Championship statt Champions League    

13. September 06, Elland Road: Leeds United - Sunderland (0:3)

Heute also mal englischer Fußball! Zugegebenerweise habe ich das Phänomen "Englischer Fußball" in meiner bisherigen Fanlaufbahn immer sehr stiefmütterlich behandelt. Klar, bei der WM, da hatten wir England mal zu Gast in Frankfurt. Da musste ich zum ersten Mal feststellen, dass es sich bei englischen Fußballfans um richtig nette, und auch noch harmlose Menschen handeln kann! Aber englische Liga? Das war mir immer viel zu kompliziert! Dass die zweite Liga jetzt Championship und nicht mehr "Second Division" heißt, habe ich ja inzwischen verstanden. Aber warum es sich bei der dritten Liga um die "League One" und bei der vierten um die "League Two" handelt, das sorgt glaube ich nicht nur bei mir für Verwirrung...

Leeds United, ein Traditionsverein, hat letztes Jahr nur knapp den Aufstieg in die Premier League verpasst, nach dem heutigen Spiel rutschte das Team jedoch auf den drittletzten Tabellenplatz der Championship, und damit gefährlich nahe an die "andere" League One.

Eine Geschäftsreise führte mich also nach Yorkshire, und glücklicherweise fand ich in meinem englischen Kollegen vor Ort einen eingefleischten Leeds-Fan, der sich als sachkundiger Führer in die Elland Road anbot und uns mit wichtigen Vorab-Informationen versorgte.

Andere Länder, andere Sitten: Was isst man vor dem Spiel? In meinem Heimatstadion ist die Auswahl ja nicht besonders groß, aber durchaus vielseitig: Bratwurst, Rindswurst, Currywurst. In England dagegen lernte ich neue Delikatessen kennen: Das Angebot beinhaltet Curry and Chips, Gravy and Chips, Chili and Chips, oder Mushy Peas and Chips. Pommes also, in den interessantesten Variationen! Begeistert haben mich die "Mushy Peas", eine Art Erbsenbrei, mit dem man seine Fritten aufwertet. Entschieden habe ich mich dann aber doch für die Currysoße..
Aber Unterschiede gibt es natürlich nicht nur beim Essen! Der besagte Kollege erzählte von seinen Erfahrungen seines einzigen Besuchs in einem deutschen Stadion: Deutscher Fußball, das wäre wie englischer Fußball in den Siebzigern. Damit konnte ich erst mal nichts anfangen. Aber vielleicht verstehe ich jetzt, was er meinte. Was in Leeds irgendwie fehlte, das waren die Kuttenträger, mit ihren Jeanswesten, bestückt mit den Aufnähern aus jahrzehntelangen Fandaseins. Und überhaupt ging es auf dem Weg zum Stadion überraschend ruhig zu! Das liegt sicher zum einen daran, dass im englischen Fußball horrende Eintrittspreise verlangt werden und sich der gemeine Fan, der hierzulande im Stehblock immer noch günstig seinen Club unterstützen kann, dort einen Stadionbesuch gar nicht leisten kann, zum anderen aber sicher auch daran, dass "der Engländer an sich" sehr gut erzogen ist und sich gerne brav in eine Schlange um zu warten, dass sie an die Reihe kommen, sei es für Mushy Peas, Bier, den Bus oder Tickets. Das ist eigentlich richtig angenehm, und kostet weniger Nerven als unsere gute alte Ellbogen-Methode. Im Vergleich mit der Heimat muss ich sagen, dass mir der englische Fußball bzw der englische Fußballfan irgendwie erwachsener vorkam.
Obwohl.. erwachsen? Da Sunderland mit seinem neuen Trainer Roy Keane, ehemals ManU anreiste, und ManU der erklärte Erzfeind von Leeds ist (warum eigentlich?), konnte man schon im Vorfeld erwarten, dass aus dem Leeds-Block lautstarke Manchester-Hass-Lieder angestimmt würden. Die Melodien dieser Lieder kamen mir dann auch wieder sehr vertraut vor. Dass ich die Texte nicht verstanden habe, ist vielleicht besser so. Beeindruckt hat mich aber die Leeds Hymne "Marching on Together", die ich schnell noch kurzfristig gelernt habe, und die fast so schön altmodisch ist wie unser "Im Herzen von Europa".

Natürlich gehörte zum Stadionbesuch auch dazu, kurz vor dem Spiel noch schnell zu wetten. Das geht direkt im Stadion, beim Hauptsponsor. Also einen Pfund auf einen 1:0 Sieg und auf David Healy als Torschützen. Der war erstens der einzige Spieler, den ich kenne, und außerdem hatte er in der vergangenen Woche in der EM Quali gegen Spanien einen Hattrick für Irland erzielt...

Was dann allerding später auf dem Rasen passierte, beeindruckte mich leider weniger. Dummerweise hatte ich mich vorher schon entschieden, dass ich zu Leeds halte, denn irgendwie scheint mir dieser Verein ganz sympathisch zu sein, aber nachdem Sunderland einmal in Führung gegangen war, schienen sie sich komplett aufzugeben, setzten den schwarzroten Gegnern nicht mehr entgegen, verloren am Ende 0:3 und wurden unter lautstarken Schmäh- und Buhrufen von den Fans verabschiedet.

Schade. Vor allem für den Kollegen im gelben Leeds-Shirt, der ja an diesem Abend nicht nur zwei deutsche Begleiterinnen hatte, sondern auch noch eine, die in Sunderland aufgewachsen ist und dazu auch noch einen Amerikaner, der zwar die Regeln nicht kannte, darauf bestand, dass das Spiel Soccer heißt und nicht Football, und der bei jedem Tor laut lachte und "not good" rief.

War aber trotzdem ein netter Abend!

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