29.6.05

Über gelbe Hemden und sogenannte Südamerikanische Fröhlichkeit

 

 

Natürlich. Brasilien hat den Confederations Cup gewonnen. Sag ich ja, wie die Bayern. Und schon fällt mir wieder ein abgedroschenes Vorurteil ein, ich kann mir selber nicht erklären, wo es herkommt. Die Südamerikaner haben die Fröhlichkeit im Blut (nicht nur die, sondern natürlich auch den Samba, den Sex, und und und..)

Aber schauen wir uns noch mal die brasilianischen Auftritte etwas genauer an. Wird ein Länderspiel mit brasilianischer Beteiligung im deutschen Fernsehen übertragen, so werden immer wieder in Großaufnahme fast unbekleidete Brasilianerinnen eingeblendet, die wie frisch vom Karneval in Rio ihre großen, von kleinen Dreiecken spärlich bedeckten Brüste schütteln und uns dazu ihre strahlend weissen Zähne zeigen. Zuhause auf dem Sofa denkt der Fernsehzuschauer, Mann Mann, das ganze Stadion tanzt Samba. Dieses Phänomen scheint mir auch der primäre Grund zu sein, warum der brasilianische Fußball bei deutschen Männern so gut ankommt. Natürlich wird der Leser das vehement bestreiten. Aber nein, sagt er, Ronaldiho, Adriano, und der ganze Rest sind einfach Ballzauberer! Und dann erst der Rhythmus, den sie im Blut haben. Und das Temperament.

Schaut man sich die gleichen Spiele nicht im Fernsehen, sondern im Stadion an, sucht man schon etwas angestrengter nach dem Samba. Die Jungs und Mädels in gelb-grünen Hemden tragen darunter meistens blasse mitteleuropäische Haut, und die vereinzelten Sambatänzerinnen wirken live im Stadion etwas verloren im Block, der auch beim Enspiel Argentinien - Brasilien lautstark "Nie mehr zweite Liga" singt. Wo sind sie also, die fröhlichen Brasilianer?

Vertraut man der brasilianischen Presse, so muss man erstaunt feststellen, dass der gemeine Brasilianer dem ungeliebten Deutschen doch sehr ähnelt. Er nölt gerne über die deutschen Gastgeber, da wird von schlechter Organisation geredet, von schlechten Trainingsplätzen und überhaupt wird viel geklagt. Da war Ronaldo schon konsequenter, war ihm doch dieser Wettbewerb viel zu unattraktiv, um überhaupt dafür sein Land zu verlassen. Woher die brasilianische Presse ihre Informationen bezieht, bleibt mir ein Rätsel, schliesslich konnte man die vereinzelten Journalisten, die der Selecao hinterherreisten, an einer Hand abzählen.

Und so fanden es Ronaldinho und co auch nicht notwendig, nach dem Spiel in der Mixed Zone Interviews zu geben, und entschieden sich statt dessen dafür, einmal tanzend an den größtenteils deutschen und japanischen Journalisten vorbei. Komisch eigentlich, dass auch nach solchen Aktionen immer noch vom tollen heißblütigen Brasilianer geredet wird, und nirgendwo das Wort Arroganz fällt.

Also stehe ich vielleicht tatsächlich weit und breit allein mit meiner Abneigung gegen den heißblütigen südamerikanischen Fußball. Ich trotze dennoch meinen Landsleuten, die sich in gelbgrüner bauchfreier Kleidung und brasilianischen Badeschläppchen unter das allseits als verklemmt verschriene deutsche Publikum mischen. Zeit für mich, mein Ballack-Hemdchen rauszuholen. Und für nächstes Jahr werde ich mir einen klasse schwarz-rot-goldenen Bikini aus kleinen Dreiecken basteln, und mich zusammen mit den Sambatänzerinnen tittenwackelnd ins deutsche Fernsehn drängeln, um endlich mal etwas an unserem Ruf zu arbeiten.

Zu guter Letzt treffen wir auch noch Ronaldinho und Roque Junior auf der Abschlussparty.... Nun ja, es war nicht wirklich ein herzliches Zusammentreffen, aber wir konnten es uns dennoch nicht verkneifen, uns ein bisschen unters brasilianische Fussballvolk zu mischen....


 

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last update: 3-jul-05