Freibiergesichter!

21. November 2007, Frankfurter Waldstadion
Deutschland Wales 0:0

Die Europameisterschaftsqualifikationsbilanz unserer deutschen Nationalmannschaft, die immer noch keinen liebevollen Spitznamen trägt, sondern sich immer noch recht schlicht deutsche Nationalmannschaft nennt, sieht eigentlich recht beeindruckend aus, wenn man sich die Statistiken der letzten Jahrzehnte anschaut. Meine persönliche Europameisterschaftsbilanz sieht dagegen eher unspektakulär aus:

September 2003 (Quali in Rejkjavik): Island - Deutschland (0:0)

Juni 2004 (EM in Portugal): Deutschland - Lettland (0:0).

Und heute also Deutschland - Wales in unserem schönen Waldstadion. Ein Spiel, dem nicht wirklich viele Erwartungen vorausgehen, ist man doch schon längst qualifiziert und weiß man doch längst, dass die deutsche Elf bei Spielen, bei denen um nichts geht, gerne mal ein minimales Pensum ihrer Künste zeigt, um dann beim eigentlichen Turnier wieder mal zu brillieren.

Persönlich war ich an diesem Mittwoch schon ein wenig freudig erregt, hatte ich doch mal wieder Karten gewonnen, diesmal beim Hessischen Rundfunk, in dessen montäglicher Sendung Heimspiel zwei Karten verlost worden waren, und als ich die Karten dann im Briefkasten fand, hatte ich schon wieder völlig vergessen, dass ich überhaupt mitgespielt hatte. Karten für ein Länderspiel zu gewinnen, ist natürlcih noch nicht wirklich spektakulär, aber diese Karten waren nicht etwa für die gewöhnlichen Plastikschalensitze, nein, es handelte sich um die berühmten gepolsterten Business-Seats, denen und deren Inhabern ich zumindest in der Bundesliga meine größte Verachtung entgegenbringe. Und nun sollte ich selber von einem solchen Sitz das Spiel verfolgen. Und die Tickets berechtigten außerdem noch zum AUfenthalt in der sogenannten "DFB Business Lounge". Cool, dachte ich mir, endlich werde ich mal die Gelegenheit haben, mit Rudi Völler einen zu zischen und ihm zu seinen geschliffenen verbalen Attacken auf den schnöden Bierhoff zu gratulieren. Und mit "Uns Uwe" hätte ich auch gerne mal geplaudert. Danach, dachte ich, könnte ich vielleicht Herrn Slomka schöne Augen machen, oder mich mit anderen sexy Trainern oder Ex-Profis verabreden, einen kleinen ganz privaten F&T Begleitservice anbieten...

Aber leider kommt es im Leben eben doch immer wieder anders als man es sich wünscht. Und so stellte es sich heraus, dass es neben der "DFB Business Lounge" auch noch eine "DFB Lounge" gibt, zu der Normalsterbliche natürlich keinen Zugang haben. In meiner sogenannten Businesslounge gab es dann enttäuschenderweise nur langweilige, gewöhnliche Freibiergesichter zu sehen. Der Blick auf Uwe und Mirko wurde mir dann nur durch die Glasscheibe gegönnt. Schade. So musste ich dann doch das Spiel verfolgen, was den Abend auch nicht unbedingt verschönerte. In der zweiten Hälfte verzichtete ich auch auf den gepolsterten Sitz, und verfolgte das Geschehen stehend vom Business-Balkon. Und auch hier versuchte man, mir den Spaß zu verderben, indem man die unbeliebtesten aller Prominenten direkt vor meiner Nase platzierte: Die Hinterköpfe von Ministerpräsident, Verteidigungsminister und Herrn Meyer-Amselfelder weckten in mir Gelüste, meinen heißen Kaffee zufällig zu verschütten. Aber auch dieser Spaß war mir nicht vergönnt, denn die großen Herren mit Stöpsel im Ohr, die um mich herumstanden, hätten mich wahrscheinlich schnell entfernt und mir im schlimmsten Fall auch noch ein für die Bundesliga gültiges Stadionverbot aufgebrummt. Und das war es mir dann auch nicht wert.

Immerhin weiß ich jetzt, dass Businessplätze hochgradig überschätzt sind, und freue mich, dass schon wenige Tage nach dem Länderspiel das Waldstadion wieder "uns" gehört. Und damit es auch dem Rasen bis dahin wieder gutgeht, wurde dieser nach dem Spiel von der Höhensonne verwöhnt. Nun, ich hoffe, es hilft!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


(C) Fotos heute mal von Jessika