Spieltag 1-6, von Janus, 02.09.2006

Lang, lang ist’s her: vor über drei Monaten hatte ich zuletzt etwas über die Fortuna geschrieben. Dann kam die WM, und während man sich schon auf die neue Saison vorbereitete, machten mir einige persönliche Verwirrungen einen Strich durch die Rechnung, schon eher von der besten Mannschaft der Welt zu berichten. Nunmehr aber, nach durchgeführtem privaten Umzug, erfolgreichen, wenn auch ziemlich unglaublichen Scharmützeln mit der Telekom, mich wieder ans Netz anzuschließen sowie dem ersten wochenübergreifenden Urlaub in diesem Jahr vor der Brust, kann es endlich mit Volldampf an die erste Berichterstattung gehen. Es gibt viel zu tun – packen wir’s an!

Sommerpausen-Possen

Die Sommerpause war eigentlich erstaunlich ruhig bei Fortuna. Mit der abgelaufenen Rückrunde, die am Ende in Platz 5 gipfelte, konnte man zufrieden sein. Kein einziger Leistungsträger verließ den Verein. Die Transferpolitik beschränkte sich daher auf ein Mindestmaß. Die Neuzugänge Palikuca (St. Pauli), Costa (VfL Bochum II) und Langeneke (LR Ahlen) standen schon bald nach Saisonschluss fest, ebenso die Verpflichtung von drei (!) neuen Torleuten, von denen zwei allerdings für die Zweite Mannschaft in der Verbandsliga bestimmt sind, und nur Kenneth Kronholm (Wormatia Worms) den Sprung auf die Reservebank der Ersten schaffte. Also musste jemand anders in die Bresche springen, um es am Flinger Broich wenigstens ansatzweise rund gehen zu lassen. Dieser andere war der lustige Herr Kaenzig, Manager einer Lachnummer namens Hannover 96. Es ging natürlich um Denis Wolf. Unser Flügelflitzer war ja lediglich für die letzte Saison ausgeliehen. Aus Hannover hatte man allerdings schon seit einem Jahr vernommen, man wolle ihn nicht zurückhaben, da er dort keine Perspektive habe und nur im dortigen Oberliga-Kader zum Einsatz käme. Wolf selbst erklärte, in Düsseldorf bleiben und einen Vertrag über ein Jahr unterschreiben zu wollen. Das ist allein deshalb bemerkenswert, weil es eine Reduzierung seiner Bezüge bedeutete, in Hannover hätte er einiges mehr bekommen – auch in der Oberliga! Also, Hannover wollte den Spieler nicht mehr, Fortuna wollte ihn, der Spieler wollte auch – alles klar. Frohgemut meldete man die Kunde der Presse und nahm mal kurz Tuchfühlung mit den Niedersachsen auf, um die Auflösung von Wolfs Vertrag dort zu initiieren.
Mit reichlich belämmertem Gesicht kehrte man zurück. 96 war nämlich jetzt – nach einem Jahr! – plötzlich auf die Idee gekommen, eine Ablöse zu fordern! Und zwar eine ordentliche. Jaja, den Spieler will man nicht mehr, hat ihn auch schon längst nicht mehr im Budget, aber wenn der dann wechseln will, holt man noch so viel Kohle wie möglich für ihn raus. Und wenn das nicht klappt, lässt man ihn eben in der Oberliga versauern. Und das, nachdem man ein Jahr lang verkündet hatte, keinen Wert mehr auf seine Mitarbeit zu legen. Ein völlig normaler Vorgang im heutigen Geschäft „Fußball“, den ich zwar erbärmlich finde, aber ich hab ja mit dem Geschäft auch nichts zu tun, nur mit der Sportart.
Das war aber fast gar nix gegen das, was man anderntags in der Zeitung lesen konnte. Da erklärte der gefühlte Bundesliga-Top-Manager Ilja Kaenzig mal, was er von Fortuna so hielt. Milde ausgedrückt: es war nicht viel. Er echauffierte sich unglaublich über die Verhandlungen, schreckte auch vor der ein oder anderen Beleidigung bezüglich der von Fortuna gebotenen Ablösesumme nicht zurück und verkündete, sein Verein werde nie mehr Geschäfte mit Fortuna machen. Diese Amateure hatten wirklich geglaubt, wenn man einen Spieler nicht mehr will, gibt man den einfach so sehr! Diese Komiker vom Rhein!
Ganz besonders prickelnd wurden die Schmähungen des Managerleins, als Fortuna-Geschäftsführer Jäger einen Tag später erklärte, Kaenzig sei bei den Verhandlungen gar nicht dabei gewesen. Diese wurden mit dessen Adlatus, Ex-Profi Carsten Linke, geführt, dem Jäger ausdrücklich ein vorbildliches Verhalten und eine angenehme Gesprächsführung bescheinigte. Somit war es also erst recht eine Frechheit, dass Kaenzig plötzlich wetterte wie ein Pariser Marktweib. Ah, Bundesliga! Schön, wenn man mal sehen kann, wie professionell dort hinter den Kulissen gearbeitet wird...
Das Ende vom Lied: Denis Wolf bleibt in der Tat für ein weiteres Jahr in Düsseldorf. Nachdem 96-Managerchen Kaenzig lauthals seinen Geschäftsboykott über Fortuna verhängt hatte, reichte ein einziger Anruf auf der 96-Geschäftsstelle wahrscheinlich, als Kaenzig grad mal auf dem Klo war, um den Deal klarzumachen. Wolf kostete 30.000 € Ablöse, nein, da fehlt keine Null, Herr Kaenzig. Ich freute mich, dass er bleibt und hoffe, dass er in dieser Saison an seine guten Leistungen aus der letzten Rückrunde anknüpfen kann.
Ilja Kaenzig - ein schönes Beispiel dafür, was so passieren kann, wenn sich Deutschlands „Top-Manager“ in der Sommerpause unterrepräsentiert fühlen...
Dafür verkündete Fortuna-Kapitän Dirk Böcker nahezu zeitgleich, dass er ab sofort nur noch in der 2. Mannschaft antreten wollte. Grund war sein Wunsch, sein Studium der BWL in Münster möglichst zügig abzuschließen, er ist wohl auch schon im 17. Semester oder so, und das wird heutzutage ja langsam teuer. Der Verein entsprach diesem Wunsch, und Böcker ist seitdem nur noch Verbandsligist. Schade drum, aber man muss es respektieren. Immerhin hätte er ja auch ganz aufhören können.
Dann pfiffen es die Spatzen von den Dächern, dass Markus Anfang vom MSV Duisburg einen Vertrag bei Fortuna unterschreiben sollte. Wieder so ein „verlorener Sohn“ wie Ali Albertz, 1995-97 schon bei Fortuna in der 1. und 2. Liga gespielt, in Tirol dreimal Meister geworden, bei Schalke, Kaiserslautern, Cottbus und Duisburg gespielt. Dort zuletzt nicht mehr berücksichtigt, fand er es zu langweilig, sich mit 32 Jahren dauerhaft auf der Tribüne einzurichten. Der MSV Duisburg hatte offensichtlich einen intelligenteren Manager als Hannover 96 und legte Anfang keine Steine in den Weg. Der Wechsel kam zustande, Anfang hatte allerdings erst noch eine Menge Trainingsrückstand aufzuarbeiten.
Kurz vor Saisonbeginn wurde dann wenigstens noch ein Stürmer verpflichtet, vom HSV II kam der Nigerianer Yusuf „Jupp“ Adewunmi, der in den letzten Jahren Stammspieler in der Regionalliga-Truppe des HSV gewesen war, allerdings den Sprung in die Profi-Mannschaft nie geschafft hatte und in diesem Jahr aus der U 23-Regelung der Zweitvertretungen herausgefallen wäre. Beim HSV wollte man die erlaubten vier Plätze „Ü 23“ wohl anderweitig vergeben und hatte deshalb gegen einen Transfer nichts einzuwenden.
Tja, und wenn dann „spochtlich“, d.h. bei der Zusammensetzung des Kaders und auch durchaus bei den Testspielen (u.a 2:2 gegen Koblenz, 1:1 gegen Roda Kerkrade, 1:1 gegen die kubanische Nationalmannschaft), alles recht zufriedenstellend verläuft, muss es halt hinter den Kulissen krachen. Dem größten Oberbürgermeister aller Zeiten und Weltrekordhalter im Besitz von Aufsichtsratsmandaten fiel mal wieder etwas ein. Er hätte nach dem von ihm zu verantwortenden Berthold-Desaster nun gern wieder einen sportlichen Direktor bei Fortuna. Der Moment, diesen Einfall kundzutun, war dann auch gut gewählt: auf der Rheinwiesen-Kirmes im Zelt, bei einer Talkrunde eines ortsansässigen Boulevard-Blatts hatte Joachim Erwin wieder mal seinen großen Auftritt, der dem von Ilja Kaenzig in nichts nachstand. Professioneller müsse alles werden, ließ er hören. Insbesondere Geschäftsführer Paul Jäger bekam sein Fett weg, hatte der es doch gewagt, zu dieser Zeit in Urlaub zu fahren, ein entscheidender Zeitpunkt, so kurz vor Saisonbeginn. Dies schien dem OB nun wirklich unerträglich, wahrscheinlich, weil sich Jäger nicht bei ihm abgemeldet hatte. Das konnte man ja mal durchaus professionell in einem Kirmeszelt klären. Aber zurück zum Sportlichen Direktor: dass so etwas eine Woche vor Saisonbeginn eigentlich ein ziemlicher Lacher ist, und dass so ein Mensch ja auch noch bezahlt werden sollte, sind nur zwei Aspekte. Allerdings ist der OB ja gewohnt, seine Meinung durchzusetzen, und so wurde bereits ein Name ins Spiel gebracht, bei dem mir das Lachen dann verging: Christian Hochstätter wurde ins Gespräch gebracht, allen voran vom Erwin-Spezi im Vorstand, Hermann Tecklenburg. Dabei hat der noch einen Vertrag in Gladbach bis 2007, dürfte also etwas teurer sein, außerdem würde er es in Düsseldorf auch äußerst ungemütlich finden, denn im Gegensatz zu Mönchengladbach, wo er das Geld mit vollen Händen für irgendwelche Spieler aus dem Fenster werfen konnte, die dann nach einigen Monaten wieder flugs verscherbelt wurden, weil sie es nicht brachten, gibt es bei Fortuna leider kein Geld zum Verbrennen, das haben seine Vorgänger schon äußerst gründlich besorgt. Außerdem, wenn der kommt, ist auch über kurz oder lang sein Spezi Holgi „Ich bin doch immer Fortuna-Fan geblieben“ Fach wieder da, und das wäre wirklich der Super-GAU. Nach meiner selbst durchgeführten Meinungsanalyse von jenem Wochenende (Fortuna-Forum und Presseschau) kenne ich eigentlich absolut niemanden, der Hochstätter haben will. Aber genau das könnte Onkel Erwin natürlich reizen, ihn durchzudrücken.
Da lief es sportlich einigermaßen rund, Fortuna war auch in der Stadt vor Saisonbeginn so angesagt wie schon lange nicht mehr, was man bei einigen PR-Terminen beobachten konnte, man hätte fast von einer positiven Aufbruchsstimmung in die Saison reden können - dann kam der Strahlemann mit seinen Lakaien und mühte sich nach Kräften, alles wieder durch sinnlose öffentliche Diskussionen kaputt zu machen. Man kann schon nicht mal mehr mit dem Kopf schütteln...
Wenn es wirklich unbedingt jetzt noch ein Sportdirektor sein soll, böte sich übrigens Ex-Fortune Michael Zeyer an. Im Gegensatz zu Hochstätter hat der BWL studiert, auch schon die entsprechenden Praktika absolviert (u.a. bei Spartak Moskau), wohnt immer noch in Düsseldorf, hat schon seit langem Interesse an einer weiterführenden Tätigkeit im Verein bekundet und wäre als Berufsanfänger wohl auch für kleines Geld zu haben. Aber der wird wohl zu unwichtig sein.
Soviel also zu einer „ruhigen“ Sommerpause bei Fortuna

*sing* Und schon wieder keine Punkte, Fortuna...Part I

Am 05.08.2006 schraubte Fortuna weiter an dem ihr eigenen Mythos und gewann auch zum 13. Mal in Folge (!) nicht das Auftaktspiel. Und da der Gegner RW Ahlen es in der 2. Halbzeit dann frecherweise mit Fußball versuchten, gewannen die sogar noch 3:0. Gemein!
Bei Fortuna fehlten Markus Anfang mit Trainingsrückstand, Adewunmi, der sich im Testspiel gegen Kuba eine Oberschenkelverletzung zugezogen hatte, sowie Robert Palikuca, der mal sofort am Meniskus operiert werden musste, bis zum heutigen Tag kein Spiel für Fortuna bestreiten konnte und sich somit in die lange Ahnengalerie von Fortuna-Spielern einreihte, die direkt nach der Verpflichtung erst einmal für einen längeren Zeitraum ausfielen. Schon erstaunlich, wie wir so etwas immer hinbekommen.
Die Parallelen besonders zum letztjährigen Start gegen Osnabrück waren derart frappierend, dass man sich wirklich fragte, warum das Spiel überhaupt angepfiffen wurde. In der ersten halben Stunde war Fortuna klar überlegen, Zweitliga-Absteiger Ahlen, seit 01.07.2006 in „Rot-Weiß“ umbenannt (was bei einer Fusionstruppe namens „LR“, die einst aus den zwei Vereinen „TuS“ und „Blau-Weiß“ entstanden war, eigentlich nur bedingt logisch ist, aber wer weiß schon, wie diese Münsterländer ticken?), RW Ahlen also, fand überhaupt nicht statt. Als Costa per Kopf nur die Latte traf, schwante einigen schon Böses, kurz darauf Albertz per Fuß nur an den Pfosten, da war den Berufspessimisten schon alles klar. Obwohl Ahlen es spannend machte, und ihre einzige klare Tormöglichkeit in der 1. Halbzeit, eine sogenannte "Millionenprozentige", dergestalt vergaben, dass Torjäger Toborg das Kunststück fertig brachte, die Kugel nach feiner Vorarbeit von Laumann aus 10 Metern am leeren (!) Tor vorbei zu schieben. Dafür hätte ihm eigentlich sofort das Goldene Fortuna-Trikot verliehen werden sollen.
Auch in der 2. Halbzeit ging es nahezu exakt so weiter wie letztes Jahr (damals 0:1 54. Minute, 0:2 62. Minute), nur noch ein bisschen schneller, der erste Ahlener Torschuss war auch gleich drin (Kaminski,51.), der zweite auch (Laumann, 55.), damit war das Spiel durch, zumal Fortuna keinerlei Aufbäumen zeigte und richtig schlecht spielte. Im letzten Jahr gegen Osnabrück gelang ja wenigstens noch das Ehrentor. Da man diesmal aber nach vorne in der 2. Halbzeit überhaupt nichts zustande brachte, wollte man sich wenigstens noch einen Scorerpunkt sichern, mit einer sehenswerten Vorarbeit: Pino Canale, hinten links an der Außenlinie gegen drei Gegenspieler von seinen Mitspielern völlig im Stich gelassen, versuchte einen raffinierten Rückpass mit dem Außenrist auf Torwart Deuß, übersah aber leider, dass der ihm schon entgegen gekommen war und spielte den Ball raffiniert an ihm vorbei auf Ahlens Stürmer Laumann, der lässig ins leere Tor vollendete...Saisonauftakt bei Fortuna – wie üblich nur noch zum Kopfschütteln...
Wie alle Jahre wieder versemmelte Fortuna den Auftakt, spielt erst gut, aber unglücklich, dann schlecht, zum Schluss blamabel, und deshalb ging die Niederlage auch in Ordnung, weil in der zweiten Halbzeit nach dem Rückstand nicht der Ansatz eines Aufbäumens zu erkennen war. Obligatorische Auftaktpleite vor 12.087 Zuschauern (letztes Jahr gegen Osnabrück waren 12.100 und ein paar Kleine, wie gesagt, es war alles dasselbe). Und wieder mal verspielte eine Fortuna-Mannschaft die Chance, die in der Sommerpause geweckte vorsichtige Euphorie im Umfeld zu steigern und die Menschen vielleicht wieder neugierig auf den Verein zu machen. Man könnte fast schon Absicht vermuten. Aber es ist halt nur Fortuna, und deswegen warten wir weiter auf den ersten Auftaktsieg seit 1994. Auch bei uns wird er kommen – irgendwann einmal...
Übrigens: Ahlens Doppeltorschütze Laumann, auch ansonsten bester Mann auf dem Platz, ist nicht etwa, wie es ja öfters vorkommt, ein Ex-Fortune. Nein, der war nur einigen Wochen zuvor bei Fortuna im Probetraining, wurde aber von Trainer Weidemann abgelehnt, weil er „noch nicht so weit“ sei. Er wechselte dann vom FC Schalke II nach Ahlen.
Da bin ich aber froh, dass der noch nicht so weit ist. Wer weiß, was der sonst noch so angestellt hätte...

*sing* Und schon wieder keine Punkte, Fortuna...Part II

Das nächstes Spiel stand bereits drei Tage später an, beim VfL Osnabrück. Nicht nur, dass es dort traditionell ziemlich wenig zu holen gibt, der DFB hatte auch Sinn für Humor und besorgte für diese Partie den besten Schiri, den man für Geld und gute Worte bekommen kann: Manuel Gräfe, Fortuna-all-time-darling aufgrund einer unfassbaren (und meiner Meinung bis heute nach: absichtlichen) Fehlleistung am Ostersamstag 2005 im Spiel...Fortuna gegen VfL Osnabrück. Da muss beim DFB wirklich ein Nostalgiker sitzen, der über die Schiedsrichter-Ansetzungen entscheidet. Der wollte mal ein bisschen unterhalten werden, anders ist das wirklich nicht zu erklären. Wenn man so etwas mit den großen Bayern macht, läuft Uli Hoeneß einmal rot an, und beim DFB kuschen sie sofort. Aber bei uns Amateuren...ja, manchmal ist es nicht leicht.
Fortuna verlor 0:1, hatte somit 0 Punkte und 0 Tore aufzuweisen, sowie den souveränen letzten Tabellenplatz, genau wie letztes Jahr, genau wie 2002 - warum wir im August überhaupt noch in der Regionalliga antreten, weiß schon längst niemand mehr. Die Niederlage vor 12.500 Zuschauern war überflüssig wie ein Kropf, zumal Osnabrück bei weitem nicht so stark war wie erwartet. Die hatten ihr allererstes Saisonspiel, weil sie am 1. Spieltag spielfrei gewesen waren, und da hakte wohl noch einiges bei ihnen. Bei Fortuna fehlte unter anderem Markus Anfang, weil er noch Trainingsrückstand aufwies. Die erste Halbzeit ging noch ganz klar an die Hausherren, Fortuna war richtig schwach. Viele Chancen spielte Osnabrück allerdings auch nicht heraus, und so war es ein Standard, der in der 31. Minute das Goldene Tor brachte: Foul von Langeneke kurz vor dem Strafraum, Osnabrücks Neuzugang Aziz (vom FC Schalke II – die scheinen Fortuna in dieser Saison nicht sonderlich zu mögen...) schaufelte die Kugel im Zeitlupentempo über die Mauer ins Eck, Torwart Deuß guckte mal interessiert hinterher, reagierte aber ansonsten kein Stück. Wenn der Nulle letzte Saison so einen gekriegt hätte...nicht auszudenken...
In der 2. Halbzeit war Fortuna ganz klar am Drücker, von den Hausherren kam so gut wie gar nix mehr, aber wenn man solche Chancen vergibt (Lambertz allein vor Gößling - abgewehrt, Podszus allein vor Gößling - daneben, Kruse völlig frei beim Kopfball - daneben, Cebe völlig frei aus 12 Metern - drüber) und noch ein bisschen Pech hat (Heber von Wolf über Gößling - von Ndjeng auf der Linie geklärt), dann verliert man halt und steht zurecht am Tabellenende. Gegen Ahlen war die erste Halbzeit okay, gegen Osnabrück die zweite. Wenn man es jetzt irgendwie schaffen könnte, so etwas in ein einziges Spiel zu legen und nebenbei auch mal ins Tor zu treffen, könnte das glatt was werden. Zeit zum Üben hatten sie anch dem Spiel genug, Fortuna hatte am 3. Spieltag spielfrei und trat erst am 19.08.2006 zuhause gegen RW Erfurt wieder. Die Chancen standen aber gut, dass sie bis dahin wieder alles vergessen haben würden.
Noch ein Wort zu meinem Lieblingsschiri Herrn Gräfe: der und Fortuna werden wirklich nie mehr Freunde, auch bei diesem Spiel gab es wieder die ein oder andere Merkwürdigkeit, allerdings sollte man die Niederlage nicht an ihm festmachen. Aber: das Foul von Langeneke, das zum Freistoß und damit zum Tor führte, war ein leichter Rempler. Den kann man geben, muss man aber nicht. Wenn man den allerdings gibt, dann musste man in der 80. Minute auch zwingend Elfmeter für Fortuna pfeifen, als Cebe im Strafraum von gleich zwei Osnabrückern weggerempelt wurde. Besonders, wenn man sich erinnert, wofür dieser Vogel Ostersamstag 2005 in der 95. Minute Elfer für Osnabrück gepfiffen hat... Aber was solls, den Elfmeter hätten sie an jenem Abend wahrscheinlich auch noch verschossen.

Noch mehr Parallelen

Am 19.08.2006 gab es den erster Saisonsieg für Fortuna mit einem 3:2 gegen Erfurt. Ganz Fußball-Düsseldorf konnte sich allerdings beim Schiri dafür bedanken, dass er alle kniffligen Situation gegen Erfurt auslegte, ansonsten hätte es wohl ordentlich auf die Mütze gegeben. Björn Brunnemann, den Fortuna noch immer Sommer haben wollte, und den ich damals schon persönlich mit der Schubkarre aus Erfurt nach Düsseldorf gekarrt hätte, wenn er sein Ja-Wort gegeben hätte, netzte bereits nach zwei Minuten aus 12 Metern ein, nach sensationellem 60-Meter-Pass von Görke und dem ebenso sensationellen Versuch der Fortuna-Abwehr, ein lustiges Abseits zu spielen, was grandios daneben ging. Nach 17 Minuten mähte Torwart Deuß den quirligen Erfurter Stürmer Kumbela kurz vor dem Strafraum um und hatte Glück, dass er nur Gelb sah. Die Entscheidung ist vertretbar, denn Kumbela war zwar vorbei, zog aber nach außen, also nicht direkt zum Tor, außerdem war in der Mitte noch Lambertz mitgelaufen, Deuß somit nicht letzter Mann. Trotzdem hätten die meisten Schiris wohl Rot gegeben.
Zur Leistung der Fortuna in der 1. Halbzeit sag ich nur: Gott, war das schlecht. Das war so schlecht, dass ich direkt mit der zweiten weitermache. Und hier liegt auch meines Erachtens der Knackpunkt. Denn Erfurt legte nach der frühen Führung gegen desolate Fortunen nicht nach. Wieder einmal. Dreimal haben wir in den letzten 12 Monaten gegen die gespielt, dreimal führten sie in der ersten Halbzeit 1:0, dreimal brachten sie es nicht über die Runden. Selbst Schuld.
Zu Beginn der 2. Halbzeit die nächste strittige Situation, Feinbier und Holst im Zweikampf in der linken Erfurter Strafraumecke, der Schiri gab Elfmeter. Ich stand auf gleicher Höhe am Spielfeldrand mit bester Sicht und sag mal: prima abgehoben von Feinbier. Aber auch dumm reingegrätscht von Holst, er traf Feinbier auch, als der schon im Flug war, für den Schiri, der die Szenerie von hinten sah, musste es nach Foul aussehen, zumal Feinbier zuvor noch den Ball spielte. Jens Langeneke machte den Elfmeter rein – 1:1 in der 49. Minute, das erste Fortuna-Tor der Saison 2006/07! Jetzt bekam der Schiri reichlich Arbeit, binnen kurzer Zeit fiel erst Erfurts Kapitän Hebestreit im Strafraum, aber Barth hatte eindeutig den Ball gespielt, dann wurde Lambertz im Erfurter Strafraum umgestoßen, das war eher ein Elfer als der an Feinbier, aber der Schiri wollte auch hier nicht mehr. Nachdem beide Teams dies gemerkt hatten, besannen sie sich endlich aufs Fußballspielen, und es wurde ein offener Schlagabtausch. Bei Erfurt war besonders Kumbela nie auszuschalten, und Brunnemann spielte Jojo mit der Fortuna-Abwehr, traf einmal das Lattenkreuz, zielte ein anderes Mal Zentimeter am Tor vorbei, beim dritten Mal klärte ein Fortune per Kopf seinen Schuss von der Strafraumgrenze, der Deuß schon passiert hatte, zusätzlich bereitete er immer wieder über rechts vor – unseren Erstliga-Fans sei hier die Gelegenheit zu fassungslosem Gelächter gegeben: die Verpflichtung dieses Brunnemann scheiterte an 100.000 €, die Fortuna im Sommer nicht hatte.
Schlussendlich war es Fortuna, die das Spiel für sich entscheid, weil die Mannschaft ihre Chancen im Gegensatz zu Erfurt nutzte und zwei prima herausgespielte Tore machte. Zunächst das 2:1 in der 74. Minute mit überragender Vorarbeit von Feinbier, der am Torwart vorbeizog, dann die Übersicht behielt und von der Torauslinie in die Mitte flankte, wo der zweitschlechteste Mann auf dem Platz, Stehgeiger Marcel Podszus, zur Führung einnickte. In der 84. Minute das 3:1 durch Ahmet Cebe, nachdem Claus Costa allein aufs Erfurter Tor zulief und am 5-m-Raum noch mal quer spielte. Wenn das nix gegeben hätte, wären wohl beide gelyncht worden, so sah es aber natürlich toll aus.
In der 89. Minute noch die Lachnummer des Tages, als der schlechteste Mann auf de Platz, Fortuna-Torwart Deuß, sich ein Schüsschen von Holst eher versehentlich ins eigene Netz faustete. Der sollte so langsam mal auf die Suche seiner Form der letzten Rückrunde gehen, derzeit schießt er mehr Böcke als er gute Aktionen hat.
Insgesamt ein glücklicher Sieg der Fortuna, die wohl auseinander gefallen wäre, wenn Erfurt in der ersten Halbzeit das 2:0 nachgelegt hätte. So aber fing man sich und bot wenigstens in der zweiten Halbzeit einen offenen Schlagabtausch. Nachdem man in Osnabrück für die gute zweite Halbzeit nicht belohnt wurde, reichte es diesmal zum ersten Dreier.
Aber einen Tipp hatte ich noch an die Mannschaft: wenn sie in der Woche darauf beim Aufstiegsfavoriten Dresden gedachte, eine ähnliche erste Halbzeit hinzulegen, wäre ich an ihrer Stelle gar nicht erst hingefahren. Dann wäre das Spiel nur 0:3 gewertet worden, und vielleicht wird das Torverhältnis ja noch mal wichtig...
Ach ja, die Parallelen: zuletzt spielte Erfurt im März diesen Jahres in Düsseldorf. Das Ergebnis: 3:2 für Fortuna. Für Erfurt traf Brunnemann, für Fortuna unter anderem Podszus. Einen umstrittenen Elfer für Fortuna gab es auch, damals allerdings in der 95. Minute zum Siegtreffer. Ich wage aber mal, zu behaupten, dass der jetzige wichtiger war, weil er die Mannschaft überhaupt erst ins Spiel brachte. Abhaken, drei Punkte einstecken, nach vorne schauen.

Ein ganz normaler Tag in Dresden

Fortuna erkämpfte sich am 26.08.2006 vor 15.000 Zuschauern ein 0:0 beim Aufstiegsfavoriten Dynamo Dresden. Es war nicht unverdient, da man in der Abwehr größtenteils gut stand und nach vorne nicht ungefährlich war, allerdings auch ein wenig glücklich, da in der Dresdner Sturmphase Mitte der 2. Halbzeit deren Stürmer Vorbeck und Ludwig binnen weniger Minuten nur Pfosten und Latte trafen. Auch hätte man sich in der ersten Halbzeit über einen Elfmeterpfiff nicht beschweren können, als Langeneke im Strafraum mit dem langen Bein gegen Ludwig stocherte und dabei den Ball nicht traf, Ludwig allerdings fädelte so offenkundig ein und drehte ein solch schöne Pirouette, dass der Schiri sofort abwinkte. So etwas sollte dann doch eher spontan erfolgen und nicht im Training geübt werden, so mein Eindruck...Außerdem forderten die Dresdner noch einen zweiten Strafstoß, als Barth am Boden liegend an die Hand geschossen wurde, aber das wäre wirklich lächerlich gewesen.
Dynamo fiel in der ersten Halbzeit nicht viel ein, um Fortuna unter Druck zu setzen. Selbst als die Dresdner im Verbund mit dem Schiri dafür sorgten, dass sie einige Minuten 11 gegen 9 spielen konnten. Zunächst wurde Podszus weggecheckt und musste mit Kopfplatzwunde am Spielfeldrand behandelt werden. Als er aufs Feld zurückkam, wurde er von Langeneke abgelöst, der ebenfalls nach ungeahndetem Ellbogencheck ebenfalls wegen Kopfplatzwunde behandelt werden musste. Anschließend gefiel dem Schiri die Verarztung von Podszus' Verletzung nicht, und er schickte ihn wieder vom Feld, sodass Dynamo kurzfristig zwei Mann mehr auf dem Platz hatte. Aber auch das konnten sie nicht nutzen. Beide Spieler wurden übrigens in der Kabine vom Dresdner Mannschaftsarzt genäht.
In der zweiten Halbzeit war Dynamo klar tonangebend, aber außer den erwähnten Aluminium-Treffern gab es nicht viele Chancen. Was aufs Tor kam, konnte von Deuß gefischt werden, der einen seiner besseren Tage hatte. Bei Kontern blieb Fortuna stets gefährlich, sodass das Unentschieden alles in allem in Ordnung geht.
Traurig nur, dass Abwehrspieler Oliver Barth ausgewechselt werden musste, nachdem Koziak im Fortuna-Strafraum den Schlappen draufgehalten hatte (hierfür gab es wenigstens Gelb). Die Verletzung stellte sich als Außenbandriss im rechten Knie heraus, sechs bis acht Wochen Pause, bei Fortuna also eher zehn. Schade um den eminent wichtigen Abwehrspieler, der in der Vorsaison exzellente Leistungen gebracht hatte. Hoffentlich kommt er schnell wieder.
In Dresden übrigens wieder nicht am Start: Markus Anfang. Ich begann schon zu glauben, den habe man nur geholt, um ihn von der Steuer abzusetzen...
Zum Dresdner Publikum fällt mir nur ein: über „Ihr habt bezahlt, ihr kriegt aufs Maul“ kann ich ja noch schmunzeln. Wer seine Gäste allerdings anschließend mit „Dönerverkäufer - ihr seid nur Dönerverkäufer“ würdigt und schlussendlich noch ein gut vernehmbares „Fortuna - Juden, Juden, Juden“ aus den K- und L-Blöcken erklingen lässt, wer farbige Ersatzspieler, die sich vor dem Block warmlaufen müssen (Adewunmi) bespuckt und beleidigt, wer gegnerische Spieler bei der Ausführung von Eckstößen mit Gegenständen bewirft, was vom Verein Dynamo Dresden übrigens dergestalt zur Kenntnis genommen wird, dass dort bereits vor dem Spiel große Sonnenschirme bereit gelegt werden, mit denen die Ordner dann die Spieler bei der Ausübung ihres Berufes schützen, und wer dann von einer „Minderheit“ spricht oder sich wundert, dass man so oft in der Öffentlichkeit auftaucht, der hat wirklich nicht mehr alle Latten am Zaun. Von einigen Jagdszenen vor dem Stadion, als der Mob an der Ecke Schwimmhalle auf die abfahrenden Gäste wartete, mal ganz abgesehen. Gibt auch nette Fotos von Dresdner Securities, die vor Anlegen der Handschuhe den Schlagring nicht vergaßen. Außerdem wurden mindestens zwei Dresdner Ordner dabei gesehen, wie sie eine Fortuna-Zaunfahne zockten. Das ist solch ein armes Volk, dazu fällt einem nichts mehr ein. Schade um die schöne Stadt.
Aber es gibt Hoffnung: eins der Unschuldslämmer, die natürlich im Stadion waren, aber von alledem nichts bemerkt hatten, schrieb sich in einem arbeitgeberinternen Forum meinerseits mal so richtig den Frust von der Seele, weil er es mal wieder satt hatte, dass es immer die bösen Dresdner seien. Hierzu erkläre ich ihm gerne, dass wir auch bei Fortuna Leute dabei haben, denen Fußball allein zu langweilig ist, allerdings nicht in solcher Anzahl und schon gar nicht in solcher Häufigkeit. Die „Jude, Jude, Jude“-Rufe wurden allen Ernstes mit dem genauso abartigen „Juden“-Plakat erklärt, das lustige Spaßmacher von Energie Cottbus vor einigen Monaten gegen Dynamo enthüllt hatten. Was Düsseldorfer Juden mit dieser Aktion zu tun hatten, konnte nicht so richtig, sprich: gar nicht, erklärt werden, ebenso wenig die Osnabrück-Schals, die im Fan-Block vom Zaun hingen (Dynamo hatte eine Woche zuvor in Osnabrück gespielt), und die Transparente von Erzgebirge Aue, die man vor dem Spiel „irgendwie“ bekommen und an den Zaun gehängt hatte (einige Auer pflegen eine Fan-Freundschaft zu einigen Fortunen). Aber es sei trotzdem eine Sauerei, dass immer wieder Dynamo genannt werde... Summa summarum kam bei dieser Rechtfertigung nur eins klar zum Ausdruck: so etwas gehört in Dresden zu einem ganz normalen Fußballspiel. Ich wünsche gute Besserung und bin froh, dass man nur einmal im Jahr dort antreten muss. Abschließend schrieb er dann den Satz, der Hoffnung machen muss: „Es gibt auch Spieltage, an denen nichts passiert.“ Da gratulier ich recht herzlich. Dass er und seine Kollegen nicht kapieren wollen, dass dies die Regel, und nicht die Ausnahme sein sollte, ist das eigentlich Traurige an der ganzen Angelegenheit.

Magdeburger Jungs

Das letzte Spiel für diese Zusammenfassung fand am 02.09.2006 statt, wieder mal im Flinger Broich, weil in der Arena die Oper „Aida“ aufgeführt wurde. Gegner war Aufsteiger 1. FC Magdeburg, der eigentlich noch nicht viel gerissen hatte, aber ausgerechnet eine Woche vor seinem Gastspiel in Düsseldorf durch ein 2:0 über Osnabrück aufhorchen ließ. Von wegen „aufhorchen“, man hätte direkt wieder weghören können. Oder wie es Magdeburgs Trainer Dirk Heyne nach dem Spiel enttäuscht formulierte: „Ich kann mir nicht erklären, wie eine Mannschaft in einer Woche so nachlassen kann.“ Zum Glück meinte er seine eigene damit, sodass Fortuna verdient 3:1 gewann.
Zunächst einmal gab es Ungewohntes auf dem Rasen zu bestaunen: Markus Anfang spielte, und zwar (Achtung: Nummer 1 der wahrscheinlich unendlichen Anzahl von Kalauern mit seinem Namen) von Anfang an. Und ich sag mal: mein Gott, muss der trainiert haben in den letzten Wochen! Von Trainingsrückstand keine Spur, war er sofort Dreh- und Angelpunkt des Spiels, immer anspielbar, immer mit Ideen, wohin der Ball nun fliegen könnte, und vor allen Dingen mit einem guten Auge für den Nebenmann. Davon profitierte auch Ali Albertz neben ihm, der sich zu eine der besten Leistungen aufschwang, seitdem er wieder bei der Fortuna ist. Anfang zauberte, Albertz bekam die 6. Luft und rannte alles in Grund und Boden, beide spielten die volle Partie durch und mussten hinterher wahrscheinlich heimlich unters Sauerstoffzelt. Das machte richtig Spaß, und Anfang setzte noch eins drauf, indem er im Interview nach dem Spiel erklärte, er könne es sicherlich noch besser. Nur zu!
Dafür fehlte diesmal Marcus Feinbier wegen einer Grippe, erstmals seit der Partie gegen Köln II im Februar diesen Jahres musste Fortuna ohne ihre Kapitän auflaufen, Marcel Podszus übernahm die Binde.
Der Sieg der Fortuna war hochverdient, weil Magdeburg nur aufs Torverhindern aus war. In der ersten Halbzeit gelang ihnen dies noch recht gut, sie hatten mit ihrem einzigen Torschuss der ersten 45 Minuten sogar die dickste Chance, als Müller nach einem Missverständnis in der Fortuna-Abwehr nach 40 Minuten an Torwart Deuß vorbeizog, aber aus spitzem Winkel nur den Außenpfosten traf. Aber das wäre auch wirklich ein ganz großer Witz gewesen.
In der 50. Minute packte dann Albertz mal den Hammer aus, Freistoß aus gut 25 Metern, noch leicht abgefälscht, links unten ins Eck, 1:0. Vier Minuten später legte Cebe das 2:0 nach, ein herrliches Tor, mit drei Spielzügen von hinten heraus gespielt, fein vorbereitet von Kruse über links, mit ein bisschen Glück im Abschluss, denn Magdeburgs Bester, Torwart Beer, war an Cebes Schuss aus 12 Metern noch dran, aber die Kugel trudelte trotzdem über die Linie.
Da es nun schien, als würde man den Gegner demontieren können, was man dem erfolgsverwöhnten Düsseldorfer Publikum (haha) selbstverständlich nicht zumuten wollte, bockte die Fortuna-Abwehr vier Minuten später kurz, und der eingewechselte Magdeburger Stürmer von der Weth schaffte den Anschlusstreffer. Kurz darauf war auch der Ausgleich möglich, aber Torwart Deuß, ansonsten wieder mit beeindruckenden Fehlabschlägen im Repertoire, konnte einen Kopfball von Kukulies parieren. Das war dann genug der Spannung, fanden die Spieler, drehten noch einmal auf und konterten Magdeburg mustergültig aus. Allerdings musste man bis zur 95. Minute warten, ehe das erlösende 3:1 fiel. Sekunden zuvor hatte der eingewechselte Adewunmi noch das Kunststück fertig gebracht, die Kugel aus 3 Metern (!) über das Tor zu grätschen, da verloren die Magdeburger beim Spielaufbau den Ball, Anfang ging dazwischen, umkurvte Torwart Beer und flankte nach innen, anstatt selbst abzuschließen. Dort stand Marcel Podszus, der zuvor mit allen möglichen Schussversuchen rechts wie links Großchancen versemmelt hatte, und gebrauchte endlich mal seinen Kopf. 3:1 und gleichzeitiger Abpfiff des Schiris, verdientes Happy-End vor 6.500 Zuschauern. Aber was für einen Aufwand das Team betreiben musste, um diesen eher harmlosen Gegner in die Knie zu zwingen, stimmt schon bedenklich. Zumal die Abwehr nahezu beschäftigungslos war. Das muss besser werden.
Noch ein Wort zu den Gäste-Fans. An deren letztes Auftreten im Flinger Broich im Jahr 2002 erinnerte man sich nicht so gerne, damals waren so einige Verwirrte beider Fan-Lager nach dem Spiel aufeinander getroffen. Deshalb war diese Partie auch als Sicherheitsspiel eingestuft worden. Magdeburg kam mit 500 Mann, im Stadion blieb es absolut friedlich, und sie boten einen durchgehenden Support. Dafür gibt’s großen Respekt von mir, aber auch die Bitte, sich für das nächste Spiel ein neues Lied auszudenken. Dieses „Magdeburger Jungs“, so ca. 75 der 90 Minuten lang dargeboten, klingelt mir heute noch im Ohr. Ein wenig Kreativität wäre wünschenswert, zumindest für meine Ohren...
Und so steht Fortuna nach de 6. Spieltag mit 7 Punkten auf Platz 10. Nach dem erneuten Fehlstart fast schon eine gute Platzierung, zumal der Abstand nach oben noch nicht allzu groß ist. Und wie es da oben so aussieht, kann man nächsten Freitag (08.09.2006) gleich mal aus der Nähe begutachten, da geht es nämlich zum derzeitigen Tabellen-2. Wuppertaler SV. Mehr als ein Punkt war für Fortuna selten drin beim WSV, nebst der bekannt unhöflichen Art des Gastgebers, Selbigen zu spielen. Aber vielleicht wird in diesem Jahr ja doch alles anders? Schließlich haben wir nicht vier Spiele am Stück zu Saisonbeginn verloren, sondern nur zwei. Das lässt doch hoffen. Oder?

Ganz gespannt: janus