Jubelnde Jungs: Was für ein prima Jahresabschluss

Man kann nicht ohne Erwartungen ins Stadion gehen. Klar, man kann es sich vornehmen. Aber gestern waren die Erwartungen so hoch, dass man eigentlich schon fast wieder mit einer Enttäuschung rechnen musste. Denn Enttäuschungen mussten wir ja in der letzten Zeit schon ab und zu mal einstecken. Und heute also Köln. Klar. Heute putzen wir Köln. Im Moment gibt es ja zwei Vereine, die ob ihrer Erfolglosigkeit von sich reden machen und denen man zwangsläufig siegesgewiss gegenübertritt. Der FC Köln und der HSV scheinen beide in immer tiefere Gefilde zu versinken. Aber während man Dolls HSV allerorten Sympathie und Mitgefühl entgegenbringt, so ist es bei den Rheinländern wohl eher Häme, die ihnen entgegenschlägt.

Ich versuchte also mal wieder, mich aus allem rauszuhalten und betrat völlig unvorbelastet und erwartungslos unser schönes Waldstadion. Es ist völlig egal, welchen Schal du heute trägst, dachte ich mir, völlig egal, ob du mit der S-Bahn oder mit der Straßenbahn angekommen bist, und es spielt auch gar keine Rolle, ob Melanie auf der Tribüne sitzt, und dass unsere Lieblingsmannschaft noch nie gewonnen hat, wenn sie dabei war. Denn eins weiß ich inzwischen. Es kann alles passieren in diesen 90 Minuten. Oder eben 120 Minuten.

Eins muss man ihm jedenfalls lassen, dem Kölner: Laut ist er! Zumindest bis zur zweiten Minute wurde im Gästeblock gehüpft und gesungen, dass man zeitweise kaum die eigene Kurve gehört hat. Nach der zweiten Minute, nachdem Meier für den frühen Vorsprung sorgte, verstummte die Ecke erst mal wieder schnell. Und bei mir kamen sofort wieder Zweifel auf. Oh, ein so frühes Tor. Das hat uns in der letzten Zeit nicht wirklich oft Glück gebracht. Und tatsächlich. Es kam, wie es kommen musste, in der achtzehnten Minute fällt der Kölner Anschlusstreffer, und in der Ecke wird schon wieder lauthals Karneval gefeiert. Mit Bengalos und allem. Die nächsten 72 Minuten waren kein Spaß. Vergebene Chancen, Fehlpässe, fehlende Geschwindigkeit und verhuggelte Bälle wo man hinsah, und zwischendrin auch noch irgendwelche dämlichen Kölner, die es sich nicht verkneifen können, Albert Streit mit Feuerzeugen zu bewerfen. Es gibt Situationen, da bin ich durchaus für sofortiges langfristiges Stadionverbot!

Aber ich sagte es ja bereits. Es kann alles passieren. Und darauf muss man stets gefasst sein. So träumte ich nach der 2:0 Führung gegen Fenerbahce neulich noch von bevorstehenden Auswärtsfahrten, von Glasgow, und von ganz großen Sachen, und heute? Heute hätte dieses Fußballjahr auch ganz anders zu Ende gehen können. Aber davon brauchen wir heute ja nicht mehr reden...

Denn Köln hat vielleicht einen Trainer, den sie Messias nennen. Aber wir Frankfurter, wir haben einen Stürmer, der zumindest gestern vierdientermaßen gefeiert wurde wie der Messias. Ein eigens für Takahara angestimmtes Lied ließ das gesamte Stadion immer wieder erbeben. Denn unser Japaner schlug wieder zu, in der Nachspielzeit köpfte er das Ding ins Tor, und nun war auch wieder Tempo im Spiel. Und, unser Trainer ist eben auch immer wieder für eine Überraschung gut, in der 110. Minute durfte Jones, auf den wir so lange schmerzvoll verzichten mussten, sein hoffentlich schmerzfreies Comeback feiern. Seine Begrüßung durch die 52,000 hatte schon wieder Gänsehautcharakter, und ich bin sicher, dass die Nummer 13 das auch nicht ganz unegrührt zur Kenntnins nahm. Der Treffer zum 3:1 durch Kyrgiakos ließ mich dann endgültig alle Sorgen vergessen, und schon geriet ich doch wieder ins Träumen. Nur noch drei Spiele... und dann dürfen wir wieder durch Europa reisen...

Und selbst wenn nicht. So durften wir heute nach 120 Minuten endlich mal wieder das sehen, was wir am liebsten sehen: Ausgelassen feiernde, jubelnde Jungs, einen Sotos, der seine Mitspieler lässig im Huckepack über den Rasen trägt, einen Takahara, der irgendwie immer so aussieht, als könne er es gar nicht fassen, dass die Fans wirklich ihn feiern, und einen Jones, der endlich wieder da ist, wo wir ihn haben wollen. Auf dem Rasen. Und einen Trainer, der mal wieder stolz sein kann auf seine fantastischen Jungs!

Und ich habe jetzt Winterpause. Sechs Wochen, in denen ich ein wenig an meinem Griechisch arbeiten kann, damit ich endlich meinem großen starken Lieblingsspieler mal die Frage stellen kann, die ich ihm schon immer stellen wollte.....

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