Endlosschleife

9. März 2007, Frankenstadion Nürnberg
1.FCN - Eintracht Frankfurt 2:2

Freitag Abend, 17.November 2006: Nach 5 Minuten Spielzeit führt unsere Eintracht 2:0 gegen Bochum in Bochum.

Mittwoch Abend, 13.Dezember 2006: In der 51. Minute führt unsere Eintracht am 5. Spieltag der Uefa-Cup Gruppenphase mit 2:0 gegen Fenerbahce in Istanbul.

Samstag Nachmittag, 10. Februar 2007: In der 90. Minute führt unsere Eintracht 2:1 gegen Leverkusen in Leverkusen.

Und was haben alle diese Spiele gemeinsam? Richtig: Bei keiner dieser Partien ging unser Lieblingsverein als Sieger vom Platz. Und was sollte man daraus lernen? Auch wenn man in Nürnberg nach achzig Minuten mit zwei Toren Vorsprung führt, sollte man sich als treuer Anhänger von Eintracht Frankfurt weder über die Blitztabelle und den damit schnell errechneten Tabellenplatz 9 freuen noch sollte man sich in seinem komfortablen Kunstoffschalensitz im Frankenstadion zu entspannt zurücklehnen und sich auf die anschließende 3-Punkte-und-raus-aus-dem-Keller-Feier freuen. Denn in zehn Minuten kann viel passieren, und meistens tut es das auch.

Und dabei hatte dieser Tag, für den ich mir für meinen Ausflug nach Nürnberg einen Tag Urlaub genommen hatte, ganz gut angefangen. Schließlich habe ich elf Jahre meines Lebens in Franken verbracht, und freute mich darauf, alte Freunde wiederzusehen, mit ihnen ein zünftiges Schäuferla essen zu gehen und besonders freute ich mich natürlich auf den anschließenden gemeinsamen Besuch im Frankenstadion, neuerdings auch bekannt unter den Namen Easy-Credit Arena (auch wenn ich bezweifle, dort Bier und Wurst auf Pump zu bekommen). Nun muss ich zugeben, dass ich zwar fränkische Schäufele-Wirtschaften liebe, mich aber mit dem dicken Stück Fleisch, dass man zwischen Knochen und idealerweise knuspriger Schwarte finden kann, nie wirklich anfreunden konnte. Aber was er wirklich richtig gut kann, der Franke, das sind Bratwürste. Gleich drei davon bekam ich serviert, konnte also dieses Mal getrost auf die Stadionwurst verzichten.

Satt und zufrieden und voller Vorfreude ging es also, vorbei an mahnenden Nazi-Ruinen, zum ausverkauften Frankenstadion, bei dem der Andrang nicht im entferntesten daran erinnerte, dass noch vor ca. einem Jahr Karten für einen Euro an Sportvereine und Schulklassen verkauft werden mussten, damit die Ränge immerhin einigermaßen gefüllt aussähen. Natürlich kann ich es mir nicht verkneifen, die Nürnberger "Erfolgsfans" darauf hinzuweisen, ebenso wie auf die Tatsache, dass der Club unsere Eintracht seit zwanzig Jahren im eigenen Stadion nicht mehr geschlagen hat. Natürlich ist diese Tatsache nicht wirklich beruhigend. Denn der Club spielt nicht nur in den gleichen Farben wie unsere Eintracht, auch sonst sind sich die beiden Vereine gar nicht so unähnlich, und daher enden Partien gegen Nürnberg gerne untentschieden. Nun, der gravierende Unterschied im Moment ist natürlich der Tabellenplatz, das kann selbst ich nicht außer acht lassen.

Auf meinem Platz in der Südkurve fühle ich mich nur mittelmäßig wohl. Eingerahmt von netten Menschen, die eben aber für die andere, für mich eben die "falsche" Seite Sympathien hegen, und die Gleichgesinnten angereisten Frankfurter ein paar Blocks entfernt. Zwar in Sichtweite und wie immer nicht zu überhören, aber irgendwie doch zu weit weg, um sich den hüpfenden Gesängen anzuschließen. Und so freue ich mich eben für mich alleine, als unsere Eintracht plötzlich 2:0 führt und darüber, dass der Club, der noch vor kurzer Zeit so geschmeidig die Bayern weggeputzt hat, heute so wenig furchterregend wirkt.

Und damit sind wir auch schon wieder zurück bei der 80. Minute. Ebendiese Minute, in der ich die folgenschwere Entscheidung treffe, mich entspannt in meinem Plastiksitz zurückzulehnen und mich zu entspannen. Und plötzlich geht alles ganz schnell. Das unglückliche Eigentor von Christof Spycher, der Club, der seine Chance erkennt, sich zusammenreißt und Robert Vittek, der mit seinem Treffer in der 88. Minute den einen, glücklichen Punkt für den Club rettet, und eine Eintracht, die mal wieder nicht nur kein Glück, sondern auch noch Pech hatte, und die die so sicher geglaubten drei Punkte dann auch noch leichtfertig verschenkt hat. Ich hätte es besser wissen müssen, aber ich fand mich erneut überrascht und enttäuscht in der ewigen Endlosschleife wieder, während die Freunde um mich herum aufsprangen und jubelten.

In nur wenigen Wochen sehen wir uns wieder. Meine vorsichtige Prognose vor dem Spiel war die folgende: Wer heute gewinnt, der gewinnt auch das Pokalhalbfinale. Wahrscheinlich habe ich recht. Aber im Elfmeterschießen, da werden wir es schaffen, und dann fahren wir nach Berlin. Aber ohne die fränkischen Freunde.