Wintereinbruch mit Togewitter
Eintracht - Hannover 96 4:0

Was für ein Spieltag! Dreißig (30) Tore in sechs deutschen Stadien, allein an diesem ersten Wintersamstag. Und vier (4) davon in unserem schönen Waldstadion. Und das schönste daran ist, alle diese vier Tore wurden von Frankfurter Spielern in das gegnerische, also hannoveraner Tor erzielt! Und dabei haben die knapp 40,000 Zuschauer eigentlich ein eher durschnittliches Spiel gesehen, das lange nicht mit dem Tempo des letzten Heimspiel gegen Stuttgart mithalten konnte. Aber dafür war es eben um so erfolgreicher!

Und während Stuttgarts Extrainer Veh sich nun einen Job suchen muss, nachdem auch die Schwaben sich vier Tore einfangen mussten, so wird er diesen neuen Job wohl kaum in Frankfurt finden. Denn die Funkel-raus Rufe sind, wenn zwar noch nicht ganz verstummt, so doch sehr viel leiser geworden. Herr Funkel macht ja eigentlich alles richtig. Zumindest mit dem ihm zu Verfügung stehenden Kader, der den Spielraum ja nicht ganz unwesentlich einschränkt. Und dann tat Herr Funkel gestern noch etwas, das vielen seiner Kritikern wohl gut gefallen haben muss: Er ließ unsern teuren Brasilianer Caio von Anfang an spielen!

Ich war an diesem Samstag in Begleitung einiger Arbeitskollegen im Stadion, von denen drei aus dem Land der Werbeunterbrechngen kamen, die sich fasziniert von dem Spiel zeigten, nicht nur, weil die Mannschaft, die ich ihnen als ihre neue Lieblingsmannschaft vorstellte, auch wirklich gewonnen hat, sondern vor allem, da es sich bei diesem Sport, der in ihrer Heimat "soccer" heißt, den wir hier Fußball nennen, irgendwie um richtigen Sport handelt, bei dem es zweimal 45 Minuten zur Sache geht. Euphorisch redeten sie nach dem Spiel schon von "season tickets", die man sich ja vielleicht für die nächste Saison kaufen könnte, einen Schal hatte man schon vor dem Spiel besorgt. Aber vorsichtig erklärte ich den Amerikanern, dass es durchaus sein kann, dass die neue Lieblingsmannschaft auch in schlechten Zeiten begleiten muss, und dass diese Zeiten manchmal schneller kommen und länger anhalten als man denkt. Ich glaube, das haben sie verstanden und ich habe das Gefühl, dass wir gestern zwei sympathische neue Fans gewonnen haben... Eine andere der Kolleginnen zeigte sich vertrauter mit diesem Sport, wenn auch als langjähriger Fan eines Ruhrgebietsvereines, der gerne mal große Erfolge verpasst. Sie jedenfalls fragte mich irgendwann, wer denn diese Nummer 30 sei, der ihr dadurch auffiel, dass er sich kaum bewegte, und wenn, dann eher langsam und träge, und dadurch, dass er sich fast desinteressiert am Spiel zeigte, indem er sich immer wieder mit dem Rücken zum Ball irgendwo umschaute. Wenn ihm der Ball dann mal zufällig vor die Füße rollte, dann endete dieser Ballkontakt oft mit einem Fehlpass. "Das ist unser Brasilianer Caio!" erklärte ich der Kollegin, der Spieler, der unter den Fans einen ungebremst großen Beliebtheitsgrad hat, was eigentlich nur damit zu erklären ist, dass er teuer war und aus Brasilien kommt. Dass er eigentlich ungefähr so großartig spielt wie z.B. ein Faton Toski, davon wird nicht oft gesprochen. Wir wollten einen Helden, einen Heiland, einen Welt- oder zumindest Tabellenplatzverbesserer und Ballzauberer, und daran hält man in Frankfurt eben einfach fest. Aus objektiver Sicht ohne Vereinsbrille wohl nicht wirklich nachvollziehbar, wurde mir gestern wieder einmal klar.

Aber egal. Caio spielte, unsere Lieblingsmannschaft hat drei Punkte und wieder Selbstbewusstsein gewonnen, und dass nach dem Spiel unverbesserliche begeisterte Stimmen zu hören sind, die sich mit diesem Spiel bestätigt fühlen, und mich mit stolzer Miene belehren: "Siehst du, kaum spielt Caio von Anfang an, gewinnen wir 4:0!" kann ich belächeln und getrost ignorieren, denn eigentlich ist es mir egal, ob Caio spielt. Solange sich Fenin und Liberopulus und ihre engagierten Kollegen darum kümmern, dass der Ball ins Tor geht, ist mir alles andere ziemlich Wurscht.

Und wenn ich auch gestern auf dem Weg ins Stadion schon wieder einen leichten Widerwillen verspürte, und die für diese Saison so typische Unlust, mich an einem kalten Samstagnachmittag überhaupt aufzraffen, so muss ich sagen, dass ich in dieser Saison wahrscheinlich noch nie so gut gelaunt das Stadion verlassen habe wie gestern!

Alles wird gut! (js)

bild1bild2bild3bild4bild5
bild6bild7bild8bild9bild10
bild11bild12bild13bild14bild15
bild16bild17bild18bild19bild20
bild21bild22bild23bild24bild25