Gastbeitrag von Achim, 2.12.2006

ReWirpowerstadion (2.12.2006). Bochum gegen HSV: 2-1

27.000 Zuschauer im ReWirpowerstadion (das heißt wirklich so). Sonnenuntergang. Grönemeyer krakeelt: „... wer wohnt schon in Düsseldooooorf?“ Mein Vater und sind gekommen, um den 2. HSV-Sieg der Saison zu sehen.
Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich mein uraltes HSV-Auswärtssieg-Trikot angezogen. Noch mit Sharp-Werbung, ca. 1986 – das waren noch Zeiten, da war Happel noch Trainer... bei dem ein oder anderen Hamburger Fan bewirkt der Anblick dieses Trikots einen nostalgisch-verklärten Gesichtsausdruck. Die Gegenwart sieht weniger rosig aus. Es fehlen immer noch Demel, Kompany und einige andere, aber Gottseidank: van der Vaart, Reinhard und Mattijsen sind an Bord. Hm, Streifenhörnchen und Guerrero im Sturm, Sanogo auf der Bank, Bennomenno Lilalauth auf der Tribüne. Wenn man sich sehr anstrengt, meint man, das Zähneklappern der Bochumer Abwehr zu hören.

Munterer Beginn der Hamburger, sie starten direkt einen Angriff, van der Vaart kommt nach schönem Pass vom Streifenhörnchen zum Schuss, den aber Skov-Jensen prima parieren kann. So kanns weitergehn! Tuts aber nicht: die Bochumer betreten das erste Mal in der 5. Minute die HSV-Hälfte und schon rappelt es in der Kiste. Dabrowski kann ungehindert in den Strafraum spazieren, die Abwehr steht brav Spalier, er semmelt die Pille einfach ins kurze Torwarteck.
Nein, Wächter macht da keine besonders glückliche Figur, kann man wirklich nicht behaupten. Die nun folgende Verunsicherung der Mannschaft ist direkt körperlich spürbar. Irgendwie neutralisieren sich beide Teams in den nächsten 30 Minuten, viel versprechende Torraumszenen: Fehlanzeige. Guerreo erregt häufiger den Unmut der Bochumer Fans, weil er sich etwas zu oft und zu offensichtlich fallen lässt. Die 4. Schwalbe wird dann mit Gelb bestraft. Die Hamburger pirschen sich jetzt öfter in Strafraumnähe, und auf einmal ist van der Vaart auf dem rechten Flügel durch, flankt nach innen, wo Streifenhörnchen (im Gegensatz zu Guerrero wenigstens um Chancen bemüht, er versucht sich welche zu er a r b e i t e n) die Kugel per Kopf optimal erwischt. Sie senkt sich über den machtlosen Skov-Jensen: 1:1, kurz vor der Pause!

Guerrero wird zu meinem Ärger nicht direkt ausgetauscht. Insgesamt kommen die Hamburger sehr aufgeräumt aus der Kabine, Doll scheint die richtigen Worte gefunden zu haben. Allerdings Schrecksekunde in der 47. Minute: Wächter will zu Mahdavikia passen, schiebt den Ball aber zu Gekas, der glücklicherweise zwei wesentlich besser postierte Mitspieler übersieht und direkt blind den Hamburger Keeper anschießt – jungejunge, Wächter, was haben sie Dir in den Tee gekippt? Dennoch: Alles läuft jetzt flüssiger, druckvoller, mit mehr Zug zum Tor.
Doch mit optischer Überlegenheit hat sich noch keiner vom Abstieg gerettet. Das ist alles zu kompliziert, Trochowski könnte einmal wunderschön flanken, doch knallt den Ball ins Außennetz, anstatt den in der Mitte allein stehenden van der Vaart zu bedienen, der schon zu diesem Zeitpunkt einen mächtig geschwollenen Hals hat. Wer seine Karriere etwas verfolgt, und ihn so überhitzt rumspringen sieht, weiß, was gleich passieren wird. Doch es bedarf noch eines weiteren Anlasses, um Van der Vaarts Geduldsfaden zum Zerreißen zu bringen. Diesen liefert Misimovic, der einen vom ansonsten glänzenden und souveränen Reinhard verursachten Freistoß direkt in den linken Winkel zirkelt (70. Minute). Die nicht einmal unverdiente Führung, denn Bochum war nach einer etwa 20-minütigen Kunstpause wieder wach geworden.

Der HSV ist erneut schwer geschockt, beim Kapitän liegen die Nerven völlig blank. Unmotiviert grätscht er in der 80. Minute an der Mittellinie – vor den Augen des Schiedsrichters – Bechmann von hinten um. Im anschließenden Rudel beweist auch Misimovic Geberqualitäten, kommt aber mit Gelb davon, van der Vaart sieht völlig zu Recht rot. Der HSV versucht noch, den Ausgleich zu schaffen, doch auch die letzte Chance, Guerreros Kopfball verfehlt knapp das Tor (der eingewechselte Sanogo hat leider keine einzige nennenswerte Szene, auch Sorin völlig blass). Das Pech bleibt der Mannschaft übrigens auch treu: Colin Benjamin, der seine Sache als linker Verteidiger ordentlich gemacht hatte, fällt beim Zweikampf auf seinen Unterarm und bricht sich diesen. Fazit: es wird eng, aber absteigen? Nö, auch wenn die Bochumer Fans anderer Meinung sein sollten und wohl unbewusst-ironisch den Hamburgern ein „Wiedersehn in der 2. Liga“ prognostizieren.