9.11.2008 Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart 2:2

Die SGE, die SGE, die SGE ist wieder da!!!

"SGE? Was ischn des??" fragte der ratlose Stuttgarter schüchtern, als er am Bahnhof von einem Frankfurter mit einem lautstarken "HIER - REGIERT - DIE
S - G - E
!"" begrüßt wurde. Nun, noch vor einigen Wochen fragten wir uns selber manchmal "Was dann!?", als wir unsere Lieblingsmannschaft über den ramponierten Rasen des Waldstadions stolpern sahen. Aber heute war das ganz ganz anders.

Obwohl ich am Sonntagnachmittag mal wieder grenzenlos unmotiviert war. Trotz Aufwärtstrend hatte ich noch um 15:00 das Gefühl, man müsste mich ins Stadion prügeln. Natürlich war keiner da zum prügeln. Statt dessen quälte ich mich von der Couch, und machte mich auf den Weg. Stuttgart, dachte ich. Die Statistikspricht mal wieder gegen uns. Naja, ein Punkt wäre schön. Und dann, beeinflusst von Statistiken und Schwarzmalern, laufe ich durch den Nieselregen und finde mich schon halb mit einer bevorstehenden Klatsche ab, und tröste mich gleichzeitig selber, dass es ja nun wirklich wichtigere Dinge gibt. Schließlich passieten weltbewegende Dinge dieser Tage. Amerika wählt Obama zum Präsidenten, auf den ähnlich große Hoffnungen als Heilsbringer gesetzt werden wie seinerzeit auf Caio. In Hessen dagegen wird der unwesentlich weniger populäre Herr Schäfer-whothefuckis-Gümbel präsentiert, und außerdem ist heute der neunte November, siebzigster Jahrestag der Reichspogromnacht, in der in Frankfurt Synagogen brannten und andere jüdische Einrichtungen in Schutt und Asche gelegt wurde. Kurz: Es gibt wirklich wichtigere und bedeutendere Dinge als so ein popeliges Fußballspiel.

"Ein Punkt wäre prima", denke ich mir trotzdem. Ich muss wohl über meine Grübeleien irgendwie die Zeit vergessen haben, denn "Im Herzen von Europa" höre ich aus der Ferne, noch mitten im Wald, die Aufstellung verpasse ich ganz, obwohl ich mich ja frage, ob wir wohl Elf zusammenkriegen, bei dem derzeitigen Lazarett. "Knorpelschaden.." murmele ich vor mich hin.. schon wieder ein Knorpelschaden. Ob das ansteckend ist? Ob die ärztliche Betreuung der Mannschaft vielleicht Schuld hat? Ob ich heute vielleicht mal einen "Seeger raus!" Gesang anstimmen sollte?

Zwei Minuten wurde schon gespielt, als ich mich zu meinem Platz quetsche, an den Sitznachbarn vorbei. Zum Glück habe ich einiges gelernt in den letzten vier Jahren, und so weiß ich, dass ich hier nicht im Theater bin, wo man mit einem leisen "Enschuldigung, darf ich?" die Sitzenden zum platzmachen auffordert und peinlich darauf achtet, niemanden anzurempeln. Nein, ich bin im Stadion, und ein "Mach ma Platz!" muss reichen, tut es auch.

Die Stimmung um mich herum ist bestens, und bereits nach wenigen Minuten weiß ich, warum: Die Mannschaft da unten auf dem Platz ist nicht die gleiche wie noch vor wenigen Wochen. Es machte richtig Spaß, ein Gefühl, dass sich schon fast fremd anfühlte. Uns kann keiner was anhaben, dachte ich übermütig nach dem 2:0 in der 66. Minute und war gerade dabei, die heute abwesende F&T Fotografin per SMS darüber zu informieren, dass sie junge Götter in schwarzrot verpasst, als plötzlich der Anschlusstreffer fiel. Verdammte Mobiltelefone, denke ich mir, stecke das Ding weg, und fange doch noch mal an zu zittern. Und dann, das SPiel ist schon so gut wie vorbei, fällt er, der Ausgleich. Kurzer Schock, dann große Erleichterung, der Schiri erkennt das Tor nicht an. Nicht dass ich den Grund dafür hätte sehen können, aber diese Entscheidung eines ansonsten eher kreativ pfeifenden sogenannten Unparteiischen wollte ich gerade lautstark loben, als plötzlich unten auf dem Platz ein Gemenge um den Linienrichter entsteht. Nein, das gibts doch nicht, der Linienrichter hat anscheinend etwas anderes gesehen als der wankelmütige Schiedsrichter, der dann schnell seine Meinung ändert und Gomez' Tor dann doch mal anerkannt. Nun, angeblich war das ein ganz reguläres Tor. Und wenn. Dass ich mich nach dem Spiel, vor dem ich mir ja einen Punkt "erhofft" hatte, so ärgern würde über die zwei verlorenen Punkte, hätte ich vorher nicht geglaubt. Aber dass unsere Eintracht wieder da ist, und zwar genauso, wie ich sie sehen will, das machte diesen Sonntag dann doch noch zu einem gelungenen Sonntag. Und mal ehrlich, wer interessiert sich denn an solch einem Sonntag für amerikanische Präsidenten oder hessische Ministerpräsidentenkandidaten!? Da gibt es doch wirklich wichtigeres!!