Europa, wir kommen!!!!

14. September 06, Waldstadion: SGE - Brøndby IF (4:0)

Das gibt's doch gar nicht: Da kehrt am Donnerstag unsere Eintracht nach elf Jahren auf die internationale Bühne zurück, gewinnt mit einem souveränen 4:0, und am Freitag wird am Stammtisch lautstark lamentiert: "Naja... das war ja wohl ein Grottenkick" höre ich und traue meinen Ohren nicht. "EIGENTLICH war das ja nur EIN Tor", fährt der Sprecher fort und macht sich in diesem Moment nicht besonders viele Freunde am Tisch. Aber er macht unberirrt weiter und gibt sich alle Mühe, uns die gute Laune zu vermiesen. Das soll ihm jedoch nicht gelingen. Elfmeter oder nicht, gegen acht dänische Feldspieler, und dann auch noch Köhlers Abseitsposition. Pfft. Ich denke kurz darüber nach, den Miesmacher mit herkömmlichen, vielleicht sogar körperbetonten Methoden zum Schweigen zu bringen, klinke mich dann aber doch einfach aus dem Gespräch aus und lasse den Donnerstag Abend noch einmal Revue passieren...

Wieder einmal bin ich früh dran an diesem Donnerstag. Die Vorfreude muss man so lange wie möglich genießen. Schließlich kennen wir das Gefühl, nach einem großartigen Spiel leise und in gedrückter Stimmung das Stadion zu verlassen, nach dieser Art von Spiel, nach dem Friedhelm Funkel gerne seine Spieler lobt, sie haben fantastisch gespielt und großartig gekämpft, leider jedoch viel Pech gehabt. Irgendetwas in dieser Art hatte ich auch an diesem Europapokalabend erwartet, aber es sollte doch anders kommen.

Auch wenn das Waldstadion nicht ausverkauft war, so war doch die Stimmung einmal mehr nur mit Superlativen zu beschreiben. Zwischenzeitlich ging es so weit, dass ich mir Sorgen machte um die Westtribüne, als Tausende von Fans hüpften. Nun, ich hoffe, die 80,000 m³ Beton und 12,000 t Stahl werden auch bei weiteren Europapokalspielen ihre Pflicht tun und dafür sorgen, dass wir die Bodenhaftung nicht verlieren..

Die erste Halbzeit gab mir dann trotz der bombastischen Geräuschkulisse Anlass zur Sorge. So richtig wollte die Partie nicht in Gang kommen, und unser bislang einziger Torgarant Amanatidis konnte nicht wirklich überzeugen, wirkte fahrig und fiel eher durch Fehlpässe auf. Als er dann auch noch, böse gefoult und humpend den Platz verließ, schwanden mir die letzten Hoffnungen. Aber manchmal siegt eben die Gerechtigkeit doch: Nach zwei dänischen Platzverweisen, und einem Vorspung von zwei Toren nach zwei Elfmetern, die beide erfolgreich von Thurk ausgeführt wurden, kam dann doch noch Schwung in die Partie. Mit seinem wunderbaren Kopfballtor durfte er sich (und wir uns) dann über einen lupenreinen Hattrick freuen. Nun ist er wohl endlich richtig angekommen, zurück in der Heimat, und wehe, ich höre noch irgendwelche unnötigen Schmähungen über den Franfurter Bub, der sich so schnell in das Team hineingefunden hat!

Köhler sorgte dann auch noch für das 4:0! Abseits? Durchaus möglich. Aber egal, mit diesem Ergebnis haben wir die allerbesten Voraussetzungen, dass wir demnächst noch weitere europäische Gäste in unserem schönen Waldstadion empfangen dürfen. Aber bevor ich in meinen Träumen schon nach England, Italien oder sonstwohin weise, werde ich wieder zurück in die Gegenwart geholt: Der Lamentierer ist fertig mit Lamentieren, der Wirt will zumachen und ich muss meine Zeche zahlen.

Und meine Laune ist immer noch prima!