von Janus,2.4.2007

Spieltag 26-29

 

So, da sind wir wieder. Und können auch gleich wieder gehen. Die letzten zwei Wochen des März kann man getrost streichen. Aus Fortuna-Sicht, meine ich. Denn während es draußen langsam Frühling wird und die ersten zarten Knospen sprießen, bemühte sich die erste Mannschaft von Fortuna Düsseldorf in den letzten vier Spielen, ganz andere Blüten der Hoffnung vorzeitig wieder unter die Erde zu bringen. Und da die Jungs eigentlich alles können, wenn sie es sich nur richtig vornehmen, war ihr diesbezügliches Bemühen durchaus von „Erfolg“ gekrönt.

Leidvolle Erkenntnis: Wuppis verstehen was vom Fußball

Am 17.03.07 kam der Wuppertaler SV in die LTU-Arena. Geographischer Nachbar, tabellarischer Nachbar, insgesamt 19.000 Zuschauer – alles war also gerichtet für ein großes Fußballfest. Natürlich wurde es keins, wie fast immer, wenn von außen vor dem Spiel so ein Tamtam gemacht wird. Die erste Halbzeit kann man getrost mit dem Satz „Hab ich gesehen, ja und?“ abhaken. Wuppertal wollte nicht nach vorne spielen, Fortuna noch zu vorsichtig – hüben wie drüben je eine gute Chance, da war’s dann. Dies änderte sich zu Beginn der zweiten Halbzeit mit einer einfachen Umstellung beim WSV: Trainer Uwe Fuchs merkte wohl, dass hier was ging und ließ einfach mal ein bisschen Pressing spielen. Mir unverständlich, dass dies auf Fortuna-Seite nicht erkannt wurde. Sofort nach der Pause geriet die Abwehr ins Schwimmen, als die Gäste plötzlich früh angriffen und auch nachsetzten, zwei in der ersten Halbzeit eher unbekannte Tätigkeiten. Zwei-, dreimal ging das noch gut, dann schlug es in der 53. Minute ein, 0:1 durch Bölstler. Bemerkenswert an diesem Treffer war nicht sein 16-m-Flachschuss, der für Kronholm auch noch unerreichbar abgefälscht wurde, viel erstaunlicher fand ich die Entstehung, bei der zunächst von der linken Seite völlig unbedrängt geflankt werden konnte, und sodann WSV-Kapitän Rietpietsch ebenso unbedrängt im Strafraum zum Kopfball hochsteigen konnte. Der war wohl selbst überrascht, im Umkreis von drei Metern absolut niemanden gegen sich zu haben, sodass er den Ball per Kopf mal eben sechs Meter zurück auf Bölstler legen konnte. Der wiederum hatte alle Zeit der Welt, den Ball runterzufischen und das Ziel anzuvisieren, beim Abschluss kam dann das Quentchen Glück hinzu. Aber wie viel Platz die Wuppertaler allein in dieser Szene hatten, war schon beeindruckend. Allerdings nur auf der Tribüne, Spielern und Trainergespann war es anscheinend nicht aufgefallen.

Es gab noch den hoffnungsvollen Moment, als das Spiel hätte kippen können. Marcus Feinbier machte nämlich nur fünf Minuten später tatsächlich den Ausgleich, in bester Gerd-Müller-Manier, als er, von Cebe im Strafraum angespielt und mit dem Rücken zum Tor positioniert, die Kugel aus der Drehung durch die Hosenträger seines Gegenspielers Richtung langes Eck eierte, wo sie vom Innenpfosten ins Tor sprang. Sah schon real aus wie in Zeitlupe, war aber natürlich ein schönes Tor. Und nach diesem Treffer, da spielte die Fortuna auch endlich druckvoll nach vorne, und der WSV wackelte. Bis zur 77. Minute. Dann gab es was fürs Lehrbuch. Jeder Trainer, der diesen Spielzug gesehen hätte, hätte sofort seine Seele für die Truppe verkauft, weil einmal, nur einmal in der Saison, tatsächlich ein Spielzug so durchgesetzt wurde, wie man es wahrscheinlich ungezählte Male im Training übt: ein lupenreiner Konter, vom Abwurf des Torwarts über die rechte Seite nach vorne mit zwei Stationen, die aufgerückte Abwehr überlaufen, Überzahl hergestellt, und am Ende war es Gaetano Manno, der nach Flachpass in die Mitte völlig frei vor Kronholm auftauchte und aus fünf Metern vollstreckte. Ein Sahne-Tor, dummerweise auf der falschen Seite. Fortuna hatte sich viel zu früh im eigenen Stadion auskontern lassen.

Nun, der Rest ist schnell erzählt. Fortuna scheiterte noch zweimal an WSV-Ersatzkeeper Lenz, immer diese Ersatztorhüter, man erinnere sich an Dresden! Der hier fischte zwei ganz hervorragende Distanzschüsse, einen von Krecidlo aus über 30 Metern, der zweifellos das Tor des Jahres geworden wäre, hätte genau unter die Latte gepasst, sowie einen Volleyschuss von Albertz aus 16 Metern. Und weil der Herr Ersatztorwart grad so gut drauf war, holte er sich anschließend noch einen halben Scorerpunkt: kaum hatte er in der 84. Minute den Schuss von Albertz im Nachfassen gesichert, schlug er die Kugel auch schon lang ab, ziemlich lang, seeehr lang. Fortuna-Torwart Kronholm musste aus dem Strafraum und vor einem WSV-Angreifer klären, wobei er keine sonderlich gute Figur machte, die Fußabwehr mittels eingesprungenem Rittberger geriet nämlich eindeutig zu kurz und landete vor den Füßen von Mike Rietpietsch, der mit einem Heber aus 25 Metern lässig zur Entscheidung ins leere Tor vollstreckte. Eben fast noch den Ausgleich geschossen, keine zehn Sekunden später den endgültigen k.o. bekommen – das war richtig übel. Und dass auch der Herr Rietpietsch einst mal das Fortuna-Trikot trug (zu mittlerweile schon legendären Zweitliga-Zeiten) bedarf eigentlich auch kaum einer besonderen Erwähnung. Wir kennen es halt nicht anders.

Eine ganz, ganz bittere Niederlage gegen die Schwebebahnfahrer, die taktisch zwar eindeutig das bessere Team stellten, weshalb der Sieg auch nicht unverdient war; aber dennoch wäre ein Punkt drin gewesen. Sooo schlecht war Fortuna auch nicht. Das sollte erst in den kommenden Spielen der Fall sein.

Spielfrei – in der Bundesliga

Als nächstes stand eine Woche später das Spiel beim damaligen Tabellenvorletzten Borussia Dortmund an. Die hatten im neuen Jahr eine beeindruckende Negativserie hingelegt und sich metertief auf den Abstiegsrängen einzementiert. Wie praktisch, dass die 1. Bundesliga an jenem Wochenende spielfrei hatte, da die deutsche Nationalmannschaft ihr EM-Qualifikationsspiel in Tschechien austrug. Was dies für die Regionalliga bedeutete, konnte man sich im Vorfeld schon denken. Und natürlich wurde es auch umgesetzt. Die „Westfälische Rundschau“ gab sich am 20.03.07 kämpferisch:

„Borussias Regionalliga-Mannschaft befindet sich in einer betrüblichen Situation. Nach nur einem Sieg aus den letzten acht Begegnungen ist der Rückstand zum rettenden Ufer mit sieben Punkten so groß wie nie zuvor in dieser Saison. Viele haben die Mannschaft von Theo Schneider bereits abgeschrieben.

Nicht so der Trainer selbst - und auch nicht das Umfeld. Vor der Englischen Woche mit den Heimspielen gegen Fortuna Düsseldorf (Samstag, 14.00 Uhr) und Dynamo Dresden (30. März oder 1. April, jeweils im Signal Iduna Park) sowie der Partie am 27. März (19.00 Uhr) bei Rot-Weiß Erfurt hofft Schneider auf Verstärkung aus der Profi-Abteilung in großem Stile. Gegen Düsseldorf und Erfurt wäre dies durch die Bundesliga-Pause möglich, und in einem Gespräch unter den Trainern habe Thomas Doll seinem Kollegen die volle Unterstützung signalisiert.“ Der Rest des Artikel ergeht sich sodann in Personaldebatten, wer wann wie und wo mal eben schnell aushelfen kann.

Das war aber riesig nett vom lieben Thommy, hier so ganz selbstlos Unterstützung zuzusagen. Man rufe sich in Erinnerung, was das einzige Argument der Bundesliga-Vereine ist, warum ihre „II“-Mannschaften in den normalen Amateurklassen so hoch wie möglich mitspielen müssen: damit die jungen Talente Spielpraxis unter Wettkampfbedingungen bekommen, weil es in einer Reserverunde ja zu langweilig wäre. Aber wehe, der spielpraxisbedürftige Nachwuchs ist dann nicht gut genug für die Liga. Dann ist davon plötzlich keine Rede mehr. Dann darf das Jungtalent mit seinem Hintern schon mal die Ersatzbank antesten, während lauthals nach Verstärkung aus dem Profi-Kader gejammert wird. Christoph John vom 1.FC Köln II war in den letzten beiden Spielzeiten das Paradebeispiel hierfür, aber wie man sieht, die anderen können es auch. Keinerlei Begründung, dass der Mannschaft eventuell auch viele Spieler fehlen würden, nein, man ging auf Betteltour bei den Profis und besorgte sich „Ersatz“ für die Spieler, die sich bis dato augenscheinlich als regionalliga-untauglich erwiesen hatten. Nicht dass die Talente sich noch was wegholen, wenn es ständig eins auf die Glocke gibt. Anscheinend Jugendschutz. Verständlich.

Und selbstverständlich ist der Schreiberling der „Westfälischen Nachrichten“ einer von der Sorte, die gar nichts verstehen. Man lese nur den letzten Satz des ersten Absatzes, sowie den ersten Satz des zweiten. Kerl – wenn der Trainer der „II“ den Trainer der „I“ öffentlich anbettelt, ihm doch Spieler zu geben, obwohl die „II“ personell nicht unterbesetzt ist – dann hat er seine Truppe abgeschrieben. Anders würde das doch wohl kaum Sinn machen, oder?

Und da der Thommy so verständnisvoll war, gab es dann auch die erhoffte Verstärkung. Bei Dortmund II fehlten zwei Abwehrspieler. Nicht aufgrund von Abstellungen (es fanden an jenem Wochenende auch diverse U-Irgendwas-Länderspiele statt), die waren auch nicht verletzt, nein, die Herren waren schlichtweg gesperrt, der eine wegen Roter Karte, der andere wegen der fünften Gelben. Als „Ersatz“ für diese beiden Spieler liefen Amedick und Brzenska auf. Das nenn ich doch mal eine Strafe, oder? Da hätte es eher Sinn gemacht, wenn der DFB beide Sperren aufgehoben und den BVB dazu verdonnert hätte, beide Spieler auch einsetzen zu müssen. Aber so vermag ich den Wert einer „Bestrafung“ für die Mannschaft nicht mehr so ganz zu erkennen.

Von der Bank der Profis kam noch so der ein oder andere, und schon konnte es losgehen.

Aber vor ein solches Spiel hat der liebe Gott natürlich die Anreise gestellt. Bonn-Dortmund mit dem Auto, kein Problem. Außer man versucht es dann auch.

Am Samstag, den 24.03.07, stand ich somit reichlich früh auf (8.30 Uhr) und setzte mich um 10.00 Uhr in Marsch. Der Plan: ich wollte erst nach Düsseldorf fahren, dort einen Bekannten am Hbf abholen, und dann weiter nach Dortmund, Spielbeginn: 14.00 Uhr. Gaaanz einfach, und viiiiel Zeit. Zum Glück. Denn als ich von der A 59 am berühmten Heumarer Dreieck auf die A3 fuhr, ging erst einmal gepflegt gar nichts mehr. Völliger Stillstand, im Radio zwei Minuten zuvor leider nicht gemeldet. Zwar war mir bekannt, dass an jenem Samstag die A3 zwischen Heumar und Kreuz Leverkusen voll gesperrt sein würde, weil die im Rahmen der Fahrbahnverbreiterung zwei störende Brücken abreißen wollten - allerdings erst ab 17.00 Uhr. Was man arglistig verschwiegen hatte, war, dass man schon vormittags prophylaktisch von drei auf einen Fahrstreifen verkürzt hatte. Dann blieb da wohl noch jemand liegen, schwupps, tat sich nix mehr. Nachdem ich binnen einer knappen Stunde genau 800 m vorwärts gekommen war, wurde umgeplant: ich fuhr in Heumar direkt wieder die A 4 Richtung Olpe/Gummersbach runter, weil es anders nicht ging - Neuland! Noch nie da gewesen, schon gar nicht als Selbstfahrer. Aber schön leer, im Gegensatz zur Gegenrichtung, da staute es sich auch kilometerlang, so dass mein Plan, mit kühnem U-Turn über Abfahrt und Auffahrt auf die A 4 Richtung Aachen zu gelangen (und dann über die A 1 und A 57 nach Düsseldorf), zum Scheitern verurteilt war. Ergo direkt nach Dortmund. Der Mitfahrer in Düsseldorf wurde angerufen, damit er sich eine neue Fahrgelegenheit suchen möge (dies klappte zum Glück auch), und los ging’s. A 4 bis Olpe, anschließend A 45 nach Dortmund (die sogenannte „Sauerland-Autobahn“). Und da gab es dann Unfassbares zu bestaunen: Schnee. Schnee! Dazu noch Hochnebel, teilweise unter 50 m Sichtweite! Ich dachte, ich hätte mich ein wenig verfahren und würde jetzt grad über den Brenner kutschieren, es war unglaublich. Außerdem habe ich, so mein Eindruck, jede verdammte Talbrücke im Sauerland überquert. Alle fünf Minuten eine neue Brücke, ich hab sie alle gehabt! Und als es dann wieder in den Ruhrpott rein ging, und der Schnee schon weniger wurde, und der Nebel auch weg war - da gab es noch lustige 8 km Stau zwischen Lüdenscheid-Nord und Lüdenscheid-Süd. Der Grund: eine Tagesbaustelle. Als ich daran vorbeifuhr, wäre mir fast der Kragen geplatzt, zwei Männlein schürften auf einem winzig kleinen Abschnitt der rechten Spur augenscheinlich nach Gold, mehr war nicht zu sehen. Dafür mussten sie aber natürlich die Spur sperren. Besonders delikat war dies, weil sich der Claim genau an einer Auffahrt befand, sodass dort also praktisch von drei auf eine Spur verringert musste, was dann auch den Stau erklärte. Waaaah! Anschließend ging es zügig weiter nach Dortmund.

Das schöne große WM-Stadion, in dem ich das Halbfinale Deutschland-Italien live gesehen hatte, da passen 80.000 Zuschauer rein - auf der A 45 kümmert das keine Sau, ist nicht ausgeschildert. Zum Glück sind aber die Westfalenhallen angegeben, da dachte ich, ist ja alles ein Gelände. Ich wurde dann auch über die B 54 relativ zügig an die große Halle herangeführt. Und zwar genau vor die Tür, um es präzise zu formulieren, wo ich fast Herrn Gysi und Konsorten über den Haufen gefahren hätte, es fanden ja die Parteitage von Linkspartei und WASG in den Hallen statt. Das nenn ich mal politisch aktiv werden! Anschließend mühevoll die Einfahrt gefunden, die auf meinem Parkschein (von Borussia Dortmund ausgestellt!) protzig mit „Westzufahrt Signal-Iduna-Park“ betitelt war. Vor der Einfahrt eine Schranke und drei Polizisten, die jeden abwiesen. Als ich meinen Parkschein vorzeigte (wie gesagt: von Borussia Dortmund ausgestellt!) staunte der eine Polizist Bauklötze und murmelte nur: „Ach, sowas gibt’s auch?“ Das nenn ich mal wieder eine gelungene Organisation! Immerhin durfte ich durch und stand nun auf der Zufahrt, direkt vor der riesigen Nordtribüne, umringt von Fans und besoffenen Fans, Polizisten und Polizeipferden, und suchte den auf dem Schein angegebenen Parkplatz. Keine Chance, da keine Ausschilderung. Wieder einen Polizisten befragt, der zuckte nur mit den Achseln und meinte: „Keine Ahnung, ich bin aus Köln, ich kenn mich hier nicht aus!“ Aaaargh! Er schlug vor, einen Ordner zu befragen, leider standen die alle an den Eingängen herum. Also kurzerhand den Wagen auf der Straße stehen lassen, Warnblink an, und mal Erkundigungen eingezogen. Im Endeffekt musste ich ins Parkhaus direkt unter der Südtribüne fahren, was zwar sehr nobel, aber auch sehr schade war, denn diese kleine (natürlich unbeschilderte) Einfahrt hatte ich schon zwanzig Meter zuvor hinter mir gelassen. Aber an diesem Nachmittag kein Problem: Klein-janus stieg also in sein kleines Auto und wendete das Teil mal eben mitten auf der Strobelallee zwischen allen möglichen Leuten und Pferden. Mir war das sowas von egal, wie die geguckt haben, das könnt ihr mir glauben! Immerhin hatte die Odyssee dann ein Ende, denn man ließ mich tatsächlich ins Parkhaus durch. Ende der Fahrt um 13.30 Uhr. Bonn - Dortmund in 3,5 Stunden...aber immerhin noch pünktlich zu Spielbeginn. Irgendwie fand ich mein Timing schon ein bisschen beeindruckend.

So, jetzt konnte es los gehen. Natürlich wurde es eine völlige Pleite, Fortuna verlor beim Tabellenvorletzten, und auch, wenn der nicht ganz in der Besetzung antrat, in der er sich diesen vorletzten Tabellenplatz mühevoll erarbeitet hatte, so war es trotzdem überflüssig wie ein Kropf, die Punkte dort zu lassen. Der Trainer von Dortmund II stellte nach dem Spiel auch mal sofort klar, dass die ganzen Abstellungen aus dem Profi-Bereich seiner Truppe spielerisch nicht weitergeholfen hätten, da wolle er „seine“ Jungs (von denen ja auch ein paar auf dem Platz standen) jetzt nicht abwerten. Gleichzeitig schlug er aber auch wieder traurige Töne an, weil er (diesmal aufgrund seiner zwei gesperrten Spieler und einer einzigen Abstellung zur U-19-Nationalmannschaft) es seit Wochen nicht schaffe, auch mit derselben Formation zweimal hintereinander beginnen zu können. Mein Gott, mir kamen fast die Tränen! Freu dich doch, wenn dein Ersatz dann aus der Bundesliga kommt! Unserer käme in solchen Fällen aus der Verbandsliga...

Wobei ich Herrn Schneider in einem Punkt Recht geben muss: spielerisch war das ein absoluter Offenbarungseid, was beide Mannschaften vor 4.020 Zuschauern im Signal-Iduna-Park zeigten (und organisatorisch wird der BVB auch in der nächsten Saison Schwierigkeiten haben, in der 2. Liga die Klasse zu halten, aber das nur nebenbei). Das eigentlich Unverschämte an diesem Spiel war, dass es sogar noch einen Sieger hatte. Und nicht, dass jemand auf die Idee kommt, das Tor des Tages wäre herausgespielt worden: es resultierte aus einem klärenden „Befreiungskopfball“ eines Dortmunders von der Mittellinie, der in der 65. Minute die Fortunen im Vorwärtsgang erwischte, Henri Heeren verlor anschließend den Überblick beim Versuch, zu klären, der Dortmunder Spieler schaltete einfach am schnellsten und war als Erster am Ball, den er dann per Heber über Kronholm versenkte. Schön, wenn man so simpel einen durchaus möglichen Aufstieg vergeigen kann.

Das Goldene Tor für Borussia Dortmund II erzielte übrigens ein gewisser Lars Ricken. Den Namen dieses spielpraxisbedürftigen Jungtalents merke ich mir mal, vielleicht kommt der mal ganz groß raus, mit entscheidenden Toren in der Champions League oder so. Man kann ja nie wissen, ob bei diesem wettbewerbsbedürftigen Nachwuchs nicht doch mal der ein oder andere Überflieger dabei ist...

Es folgte eine Englische Woche, es ging somit bereits am 28.03.07 weiter, mit dem Heimspiel gegen den aktuellen Tabellenführer VfB Lübeck. Zuvor gab es aber wiederum etwas aus der Rubrik „Wir machen, was wir wollen“, damit auch wieder schön klar gestellt wurde, dass diese albernen anderen Vereine eh nur Staffage sind, wenn es um den wichtigen Bundesliga-Nachwuchs geht.

Am kommenden Samstag (31.03.07) würde man sich die übliche Niederlage bei Werder Bremen II abholen. Zwei Tage vor dem Lübeck-Spiel, somit am Montag, 26.03.07., wurde die Partie vom eigentlich zuvor angekündigten Weserstadion auf den Hinterhof des Henkers, den Nebenplatz 11 verlegt, dessen Name und Anblick allein schon depressiv machen können.

Dagegen war zunächst einmal nichts zu sagen, ich fand es sowieso albern, im Weserstadion zu spielen, da im Gegensatz zu Dortmund, Leverkusen oder Hamburg in Bremen noch nie mit einer vierstelligen Besucherzahl gerechnet werden konnte (die einzige Ausnahme war im Jahr 2005, aber da war es der letzte Spieltag, Werder brauchte noch einen Punkt für den Klassenerhalt, die 1.Liga-Saison war beendet, und es spielten so lustige Amateure wie Aaron Hunt oder Nelson Valdez mit, das zog dann 3.500 Leute an). Begründet wurde das Ganze allerdings laut Aussage des Hauptgeschäftsführers von Werder damit, dass, Achtung Zitat: „Der Platz nach dem Umbau (Anm.: in der Sommerpause 2005) auch gut besuchten Regionalliga-Spielen gerecht wird.“ Zitat Ende.

Da war ich wirklich mal gespannt, welche weiteren Umbauten innerhalb der letzten drei Wochen ich dort am nächsten Samstag beobachten durfte. Denn mit genau der gegenteiligen Begründung, der interessierte Laie wird sich erinnern, wurde noch drei Wochen zuvor die Begegnung gegen den FC St. Pauli kurzerhand zwei Tage vor dem Spieltermin abgesagt und bis heute nicht nachgeholt (wir erinnern uns, dass auch ein Ausweichen ins Weserstadion nicht möglich war, weil der Rasen nicht beschädigt werden durfte). Und was werden sie beim DFB dazu gesagt haben? Natürlich das Übliche: „Jawoll, und können wir sonst noch etwas für Sie tun?“


Aber wie gesagt: sie können ja eh machen, was sie wollen, also Schwamm drüber. Wichtig geht nun mal vor! Sagte ich mir auch und schaute mir daher zunächst das Heimspiel gegen Tabellenführer VfB Lübeck an.

Tabellenführer? Kein Problem!

So kenn ich die beste Mannschaft der Welt: bei Tabellenvorletzten verlieren, drei Tage später den Tabellenführer weghauen. 2:1-Sieg gegen Lübeck, im Endeffekt verdient, weil die tatsächlich noch schlechter waren als Fortuna in der 2. Halbzeit. Zwei prima herausgespielte Tore durch Cebe in der 1. Halbzeit waren der Garant dafür, dass auch der dritte aktuelle Tabellenführer, der sich in der laufenden Saison in Düsseldorf vorstellte, geschlagen wurde (vorher Union Berlin und Osnabrück). Mit der Leistung der zweiten Halbzeit sollte man allerdings in Bremen am kommenden Samstag in der Kabine bleiben, da ansonsten akute Gefahr bestand, von den Bubis schwindlig gespielt zu werden.

Was kurzfristig Hoffnung machte, waren die wirklich prima herausgespielten Treffer, die beide dadurch eingeleitet wurden, dass den Lübeckern durch energischen Einsatz einfach mal 30 Meter vor deren eigenem Gehäuse der Ball abgenommen und dann blitzschnell über die Flügel nach vorne gespielt wurde. Beim ersten Mal semmelte Kneissl die Hereingabe von Kruse an den Pfosten (böse Zungen behaupten, dies sei die bislang einzige gelungene Aktion von Kneissl während der gesamten Rückrunde gewesen), und Cebe konnte den Abpraller verwerten, zwei Minuten später wartete Feinbier auf der rechten Seite genau die Zehntelsekunde mit der Flanke, bis er sie Cebe genau in den Lauf servieren konnte, und der köpfte aus 11 Metern per Aufsetzer ein. Ja, es geht doch! Was dann auch ging, war, kurz vor der Pause mit dem ersten gefährlichen Angriff der Lübecker auch gleich das Gegentor per Kopf durch Kruppke zu kassieren. Zum Glück blieb es in der 2. Halbzeit dabei.

Sensationell mal wieder das Auftreten eines Bundesliga-Schiri-Gespanns, Babak Rafati und seine leicht desorientierten Fähnchenschwenker hatten sich wohl vorgenommen, ordentlich Stimmung in die Bude zu bringen. Wie es sich für BuLi-Schiris gehört, die in der Regionalliga pfeifen müssen, hielt sich Rafati in der ersten Halbzeit zurück, um dann richtig aufzudrehen und alles zu verwarnen, was allzu laut hustete. Glanzstück waren vier Gelbe Karten zwischen der 55. und 57. Minute, wobei in mindestens drei Fällen niemand so recht wusste, warum. Eine davon war die Gelb/Rote für Lübecks Schröder, und auch wenn kein Mensch so richtig verstand, warum der jetzt runter musste, verdient war es allemal, wenn auch mit 6 Monaten Verspätung. Dieser fiese Treter hätte im Hinspiel mindestens dreimal Rot sehen müssen. Man sieht sich halt immer zweimal im Leben. Ansonsten war das Spiel eingedenk sonstiger Partien Fortuna gegen Lübeck erstaunlich fair. Und endete mit einem Fortuna-Sieg vor doch erstaunlichen 8.484 Zuschauern, nachdem Herr Rafati kurz vor Schluss noch sein Können zeigte und zwei Lübecker, die ziemlich frei vor Kronholm auftauchten, aber den Ball nicht über die Linie brachten, zusätzlich wegen Abseits zurückpfiff, obwohl Henri Heeren recht gut sichtbar auf der Torlinie stand. Naja, Bundesliga-Schiri werden ja auch nur die Besten.

Sehr schönes Spruchband übrigens von den Fortuna-Fans zum Thema Anstoßzeit 18.15 Uhr: „Fußball-Fans gehen arbeiten, der DFB wohl eher nicht“ Es gab sogar Applaus von den ca. 200 mitgereisten Lübeckern. Nur der Schiri-Beobachter vom DFB wird wohl noch im VIP-Raum gewesen sein.

Ach ja, und ein Scherzbold im Lübecker Forum regte sich nach dem Spiel wieder einmal über die Düsseldorfer Schauspielkünste auf und fasste dies hinterher kurz und bündig zusammen, er hoffe, die Farbe des Nagellacks der Spieler würde mit der Trikotfarbe harmonieren. Gut gebrüllt, Löwe! Gesehen hat die übertriebene Schauspielerei außer ihm übrigens niemand, auch aus den eigenen Reihen nicht. Und das Hinspiel, auf das er sich ebenfalls bezog, hatte er selbstverständlich im Vollsuff auf der damals stattfindenden Fan-Party hinter dem Stadion verbracht. Anders ist es nicht zu erklären, dass er uns „Schauspieler“ schimpfte und gleichzeitig den damaligen Auftritt von Benny Baltes und Dustin Heun vergessen hatte, die mit ihrer filmreifen Einlage die Rote Karte für Jens Langeneke provoziert hatten, worüber nach dem Spiel sogar der DFB lachen musste. Oder dass es seine „Mädchen“ gewesen waren, die im Hinspiel in der Pause zu sechst auf den Schiedsrichter eingeredet hatten, wegen des angeblich so harten Einsatzes unserer nagellackbestückten Damen, und die das Spiel dann auch prompt trotz Führung und Überzahl noch verloren hatten, bei „brutalstmöglichem“ Einsatz der Düsseldorfer (Zitat aus dem damaligen offiziellen Live-Ticker des VfB Lübeck). Es ist wirklich erbärmlich, was manche Leute sich ausdenken müssen, damit die eigene Mannschaft nicht so schlecht erscheint, wie sie nun mal gespielt hat. Und überhaupt: wer zwei solche Typen mit Kuschelnamen wie Benny und Dustin im Kader hat, und dann anderen was von Nagellack erzählen will – Respekt, dazu gehört schon was. Neben Mut auch eine ganze Portion rosarote Vereinsbrille, und der Schreiberling las sich so, als habe er reichlich davon. Ja, zwei Spiele gegen Düsseldorf, null Punkte...das kann schon mal schmerzen.

Same Procedure as every Year Part xxx (to be continued...)

Apropos „schmerzen“, da gabs ja noch was. Nämlich das Spiel bei Werder Bremen II am 31.03.07. Der Kenner weiß schon, was kommt: Fortuna verlor routiniert mit 0:2 und schaffte damit auch im zehnten Spiel gegen Werder Bremen II keinen Sieg (4 Niederlagen, 6 Unentschieden). Es reicht anscheinend wirklich, wenn die nur das lebende Fortuna-Trauma Björn Schierenbeck auf die Bank setzen, dann ist die Nummer durch. Natürlich wurde er in der Schlussphase zum Abfeiern noch eingewechselt und ist damit weiterhin der einzige Spieler, der in allen zehn Partien auf dem Platz stand. Nächste Saison soll angeblich damit Schluss sein, er soll ja den Job im Nachwuchsbereich von Wolf Werner übernehmen, der nun doch schon zum 11.04. bei Fortuna anfangen konnte. Der war übrigens auch bei diesem Spiel dabei, um sich mal zu überzeugen, wie viel Arbeit auf ihn wartet. Ich hoffe, er bereut es nicht schon...Und dem Schierenbeck traue ich auch nicht, ich glaube, der lässt sich nächste Saison dann halt mit Anzug und Krawatte einwechseln, um den nächsten Sieg zu sichern.

Das Spiel fand mal wieder weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und interessierte keine Sau. Das hatte es allerdings auch nicht verdient, so schlecht war es. Ich möchte meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass von den anwesenden ca. 1.000 Zuschauern (mehr als die Hälfte davon Fortuna-Fans) nicht der ein oder andere zwischenzeitlich doch kurz wegdämmerte. Es passierte rein gar nichts. Die Werder-Bubis machten die Räume eng, sodass die Kombinationsversuche der Fortunen schon im Ansatz verpufften, die Fortuna-Abwehr spielte recht erfolgreich auf Abseits, die Falle schnappte allein in der ersten Halbzeit sechsmal zu. Folgerichtig würde der erste Fehler entscheiden. Wer ihn machte, ist nicht so ganz klar, und ich würde auch heute noch eher auf den Schiri tippen, der nach einer Stunde Spielzeit eine Abseitsstellung der Bremer übersah, wodurch Peitz einen Ball, der schon Richtung Torauslinie trudelte, doch noch im Spiel halten konnte. Die anschließende Flanke wurde zwar von Cakir noch mit dem Kopf verlängert, aber Schachten, der die Kugel dadurch auf den Fuß serviert bekam und aus 8 Metern halbhoch ins rechte Eck versenkte, stand wohl auch beim Flankenschlag schon etwas weiter zum Tor hin, was man auch daran sehen konnte, dass der Torschütze erst einmal völlig das Jubeln unterließ, sondern zum Schiedsrichter blickte. Erst als dieser zur Mitte zeigte, hob der Spieler mal zaghaft ein Ärmchen und ließ sich feiern. Also doch ein recht zweifelhaftes Tor, was allerdings nicht davon ablenken sollte, dass neben Schachten noch ein weiterer Werder- Spieler in der Strafraummitte völlig frei gestanden hatte, und dies, obwohl die Abwehr ja in Anbetracht der Flanke doch eher wieder den Rückwärtsgang eingelegt hatte. Das darf nicht passieren, aber ansonsten wäre im gesamten Spiel wohl nichts mehr passiert.

Tja, wie gut, wenn man dann die richtige Antwort parat hat. Fortuna hatte sie zwei Minuten später, als Cebe sich am Strafraum mal wieder gegen geschätzt 14 Gegner gleichzeitig durchsetzen wollte, dabei allerdings hinfiel. Der Schiri ließ das Spiel, wie nicht anders zu erwarten, weiterlaufen, und der eingewechselte Andy Lambertz vollstreckte mit schönem Flachschuss ins lange Eck zum – halt, stopp, dies ist Werder II gegen Fortuna, und da nicht sein darf, was nicht sein kann, sprang die Kugel vom linken Innenpfosten wieder ins Feld zurück, nix war es mit dem Ausgleich. Anschließend konnte man den Eindruck gewinnen, die Fortunen hätten mit dieser Szene erkannt, dass man gegen sein Schicksal nicht angehen kann, sie schenkten die Partie nämlich ab. Bis auf zwei Fernschüsse von Lambertz kam nichts Erwähnenswertes mehr auf rot-weißer Seite, die Grün-Weißen warteten nur noch den spielentscheidenden Fehler ab. Er kam in der 79. Minute als Henri Heeren einen Ball gegen den eingewechselten Heider vertändelte. Das kann man mal machen, ist allerdings blöd, wenn man dabei grad letzter Mann ist. Heider ging auf und davon und kam im Strafraum zum Abschluss, Torwart Kronholm war noch dran, und so kullerte das Leder zum 2:0 mit letzter Kraft über die Torlinie. Ein Tor, passend zum gesamten Spiel, und natürlich die Entscheidung.

Welche ein Teil der Einheimischen übrigens schon gar nicht mehr mitbekommen hatte. So um die 75. Minute herum ergab sich nämlich eine gewisse Abwanderung der ohnehin recht übersichtlichen Gastgeberschar auf der Gegengerade. Das verstand ich erst nicht, als ich die Herrschaften dann jedoch optisch verfolgte, wurde der Grund sehr schnell klar: die Zuschauer strebten alle dem Vereinsheim entgegen, welches sich am Nebenplatz 11 befindet. Da gibt es gutes arena-Fernsehen, und um 15.30 Uhr (eben als bei uns die 75. Spielminute lief) begann ja die Partei von Bremen I in Cottbus. Da wollte man sich rechtzeitig die begrenzten Sitzplätze sichern. Es interessiert wirklich niemanden, was dort die eigene 2. Mannschaft fabriziert, selbst während des Spiels nicht und selbst nicht, wenn sie grad auf der Gewinnerstraße sind.

Und so gab es wieder einmal eine Niederlage in Bremen. Mein Gott, dieser Nebenplatz 11 mit den gelangweilten Zuschauern und seinem Bundesjugendspiele-Charme (aber mit wirklich guter Currywurst, das noch am Rande) macht einen allein schon beim Anblick depressiv, ohne dass darauf überhaupt gespielt werden müsste. Aber verdammt nochmal, liebe Spieler, das gilt für die Fans! Ihr hingegen müsstet bei einem solchen Anblick sofort dermaßen motiviert sein, alles zu geben und zu gewinnen, allein schon, damit ihr nächste Saison dort nicht mehr hin fahren müsstet! War natürlich zu kurz gedacht, denn euch betrifft das ja eher nur am Rande. Ihr konntet euch während des Spiels nie aus eurer 90minütigen Lethargie herausreißen und habt mit diesem unteriridischen Auftritt dafür gesorgt, dass wir nächste Saison wieder mal dort antreten dürfen. „Wir“, wohlgemerkt, die meisten von euch wohl kaum. Schönen Dank dafür!

Und damit ist der Käse wohl gegessen. Die drei Niederlagen in den letzten vier Spielen werden uns wohl das Genick gebrochen haben. Natürlich ist rein rechnerisch noch alles möglich, so groß ist der Abstand auch nicht, trotz Platz 12 sind es nur vier Punkte Rückstand nach oben. Aber wer die saft- und kraftlosen Auftritte der Mannschaft in den letzten Wochen verfolgt hat, dem dürfte nicht so ganz klar sein, wie diese Truppe noch einmal wieder aufstehen will. Zumal sie auch in den nächsten Wochen wieder mit ständig wechselnder Besetzung antreten dürfte, denn vor dem Bremen-Spiel hatten wir nicht weniger als 8 Spieler, die mit vier Gelben Karten vorbelastet waren (bzw. Palikuca gar mit deren neun). Als ersten

erwischte es in Bremen Ahmet Cebe, den besten Spieler der letzten Wochen, der sich die fünfte Gelbe abholen dürfte. Dies wird in den kommenden Wochen wohl noch öfter der Fall sein. Wir haben ja auch sonst keine Probleme. In der Truppe stimmt es offenkundig seit der Winterpause nicht mehr, und niemand scheint zu wissen, woran es liegen könnte. Ich habe da wenig Hoffnung.

Wobei ich eins nochmal ganz klar sagen muss: enttäuscht bin ich nicht besonders. Ich hatte ja bereits zum Saisonstart geschrieben, dass ich die Mannschaft auch in diesem Jahr für nicht aufstiegsreif halte. Dafür ist zu wenig an der Qualität geändert worden, man hat zu sehr auf die Karte „eingespielt“ gesetzt. Und warum eine Truppe, die letztes Jahr Fünfter geworden ist, jetzt auf einmal locker aufsteigen soll, auch wenn sie sich kaum verändert hat, außer der Tatsache, dass alle ein Jahr älter geworden sind, wollte mir von Anfang an nicht so ganz in den Kopf. Und in der Tat spielen sie nahezu eine identische Saison, wenn man die Punktausbeute mit der des Vorjahres um diese Uhrzeit vergleicht. Aber traurig bin ich schon, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass die anderen Mannschaften sich unisono genauso schwer tun würden. Diese Saison wäre die Chance auf einen Aufstieg wirklich da gewesen, während man sie in der letzten Saison ja schon zum Ende der Hinrunde verspielt hatte. In der nächsten Saison, wenn es um die Qualifikation zur eingleisigen Dritten Liga 08/09 gehen wird, wenn alle nochmal aufrüsten, um mindestens Neunter zu werden, wenn mit Braunschweig und vielleicht sogar mit RW Essen und Carl Zeiss Jena entsprechend starke Absteiger kommen werden – dann wird ein anderer Wind in der Liga wehen, da bin ich ziemlich sicher. Und dann fuchst es doch gewaltig, wenn man sieht, wie diese Chance weggeworfen wird, durch unnötige Niederlagen und Unentschieden gegen Gegner, bei denen noch nicht einmal deren eigene Fans ein übermäßiges Interesse am Ergebnis zeigten. Dies scheint ein Kopfproblem zu sein, denn in Spielen gegen vermeintliche Spitzenmannschaften wie Osnabrück, Lübeck, Union Berlin und auch Wuppertal oder Dresden war Fortuna ja immer gut dabei. Ach, was weiß ich. Ich habe es abgehakt. Natürlich bin ich weiter dabei und träume mit, dass die Truppe mich eines Besseren belehren wird. Es sind noch neun Spiele, das macht 27 Punkte, vielleicht reicht es ja doch noch.
Ich hatte in meiner letzten Zusammenfassung sinngemäß geschrieben, dass man Ende März wohl etwas klarer sehen würde, wohin die Reise für Fortuna geht. Als Fazit kann ich daher sagen: es geht nur noch nach ganz oben, wenn die anderen sich noch dämlicher anstellen als sie es sowieso über die gesamte Saison schon tun. Dafür haben wir mit der uns eigenen Dämlichkeit selbst gesorgt. Und das macht es richtig bitter.

Aber wer will schon ein solch depressives Ende lesen? Schließen wir also mit einem kleinen Trostpreis: Fortuna II gewann am 01.04.07 ihr Auswärtsspiel in meinem Heimatort (und selbstverständlich vor meinen Augen) gegen den 1.FC Wülfrath mit 3:1. Da der Tabellen-2. RW Essen II gleichzeitig 1:4 beim Cronenberger SC verlor (übrigens ein Club, der einst mal so nebenbei von Holgi Fach gemanagt und trainiert wurde), beträgt der Vorsprung in der Tabelle der Verbandsliga Niederrhein nunmehr satte 21 Punkte. Da RWE II allerdings nur noch 7 Spiele auszutragen hat und somit maximal auf jene 21 Punkte kommen kann, darf wohl selbst bei einem Verein wie Fortuna bei dieser Konstellation zum Aufstieg in die Oberliga Nordrhein gratuliert werden. Und da dort der 1. FC Köln II relativ solide auf Platz 11 der Tabelle steht, zudem noch ziemlich sicher Borussia Mönchengladbach II aus der Regionalliga Nord in selbige Oberliga absteigen wird, gibt es nächstes Jahr in der Oberliga somit wenigstens ein paar „Mini-Derbys“.

Wie gesagt, ein Trostpflästerchen. Für uns, meine ich. Beim Fußballverband Niederrhein hingegen werden jetzt schon ein paar Knie weich, vermute ich. Jedes Ding hat halt zwei Seiten.

Ist trotzdem natürlich gespannt, was der April bringen wird: janus