Augenschmerz und Ohrengift

"So was ham wir lange nicht gesehen!" haben die Bochumer Gäste gesungen. Nun, wir dagegen fangen gerade an, uns an Niederlagen gegen die Gegner auf Augenhöhe zu gewöhnen. Sieben Treffer haben wir allein in dieser Woche kassiert. Aber auch wir haben so etwas lange nicht gesehen. Eigentlich waren sich nach dem Spiel alle einig: Die erste Halbzeit gegen Bochum an diesem sonnigen Samstagnachmittag sei die schlechteste, die man seit Jahrzehnten gesehen hat. Gestern wollte unseren Jungs einfach gar nichts gelingen. Zum ersten Mal verursachte mir das, was sich unten auf dem Rasen abspielte, regelrechte Augenschmerzen. Und als wäre das nicht genug, folgten auch noch Ohrenschmerzen, verursacht weniger von der Spielweise unserer Eintracht als von den Geräuschen, die von den Rängen schallten.

Schon während der ersten Hälfte gellten Pfiffe gegen die eigene Mannschaft und vergifteten die Stimmung in unserem schönen Waldstadion. Nicht nur vereinzelte sogenannte Fans machten ihrem Ärger Luft, indem sie einzelne Spieler auspfiffen, und die Spieler nach der ersten Halbzeit mit einem Pfeifkonzert in die Kabine schickten. Was für ein Unterschied zu der Gänsehautstimmung am letzten Dienstag, als trotz Niederlage die Mannschaft eine geschlossene, unermüdliche Unterstützung hinter sich stehen hatte.

Friedhelm Funkel sagte nach dem Spiel, normalerweise stelle er sich ja hinter die Mannschaft, aber heute seien die Pfiffe durchaus verdient gewesen. Nun, verdient hin oder her: kein Spieler, der mit meiner Lieblingsmannschaft mitten im Abstiegskampf steckt, verliert gerne und dass niemand den Platz in der 1.Liga riskiert, indem er "gegen den Trainer spielt", wie man vierlerorts hören musste, ist doch eigentlich auch klar. Und eine Mannschaft, die völlig verunsichert über den Platz stolpert, spornt man sicher nicht zu einer besseren Leistung an, indem man sie lautstark auspfeift!

Die Stimmung scheint vergiftet und von Eintracht ist nicht viel zu spüren in diesen Tagen. Die ewigen besseren (oder zumindest besserwissenden) Trainer auf der Tribüne forderten lautstark Funkels Entlassung, und auch in der Mannschaft, in der einzelne Spieler als Erziehungsmaßnahme aus dem Kader genommen werden in einer Zeit, in der man jeden Spieler braucht, scheint einiges nicht zu stimmen. Und selbst Funkels Optimismus nimmt ab, auch wenn er natürlich betont, am nächsten Samstag eben drei Punkte zu holen, weil man ja doch sehr auswärtsstark sei.

Und so kam es, dass ich mir gestern zum ersten Mal eingestehen musste, dass der Weg in die zweite Liga irgendwie doch möglich scheint. Und als positiv denkender Mensch sage ich auch, och, dann gibt es wieder Montagsspiele und wahrscheinlich auch wieder mehr Heimsiege, aber plötzlich dominiert in mir doch der negativ denkende Mensch, der schreit: Ich will nicht zu Auswärtsspielen nach Wehen und Hoffenheim, Aue und Augsburg fahren!!! Wir kennen das schon. Soll doch Dortmund mal sehen, wie das ist! Ich will keine Eintrachtspiele auf DSF sehen. Und ich will auch keine 50 Euro weniger für eine Zweitligadauerkarten zahlen! Natürlich werde ich all dies tun, wenn es wirklich dazu kommen sollte.

Wird es aber nicht. Schließlich stehen wir auf Platz 14 und da ist man am 30. Spieltag noch lange nicht abgestiegen.

 

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Ach ja, und wette, auch die anwesenden >>Ehrengäste hatten gestern Augenschmerzen......

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