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Wenn man in der Scheiße sitzt....

07.04.07, Eintracht Frankfurt - Energie Cottbus

Wenn der Tabellendreizehnte am achtundzwanzigsten Spieltag den Tabellenzwölften empfängt, der gerade mal einen kleinen Punkt mehr auf dem Konto vorzuweisen hat und damit auch nur 3 Punkte vom Abstiegsplatz entfernt ist, dann kann man sich vor dem Spiel eigentlich recht optimistisch auf den Weg ins Stadion machen. Zumindest, wenn man davon ausgeht, dass man gute Chancen hat, die sogenannten "Gegner auf Augenhöhe" im eigenen Stadion zu schlagen. Schade, dass man davon im Moment nicht wirklich ausgehen kann und schade, dass das niederschmetternde Ergebnis von 1:3 gegen die Lausitzer in den Netzhautschmerzen verursachenden orangen Trikots sogar meinen bisher unerschütterlichen Optimismus erschütterte.

Am meisten erschütterten mich, sowie wohl die meisten der 45,000 Zuschauer in unserem schönen Waldstadion, am Samstag Abend aber die Ereignisse in der 76. Minute bei einem Spielstand von 1:1, als Oka Nikolov so unglücklich mit Christoph Preuss zusammenstieß, dass dessen Oberschenkel von den Stollen des Torwarts regelrecht aufgeschlitzt wurde. Preuss wurde noch auf dem Platz behandelt und anschließend sofort ins Krankenhaus gebracht, wo er noch am selben Abend operiert wurde. Als wäre dieses Unglück nicht schon genug für unseren Helden vom letzten Heimspiel, zählte der Ball, der von ihm abprallte und ungehindert ins Tor kullerte, auch noch als reguläres Tor und verhalf somit den Cottbussern zur Führung.

Woran es nun am Ende tatsächlich lag, dass unsere Eintracht mit drei Gegentoren und einer wahrlich bitteren und nicht nur für Preuss schmerzhaften Niederlage vom eigenen Platz geschickt wurde, kann ich mal wieder nicht erklären.

Auch den Spielern schien es schwer zu fallen, über die soeben vergangenen neunzig Minuten zu reden. Die wiederkehrende Plattitüde, dass bei den kommenden Spielen gegen direkte Anstiegskonkurrenten unbedingt Punkte geholt werden müssen, mochte man eigentlich nicht mehr , musste man aber immer wieder hören. Aber was sollen sie schon sagen, die Jungs? Die Frustration war ihnen anzusehen. Es gibt jetzt keine Ausreden, sagte Amanatidis, der in den letzten 30 Minuten eingewechselt wurde, und es gibt vor allem keine Hilfe, man muss es selbst in die Hand nehmen, dort unten aus dem Tabellenkeller rauszukommen, und dass es eine Tragödie ist, mit dieser Mannschaft überhaupt so weit nach unten gerutscht zu sein, sagt er und dass sich der Trainer sicher etwas einfallen lassen wird.

Na, ein Glück, dass wenigstens alle 45,000 Zuschauer die Niederlage erklären konnten. Nicht nur die fünf, mit denen ich mir später noch den einen oder anderen Bembel genehmigte, hatten keinen Mangel an Erklärungen: "Die Jungs haben ja auch wieder nicht alles gegeben. Die wollen ja absteigen!" ... oder ...: "Der Funkel, der erreicht halt die Mannschaft nicht mehr!" Oder: "Wenn man den Heller von Anfang an spielen lässt und den Köhler erst in der 75. einwechselt, dann muss man sich ja nicht wundern..." Klar, je nach Ausgang des Spieles und je nach Aufstellung kann man die Aussagen der Thekentrainer austauschen. Der relativ einhellige Lösungsvorschlag ist inzwischen wohl ein Trainerwechsel. Komisch, nach dem letzten Heimspiel hat da gar keiner von geredet.

Irgendwann habe ich mich ausgeklinkt aus der Expertenunterhaltung, habe mir einen großen Bund Petersilie in die Ohren gesteckt und mich ganz dem Stöffsche in dem Gerippten vor mir gewidmet. Hilft doch alles nichts, alles reden. Auch wenn es den anderen vielleicht als Therapie hilft. Ich will nichts mehr hören. Noch ist alles offen, und nach einem Auswärtssieg am nächsten Samstag ist alles wieder gut. Nach einer Niederlage nicht.

Und für die sechs noch ausstehenden Spiele gebe ich sämtliche Problemanalysen und Lösungsstrategien in die Hand unseres Trainers. Und das reden überlasse ich den Menschen, die es lieber tun als ich. Ioannis Amanatidis zum Beispiel, der mit folgender Aussage am Samstag eigentlich das Wesentliche zur aktuellen Lage unserer Eintracht zusammengefasst hat:

"Wenn man in der Scheiße sitzt, läuft vieles falsch...!"

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