Sizilianische Sieger, Frankfurter Frust


Ihre Vereinsfarben sind rosa und schwarz und ihre Namen klingen wie mit Mandelcreme gefüllte Süßigkeiten: Caraciollo. Parravicini. Und zu allem Übel spielten die Rosaneri mit den wohlklingenden Namen auch noch als wären sie aus Zucker.

Als alte Freundin der Italiener hatte ich mich wirklich gefreut auf diese Partie gegen die Jungs aus meinem bevorzugten Urlaubsland. Vor allem war ich mal wieder so sorglos vor dem Spiel und verfiel wieder in den altbekannten Irrtum, eine Niederlage sei ja gar nicht so schlimm, schließlich sei ja erstens die Liga viel wichtiger und zweitens habe man ja mit der Gruppenphase sowieso schon viel mehr erreicht als noch vor wenigen Wochen erwartet. Aber nein, so klappt das eben nicht. Da kann man sich vormachen, was man will, hinterher tut es eben doch immer weh. Egal, ob es das Pokalfinale gegen die Bayern ist oder ein Uefacup-Heimspiel gegen den U.S. Palermo.

Dabei fing es zunächst sehr vielversprechend an. Unsere Eintracht war in der ersten Hälfte eindeutig die dominierende Mannschaft, und torgefährlich waren die Italiener in dieser Zeit auch nicht. Und als Albert Streit in der Nachpielzeit kurz vor der Pause mit seinem schönen Treffer die Frankfurter in Führung brachte, dachte ich schon langsam darüber nach, mir für den 16. Mai einen Flug nach Glasgow zu buchen. Denn schließlich, so sagte Funkel noch vor dem Spiel, hat unsere Eintracht gegen jede Mannschaft dieser Welt eine Chance! Und furchterregend kamen die Zuckerschnittchen aus Sizilien ja nun wirklich nicht daher!

Die zweite Hälfte der Partie wurde dann schon hitziger. Nur vier Minuten dauerte es, bis Brienza eine kleine Schwäche von Huggel ausnutzte, und den Ausgleichstreffer erzielte. Was folgte, war, in Kürze zusammengefasst, ein ungeahndetes Foul an Thurk in der 59., ein beispielhaftes Theaterspiel von Caracciolo, der sich effektvoll von Sanitätern vom Platz tragen ließ, um eine Minute später, unter einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert und mit einer echt italienischen Geste in Richtung Frankfurter Trainerbank wieder munter auf den Platz zu laufen; dann war da noch Amanatidis’ Pfostenschuss, einige vergebliche Versuche Thurks, es den Italienern gleichzutun und mit theatralischem Wälzen am Boden die Aufmerksamkeit des Unparteiischen auf sich zu ziehen. Drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit wurde dann noch die zweite Unachtsamkeit unserer Abwehr bestraft, Zacchardo der Weltmeister brachte die Gäste in Führung, gegen die jetzt auch Pröll nichts mehr tun konnte, auch wenn er fast die komplette Nachspielzeit vorne mitwirkte und, wenn auch mehr symbolisch, alles gab.

Dafür, dass der Uefacup ja nur ein Zubrot ist, wie Friedhelm Funkel später betonte, war die Stimmung nach dem Spiel doch sehr niedergeschlagen. Klar, dass man als eigentlich stärkere Mannschaft mit null Punkten aus dem eigenen Stadion geschickt wird, ist eben schmerzhaft. Und trösten kann nach so einer Niederlage eben nichts. Auch nicht das Wissen, dass an diesem Abend „nicht die bessere, sondern die etwas glücklichere Mannschaft gewonnen hat“, wie der Trainer es später zusammenfasste.

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