Der Düsseldorf-Armine fragt:

Über Frankfurt nach Berlin? (03. April 06)

Und wieder einmal plätschert eine Rückrunde so dahin, begleitet von eher unspektakulären Arminia-Spielen und diesen ständigen Rechenoperationen mit der Variablen "Abstand zu Platz 16" und dem Restprogramm sämtlicher Mannschaften aus der unteren Tabellenzone. Da liegt man nachts um drei im Bett und fragt sich, gegen wen Mainz am vorletzten Spieltag ran muss und wie viele Heimspiele Kaiserslautern noch hat. In den Träumen erscheint ein ehemaliger Arminia-Trainer und verkündet, der Klassenerhalt müsse erst am letzten Spieltag mit einem Auswärtssieg in Köln gesichert werden. Spieler des FC Bayern München feuern rücksichtslos Bälle ins Bielefelder Publikum und machen auf diese Weise aus ostwestfälischen Bürgern kriminelle Balldiebe. Ehemalige Hauptstadt-Kicker schießen gekonnt am leeren Tor vorbei. Gleichfarbige Hamburger fallen wie die Vandalen über die unseren her und veranstalten auf dem Rasen ein grausames Schlachtfest. Aber seit Sonntag ist das alles ein bisschen lockerer und entspannter. Wenn nichts mehr zu gehen scheint, kommt irgendwann ein Spiel gegen Hannover 96 – und danach ist die Welt meistens in Ordnung. Aber machen wir erst mal eine kleine Rückblende bis zum letzten Heimspiel vor meinem Urlaub. Der Gegner hieß Dortmund und ist in Bielefeld gerne gesehen, beschert er unserer Mannschaft doch regelmäßig drei Punkte und ein erhöhtes Selbstwertgefühl. Bei den Dortmundern hat sich allerdings die Außendarstellung geändert. Während früher die Vereinsführung des BvB von Woche zu Woche äußerst professionell Ziele nach unten zu korrigieren wusste, übt man sich nun in Bescheidenheit. Da wird ein Kader mit mehreren international erfahrenen Spielern ganz geschickt als eine Art kickendes "Tokio Hotel" verkauft – auf diese Weise schlagen die Borussen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen gelingt eine kulturelle Annäherung an die Fans und deren Durchschnittsalter, zum anderen werden nun auch 0:1-Niederlagen bei uns als eine Art Achtungserfolg empfunden. Über das Spiel in Gladbach zu schreiben wäre Zeitverschwendung. Die schlechteste Saisonleistung wird gegen diesen Gegner zu einer Art Tradition. Dann war ich erst mal drei Spiele verreist – und selten hatte ich einen Urlaub so optimal geplant wie diesmal, denn außer einem Tor von Radomir Dalovic habe ich nichts außergewöhnliches verpasst. In Zukunft könnte man Radomir jede Woche an den jeweiligen Gegner von Bayer Leverkusen ausleihen – ein todsicheres Geschäft für alle Beteiligten, denn er trifft ja immer und nur gegen Leverkusen.

À propos Leverkusen: Sind wir 2003 jetzt eigentlich doch nicht abgestiegen? Hat man uns ein Jahr Bundesliga gestohlen und Aufstiegsfeier Nummer sieben geschenkt? Selbstverständlich wird das alles nicht wahr sein. Aber was passiert, wenn es doch wahr ist? Natürlich ist das völlig unmöglich, wer kann schon so was von Onkel Calli und seinem volkstümlichen Leverkusenern denken –aber angenommen es wäre tatsächlich so? Ich vermute Bayer Leverkusen und Rainer Calmund würde zunächst einmal für die gute Aufklärungsarbeit gedankt. Die Tatsache, dass nun Korea in der BayArena trainiert würde als Strafmaß für Bayer bereits ausreichen. Rainer Calmund muß weiterhin die Goldene Kamera für sein Lebenswerk annehmen. Außerdem müssen Mathias Hain und der "Spiegel" jeweils ein Bußgeld von 3000 EUR wegen öffentlicher Ruhestörung vor der FIFA-WM an den DFB entrichten. Damit wäre es dann aber auch getan.

Wenden wir uns den schönen Dingen zu. Zum Beispiel dem Auswärtssieg in Hannover. Wie schön, dass es diesen Gegner und sein herrliches Stadion gibt, wo es sich so schön feiern lässt. Wie schön, dass es diesen wunderbaren Trainer aus dem Ruhrgebiet gibt, der es wie kein anderer versteht, unsere Mannschaft zu motivieren. Man kann diesem Herrn nur wünschen, dass er noch mit vielen anderen Vereinen gegen uns spielen darf.

Jetzt können wir uns unbeschwert auf die beiden Spiele gegen die Eintracht freuen. Zuerst zu Hause den Klassenerhalt klar machen, dann das Berlin-Ticket und die Fahrkarte nach Europa buchen – und die restliche Saison würde nur noch gefeiert. In Frankfurt sieht man das anders und macht sich schon über die Verteilung der Finalkarten Gedanken – wenn da mal nicht der Höhenflug vor dem Sturz des Adlers kommt. In der Liga hat er ja zuletzt schon leichte Anzeichen von Vogelgrippe gezeigt. Freuen wir uns auf zwei packende Spiele und seid froh, dass wir Euch die Offenbacher vom Leibe gehalten haben.