Gastbeitrag von Achim, 28.2.2007

Nordpark (24.2.2007). Gladbach gegen Werder: 2-2.

50.000 ZuschauerInnen im Nordpark wollen das Spiel zwischen dem schwächelnden Tabellendritten von der Weser gegen die mal wieder akut abstiegsbedrohten Elf vom Niederrhein sehen. Es regnet in Strömen, der Boden ist glitschig und tief. Thorsten-Frings-Wetter. Schon die erste Szene lässt auf ein munteres Spielchen hoffen: mit drei Spielzügen ist Bremen vorm Gladbacher Kasten, Borowski gelingt es jedoch nicht, das Leder zu dem in der Mitte postierten Klose zu schieben, Keller hat aufgepasst. Die Gastgeber reagieren prompt, ein Schuss von Rafael zischt nur knapp am Bremer Tor vorbei. Wenige Minuten später Grund zur Freude für die Gäste: Womé erkämpft sich im vorderen Mittelfeld den Ball, läuft ein paar Schritte und zieht einfach mal aus 30 Metern ab – Keller ist noch dran, aber der war zu scharf geschossen: 0:1 (11.)!
Die Führung gibt den Bremern jedoch keine Sicherheit: man sieht einige ungewohnte Abspielfehler, die Abwehr macht alles andere als einen stabilen Eindruck. Das gilt vor allem für den Fritz-Ersatz Niemeyer, der mit seinem Gegenspieler Rafael arge Probleme hat. Wenn es gefährlich wird, dann fast immer über die rechte Bremer Abwehrseite. 17. Minute Eckball für Werder, Keller faustet weit raus, Insua trickst Borowski aus, gibt weiter zu Delura, der wiederum mit einem sensationellen Steilpass Rafael bedient, dem Niemeyer und Mertesacker nur hinterher hecheln können. Staubtrockener Abschluss ins linke Eck: 1:1. Ähnlich munter geht es bis zur Pause weiter, wobei Werder mit seiner technisch ansehnlicheren Spielanlage die dominierende Mannschaft ist. Bei Gladbach bleiben allerdings die Konter über die linke Seite stets brandgefährlich.

Luhukay, dem hoffentlich bald mal einer sagt, dass sein Adi-Gedächtnis-Schnäuzer wirklich richtig scheiße aussieht und abrasiert gehört, hat in der Halbzeit die richtigen Worte gefunden. Das scheint bei den Fohlen in den Genen zu liegen, dass sie nach der Pause erstmal ordentlich auf die Tube drücken. Jedenfalls: Werder verhält sich abwartend, die Gladbacher spielen keineswegs wie Absteiger, demonstrieren einige recht passable Kombinationen, doch wenn sie vor Werders Gehäuse kommen, schmeißt sich ihnen das wie immer großzügig gegelte Muskelpaket aus der gefühlten Landeshauptstadt entgegen. Nacheinander entnervt es Jansen (der nach einem sehenswerten Tunnel gegen den bedauernswerten Niemeyer fast frei vor dem Bremer Kasten steht), Rafael oder den quirligen Kluge. Wiese hat momentan echt einen Lauf, was man vom Werder Sturm nicht gerade behaupten kann. Almeyda ist extrem pomadig unterwegs, Klose gibt sich redlich Mühe, jedoch ohne Erfolg, Diego läuft viel, aber auch ihm fällt nicht so richtig viel ein.
Dann verletzt sich der bis dahin undiskutabel und phlegmatisch aufspielende Borowski – für ihn kommt Vranjes, was sich gleich vorteilhaft bemerkbar macht. Die Bremer Angriffsmaschine läuft wieder, nicht gerade extrem ideenreich vor dem gegnerischen Strafraum, aber der Druck ist da, und zahlt sich in der 83. Minute endlich aus: Vranjes drischt aus 20 Metern drauf, Keller kann auch diesen (abgefälschten) Ball nicht halten. Kurz zuvor Schrecksekunde im Werder Strafraum, Mertesacker und Gohouri prallen mit den Köpfen zusammen, der Bremer muss schwer verletzt raus (Platzwunde), der Gladbacher trägt jetzt einen weißen Turban und hätte, wäre er nicht schwarz, gute Chancen den Dieter-Hoeneß-look-alike-contest zu gewinnen. In der 90. Minute hält Frings noch mal drauf – der Ball wird von Diego abgefälscht, der leider im Abseits steht, weshalb es beim 1:2 bleibt. Teile des Gladbacher Publikums streichen dennoch enttäuscht die Segel und verlassen in Scharen das Stadion.
Sie bringen sich damit um ein dramatisches Finale: die Fohlen bäumen sich noch mal auf, in der 94. Minute erhalten sie einen Freistoß: Insua-Flanke vors Werder-Tor, „Dieter“ Gohouri verlängert Rafael jagt die Pille vom Fünfmeterraum-Eck in die Maschen. Abpfiff.

Fazit: Ein bisschen glücklich, der späte Ausgleich, über die gesamte Spielzeit gesehen aber keineswegs unverdient. Wenn Gladbach so weiter spielt und kämpft, steigen sie nicht ab. Zu Werder: In der Hinserie hat der Super-Sturm Werders Abwehrprobleme überdeckt. Seitdem die vielgelobte Offensive Sand im Getriebe hat, kann sie keiner mehr übersehen. Höchstens die Jungs vom Kicker.