Ausgerechnet Nürnberg! Abschied vom Pokal 2007

17. April 2007, Frankenstadion, Halbfinale DFB Pokal
1.FCN - Eintracht Frankfurt 4:0

"Die Nürnberger sind ja auch arme Seelen. Die haben ja nicht viel."
- "Ja, so wie Cottbus."
- "Naja, ein bisschen mehr schon. Aber Gladbach, das ist ja auch schlimm."

(Unterhaltung, aufgeschnappt nach Spielende)

Nun, irgendwie muss man sich als Frankfurter trösten nach einer 4:0 Niederlage gegen Nürnberg, ausgerechnet Nürnberg, nach der der Traum von Berlin erst mal ausgeträumt ist. Oder zumindest vertagt.

Und dabei stand anfangs eigentlich alles unter einem guten Stern. Bereits bei der Ankunft unseres ICs aus Frankfurt in der Frankenmetropole, als eine Zugdurchsage ankündigte, der "Anschluss nach Berlin werde noch erreicht", dachte ich, wenn das mal kein gutes Zeichen ist. Und natürlich sprach ja auch die vielzitierte Statistik für uns. Seit über zwei Jahrzehnten war unsere Eintracht ungeschlagen im Frankenstadion. Aber natürlich gab es von Nürnberger Seite auch andere "Argumente": Das letzte Mal, dass Frankfurt und Nürnberg im Pokalhalbfinale aufeinanderstießen, schickte uns der Club mit einem 4:2 nach Hause und holte danach den Pokal in Berlin. Das war 1962.

Was mich gestern jedoch persönlich erschütterte war die Eindeutigkeit, mit der der Club uns gestern abend abserviert hat. Ausgerechnet der Club! Denn eigentlich ist der Club doch, wie wir alle wissen, trotz seines derzeitigen Tabellenplatzes ein sogenannter Gegner auf Augenhöhe, und normalerweise geht es immer knapp aus, man denke nur an den letzten Besuch in Franken (am 9.3.2007, 2:2) oder das Achtelfinale im Winter 2005 (4:1 i.E.), oder das letzte Heimspiel in der Hinrunde (2:2), man könnte die Liste beliebig fortführen. Aber was nützt das alles? Totz engagierter Leistung meines Lieblingsvereines hat es nicht gereicht, und irgendwie muss ich zugeben, dass der Club uneingeschränkt verdient gewonnen hat. Aus fünf Torchancen vier Tore zu machen, das ist einfach besser als vielen Chancen gar kein Tor zu machen. Bei dieser simplen Analyse möchte ich es eigentlich gerne belassen. Denn schließlich müssen wir nach vorne schauen, auf näherliegende und im Moment realistischere Ziele, den Klassenerhalt zum Beispiel. Und dafür, dass sich ein Frankfurter so schnell nicht unterkriegen lässt, stand gestern Abend auch der Frankfurter Gästeblock. Nach dem Pfiff zur Halbzeit verließ kaum ein Frankfurter seinen Platz. Statt dessen wurde ohne Pause bis lang in die zweite Hälfte hinein ununterbrochen gesungen. Das eher eintönige, aber durch seinen Rhythmus bestechende "S - G - E - SG Eintracht Frankfurt!" erinnerte an afrikanische rituelle Stammesgesänge, die irgendwie etwas Beschwörendes an sich haben. Leider hat es nichts genützt und weder Regen noch Tore gebracht. Trotzdem, ich hoffe, dass die Jungs in der Kabine uns gehört haben.

Ansonsten habe ich vom Nürnberger Stadion jetzt erst mal genug. Viel zu oft war ich in den letzten Jahren dort, sei es Confed Cup, WM, Liga oder Pokal. Dass die sogenannte Easy Credit Arena, in der man übrigens nicht mal ein paar Bratwürste auf Pump kaufen kann, nicht gerade zu den Schatzkästlein der deutschen Stadionarchitektur gehört, ist natürlich nichts neues. Auch, dass das Sichtfeld auf den meisten Plätzen stark eingeschränkt ist duch das optisch sehr dominierende Dach, ist bekannt. Was mir gestern zum ersten Mal auffiel, das ist der penetrante Stadionsprecher, der fast noch den aus Gladbach übertrifft. Vielleicht brauchen die nicht gerade für ihr Temperament bekannten Nürnberger einfach einen Anheizer, der ihnen vorgibt, wann sie zu jubeln oder singen haben. Schließlich sollte man nicht vergessen, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass der Club Tickets für Heimspiele für einen Euro an Schulklassen und Sportvereine verscherbeln musste, um überhaupt eine einigermaßen Sportschauwirksame Kulisse im Stadion zu schaffen. Die Nürnberger, die gestern das Stadion bevölkerten, als "Erfolgsfans" zu degradieren, wäre vielleicht ungerecht und meiner Bitterkeit zuzuschreiben, aber dass seit dieser Saison jede Menge nagelneue Clubfahnen in fränkischen Vorgärten wehen, ist natürlich kein Zufall und schon mit dem derzeitigen Erfolg zu erklären.

Ja, ich gebe es zu, ich bin neidisch. Auch darauf, dass dieses Jahr, egal, wer der Gegner sein wird, alle zu Nürnberg halten werden im Finale. So wie letztes Jahr Frankfurt die Sympathien der Nation gewann, als sie Pokalsieger der Herzen wurden. Also nehme ich mich zusammen und bin natürlich auch für den Club am 26. Mai 2007. Der Franke hat ja schließlich sonst nicht viel. Außer eben seinem Club und seinen sogar im Stadion vorzüglichen, mit Majoran gewürzten, Nürnberger Bratwürstchen.(JS)

 

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(C) Fotos heute mal von Jessika und M!cha