In aller Freundschaft?!

20. Januar 2007, Riederwald
SGE - Young Boys Bern 0:0

Ende Dezember war alles noch ganz easy. Die Winterpause kam zur rechten Zeit, wir alle konnten wohl eine kleine Verschnaufpause gebrauchen. Das Pokalspiel war ein schöner Abschluss und wir wurden optimistisch uns selbst überlassen. Ich selbst gönnte mir einen völlig fussballfreien Urlaub im sonnigen Italien, und, wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich nicht mal etwas vermisst. Inzwischen allerding schreiben wir den zwanzigsten Januar und so langsam werde ich hibbelig. Täglich durchsuche ich Zeitungen und Onlinemagazine nach Neuigkeiten und sauge förmlich mehr oder weniger langweilige Berichte und Interviews über meinen Lieblingsverein auf. Es wird einfach Zeit, dass es wieder los geht! Und was könnte da, eine Woche vor dem Start in die langersehnte Rückrunde, gelegener kommen als ein Freundschaftsspiel gegen die Young Boys Bern am Riederwald!? Young Boys Bern, denke ich mir, ist das die Jugendmannschaft von den Old Boys? Natürlich nicht, denn die Old Boys spielen in Basel und haben einen ähnlichen Altersdurchschnitt.

Und so machten wir uns also am Samstagnachmittag auf den ungewohnten Weg in Frankfurts Nordosten, um uns wieder auf unsere Eintracht einzustimmen, unseren Neuzugang Marcel Heller anzuschauen und zu sehen, wie es dem Rest der Jungs geht, vor allem natürlich Jones, Chris und Amanatidis, von denen wir alle viel erwarten und erhoffen ab nächste Woche.

Das Spiel selbst war dann eher unspektakulär ohne wirkliche Highlights oder Überraschungen. Über das eine oder andere Tor hätte ich mich schon gefreut, vor allem unsere frühere griechische Tormaschine enttäuschte bei mindestens einer Hundertprozentchance, bei der er nicht nur aus geringster Entfernung den Ball über das leere Tor schoss, sondern sich unglücklicherweise danach auch noch sein Fuß im Netz verfing. Naja, war ja nur ein Testspiel, und ich bin mir sicher, gegen Schalke hat auch Ama wieder seinen Fuß im Griff. Sein Landsmann Sotos wurde leider verletzt ausgewechselt ("wieder irgendwas mit dem Rücken", sagt Funkel), für Vasoski und Russ waren die Boys eigentlich kein Problem, und sie nahmen Pröll die Chance, mal wieder sein Können zu zeigen.

Da die Spannung auf dem Spielfeld zu wünschen übrig ließ, mussten die 2350 Fans sich eben anderweitig amüsieren. Die ungefähr hundert Berner taten dies lautstark von Anfang an, alle Achtung, da wurde gesungen und gehüpft, wie ich das bei einem so belanglosen Spiel nie erwartet hätte. Nicht, dass die Schmähgesänge auf die Gastgeber besonders originell gewesen wären, aber in ihrer Ausdauer durchaus beeindruckend. Von Frankfurtern dagegen war von Anfang an kaum etwas zu hören, und selbst von unserer Hymne hörte man eigentlich nur den Polizeichor durch die blechern klingenden Lautsprecher. Der guten Laune und den bösen Gesängen der Schweizer wurde allerdings nicht verbal dagegengehalten, sondern plötzlich brannte eine vorher den Schweizern entwendete Fahne. Die Polizei, die schon vorher nach dem Zünden von Bengalos im Berner Block aufgerüstet hatte, musste daraufhin eine Handvoll Fans zurückhalten, die bereits auf dem Weg aufs Feld waren. Die halb verbrannte Fahne übergab ein freundlicher Polizist schließlich wieder seinen Besitzern. Diese ließen sie, zusammen mit einem Zettel mit bösen Drohungen, am Ausgang zurück.

Eskaliert ist die Situation nicht, aber die überflüssige Aktion von ein paar dummen Jungen war doch irgendwie ärgerlich. Umso mehr freue ich mich auf nächste Woche, wenn es wieder "ernst" wird, und vielleicht wieder mehr Menschen das Waldstadion bevölkern, die sich einfach ein schönes Spiel unserer Eintracht anschauen wollen....