waren die auch bei einem Fortuna-Sieg durch, mit vier Punkten Vorsprung vor dem letzten Spieltag. Sollten ihnen allerdings die Nerven flattern, dann könnte es am letzten Spieltag nochmals interessant werden. Dafür mussten wir aber natürlich selbst gegen Babelsberg gewinnen. Das war leichter gesagt als getan, schließlich hatte man in der Hinrunde in Potsdam ein demütigendes 0:3 kassiert und in der Gesamtstatistik bei drei Spielen gegen Babelsberg genau null Punkte geholt. Aber wenn man am letzten Spieltag noch etwas zu kamellen haben wollte, musste gewonnen werden.
Klar, dass die Babelsberger etwas dagegen hatten. Schließlich wollten sie sich keine Wettbewerbsverzerrung vorwerfen lassen. Leider ließ ihre Taktik, möglichst lange das 0:0 halten wollen, darauf schließen, dass sie das mit der Wettbewerbsverzerrung nicht allzu genau nahmen. Ihre Methode bestand nämlich darin, sich schon zu frühester Spielzeit alle paar Minuten ermattet zu Boden zu legen, wenn sie mal in einen Zweikampf gerieten, um sich anschließend minutenlang behandeln zu lassen. Eine so offenkundige Schauspielerei hat man wirklich selten gesehen. Hinzu kam, dass jeder Pfiff des Unparteiischen Anlass zu einer Grundsatzdiskussion bei Gästen gab. Ich wette, hätte der einfach mal so Elfmeter für sie gepfiffen, selbst darüber hätten sie noch gemeckert, um die unbedingt erforderlichen fünf Minuten bis zur Ausführung rauszuholen. Nun, in diese Verlegenheit kamen sie nicht, weil sie in der ersten Halbzeit kaum in der Nähe des Düsseldorfer Strafraums anzutreffen waren, und wenn doch, dann meist auf dem Boden liegend. Ziemlich traurig, was diese Truppe ablieferte.

Fortuna somit natürlich von Anfang an überlegen, aber anders als in den letzten beiden Heimspielen zuvor, als man jeweils nach einer Minute in Führung gehen konnte, konnten sie diesmal kein Kapital daraus schlagen. Im Gegenteil, fahrig, verkrampft und nervös wirkte das Aufbauspiel, gute Chancen wurden fast gar keine herausgespielt, man merkte deutlich, dass der Mannschaft irgendwie der Stift ging. In der 24. Minute bekam man dann die Chance zur Führung auf dem Silbertablett serviert. Nach einem Freistoß hatte Cebe aus sechzehn Metern abgezogen, ein Babelsberger im Strafraum relativ klar mit der Hand abgewehrt. Der Schiri pfiff den Elfer, den er in vergleichbarer Situation schon in der 4. Minute hätte geben können, aber das war ihm wohl zu früh. Lawaree schoss ziemlich schwach, Babelsbergs Keeper Busch konnte parieren, der Nachschuss ging neben das Tor. Besser kann man Nervenflattern nicht zeigen. Aber die Gäste wollten uns nicht verdrießen, legten sich weiterhin brav auf den Boden und versuchten gar nicht erst, selbst mal ein bisschen Druck zu entwickeln. So konnte man sich wieder beruhigen und ein wenig ins Spiel zurück finden.

Sekunden vor der Pause war es dann soweit: auf der linken Seite dribbelt sich Caillas an der Torauslinie fest, kann aber noch auf Hergesell zurück passen. Der hat alle Zeit der Welt, der Ball anzunehmen, zu schauen und zu flanken (ich glaube, sein Gegenspieler hatte sich schon mal prophylaktisch auf den Boden gelegt). In der Mitte schubst Lawaree seinen Gegenspieler leicht weg, wobei der allerdings fast das halbe Trikot unseres Stürmers mitnimmt, so liebevoll hat er diesen festgehalten, weshalb der Schiri das Spiel wohl auch laufen lässt, und Lawaree nickt die Kugel gegen die Laufrichtung des Keepers ein. 1:0 in der 45. Minute und ein Steinschlag dürfte ein Dreck gegen die Felsmassen sein, die den Spielern und den 12.000 Zuschauern in der Arena vom Herzen fielen. Und verdient war es allemal, denn der Gegner mühte sich ja nach Kräften, nicht mitspielen zu wollen.

Dies änderte sich grundlegend nach der Pause. Zunächst fiel auf, dass sie nach dem Gegentreffer tatsächlich alle Bemühungen einstellten, durch intensives Herumwälzen wirklich jeden Quadratzentimeter des Rasen kennen lernen zu wollen. Es kam einfach nicht mehr vor, scheint demnach wirklich Absicht gewesen zu sein. Aber jetzt spielten sie plötzlich auch nach vorne und überraschten die Fortunen damit doch sehr. Die hatten in der Halbzeitpause nichts von ihrer Wackligkeit eingebüßt, daher ziemlich schlecht, dass jetzt auch noch die Abwehr ran musste, die war dafür an jenem Tage nicht wirklich gut gerüstet. Binnen der ersten zehn Minuten in der zweiten Halbzeit gab es drei dicke Chancen für Babelsberg, zweimal verzog Stürmer Frahn nur knapp, und als Krönung musste Caillas für den bereits geschlagenen Ratajczak auf der Linie klären, als ein Schuss nach einem Eckball irgendwie den Weg durch sämtliche Spielerbeine hindurch Richtung Tor fand. Man mochte schon gar nicht mehr hinsehen. Fortuna würgte sich durch das Spiel, immerhin stand nach knapp einer Stunde die Abwehr halbwegs ordentlich, sodass man auch mal wieder kontrolliert nach vorne spielen konnte, auch wenn nicht viel dabei rum kam. Aber man war ja schon dankbar, wenn sich der Ball nicht allzu sehr in die Düsseldorfer Spielfeldhälfte verirrte. Somit war das Spiel bis zur 81. Minute relativ offen. Dann legte Kastrati den Ball von der Strafraumgrenze auf Caillas zurück, der zirkelte eine präzise Flanke in den Strafraum, und wieder war Axel Lawaree mit dem Kopf da und markierte seinen 15. Saisontreffer. Der Kerl treibt mich zur Verzweiflung. Als nicht gerade hochgewachsener Stürmer macht der zwei Kopfballtore, verschießt aber Elfmeter. Er ist wohl wirklich eher für die komplizierten Dinge des Lebens zuständig.

Dieser schöne Treffer wirkte wie ein Befreiungsschlag. Plötzlich lief das Bällchen, wurde schnell nach vorne gespielt, der Gegenspieler fungierte nur noch als Statist. In den letzten zehn Minuten nahm man Babelsberg auseinander und hätte noch für einen Kantersieg sorgen können. Kastrati verzog knapp, und Lambertz und Erwig hatten noch zwei Hundertprozentige, allein vor dem Torwart. Lambertz schickte ihn in die falschen Ecke, verfehlte aber das Tor, während Erwig an Busch scheiterte. Besonders diese letzte Chance hätte ein Tor verdient gehabt, resultierte sie doch aus drei-, viermaligem Direktspiel um und im Babelsberger Strafraum, bevor dem eingewechselten Erwig die Kugel auf den Fuß serviert wurde. Das wäre wirklich ein Traumtor geworden, war aber wohl zu einfach. Schade.

Kurz darauf war das Spiel zu Ende, und es durfte durchgeatmet werden. Ein schweißtreibender Arbeitssieg gegen einen größtenteils harmlosen Gegner, der dann aber noch fast alles kaputt gemacht hätte. Apropos „kaputt“: nutzte dieser Sieg denn überhaupt noch etwas? Direkt nach Spielschluss kam die Durchsage, dass es in Oberhausen weiterhin 0:0 stand, aber noch zwei Minuten nachzuspielen seien. Es durfte also noch gezittert werden. Aber Erfurt rettete das torlose Remis auch in der Nachspielzeit, und so gab es an jenem Nachmittag für uns noch mehr zu jubeln. Die Mini-Chance auf den Aufstieg wurde also bis zum letzten Spieltag aufrecht erhalten.

Noch ein Wort zu den Babelsberger Fans. Die reisten mit knapp 150 Mann an und feierten eine lustige Party. Besonders beeindruckend, wie ein Teil der Leute kurz vor Schluss zur Polonäse durch den ganzen Block antrat. Einige Fortuna-Fans aus Berlin hatten übrigens die Chance genutzt und waren einfach in einem Fan-Bus der 03er mit nach Düsseldorf gereist, weil es für sie die kostengünstigste Alternative war. Auch dies klappte ohne Probleme. Ein netter Haufen, der sich da in der Arena tummelte. Muss man auch mal sagen, wenn’s schon vorkommt.

Die Überschrift des „Herzschlaghalbfinales“ zu diesem Spieltag ergab sich übrigens am Abend, als ich mir die Aufzeichnung des Spiels Oberhausen gegen Erfurt anschaute. Was die Gastgeber an klaren Chancen verballerten, ging schon auf keine Kuhhaut mehr. Die mussten längst vor Spielende den Aufstieg klar gemacht haben. Prunkstück war Torjäger Terranova, der in der zweiten Halbzeit sogar schon den Erfurter Keeper ausgetanzt hatte und den Ball zum Siegtreffer und Aufstieg ins leere Tor schob, dies aber so lässig (oder verkrampft) tat, dass Erfurts albanischer Verteidiger Rrustemi die Kugel mittels Riesen-Blutgrätsche noch vor der Torlinie wegbefördern konnte. Und das als Ex-Mönchengladbacher, alle Achtung! Hätte nicht gedacht, dass die uns auch mal einen Gefallen tun. Der Präsident der Oberhausener, der angekündigt hatte, im Falle eines Aufstiegs nackt durchs Stadion zu laufen, und den der WDR bei dieser Großchance natürlich im Bild hatte, biss fast die Zigarette durch, die ihm aus dem Mund hing, und er stammelte nur fassungslos: „Der war doch schon drin...“. Das hätte ich an seiner Stelle auch gesagt, als Heim-Zuschauer wäre ich wohl in diesem Moment aus dem Stadion gegangen, weil es gesundheitlich zu anstrengend geworden wäre. So blieb es dort beim 0:0, und man musste die ganzen Freibier-Fässer wieder in den Keller räumen. Immerhin blieb dem neutralen Zuschauer dadurch auch der flitzende Präsident erspart, denn er hatte vorher schon angekündigt, dass diese Wette nur für das Heimspiel gelten würde. Vielen Dank!

Da Union Berlin in Lübeck mit 7:3 gewonnen hatte (so muss man in Lübeck antreten...), ergab sich vor dem letzten Spieltag folgendes Tabellenbild:

1. RW Ahlen 64 Punkte
2. RW Oberhausen 63
3. Fortuna 61
4. Union Berlin 60

Ahlen war durch, weil sie über das Torverhältnis nicht mehr einzuholen waren, für den zweiten Aufstiegsplatz ergaben sich folgende Konstellationen: Oberhausen reichte aufgrund des ebenfalls guten Torverhältnisses bereits ein Unentschieden im letzten Spiel, ausgerechnet bei Union Berlin. Fortuna würde nur, und nur dann, aufsteigen, wenn Oberhausen verlöre und man gleichzeitig in Erfurt gewänne. Sollte Fortuna in Erfurt nicht gewinnen, wäre auch Union wieder im Rennen. Zwar war man acht Tore schlechter als Oberhausen, aber da man direkt gegeneinander spielte, würde ja jedes Tor, das Union gut machte, gleichzeitig bei den Oberhausenern für einen Verschlechterung des Torverhältnisses sorgen, sodass Union ein Sieg mit vier Toren Unterschied reichen würde, um Oberhausen zu überholen. Für eine Mannschaft, die gerade sieben Stück in Lübeck versenkt und darüber hinaus noch eine Vielzahl weiterer Chancen vergeben hatte, kein unmögliches Unterfangen, auch wenn deren 18-Tore-Stürmer Shergo Biran aufgrund der fünften Gelben Karte im letzten Saisonspiel fehlen würde. Für Spannung war also gesorgt.

Finalvorbereitungen


Die Woche vor dem letzten Spieltag am 31.05.2008 war wohl die turbulenteste der gesamten Saison, zumindest organisatorisch. Karten für das Spiel gegen Erfurt konnte man schon Wochen vorher auf der Geschäftsstelle der Fortuna ordern. Die Bestellungen hielten sich im Rahmen, es hatte kaum jemand geglaubt, dass das Spiel noch wichtig werden würde. Dies änderte sich nach dem Spiel gegen Babelsberg grundlegend. Aus Erfurt wurde dem schon vorab Rechnung getragen, indem man ein Kontingent von 3.700 Karten zur Verfügung stellte, das Doppelte dessen, was den Gästen eigentlich zugestanden hätte. Die Karten gingen am Montag Vormittag in den Verkauf und waren nach zwei Stunden ausverkauft. Diejenigen, die aber trotzdem noch Karten haben wollten, sorgten anschließend für ein wenig Chaos, auch begünstigt durch die Modalitäten, die es bei Erfurt bezüglich des Kartenverkaufs gibt: man kann sich dort nämlich Tickets über die vereinseigene Website nicht nur bestellen, sondern mittels praktischer print@home-Funktion auch gleich ungeprüft ausdrucken (wie dies z.B. auch bei der Deutschen Bahn möglich ist). Und so gingen am Montag noch mehrere Hundert Tickets für die Erfurter Blöcke über den virtuellen Tisch nach Düsseldorf, ehe dies dort erkannt und der Ticketshop gesperrt wurde. Nun hatten die Erfurter allerdings das Problem, dass dies selbst beim DFB aufgefallen war. Dieser hatte sich eingeschaltet und ein verschärftes Sicherheitskonzept verlangt. Da man sich sicher sein konnte, somit quasi aus höchster Höhe bei diesem Spiel beobachtet zu werden, kam es zu folgenden Richtlinien, die auf der Fortuna-HP am 26.05.08 veröffentlicht wurden:

„Mit jeder Stunde, die es auf den Anpfiff zum letzten Meisterschaftsspiel am kommenden Samstag zugeht, wächst die Spannung. Die Fortuna kämpft im Erfurter Steigerwaldstadion um drei wichtige Punkte, die jedoch nur dann zum Aufstieg reichen, wenn Oberhausen gleichzeitig in Berlin patzt. Jeder eingefleischte Fortune würde am liebsten mitfahren, doch die Kapazitäten in Erfurt sind beschränkt. Da die Sicherheitsbestimmungen in der thüringischen Landeshauptstadt am Samstag strikt umgesetzt werden, birgt eine Fahrt in den deutschen Osten ohne gültiges Ticket das Risiko, das Spiel nicht einmal in der Nähe des Stadions erleben zu dürfen.

 Nachdem das Gästekarten-Kontingent in Düsseldorf ausverkauft war, hatten sich viele Fortuna-Fans Eintrittskarten für das Steigerwaldstadion besorgt, die in den übrigen Teilen des Stadions liegen. Dazu gehören auch absolute „No-Go-Areas“ wie die Blöcke D, E, H, I und Block 3. Um eine mögliche Konfrontation zwischen den Fangruppen zu vermeiden, hat der Veranstalter in enger Zusammenarbeit mit Fortuna Düsseldorf inzwischen eine Lösung erarbeitet: Alle Düsseldorfer Fans, die sich (versehentlich) Karten für die Erfurter Bereiche gekauft haben, sollen sich direkt zum Gästeblock begeben, wo sie gegen Vorlage der „falschen“ Eintrittskarte und eines Ausweises ohne Probleme eingelassen werden.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Anhänger aus Düsseldorf, die sich Zugang in die Erfurter Blöcke verschaffen wollen, natürlich nicht eingelassen werden, denn auch hier werden neben der Eintrittskarte die Vorlage eines Ausweises verlangt. Damit folgt der gastgebende Verein im Übrigen auch einer strikten Anweisung des DFB und wird daher in jedem Fall durchgesetzt.

Rot-Weiß Erfurt ist weiterhin bemüht, die Kapazität des Gästeblocks noch zu erweitern, damit auch die Düsseldorfer Fans mit Eintrittskarten aus den Erfurter Blöcken dort untergebracht werden können. Entsprechende Puffer hierzu wurden eingerichtet. Eine Ausweitung des Düsseldorfer Kartenkontingents wird es allerdings definitiv nicht geben.

Eintrittskarten erhalten an den Tageskassen nur noch Erfurter Fans, die beim Kauf einer Karte auch ihren Ausweis vorlegen müssen. Damit soll vermieden werden, dass weitere Karten an Fortuna-Fans verkauft werden.

Auf den Punkt gebracht: Es ist sinnlos, ohne gültiges Ticket in Erfurt anzureisen. Insofern sei einer Aufforderung, wie sie mit den Worten „Keine Karte - egal - es geht um den Aufstieg“ in einem Fan-Forum nachzulesen war, ausdrücklich widersprochen. Denn die Erfurter Polizei wird durch eine große Aufenthalts-Verbotszone und dementsprechenden Platzverweisen präventiv reagieren wollen. Im Falle der Nichtbeachtung werden die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet und können mit einer sofortigen Festsetzung einhergehen.

Die aus Düsseldorf anreisenden Busse werden von der Polizei aufgenommen und direkt zum erweiterten Gästeblockbereich (Mozartallee) geleitet. Dort finden Fortuna-Fans auch gleich den Eingangsbereich zum Gästeblock, wo sich auch die Taschenabgabe befindet. Dort müssen ausnahmslos sämtliche Taschen (ebenso wie Rucksäcke, Beutel, Bauchtaschen etc.) abgegeben werden, die bis nach Spielschluss verwahrt werden. Die Busse werden im Verlauf der Mozartallee geparkt und können somit nach Spielende auch gleich wieder zur Abfahrt genutzt werden.

Der Gästeblock wird am Spieltag ab 11.00 Uhr geöffnet sein.

Der Transport der Zugreisenden zum Stadion und zum Bahnhof zurück findet unter Begleitung der Polizei und zu Fuß statt. Hierbei gilt zu beachten, dass die letztmögliche Rückfahrt-Möglichkeit vom Erfurter Hauptbahnhof in Richtung Düsseldorf um 17.11 Uhr besteht. Für den Rückweg vom Stadion zum Bahnhof sollte man mindestens eine Stunde Fußweg einkalkulieren, so dass Fans spätestens um 16.00 Uhr die Heimreise ab Stadion antreten sollten.

Rot-Weiß Erfurt empfiehlt allen Düsseldorfer Fans, die mit dem PKW anreisen, das Parkhaus an der Johann-Sebastian-Bach-Straße / Ecke Mozartallee zu nutzen. Weitere Parkmöglichkeiten sollten östlich des Stadion aufgesucht werden.

Zu einer frühzeitigen Anreise nach Erfurt sei nochmals ausdrücklich geraten, denn trotz des großen Zuschaueraufkommens wird das Spiel aufgrund der Hörfunk und TV-Live-Übertragung in jedem Fall pünktlich um 13:30 Uhr angepfiffen.“

Beachtlich übrigens der letzte Satz. Nachdem der MDR und der RBB schon angekündigt hatten, live von den Spielen zu berichten, zog sogar der gute alte WDR nach und klinkte sich in die Live-Übertragung ein, obwohl noch nicht mal ein Kölner Karnevalsprinz auftreten würde. Natürlich nicht freiwillig, sie mussten erst von vielen gutgemeinten Zuschriften überredet werden. Somit gab es an jenem Nachmittag tatsächlich mal ein Live-Spiel (sogar eine Konferenz!) im WDR. Eigentlich fast nicht zu glauben. Und genau so wurde es dann auch, aber davon später mehr.

Das plötzliche Interesse an diesem Spiel trieb in Düsseldorf noch weitere Blüten. So wurde im „Stahlwerk“, einem alten Fabrikgebäude, das eigentlich Disco bzw. Veranstaltungsort für Konzerte ist, eine Großleinwand aufgestellt und Public Viewing für 1.000 Zuschauer ermöglicht. Fast jede Kneipe in der Alt- oder Innenstadt, die einen Fernseher in ihren Räumen stehen hatte, kündigte an (auf Werbetafeln oder einfach auf die Fenster gemalt), das Spiel am Samstag zu zeigen. Und da wir bei den meisten Gegnern ja eh als „arrogante Düsseldorfer“ verschrieen sind, musste es natürlich auch noch etwas Besonderes sein: Air Berlin, einer der eher kleineren Sponsoren der Fortuna, hatte sich wohl schon lange zuvor ein Kontingent von knapp 150 Karten gesichert, weil Erfurt sowieso einer der Flughäfen ist, die diese Linie regelmäßig anfliegt. Diese Karten vertickte man jetzt inklusive Hin- und Rückflug sowie Transfer zum und vom Stadion für 250 Euro. Dienstags mittags Angebot gemacht, dienstags abends ausverkauft. Ein Sonderflug zu einem Regionalligaspiel...selbst Herr Hopp vom Erstliga-Aufsteiger SAP Hoffenheim dürfte anerkennend die Augenbrauen hochgezogen haben. Einen Sonderzug hingegen gab es nicht. Unbestätigten Meldungen zufolge wären Bahn und Polizei wohl damit einverstanden gewesen, Fortuna allerdings nicht. Wenn man weiß, wie die meisten Sonderzüge aussehen, wenn sie wieder zuhause sind, und wer dafür bezahlen darf, eine nicht unlogische Entscheidung. Wenn es denn so stimmen sollte.

Insgesamt war es eine aufregende Woche, die zeigte, was in der Stadt Düsseldorf eigentlich alles möglich wäre, wenn der Verein nur erfolgreicher wäre. Aber das ist wohl überall so. Da wir so etwas lange nicht erlebt haben, war es doch mal ganz nett.

Am Ende waren es zwischen 5.000 und 6.000 Fortunen, die nach Erfurt reisten. Und egal, wie es ausgehen würde, eins würde es mit Sicherheit sein: die letzte Reise in der Regionalliga Nord. Die würde nämlich Punkt 15.15 Uhr an jenem Samstag Geschichte sein. Grund genug, noch einmal etwas ausführlicher davon zu berichten.

Finale Anreise

Wir starten um 7 Uhr in Bonn. Da hat meine Fahrerin schon eine Stunde Fahrt hinter sich, sie kommt nämlich aus Aachen. Zunächst wird ein wenig Autobahn-Hopping betrieben, von der A 565 geht es über die A 59 und die A 560 am Autobahnkreuz Bonn/Siegburg auf die A 3 Richtung Süden. Hier begrüßt uns der Finaltag mit kräftigem Nebel. Da die Autobahn hier in manchen Abschnitten eher einer Berg-und-Tal-Bahn gleicht, zieht es die Nebelfetzen teilweise auch bis auf die Straße runter, 50 m Sichtweite ist schon ganz ordentlich. Zum Glück herrscht eher wenig Verkehr. Von den angekündigten 30 Grad Außentemperatur ist hier noch nicht wirklich etwas zu spüren.

An der Anschlussstelle Limburg-Nord müssen wir von der A 3 auf die Bundesstraße abfahren, um somit quasi über Eck die A 5 zu erreichen. Um die Monotonie der Landschaft aufzulockern, hat man sich hier natürlich etwas ausgedacht, die Abfahrt ist mittels dieser lustigen Hütchen zu einem Großteil abgesperrt, und zwar ohne dass man jenseits der Hütchen auch nur irgendetwas sehen würde, das entfernt nach Baustelle aussieht. Da ist einfach nichts, es sieht wirklich so aus, als ob jemand nur diese Hütchen aufgestellt hätte, um sich einen Spaß zu machen. Dadurch wird die Länge der Ausfahrt jedoch auf ca. 20 Meter verkürzt. Anschließend soll man links Richtung Heckholzhausen abbiegen, was leider auch nicht geht, da man sofort nach rechts auf die Bundesstraße abgeleitet wird. Also geht es weiter ins nächste Kaff, wo ein beeindruckender U-Turn hingelegt wird. Beeindruckt allerdings niemanden, denn es ist niemand auf der Straße. Scheint noch zu früh zu sein, um in Hessen den Tag zu beginnen.

Und während wir über die B 54 und B 49 doch recht flott durch den menschenleeren Lahn-Dill-Kreis reisen, wird anderswo wohl richtig Alarm sein: im Radio kommt nämlich die Nachricht, dass in Hessen zahlreiche Züge aufgrund von Oberleitungsschäden nach Unwettern ausfallen oder – weil sie umgeleitet werden müssen – erhebliche Verspätung haben werden. Und dies betrifft natürlich alle Fans, die von Düsseldorf nach Erfurt reisen. Ich als alter Bahn-Kenner kann mir gut vorstellen, wie es da jetzt aussieht...

Als wir am Industriegebiet Oberbiel vorbei fahren, gibt es doch noch etwas Bemerkenswertes: nach links ausgeschildert ist ein Bergwerk, welches man wohl besichtigen kann. Name: „Grube Fortuna“. Wenn das mal kein gutes Omen ist! Zumal neben dem Schild ein weiteres steht, das für dieselbe Richtung auch noch das Kloster Altenberg ausweist. Sind wir mit höheren Mächten im Bunde? Als weiteres Highlight erblicken wir zwei Minuten später den ersten Wagen, der mit Fortuna-Devotionalien geschmückt ist. Davon wird es bald noch mehr zu sehen geben.

Schließlich geht es in Wettenberg auf die A 480 Richtung Kassel und Marburg und – Erfurt, erstes Autobahnschild, das auf unser Ziel hinweist. Noch 205 km.

Diese dreistelligen Autobahnen zeichnen sich meist dadurch aus, dass sie schön kurz sind und auf ihnen nix los ist. Diese hier ist keine Ausnahme, nach knapp fünfzehn Kilometern geht sie am Reiskirchener Dreieck in die A 5 über und die große weite Autobahnwelt hat uns wieder. Und das gleich richtig, denn auf der Strecke zwischen dem Reiskirchener und dem Hattenbacher Dreieck, an dem es auf die A 7 geht, befindet sich eine 10 km lange Baustelle der „feineren Art“. Die kenne ich noch aus dem letzten Jahr, als wir für eine Tour von Neuss nach Dresden (nix Fußball, Hochzeit) am Pfingstfreitag schluffige zehn Stunden brauchten, was u.a. auch an dieser Baustelle lag. Da es zu Berufsverkehr oder Hauptreisezeiten hier sowieso zu Staus kommt, hat man sich etwas Besonderes ausgedacht: exakt alle zwei Kilometer kommt ein Schild mit zwei kleinen Kindern, ein Mädchen, ein Junge, sie trägt sogar eine dieser orangenen Bauarbeiterwesten. Die machen auf jedem Schild entsprechende Grimassen oder Faxen, wobei die Aufschrift dann die Reststrecke der Baustelle angibt: „Oh, eine Baustelle, noch 10 km“, „Puh, noch 8 km“, „Nur noch 6 km“ usw. Ja, das ist bestimmt nett gedacht. Wenn man aber, wie ich im letzten Jahr, wirklich zwei Stunden in dieser Baustelle verbringt und es kaum vorwärts geht, man an diesen ganzen Baulöchern und Erdhügeln vorbei kriecht, bei schwülem Wetter und um die 30 Grad...und wenn man dann noch diese Schilder sieht...also ich bekam im letzten Jahr durchaus Lust, so ein Schild mal auszurupfen und dem erstbesten Bauarbeiter zu „schenken“. War aber natürlich keiner da, war ja Pfingsten. Diese Schilder sind doch eine Provokation, der man nicht entkommen kann! Aber natürlich muss ich da ruhiger werden. Denn eigentlich ging es uns damals noch recht gut in dieser Situation. Wir sahen diese quängelnden Kinder nur auf den Schildern draußen rechts neben dem Auto – wir hatten sie nicht auf der Rückbahn IM Auto! Man muss auch dankbar für die Kleinigkeiten im Leben sein. Aber die Erinnerung an jenen Pfingstfreitag 2007 ist natürlich sofort wieder da, als die ersten Schilder auftauchen. Diesmal kommen wir glatt durch die Baustelle, es ist nicht viel los. Und so langsam aber sicher kann man beim Betrachten der überholten oder überholenden Weggefährten den Eindruck gewinnen, außer einigen Lkw sind nur noch Fortunen unterwegs.

Die A 7 führt nur ein kurzes Stück bis zum Kirchheimer Dreieck, wo es dann auf die finale Autobahn nach Erfurt geht, die A 4. Jetzt noch 115 km geradeaus, dann sind wir da. Gleichzeitig fängt der Himmel an, aufzuklaren. Es ist zwar noch dunstig am fernen Horizont, aber über uns scheint nun die Sonne, es wird gleichzeitig binnen weniger Minuten warm. Ziemlich warm, um genau zu sein. Weiter geht es an den drei Burgen vorbei, die rechts und links entlang der Autobahn stehen und die den Namen „Die drei Gleichen“ haben. Den kann ihnen nur jemand verpasst haben, der sie mal von weitem gesehen hat, aber immerhin sind sie ein netter Anblick, denn ansonsten gibt es rechts und links nicht viel zu sehen. Und so ist auch der Beifahrer erleichtert, als endlich die Abfahrt Erfurt-West auftaucht.

Anschließend geht es über die B 4 zum Stadion. Praktischerweise befindet sich hinter dem Gästeblock ein Parkhaus, in dem man für pauschal zwei Euro parken kann. Direkt neben dem Eissportzentrum, bei dem man sich darüber streiten kann, ob der Begriff „Eissportzentrum“ oder die an der Außenseite angebrachte Benennung „Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle“ umständlicher ist. Es ist kein Problem, im Parkhaus eine Stellfläche zu finden, da wir sehr früh dran sind. Für einige allerdings nicht früh genug: als wir aus dem Parkhaus kommen, begrüßt uns rechter Hand ein Wasserwerfer der Polizei, während über uns auch schon zu dieser frühen Stunde ein Hubschrauber kreist, und zwar nicht der des ADAC. Willkommen zum Fußball in Thüringen! Ja, der DFB hat gerufen, und alle, alle kommen...Da wir anschließend eine gute Stunde vor dem Haupteingang des Stadions verbringen, kann ich auch gleich sagen, dass diese Aussage wörtlich zu nehmen ist. Was da auf Erfurter Seite alles anrückt...mein lieber Schwan. Als wir sehen, wie eine kleine Gruppe, die auf einer Bank vor dem Eingang sitzt, gleich mal von der Polizei nach kurzer Kontrolle weggeheftet wird, wissen wir, dass hier heute wohl ziemlich „bestimmte Klientel“ zu erwarten ist.

Es tauchen auch die ersten Überlebenden des hessischen Bahn-Massakers auf. Erst in Mietwagen, da wurde der Frankfurter Hauptbahnhof kurzerhand „ausvermietet“. Diejenigen, die dort zu spät kamen, haben sich Großraumtaxen geteilt: mit sechs oder sieben Leuten rein in die Kiste, und ab nach Erfurt, Preise zwischen 250 und 350 Euro. Normalerweise packt man sich an den Kopf, aber hier und heute gibt keiner auf, nur weil die Bahn in Kassel oder Frankfurt den vorzeitigen Feierabend eingeläutet hat.

Apropos „man packt sich am Kopf“: ca. 1 Stunde vor dem Spiel traue ich meinen Augen nicht, als auf der Straße vor dem Stadion eine Stretchlimousine heranrauscht, mit aufgesteckten Fortuna-Autofahnen. Ein paar Wahnsinnige haben das Teil gemietet, um damit am letzten Spieltag vorzufahren. Allerdings nicht vom Erfurter Flughafen, sondern aus Remscheid im Bergischen Land! Was die Jungs allein jetzt schon an Sprit verfahren haben dürften – dagegen wäre ein Großraumtaxi von Frankfurt aus wohl ein Schnäppchen gewesen. Aber immerhin ein hübscher Anblick...

Finale

Das Spiel beginnt um 13.30 Uhr, und ich bin schweißgebadet. Nicht weil sich schon so viel tun würde, sondern weil es mittlerweile doch über 30 Grad im Stadion sind, drückend, schwül, absolut windstill. Aber zwei Spieler wollen direkt mal ein Zeichen setzen: Thiago Rockenbach da Silva, uns aus den letzten Jahren als emsiger Torschütze und Vorbereiter gegen Fortuna bei Werder II nur allzu ungut in Erinnerung, hakelt mal eben kurz gegen Ahmet Cebe nach, ziemlich harmlos, was diesen jedoch dazu bewegt, seinen Gegenspieler nach knappen fünfzehn Sekunden Spielzeit ordentlich anzusaugen. Der ist auch nicht auf den Mund gefallen, und so muss Bundesliga-Referee Knut Kircher schon zum ersten Mal besänftigend eingreifen. Rockenbach versucht dann, nur eine Minute später direkt mal einen Elfer rauszuschinden, als er im Zweikampf gegen Cebe einfädelt, aber Kircher winkt nur ab. Nach zwei Minuten ist also schon Feuer im Spiel. Und so geht es weiter. Meistens in Richtung Fortuna-Tor, denn Erfurt ist in der ersten Halbzeit klar tonangebend, besonders Rockenbach und Ex-Fortune Denis Wolf (allerdings ohne Chance auf den Schönheitspreis, denn Claus Costa steht ebenfalls auf dem Platz) wirbeln mächtig über die Außen. Aber es kommt nichts dabei rum, Torwart Ratajczak muss an alter Wirkungsstätte nur zweimal eingreifen, bei einem Freistoß von Rockenbach, der eh ins Aus gegangen wäre, aber von unserem Keeper zu einer schönen Flugeinlage genutzt wird, und nochmals gegen Rockenbach, als dieser aus der Drehung im Strafraum frei zum Schuss kommt, allerdings keinen Druck hinter den Ball bekommt. Die beiden dickeren Chancen hat Fortuna: in der 5. Minute ein Traumpass auf Caillas, der überläuft die Abseitsfalle der Gastgeber und kurvt links im Strafraum auf Torwart Orlishausen zu; aus ca. zehn Metern zieht er ab, trifft aber den Ball nicht voll und produziert ein Kullerchen, das weit rechts am Tor vorbei hoppelt. Nach einer knappen halben Stunde setzt sich Sahin doch etwas überraschend gegen drei Gegenspieler durch und versucht, Orlishausen mit einem Lupferchen vom rechten Strafraumeck zu narren, doch der Erfurter Keeper ist auf dem Posten und kann mit guter Abwehr zur Ecke klären. Der Rest der ersten 45 Minuten gehört Erfurt, ohne dass sie noch sonderlich große Chancen herausspielen können. Falls dieses Vorgehen von Fortuna-Seite so beabsichtigt war, ist endlich mal eine sinnvolle taktische Marschroute auch ordentlich umgesetzt worden: man lässt die Erfurter sich schön in der Schwüle kaputt laufen, ohne dass es negative Folgen hätte. Zur Pause 0:0.

Leider ist zu diesem Zeitpunkt die Aufstiegsfrage bereits entschieden, denn Oberhausen führt 2:0 in Berlin, und Union verliert kurz vor der Pause auch noch Mattuschka mit Platzverweis nach Tätlichkeit. Das Ding ist durch, und damit das auch auf dem Rasen alle mitkriegen, skandieren die Erfurter Fans alle paar Minuten enthusiastisch „Oberhausen führt!“ und „3. Liga, Fortuna ist dabei!“ Ja, Schadenfreude ist die schönste Freude, das würden wir nicht anders handhaben. Vielleicht dass wir es nicht alle fünf Minuten schmettern müssten wie es hier geschieht. Wer sich schon dermaßen mit anderen Vereinen prostituieren muss, um dem Gast eins auszuwischen, weil die eigene Mannschaft nichts auf die Kette bekommt...na ja, wer’s braucht. Auch der zweite Sprechchor ist mal richtig intelligent, schließlich haben sie noch nie gegen uns gewonnen, das sind wieder mindestens vier sichere Punkte für uns in der nächsten Saison. Aber wem’s Spaß macht...Und zumindest ist es kreativ.

Nach der Pause könnte man denken, dass die Mannschaft jetzt einer müden ersten eine müde zweite Halbzeit folgen lassen wird, denn es geht ja um nichts mehr. Weit gefehlt: jetzt und hier zeigen die Jungs den Charakter, der ihnen im April irgendwie kurzfristig abhanden gekommen ist. Sie ziehen mal kurz das Tempo an und knipsen Erfurt binnen acht Minuten aus. In der 58. Minute überrennt Cebe wieder mal eine Abseitsfalle der Gastgeber und wird von Torwart Orlishausen von den Beinen geholt – klare Sache, Elfmeter. Da dies in letzter Zeit allerdings nicht immer eine klare Sache für unseren Standard-Schützen Lawaree war, überreicht er mit nobler Geste Jens Langeneke die Kugel, der sie dann humorlos mittig in die Maschen haut – 0:1. Keine zwei Minuten später wieder ein schneller Angriff über rechts, die Abwehr ist ausgehebelt, Andreas Lambertz strebt in den Strafraum, hebt den Kopf und spielt quer auf den langen Pfosten, wo Caillas mutterseelenallein zum 0:2 abstaubt. Und wiederum sechs Minuten später der nächste Düsseldorfer allein im Erfurter Strafraum: der eingewechselte Kastrati köpft zunächst seinen Gegenspieler an, als alles Handspiel reklamiert, interessiert den Stürmer das nicht die Bohne, er lupft den Abpraller über seinen Gegenspieler und zieht ab, ein anderer Abwehrspieler fälscht ins Tor ab – 0:3. So einfach kann Fußball sein. Hätten sie es doch mal öfter so gemacht. Nun gelingen auch Sachen, die man vorher gar nicht sah, so läuft Cebe mit dem Ball durchs Mittelfeld und dann – man glaubt es kaum – zieht der aus zwanzig Metern einfach ab, anstatt zum Saisonabschluss noch mal drei bis acht Gegenspieler zu umspielen; und auch dieses Ding passt rechts unten ins Eck – 0:4 in der 77. Minute. Danach macht man es gnädig, der eingewechselte Heidinger verpasst noch das 5:0, zuvor will Torwart Ratajczak, wahrscheinlich aus alter Verbundenheit, den Gastgebern noch ein Ehrentor schenken, als er nach einer Ecke in der Luft mal wieder daneben greift, doch den anschließenden Schlenzer holt ausgerechnet Lawaree per Kopf von der Torlinie,. Wenn er vorne schon nicht trifft, dann verhindert er hinten wenigstens noch Gegentreffer, wie gesagt, jetzt klappt halt alles. Die letzten zehn Minuten verbringen die Spieler größtenteils damit, sich nicht mehr gegenseitig weh zu tun, und dann pfeift Knut Kircher ab – Ende des Spiels, Ende der Saison, Ende der Regionalliga Nord, willkommen 3. Liga, denn Oberhausen hat sich natürlich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen und 3:0 bei Union Berlin gewonnen. Die waren also leider chancenloser als erwartet.

Finales Nachspiel

Nach dem Spiel ist erst mal Zeit für Hohlbirnen, mit denen das Erfurter Publikum an jenem Tage überreichlich gesegnet ist. Ein kleiner Teil stürmt den Platz, kommt zu den Gästeblöcken und provoziert die 5.000 Fans, die noch in selbigen stehen, weil die Mannschaft sich am Zaun von ihnen verabschiedet; der Kindergarten pöbelt natürlich aus sicherer Entfernung, vom Spielfeldrand, zwischen sich und den Gästeblöcken eine Reihe Security und eine Reihe Polizei, und ist wahrscheinlich heilfroh, dass dort nicht mal zufällig ein Tor aufgeht. Auch muss man sagen, dass unser Anhang sich überhaupt nicht provozieren lässt und die kleinen Spinner kurzerhand mit „Ihr seid so lächerlich!“ abfrühstückt. Das hat man sicherlich auch bei uns schon anders gesehen und ist ebenso sicherlich auch dem Ergebnis und der Tatsache geschuldet, dass der Aufstieg eigentlich schon nach 15 Minuten erledigt war, aber dennoch kann man durchaus ein Kompliment für das besonnene Verhalten der Gästefans zollen.

Das wird auf dem Abmarsch aus dem Stadion nunmehr jedoch auf eine harte Probe gestellt, denn überall rund ums Stadion und in den vielen praktischen Seitengassen rottet sich der Pöbel zusammen – anders kann man das nicht nennen – und sucht mal ein wenig Krawall, wobei man sich natürlich stets zahlenmäßig weit unterlegene Gruppen (oder einzelne Leute) ausguckt und auch vor Eltern mit Kindern nicht halt macht. Frauen werden genauso bespuckt wie mir mindestens ein Kind bekannt ist, das geschlagen wird, und immer wieder wird man von dem Gesocks darauf hingewiesen, wo man herkommt bzw. gefälligst wieder hin soll: „Wessi-Schweine“ ist noch das Harmloseste, was nach dem Spiel zu hören ist. In wessen Köpfen da mal wieder eine Mauer aufgebaut werden soll, ist an jenem Nachmittag relativ unstreitig zu hören, für den Fall, dass wir es schwarz auf weiß benötigen, trägt ein nicht unerheblicher Teil dieses Packs auch „Ostdeutschland“-T-Shirts. Besonders traurig ist dies, weil es sich bei diesen Leuten fast durchgängig um Jugendliche handelt, die die Mauer nur noch aus den Erzählungen von Papi und Mami kennen, weil sie definitiv noch nicht mal auf der Welt waren, als es die Wiedervereinigung gab. Also selbst wenn die klischeemäßig alle arbeitslos wären, sind sie wohl eher in die Rubrik Wohlstands-Krawallos einzusortieren. Eine Mauer im Kopf, die sie selbst nie kennen lernen mussten – muss richtig Spaß machen, das an anderen auszulassen.

Eins sei hier ganz klar gesagt: auch wir haben sicherlich diese Leute in unseren Reihen. Und es werden wohl auch zu 99 % normale nette Erfurter im Stadion gewesen sein (okay, sagen wir 95 %), die außer sportlicher Rivalität und ein paar Spottgesängen nichts weiter im Sinn hatten. Aber die waren nach dem Spiel entweder schon alle weg oder noch im Stadion (wo die Saisonabschlussparty der Gastgeber startete), auf jeden Fall hab ich keine mehr gesehen. Nur dieses unfassbare Gesocks, das um jeden Preis Ärger machen wollte. Traurig, traurig. Abseits des Steigerwaldstadions kann man Erfurt eigentlich nur empfehlen, eine sehr interessante und nett anzuschauende Stadt. Aber an jenem Nachmittag ist man doch froh, als es im Auto Richtung Heimat geht. Ein ganz armseliges Bild von Erfurt, das ein Haufen Idioten da abgegeben hat. Schade um die schöne Stadt und ihre überwiegend zivilen Einwohner.

Die Heimfahrt verläuft bemerkenswert ruhig und ungestört, von einem schönen Gewitter bei Gotha abgesehen sowie einer unfassbaren Verkehrsdurchsage auf der A 5, zum Glück für die Gegenrichtung: „Achtung Autofahrer auf der A 5 Frankfurt Richtung Kassel, zwischen Blablabla und Hassenichtgesehen laufen vier Kamele auf der Fahrbahn. Kein Witz!“ Ich hab ja schon viel gehört, aber das ist mir doch neu. Bei uns sind es ja meistens Rehe oder Pferde, in Norddeutschland waren es regelmäßig Kühe, die die Fahrbahn enterten, und wenn die gerade Melkzeit hatten, dann eben Schafe. In Hessen halten sie sich anscheinend freilaufende Kamele. Ein schöner Hinweis, wie tief wir in der Wüste waren...

At the End of it all

Gegen 19.30 Uhr erreiche ich die heimische Wohnung, die Saison ist damit abgeschlossen. Natürlich schreite ich sofort zur Nachbetrachtung, indem ich mir die Sondersendung des WDR auf Video anschaue. Mein Gott! Jetzt weiß ich, warum die sich immer gegen Live-Übertragungen und anschließende Zusammenfassungen der anderen Spiele, die man binnen einer halben Stunde zusammen puzzlen muss, sperren! Und ich dachte immer, das ist, weil sie als Kölner Sender eh keine Lust haben, von etwas anderem als dem neuesten Event an der großen Bahnhofskapelle zu berichten. Nein, die machen das deshalb nicht, weil sie es nicht können! Soviel Dilettantismus ist schon Aufsehen erregend. Besonders bei der Zusammenfassung kann man von völlig unfähigen Reportern quasi jede Minute ein neues Highlight erleben. Da wird z.B. die Chance von Caillas aus der 5. Minute gezeigt, und während die Kamera den Unglücksraben in Großaufnahme zeigt, behauptet der Reporter immer noch steif und fest, es würde sich um Lawaree handeln. Bei RW Ahlen fällt die geniale sprachliche Verirrung „Die Ahlener haben heute den Aufstieg auch theoretisch klar gemacht“ nebst falschem Ergebnis des letzten Ahlener Spiels in Babelsberg. Davon wahrscheinlich innerlich befeuert, blendet man auch gleich noch die falsche Tabelle ein, nämlich die des 34. Spieltags, da hatte man wohl etwas mit der 1. Bundesliga verwechselt – als ob ihr Dilettanten jemals von der Ersten Liga berichten würdet! Und so weiter und so fort, man kann wirklich nur noch lachen. Am Ende der Sendung ist mir eins klar: danke, lieber WDR, für eure bisherige Weigerung, live bzw. sehr zeitnah von den Spielen zu berichten. Ihr habt am 31.05.08 eindrucksvoll bewiesen, warum. Entweder seid ihr so unfähig wie ich denke oder es war akute Unlust und somit eine ziemliche Frechheit für den gemeinen Gebührenzahler. Wie dem auch sei – behaltet eure Verweigerung bitte auch in Zukunft bei! Wenn’s um Regionalliga live geht, sind MDR und RBB euch so weit voraus, da kauft man sich lieber einen DVB-T-Receiver oder meldet sich für digitales Fernsehen an, anstatt euch noch einmal ertragen zu müssen. Und als ich dann am Sonntag noch erleben durfte, wie sich eure blonde Ulknudel Okka Gundel mittlerweile sogar durch die ARD-Sportschau grinsen und stottern darf, da wusste ich: ihr müsst auch gar nix können, was halbwegs guten Sportjournalismus ausmachen könnte, um beruflich weiter zu kommen. Haltet euch also in Zukunft wieder daran und verschont uns mit weiteren solcher Darbietungen. Danke schön.

Und das war das Ende der Regionalliga-Saison 07/08. Die Aufsteiger in die 2. Liga aus dem Norden heißen RW Ahlen und RW Oberhausen, aus dem Süden kommen der FC Ingolstadt und der FSV Frankfurt. Beim DSF werden sie Purzelbäume vor Freude gemacht haben, da bin ich mir sicher. Andererseits sage ich, wer nach 38 bzw. 34 Spieltagen (Regionalliga Süd) auf den Plätzen 1 und 2 steht, der hat’s verdient, also: meinen herzlichen Glückwunsch nach Ahlen, Oberhausen, Ingolstadt und Frankfurt. Auch bemerkenswert, dass mit Oberhausen und Frankfurt gleich zwei Teams den direkten Durchmarsch schafften. Hut ab.

Dramatisch ging es noch bei den Abstiegsplätzen zu. Im Norden stand RW Essen vor dem letzten Spieltag auf dem rettenden Platz 10, dahinter Braunschweig und Magdeburg. Essen hätte mit einem Sieg gegen Absteiger Lübeck eine tolle Aufholjagd krönen können, die sie am vorletzten Spieltag mit dem 1:0 in Magdeburg erstmals seit Monaten wieder auf den Nichtabstiegsplatz gebracht hatte. Sie brachten das Kunststück fertig, es zu vergeigen, schossen nicht nur kein Tor, sondern kassierten kurz vor Schluss sogar noch eins und verabschiedeten sich mit einem 0:1 in die vierte Liga. Die Spieler verabschiedeten sich sogar ziemlich schnell, da nach Spielschluss einige frustrierte Herrschaften das Feld stürmten und den Kickern an die Wäsche wollten, sodass es ein wenig Knüppel-aus-dem-Sack zwischen abgestiegenen Wüterichen und Ordnungshütern gab. Hiervon profitierte Eintracht Braunschweig, das mit einem 2:0 gegen Dortmund II doch noch den rettenden Platz 10 erklomm, sehr zum Leidwesen des FC Magdeburg, das doch recht überraschend beim vor der Saison schon als Aufsteiger feststehenden Wuppertaler SV mit 2:1 gewann (die Wuppis wurden übrigens guter Sechster mit nur acht Punkten Rückstand auf Platz 2, was selbstverständlich voll ins Konzept der stufenweise Übernahme des Weltfußballs von WSV-Präsident Friedhelm Runge passt). Magdeburg lief punktgleich mit Braunschweig auf Platz 11 ein und muss absteigen, weil drei Tore fehlten. Das Spiel benutzten beide „Fan“-Gemeinden übrigens zu einem regen Austausch von Leuchtspurgeschossen in die Zuschauerblöcke, nach dem Spiel blockierten 500 Magdeburger den Umsteigebahnhof Minden. Das mit dem „blockieren“ hab ich aus dem Videotext, man kann sich wohl ungefähr vorstellen, wie es da ausgesehen haben mag. Gegen die geht’s uns doch eigentlich ganz gut...

Im Süden konnten sich die Enttäuschten wenigstens noch gegenseitig trösten. Der Tabellen-12. Sportfreunde Siegen empfing den Tabellen-10. SSV Reutlingen. Man siegte 2:1 und schoss die Reutlinger noch in die neue viertklassige Regionalliga, wurde aber selbst nur Elfter, weil die zuvor an 11 platzierten Stuttgarter Kickers 2:0 in Elversberg siegten und damit am letzten Spieltag noch auf Platz 10 zum Klassenerhalt hüpften. Somit gab es im Siegener Stadion an jenem Nachmittag nur Verlierer. Auch hier gab es unschöne Reaktionen, sowohl von Fan- als auch von Vereinsseite: 150 frustrierte Anhänger der Sportfreunde wollte eine Autobahnzufahrt blockieren. Ich hätte sie ja gelassen, es hätte kaum Gefahr bestanden, wann kommt da schon mal freiwillig ein Auto vorbei? Als die Polizei aber eingreifen musste, wurde sie noch mit Steinen und Flaschen beworfen, ein etwas ungemütlicher Ausklang des Wochenendes. Und da setzte der Verein noch eins drauf, indem man am Montag direkt mal Insolvenz anmeldete. Den Sportfreunden Siegen fehlen derzeit 1,8 Mio. Euro für die Lizenz der Regionalliga. Wieder ein Verein, der Vabanque gespielt und alles verloren hat, beim DFB kann man einen weiteren Strich in der Liste machen. Alles Gute nach Siegen, vielleicht klappt es ja noch mit der Vierten Liga.

Und Fortuna? Die wurde Dritter, mit 64 Punkten, eigentlich eine sehr gute Saison, aber Platz 3 ist nun mal der Arschkartenplatz. Beste Abwehr der Liga, zu Beginn der Saison über 800 Minuten ohne Gegentor, zum Schluss mit 16 Punkten aus sechs Spielen noch mal von Platz 10 hoch gekommen, insgesamt für unsere Verhältnisse unfassbare zwanzig Spiele ohne Gegentor – reichte alles nicht, weil am Ende zwei Punkte fehlten. Bzw. drei, denn bei zwei Punkten mehr wäre man am Torverhältnis gescheitert. Es fehlten also drei Punkte und somit ein zusätzlicher Sieg zum Aufstieg. Wo wir den verspielt haben, kann sich natürlich jeder selbst aussuchen, waren ja genug unnötige Niederlagen dabei. Für mich wird es immer die Pleite im Nachholspiel in Lübeck bleiben. Hätte man diese insolvente Bubi-Truppe nur richtig Ernst genommen...man hätte ja auch keinen Schönheitspreis gewinnen, sondern sich irgendwie nur ein 1:0 ermurmeln müssen. Aber nein, da blamiert man sich lieber bis auf die Knochen, und hinterher sagt der Torwart noch lässig: „Die haben wir wohl auf die leichte Schulter genommen!“ Das habt ihr wohl in der Tat, und wie befürchtet hat es euch zum Schluss eingeholt. Im Endeffekt war es also eine einzige Unaufmerksamkeit, die euch und uns jetzt in die Röhre schauen lässt.
Übrigens, wer anhand dieser Zeilen wieder mal den Spruch auf der Zunge hat: „Es war noch nie so leicht, aufzusteigen!“, dem sei gesagt, dass dies nicht stimmt. Die 64 Punkte hätten in der letzten Saison nicht nur zum Aufstieg sondern auch noch zur Meisterschaft gereicht. Es war also doch ein wenig schwieriger, umso ärgerlicher, dass es an purem Leichtsinn scheiterte.

Der neue Trainer Norbert Meier konnte überzeugen. Tja, und wer hat das bei seiner Verpflichtung am 01.01.08 sofort gesagt??? Keine Ahnung, ich auf jeden Fall nicht. Ich hatte und habe weiterhin so meine Bedenken, aber auch ich erkenne an, dass die Mannschaft bei allen Rückschlägen und Blamagen (FVN-Pokalfinale, Lübeck, Ahlen) doch im Laufe der Zeit eine gewisse Leistungssteigerung erkennen ließ. Streng neutral betrachtet hat der Trainerwechsel nichts gebracht, als man Uwe Weidemann im November entließ, stand die Mannschaft auf Platz 3, da steht sie jetzt immer noch bzw. auch wieder. Wäre schön, wenn man da in der nächsten Saison wieder ansetzen könnte. Und es mindestens um eins steigern könnte.

Apropos nächste Saison: willkommen im Gruselkabinett des Profi-Fußballs. So liest sich zumindest für mich die Besetzung der neuen eingleisigen 3. Liga, die ab dem 26.07.08 mit 20 Vereinen an den Start gehen wird. Voilà:
Fortuna Düsseldorf
Kickers Offenbach
Erzgebirge Aue
SC Paderborn
Carl Zeiss Jena
Union Berlin
Werder Bremen II
Wuppertaler SV
RW Erfurt
Dynamo Dresden
Kickers Emden
Eintracht Braunschweig
SV Sandhausen
VfR Aalen
VfB Stuttgart II
Jahn Regensburg
SpVgg Unterhaching
Wacker Burghausen
Stuttgarter Kickers
Bayern München II
Außer dem WSV und Paderborn kein Club mehr aus NRW dabei, auch meine geliebten Nordtouren nach Kiel, Lübeck und Hamburg sind passé, aber ausgerechnet der Drecksnebenplatz 11 in Bremen, den ich nie wieder sehen wollte, ist dabei, dazu noch Emden, ansonsten nur Ost- und Süddeutschland – das ist für mich in etwa so interessant wie die Westdeutsche Meisterschaft im Hallenhalma. Zumal diese ganzen für uns eher unattraktiven Süd-Klubs blöderweise auch noch Fußball spielen können, ich befürchte, da werden sich einige Leute noch umschauen, was sogenannte „Dorfvereine“ wie Sandhausen, Aalen oder Burghausen betrifft. Außer Emden, Offenbach und den StuKis, vielleicht noch Sandhausen (weil bei meinem Studienort Mannheim gelegen), ist wenig dabei, was mich wirklich reizt – und kaum etwas unter 400 km, einfache Fahrt, versteht sich. Aber wir sind ja hier nicht bei „Wünsch dir was“. Wir haben uns für diese Liga qualifiziert, und es hat viel Schweiß gekostet, bei den Spielern genauso wie bei den Fans. Also werden wir auch diese Liga annehmen. Und wer weiß, vielleicht mutiere ja ausgerechnet ich Norddeutschland-Liebhaber nach dieser Saison zum Fan der Schwäbischen Alb? Ich kann’s mir zwar nicht vorstellen, aber ich will’s versuchen. Wer fährt, kann’s doof finden. Aber wer nicht fährt, wird auch niemals wissen, was er verpasst. Also her mit dem Routenplaner!

Bleibt abzuwarten, mit welchem Etat der Verein ins Rennen gehen kann, wie man die Mannschaft aufstellen kann. Eine qualitative Verschlechterung zu dieser Saison darf es nicht geben, ansonsten denke ich, wird man sich schwer umschauen. Da die finanzielle Situation des Vereins natürlich wieder mal ungeklärt ist (außer dass Herr Kölmel mal wieder in die Röhre schaut, weil wir den Aufstieg und somit den Beginn der Rückzahlung seines sportwelt-Darlehens erneut routiniert verpasst haben), werden es spannende sieben Wochen, bis die Saison losgeht. Immerhin konnten kurz vor bzw. am Wochenende die Verträge mit den Abwehrrecken Jens Langeneke, Robert Palikuca und wohl auch Hamza Cakir bereits verlängert werden, ein positives Signal. Die wichtigste Personalie aber ist noch ungeklärt: Andreas „Lumpi“ Lambertz, das Eigengewächs, der Publikumsliebling und Langzeit-Ersatzkapitän, der in seinem Vertrag einen Passus stehen hat, der ihm im Falle des Nichtaufstiegs einen Wechsel für eine festgeschriebene Ablösesumme von 400.000 Euro ermöglicht. Zumindest der VfL Osnabrück hat schon angefragt, es soll auch andere Interessenten geben. Niemand wäre ihm ernstlich böse, wenn er diese Chance nutzen würde, er hat sich in den letzten fünf Jahren, seit er aus der A-Jugend direkt in die Erste Mannschaft kam, stets den Hintern aufgerissen für den Verein. Aber wenn man den halten könnte – das wäre ein Signal, dass man auch die neue 3. Liga offensiv angehen will. Und vielleicht wird es ja endlich mal etwas mit dem Aufstieg.

Das war es von der Saison 07/08. Im Großen und Ganzen hat sie mir viel Spaß gemacht, auch weil die Fan-Szene sich nach den unwürdigen Ereignissen vom Spiel in Essen doch einigermaßen zusammengerissen und -gerauft hat. Von einigen Ausnahmen abgesehen, machte das Verhalten und der Support in der Rückrunde durchaus Lust auf mehr. Genau wie die letzten Spiele der Mannschaft. Wollen wir also hoffen, dass diese Saison einen Impuls geben kann für eine neue, noch erfolgreichere Spielzeit – auch wenn es diesmal wieder so ausging wie üblich, mit leeren Händen nämlich. Diesem traurigen Umstand ist auch das Zitat am Ende des Textes gewidmet. Aber die vielen positiven Eindrücke der Saison lassen doch hoffen, dass dies ja nicht zwangsläufig so bleiben muss, denn: eine neue Liga ist wie ein neues Leben!

3. Liga, wir kommen! Und ich geh jetzt in die Sommerpause. Ihr wart wie immer ein wundervolles Publikum. Danke! sagt: janus



„But in the End
It all stays the Same
No Changes made
No Lessons learned”
L’âme immortelle